Wohnen ist keine Ware

Im Jahr 2021 steht Berlin eine verschärfte Auseinandersetzung um den Erhalt des Mietendeckels und die Enteignung großer Immobilienkonzerne bevor. Außerdem bleibt die Wohnungsfrage in aller Munde: Davon zeugt nicht nur die Vehemenz und neu gewonnene Sichtbarkeit von Protesten und Mieter:inneninitiativen. Auch die Parteien haben sie wieder auf ihre Agenda gesetzt. Nicht zuletzt deshalb hat der Berliner Stadtsoziologe und Aktivist Andrej Holm gemeinsam mit Studierenden eines sozialwissenschaftlichen Masterseminars ein Handbuch zum Thema verfasst. In Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft wird ein kompakter Einblick in zentrale Debatten und Konzepte zu Geschichte, Politik und Ökonomie des Wohnens geliefert. Von der »Ware Wohnung« und aktuellen Trends des Immobilien- und Wohnungsmarktes, über Fragen räumlicher Ungleichheit, Entfremdung, Ausgrenzung und Diskriminierung, bis hin zu wohnungspolitischen Alternativen: Wie kann der Widerspruch zwischen dem Wohnen als Zuhause und dem Wohnen als Immobilie aufgelöst werden?

Erinnerung an den Résistance-Kämpfer und Künstler René Baumer

Beiträge zur Erinnerungskultur sind ein wichtiger Teil unserer verlegerischen Arbeit. Mit dem Buch Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit gedenken wir eines französischen Bildhauers, Malers und Zeitzeugen der NS-Verbrechen: René Baumer (1906-1982) schloss sich 1940 der Résistance gegen die deutsche Besatzungsherrschaft an. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo wurde er 1944 zunächst ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt, kam von dort zur Zwangsarbeit in eines seiner Nebenlager, das KZ Hannover-Stöcken, und wurde schließlich auf einen Fußmarsch ins Konzentrationslager Bergen-Belsen getrieben. Dort erlebte er die Befreiung durch die britischen Truppen und kehrte nach einem Krankenhausaufenthalt in Bergen per Flugzeug nach Frankreich zurück, wo er bis zu seinem Tod 1982 als Zeichenlehrer, Künstler und Schriftsteller tätig war. Postum entdeckte sein Neffe Baumers Aufzeichnungen, die zuerst 2004 in Lyon erschienen: Erinnerungen an kaum beschreibbare Erlebnisse und ein eindrückliches Zeugnis gegen das Vergessen. Herausgegeben vom Verein Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit Hannover und versehen mit einem Grußwort des amtierenden Oberbürgermeisters Belit Onay.

Den Beschäftigten zugehört

Die neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums zum Homeoffice beinhaltet die Forderung: »Wenn keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen, müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten Homeoffice anbieten.« Um der Pandemie Herr zu werden, waren bislang vor allem Einschränkungen im Privaten beschlossen worden. Doch wie steht es um den »Infektionsherd Betrieb«?

Wie erleben Beschäftigte die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Arbeitswelt? Stecken im Applaus für die »Held*innen der Arbeit« möglicherweise Ansätze der Aufwertung von prekärer Arbeit? Was sind die Folgen für Beschäftigungssicherung, Gesundheitsschutz und die Transformation der Arbeitswelt? Richard Detje und Dieter Sauer haben zu diesen und anderen Fragen ausführliche Interviews mit Betriebs-, Personalrät*innen und Gewerkschaftssekretär*innen geführt. Mit deren Auswertung wagen sie in ihrem Buch Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen eine Zwischenbilanz zur »Jahrhundertkrise«.

Wir trauern um Udo Achten (1943–2021)

Foto: Sonja Fischer (ver.di-Mittelfranken)

Am 6. Februar verstarb im Alter von 77 Jahren der Sozialist und Gewerkschafter Udo Achten, mit dem uns eine langjährige gemeinsame Zusammenarbeit verband. Geboren 1943 in Düsseldorf fing er mit 14 Jahren als Hilfsarbeiter bei der Feldmühle an, lernte dann Papiermacher und wurde über den zweiten Bildungsweg Sozialarbeiter. Seit 1969 war er als Hauptamtlicher in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit tätig, zunächst an den IG Metall-Schulen Lohr am Main und Schliersee und anschließend von 1971 bis 1988 am Bildungszentrum Sprockhövel.

Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen »in Rente gehen musste« verlegte er den Schwerpunkt seiner immer an den Interessen der Beschäftigten orientierten Arbeit aufs Schreiben, auf die Sammlung von Fotos und Dokumenten aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und führte beides im Büchermachen zusammen. Es entstanden mehr als 40 Bücher, außerdem organisierte er Ausstellungen und Filme zu gewerkschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Themen. Auch unserem Publikationsprojekt war er durch die Veröffentlichung von Büchern im VSA: Verlag (zu »Flächentarifvertrag & betriebsnahe Tarifpolitik« sowie dem gemeinsam mit Bernt Kamin-Seggewies verfassten Band »Kraftproben« zu den Kämpfen der Hamburger Hafenarbeiter) und Beiträgen in Sozialismus.de verbunden (zuletzt in Heft 10-2020 zu »Fritz Bauer – antifaschistischer Aufklärer und konsequenter Humanist«).

Udos Beitrag für die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in der Bundesrepublik sowie seine Erinnerungsarbeit für die kritische Geschichte der Arbeiterbewegung insgesamt darzustellen, sollte in einer ausführlichen Würdigung erfolgen. Vorerst verweisen wir auf ein Gespräch mit dem Netzprojekt Schattenblick vom 8. Juni 2018, in dem er unter dem Titel »Richtige Literatur im Falschen – keine Partei und keine Versprechen ...« Auskunft über und Einblicke in seine Arbeiten gab, auf die wir nun verzichten müssen.

Das VSA: Frühjahrsprogramm ist im Netz

Folgen und Nebenwirkungen der Eindämmung der Pandemie gehören – wen wird es wundern? – zu unseren Themen: Richard Detje und Dieter Sauer gehen der Corona-Krise im Betrieb auf die Spur, Gine Elsner untersucht Aktualität und Geschichte der Gesundheitsämter, Autor*innen aus dem Wissenschaftlichen Beirat von Attac wollen das Chaos verstehen und fragen nach der Zukunft in Zeiten von Zivilisationskrise und Corona. Annett Nack-Warenycia und Torsten Teichert vermuten in ihrem Buch »It’s the Future, stupid«, dass in dieser Kapitalismus und eine demokratische gerechte Gesellschaft nicht mehr zusammenpassen. Sabrina Apicella hat sich einen der Hauptprofiteure des Lockdowns vorgenommen, untersucht »Das Prinzip Amazon« und das Bewusstsein der Beschäftigten des Versandriesen. Aber auch das Superwahljahr 2021 wirft Schatten voraus und hat Harald Wolf bewogen, die Frage aufzuwerfen, ob sich Sozialist*innen an Regierungen beteiligen dürfen. In Fernost ist diese entschieden, aber wie sehen dort Autor*innen den Sozialismus chinesischer Prägung? Anfang März jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Rosa Luxemburg und der 200. von Friedrich Engels wurde um ein Jahr verlängert. Auch dazu wird es Neuerscheinungen geben. Weitere spannende Themen werden in für den Herbst 2020 angekündigten Büchern behandelt, die wir pandemiebedingt verschieben mussten. Alles nachzuschauen unter Das neue Programm!  

Bücher verschwinden aus öffentlich-rechtlichen Medien

Aus für das »Bücherjournal«: Nach 30 Jahren stellt das NDR die Fernsehsendung ein. Dagegen hagelt es Protest, u.a. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem deutschen PEN-Zentrum und dem Literaturhaus Hamburg. Denn das »Bücherjournal« ist keineswegs das einzige Literaturformat von ARD-Anstalten, das in den letzten Jahren gestrichen wurde. Auch der Bayerische Rundfunk, SWR Fernsehen und ZDF haben Buchbesprechungen aus dem Programm genommen, der WDR streicht diese aus dem Rundfunk-Magazin »Mosaik« und der HR begründete bereits 2019 eine entprechende Maßnahme gar damit, Hörer würden vom Begriff »Literatur« abgeschreckt. Für das Fernsehen wird bereits die Streichung weiterer Sendeplätze diskutiert. Ein »unerhörter Skandal«, äußert sich dazu die Kurt Wolff Stiftung, deren Freundeskreis wir angehören, als Interessenvertretung unabhängiger Verlage. Sie sieht die »Bibliodiversität«, also die Vielfalt der Buchkultur, in Gefahr. Und formuliert in ihrer Pressemitteilung eine Forderung, die auch wir unterstützen: »Literatur muss Thema in den öffentlich-rechtlichen Medien sein und bleiben!«. Dass die zunächst in den Mai verschobene Leipziger Buchmesse nun endgültig auch für 2021 abgesagt wurde, unterstreicht die Bedeutung dieser Forderung.

Marx nicht gemeinnützig, weil seine Lektüre verfassungsfeindlich?

»Was könnte von größerem gemeinem Nutzen sein, als zu versuchen, das Funktionieren unserer Gesellschaft und Wirtschaft zu verstehen und deshalb unter anderem das ›Kapital‹ von Karl Marx zu studieren?«, fragt unser Autor Jürgen Bönig in einem Protestschreiben anlässlich des Entzugs der Gemeinnützigkeit für die Marxistische Abendschule Hamburg (MASCH) durch die Hamburger Finanzbehörde. Als Grund wird angeführt, dass die MASCH seit 15 Jahren im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Dort ist im 2019er-Bericht zusammenfassend festgehalten: Bei ihr stehe »die Marx-Leküre im Vordergrund«. Das Vorgehen reiht sich ein in eine Liste von steuerrechtlichen Angriffen auf progressive Organisationen. 2019 wurde bereits attac, Campact und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) die Gemeinnützigkeit entzogen. Die MASCH will nun vor Gericht ziehen. Wir wünschen auch ihr viel Erfolg!

Damit Auschwitz sich nie wiederhole

Wir erinnern an die Holocaust-Überlebende Peggy Berolsky. 1926 als Peska Weinstock im polnischen Koszyce unweit von Krakau geboren, wurde sie mit ihrer Familie nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen ins Ghetto Lublin deportiert. Ihre Eltern und Geschwister wurden von den Nazis ermordet. Peggy gelang zunächst die Flucht, doch nach ihrer Gefangennahme wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und von dort auf einen Todesmarsch in das Konzentrationslager Bergen-Belsen getrieben. Nach der Befreiung durch britische Truppen emigrierte sie nach Südafrika. Peggy hat ihre Geschichte erzählt, ihre Enkelin Lisa Strauß hat sie für das Buch Von Krakau nach Kapstadt aufgeschrieben und Gine Elsner gibt sie in einer Reihe heraus, in der bereits zwei Überlebende des Holocausts über ihr Leben berichteten. Denn die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Zeitzeugen dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Die »Höcke-AfD« aktualisiert

Hajo Funke hat die Flugschrift »Die Höcke-AfD« für eine zweite Auflage auf den neuesten Stand gebracht. In seinem Vorwort schreibt er zu der Partei, über deren Einstufung durch den Verfassungsschutz als Verdachtsfall inzwischen gerichtlich gestritten wird: »Am Ende des im hohen Maße von der Coronapandemie geprägten Jahres 2020 sind wir konfrontiert mit einer zunehmend zerrütteten Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei macht – außer mit der Unterstützung von Corona-Leugnern und geschmacklosen Provokationen im Bundestag ... – hauptsächlich noch durch ihre tiefe, selbstzerstörerische Spirale wachsender Spannungen auf sich aufmerksam. In Umfragen ist sie nach dem Eklat im Parlament bundesweit auf historisch niedrige 7% gefallen – wenn sie auch im Osten Deutschlands stabil bei 20% verharrt.« Mit aufgenommen wurde ein Exkurs von Gertrud Hardtmann, in dem sie aus ihren psychoanalytischen Einsichten heraus die im Denken von Björn Höcke bemerkbare »eigentümliche Unsicherheit« untersucht.

Glückwunsch zu 30 Jahren Geschichtswerkstatt St. Georg!

1915 war der Hansaplatz in Hamburg St. Georg noch nicht Sitz der Geschichtswerkstatt.

Unsere Nachbarn und Freund*innen der Geschichtswerkstatt St. Georg hätten bereits am 6. Dezember 2020 ihren 30. Geburtstag feiern können. Aus bekannten Gründen musste diese Feier ausfallen. Wir wollen trotzdem nachträglich ganz herzlich gratulieren! Zahlreiche Aktive haben in 30 Jahren viele Ideen, viel Freizeit und reichlich Engagement in die Erforschung und Verbreitung der Geschichte von unten unseres gemeinsamen Stadtteils gesteckt. Nicht nur unser Autor Michael Joho engagiert sich im Vorstand, unsere ehemalige Kollegin Ursel Anton (die unsere Arbeit immer noch tatkräftig unterstützt) ist dort aktiv und das Vorstandsmitglied Karla Fischer hilft immer, wenn wir die Räume im Stadtteilbüro für Buchvorstellungen oder Diskussionsveranstaltungen anfragen. Außerdem konnten wir auch für zahlreiche Buchprojekte auf die Arbeit der Geschichtswerkstatt zurückgreifen. Dafür vielen Dank und liebe Grüße vom St. Georg Kirchhof an den Hansaplatz! Es hat immer Freude bereitet, mit euch zusammenzuarbeiten. Wir wünschen euch noch viele Geburtstage und uns, dass wir sie dann hoffentlich auch wieder zusammen feiern können.

Hamburg-Hamm erinnert an Ulrich Bauche

Zum Holocaustgedenktag erinnerte die Stadtteilinitiative Hamm’SeZivilcourage mit einer Online-Lesung an Ulrich Bauche, der am 23. Dezember 2020 verstorben war: »Zivilcourage gehört zu den größten Tugenden einer Demokratie. Das hat Ulrich Bauche in den vielen Jahrzehnten seines Wirkens immer wieder bewiesen. Fast 30 Jahre lang war der gebürtige Hamburg-Hammer Volkskundler und Kulturhistoriker Hauptkustos im Museum für Hamburgische Geschichte und hat sich auch darüber hinaus immer wieder stark um Erinnerungskultur und jüdisches Leben in Hamburg verdient gemacht. Nach seinem Tod im Dezember möchten wir zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus an sein Engagement erinnern«, ist auf dem Instagram-Account der Buchhandlung Seitenweise zu lesen. Der Schauspieler Andreas Lübbers trug in der Buchhandlung zwei Stücke aus Ulrich Bauches 2019 bei uns erschienenem Band Genau hinsehen vor: Nicht zuletzt deshalb bedanken wir uns dafür, dass wir den Mitschnitt auch auf die YouTube-Seite von VSA: stellen durften.

Ulrich Bauche (19.4.1928-23.12.2020)

Im Alter von 92 Jahren verstarb am 23. Dezember in Hamburg der Kulturhistoriker und Volkskundler Ulrich Bauche. Noch im August 2019 konnten wir gemeinsam mit ihm und vielen Weggefährten seine von Jürgen Bönig, Rolf Bornholdt und Wolfgang Wiedey zusammengestellten und herausgegebenen Beiträge zur Gesellschaftsgeschichte Hamburgs unter dem Titel Genau hinsehen in seiner alten Wirkungsstätte im Museum für Hamburgische Geschichte vorstellen. Der »Demokrat und Wissenschaftler« (so Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda in einem Vorwort zu diesem Buch) wird uns mit seinen klugen und immer zurückhaltend vorgetragenen Analysen und Ratschlägen fehlen. In Vorbereitung ist ein von Wilfried Weinke herausgegebener Band, in dem Freunde, Kollegen und Weggefährten unter dem Titel Verständigung und Toleranz Ulrichs Engagement für eine aufklärende Erinnerungskultur in Hamburg würdigen.

Wir gratulieren: Franz Hinkelammert wurde 90!

Unser Autor Franz Hinkelammert feierte am 12. Januar 2021 seinen 90. Geburtstag, zu dem wir ganz herzlich gratulieren. Er lebt heute in Costa Rica und steuert anregende und streitbare Diskussionsbeiträge bei. So etwa »Marktreligion und Religionskritik« in dem von Michael Ramminger und Franz Segbers herausgegebenen Band »Alle Verhältnisse umzuwerfen ... und die Mächtigen vom Thron zu stürzen.« Das gemeinsame Erbe von Christen und Marx. Im gleichen Jahr vertiefte er diesen Aspekt in dem gemeinsam mit seinem Freund Ulrich Duchrow, auf dessen ausführliche Würdigung wir hier verweisen, verfassten Supplement zu Heft 9/2018 von Sozialismus.de: Marx, Luther & Müntzer: Dialektik der Praxis. Humanistische Bewegungen und Ökumene der Religionen. Im Frühjahr 2020 schließlich erschien auf Initiative der VSA: Autoren Ulrich Duchrow und Michael Brie im Rahmen der Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung im VSA: Verlag sein »Alterswerk« »Die Dialektik und der Humanismus der Praxis. Mit Marx gegen den neoliberalen kollektiven Selbstmord«.

Blick nach China

In den ersten Büchern des Jahres 2021 beschäftigen wir uns mit mehreren blinden Flecken politischer Debatten. Im ersten erschienenen Band untersucht Wolfgang Müller den Sozialismus »chinesischer Prägung«. Die Rätsel Chinas – Wiederaufstieg einer Weltmacht beruht auf Analysen und langjährigen beruflichen Erfahrungen des Autors, der 15 Jahre in der IG Metall Bayern aktiv war und lange in Peking gelebt hat. Seine These: Der rasante Aufstieg der Volksrepublik zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht wird von der Entfesselung der Marktkräfte im Inneren, hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter digitaler Kontrolle begleitet. Zugleich stellt die Entwicklung des Landes den kapitalistischen Westen, in dem einige nach dem Fall der Mauer 1989 schon vom »Ende der Geschichte« halluzinierten, wieder vor die Systemfrage: Wie umgehen mit einem »systemischen Konkurrenten«?

Wir trauern um Leo Panitch (3. Mai 1945-19. Dezember 2020)

Am 19. Dezember verstarb in Toronto der marxistische Wissenschaftler und langjährige Mitherausgeber des »Socialist Register« Leo Panitch. Mit ihm verliert nicht nur die Linke in Kanada und in den USA einen wichtigen Theoretiker und politischen Akteur. Der VSA: Verlag liefert das »Register«, den Jahresband der internationalen sozialistischen Linken, seit 1997 im deutschsprachigen Raum aus. Leo hatte zusammen mit seinem Freund Sam Gindin im Jahr 2004 den Band Globaler Kapitalismus und amerikanisches Imperium in unserem Verlag veröffentlicht. Zudem erschienen Beiträge von ihm als Supplement von Sozialismus.de, zuletzt »Trumping the Empire« im Januar 2019. Joachim Bischoff und Gerd Siebecke würdigen sein Wirken in einem Nachruf auf Sozialismus.deAktuell, der erweitert in Heft 1-2021 erscheinen wird.

Rechtpopulismus als Protest

Soeben erschienen ist der gleichnamige Band mit Aufsätzen von Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt. In der Einleitung zu ihrem Buch heißt es: »Der Vortrag von Adorno [›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹, hrsg. 2019] animiert dazu, Lektionen aus der Geschichte für die Frage nach den Gefährdungen westlicher Demokratien in der Gegenwart, die sich derzeit im Aufstieg rechtspopulistischer und rechtsnationaler Parteien überall in Europa und in den USA manifestieren, zu ziehen. Rechtsgerichtete Bewegungen lassen sich nach Adorno ›als die Wundmale, als die Narben einer Demokratie bezeichnen‹ (ebd.: 18), die dann entstehen, wenn demokratische Systeme ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden können – also unter Legitimitätsverlusten leiden.« In ihrem Nachwort fügt die Autorin hinzu: »Auch wer verstehen will, an welche Strukturen im emotions-, symbol- und realpolitisch geprägten Alltagsbewusstsein die ›Querdenker‹-Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anknüpfen und wohin diese führen könnten, sollte die Anstrengung genauerer Analysen und Einschätzungen unternehmen. Dazu soll diese Buchveröffentlichung beitragen.«

Das faschistische Echo der Vergangenheit

Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Politische Krisen und das Erstarken der Rechten erinnern erschreckend an die letzten Jahre der Weimarer Republik. Was lehrt uns das damalige historische Scheitern des Antifaschismus für das 21. Jahrhundert? Darüber wollte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen im Februar/März 2020 in Erfurt diskutieren. Doch zuerst kam der Kemmerich-Putsch (zur Erinnerung: CDU und FDP verhalfen dem FDP-Mann mit den Stimmen der AfD kurzzeitig ins Amt des Ministerpräsidenten) und danach die Pandemie dazwischen. Nun liegen die Beiträge als Buch vor. In ihrem Vorwort schreiben Christian Engelhardt und Paul Wellsow: »Weht heute durch die Bundesrepublik ein Hauch von Weimar? Angesichts der Tatsache, dass völkische Standpunkte in die Öffentlichkeit getragen und immer populärer werden; dass rechtsradikale Parteien Stimmung machen gegen die Demokratie; dass immer mehr Wähler*innen von der AfD eingefangen werden konnten; dass eine Polarisierung der Gesellschaft und eine Tendenz zu offener Gewalt von rechts zu beobachten ist, ergibt sich zwingend die Folgerung: Wir müssen im ›Bewusstsein um Weimar‹ ein neues ›Weimar‹ verhindern ... Die Ereignisse in Erfurt im Februar und März 2020 waren deutliche Warnzeichen.«

Das IfS – Faschist*innen des 21. Jahrhunderts

Das vom antifaschistischen Magazin »der rechte rand« herausgegebene Buch hat bereits kurz nach Erscheinen Aufmerksamkeit gefunden. So schrieb Sabine am Orde am 6.11. in der taz: »Es füllt eine Lücke; eine zusammenfassende Beschreibung und Analyse zu diesem Thinktank gab es bislang nicht. ... Lesenswert ... ist das Buch für alle, die sich für rechte Ideologieproduktion interessieren«. Dazu gehörte – viel zu spät – auch der Verfassungsschutz. Dessen ehemaliger Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus, Armin Pfahl-Traughber, muss trotz kritischer Einwände auf der Website »Blick nach rechts« vom 11.12.2020 einräumen, dass der Band »für die Gegenwart noch wichtige Informationen« liefert, u.a. zu den »wichtigsten Akteuren von Götz Kubitschek bis zu Karlheinz Weißmann, … den ›Antaios‹-Verlag und die Zeitschrift ›Sezession‹ ... Auch die einzelnen Beiträge von Andreas Speit sind ... beachtenswert. Der Fachjournalist macht darauf aufmerksam, dass die IfS-Aktivisten ein elitär und heroisch aufgeladenes Spektakel inszenieren, um sich so der Öffentlichkeit wie ihrem Umfeld gegenüber interessant zu machen.«

System Change durch Green New Deal?

Der Turbokapitalismus hält sein Fortschrittsversprechen nicht. Ökonomische, ökologische und soziale Krisen verschränken und verstärken sich. Es braucht einen Richtungswechsel, einen Green New Deal. Doch wie lassen sich der Kampf um Arbeitsplätze und für Klimaschutz verbinden? Welche Bündnisse und Bewegungen braucht es, um in dieser Auseinandersetzung zu gewinnen? Was können Parteien dazu beitragen? In seinem neuen Buch System Change: Plädoyer für einen linken Green New Deal unterbreitet Bernd Riexinger, seit 2012 Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE, einen strategischen Vorschlag, wie die verschiedenen Kämpfe zusammengeführt werden können und welche Rollen seiner Partei und gesellschaftlichen Bündnissen dabei zukommen.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden und Bestellungen geholfen haben. Da die Einschränkungen zur Abwehr der Pandemie weiterhin anhalten, sind wir auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb z.B. auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen (viele übergeben bestellte Bücher kontaktfrei in ihren Läden), die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die trotz miserabler Bezahlung mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/