Alle Jahre wieder ...

... hat das VSA: Team und die Redaktion von Sozialismus.de am Nikolaustag Geschenktipps verschickt, damit niemand am 24. Dezember in enttäuschte Gesichter der Lieben schauen muss, weil nicht rechtzeitig Geschenke ausgesucht und besorgt wurden. Doch in diesem Jahr ist alles anders, auch bei uns. Mit Blick auf die verlängerten Lieferzeiten in einer weitgehend online geprägten Weihnachtszeit bieten wir unsere Empfehlungen früher an und nehmen den Vortag von Friedrich Engels’ 200. Geburtstag zum Anlass.
Wir wünschen wie alle Jahre wieder auch diesmal den Freund*innen und Unterstützer*innen des Verlages und des Zeitschriftenprojekts angenehme Festtage. Bleibt trotz allem gesund und optimistisch!

Happy Birthday Friedrich!

Am 28. November ist der mit Ausstellungen und diversen Veranstaltungen bereits vorgefeierte 200. Geburtstag von Friedrich Engels. Auch wir tragen mit insgesamt drei Büchern zur Würdigung des »Denkers, Machers, Wuppertalers« (der Slogan seiner Geburtsstadt – wir fügen hinzu »Revolutionärs«), bei: Elmar Altvaters Engels neu entdecken erscheint gerade in einer Neuauflage, in dem Sammelband »Die Natur ist die Probe auf die Dialektik« haben diverse Autoren mitgeholfen, Friedrich Engels kennenzulernen, und Reiner Rhefus hat sich mit Friedrich Engels im Wuppertal auf seine Spuren im deutschen Manchester begeben. »Entstanden ist eine wundervoll illustrierte Chronik der laufenden Ereignisse ... Mithilfe vieler Bilder folgt Rhefus dessen Nachleben über die Tilgung marxistischer Spuren in der SPD hin zu innerstädtischen Querelen über das Aufstellen von Gedenksteinen und Statuen. ... Die Texte sind knapp, aber informativ ... Einen prima Stadtführer hat man ja jetzt.« (junge Welt vom 22.10.2020). Auch die Zeitschrift Sozialismus.de hat in ihrer Novemberausgabe zwei Beiträge zu Engels’ 200. Geburtstag veröffentlicht und dem Ereignis ihr Cover gewidmet.

Rechte Lieferketten

Für Aufregung in den Feuilletons sorgte die Entscheidung des S. Fischer Verlags, zukünftig keine Bücher seiner langjährigen Autorin Monika Maron mehr zu verlegen. Diese hatte einen Text in der Buchreihe »Exil« der Dresdner »edition buchhaus loschwitz« publiziert. Jenes Buchhaus veranstaltet gemeinsam mit dem Verlag Antaios die Reihe »Mit Rechten lesen«, in der die Buchhändlerin Susanne Dagen gemeinsam mit der Ehefrau des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek, Ellen Kositza, Neuerscheinungen aus eben dieser Szene bespricht. Patrick Bahners hält in der FAZ die Begründung der S.-Fischer-Verlegerin Siv Bublitz, dass damit Bücher hofiert wurden, die »völkisch-rassistische Positionen vertreten« für ein an den Haaren herbeigezogenes »Gerücht der rechten Lieferkette«. Da irrt Bahners mit seiner Weißwäscherei von Frau Maron gewaltig.

Denn genau das ist seit 20 Jahren die Methode von Kubitschek und Konsorten mit dem Verlag Antaios, der Zeitschrift »Sezession« und dem von ihnen betriebenen »Institut für Staatspolitik«. Wir empfehlen hierzu die Lektüre des soeben erschienenen Bands Das IfS. Faschist*innen des 21. Jahrhunderts, den die Redaktion des antifaschistischen Magazins »der rechte rand« zusammengestellt hat.

Wir trauern um Ulf Kadritzke (21.3.1943 – 14.11.2020)

Am 14.11. verstarb überraschend Ulf Kadritzke in Berlin. Ulf hatte sich im Jahr 2018 mit dem Beitrag »Von der Kritischen Universität zur Bachelor-Hochschule – und ein paar Gedanken darüber hinaus« an dem von Knut Nevermann herausgegeben Band Die 68er. Von der Selbst-Politisierung der Studentenbewegung zum Wandel der Öffentlichkeit beteiligt. Denn er ist durch die 68er-Bewegung in Westberlin entscheidend geprägt worden. Dass ihm ein Romantisieren über diese frühe Protestbewegung jedoch fern lag und er sich bis zuletzt für Rückbesinnung auf die Klassentheorie einsetzte, machen Joachim Bischoff und Gerd Siebecke in ihrem Nachruf auf Sozialismus.de deutlich.

Lockdown light?

Während die Kolleginnen und Kollegen in Theatern, Kinos und Konzertsälen von dem neuerlichen Lockdown zur Eindämmung des Pandemie-Geschehens hart getroffen werden, bleiben die Buchhandlungen vorerst offen. Ob die Tatsache, dass Bücher diesmal ebenfalls als Lebensmittel angesehen werden, eine »gute Nachricht« ist, lassen wir einmal offen. Fakt bleibt: Die beschlossenen Einschränkungen zur Kontaktvermeidung führen dazu, dass Diskussionsveranstaltungen, Weiterbildungs- und Gewerkschaftsseminare wieder verschoben, ganz abgesagt oder einmal mehr ins Digitale verlagert werden müssen. Das wird die Möglichkeiten, mit unseren Büchern zu arbeiten, erneut nicht befördern. Dank der großartigen Solidarität unserer Autorinnen und Autoren sowie unser Leserinnen und Leser haben wir die »erste Welle« mit wenigen Blessuren überstanden und sind zuversichtlich, unsere Arbeit an Analyse und Aufklärung auch unter den erneut schwieriger werdenden Bedingungen fortführen zu können. Also: Bücher bestellen und den neuen VSA: Kundenprospekt anfordern!

Für eine demokratische Weltwährung

Gerade hat der Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz in der FAZ (23.10.2020) versichert, »Das Bargeld wird nicht abgeschafft«, wohl mit dem Ziel, den Bürger*innen endgültig die wachsenden Ängste vor digitaler Fremdbestimmung zu nehmen. Dass die Sache mit dem Geld in Zeiten unausweichlicher Digitalisierung der Finanzen mit diesem Versprechen nicht vom Tisch ist, zeigen Alfred Eibl und Johannes Priesemann im AttacBasisText Das Geld gehört uns allen. Das Buch dreht sich vor allem um die Frage: »Wird das Geld mehr und mehr zu einem von großen Privatkonzernen verwalteten Machtinstrument oder könnte gar die Chance ergriffen werden, es endlich zu dem zu machen, was es eigentlich sein sollte: ein öffentliches Gut für die Allgemeinheit?« Damit gehen die Autoren über zu einfache, auch reaktionäre Antworten auf die Skepsis gegenüber PayPal und Co. hinaus, wie etwa die der AfD, die sich allein auf den »dauerhaften Erhalt der uneingeschränkten Bargeldnutzung als wichtiges bürgerliches Freiheitsrecht« (ZEIT, 22.9.2017) beruft. Die Frage muss viel größer gestellt werden, denn es geht ganz grundsätzlich um ein Bewusstsein darüber, wem welches Geld nützt, es geht um »tiefgreifendere Reformen« – und darum, dass wir die Alternativen für »eine sichere und allen offenstehende neue Geldordnung« in der Hand haben.

Trauer um Peter Grottian

Am 29. Oktober 2020 verstarb in Bregenz im Alter von 78 Jahren der Politikwissenschaftler und Aktivist. VSA: Autor Hajo Funke würdigte ihn in einem Nachruf im Tagesspiegel als »entschiedenen Kritiker des politisch unkontrollierten Kapitalismus«, der »bis zuletzt, ... vor wenigen Monaten mit vielen Mitstreitenden an der FU ein ›Tribunal‹ gegen das Unternehmen Black Rock organisierte, dessen langjähriges Aufsichtsratsmitglied Friedrich Merz war«. Der VSA: Autor und Freund Grottians, Mohssen Massarrat, schrieb im Namen des Wissenschaftlichen Beirats von Attac, dessen langjähriges Mitglied Peter Grottian war, einen Nachruf, in dem er ihn als einen Menschen charakterisiert, der »sich Zeit seines Lebens in der Demokratie- und Friedensbewegung engagiert und mit ungewöhnlicher Ausdauer und Energie zahlreiche zivilgesellschaftliche Aktionen initiiert« hat.

Das chinesische Jahrhundert?!

Der Konflikt um Huawei zeigt eindrucksvoll, wie derzeit das Misstrauen der kapitalistischen Staaten gegen den »systemischen Konkurrenten« China (EU-Kommission) wächst. Die fünfte Plenumssitzung der Kommunistischen Partei lieferte letzte Woche mit ihren Vorarbeiten für den nächsten Fünf-Jahres-Plan die Antwort: »Unabhängigkeit« vom Ausland, um China zu einer »großen Nation« zu machen (Tagesschau vom 30.10.2020). Gleichzeitig existiert ein Bild von der Volksrepublik China, das durch rassistische Stereotype geprägt ist, was nicht zuletzt durch das Corona-Virus neue Konjunktur erlebt und die Debatten um Chinas Rolle im globalen System maßgeblich mitbestimmt. Auf der Suche nach den Rätseln Chinas – Wiederaufstieg einer Weltmacht stellt Wolfgang Müller die westliche Sichtweise auf das Land infrage, mit dem »wir weder die Entwicklungen in China angemessen verstehen noch die durchaus nötige Kritik an sozialen Fehlentwicklungen oder an politischen Entscheidungen der KP formulieren« können. Der Autor, der mehrere Jahre in Peking gelebt und gearbeitet hat, liefert Einblicke in die widersprüchlichen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Landes. Was ist von China zu halten und einer politischen Führung, die offiziell die Einführung des ­Sozialismus »chinesischer Prägung« verfolgt, bei gleichzeitig hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter, zunehmend digital unterstützter sozialer Kontrolle?

Gedenkmonat November

Auch die Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 steht in diesem Jahr im Schatten der Coronapandemie. Die Veranstaltungen mit den nur noch wenigen überlebenden Zeitzeugen werden nun ganz »ins Netz« verlegt werden müssen. Daneben hat sich an vielen Orten die Tradition etabliert, Lichter an den Stolpersteinen aufzustellen, z.B. in Hamburg in der Aktion »Grindel leuchtet«.
Einen besonders eindrucksvollen Beitrag zur Erinnerungskultur an die NS-Verbrechen enthält das Ende November erscheinende Buch: Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit. Es handelt sich um den Überlebensbericht des französischen Künstlers und Résistancekämpfers René Baumer, der in den letzten Kriegsmonaten in den KZs Neuengamme, Hannover-Stöcken und Bergen-Belsen inhaftiert war, und seine in diesen Lagern sowie kurz nach der Befreiung entstandenen Zeichnungen. Sie zeigen in sehr individuellen Portraits vor allem seine Mithäftlinge, aber auch einige Täter in den Lagern ebenso wie weitere Situationen an diesen Orten des Grauens.
Wie notwendig die historische Erinnerungs- und Forschungsarbeit ist, zeigen immer wieder neue unsägliche Leugnungen zu den Giftgas-Morden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Bereits 1998 hatten Jürgen Kalthoff und Martin Werner hierzu die Ergebnisse ihrer jahrelangen Recherchearbeit vorgelegt: Die Händler des Zyklon B. Diese seit längerem vergriffene Pionierarbeit ist inzwischen verfügbar im Offenen Archiv der KZ Gedenkstätte Neuengamme und auf der VSA: Website des Buches.

Es geht um das Buch!

Die Präsentation der neuen Ausgabe des inzwischen 15. Kataloges mit den Büchern unabhängiger Verlage durch die Kurt Wolff Stiftung, die normalerweise auf der Frankfurter Buchmesse erfolgt, konnte nicht stattfinden. Gedruckt wurde er dennoch, die Lieblingsbuchhandlung hat den Katalog sicherlich vorrätig, denn er wurde dank der Unterstützung diverser Verlagsauslieferungen und Barsortimente breit verteilt (eine pdf-Datei zum Herunterladen gibt es hier). In ihm werden besondere Bücher vorgestellt: »Und er zeigt Verlage, die sich durch ein individuelles Profil, Risikobereitschaft und persönliches Engagement auszeichnen.« (Editorial der Vorstandsmitglieder der Stiftung) Mit dabei ist diesmal auch der VSA: Verlag (auf S. 98), der seit 2019 zum Freundeskreis der Stiftung gehört.

Es geht um Bücher: Hybrid und ohne den Autor

Am 25. Oktober 2020 mussten wir eine Buchvorstellung durchführen, die es so in der Geschichte des Verlages noch nicht gab: In den Räumen der Hamburger Universität trafen sich mit gebührendem Abstand eine begrenzte Anzahl von ehemaligen Kolleg*innen und Freund*innen von Werner Goldschmidt, um das Erscheinen des Buches des marxistischen Soziologen Kapital – Macht – Staat. Stichworte zur marxistischen politischen Theorie zu feiern. Weitere Freund*innen waren per ZOOM-Video zugeschaltet und beteiligten sich via Kamera und Mikro. Und die Buchvorstellung konnte nicht mit dem Autor, der 2019 verstorben ist, sondern nur in Erinnerung an ihn stattfinden. Diese in jeder Hinsicht ungewöhnliche Würdigung von Werner Goldschmidt an seinem 80. Geburtstag und in den Räumen seiner ehemaligen Wirkungsstätte wurde mitgeschnitten und ist auf dem VSA: YouTube-Kanal anzuschauen.

Dort gibt auch Video-Erinnerungen von drei Weggefährten – Peter Degkwitz, Norman Paech und Karl-Jürgen Bieback – zu sehen, die ausführlich Auskunft geben über den Menschen und engagierten Wissenschaftler.

Es geht um Bücher: Frisch besprochen

Zu Bernd Riexingers Flugschrift System Change. Plädoyer für einen linken Green New Deal erschien neben einem Vorabdruck in der Frankfurter Rundschau, einem begleitenden Interview in Kontext unter anderem Rezensionen im ND sowie in marx 21.
Krzysztof Pilawskis und Holger Politts Buch »Rosa Luxemburg: Spurensuche besprachen Thomas Urban in der Süddeutschen Zeitung vom 4.10.2020 und Gerd-Rüdiger Hoffmann im ND vom 30.9.2020.
Steffen Lehndorffs VSA: Flugschrift New Deal heißt Mut zum Konflikt wurde u.a. rezensiert von Wolfgang Lieb und von Armin Pfahl-Traughber. Empfohlen wird es auch von Andrea Ypsilanti und von Franziska Wiethold.
Der von Dietlind Kautzky und Thomas Käpernick herausgegebene Band »Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden« über den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel 1945 wurde im Hamburger Abendblatt (Norderstedt-Ausgabe), vom 10./11. Oktober ausführlich vorgestellt von Heike Linde-Lembke.

Grund und Boden für einen linken Green New Deal

Allerorten ist von einer »sozial-ökologischen Transformation« oder von einem »Green New Deal« die Rede. Bei all diesen Überlegungen gibt es aber eine theoretisch-inhaltliche Leerstelle: den Grund und Boden. Dieser ist als nicht vermehrbare natürliche Ressource für die Menschen jedoch essenziell. Das zeigt sich nicht nur an der aktuellen Brisanz der Wohnungsfrage, sondern auch an dem dramatisch gewachsenen Einfluss menschengemachter Einwirkungen auf die Umwelt mit allen damit zusammenhängenden desaströsen Klimaveränderungen. Stephan Krüger analysiert in seinem Buch Zusammenhänge der Bodennutzung und des Raumgefüges. Er umreißt einen sozial-ökologischen Umbau im Rahmen einer sozialistischen Marktwirtschaft mit dem Ziel einer hochproduktiven ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft, die langfristig den Gemeinbesitz am Grund und Boden einschließen muss.

System Change durch Green New Deal?

Der Turbokapitalismus hält sein Fortschrittsversprechen nicht. Ökonomische, ökologische und soziale Krisen verschränken und verstärken sich. Es braucht einen Richtungswechsel, einen Green New Deal. Doch wie lassen sich der Kampf um Arbeitsplätze und für Klimaschutz verbinden? Welche Bündnisse und Bewegungen braucht es, um in dieser Auseinandersetzung zu gewinnen? Was können Parteien dazu beitragen? Gerade ist das Buch System Change: Plädoyer für einen linken Green New Deal von Bernd Riexinger erschienen. Er ist seit 2012 Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE und unterbreitet in dem Buch einen strategischen Vorschlag, wie die verschiedenen Kämpfe zusammengeführt werden können und welche Rollen seiner Partei und gesellschaftlichen Bündnissen dabei zukommen. Am 14.9. hatte er Luisa Neubauer – die wohl bekannteste Klimaaktivistin von »Fridays for Future« in Deutschland, und beteiligt an der verstärkten Zusammenarbeit der Klimabewegung mit den Gewerkschaften – zur Buchvorstellung in der taz Kantine eingeladen, die von der taz-Redakteurin Anna Lehmann moderiert wurde; der spannende Abend mit guten Argumenten von allen Beteiligten kann hier nachgeschaut werden.

Krisen progressiver Regime

»Progressive Regime, die Alternativen zu den Dauerkrisen neoliberaler Politik in Lateinamerika aufzeigen und schrittweise verwirklichen wollten, sind nun selbst in eine tiefgreifende Krise geraten. Wer sich nicht damit zufrieden gibt, dafür in bewährter Manier die erwartbaren Machenschaften des ›Imperialismus‹ anzuprangern, muss nach den inneren Gründen für das Scheitern eines vorschnell proklamierten ›Sozialismus des 21. Jahrhunderts‹ suchen.« So Klaus Menschkat im Vorwort zu seiner Flugschrift zu Lateinamerikas Linker und dam Erbe des Staatssozialismus. Darin sucht er Antworten durch einen Rückgriff auf deren längere Vorgeschichte. Er zeigt, wie das Organisationskonzept Lenins nach Lateinamerika gelangt ist und wie es sowohl in der Ideologie als auch in den politischen Praktiken bis heute fortwirkt.

Fremd- und Selbstbestimmung Afrikas

Die Anzahl von Menschen aus Afrika, die eine Flucht über das Mittelmeer riskieren, nimmt trotz Corona wieder zu. Was sind die Hintergründe, was die Fluchtursachen? Afrikas Gegenwart ist eine Mischung von 500 Jahren eurafrikanischer Geschichte mit 60 Jahren afrikanischer Unabhängigkeit samt fremd- und selbstbestimmter Einflüsse. Damit spiegelt sich seine koloniale Vergangenheit in vermeintlich modernen Webmustern wider: Afrika hatte keine Chance, an den politischen und technischen Revolutionen seiner Kolonialmächte teilzunehmen. Auf dem »Schwarzen Kontinent« überlagern sich politische und wirtschaftliche Zustände von vorgestern und heute. Reinhold Gütter stellt in seinem Buch faktenbasiert die Entwicklung des Kontinents seit der formalen Unabhängigkeit seiner Staaten dar und gibt – auch unkonventionelle – Antworten auf die Fragen: Was ist gut gegangen, was ist schief gelaufen und warum? Ist es möglich, Afrikas rasant wachsender Bevölkerung Perspektiven zu geben?

Sinnvolle Arbeit – ein politisches Thema

Schon vor der Corona-Krise standen die Themen Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der Arbeit vermehrt im Fokus. Unternehmen treibt das »Streben nach Sinn« um, wenn sie auch in Zeiten des Fachkräftemangels oder des »War of Talents« attraktiv für Beschäftigte sein möchten, und für Beschäftigte hat der Grad, in dem sie ihre Arbeit als sinnvoll erleben, Einfluss auf ihre Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Motivation. Arbeit muss somit auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch reflektiert und neu gedacht werden. Hilfreich hierfür ist der am 9. September erscheinende, von Marianne Giesert, Tobias Reuter und Anja Liebrich herausgegebene Band: »Arbeit mit Sinn. Für ein erfülltes (Arbeits-)Leben«. Die Autor*innen liefern gute Beispiele, Instrumente und Strategien von und für Unternehmen und Beschäftigte.

Vom » New Deal« zum »Green New Deal«

In den USA wird die Forderung nach einem »Green New Deal« laut – insbesondere im linken Flügel der Demokratischen Partei. Aber auch in Deutschland wächst die Bezugnahme: Bei den GRÜNEN, aber auch in Teilen der LINKEN und der SPD. Und sogar die EU-Kommission hält trotz aller Widrigkeiten an ihrem Versprechen fest, einen »Green Deal« zum Schwerpunkt ihrer Politik zu machen. Hinter diesen Initiativen und Ankündigungen verbergen sich zwar zum Teil sehr unterschiedliche Konzepte. Eine Sichtweise wird aber offenbar breit geteilt: Roosevelts New Deal der 1930er Jahre eignet sich als Werbebanner. Taugt er aber vielleicht zu mehr? Können aus den Erfahrungen von damals Anregungen für heute gewonnen werden? Diese Fragen behandelt die von Steffen Lehndorff verfasste Flugschrift: »Green New Deal heißt Mut zum Konflikt. Was wir von Roosevelts Reformpolitik der 1930er Jahre heute lernen können«. »Der New Deal der 30er Jahre ermöglichte einen demokratischen Ausweg aus einer umfassenden Krise. Steffen Lehndorff zeigt, welch enorme politische Reformdynamik damals entstand und was daraus für einen Green New Deal der 2020er Jahre gelernt werden kann. Das ist spannend und orientierend zugleich. Ein Blick zurück, der Mut macht für den Aufbruch nach vorn.« (Frank Bsirske)

Mehrwertsteuer-Reduzierung = Buchpreissenkung?

Wir wissen nicht, wann und wie die Corona-Pandemie enden wird. Viele Regierungen haben mit riesigen Anti-Krisen-Paketen reagiert. Auch in Deutschland will die große Koalition mit Überbrückungszahlungen, Krediten und Bürgschaften gegensteuern, zuletzt wurde ein 130 Mrd. Euro schweres Konjunkturpaket geschnürt. Selbst wenn wir uns zusätzlich direkte Maßnahmen vor allem zur Stabilisierung der Einkommensverhältnisse von gering verdienenden Menschen gewünscht hätten, bleibt die politische Intervention zur Sicherung der Massenkaufkraft und der Lebensverhältnisse großer Teile der Bevölkerung richtig.

Ein zentraler Baustein ist die Senkung der Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr, verbunden mit der Aufforderung, diese an die Kund*innen weiterzugegeben. Dies gilt auch für den VSA: Verlag. Im Unterschied zu den anderen Waren des täglichen Bedarfs, Haushaltsgeräten oder Autos haben Bücher jedoch gebundene Ladenpreise. Preisänderungen für einen begrenzten Zeitraum unterliegen besonderen Regelungen und sind in einem komplizierten Verfahren mit dem Buchhandel und den Kund*innen zu kommunizieren. Hinzu kommt, dass aufgrund der Herabsetzung des für Bücher geltenden Satzes von 7% auf 5% etwa ein Buch, das bisher 16,80 Euro kostet, für ein halbes Jahr für 16,50 Euro angeboten werden könnte – eine sehr überschaubare Ladenpreissenkung.

Gleichwohl sehen wir uns als linker Verlag in der Verantwortung, einen Beitrag im Sinne des Konjunkturpakets zu leisten. Statt jedoch unsere im eher niedrigen Preissegment liegenden Ladenpreise für ein halbes Jahr zu senken, werden wir bis zum Jahresende bei allen Bestellungen aus dem Inland keine Porto- und Versandkosten berechnen. Zugleich bitten wir diejenigen, die nicht bei ihrer Lieblingsbuchhandlung vor Ort einkaufen, sondern auf unseren Service im Netz zurückgreifen, bei ihrer Bestellung ein SEPA-Lastschriftmandat zu erteilen. Wir hoffen für diese Regelung auf das Verständnis unserer Leserinnen und Leser, von denen wir in den vergangenen Wochen viel Solidarität erfahren haben.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben hier regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Deshalb ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden, Bestellungen und Zuspruch geholfen haben. Auch wenn Amazon »bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle«, wie Julia Encke in der FAZ am Sonntag vom 29.3.2020 berichtete – man könnte auch sagen: Klopapier statt Kulturgut –, wollen wir, dass unsere Bücher weiterhin zu den Leser*innen kommen – auch ohne Amazon: Auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die trotz miserabler Bezahlung mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/