»Gewisz ist es, dasz es den Weihnachtsmann giebt«,

so eine Bemerkung, die Nikolaus Kopernikus (1473–1543) zugeschrieben wird, »ob auch der blosze Augenschein gegen ihn sprechen moechte, wo ihn keyn Mensch bis dato wahrhafftig sehn hat. Und also kreist auch die Erd um die Sonn, wo jeder Mann vermeinet, dasz die Sonn um die Erde kreiset.« Im Zeitalter von Fake News und Zitier-Ungewissheiten darf angesichts korrekter astrologischer Angaben davon ausgegangen werden, dass der frühe Naturwissenschaftler mit dem jahreszeitlich passenden Vornamen richtige Schlüsse gezogen hat.

Gewiss ist ebenso, dass am 24. des Monats Geschenke für die Liebsten fällig sind. Deshalb wollen Kolleginnen und Kollegen aus dem VSA: Team und der Redaktion des Zeitschriftenprojektes Sozialismus.de mit Geschenktipps auch in diesem Jahr Hilfestellung leisten, neben dem aus unserem Haus immer zu empfehlenden Klassiker (im Original wie auch in einer eher kunterbunten Variante), Alternativen zu Socken, Duftstoffen oder Krawatten zu finden.

Sollte die Wahl auf ein Buch fallen, bitte die Lieblingsbuchhandlung vor Ort aufsuchen. Bei VSA: Büchern kann die Bestellung auch bei uns direkt erfolgen. Sofern sie bis zum 13. Dezember bei uns eingeht, sollte das Geschenk rechtzeitig vor dem 24. eintreffen.

Wir wünschen allen Freund*innen und Unterstützer*innen des Verlages und des Zeitschriftenprojekts bunte Festtage!

»Das Haus brennt ...«

Erst Attac, dann Campact, und nun soll auch noch der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit entzogen werden (siehe hierzu den Beitrag »Austrocknung politisch-zivilgesellschaftlichen Engagements« auf Sozialismus.de). Während Lobbygruppen der Industrie und auch Organisationen der Neuen Rechten weiterhin die Steuervorteile nutzen können, wird dem zivilgesellschaftlichem Engagement das Einwerben von Spenden mit dem Argument erschwert, sie würden sich in die politische Willensbildung einmischen. Das ist im Fall der VVN besonders perfide. Zu Recht protestiert die 94jährige Esther Bejarano (Foto: Angelika Warmuth/DPA), die als Mitglied eines Mädchen-Orchesters das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat, in einem »Offenen Brief« an Finanzminister Olaf Scholz gegen die »unsägliche Entscheidung«: »Das Haus brennt – und Sie sperren die Feuerwehr aus!« Wir schließen uns diesem Protest an.

Wir gratulieren zum Bundesverdienstkreuz!

Für seine engagierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Populismus hat der VSA: Autor Hajo Funke das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Am 18. November, seinem 75. Geburtstag, wurden ihm die Ordensinsignien im Auftrag des Bundespräsidenten vom Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, im Berliner Roten Rathaus überreicht (Foto: Landesarchiv Berlin). Hajo Funkes aktuelles Buch »Der Kampf um die Erinnerung. Hitlers Erlösungswahn und seine Opfer« durften wir bereits im Frühjahr verlegen.

Unabhängig und konzernfrei

Und schließlich gibt es noch mehr Anlass zur Freude: Im November ist der VSA: Verlag in den Freundeskreis der Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene aufgenommen worden. Die Stiftung versteht sich als Interessenvertretung unabhängiger deutscher Verlage, die man auch als konzernfreie Verlage bezeichnen könnte und deren Wirken wir gern unterstützen. Gespannt blicken wir auf die neue Zusammenarbeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der vielfältigen unabhängigen Verlagswelt! Und bereits seit September dieses Jahres arbeiten wir mit bei der Liste unabhängiger Verlag Hamburg LuV. Deren Botschaft ist: Lesen kann entspannen, Lesen kann aufregend sein, Lesen bringt Wissen und nützt der Erkenntnisfindung: LESEN HILFT!

Politisches Mandat der Gewerkschaften

Am 29.11. fand in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin mit über 100 Gästen ein Symposium aus Anlass von fast 30 Jahren FORUM GEWERKSCHAFTEN in der Zeitschrift Sozialismus.de und des 65. Geburtstags unseres Kollegen Richard Detje statt. In drei Diskussionsrunden, moderiert von Ines Schwerdtner, ging es um die Themen »Das politische Mandat im Rückblick« (mit Frank Bsirske, Detlef Hensche und Franziska Wiethold),

»Das politische Mandat der Gewerkschaften in der Mehrfach-Krise des Gegenwartskapitalismus« (mit Frank Deppe, Hans-Jürgen Urban und Klaus Dörre)

sowie um einen »Rückblick auf über ein Vierteljahrhundert Forum Gewerkschaften« (mit Heinz Bierbaum, Sybille Stamm und Otto König). In allen Beiträgen wurde die Bedeutung von Richards Arbeit, die Rolle der Zeitschrift und auch des Verlags gewürdigt.

Widerständige Gegenmacht

Eines der Jubiläen, die nicht weit im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen, obwohl sie das Alltagsleben entscheidend prägen, betrifft das Betriebsverfassungsgesetz. Vor 100 Jahren, am 4. Februar 1920, trat das Betriebsrätegesetz in Kraft, ein wichtiger Vorläufer dieses Gesetzes, das 1952 verabschiedet und 1972 und 2001 reformiert wurde. Inwiefern schon das Betriebsrätegesetz hinter den Zielen der vorausgegangenen revolutionären Bewegung zurückblieb, wie konfliktreich seine weitere Geschichte verlief und welche Herausforderungen seine Weiterentwicklung stellt, wird in einer Neuerscheinung in der VSA: Reihe WIDERSTÄNDIG erläutert. Der von Isaf Gün, Benedikt Hopmann und Reinhold Niemerg herausgegebene Band »Gegenmacht statt Ohnmacht. 100 Jahre Betriebsverfassungsgesetz: Der Kampf um Mitbestimmung, Gemeineigentum und Demokratisierung« bietet einen guten Überblick und Ansporn für Kolleg*innen, die an der Geschichte der Betriebsverfassung aktiv weiterarbeiten wollen.

Menschenwürdige Arbeit – weltweit

Ebenfalls auf 100 Jahre kann die Internationale Arbeitsorganisation, englisch ILO (International Labour Organisation) zurückblicken. Und auch bei dieser Organisation ist das Wissen um ihre Aufgaben und ihre Geschichte ausbaubar und bleiben Aufgaben uneingelöst. Vor allem letzteres hat bereits viel mit den Umständen ihrer Gründung zu tun. In dem Band »Ursprünge der ILO« wird daher der Fokus vor allem auf die Rolle der Gewerkschaften bei der Gründung einer Einrichtung gelegt, in der Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber zusammenwirken sollen, um soziale Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte zu befördern. Wir freuen uns, dass mit Rainer Tosstorff ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung die Fäden der Entstehung der heutigen Sonderorganisation der UNO entwirrt. Dabei gelingt es ihm, auch mit Blick auf die heutigen Herausforderungen, darzulegen, wie es dazu kam, »dass ihre reale Gestalt weit von den Forderungen und Erwartungen entfernt blieb, wie sie von der internationalen Gewerkschaftsbewegung im Ersten Weltkrieg formuliert worden waren«.

Kritische Wissenschaft, 2019er-Jahrgang

Verlässlich am Jahresende erscheint seit 2012 bei VSA: das Jahrbuch WORK IN PROGRESS. WORK ON PROGRESS mit Forschungsbeiträgen von Promotionsstipendiat*innen der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auch in diesem Jahr schreiben die Autor*innen mit ihren Beiträgen kritische Wissenschaft fort. Das Herausgeber*innenkollektiv unterstreicht eines der Anliegen des Jahrbuchs: »Der Antagonismus von Unterdrückung und Emanzipation, von Repressionen und Utopien, der über den Geschehnissen von 2019 und den ins Bewusstsein tretenden historischen Ereignissen steht, spiegelt sich ... ebenso in den Beiträgen … wider.« Die in ihrer Vielfalt erneut lesenswerten Texte der Nachwuchswissenschaftler*innen erscheinen unter den Rubriken »Erkenntnistheorie & Methodik«, »Arbeit«, »Transformation von Staatlichkeit«, »Gewalt & Erinnerung«, »Körper – Macht – Identität – Gender«, »Emanzipation & Utopie«. Abgerundet wird der Band von einem Nachwort von Marcus Hawel und Stefan Kalmring über »Autorität, Führung und Zentralismus in linken Theorien«.

»Geraubte Leben« – Erinnerung vor Ort

In der niedersächsischen Kleinstadt Burgwedel wurden am 23. November 28 neue »Stolpersteine« verlegt. Sie erinnern an Babys osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in der dortigen »Ausländerkinder-Pflegestätte« zu Tode kamen. Anschließend wurde im Rathaus das im VSA: Verlag erschienene Buch »Geraubte Leben. Spurensuche: Burgwedel während der NS-Zeit« vorgestellt. Irmtraud Heike und Jürgen Zimmer haben die Geschichte der Kleinkinder und ihrer Mütter recherchiert. Außerdem enthält ihr Buch die Biografie des ebenfalls in Burgwedel in den Tod getriebenen jüdischen Arztes Dr. Albert David sowie Forschungen zu Angehörigen von Sinti, die zeitweise im Ort lebten und in Auschwitz umgebracht wurden. Die »Spurensuche« zeigt, wie es vor Ort gelingen kann, Erinnerungen an die NS-Zeit für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Die Linke und die Religion

Kirche und sozialistische Arbeiterbewegung hatten von Anbeginn ein schwieriges Verhältnis. Was heißt das für Linke heute? Wie sehen sie das Verhältnis der Religionen zum Staat, im Streit um Kopftuch, Militärseelsorge oder Religionsunterricht? Und was sind die Maßstäbe für eine linke Religionspolitik? Der von Cornelia Hildebrandt, Jürgen Klute, Helge Meves und Franz Segbers herausgegebene Band Die Linke und die Religion. Geschichte, Konflikte und Konturen spannt den Bogen von theoretischen und historischen Beiträgen bis zu aktuellen Streitfragen.

30 Jahre Mauerfall

Mit dem Fall der Mauer in Berlin am 9. November vor 30 Jahren war das Ende des »realen Sozialismus« in ganz Osteuropa absehbar. Bis heute indes hält der Streit darüber an, wer und mit welchen Motiven das System zum Einsturz gebracht hat. Dieter Segert, damals selbst bei den Reformkräfen an der Humboldt-Universität aktiv, analysiert in seinem Buch Transformation und politische Linke ostdeutsche und osteuropäische Umbrüche. Er entwickelt auf der Grundlage seiner Lebens­erfahrungen und seiner wissenschaftlichen Arbeit sowie in Reaktion auf aktuelle Debatten Ideen für einen Weg in eine solidarische Gesellschaft und partizipatorische Demokratie. Seine Schlussfolgerung: Die politische Linke sollte sich wieder auf die Kraft sozialer Utopien besinnen.

Überzeugt, authentisch, kämpferisch

Bei der offiziellen Verabschiedung des langjährigen ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske am 16. Oktober im TIPI am Kanzleramt überreichte der neue ver.di-Vorsitzende Frank Werneke ihm als Überraschungsgeschenk ein erstes Exemplar des von ihm gemeinsam mit seinen beiden Stellvertreterinnen Christine Behle und Andrea Kocsis herausgegebenen Bandes Überzeugt, authentisch, kämpferisch. ver.di und ihr Vorsitzender Frank Bsirske 2001 bis 2019.

Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen u.a.: »Frank ist präsent gewesen bei den Menschen im Arbeitskampf, bei Demonstrationen und Kundgebungen, auf zahllosen Betriebs- und Personalversammlungen, auf großen Konferenzen ebenso wie bei Versammlungen einer Arbeitsloseninitiative. Er hat überzeugt und sich auch überzeugen lassen.«
Sein Ausscheiden aus der aktiven Arbeit haben zahlreiche Autor*innen (Margret Mönig-Raane, Detlef Hensche, Reiner Hoffmann, Berthold Huber, Ingrid Artus, Klaus Dörre, Ute Klammer, Thorsten Schulten und Claudia Weinkopf, Klaus Busch, aber auch Horst Seehofer, Annegret Kramp-Karrenbauer, Andrea Nahles, Robert Habeck, Jürgen Trittin, Katja Kipping und Bernd Riexinger, Gregor Gysi u.v.a.m.) zum Anlass genommen, Blicke zurück zu wagen: auf die Geschichte von ver.di, auf ihre vielfältigen gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Handlungsfelder und natürlich auf Frank Bsirske, sein Engagement und seine Leistungen. Der Band enthält darüber hinaus mehr als 50 Fotos aus allen Zeiten seines Wirkens.

Erdoğans Krieg – auch gegen Rojava!

Erdoğans Angriffskrieg auf Nordsyrien droht ein geopolitisches Desaster zu werden und gefährdet die kurdischen Autonomiegebiete, die über viele Jahre aufgebaut und verteidigt wurden. Der von Anja Flach, Ercan Ayboğa und Michael Knapp verfasste Band Revolution in Rojava. Frauenbewegung und Kommunalismus zwischen Krieg und Embargo liefert einen Blick auf ein politisches Projekt im Wes­ten Kurdistans, das Geschlechtergerechtigkeit und Basisdemokratie im Nahen Osten lebt und Widerstand gegen den Terror des IS leistet. Die umfassend aktualisierte 4. Auflage des Buches berücksichtigt die un­übersichtliche, sich ständig verändernde Lage vor Ort.

Miete? Deckeln!

Endlich kommt der Mietendeckel in Berlin, jetzt sollten auch andere Metropolen nachziehen. Denn die Mieten in wachsenden Großstädten explodieren. Reinhold Gütter, ehemaliger Baudezernent des Hamburger Bezirks ­Altona, analysiert in »Wohnungsnot und Bodenmarkt. Nachhaltige Alternativen für Wohnen und Stadtentwicklung« an drei historischen Beispielen und für sieben Metropolregio­nen Wohnungsmärkte und Wohnungspolitik und zeigt nachhaltige Lösungen auf.

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/