8. Mai 2020: 75 Jahre nach Befreiung und Neuanfang

Ebenso wie bei den Jahrestagen aus Anlass von 75 Jahren Befreiung der Häftlinge aus zahlreichen Konzentrationslagern wird es am diesjährigen 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes und der Befreiung von der NS-Herrschaft, keine öffentlichen Gedenkveranstaltungen mit Beteiligung der nur noch wenigen Überlebenden geben können. Trotz der abgesagten Veranstaltungen, bei denen das Buch »Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden« in Erinnerung an den Lebensweg von neun Menschen, die den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel mitmachen mussten, vorgestellt worden wäre, muss das Bewusstsein über die Verbrechen der Nazis wachgehalten werden. Auch wenn mit dem 8. Mai 1945 ein neuer demokratischer Weg eingeschlagen werden sollte – den die Autoren des Buches Neuanfang 1945. Belegschaften und Betriebsräte setzen die Produktion in Gang zu Recht als widersprüchlich charakterisieren – ist der Kampf um die Erinnerung – so der Titel eines Buches von Hajo Funke – noch keineswegs gewonnen. Dies macht auch die neue Flugschrift des Rechtsextremismus-Experten über Die Höcke-AfD deutlich.
Denn: Niemand und nichts darf vergessen werden!    

75 Jahre nach den Todesmärschen, 75 Jahre nach der Befreiung

Im April 2020 jährte sich der Todesmarsch von etwa 800 Häftlingen vom Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in Hamburg (»Kolafu«) zum »Arbeitserziehungslager Nordmark« am Rande Kiels zum 75. Mal. An ihn sollte mit einer Gedenkveranstaltung am 19. April in Kiel erinnert werden. Wie alle geplanten Gedenkfeiern nach der Befreiung vom Nationalsozialismus musste auch diese Veranstaltung abgesagt werden. Das aus diesem Anlass von Thomas Käpernick und Dietlind Kautzky herausgegebene Buch Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden erscheint Anfang Mai. Es enthält neun ausgewählte Lebensbeschreibungen von Teilnehmer*innen des Todesmarschs. Der reich bebilderte Band macht deutlich, wie noch in den letzten Wochen des »Dritten Reiches« das sinnlose Morden betrieben wurde. Er zeigt aber auch, wie durch das Gedenken vor Ort Brücken zur Gegenwart und zu den heute Lebenden geschlagen werden können. In seinem Geleitwort bekräftigt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther: »In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erwächst ein Erkenntnisprozess, der Geschichte in ihrer menschlichen Tiefe erfasst und unmittelbar in unser praktisches Handeln hineinwirkt. Angesichts der schrecklichen rassistischen Taten der jüngsten Zeit ist dies wichtiger denn je.«

1. Mai 2020

Keine Reden zum 1. Mai 2020? Doch! Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und VSA: Autor, hat ein Grußwort online gestellt, das eine Mai-Rede werden wollte, aber nicht konnte … Wer es nicht nur anschauen, sondern nachlesen will, findet den Wortlaut auf der Website von Sozialismus.de.

Auf dem Weg in einen Corona-Kapitalismus?

»Wie lässt sich im März und April 2020 die Einleitung für ein Buch verfassen, in dem es um ein Verständnis jüngerer gesellschaftspolitischer Entwicklungen, mögliche Zukunftsvorstellungen und emanzipatorische Handlungsmöglichkeiten geht?« Diese Frage, die in ähnlicher Weise derzeit viele Autor*innen umtreibt, stellt sich Ulrich Brand in seinem demnächst – mit einem Beitrag zur Corona-Krise – erscheinenden Buch Post-Wachstum und Gegen-Hegemonie. Und er stellt die These auf: »Der Umgang mit sozial-ökologischen Krisen wird eine entscheidende Konfliktlinie der kommenden Jahre sein. Die Corona-Pandemie ist ›nur‹ ein, wenn auch sehr dramatischer Teil dieser Krise – in kritischen Begriffen: der tiefen Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse.« Nach wie vor gilt: Ulrich Brands Überlegungen zielen auf (Rahmen-)Bedingungen für ein Gutes Leben für alle.

Neu im Programm: Die Höcke-AfD

Beim rassistischen Attentat am 19. Februar 2020 in Hanau haben die Sicherungsorgane erneut den Wettlauf gegen die Gewaltgefahren von rechts verloren. Die Entfesselung von Ressentiments durch Höcke & Co. hat ein Klima geschaffen, das Alltag, Öffentlichkeit und Politik vergiftet. Und in Erfurt war mit der Wahl von Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten durch eine FDP/CDU/AfD-Mehrheit die Selbstdemontage demokratischer Parteien zu erleben – ein Tabubruch, der zwar durch den Aufstand in der Öffentlichkeit schnell hat korrigiert werden müssen, aber der Triumph der radikalen Rechten in der AfD um Björn Höcke und Andreas Kalbitz bleibt. Die Kampfreden Höckes (u.a. vor der Pegida-Bewegung in Dresden) und seine Schriften sind ein eindeutiger Beweis dafür, dass der Coup in Thüringen bewusst geplant war. Hajo Funke nimmt Die Höcke-AfD in einer neuen Flugschrift in den Blick und zeigt, dass sich die AfD vom »gärigen Haufen« zur rechtsextremen »Flügel«-Partei entwickelt hat.

ÖPNV zum Nulltarif!

Mobilität ist nicht nur ein menschliches Grundbedürfnis, sondern ein gesellschaftliches Kampffeld, das Fragen der sozialen Gerechtigkeit, ökologische Zerstörung und Demokratie umfasst. In dem Band Nulltarif. Luxus des Öffentlichen im Verkehr: Widersprüchlicher Fortschritt einer Idee im ÖPNV werfen die Herausgeber*innen Judith Dellheim und Michael Brie einen Blick auf historische und globale Kämpfe, um den Nahverkehr als öffentlichen Raum und Gegenstand des Gemeinwohls zu begreifen. Vom Roten Bologna der 1970er Jahre nach Tallinn, der ersten europäischen Hauptstadt mit kostenfreiem Nahverkehr, zur finnischen Initiative »Planka.nu«, die aus Protest über Kontrollschranken springt: »Der ÖPNV mit Nulltarif ist nicht das ›Hauptkettenglied‹ im Kampf für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen in gesunder Biosphäre. Aber ein ÖPNV mit Nulltarif kann eine sinnvolle Orientierung sein, damit es nicht so weitergeht – damit also die gesellschaftspolitischen Kräfteverhältnisse so verändert werden, dass soziale, ökologische und globale Probleme demokratisch, solidarisch, gerecht und nachhaltig gelöst werden.«

Mobilität der Zukunft nicht Konzernen überlassen

Auch wenn derzeit wegen erhöhter Ansteckungsgefahr der Öffentliche Nah- und Fernverkehr möglichst vermieden werden sollte: Ihm muss – neben dem Fahrrad – die Zukunft gehören. Wir stehen noch ganz am Anfang einer Mobilitätswende, die aus vielerlei Gründen früher oder später kommen wird. Viele Wege dorthin zeigt der neue AttacBasisText Klimagerechte Mobilität für alle auf, dessen Autoren für eine konsequent emanzipatorische, ökologische und für jeden erschwingliche (Nulltarif! – ein weiteres VSA: Buch mit diesem Titel steht ebenfalls kurz vor der Fertigstellung) Verkehrspolitik plädieren. Dazu gehört weder die von deutschen Autobauern gepriesene E-Mobilität noch die Deutsche Bahn, wie wir sie heute kennen. Worauf es wirklich ankommt, das zeigt der spannend zu lesende Basistext.

Marx’ »Humanismus der Praxis« als Losung unserer Zeit

Die aktuell auffälligste Bedrohung für die Menschen auf unserem blauen Planeten geht vom Corona-Virus aus. Dabei gerät schnell eine andere Bedrohung in den Hintergrund: die Klimakatastrophe. Die aber – so Franz J. Hinkelammert in seinem Buch Die Dialektik und der Humanismus der Praxis – haben wir uns selbst eingebrockt – u.a. mit einem religiös anmutenden Wachstumswahn. Bereits Marx hatte das in seiner Kapitalismuskritik erkannt, die von bürgerlicher Seite seither immer wieder zu widerlegen versucht wird. Der Autor legt eine umfangreiche Analyse und kluge Entlarvung dieser Marxkritiken vor und zeigt, dass marxistisches Denken ein Gegenmittel gegen die Marktreligion bereithält, das derzeit dringender denn je ist: ein Humanismus der Praxis.

taz & ABC der globalen (Un)Ordnung

die tageszeitung aus Berlin ist Medienpartnerin des höchst aktuellen Buches ABC der globalen (Un)Ordnung, das bereits vor der globalen Covid 19-Pandemie erschien. In ihm greifen 114 Autorinnen und Autoren (unter ihnen die taz-RedakteurInnen Ulrike Herrmann, Christian Jakob und Anja Krüger) in 126 Stichwörtern die nicht eingelösten Wohlfahrtsversprechen der Globalisierung auf und zeigen Alternativen. Jetzt bietet die taz ein Kombiabo mit dem Buch im Paket als Abo der Woche an. Die von inzwischen mehr als 20.000 Genoss*innen getragene Zeitung stellt sich neu auf: »Geballte Frauenpower« heißt es im hauseigenen Blog. Denn mit Ulrike Winkelmann und Barbara Junge wird sie zum ersten Mal von einem rein weiblichen Team geführt. Junge wird ab dem 1. Mai ihre neue Aufgabe als Chefredakteurin übernehmen, Ulrike Winkelmann, die schon früher für die taz geschrieben und zuletzt beim Deutschlandfunk gearbeitet hat, kommt am 1. August hinzu, stellvertretende Chefredakteurin bleibt Katrin Gottschalk. Wir wünschen schon jetzt viel Erfolg und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.

1917/18 als lehrreiches Beispiel für Gewerkschaften

Geschichte ist nie von gestern, sondern Gegenwart und Zukunft zugleich. Wie wir aus ihr lernen können, gerade aus gewerkschaftlicher Perspektive, zeigen die Autor*innen des von der IG Metall-Bezirksleitung Küste herausgegebenen Bandes Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Der 8-Stunden-Arbeitstag, das Frauenwahlrecht, Tarifautonomie oder Betriebsräte sind, das vergessen viele, Errungenschaften dieser Zeit, von der wir bis heute als Arbeitnehmer*innen zehren. Diese gesellschaftlichen Änderungen konnten nur durch die soziale Bewegung der Arbeiter*innen erkämpft werden, sie fielen nicht vom Himmel. Und das macht die Revolution vor knapp 100 Jahren auch so aktuell und lehrreich zugleich: Denn diese Erfahrungen der Demokratisierung sind bis heute wichtig für Gewerkschaften, die sich gerade im 21. Jahrhundert immensen Herausforderungen stellen müssen.

Zamość oder Warschau?

Welche dieser beiden Städte sollte als Rosa Luxemburgs Heimatstadt bezeichnet werden? Diese und andere Fragen beantworten Krzysztof Pilawski und Holger Politt in einem Interview über ihr im März erschienenes Buch Rosa Luxemburg: Spurensuche. Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie. Mit seinen zahlreichen anschaulich aufbereiteten Dokumenten, Fotografien und Abbildungen sowie dem begleitenden Text der Herausgeber zeichnet der Band die ersten schärferen Umrisse einer Familienbiografie. Da er derzeit nicht in öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt werden kann, wurden Krzysztof Pilawski und Holger Politt von der Rosa Luxemburg Stiftung Brandenburg gebeten, die Motivation für ihre Arbeit an diesem Buch zu erläutern und ihr methodisches Herangehen zu erklären.

Besucht eure Lieblingsbuchhandlung!

Seit dem 20. April sind fast überall Buchhandlungen wieder geöffnet. Bitte unterstützt eure Lieblingsbuchhandlung vor Ort und weist sie ggf. darauf hin, dass auch unsere Bücher über die Großhändler oder bei uns bestellt werden können. Falls das nicht gewünscht wird, könnt ihr lieferbare Bücher anstelle bei Amazon direkt bei uns bestellen (wie das geht, ist hier unter »Der Bestellvorgang« beschrieben). Auch telefonische Bestellungen sind über 040/2809 5277-10 möglich, ebenso solche über E-Mail an katrin.reimann[at]vsa-verlag.de bzw. julia.koppke[at]vsa-verlag.de.

Neu im Programm: Linke Strategiedebatte

Es bleiben nur noch 15 Jahre, um eine verheerende Klimakatastrophe zu verhindern und die Wirtschaft und Infrastruktur klimaneutral zu gestalten. So die These des Ko-Parteivorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, in seiner bislang noch nicht angekündigten Flugschrift SystemChange. Manifest für eine verbindende und organisierende Partei. Ohne soziale Gerechtigkeit scheitert der Klimaschutz und ohne radikalen Klimaschutz gibt es keine soziale Gerechtigkeit. Es geht um eine grundlegende Weichenstellung: autoritäre Entwicklung des Kapitalismus oder ein sozialer und ökologischer Systemwechsel? Riexinger entwirft eine »konkrete Utopie« für den sozial-ökologischen Systemwechsel und DIE LINKE der Zukunft, entwickelt Vorschläge für eine moderne sozialistische Mitgliederpartei und spitzt seine Überlegungen zu einer verbindenden neuen Klassenpolitik zu. Angesichts der Krise sozialdemokratischer Volksparteien in Europa setzt er nicht auf populistische Politikformen, sondern auf den Aufbau von transformativer Macht über Organizing, Verankerung in Betrieben und Bewegungen, vernetzte Gegen-Öffentlichkeiten und Stadtteilarbeit.

Neu im Programm: Friedrich Engels im Wuppertal

»Dies schöne Land, wenn man darin nur leben könnte!«, soll Friedrich Engels gesagt haben, als er im Alter von 73 Jahren zum letzten Mal das Rheinland durchquerte. Reiner Rhefus, Mitarbeiter im Historischen Zentrum Wuppertal, zu dem das Engels-Haus gehört, führt in seinem bislang noch nicht angekündigten Buch Friedrich Engels im Wuppertal. Auf den Spuren des Denkers, Machers und Revolutionärs im »deutschen Manchester« zu Orten, die mit dessen Leben in Verbindung standen, schildert Ereignisse und Personen der Stadtgeschichte. Behandelt werden die familiäre Herkunft, die jugendliche Prägung in den Industriestädten, die ersten politischen Aktivitäten und »kommunistischen Versammlungen« in Deutschland (1845) und Engels’ revolutionäres Engagement als »Barrikadeninspektor« während der Revolution von 1848 und der »Reichsverfassungskampagne« im Mai 1849. Es werden zudem die wenig bekannten familiären, geschäftlichen und politischen Fäden verfolgt, die ihn auch später in Manchester und London mit seiner Heimatstadt verbanden. Zu seinen Freunden, Bekannten und Gegnern gehörten Bergische Fabrikanten und Kaufleute, Priester und Pietisten, Poeten und Maler, Arbeiter und Arbeiterführer. So können die Leser*innen mit den Augen Friedrich Engels’ durch Wuppertal gehen und zugleich einen Blick werfen auf sein Werk und sein Wirken – als Mitstreiter von Karl Marx, aber eben auch Journalist, Literaturkritiker, Militärexperte, Geschäftspartner und anteilnehmender Verwandter im fernen England.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben hier regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Deshalb ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden, Bestellungen und Zuspruch geholfen haben. Sie tragen mit dazu bei, dass wir an der Fertigstellung des Frühjahrsprogramms, an der Auslieferung bestellter Bücher und auch an der Vorberitung eines Herbstprogrammes weiter arbeiten können.

Denn auch wenn Amazon »bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle«, wie Julia Encke in der FAZ am Sonntag vom 29.3.2020 berichtet – man könnte auch sagen: Klopapier statt Kulturgut –, wollen wir, dass unsere Bücher weiterhin zu den Leser*innen kommen. Das geht auch ohne Amazon: Auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die ebenfalls (trotz miserabler Bezahlung) mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/