Wir gratulieren: Franz Hinkelammert wird 90!

Unser Autor Franz Hinkelammert feiert am 12. Januar 2021 seinen 90. Geburtstag, zu dem wir ganz herzlich gratulieren. Franz ist einer der wichtigsten marxistischen Intellektuellen und Befreiungstheologen aus Lateinamerika. Nach seiner Beratertätigkeit für Salvador Allende in Chile konnte er sich nach dem Militärputsch nur durch die Flucht über die deutsche Botschaft vor der Verhaftung retten. 1976 kehrte nach Lateinamerika zurück und ging nach Costa Rica, wo er bis heute lebt und noch immer anregende und streitbare Diskussionsbeiträge beisteuert. So etwa »Marktreligion und Religionskritik« in dem von Michael Ramminger und Franz Segbers herausgegebenen Band »Alle Verhältnisse umzuwerfen ... und die Mächtigen vom Thron zu stürzen.« Das gemeinsame Erbe von Christen und Marx. Im gleichen Jahr vertiefte er diesen Aspekt in dem gemeinsam mit seinem Freund Ulrich Duchrow verfassten Supplement zu Heft 9/2018 von Sozialismus.de: Marx, Luther & Müntzer: Dialektik der Praxis. Humanistische Bewegungen und Ökumene der Religionen. Im Frühjahr 2020 schließlich erschien auf Initiative der VSA: Autoren Ulrich Duchrow, auf dessen ausführliche Würdigung wir hier verweisen, und Michael Brie im Rahmen der Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung im VSA: Verlag sein »Alterswerk« »Die Dialektik und der Humanismus der Praxis. Mit Marx gegen den neoliberalen kollektiven Selbstmord«. Eines von Franz Hinkelammerts Grundsätze lautet: »Leben ist mehr als Kapital«. Wir wünschen ihm alles Gute, vor allem Gesundheit – und uns, dass er in diesem Sinne noch lange dazu beiträgt, diesem Motto zur Durchsetzung zu verhelfen.

Blick nach China

In den ersten Büchern des Jahres 2021 beschäftigen wir uns mit mehreren blinden Flecken politischer Debatten. Im ersten Band, den wir an dieser Stelle ankündigen, untersucht Wolfgang Müller den Sozialismus »chinesischer Prägung«. Die Rätsel Chinas – Wiederaufstieg einer Weltmacht beruht auf Analysen und langjährigen beruflichen Erfahrungen des Autors, der 15 Jahre in der IG Metall Bayern aktiv war und lange in Peking gelebt hat. Seine These: Der rasante Aufstieg der Volksrepublik zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht wird von der Entfesselung der Marktkräfte im Inneren, hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter digitaler Kontrolle begleitet. Zugleich stellt die Entwicklung des Landes den kapitalistischen Westen, in dem einige nach dem Fall der Mauer 1989 schon vom »Ende der Geschichte« halluzinierten, wieder vor die Systemfrage: Wie umgehen mit einem »systemischen Konkurrenten«?

Die Treuhand: Eine Kriminalgeschichte

Mit der jüngst erschienenen Dokumentation »Rohwedder – Einigkeit und Mord und Freiheit« sorgt der Streaming-Dienst Netflix für Aufsehen: Im Krimiformat werden die gesellschaftlichen Spannungen und Konflikte nachgezeichnet, die schließlich in der bis heute unaufgeklärten Ermordung des Treuhand-Chefs Detlev Karsten Rohwedder eskalierten. Auch wir wenden uns der dunklen Seite der Wiedervereinigung zu: Einem gesellschaftlichen und politischen Umbruch, der Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz, ihre Lebensgrundlage und vielfach auch ihre Würde kostete. In »Ein Volk steht auf – und geht zum Arbeitsamt« zeigt Hermann Vinke, wie die »Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums« schließlich gegen die ostdeutsche Bevölkerung eingesetzt wurde und das gesamte DDR-Betriebsvermögen in die Hände westdeutscher Konzernen umverteilte. Der Journalist und Autor (»Zeitzeugen der DDR erinnern sich«, »Akteneinsicht Christa Wolf«) lässt die Betroffenen zu Wort kommen, die sich oft über Jahre hinweg mutig und entschlossen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und Betriebe einsetzten.

Wohnen ist keine Ware

Im Jahr 2021 steht Berlin eine verschärfte Auseinandersetzung um den Erhalt des Mietendeckels und die Enteignung großer Immobilienkonzerne bevor. Außerdem bleibt die Wohnungsfrage in aller Munde: Davon zeugt nicht nur die Vehemenz und neu gewonnene Sichtbarkeit von Protesten und Mieter:inneninitiativen. Auch die Parteien haben sie wieder auf ihre Agenda gesetzt. Nicht zuletzt deshalb hat der Berliner Stadtsoziologe und Aktivist Andrej Holm gemeinsam mit Studierenden eines sozialwissenschaftlichen Masterseminars ein Handbuch zum Thema verfasst. In Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft wird ein kompakter Einblick in zentrale Debatten und Konzepte zu Geschichte, Politik und Ökonomie des Wohnens geliefert. Von der »Ware Wohnung« und aktuellen Trends des Immobilien- und Wohnungsmarktes, über Fragen räumlicher Ungleichheit, Entfremdung, Ausgrenzung und Diskriminierung, bis hin zu wohnungspolitischen Alternativen: Wie kann der Widerspruch zwischen dem Wohnen als Zuhause und dem Wohnen als Immobilie aufgelöst werden?

Erinnerung an den Résistance-Kämpfer und Künstler René Baumer

Beiträge zur Erinnerungskultur sind ein wichtiger Teil unserer verlegerischen Arbeit. Mit dem Buch Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit gedenken wir eines französischen Bildhauers, Malers und Zeitzeugen der NS-Verbrechen: René Baumer (1906-1982) schloss sich 1940 der Résistance gegen die deutsche Besatzungsherrschaft an. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo wurde er 1944 zunächst ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt, kam von dort zur Zwangsarbeit in eines seiner Nebenlager, das KZ Hannover-Stöcken, und wurde schließlich auf einen Fußmarsch ins Konzentrationslager Bergen-Belsen getrieben. Dort erlebte er die Befreiung durch die britischen Truppen und kehrte nach einem Krankenhausaufenthalt in Bergen per Flugzeug nach Frankreich zurück, wo er bis zu seinem Tod 1982 als Zeichenlehrer, Künstler und Schriftsteller tätig war. Postum entdeckte sein Neffe Baumers Aufzeichnungen, die zuerst 2004 in Lyon erschienen: Erinnerungen an kaum beschreibbare Erlebnisse und ein eindrückliches Zeugnis gegen das Vergessen. Herausgegeben vom Verein Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit Hannover und versehen mit einem Grußwort des amtierenden Oberbürgermeisters Belit Onay.

VSA: Übersetzungen ins Englische

Zum Jahreswechsel machen wir zwei VSA: Übersetzungen für die internationale Leser:innenschaft zugänglich: My fate is but one of many thousands bringt den anschaulich illustrierten Beitrag zur Erinnerungskultur der Herausgeber:innen Dietlind Kautzky und Thomas Käpernick ins Englische, der dieses Jahr unter dem Originaltitel Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden erschienen ist – und bereits vom Hamburger Abendblatt besprochen wurde. Beleuchtet werden exemplarisch neun Biografien von Menschen, die 1945 noch kurz vor Kriegsende zum Todesmarsch von Hamburg nach Kiel gezwungen wurden.

Auch die Flugschrift New Deal heißt Mut zum Konflikt ist nun für englischsprachige Leser:innen erschienen. »Wer mehr zum New Deal lesen möchte, dem empfehle ich dringend dieses Buch«, urteilt dazu Andrea Ypsilanti in einer aktuellen Besprechung. Was können wir vom New Deal der 1930er Jahre für den grundlegenden sozial-ökologischen Umbau lernen, den wir heute dringend brauchen? Steffen Lehndorff: “New Deal” means being prepared for conflict.

Mehr als Arbeitskampf! If Not Us, Who?

Eine englischsprachige Ausgabe wird auch parallel zu dem von Dario Azzellini herausgegebenen Band Mehr als Arbeitskampf! Workers weltweit gegen Autoritarismus, Faschismus und Diktatur mit dem Titel If Not Us, Who? erscheinen. In den Kämpfen um Demokratisierung nehmen Arbeiter*innen noch immer eine zentrale Rolle ein: Vom neuen klassenbewussten Feminismus bis zu den aufflammenden Massenprotesten in Chile, im Libanon oder in Frankreich. Wie engagieren sich Arbeiter*innen bis heute gegen Faschismus, Diktaturen, autoritäre Regime und repressive Tendenzen in der Gesellschaft – und wie organisieren sie sich in und jenseits von Gewerkschaften? Antworten liefern knapp 30 Autor:innen zum neuen Klassenfeminismus und zu den Arbeitskämpfen während der Covid-19-Pandemie, sowie Geschichten aus Frankreich, USA, Deutschland, Japan, Chile, Brasilien, Kolumbien, Israel, Libanon, Irak, Iran, Philippinen, Russland, Argentinien, Spanien, Großbritannien, Portugal, Südafrika, Indonesien, Südkorea, DDR, Tunesien, Ägypten und Bosnien-Herzegowina.


Im Laufe des vergangenen Jahres wirkte sich die von Friedrich Engels analysierte »Dialektik der Natur« in vorher kaum vorstellbarer Weise riskant auf das Leben in der ganzen Welt aus und stellte die Gesellschaften vor besondere Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund verweisen wir mit unserem Gruß zum neuen Jahr auf den Appell des letzten noch lebenden 100-jährigen Chefanklägers der Nürnberger Prozesse Benjamin Ferencz.

Ulrich Bauche (19.4.1928-23.12.2020)

Im Alter von 92 Jahren verstarb am 23. Dezember in Hamburg der Kulturhistoriker und Volkskundler Ulrich Bauche. Unserem Verlag war er verbunden, seitdem er 1986 als einer der Herausgeber des ersten Katalogs zur ständigen Ausstellung im Dokumentenhaus der KZ Gedenkstätte Neuengamme beteiligt war, der – ebenso wie die 2. Auflage 1991 – im VSA: Verlag erschien. 1988 war er maßgeblich an der Konzeption der großen Arbeiterbewegungs-Ausstellung »Wir sind die Kraft« im Museum für Hamburgische Geschichte beteiligt und gehörte zu den Herausgebern des ebenfalls bei VSA: erschienenen Ausstellungskatalogs. Im August 2019 schließlich konnten wir gemeinsam mit ihm und vielen Weggefährten seine von Jürgen Bönig, Rolf Bornholdt und Wolfgang Wiedey zusammengestellten und herausgegebenen Beiträge zur Gesellschaftsgeschichte Hamburgs unter dem Titel Genau hinsehen in seiner alten Wirkungsstätte im Museum für Hamburgische Geschichte vorstellen. Der »Demokrat und Wissenschaftler« (so Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda in einem Vorwort zu diesem Buch) wird uns mit seinen klugen und immer zurückhaltend vorgetragenen Analysen und Ratschlägen fehlen. In Vorbereitung ist ein von Wolfgang Wiedey und Wilfried Weinke herausgegebener Band, in dem Freunde, Kollegen und Weggefährten unter dem Titel »Für Verständigung und Toleranz« Ulrichs Engagement für eine aufklärende Erinnerungskultur in Hamburg würdigen.

Die Luxenburgs, Luxemburgs und Löwensteins

Rosa Luxemburg, deren Geburtstag sich am 5. März 2021 zum 150. Mal jährt, war eine bedeutende und auch kontrovers diskutierte Mitstreiterin der europäischen Arbeiterbewegung. Sie war zugleich eine Frau mit Emotionen und nicht immer einfachen Beziehungen, über die nicht zuletzt der Film von Margarethe von Trotta aus dem Jahr 1986 Auskunft gibt.

Und sie entstammte einer Familie, die »hierzulande fast völlig unbekannt ist«, wie Thomas Kuczynski in seiner Besprechung des Buches »Spurensuche« des deutsch-polnischen Autorenduos Holger Politt und Krzyzstof Pilawski in der November-Ausgabe von »Ossietzky« notiert. »Aber, und das ist ein bemerkenswerter Vorzug, [Rosa] spielt keine herausragende Rolle in dem Buch … Die mit viel Liebe zum historischen Detail aufgefundenen Spuren werden quellenkritisch präsentiert, wozu auch eine Vielzahl von Abbildungen gehört, die die handelnden Personen zeigen, historische Dokumente und Stadtansichten, ein rundum gelungenes und schön anzusehendes Buch.«

Ein Fabrikantensohn auf Abwegen

Das Jubiläumsjahr anlässlich Friedrich Engels’ 200. hat seine Geburtsstadt bis November 2021 verlängert. Ein Grund mehr, sich auf eine etwas andere Sichtweise von Reiner Rhefus in »Friedrich Engels im Wuppertal« einzulassen. Darin zeichnet er »detailreich das Leben des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus in seiner Heimatstadt nach«, wie Harald Justin in der jungen Welt vom 22.10.2020 schreibt.

»Der legendäre Engels-Text ›Briefe aus dem Wuppertal‹ wird mit alten Fotografien von Arbeiterhäusern und Villen bebildert. Männer, deren Namen man nur aus den blauen (Brief-)Bänden kennt, bekommen nun ein Gesicht. Entstanden ist eine wundervoll illustrierte Chronik der laufenden Ereignisse, was heißt, dass Rhefus sie glücklicherweise nicht mit dem Tod seines Protagonisten enden lässt. Die Texte sind knapp, aber informativ, und beim Blättern kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Wuppertal im Zentrum der deutschen sozialrevolutionären Bewegung war.«

Wir trauern um Leo Panitch (3. Mai 1945-19. Dezember 2020)

Am 19. Dezember verstarb in Toronto der marxistische Wissenschaftler und langjährige Mitherausgeber des »Socialist Register« Leo Panitch. Mit ihm verliert nicht nur die Linke in Kanada und in den USA einen wichtigen Theoretiker und politischen Akteur. Der VSA: Verlag liefert das »Register«, den Jahresband der internationalen sozialistischen Linken, seit 1997 im deutschsprachigen Raum aus. Leo hatte zusammen mit seinem Freund Sam Gindin im Jahr 2004 den Band Globaler Kapitalismus und amerikanisches Imperium in unserem Verlag veröffentlicht. Zudem erschienen Beiträge von ihm als Supplement von Sozialismus.de, zuletzt »Trumping the Empire« im Januar 2019. Joachim Bischoff und Gerd Siebecke würdigen sein Wirken in einem Nachruf auf Sozialismus.deAktuell, der erweitert in Heft 1-2021 erscheinen wird.

Glückwunsch zum Jubiläum!

Auch »Work in progress | Work on progress«, das Doktorand*innen-Jahrbuch der Rosa-Luxemburg-Stiftung, feiert Jubiläum! Das soeben erschienene Jahrbuch 2020 ist die zehnte Veröffentlichung dieser Reihe, die seit ihren Anfängen kritische Wissenschaft gegen den neo­liberalen Mainstream (kultur-)industrieller Wissensproduktion an den Universitäten und Hochschulen behauptet – in Zeiten, in denen Fake News und Herrschaftswissen oft mehr Anklang finden als wissen­schaftliche Fakten, sowohl in den Gesellschafts- als auch in den Naturwissenschaften. Jane Angerjärv, Direktorin des Studienwerks, das die Stipendiat*innen und Doktorand*innen der Stiftung betreut, schreibt dazu in ihrer Würdigung: »Im Stiftungsumfeld trägt das Jahrbuch dazu bei, unsere gesellschaftspolitisch engagierten Stipendiat*innen in das große Netzwerk organischer Intellektueller einzubinden und empathische Wissenschaft mit politischer Praxis zu verbinden.«

Rechtpopulismus als Protest

Soeben erschienen ist der gleichnamige Band mit Aufsätzen von Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt. In der Einleitung zu ihrem Buch heißt es: »Der Vortrag von Adorno [›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹, hrsg. 2019] animiert dazu, Lektionen aus der Geschichte für die Frage nach den Gefährdungen westlicher Demokratien in der Gegenwart, die sich derzeit im Aufstieg rechtspopulistischer und rechtsnationaler Parteien überall in Europa und in den USA manifestieren, zu ziehen. Rechtsgerichtete Bewegungen lassen sich nach Adorno ›als die Wundmale, als die Narben einer Demokratie bezeichnen‹ (ebd.: 18), die dann entstehen, wenn demokratische Systeme ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden können – also unter Legitimitätsverlusten leiden.« In ihrem Nachwort fügt die Autorin hinzu: »Auch wer verstehen will, an welche Strukturen im emotions-, symbol- und realpolitisch geprägten Alltagsbewusstsein die ›Querdenker‹-Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anknüpfen und wohin diese führen könnten, sollte die Anstrengung genauerer Analysen und Einschätzungen unternehmen. Dazu soll diese Buchveröffentlichung beitragen.«

Die Höcke-AfD

Hajo Funke hat seine Flugschrift, in der er den Weg vom »gärigen Haufen« zur rechtsextremen »Flügel«-Partei nachzeichnete, für die zweite Auflage aktualisiert und ergänzt. In seinem neuen Vorwort schreibt er: »Am Ende des im hohen Maße von der Coronapandemie geprägten Jahres 2020 sind wir konfrontiert mit einer zunehmend zerrütteten Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei macht – außer mit der Unterstützung von Corona-Leugnern und geschmacklosen Provokationen im Bundestag (wie in der Debatte um das Corona-Krisenmanagement vom 18. November 2020) – hauptsächlich noch durch ihre tiefe, selbstzerstörerische Spirale wachsender Spannungen auf sich aufmerksam. In Umfragen ist sie nach dem Eklat im Parlament bundesweit auf historisch niedrige 7% gefallen – wenn sie auch im Osten Deutschlands stabil bei 20% verharrt.« Mit aufgenommen wurde ein Exkurs von Gertrud Hardtmann, in dem sie aus ihren psychoanalytischen Einsichten heraus die im Denken von Björn Höcke bemerkbare »eigentümliche Unsicherheit« schildert.

Das faschistische Echo der Vergangenheit

Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Politische Krisen und das Erstarken der Rechten erinnern erschreckend an die letzten Jahre der Weimarer Republik. Was lehrt uns das damalige historische Scheitern des Antifaschismus für das 21. Jahrhundert? Darüber wollte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen im Februar/März 2020 in Erfurt diskutieren. Doch zuerst kam der Kemmerich-Putsch (zur Erinnerung: CDU und FDP verhalfen dem FDP-Mann mit den Stimmen der AfD kurzzeitig ins Amt des Ministerpräsidenten) und danach die Pandemie dazwischen. Nun liegen die Beiträge als Buch vor. In ihrem Vorwort schreiben Christian Engelhardt und Paul Wellsow: »Weht heute durch die Bundesrepublik ein Hauch von Weimar? Angesichts der Tatsache, dass völkische Standpunkte in die Öffentlichkeit getragen und immer populärer werden; dass rechtsradikale Parteien Stimmung machen gegen die Demokratie; dass immer mehr Wähler*innen von der AfD eingefangen werden konnten; dass eine Polarisierung der Gesellschaft und eine Tendenz zu offener Gewalt von rechts zu beobachten ist, ergibt sich zwingend die Folgerung: Wir müssen im ›Bewusstsein um Weimar‹ ein neues ›Weimar‹ verhindern ... Die Ereignisse in Erfurt im Februar und März 2020 waren deutliche Warnzeichen.«

Das IfS – Faschist*innen des 21. Jahrhunderts

Das vom antifaschistischen Magazin »der rechte rand« herausgegebene Buch hat bereits kurz nach Erscheinen Aufmerksamkeit gefunden. So schrieb Sabine am Orde am 6.11. in der taz: »Es füllt eine Lücke; eine zusammenfassende Beschreibung und Analyse zu diesem Thinktank gab es bislang nicht. ... Lesenswert ... ist das Buch für alle, die sich für rechte Ideologieproduktion interessieren«. Dazu gehörte – viel zu spät – auch der Verfassungsschutz. Dessen ehemaliger Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus, Armin Pfahl-Traughber, muss trotz kritischer Einwände auf der Website »Blick nach rechts« vom 11.12.2020 einräumen, dass der Band »für die Gegenwart noch wichtige Informationen« liefert, u.a. zu den »wichtigsten Akteuren von Götz Kubitschek bis zu Karlheinz Weißmann, … den ›Antaios‹-Verlag und die Zeitschrift ›Sezession‹ ... Auch die einzelnen Beiträge von Andreas Speit sind ... beachtenswert. Der Fachjournalist macht darauf aufmerksam, dass die IfS-Aktivisten ein elitär und heroisch aufgeladenes Spektakel inszenieren, um sich so der Öffentlichkeit wie ihrem Umfeld gegenüber interessant zu machen.«

System Change durch Green New Deal?

Der Turbokapitalismus hält sein Fortschrittsversprechen nicht. Ökonomische, ökologische und soziale Krisen verschränken und verstärken sich. Es braucht einen Richtungswechsel, einen Green New Deal. Doch wie lassen sich der Kampf um Arbeitsplätze und für Klimaschutz verbinden? Welche Bündnisse und Bewegungen braucht es, um in dieser Auseinandersetzung zu gewinnen? Was können Parteien dazu beitragen? In seinem neuen Buch System Change: Plädoyer für einen linken Green New Deal unterbreitet Bernd Riexinger, seit 2012 Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE, einen strategischen Vorschlag, wie die verschiedenen Kämpfe zusammengeführt werden können und welche Rollen seiner Partei und gesellschaftlichen Bündnissen dabei zukommen.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben hier regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Deshalb ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden, Bestellungen und Zuspruch geholfen haben. Auch wenn Amazon »bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle«, wie Julia Encke in der FAZ am Sonntag vom 29.3.2020 berichtete – man könnte auch sagen: Klopapier statt Kulturgut –, wollen wir, dass unsere Bücher weiterhin zu den Leser*innen kommen – auch ohne Amazon: Auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die trotz miserabler Bezahlung mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/