Wie in diesen schwierigen Zeiten unsere Arbeit charakterisieren? Eine Zeile aus Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft.

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Socialist Register

Den kapitalistischen Marktdystopien zum Trotz – wie können wir eine Zukunft errichten, die vom Respekt für die Menschen und die Umwelt geprägt ist? Socialist Register 2020.

Erinnerung an Werner Goldschmidt

Am 25. Oktober 2020 wäre Werner Goldschmidt (1940–2019) 80 Jahre alt geworden. Der marxistische Soziologe und ehemalige Professor am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg hat sich im Laufe seiner Forschungen unter anderem mit der Entwicklung des abendländischen politischen Denkens auseinandergesetzt. Ergebnisse dieser Arbeit schlugen sich in zwei enzyklopädischen Werken, der ›Enzyklopädie Philosophie‹ und dem ›Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus‹, nieder. Seine Beiträge zu diesen Werken beruhten auf seiner Überzeugung, dass die von Marx ›allgemeines Wissen‹ genannten menschlichen Erkenntnisse auch eine Erweiterung der Möglichkeiten zur Kritik umfassen. Die in diesem Kontext entstandenen Texte zu ›Diktatur‹, ›Gewaltenteilung‹, ›Herrschaft‹, ›Kapital – Kapitalismus‹, ›Klassenherrschaft bei Marx‹, ›Klassenkampf‹, ›Macht‹, ›Politik – Politische Philosophie‹, ›Politische Repräsentation‹, ›Staat – Staatsformen‹ und ›Ware‹ erscheinen nun postum unter dem Titel Kapital – Macht – Staat. Stichworte zur marxistischen politischen Theorie, herausgegeben von Wulf D. Hund und Lars Lambrecht. Anlässlich dieses Geburtstages geben drei Weggefährten – Peter Degkwitz, Norman Paech und Karl-Jürgen Bieback – in Video-Erinnerungen Auskunft über den Menschen und engagierten Wissenschaftler Werner Goldschmidt.

Der rechte Rand wurde breiter

Eine der eher unschönen Begleiterscheinungen der deutschen »Einheit« ist das Erstarken des rechten Rands. Nachdem Hajo Funke in seiner Flugschrift Die Höcke-AfD analysiert hat, erscheint nun von der Redaktion des antifaschistischen Magazins der rechte rand der Band Das IfS. Faschist*innen des 21. Jahrhunderts. Einblicke in 20 Jahre »Institut für Staatspolitik«. Sie hat aus über 30 Jahren Beiträge zur intellektuellen Rechten um das IfS ausgewählt und um fünf aktuelle Texte ergänzt. Erst mit den diskursiven Verschiebungen durch renommierte Persönlichkeiten ohne extrem rechten Hintergrund stieg der politische Einfluss. Das Sag- und Wählbare verschob sich. Diese Raumgewinnung nutzte das IfS, das auch das Parlamentarische nicht ignorierte.

Buchmonat Oktober

Nachdem schon die Leipziger Buchmesse abgesagt werden musste, hat es jetzt auch die Frankfurter Buchmesse erwischt: Da ein Großteil der Verlage eine Beteiligung an der abgespeckten Hallenpräsenz absagte, hat der Aufsichtsrat des Börsenvereins des deutschen Buchhandel die Reißleine gezogen und die »klassische Hallenausstellung« gecancelt. Es gibt ja durchaus andere Möglichkeiten, Literatur zu präsentieren, wie der Schnappschuss vom sommerlichen Nordseestrand deutlich macht.

In Frankfurt am Main sollen nun Bücher und Literatur im ARD-Fernsehen und online gewürdigt werden. Da der VSA: Verlag seit Jahren mit einem eigenen Stand nurmehr im März in Leipzig vertreten war, trifft uns das jetzt nicht so hart. Messe-Direktor Juergen Boos verkündet betont optimistisch: »In der Woche der Buchmesse wird keiner dem Buch und dem Lesen entgehen können.« Wir drücken die Daumen, dass dies nicht nur für die Messe-Woche gilt. Denn ...

Es geht um das Buch!

Auch mit einer lieb gewordenen Tradition musste unter Corona-Bedingungen gebrochen werden: Die Präsentation der neuen Ausgabe des inzwischen 15. Kataloges mit den Büchern unabhängiger Verlage durch die Kurt Wolff Stiftung auf der Frankfurter Buchmesse kann nicht stattfindend. Gedruckt wurde er dennoch, die Lieblingsbuchhandlung hat den Katalog sicherlich vorrätig, denn er wurde dank der Unterstützung diverser Verlagsauslieferungen und Barsortimente breit verteilt (eine pdf-Datei zum Herunterladen gibt es hier). In ihm werden besondere Bücher vorgestellt: »Und er zeigt Verlage, die sich durch ein individuelles Profil, Risikobereitschaft und persönliches Engagement auszeichnen.« (Editorial der Vorstandsmitglieder der Stiftung) Mit dabei diesmal auch der VSA: Verlag (auf S. 98), der seit 2019 zum Freundeskreis der Stiftung gehört.

Mit welchen Büchern wir aktuell zum Motto »Es geht um das Buch« außerdem beitragen, ist dem Folgenden zu entnehmen. Und wir sehen uns hoffentlich im Mai 2021 in Leipzig, wohin der Buchmonat des ersten Halbjahres verschoben wurde. Einen angenehmen Herbstanfang wünscht das VSA: Team aus Hamburg

30 Jahre deutsche Einheit?

Am 3. Oktober ist es 30 Jahre her, dass die Deutsche Demokratische Republik endgültig verschwand und in der Bundesrepublik Deutschland aufging. Dass dies nicht für alle Betroffenen ein Festtag ist, haben wir mit diversen Veröffentlichungen deutlich gemacht, zuletzt mit dem Buch von Dieter Segert, Transformation und politische Linke. Eine ostdeutsche Perspektive sowie mit dem Supplement zu Heft 12/2019 der Zeitschrift Sozialismus.de von Klaus Steinitz, Aus Erfahrungen lernen. Ende November wird darüber hinaus das Buch des ehemaligen ARD-Korrespondenten in der DDR, Hermann Vinke, erscheinen: »Ein Volk steht auf – und geht zum Arbeitsamt«. Staatsholding Treuhand als Fehlkonstruktion – die Sicht von Betroffenen.

Flüchtlingsgespräche und Fluchtursachen

Die Flüchtlingsfrage ist zurück: Spätestens seitdem das griechische Flüchtlingslager in Moria verbrannte, ist das Thema wieder in den Medien und in der politischen Diskussion. Freerk Huisken setzt sich in seiner neuen Flugschrift vor allem mit der Ausländerfeindschaft der »Ja-Aber-Deutschen« auseinander: Dafür nimmt er das argumentative Rüstzeug deutscher Bürger auseinander, die sich von Geflüchteten und Migrant*innen gestört sehen, und analysiert Gegenparolen und Einwände gegen rechtes Denken kritisch: Flüchtlingsgespräche 2015ff.. Über demokratische Ausländerfeindlichkeit und völkischen Nationalismus, linke Heimatliebe und weltoffenen Patriotismus enthält Gespräche, Wortwechsel, Korrespondenzen, Kommentare und Notizen der letzten Jahre.

Was die Fluchtursachen mit der Fremd- und Selbstbestimmung Afrikas seit 1960 zu tun haben, stellt Reinhold Gütter faktenbasiert mit seiner Analyse der Entwicklung des Kontinents seit der formalen Unabhängigkeit seiner Staaten dar.

Demokratischer Sozialismus, aber wie?

Ende Oktober/Anfang November wählt die Partei DIE LINKE vermutlich nicht nur eine neue weibliche Doppelspitze, sondern diskutiert auch über die strategische Orientierung im Superwahljahr 2021. Nach Steffen Lehndorff und Bernd Riexinger hat sich jetzt auch Hans-Henning Adler, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE Oldenburg, Stadtrat und bis 2013 Mitglied im Niedersächsischen Landtag, mit einer VSA: Flugschrift zu Wort gemeldet: Kapital-Macht wirksam bändigen. Gedanken zu einem Sozialismus mit Durchsetzungschancen. Welche gesellschaftlichen Strukturen müssen entstehen, damit langfristig die Emanzipation von Unterdrückung und Ausbeutung gelingt? In seinem Vorwort notiert Oskar Lafontaine dazu: »Noch sind die ›Eliten‹ sich ihrer Macht sicher. Wenn es aber gelingt, ihre Macht Schritt für Schritt einzuschränken, und das geht nur über Lösungen, die an der Eigentumsfrage ansetzen, dann eröffnet sich eine andere Zukunft.«

Grund und Boden für einen linken Green New Deal

Allerorten ist von einer »sozial-ökologischen Transformation« oder von einem »Green New Deal« die Rede. Bei all diesen Überlegungen gibt es aber eine theoretisch-inhaltliche Leerstelle: den Grund und Boden. Dieser ist als nicht vermehrbare natürliche Ressource für die Menschen jedoch essenziell. Das zeigt sich nicht nur an der aktuellen Brisanz der Wohnungsfrage, sondern auch an dem dramatisch gewachsenen Einfluss menschengemachter Einwirkungen auf die Umwelt mit allen damit zusammenhängenden desaströsen Klimaveränderungen. Stephan Krüger analysiert in seinem Buch Zusammenhänge der Bodennutzung und des Raumgefüges. Er umreißt einen sozial-ökologischen Umbau im Rahmen einer sozialistischen Marktwirtschaft mit dem Ziel einer hochproduktiven ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft, die langfristig den Gemeinbesitz am Grund und Boden einschließen muss.

Mit Arbeitskämpfen Druck entfalten

Unter schwierigsten Bedingungen, für die es in der langen Geschichte der Tarifkämpfe wahrlich keine »Blaupause« gibt (so Robert Hinke in Sozialismus.de 9/2020), sind die Warnstreiks von ver.di im Öffentlichen Nahverkehr, in Krankenhäusern und Kitas angelaufen. Am ersten Streiktag ging das neue Buch von Peter Renneberg in den Druck: Anleitung zum Arbeitskampf. Alle vom Autor in dem mit vielen Grafiken illustrierten Band angeführten Erzählungen, Berichte und Beispiele stammen aus eigenen Erfahrungen bzw. Recherchen und der Mitarbeit an Mobilisierungs- und Druckkampagnen. Arbeitskämpfe brauchen die Solidarität vieler Menschen auf der Straße. Nicht zuletzt liefert der Autor einen Ausblick auf die Folgen der Corona-Pandemie für die Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten und damit die Rahmenbedingungen von Arbeitskämpfen in den kommenden Jahren.

Ein Abend mit Friedrich Engels im Wuppertal

Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Bialas, der Schauspieler, Sprecher & Theatermacher Olaf Reitz – beide »begnadete Vorleser« (Westdeutsche Zeitung) – und der Autor selbst stellten am 17. September, also wenige Tage vor Ende der Ausstellung »Friedrich Engels – ein Gespenst geht um in Europa«, am Ausstellungsort das Buch Friedrich Engels im Wuppertal von Reiner Rhefus, Mitarbeiter des Historischen Zentrums, einer der Kuratoren der Ausstellung und Stadtführer, mit ausgewählten Texten und Briefen vor. Rhefus führt darin die Leserin und den Leser auf den Spuren von Engels durch das frühindustrielle Wuppertal.

Herzlichen Glückwunsch!

Der Dissertationspreis der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie geht an Felix Bluhm: In seiner Studie erforscht er Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Krisenprozessen und kollektivem Handeln, sucht nach Potenzial für Protest, Revolten und gesellschaftliche Veränderung in den Jahren der Weltwirtschaftskrise von 2007ff. Sie ist 2019 als Buch unter dem Titel Kollektives Handeln in der Krise. Betriebliche Alltagskonflikte nach dem Boom im VSA: Verlag erschienen. Der Autor geht den Fragen nach: Unter welchen Bedingungen erwächst aus Leiderfahrungen, Unzufriedenheit und Wut veränderndes Kollektivhandeln? Wie wirken sich Krisensituationen hierauf aus? Wir gratulieren ganz herzlich!

Wir mussten Abschied nehmen

Rossana Rossanda, »die letzte Kommunistin« (Deutschlandfunk) und »große alte Dame des italienischen Kommunismus« (Heinz Bierbaum), ist am 20. September im Alter von 96 Jahren in Rom verstorben. Sie war eine der prominentesten Vertreter*innen der italienischen Linken. Auch nach ihrem Ausschluss aus der PCI mischte sie sich immer wieder in gewerkschaftliche und politische Diskussionen ein. So veröffentlichte sie 1995 gemeinsam mit Pietro Ingrao den Essay-Band »Appuntamenti di fine soccolo«, der 1996 unter dem Titel Verabredungen zum Jahrhundertende im VSA: Verlag erschien. Die darin dokumentierte Debatte über die Entwicklung des Kapitalismus und die Aufgaben der Linken thematisierte Probleme, deren Lösung die Linke noch heute bewegt (wir dokumentieren aus Anlass von Rossanas Tod ihren Brief vom 10. Oktober 1994 an Pietro Ingrao)

Am 21. September 2020 ist Robert Jarowoy in Hamburg-Altona einem Krebsleiden erlegen. In ihrem Nachruf schreiben Joachim Bischoff und Bernhard Müller unter anderem: »Die Hamburger LINKE verliert damit einen ihrer profiliertesten Politiker, der seit dem Zusammenschluss von WASG und PDS zur LINKEN 2007 nicht nur die Stadtteilpolitik in Altona, sondern auch die Landespolitik maßgeblich mit beeinflusst hat.« Seine Erlebnisse in der Altonaer Kommunalpolitik verarbeitete er in Kriminalromanen: Wir erinnern uns gern daran, wie Robert 2010 auf unserem Verlagsfest aus seinem VSA: Krimi Chinagate Altona las. Er wird (nicht nur) Altona fehlen.

System Change durch Green New Deal?

Der Turbokapitalismus hält sein Fortschrittsversprechen nicht. Ökonomische, ökologische und soziale Krisen verschränken und verstärken sich. Es braucht einen Richtungswechsel, einen Green New Deal. Doch wie lassen sich der Kampf um Arbeitsplätze und für Klimaschutz verbinden? Welche Bündnisse und Bewegungen braucht es, um in dieser Auseinandersetzung zu gewinnen? Was können Parteien dazu beitragen? Gerade ist das Buch System Change: Plädoyer für einen linken Green New Deal von Bernd Riexinger erschienen. Er ist seit 2012 Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE und unterbreitet in dem Buch einen strategischen Vorschlag, wie die verschiedenen Kämpfe zusammengeführt werden können und welche Rollen seiner Partei und gesellschaftlichen Bündnissen dabei zukommen. Am 14.9. hatte er Luisa Neubauer – die wohl bekannteste Klimaaktivistin von »Fridays for Future« in Deutschland, und beteiligt an der verstärkten Zusammenarbeit der Klimabewegung mit den Gewerkschaften – zur Buchvorstellung in der taz Kantine eingeladen, die von der taz-Redakteurin Anna Lehmann moderiert wurde; der spannende Abend mit guten Argumenten von allen Beteiligten kann hier nachgeschaut werden.

Gegen Geschichtsfälschung und -verklärung

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lautete das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes und eines breiten Aktionsbündnisses zum Antikriegstag am 1. September: »Nie wieder Krieg! In die Zukunft investieren statt aufrüsten!«

Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 ist nicht zu trennen vom Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Der »Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik« sind Gegenstand des soeben erschienenen Buches von Hannes Heer und Christian Streit. Herausgegeben wird es von Frank Heidenreich und Lothar Wentzel (beide IG Metall), die in ihrem Vorwort schreiben, dass sich heute »für die Gewerkschaften die geradezu fundamentale Notwendigkeit (ergibt), in ihren Organisationen und in den Betrieben rechtsextremen Einstellungen entgegenzuarbeiten. Die Gewerkschaften in Deutschland verdanken der Befreiung vom Faschismus 1945 die Wiedergewinnung ihrer legalen Existenz und ihre von Repression weitgehend freie Betätigung. Ohne Demokratie keine freien Gewerkschaften.« Der Ko-Autor Hannes Heer, Historiker und Leiter der seinerzeit heftig diskutierten Wehrmachtsausstellung 1995-1999, hat unter dem Motto »Der Skandal als vorlauter Bote. Die großen deutschen Geschichtsdebatten« in der Berliner Urania eine bis zum Juni 2021 laufende Film- und Diskussionsreihe organisiert (jeweils sonntags um 11 Uhr). Auftakt ist am 4. September, der Eintritt ist frei, aber unter den Corona-Bedingungen natürlich mit begrenzter Platzzahl, eine rechtzeitige Anmeldung ist deshalb sinnvoll.

Krisen progressiver Regime

»Progressive Regime, die Alternativen zu den Dauerkrisen neoliberaler Politik in Lateinamerika aufzeigen und schrittweise verwirklichen wollten, sind nun selbst in eine tiefgreifende Krise geraten. Wer sich nicht damit zufrieden gibt, dafür in bewährter Manier die erwartbaren Machenschaften des ›Imperialismus‹ anzuprangern, muss nach den inneren Gründen für das Scheitern eines vorschnell proklamierten ›Sozialismus des 21. Jahrhunderts‹ suchen.« So Klaus Menschkat im Vorwort zu seiner Flugschrift zu Lateinamerikas Linker und dam Erbe des Staatssozialismus. Darin sucht er Antworten durch einen Rückgriff auf deren längere Vorgeschichte. Er zeigt, wie das Organisationskonzept Lenins nach Lateinamerika gelangt ist und wie es sowohl in der Ideologie als auch in den politischen Praktiken bis heute fortwirkt.

Fremd- und Selbstbestimmung Afrikas

Die Anzahl von Menschen aus Afrika, die eine Flucht über das Mittelmeer riskieren, nimmt trotz Corona wieder zu. Was sind die Hintergründe, was die Fluchtursachen? Afrikas Gegenwart ist eine Mischung von 500 Jahren eurafrikanischer Geschichte mit 60 Jahren afrikanischer Unabhängigkeit samt fremd- und selbstbestimmter Einflüsse. Damit spiegelt sich seine koloniale Vergangenheit in vermeintlich modernen Webmustern wider: Afrika hatte keine Chance, an den politischen und technischen Revolutionen seiner Kolonialmächte teilzunehmen. Auf dem »Schwarzen Kontinent« überlagern sich politische und wirtschaftliche Zustände von vorgestern und heute. Reinhold Gütter stellt in seinem Buch faktenbasiert die Entwicklung des Kontinents seit der formalen Unabhängigkeit seiner Staaten dar und gibt – auch unkonventionelle – Antworten auf die Fragen: Was ist gut gegangen, was ist schief gelaufen und warum? Ist es möglich, Afrikas rasant wachsender Bevölkerung Perspektiven zu geben?

Sinnvolle Arbeit – ein politisches Thema

Schon vor der Corona-Krise standen die Themen Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der Arbeit vermehrt im Fokus. Unternehmen treibt das »Streben nach Sinn« um, wenn sie auch in Zeiten des Fachkräftemangels oder des »War of Talents« attraktiv für Beschäftigte sein möchten, und für Beschäftigte hat der Grad, in dem sie ihre Arbeit als sinnvoll erleben, Einfluss auf ihre Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Motivation. Arbeit muss somit auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch reflektiert und neu gedacht werden. Hilfreich hierfür ist der am 9. September erscheinende, von Marianne Giesert, Tobias Reuter und Anja Liebrich herausgegebene Band: »Arbeit mit Sinn. Für ein erfülltes (Arbeits-)Leben«. Die Autor*innen liefern gute Beispiele, Instrumente und Strategien von und für Unternehmen und Beschäftigte.

Vom » New Deal« zum »Green New Deal«

In den USA wird die Forderung nach einem »Green New Deal« laut – insbesondere im linken Flügel der Demokratischen Partei. Aber auch in Deutschland wächst die Bezugnahme: Bei den GRÜNEN, aber auch in Teilen der LINKEN und der SPD. Und sogar die EU-Kommission hält trotz aller Widrigkeiten an ihrem Versprechen fest, einen »Green Deal« zum Schwerpunkt ihrer Politik zu machen. Hinter diesen Initiativen und Ankündigungen verbergen sich zwar zum Teil sehr unterschiedliche Konzepte. Eine Sichtweise wird aber offenbar breit geteilt: Roosevelts New Deal der 1930er Jahre eignet sich als Werbebanner. Taugt er aber vielleicht zu mehr? Können aus den Erfahrungen von damals Anregungen für heute gewonnen werden? Diese Fragen behandelt die von Steffen Lehndorff verfasste Flugschrift: »Green New Deal heißt Mut zum Konflikt. Was wir von Roosevelts Reformpolitik der 1930er Jahre heute lernen können«. »Der New Deal der 30er Jahre ermöglichte einen demokratischen Ausweg aus einer umfassenden Krise. Steffen Lehndorff zeigt, welch enorme politische Reformdynamik damals entstand und was daraus für einen Green New Deal der 2020er Jahre gelernt werden kann. Das ist spannend und orientierend zugleich. Ein Blick zurück, der Mut macht für den Aufbruch nach vorn.« (Frank Bsirske)

Mehrwertsteuer-Reduzierung = Buchpreissenkung?

Wir wissen nicht, wann und wie die Corona-Pandemie enden wird. Viele Regierungen haben mit riesigen Anti-Krisen-Paketen reagiert. Auch in Deutschland will die große Koalition mit Überbrückungszahlungen, Krediten und Bürgschaften gegensteuern, zuletzt wurde ein 130 Mrd. Euro schweres Konjunkturpaket geschnürt. Selbst wenn wir uns zusätzlich direkte Maßnahmen vor allem zur Stabilisierung der Einkommensverhältnisse von gering verdienenden Menschen gewünscht hätten, bleibt die politische Intervention zur Sicherung der Massenkaufkraft und der Lebensverhältnisse großer Teile der Bevölkerung richtig.

Ein zentraler Baustein ist die Senkung der Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr, verbunden mit der Aufforderung, diese an die Kund*innen weiterzugegeben. Dies gilt auch für den VSA: Verlag. Im Unterschied zu den anderen Waren des täglichen Bedarfs, Haushaltsgeräten oder Autos haben Bücher jedoch gebundene Ladenpreise. Preisänderungen für einen begrenzten Zeitraum unterliegen besonderen Regelungen und sind in einem komplizierten Verfahren mit dem Buchhandel und den Kund*innen zu kommunizieren. Hinzu kommt, dass aufgrund der Herabsetzung des für Bücher geltenden Satzes von 7% auf 5% etwa ein Buch, das bisher 16,80 Euro kostet, für ein halbes Jahr für 16,50 Euro angeboten werden könnte – eine sehr überschaubare Ladenpreissenkung.

Gleichwohl sehen wir uns als linker Verlag in der Verantwortung, einen Beitrag im Sinne des Konjunkturpakets zu leisten. Statt jedoch unsere im eher niedrigen Preissegment liegenden Ladenpreise für ein halbes Jahr zu senken, werden wir bis zum Jahresende bei allen Bestellungen aus dem Inland keine Porto- und Versandkosten berechnen. Zugleich bitten wir diejenigen, die nicht bei ihrer Lieblingsbuchhandlung vor Ort einkaufen, sondern auf unseren Service im Netz zurückgreifen, bei ihrer Bestellung ein SEPA-Lastschriftmandat zu erteilen. Wir hoffen für diese Regelung auf das Verständnis unserer Leserinnen und Leser, von denen wir in den vergangenen Wochen viel Solidarität erfahren haben.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben hier regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Deshalb ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden, Bestellungen und Zuspruch geholfen haben. Auch wenn Amazon »bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle«, wie Julia Encke in der FAZ am Sonntag vom 29.3.2020 berichtete – man könnte auch sagen: Klopapier statt Kulturgut –, wollen wir, dass unsere Bücher weiterhin zu den Leser*innen kommen – auch ohne Amazon: Auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die trotz miserabler Bezahlung mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

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