»Geraubte Leben« – Erinnerung vor Ort

In der niedersächsischen Kleinstadt Burgwedel werden am 23. November ab 9 Uhr 28 neue »Stolpersteine« verlegt. Sie erinnern an Babys osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in der dortigen »Ausländerkinder-Pflegestätte« zu Tode kamen. Anschließend wird ab 11:00 Uhr im Rathaus, Fuhrberger Str. 4, das im VSA: Verlag erschienene Buch »Geraubte Leben. Spurensuche: Burgwedel während der NS-Zeit« vorgestellt. Irmtraud Heike und Jürgen Zimmer haben die Geschichte der Kleinkinder und ihrer Mütter recherchiert. Außerdem enthält ihr Buch die Biografie des ebenfalls in Burgwedel in den Tod getriebenen jüdischen Arztes Dr. Albert David sowie Forschungen zu Angehörigen von Sinti, die zeitweise im Ort lebten und in Auschwitz umgebracht wurden. Die »Spurensuche« zeigt, wie es vor Ort gelingen kann, Erinnerungen an die NS-Zeit für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Die Linke und die Religion

Kirche und sozialistische Arbeiterbewegung hatten von Anbeginn ein schwieriges Verhältnis. Was heißt das für Linke heute? Wie sehen sie das Verhältnis der Religionen zum Staat, im Streit um Kopftuch, Militärseelsorge oder Religionsunterricht? Und was sind die Maßstäbe für eine linke Religionspolitik? Der von Cornelia Hildebrandt, Jürgen Klute, Helge Meves und Franz Segbers herausgegebene Band Die Linke und die Religion. Geschichte, Konflikte und Konturen spannt den Bogen von theoretischen und historischen Beiträgen bis zu aktuellen Streitfragen.

30 Jahre Mauerfall

Mit dem Fall der Mauer in Berlin am 9. November vor 30 Jahren war das Ende des »realen Sozialismus« in ganz Osteuropa absehbar. Bis heute indes hält der Streit darüber an, wer und mit welchen Motiven das System zum Einsturz gebracht hat. Dieter Segert, damals selbst bei den Reformkräfen an der Humboldt-Universität aktiv, analysiert in seinem Buch Transformation und politische Linke ostdeutsche und osteuropäische Umbrüche. Er entwickelt auf der Grundlage seiner Lebens­erfahrungen und seiner wissenschaftlichen Arbeit sowie in Reaktion auf aktuelle Debatten Ideen für einen Weg in eine solidarische Gesellschaft und partizipatorische Demokratie. Seine Schlussfolgerung: Die politische Linke sollte sich wieder auf die Kraft sozialer Utopien besinnen.

Glückwünsche zur Wahl

Die Linkspartei hat mit ihrem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Thüringen einen großartigen Wahlerfolg errungen. Dass dies kein Zufall ist, sondern in der Tradition einer spezifischen Sichtweise linker Politik steht, kann gern in dem bereits 2015 erschienenen, von Susanne Hennig-Wellsow herausgegebenen VSA: Band Mit LINKS regieren? nachgelesen werden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Methode politischer Arbeit nicht auf Thüringen, Berlin und Bremen begrenzt bleibt, sondern in der anstehenden Strategiedebatte der Linkspartei aufgegriffen wird.

Stärkung des völkisch-nationalistischen Flügels der AfD

Zugleich konnte die AfD in Thüringen ihren Stimmenanteil von 10,6% auf 23,4% mehr als verdoppeln. Ihr Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzender, Björn Höcke, ist zugleich der politische Kopf des völkisch-nationalistischen, rechtsextremen Flügels dieser Partei.

Leider hat sich damit die These vieler unserer Autor*innen, dass der Zenit der AfD noch keineswegs überschritten ist, auch in Thüringen bewahrheitet. Grund genug, genauer hinzuschauen, was die extreme Rechte vorhat und wie sie agiert. Unsere Bücher zu dieser Thematik haben wir auf einer Sonderseite zusammengestellt.

Rechtspopulismus als Protest

Der Zenit der AfD ist keineswegs überschritten. Die parteiinternen Querelen schaden den Rechtsextremen nicht, was zuletzt die Wahlerfolge in Brandenburg und Sachsen dokumentieren. Beim aktuellen Politbarometer des ZDF legt die AfD bundesweit zu und überholt mit 14% inzwischen sogar die SPD (deren Zukunft ist ein anderes Thema ...). Die Gründe dafür, dass die Rechte massiv Stimmungen und Stimmen mobilisieren kann, analysiert Cornelia Koppetsch in Rechtspopulismus als Protest. Die gefährdete Mitte in der globalen Moderne. Ihre These: »Die neuen Rechtsparteien sind vor allem dort besonders erfolgreich, wo es ihnen gelingt, emotionspolitische (Zorn auf die Eliten und Ressentiments gegenüber Einwanderern), symbolpolitische (Bewahrung nationaler Traditionen und Werte) und realpolitische Anliegen (Schutz der einheimischen Wirtschaft vor ausländischen Investoren oder Finanzkonglomeraten, Zurückdrängung der EU) aufzugreifen und in ein Antiglobalisierungs-Narrativ zu integrieren.«

Glückwunsch zur Wiederwahl

Hans-Jürgen Urban, Autor des gerade erschienenen Buches Gute Arbeit in der Transformation, das bereits in der zweiten Auflage ist, wurde auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg mit 98,3% in den Geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft wiedergewählt. »Stürmischen Applaus« notierte die Süddeutsche Zeitung, »immer wieder, ... als er nur ans Mikrofon trat, um die Wahl anzunehmen, aber noch kein Wort gesprochen hatte«. Wir applaudieren ebenfalls und gratulieren ganz herzlich!

Überzeugt, authentisch, kämpferisch

Bei der offiziellen Verabschiedung des langjährigen ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske am 16. Oktober im TIPI am Kanzleramt überreichte der neue ver.di-Vorsitzende Frank Werneke ihm als Überraschungsgeschenk ein erstes Exemplar des von ihm gemeinsam mit seinen beiden Stellvertreterinnen Christine Behle und Andrea Kocsis im VSA: Verlag herausgegebenen Bandes Überzeugt, authentisch, kämpferisch. ver.di und ihr Vorsitzender Frank Bsirske 2001 bis 2019.

Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen u.a.: »Frank ist präsent gewesen bei den Menschen im Arbeitskampf, bei Demonstrationen und Kundgebungen, auf zahllosen Betriebs- und Personalversammlungen, auf großen Konferenzen ebenso wie bei Versammlungen einer Arbeitsloseninitiative. Er hat überzeugt und sich auch überzeugen lassen.«

Sein Ausscheiden aus der aktiven Arbeit haben zahlreiche Autor*innen (Margret Mönig-Raane, Detlef Hensche, Reiner Hoffmann, Berthold Huber, Ingrid Artus, Klaus Dörre, Ute Klammer, Thorsten Schulten und Claudia Weinkopf, Klaus Busch, aber auch Horst Seehofer, Annegret Kramp-Karrenbauer, Andrea Nahles, Robert Habeck, Jürgen Trittin, Katja Kipping und Bernd Riexinger, Gregor Gysi u.v.a.m.) zum Anlass genommen, Blicke zurück zu wagen: auf die Geschichte von ver.di, auf ihre vielfältigen gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Handlungsfelder und natürlich auf Frank Bsirske, sein Engagement und seine Leistungen. Der Band enthält darüber hinaus mehr als 50 Fotos aus allen Zeiten seines Wirkens.

Erdoğans Krieg – auch gegen Rojava!

Erdoğans Angriffskrieg auf Nordsyrien droht, ein geopolitisches Desaster zu werden, und gefährdet die kurdischen Autonomiegebiete, die über viele Jahre aufgebaut und verteidigt wurden. Der von Anja Flach, Ercan Ayboğa und Michael Knapp verfasste Band Revolution in Rojava. Frauenbewegung und Kommunalismus zwischen Krieg und Embargo liefert einen Blick auf ein politisches Projekt im Wes­ten Kurdistans, das Geschlechtergerechtigkeit und Basisdemokratie im Nahen Osten lebt und Widerstand gegen den Terror des IS leistet. Die umfassend aktualisierte 4. Auflage des in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und TATORT-Kurdistan entstandenen Buches berücksichtigt die un­übersichtliche, sich ständig verändernde Lage vor Ort.

Miete? Deckeln!

Endlich kommt der Mietendeckel in Berlin, jetzt sollten auch andere Metropolen nachziehen. Denn die Mieten in wachsenden Großstädten explodieren. Reinhold Gütter, ehemaliger Baudezernent des Hamburger Bezirks ­Altona, analysiert in »Wohnungsnot und Bodenmarkt. Nachhaltige Alternativen für Wohnen und Stadtentwicklung« an drei historischen Beispielen und für sieben Metropolregio­nen Wohnungsmärkte und Wohnungspolitik und zeigt nachhaltige Lösungen auf.

Antifaschismus in den Schulen?

Wir lernen in der Schule, dass man immer noch »den Anfängen wehren« muss. Der Faschismus war ein Unrechtsregime und Hitler ein Verbrecher; die Demokratie dagegen hat nicht nur nichts mit dem Faschismus gemein, sie ist ein Bollwerk gegen ihn. So etwas steht seit langem in deutschen Schulbüchern. Aber ist die Demokratie allein schon deswegen ein antifaschistisches System? Oder ist sie auch nur eine Form von bürgerlicher Herrschaft, die rechtsradikales Gedankengut und (neo-)faschistische Gruppierungen immer wieder selbst hervorbringt? Das gerade in einer unveränderten Neuauflage erschienene Buch von Rolf Gutte und Freerk Huisken Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht nimmt die Erinnerungsarbeit an den Schulen unter die Lupe. Das nüchterne Fazit der Autoren lautet: »Glaubt den Schulbüchern kein Wort!«

Globale (Un)Ordnung in der taz-Kantine

Am Dienstag, den 15. Oktober wurde in der taz-Kantine das Buch ABC der globalen (Un)Ordnung – Von »Anthropozän« bis »Zivilgesellschaft« vorgestellt. Auf dem Podium diskutierten Jochen Steinhilber (Leiter des Referats Globale Politik und Entwicklung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Autor des Stichworts »Transnationale Konzerne«), Christian Jakob (taz-Redakteur, Autor der Stichworte »Flucht« und »Grenzregime«), Moderator Wilhelm Vogelpohl (taz-Werbeleitung), Claudia von Braunmühl (Wissenschaftlicher Beirat von Attac und eine der Herausgeber*innen des Buches) sowie Birgit Mahnkopf (Prof. i.R. an der HWR Berlin und Autorin des Stichworts »Anthropozän«) über die Klimakatastrophe, Fluchtbewegungen, die Rolle von Konzernen und demokratischen Einflussmöglichkeiten sowie über die Frage, wie politische Handlungsmöglichkeiten wieder zurückgewonnen werden können.

Wolf-Dieter Narr (1937-2019)

Wir trauern um unseren Autor Wolf-Dieter Narr, der am 12. Oktober 2019 nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. In einem Nachruf im Tagesspiegel würdigt Peter Grottian ausführlich Narrs hochschul- und auch sonstiges politisches Engagement und schreibt: »Leider hat sein letztes Buch zur Niemandsherrschaft zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Er diagnostizierte das, was man ›Blackrock-Kapitalismus‹ nennen könnte: 4,3 Billionen Euro Anlagekapital in den 30 DAX-Unternehmen mit fünf bis zehn Prozent Vertretern von New York aus gesteuert, bester Kenner der Branchen, aber auf keiner Aktionärsversammlung sichtbar. Die Gefahr für die soziale Marktwirtschaft und die Demokratie, die von dieser Schattenbank zwischen den Linien ausgeht, hat Narr trefflich auf den Punkt gebracht.«

Soziologisch nachgebohrt im öffentlichen Interesse

Aufstieg rechter Parteien, Zuspitzung der Konflikte um Klimagerechtigkeit, wachsende soziale Ungleichheiten und nachhallende Effekte der letzten großen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/9 – diesen Themen stellen sich Klaus Dörre und seine Mitherausgeber*innen in dem Band Im gesellschaftlichen Interesse. Potenziale einer Öffentlichen Soziologie.

Nach-Gelesen und weitergedacht: die Linke und der Staat

Kenntnisse über den Staat sind in der Linken durchaus ausbaufähig und der Siegeszug national-autoritärer Parteien führt die Brisanz des Themas vor Augen. Jetzt gibt es eine Einstiegshilfe mit Texten zur materialistischen Theorie von Staat, Demokratie und Recht. Ridvan Ciftci und Andreas Fisahn haben – basierend auf eigenen Lehrerfahrungen – »klassische« und jüngere Texte zusammengestellt. Nach-Gelesen ist geeignet für das Selbststudium ebenso wie für organisierte Lesekreise und Uni-Seminare, kurzum ein Lesebuch, dessen Lektüre aktuelle Entwicklungen erfasst, sie kritisch würdigt und in der Praxis des Studiums und der politischen Aktion hilft, neueren Entwicklungen gerecht zu werden. Zu Wort kommen Eugen Paschukanis, Hermann Heller, Ernst Bloch, Nicos Poulantzas, ­Pierre Bourdieu, Frank Deppe, Joachim Hirsch, Franz Neumann, Josef Esser, Hans Kelsen, Johannes ­Agnoli, Andreas Fisahn und Heide Gerstenberger.

Hat der Kapitalismus eine Zukunft?

Je tiefer die Krisenprozesse, die den Kapitalismus ergreifen, je mehr die Welt aus den Fugen gerät, desto mehr gewinnt der Diskurs darüber, ob diese Gesellschaftformation noch eine Zukunft hat oder bereits ans Ende gekommen ist, an Bedeutung. Dieter Klein fragt in seiner neuen Buchveröffentlichung im Rahmen der Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem VSA: Verlag Zukunft oder Ende des Kapitalismus? In kritischer Diskursanalyse von Texten prominenter Autoren zeichnet er auch Konturen einer solidarischen Gesellschaftsalternative nach.

Nachgeschaut: die Metaphern von Marx

Eine Verständnishilfe der etwas anderen Art zur Einführung in »Das Kapital« liefert Hans H. Hiebel mit seinem Buch Die Metaphern des Karl Marx. Er entschlüsselt das epochale Werk über die zahlreichen bildhaften Ausdrücke – z.B. Ware als »Gallerte«, »Geldkristall«, »Chrysalide«, »Fetischcharakter der Ware«, Kapital als »Fetisch«, »Vampir«, »Moloch«, zinstragendes Kapital als »fetischartigste« Form, das als Ware »verkleidete« Kapital, Zins und Grundrente als ­»Mystifikationen«, »Phantasmagorie«, »Spuk«, »Zauber« usw. –, die bei genauerer Betrachtung interessante Aufschlüsse geben über zentrale Gedanken und Argumente von Marx. Denn dieser war nicht nur ein genialer Ökonom, sondern auch ein brillanter Schriftsteller und Poet, dessen Werk aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet wird.

Organizing online

Das im Frühjahr erschienene Buch Keine halben Sachen. Machtaufbau durch Organizing wird Gegenstand eines globalen, vierteiligen Onlinekurses, an dem sich weltweit über 1.000 Menschen beteiligen werden. Die US-amerikanische Autorin und Gewerkschafterin Jane McAlevey wird in vier aufeinander aufbauenden »Global Lectures« vom 29. Oktober bis zum 26. November die wesentlichen Elemente ihrer Organizing-Methoden vorstellen. Der Crashkurs richtet sich an politische Aktivist*innen und Gewerkschafter*innen, die sich für neue Organisierungspraktiken und gezielten Machtaufbau interessieren. Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich, denn Voraussetzung für die Teilnahme an den »Global Lectures« ist die Teilnahme an allen vier Sitzungen – nur so kann ein kontinuierlicher und kollektiver Lernprozess möglich sein.

Künstliche Intelligenz

Ein schmales Bändchen zu einem Thema, das vielen Beschäftigten zu Recht Sorgen bereitet, haben Lothar Schröder, auf dem Gewerkschaftstag von ver.di aus dem Bundesvorstand ausgeschieden, aber weiter in der Enquete-Kommission »Künstliche Intelligenz« des Deutschen Bundestags aktiv, und der Journalist Markus Franz vorgelegt: Eine warme Stimme schleicht sich in dein Ohr. Darin geht es um gewerkschaftliche Antworten auf Fluch und Segen von Künstlicher Intelligenz – eingängig geschrieben, anschaulich illustriert und ermutigend für die – nach wie vor – in menschlicher Gestalt wirkenden Interessenvertreter*innen!

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/