Gewerkschaften, ja bitte!

Noch bis Ende Mai 2018 finden Betriebsratswahlen statt, in zehntausenden Betrieben wählen die Beschäftigten ihre Interessenvertreter*innen. An viele zum ersten Mal neugewählte Kolleg*innen, aber auch an bisherige Betriebsräte, Vertrauensleute und Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen als Teil aktiver Gewerkschaftsarbeit im Betrieb richtet sich das von Hartmut Meine verfasste Handbuch Gewerkschaft, ja bitte!. Im ersten Teil werden die Grundlagen der Betriebs-, Tarif- und Gesellschaftspolitik entwickelt sowie die Schutz- und Gestaltungsfunktion von Gewerkschaften an praktischen Beispielen erläutert. Der zweite Teil behandelt die praktische Gewerkschaftsarbeit im Betrieb. Hier geht es u.a. um die unterschiedlichen Bedingungen vom Kleinbetrieb bis zum globalen Konzern. Zahlreiche Praxistipps beleuchten zentrale Handlungsfelder wie Entgelt und Arbeitspensum, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sowie Qualifizierung und technologische Umbrüche (Industrie 4.0/Digitalisierung der Arbeitswelt). Dabei werden die Probleme von »Stammbelegschaften« mit unbefristeten Vollzeitarbeitsverträgen ebenso behandelt wie die von befristet Beschäftigten, Leiharbeiter*innen und »Werkvertraglern«. Schließlich gibt es praktische Hinweise für das gemeinsame, solidarische Handeln, um eine hohe Beteiligung der gesamten Belegschaften zu erreichen. Hartmut Meine war über 40 Jahre in der IG Metall aktiv, davon 18 Jahre als Bezirksleiter des IG Metall Bezirkes Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

aufrecht gehen

haben die Kolleg*innen des »Gemeinsamen Erschließungsprojektes« (GEP) der IG Metall Bezirksleitung Baden-Württemberg ihr Buch getitelt, in dem es darum geht, wie Beschäftigte durch Organizing zu ihrem Recht kommen. In ihrem Vorwort schreiben der IG Metall Bezirksleiter Roman Zitzelsberger und GEP-Projektleiter Andreas Flach u.a.: »Betriebliche Aktive, OrganizerInnen und GewerkschaftssekretärInnen aus Geschäftsstellen und Bezirksleitung berichten von den Erfolgen, aber auch von den Rückschlägen ihrer bisherigen Bemühungen und ziehen eine kritische Zwischenbilanz. ... In zehn Reportagen ... werfen beteiligte Aktive und Hauptamtliche Schlaglichter auf eine breite Facette konkreter Erfahrungen und Probleme von heutigem gewerkschaftlichem Organizing. In drei ausführlichen Interviews diskutieren Bevollmächtigte und Erschließungsbeauftragte involvierter IG Metall-Geschäftsstellen sowie politisch Verantwortliche aus Bezirksleitung und Projektteam über ihre Sicht auf das GEP. Und schließlich haben wir einen Auszug aus einem Klassiker der US-amerikanischen Organizingliteratur ... aufgenommen, der sich dezidiert an betriebliche Aktive und diejenigen richtet, die es werden wollen.«

»En Speukels geiht üm ...

in Europa ...«, hätte Karl Marx formuliert, wenn er denn des Plattdeutschen mächtig gewesen wäre. Weniger als »kommunistisches Gespenst«, denn als »großen Gelehrten«, Philosophen und manchmal auch – so ganz lässt sich das ja nicht in den Hintergrund drängen – »Revolutionär« feiert seine Geburtsstadt Trier den bedeutenden Sohn anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. Mai. Dass er jedoch vor allem mit seinem Hauptwerk »Das Kapital« die Kritik der Politischen Ökonomie fundiert hat und damit bis heute wesentliche Elemente von Kapitalismuserklärung und -kritik liefert, machen unsere Autor*innen in ihren Büchern deutlich (zuletzt David Harvey in dem gerade erschienenen Marx’ 2. Band des »Kapital« lesen), die wir auf einer gesonderten Seite zusammengestellt haben. Außerdem hat die Redaktion der Zeitschrift Sozialismus ihm ein 48-seitiges extra gewidmet, das gegen eine Spende erhältlich ist und gern an Interessierte weitergegeben werden kann. Wie heißt es doch am Schluss von »De Kommunistische Partei ehr Manifest«? (Marx las und schrieb in vielen Sprachen, ins Plattdeutsche jedoch musste Hans-Joachim Meyer nachhelfen – Exemplare sind noch erhältlich über aj@fraujansen.de) »Schüllt doch de herrschen Klassen vör de kommunistische Revolutjoon bävern. De Proletariers hebbt in ehr nix to verleren as jümehr Käden. Se hebbt en Welt to winnen.«

Thomas Kuczynski in DIE ZEIT

Abbildung: DIE ZEIT 17/2018

Unser Autor hat in DIE ZEIT Nr. 17/2018 mit Evelyn Finger und Lisa Nienhaus über die »Faszination des ›Kapitals‹, das Ende des Sozialismus und seine Hoffnung auf einen neuen Umsturz gesprochen«, wie die Wochenzeitung den ganzseitigen Beitrag aufmacht. Darin fragen die Interviewerinnen auch nach der von ihm herausgegebenen »lesefreundlichen Ausgabe von Band 1«, an der unser Autor über 20 Jahre gearbeitet hat. Leider vergaßen sie den Hinweis, dass diese bereits seit Dezember 2017 im VSA: Verlag zu haben ist. Thomas antwortet auf die Frage mit dem Hinweis: »Die Idee, eine Neuedition des Kapitals aus allen bisherigen Editionen zu machen, entstand schon 1930/31 am Marx-Engels-Institut in Moskau. Ich habe sie aufgegriffen.« Was es damit genau auf sich hat, kann in seinem »Nachwort zur Neuen Textedition« nachgelesen werden.

Wir trauern um Elmar Altvater (24.8.1938-1.5.2018)

Unser Autor, Mitstreiter und Freund Elmar Altvater ist am 1. Mai nach langer Krankheit verstorben. Geboren 1938 in Kamen, studierte Elmar nach dem Abitur bis 1963 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Ökonomie und Soziologie und wurde 1968 mit einer Arbeit über »Gesellschaftliche Produktion und ökonomische Rationalität: externe Effekte und zentrale Planung im Wirtschaftssystem des Sozialismus« promoviert. Von 1968 bis 1970 war er Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Erlangen-Nürnberg, wechselte dann ans Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität Berlin, wo er sich u.a. »Sozialistischen Assistentenzelle« engagierte. Dort erhielt er 1971 eine Professur für Politische Ökonomie. Im Jahre 1970 gründete er mit anderen in der Folge der Auseinandersetzungen um die Zeitschrift »Sozialistische Politik« die »PROKLA«, deren Redaktion er 2008 verließ. Nach der Emeritierung 2004 war Elmar u.a. als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac aktiv und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Instituts Solidarische Moderne. Seit 2007 war er darüberhinaus Mitglied der Partei DIE LINKE. Wir trauern mit seiner Lebensgefährtin Birgit Mahnkopf um einen engagierten Wissenschaftler, Theoretiker der Linken und politischen Akteur.
In der Zeitschrift Sozialismus hatte sich Elmar in den letzten Jahren – neben den theoretischen Ausarbeitungen in seinen beiden Büchern im VSA: Verlag Marx neu entdecken und Engels neu entdecken – mehrfach mit politischen Intenventionen zu Wort gemeldet. Bereits im November-Heft 2009 hatte die Redaktion der Zeitschrift nach Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009 mit ihm über die daraus folgenden strategischen Herausforderungen der Linken diskutiert. Seine damaligen Einschätzungen haben auch nach mehr als acht Jahren eine erstaunliche Aktualität. Die Redaktion hat das Gespräch aus dem traurigen Anlass seines Todes noch einmal dokumentiert und erinnert zugleich daran, dass mit ihm mehr als ein bedeutender »Politikwissenschaftler« und »engagierter Globalisierungskritiker« (SpiegelOnline) in Zukunft fehlen wird.

Das Urteil im NSU-Prozess ...

wird im Mai oder Anfang Juni erwartet. Zur Zeit versuchen die Anwälte der Angeklagten in ihren Plädoyers deren Taten auf bloße Mitwisserschaft kleinzureden. Dass davon nicht die Rede sein kann, dass aber auch die bohrenden Fragen der Betroffenen – Wie groß war das an den Morden und Anschlägen beteiligte Unterstützernetzwerk? Was wussten die Sicherheitsbehörden, insbesondere der Verfassungsschutz, und warum wurde seitens des Staates nicht eingegriffen? – von staatlicher Seite bislang unbeantwortet blieben, darauf weisen vier vom NSU-Terror Betroffene und acht Nebenklagevertreter*innen in ihren Plädoyers in dem Buch Kein Schlusswort hin und entwerfen eine eindrucksvolle Gegenerzählung zum staatlichen Narrativ im NSU-Komplex. Das Buch wird am 8. Mai in Berlin in der Akademie der Künste vorgestellt.

1968

Die Erinnerung an die Debatten um die Folgen der 68er-Bewegung nimmt Fahrt auf. Soeben erschien Gegen die Zerstörung von Herz und Hirn. »68« und das Ringen um menschenwürdige Arbeit, in dem der Arbeitswissenschaftler Wolfgang Hien (* 1949) im Gespräch mit dem Historiker und Sozialwissenschaftler Peter Birke (* 1965) Auskunft über die Lehrlingsbewegung und politische Betriebsarbeit seit Mitte der 1960er Jahre gibt. Bereits zuvor erschienen zum Thema der Band 1968 und die Arbeiter sowie die Erinnerungen von Hajo Funke an die politisch-kulturellen Umbrüche der Studentenbewegung Antiautoritär. Ende Mai/Anfang Juni wird auch der von Knut Nevermann herausgegebene Band Die 68er über die Selbst-Politisierung der Studentenbewegung zum Wandel der Öffentlichkeit und das Buch von Frank Deppe 1968: Zeiten des Übergangs über das Ende des »Golden Age«, Revolten & Reformbewegungen, Klassenkämpfe & Eurokommunismus erscheinen.

Wir trauern um Dietmar Wittich (1943 bis 2018)

Am 17. April 2018 verstarb der Sozialwissenschaftler, Wahlforscher und Autor des VSA: Verlags Dietmar Wittich. Über seine Arbeits- und Lebensweise als »ostdeutscher Soziologe, für den es in den offiziellen Wissenschaftsstrukturen der Bundesrepublik keinen Platz zu geben scheint« hatte er im Jahr 2001 in dem Buch Wahlzeiten, Kriegszeiten, andere Zeiten. Betrachtungen eines ostdeutschen Soziologen Auskunft gegeben und zugleich deutlich gemacht, dass er »es sich nicht nehmen lassen will, seinem Beruf nachzugehen und sich einzumischen.« Wir verweisen auf die Würdigung, die Jörn Schütrumpf für die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Tageszeitung »neues deutschland« verfasst und die die Zeitschrift Sozialismus auf ihre Website übernommen hat.

Das Kapital in Farbe und als Ausstellung!

Den JARIComic für Einsteiger*innen und Fortgeschrittene gibt es nun auch in Knallbunt. Und als besonderes Geburtsgeschenk zu Charleys 200. haben wir Zeichnungen daraus auf 15 DIN A1-Plakate gebracht und bieten sie als Ausstellung an. Dieses Angebot wird dankbar angenommen, bislang wird sie u.a. in Heideruh in der Nordheide, im Bildungszentrum Kirkel im Saarland, in Leipzig, Weimar, Chemnitz, Offenbach, auf der Geburtstagsparty am 5. Mai in Hamburg und natürlich auch in Trier gezeigt (Details auf der Ausstellungsseite).

Christen & Marx?

Papst Franziskus nutzte das Osterfest einmal mehr, um auf soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Auch wenn er einen direkten Hinweis darauf vermied, sprach er dabei implizit ein gemeinsames Erbe von Christen und Marx an. Dieses ist – mit Blick auf den 200. Geburtstag von Karl Marx – auch das Anliegen der Autor*innen des von Michael Ramminger und Franz Segbers herausgegebenen Bandes »Alle Verhältnisse umzuwerfen ... und die Mächtigen vom Thron zu stürzen«, der am 26. April – u.a. mit dem Herausgeber Franz Segbers, dem Ko-Autor Hermann-Josef Große Kracht sowie Norbert Blüm und Regina Görner – in Frankfurt am Main vorgestellt wurde.

Rechtspopulisten als »Kümmerer« in den Betrieben?

Großes Interesse – vor allem in den Medien – hat auch die Veröffentlichung der Studie Rechtspopulismus und Gewerkschaften gefunden. Ko-Autor Dieter Sauer wurde von der ZEIT befragt und gab dem NDR ein ausführliches Interview, Ko-Autorin Ursula Stöger stand dem Radio Corax Rede und Antwort. Am 10. April wird ab 19:00 Uhr im  Klub im Hamburger DGB-Haus unter dem Titel »Hoch die nationale Solidarität?« Ko-Autor Richard Detje mit Klaudia Tietze (Geschäftsführerin von »Mach meinen Kumpel nicht an« und Mitherausgeberin des ebenfalls bei uns erschienenen Bandes Von Biedermännern und Brandstiftern. Rechtspopulismus in Betrieb und Gesellschaft diskutieren.

Betriebsbesetzungen und Arbeiten in Selbstverwaltung

Dario Azzellini (zur Zeitr Research Fellow an der School for Industrial and Labor Relations, Cornell University, Ithaca, USA) hat den politischen Kern seiner 15-jährigen Forschungsergebnisse zu Arbeiter*innenselbstverwaltung und Formen lokaler Selbstverwaltung weltweit in der Flugschrift Vom Protest zum sozialen Prozess zusammengefasst. Er liefert zugleich Antworten auf die Frage: Ist es möglich, im Kapitalismus »anders« zu arbeiten und damit die Perspektive einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft jenseits des Kapitalismus aufzuzeigen und zu eröffnen?

»Karl-Marx-Stadt Hamburg«

So übertitelte das »Hamburger Abendblatt« ein Interview mit unserem Autor Jürgen Bönig zu dessen neuem Buch. Manche fanden das etwas übertrieben. Nicht so die Besucherinnen und Besucher, die der Einladung der Linksfraktion in der Bürgerschaft in den überfüllten »Kaisersaal« des ehrwürdigen Hamburger Rathauses gefolgt und über viele neue Erkenntnisse erstaunt waren, die der Autor aus seinem Buch Karl Marx in Hamburg präsentierte. Und auch nicht das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL«, in dem sich Barbara Supp unter der Überschrift »Dieses Saubuch« mit Jürgen Bönig als Reisebegleiter auf die Spuren von Karl Marx und seines »wirkmächtigen« Hauptwerks in Hamburg begab.

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/