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Die schwierigen Zeiten halten an. Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft weiterhin.

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Macrons Wiederwahl | Ist das 1,5-Grad-Ziel noch realistisch? | Kriegsursachen und -folgen: Beiträge von Friedrich Steinfeld, Lutz Brangsch, Fritz Fiehler und Adam Tooze | Tektonische Transformationen im Kapitalismus | FORUM GEWERKSCHAFTEN: Erste Ergebnisse Betriebsratswahlen 2022 bei VW, BMW, Porsche, Ford und Opel u.v.a.m.

Socialist Register

Das weithin anerkannte internationale Phänomen der »neuen Polarisierung bei alten Widerssprüchen« verdient den genaueren Blick. Socialist Register 2022.

Stoppt den Krieg! Nieder mit den Waffen!

Den ganzen Mai über wird uns bedauerlicherweise das Thema Krieg weiter beschäftigen. Dazu haben Antje Vollmer, Daniela Dahn, Dieter Klein, Gabriele Zimmer, Ingo Schulze, Michael Brie und Peter Brandt in ihrer Flugschrift »Neubeginn. Aufbegehren gegen Krise und Krieg« bei der berechtigten Forderung, den Überfall der russischen Armee auf die Ukraine zu verurteilen, aus unserer Sicht zu Recht gemahnt: »Der ständigen Produktion von globalen Feindbildern – sei es nun Russland, China oder der Islam – muss Einhalt geboten werden.«

Dass in Russland bei aller positiven Bedeutung, die die Revolution von 1917 und die Rolle der Bolschewiki für die Entwicklung des riesigen Landes hatte, schon in den ersten Jahren Diverses falsch gelaufen ist, darauf haben sowohl Rosa Luxemburg als auch Paul Levi bereits früh hingewiesen, wie aus der Neuauflage der viel zitierten, aber selten gelesenen Schrift »Die Russische Revolution« hervorgeht.

Unterstützungsmöglichkeit für Journalist*innen

Da in Kriegen die Wahrheit bekanntlich immer als erstes unter die Räder kommt, haben wir auf einer Extra-Seite Unterstützungsmöglichkeiten und Netzwerke für kritische Journalist*innen aus der Ukraine und Russland zusammengestellt.

Viel zitiert, selten gelesen

»Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden« ist sicherlich einer der am häufigsten zitierten Sätze Rosa Luxemburgs. Zugleich ist das von Paul Levi1922 erstmals herausgegebene, 1918 im Gefängnis geschriebene, Fragment über »Die Russische Revolution« selten komplett gelesen worden. Deshalb diese von Jörn Schütrumpf herausgegebene und eingeleitete Neuausgabe, ergänzt um bisher ebenfalls nahezu vergessene Texte des damaligen Herausgebers. »Die russische Revolution ist das gewaltigste Faktum des Weltkrieges.« Mit diesen Worten leitet Rosa Luxemburg ihre Schrift ein – würdigt die Rolle der Bolschewiki in der Revolution. Neben den anerkennenden Worten übt sie zugleich scharfe Kritik an den Seiten ihrer Politik, die aus ihrer Sicht dem Ziel des Sozialismus zuwiderlaufen.

Was wird mit der LINKEN?

Die politischen Debatten im Mai wird auch die Situation der Linkspartei bestimmen. Ein Faktor, der den Rücktritt ihrer Ko-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow ausgelöst hat, ist neben dem Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen und der persönliche Situation, die Tatsache, das »eine programmatische, strategische und kulturelle Erneuerung der LINKEN« nicht gelungen ist. Im Juni muss die Partei auf ihrem Erfurter Parteitag nicht nur den Vorstand neu wählen, sondern dafür sorgen, dass das strategische Defizit endlich bearbeitet wird. Dazu könnte das neue Buch von Dieter Klein »Regulation in einer solidarischen Gesellschaft. Wie eine sozial-ökologische Transformation funktionieren könnte« ebenso hilfreich sein wie der Text des Bundesschatzmeisters der Partei und erfahrenen Politikers Harald Wolf »(Nicht)Regieren ist auch keine Lösung. Chancen, Risiken und Nebenwirkungen, wenn Linke sich beteiligen«.

Amazons letzte Meile

Am 2. Mai steht ab 18:30 Uhr in Erfurt Amazon im Fokus. Im filler – Jugendbüro der Gewerkschaftsjugend (Schillerstraße 44) berichten die Autor*innen über die Nachwirkungen der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des Projekts FAIRE Mobilität in Thüringen des DGB-Bildungswerks veröffentlichte Studie »Amazons letzte Meile. Ein Onlinehändler als Prekarisierungstreiber in der Paketlogistik« rund um das Verteilzentrum in Erfurt-Stotternheim. Mit der Thüringer Arbeits- und Sozialministerin Heike Werner soll diskutiert werden, welche Handlungsmöglichkeiten Landesregierung und Landesbehörden haben, um die zahlreichen Rechtsverstöße zu ahnden. Im VSA: Verlag hat Sabrina Apicella in ihrem Buch »Das Prinzip Amazon« den Wandel der Verkaufsarbeit und Streiks im transnationalen Versandhandel nachgezeichnet und dargestellt, wie sich digitalisierte und rationalisierte Arbeitsprozesse auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten auswirken.

Glückwünsche zum Geburtstag

Am 5. Mai ist Karl Marx’ 204. Geburtstag, kein »runder« Jahrestag, gleichwohl ein Grund auf die Neuausgabe seines »kleinen Kapitals« »Lohn, Preis und Profit«  hinzuweisen, in dem er sich selbst »popularisiert« hat, wie Herausgeber Thomas Kuczynski in seiner Einleitung scheibt. Mit dem von Marx’ Tochter Eleanor im Nachlass gefundenen und 1898 von ihr veröffentlichten Manuskript wurde eine verständliche Einführung in die politische Ökonomie des Kapitalismus zugänglich. Sie ist einer der in der deutschen Arbeiter*innenbewegung meistgelesenen Texten von Marx geworden.Auch das große »Kapital« gibt es in einer neuen Textausgabe, ebenfalls herausgegeben von Thomas Kuczynski, bei uns und – falls es jemand noch nicht mitgekriegt hat – das Ganze dann auch leicht verständlich als Jari-Comic »in Farbe«.

Tag der Befreiung und des (freien) Buches

Der 8. Mai ist in vielen europäischen Ländern ein Feiertag – so zum Beispiel in Frankreich, Tschechien und der Slowakei. In Deutschland sind wir noch nicht soweit, aber es gibt seitens der Zivilgesellschaft, von Gewerkschaften und Parteien die Forderung, diesen Tag als bundesweiten Feiertag einzuführen. Dafür trat auch Esther Bejarano ein, die das Vernichtungslager Auschwitz überlebte und im letzten Jahr verstorben ist. In Hamburg wurde erste konkrete Schritte gegangen und in drei Bezirksversammlungen beschlossen, den 8. Mai in Hamburg als Feiertag zu etablieren.

Der 10. Mai ist zudem der »Tag des (freien) Buches« in Erinnerung an die Bücherverbrennungen 1933. Wir wollen mit unseren Büchern zur Erinnerungskultur beitragen und verweisen insbesondere auf folgende in der letzten Zeit erschienene Titel: In dem von Dietlind Kautzky und Thomas Käpernick herausgegebenen, demnächst in einer aktualisierten 2. Auflage erschienenen Band »Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden« werden neun Lebenswege von Menschen dargestellt, die im April 1945 den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel mitmachen mussten. Der französische Künstler und Angehöriger der Résistance, René Baumer (1906-1982), hatte über seine Erlebnisse in Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit aus den Konzentrationslagern Neuengamme, Hannover-Stöcken und Bergen-Belsen berichtet und mit Zeichnungen illustriert. Von Krakau nach Kapstadt. Deportiert nach Auschwitz ist der beeindruckende Bericht von Peggy Berolsky (1924–2008), die als polnische Jüdin das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und den Todesmarsch nach Bergen-Belsen überlebte und schließlich nach Südafrika auswandern konnte. Mit ihrem Buch Vernichtungskrieg im Osten haben Hannes Heer und Christian Streit solide Forschungsgrundlagen und anschauliche Dokumente für geschichtliche Lernprozesse geliefert, mit denen sich der Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg 1941–1945 und begreifen lässt.

Ein hellrotes Bändchen für Ágnes Heller

Am 12. Mai 2022 wäre die marxistische Philosophin Ágnes Heller (1929–2019) 92 Jahre alt geworden. Ihr Werk lebt weiterhin fort. Anlässlich 50 Jahre VSA: Verlag werden wir ihr Werk Theorie der Bedürfnisse bei Marx als eines von fünf hellroten Bändchen – für jedes Jahrzehnt der »Arbeit an tätiger Vernunft« eines – im Mai wiederveröffentlichen. Außerdem dabei: Louis Althusser mit Die Krise des Marxismus, Pierre Bourdieu mit Die Intellektuellen und die Macht, Harald Neubert mit Einführung Gramsci und David Harvey mit Die urbanen Wurzeln der Finanzkrise.

Die Aktualität der Wohnungsfrage

Vom 27. bis 29. Mai widmet eine Konferenz in den Räumen der TU Berlin sich den Themen Enteignung & Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen. Wer sich im Vorfeld mit Hintergrundwissen und Argumenten versorgen möchte, findet sie in folgenden VSA: Büchern: Andrej Holm (Hrsg.): Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft; Reinhold Gütter: Wohnungsnot und Bodenmarkt; Heinz J. Bontrup: Wohnst du noch ...? und Thomas Eberhardt-Köster/Wolfgang Pohl/Mike Nagler u.a.: Wohnen ist ein Menschenrecht.

Nulltarif statt »Neun-Euro-Ticket«!

Das fordert eine Mehrheit der Verkehrsminister*innen von der Bundesregierung, die mit einer entspechenden Initiative die Verbraucher*innen wegen der rasant steigenden Spritpreise entlasten sowie Bus und Bahn attraktiver machen will. Abgesehen von der Kritik am Verwaltungsaufwand wird die Initiative der Regierung breit begrüßt und kann voraussichtlich schon ab Mai umgesetzt werden, ob für 9 Euro im Monat oder umsonst ist noch offen. Schnelles Handeln und günstige Fahrkarten im Öffentlichen Nahverkehr sind offensichtlich möglich, wenn politischer Wille und entsprechender Druck da sind. Dass es langfristig bei einer nur zeitlich begrenzten Fahrpreissenkung nicht bleiben kann, wird in der neuen Studie »Fahren wir zusammen?«, herausgegeben von Steffen Liebig und Kim Lucht, deutlich. Darin wird erstmals die neue Allianz zwischen Beschäftigten im ÖPNV und den Klimaaktivist*innen von Fridays for Future untersucht.

Betriebsratswahlen in Transformationszeiten

Noch bis zum 31. Mai 2022 finden Betriebsratswahlen statt. Über erste Zwischenergebnisse in der Automobilindustrie wird in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Sozialismus.de berichtet, u.a. von Stephan Krull über die Wahlen im VW-Konzern. Warum Gewerkschaften für die Beschäftigten in diesem Land unverzichtbar sind, kann in folgenden VSA: Büchern nachgelesen werden: Jane McAlevey: Macht. Gemeinsame Sache, Peter Renneberg: Anleitung zum Arbeitskampf und Hans-Jürgen Urban: Gute Arbeit in der Transformation. Außerdem aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm:

Selbstbewusste und beteiligungsorientierte Gewerkschaftsarbeit

Bei dem vom Bezirksleiter der IG Metall Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen), Jörg Köhlinger, herausgegebene Debattenband »Solidarisch in die Offensive. Beiträge für eine starke IG Metall in Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft« geht es weniger um abgeschlossene Wahrheiten als um eine strategische Suchbewegung, an der sich Betriebsräte ebenso beteiligen wie Gewerkschaftssekretär*innen und kritische Wissenschaftler*innen. Der Offensivbegriff mag angesichts der aktuellen Defensivsituation von Gewerkschaften an das sprichwörtliche Pfeifen im Walde erinnern, er ist jedoch bewusst gewählt. Denn trotz einer gewerkschaftlichen Defensive und angesichts der besorgniserregenden klimatischen Entwicklungen muss es möglich sein, über eine offensive Reformperspektive mit weitergehenden Zielen zu sprechen.

Wir brauchen eine Renaissance des Gemeinwohls!

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke und der Geschäftsführer von INPUT Consulting Claus Zanker schreiben in ihrem Vorwort: »Wenn die Pandemie etwas Positives bewirkt hat, dann war es einzig die Erkenntnis, dass deren Folgen für die Menschen ohne den Sozialstaat noch schlimmer ausgefallen wären. In den ersten Corona-Monaten schien sich im politischen Diskurs ein weitreichender Konsens herauszukristallisieren, dass es ein schlichtes ›Weiter so!‹ nach der Krise nicht geben dürfe. Von der Besinnung auf Daseinsvorsorge und Gemeinwohl, von einer Neujustierung des Verhältnisses von demokratischer Politik und gewinnorientierter Wirtschaft, von der Notwendigkeit eines ­›resilienten Infrastrukturstaates‹ (Andreas Reckwitz) ist in den Debatten zur Jahreswende 2021/2022 allerdings kaum mehr die Rede. Mit diesem Buch [...] sollen die frühen Erkenntnisse aus der Pandemiezeit wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Es enthält sowohl Befunde zur Lage nach fast zwei von COVID-19 geprägten Jahren als auch Vorschläge für eine gemeinwohlorientierte Politik für die allseits ersehnte Zeit danach.« Der Band Renaissance des Gemeinwohls? enthält u.a. Beiträge von Klaus Dörre, Ulrich Brand, Mariana Mazzucato, Berthold Vogel, Sebastian Dullien und Rudolf Hickel.

»Biz Buralıyız – Wir sind von hier«

Die Ausstellung »Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990 – Biz Buralıyız. Türk-Alman Yaşamı 1990« mit Fotografien von Ergun Çağatay (1937-2018) ist noch bis zum 6. Juni 2022 im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen. Der Instanbuler Fotograf machte auf Reisen in Hamburg, Köln, Werl, Berlin und Duisburg Tausende von Aufnahmen aus Arbeitswelt, Gemeinschafts- und Privatleben der ersten und zweiten Generation der sogenannten Gastarbeiter*innen. Viele von ihnen blieben und nahmen die deutsche Staatsbürgerschaft an. In ihrem Buch »Solidarität – Kooperation – Konflikt« behandeln Anne Lisa Carstensen, Sabine Hess, Lisa Riedner und Helen Schwenken vor allem gewerkschaftliche Kämpfe in den 1970er und 1980er Jahren, in denen migrantische Arbeiter*innen eine größere Rolle spielten als es die bisherige Geschichtsschreibung wiedergibt. Dies machen die zahlreichen Zeitzeug*innen-Interviews deutlich.

Unsere Geburtstagsgeschenke: fünf hellrote Bändchen und zwei Klassiker*innen

Im Frühjahr 2022 jährt sich die Gründung des VSA: Verlags zum 50. Mal. Allerdings sind wir – zumal in diesen Zeiten – ähnlich wie Bertolt Brechts Herr Keuner nicht so sehr »für Jahrestage«. Denn auch wir haben »wenig Zeit zum Feiern« und halten »den Fortgang des Lebens für wichtiger als die Zelebration des Erreichten«.

Aber wir überreichen unseren Leser*innen anlässlich dieses Geburtstags Geschenke und veröffentlichen aus jedem Jahrzehnt der Verlagsarbeit Texte in neuer Ausstattung – jeweils ein schmales hellrotes Bändchen: Louis Althussers »Krise des Marxismus«, Ágnes Hellers »Theorie der Bedürfnisse bei Marx«, Pierre Bourdieus »Die Intellektuellen und die Macht«, Harald Neuberts »Einführung Gramsci« und David Harveys »Die urbanen Wurzeln der Finanzkrise«. Sie sollen deutlich machen, in welcher Tradition das aktuelle Verlagsprogramm steht. Hinzu kommen die Neuausgaben von Karl Marx’ »kleinem Kapital« (herausgegeben und kommentiert von Thomas Kuczynski) sowie viel zitierte, aber selten gelesene Schriften von Rosa Luxemburg und Paul Levi zur »Russischen Revolution« (herausgegeben und eingeleitet von Jörn Schütrumpf). Aber auch der Rest des Frühjahrsprogramms darf gern als Geschenk »für tätige Vernunft« betrachtet werden.

Vom Abseits in die Mitte

Die Pandemie ist keineswegs vorbei, die Gesundheitsämter haben eine neue Bedeutung erhalten. Doch warum ist die Institution, die in der Weimarer Republik eine Blütezeit erlebte, ins Abseits geraten? Dem geht Gine Elsner in ihrer Studie »Vom Abseits in die Mitte: die Gesundheitsämter. Kreisärzte, Medizinalräte, Amtsärzte: Geschichte und Aktualität einer Institution« nach, stellt die Funktion dieser Institution dar und zeichnet vor allem ihre Geschichte nach. Der öffentliche Gesundheitsdienst begann im 19. Jahrhundert in Preußen mit den Kreisärzten und der Cholera. Schließlich standen den staatlichen Kreisärzten kommunale Gesundheitsamtsärzte der Gemeinden gegenüber. Der Nazistaat vereinheitlichte das Gesundheitswesen, alle Gesundheitsämter wurden staatlich. Sie dienten nun der eugenischen »Ausmerzung«. Die Alliierten ließen die Gesundheitsämter weitgehend ungeschoren, denn sie brauchten sie gegen Seuchen und unzureichende Hygienebedingungen. Im Kalten Krieg wurden kollektive Gesundheitseinrichtungen als »kommunistisches Teufelswerk« angesehen und selbstständige Artzpraxen ­favorisiert. Gesundheitsämter gerieten ins Abseits. Bis Corona kam.

Chinesisch-deutsche Buchpremiere

Am 30.3. gab es eine Buchpremiere der besonderen Art: In einem Studio in der chinesischen Metropole Beijing präsentierten die Herausgeber Yang Ping und Jan Turowski in einem von der Rosa-Luxemburg-Stiftung übertragenen Webinar den ersten Band der LinkenChinaDiskurse »Sozialismusdebatte chinesischer Prägung«. Unter der Moderation von Sun Wei, einer Kollegin des Beijing-Büros der RLS, erläuterten die beiden Herausgeber die Intention der Veröffentlichung, stellten die Besonderheiten der innerchinesischen Sozialismusdebatte vor und beantworteten in den Chat geschriebene Fragen. Trotz einiger technischer Probleme wurde deutlich, dass die eurozentristische Sichtweise auf Sozialismuskonzeption, Nachhaltigkeit und Menschenrechte den chinesischen Weg nur unzureichend erfasst. Das Land befindet sich in einem Entwicklungsprozess, der als flexibel, aber mit klaren Zielvorstellungen vorgestellt wurde, in dem die vorhandenen Widersprüche benannt, dann aber schrittweise pragmatisch gelöst werden sollen. Was das für das Projekt »Gemeinsam reich werden« konkret bedeutet, wird in der weiteren Bänden des LinkenChinaDiskurs präzisiert werden müssen. Ein zweiter Band »Immer noch tastend den Fluss überqueren. Chinas marktsozialistisches Modell verstehen« soll im Mai erscheinen, der dritte Band »Kann man den Tiger reiten? Chinas Entwicklungsmodell als Synthese von Moderne und Sozialismus« ist für den Sommer/Frühherbst 2022 vorgesehen.   

West-Tarife, Ost-Tarife

Vor wenigen Tagen hat die Gewerkschaft ver.di für die rund 25.000 Sicherheitskräfte an Verkehrsflughäfen ein Tarifergebnis erzielt, das als eine Komponente die Angleichung der Löhne Ost an West zum 1. Januar 2024 vorsieht. Dass dies nach über 30 Jahren »Deutsche Einheit« in den Medien besonders herausgestellt wird, hat auch historische Gründe. Diesen geht Robert Hinke in seiner umfangreichen Studie »Tarif-, Lohn- und Leistungspolitik in Ostdeutschland« über sechs Jahrzehnte in zwei Gesellschaftssystemen nach. In einer »dichten Beschreibung« am Beispiel der Metall- und Elektroindustrie reicht sein Bogen vom Kriegsende 1945, der Etablierung »volkseigener Betriebe« über die Ära der Kombinatsbetriebe bis zur »Wende«, der Transformationskrise und wirtschaftlichen Konsolidierung bis ins Jahr 2004. Der Autor endet mit einem Update zur Gegenwart, sein Buch kann auch als eine Geschichte des FDGB der DDR sowie der IG Metall Ost und West gelesen werden.

Wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor:innen, Freund:innen und viele Leser:innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die geholfen haben. Wir sind auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb bei der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

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