Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben vor zwei Wochen erstmals und seitdem immer auf der Website darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen des Verlages gefolgt.


Deshalb ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden, Bestellungen und Zuspruch geholfen haben. Sie tragen dazu bei, dass wir – neben der Bewältigung der Anträge zu in Aussicht gestellten staatlichen Unterstützungsprogrammen – an der Fertigstellung des Frühjahrsprogramms und an der Auslieferung bestellter Bücher weiter arbeiten können.

Denn auch wenn Amazon »bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle«, wie Julia Encke in der FAZ am Sonntag vom 29.3.2020 berichtet – man könnte auch sagen: Klopapier statt Kulturgut –, wollen wir, dass unsere Bücher weiterhin zu den Leser*innen kommen. Das geht auch ohne Amazon: Auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die ebenfalls (trotz miserabler Bezahlung) mithelfen.

Wir informieren nachfolgend über Aktuelles aus der Verlagsarbeit, sagen noch einmal Danke für die Unterstützung, auf die wir jetzt besonders angewiesen sind, und grüßen aus Hamburg mit der Bitte: Passt auf euch auf!
Das VSA: Team

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Im Netz bestellen

Solange Buchhandlungen vor Ort durch Auflagen zu einer Geschäftsunterbrechung gezwungen sind und dies nicht durch Angebote auf ihren Internetseiten und die Möglichkeiten, Bücher im Ladenlokal abzuholen, kompensieren, wollen wir auch auf die Bestellmöglichkeiten auf unserer Website hinweisen. Das ist einfach und nahezu selbsterklärend. Eine Hilfstellung zu den einzelnen Schritten gibt es hier unter »Der Bestellvorgang«.

Natürlich sind auch telefonische Bestellungen über die Telefon-Durchwahl 040/2809 5277-10 oder durch E-Mail an katrin.reimann[at]vsa-verlag.de bzw. julia.koppke[at]vsa-verlag.de möglich. Wir bemühen uns, den Versandservice aufrecht zu erhalten.

Gesundheit und Geld

Die dramatische Ausbreitung des Coronavirus zu einer Pandemie auch hierzulande macht das Spannungsfeld deutlich, in dem das aktuelle Geschehen im bundesdeutschen Gesundheitssystem zu betrachten ist. Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer sachkundigen und von rationalen Argumenten getragenen öffentlichen Debatte über gesundheitliche Risiken und die Grenzen der Medizin. Zu beidem will Hartmut Reiners im aktuellen Supplement von Sozialismus.de, das auch separat für 7.00 Euro bestellt werden kann, beitragen. Zudem schreibt er über die Anfälligkeiten des Gesundheitssystems, über die Ökonomisierung der Medizin und Wege zu deren Humanisierung – eine aktuelle Ergänzung zu seinem Buch Privat oder Kasse? Politische Ökonomie des Gesundheitswesens

Demokratische Arbeit im Epochenbruch



Was lehrt uns die Humanisierungsdebatte der 1970er Jahre für Arbeits- und Gewerkschaftskämpfe im 21. Jahrhundert? Die Herausgeber*innen Arno Georg, Kerstin Guhlemann und Gerd Peter wagen den Versuch, Diskurse aus zwei gänzlich unterschiedlichen Arbeitswelten in einen Dialog zu bringen: aus einer noch weitgehend analogen, nationalen Welt, einer Zeit ohne Smartphones, Tablets und Internet und einer zunehmend digitalen, globalen Zeit. In den Beiträgen der Autorinnen und Autoren von Humanisierung der Arbeit 4.0. Prävention und Demokratie in der digitalisierten Arbeitsgesellschaft wird dabei eine Perspektive deutlich, die noch heute gilt: die demokratische Arbeit im Epochenbruch zu gestalten.

Mobilität der Zukunft nicht Konzernen überlassen

Auch wenn derzeit wegen erhöhter Ansteckungsgefahr der Öffentliche Nah- und Fernverkehr möglichst vermieden werden sollte: Ihm muss – neben dem Fahrrad – die Zukunft gehören. Wir stehen noch ganz am Anfang einer Mobilitätswende, die aus vielerlei Gründen früher oder später kommen wird. Viele Wege dorthin zeigt der neue AttacBasisText Klimagerechte Mobilität für alle auf, dessen Autoren für eine konsequent emanzipatorische, ökologische und für jeden erschwingliche (Nulltarif! – ein weiteres VSA: Buch mit diesem Titel steht ebenfalls kurz vor der Fertigstellung) Verkehrspolitik plädieren. Dazu gehört weder die von deutschen Autobauern gepriesene E-Mobilität noch die Deutsche Bahn, wie wir sie heute kennen. Worauf es wirklich ankommt, das zeigt der spannend zu lesende Basistext.

75 Jahre nach den Todesmärschen, 75 Jahre nach der Befreiung

Im April 2020 jährt sich der Todesmarsch von etwa 800 Häftlingen vom Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in Hamburg (»Kolafu«) zum »Arbeitserziehungslager Nordmark« am Rande Kiels zum 75. Mal. An ihn sollte mit einer Gedenkveranstaltung am 19. April in Kiel erinnert werden. Doch wie alle für dieses Frühjahr geplanten Gedenkfeiern 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus musste auch diese Veranstaltung aufgrund der globalen Coronakrise leider abgesagt werden. Das aus diesem Anlass von Thomas Käpernick und Dietlind Kautzky herausgegebene Buch Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden wird aber im selben Monat erscheinen. Es enthält neun ausgewählte Lebensbeschreibungen von Teilnehmer*innen des Todesmarschs, die von einer Biografiengruppe erarbeitet wurden. Entstanden ist ein reich bebilderter Band, der deutlich macht, wie noch in den letzten Wochen des »Dritten Reiches« das sinnlose Morden betrieben wurde. Er zeigt aber auch, wie durch das Gedenken vor Ort Brücken zur Gegenwart und zu den heute Lebenden geschlagen werden können. In seinem Geleitwort bekräftigt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther: »In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erwächst ein Erkenntnisprozess, der Geschichte in ihrer menschlichen Tiefe erfasst und unmittelbar in unser praktisches Handeln hineinwirkt. Angesichts der schrecklichen rassistischen Taten der jüngsten Zeit ist dies wichtiger denn je.«

VSA: Bücher frisch besprochen

»Michael Löwy ist es gelungen, in einem schmalen Buch nicht allein das bewundernswerte Denken Rosa Luxemburgs zusammenzufassen. Ebenso hat er so manche verborgene Traditionslinie des kritischen Marxismus dem Vergessen entrissen«, urteilt John S. Will in der Sozialistischen Zeitung über dessen Buch Rosa Luxemburg: Der zündende Funke der Revolution. Denn die jüdisch-polnisch-deutsche Revolutionärin sei zwar »ein Fixstern im Kosmos der deutschen und internationalen Linken«, doch stünden allzu oft biografische Aspekte statt ihrer theoretischen Leistungen im Vordergrund. Deshalb sei Löwys Text ein »kleiner, aber wichtiger Schritt, das Ungleichgewicht zwischen biografischer ›Ikonisierung‹ und der notwendigen Wiederaneignung verschütteter, marxistischer Erkenntnisse zu berichtigen«.

Unter der Überschrift »Künstliche Intelligenz ist menschlich doof« bespricht Sarah Beudt in Ausgabe 09/2020 des Freitag das Buch von Lothar Schröder und Markus Franz Eine warme Stimme schleicht sich in dein Ohr. »Die Autoren betonen, dass hinter KI immer Menschen stehen. Wir entscheiden, oder sollten es jedenfalls, wie und wozu sie eingesetzt wird. Aber wer ist ›wir‹? Die reale Gefahr besteht ja darin, dass KI von globalen privaten Unternehmen und Plattformen kontrolliert wird. Denen müssten also Grenzen gesetzt werden, damit es zu keiner noch größeren Machtkonzentration durch KI kommen kann. Dann kann KI zur Arbeitserleichterung eingesetzt werden, damit alle mehr Zeit zur Selbstverwirklichung haben. Ist das im Kapitalismus vorstellbar? ... Das Buch ist alltagsnah geschrieben, es zeigt die Chancen, die KI bieten kann, ebenso die Risiken, die damit einhergehen. ... Schröder und Franz nehmen eine optimistische, aber nicht naive Position ein.«
Bereits in der Januar-Ausgabe von ver.di-Publik hatte Petra Welzel die »Gewerkschaftlichen Antworten« zur KI gewürdigt: In nahezu jedem Kapitel schleicht sich den Autoren »eine warme Stimme ins Ohr, die Stimme einer KI, mit der sie sehr unterhaltsam Szenarien für den möglichen Einsatz von KI im Alltag, bei der Arbeit, im Verkehr und in anderen Lebenslagen entwerfen. Manche davon sind längst real, andere Zukunftsmusik und wiederum andere Visionen, die hoffentlich nie umgesetzt werden. Und genau da setzen die Autoren an: Am Ende ist es der Mensch mit seinem ressourcenschonenden Gehirn, sind es wir selbst, die bestimmen können, sollten und müssen, wie viel KI wir in unserem Leben zulassen.«

In der gleichen Ausgabe von ver.di-publik bespricht Henrik Müller unter der Überschrift »Alle Rechte hart erkämpft« das Buch Gegenmacht statt Ohnmacht: »Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Betriebsverfassungsgesetzes, das jetzt 100 Jahre alt ist. Es wurde – als ›Betriebsrätegesetz‹ – am 18. Januar 1920 beschlossen und trat am 4. Februar 1920 in Kraft. Was heutzutage kaum jemand noch weiß, was aber, wie viele andere Hintergründe, aus dem vorliegenden Band zu erfahren ist: wie hoch der Blutzoll war, den unsere Kolleg*innen dafür zu entrichten hatten.« Die Herausgeber*innen versammeln »etliche kompetente Autor*innen mit durchaus unterschiedlichen Sichtweisen. Ihre Analysen und Einschätzungen reichen von der bürgerlichen Revolution 1848/49 über das ›Hilfsdienstgesetz‹ 1916, die Novemberrevolution 1918, das Betriebsrätegesetz 1920 und die – rechtlose – Zeit des Nazi-Terrors bis hin zum westdeutschen Betriebsverfassungsgesetz 1952, seiner Reform 1972 und seinen bescheidenen gesamtdeutschen Veränderungen 2001. ... Eine Lücke tut sich in dem VSA: Band allerdings auf: Wie man ihn auch bewertet, der Überblick über Funktion und Wirksamkeit der betrieblichen Interessenvertretungen in Gestalt der Betriebsgewerkschaftsleitungen (BGL) und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) der DDR von 1949 bis 1990 fehlt in der Aufsatzsammlung.«

Liebe Freund*innen des VSA: Verlag,

die globale Corona-Pandemie legt das öffentliche Leben auch in etlichen Teilen Deutschlands lahm. Die Maßnahmen sollen die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 bremsen. Wir gehen von einer weiteren Ausweitung dieser unverzichtbaren Beschränkungen aus – das Land braucht eine Vollbremsung.



Dieser Lockdown hat wirtschaftliche Nebenwirkungen, auch für die Buchproduktion werden die Folgen der Corona-Pandemie sichtbar. Abgesehen von für uns schon jetzt spürbaren Umsatzrückgängen im Buchhandel wurde nicht nur die Leipziger Buchmesse abgesagt, sondern sämtliche politische Informations- und Diskussionsveranstaltungen. Auf allen diesen Zusammenkünften wollten wir wie jedes Jahr mit vielen – neuen und langjährigen – Leser*innen unserer Bücher ins Gespräch kommen. Damit gehen für uns wichtige Möglichkeiten der Präsentation verloren. Und die Verschiebungen bzw. Absagen schlagen sich für uns in rückläufigen Absatzzahlen nieder.

Trotz dieser Schwierigkeiten tun wir unser möglichstes, um die Krise zu überstehen. Wir gehen davon aus, dass wir trotz der massiven Veränderungen im Alltags- und Geschäftsleben das laufende und erweiterte Buchprogramm zu Ende bringen und ausliefern können. Die bisher in diesem Jahr erschienenen Neuerscheinungen und die für April vorgesehenen Titel haben wir unter Neuerscheinungen noch einmal zusammengefasst. Die drei zusätzlich ins Programm genommenen Bücher folgen weiter unten auf der Seite.

Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung für unsere Publikationen: Zögert bitte nicht, Verlags­prospekte anzufordern und Freunde und Bekannte über diese Möglichkeit zu informieren.

Auch wir werden auf Kurzarbeit und Unterstützungsfonds für Kleinunternehmen zurückgreifen müssen. Die von Bundes- und Landesregierungen sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Aussicht gestellten Maßnahmen sind zum Überleben wichtig und wir hoffen mit vielen anderen auf deren zügige Konkretisierung. Zugleich wollen wir alle unsere Leser*innen auf die Wichtigkeit einer direkten Unterstützung hinweisen und freuen uns über finanzielle Zuwendungen (siehe weiter oben unter Spenden).

Vielen Dank im voraus – und unbedingt auf die Gesundheit achten!
Das Team des VSA: Verlags

Neuerscheinungen


In diesem Jahr bereits erschienen:

Isaf Gün/Benedikt Hopmann/Reinhold Niemerg (Hrsg.):
Gegenmacht statt Ohnmacht
100 Jahre Betriebsverfassungsgesetz: Der Kampf um Mitbestimmung, Gemeineigentum und Demokratisierung
WIDERSTÄNDIG | 160 Seiten | EUR 14.80 | ISBN 978-3-96488-036-9

Michael Löwy: Rosa Luxemburg: Der zündende Funke der Revolution
Aus dem Französischen von Arno Münster
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
144 Seiten | EUR 14.80 | ISBN 978-3-96488-029-1

Krzysztof Pilawski/Holger Politt (Hrsg.): Rosa Luxemburg: Spurensuche
Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie
152 Seiten | Hardcover | in Farbe | EUR 19.80 | ISBN 978-3-96488-005-5

Hartmut Meine: Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive
3. aktualisierte Ausgabe 2020
456 Seiten | Hardcover | Abbildungen | EUR 19.80 | ISBN 978-3-96488-058-1

Ulrich Brinkmann/Maren Hassan-Beik/Lukas Zappino: Solidarität und Skepsis
Flucht, Migration, arbeitsweltliche Umbrüche und politische Entwurzelung
176 Seiten | EUR 16.80 | ISBN 978-3-96488-016-1

Stefan Stache/Wolf von Matzenau (Hrsg.): Was heißt Erneuerung der Linken?
Sozial-ökologischer Umbau und ein Sozialstaat für das 21. Jahrhundert
In Kooperation mit spw | 192 Seiten | EUR 16.80 | ISBN 978-3-96488-026-0

Im April sollen erscheinen:

Arno Georg/Kerstin Guhlemann/Gerd Peter (Hrsg.):
Humanisierung der Arbeit 4.0
Prävention und Demokratie in der digitalisierten Arbeitsgesellschaft
240 Seiten | EUR 19.80 | ISBN 978-3-96488-031-4

Hendrik Auhagen/Thomas Eberhardt-Köster/Achim Heier/Mark Herterich/Hermann Mahler/Volker Röske/Carl Wasmuth/Winfried Wolf: Klimagerechte Mobilität für alle
Verkehr der Zukunft nicht den Konzernen überlassen | AttacBasisTexte 57
96 Seiten | EUR 7.00 | ISBN 978-3-96488-048-2

Ulrich Brand: Post-Wachstum und Gegen-Hegemonie
Klimastreiks, Krise der imperialen Lebensweise und Alternativen zur autoritären Globalisierung
192 Seiten | EUR 16.80 | ISBN 978-3-96488-027-7

Jens-F. Dwars/Dieter Hausold/Christiane Schneider/Paul Wellsow:
Ein Sokrates der DDR
Nachdenken über Dieter Strützel (1935-1999) | Herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen
72 Seiten | EUR 6.00 | ISBN 978-3-96488-061-1

Reinhold Gütter: Fluchtursachen
Fremd- und Selbstbestimmung Afrikas seit 1960
144 Seiten | EUR 12.00 | ISBN 978-3-96488-052-9

Dietlind Kautzky/Thomas Käpernick (Hrsg.):
»Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden«
Der Todesmarsch von Hamburg nach Kiel 1945 – Neun Biografien
200 Seiten | Hardcover | Fotos | EUR 19.80 | ISBN 978-3-96488-064-2

Franz J. Hinkelammert: Die Dialektik und der Humanismus der Praxis
Mit Marx gegen den neoliberalen kollektiven Selbstmord
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
240 Seiten | EUR 16.80 | ISBN 978-3-96488-056-7

Neu im Programm: Die Höcke-AfD

Beim rassistischen Attentat am 19. Februar 2020 in Hanau haben die Sicherungsorgane erneut den Wettlauf gegen die Gewaltgefahren von rechts verloren. Die Entfesselung von Ressentiments durch Höcke & Co. hat ein Klima geschaffen, das Alltag, Öffentlichkeit und Politik vergiftet. Und in Erfurt war mit der Wahl von Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten durch eine FDP/CDU/AfD-Mehrheit die Selbstdemontage demokratischer Parteien zu erleben – ein Tabubruch, der zwar durch den Aufstand in der Öffentlichkeit schnell hat korrigiert werden müssen, aber der Triumph der radikalen Rechten in der AfD um Björn Höcke und Andreas Kalbitz bleibt. Die Kampfreden Höckes (u.a. vor der Pegida-Bewegung in Dresden) und seine Schriften sind ein eindeutiger Beweis dafür, dass der Coup in Thüringen bewusst geplant war. Hajo Funke nimmt Die Höcke-AfD in einer bislang noch nicht angekündigten Flugschrift in den Blick und zeigt, dass sich die AfD vom »gärigen Haufen« zur rechtsextremen »Flügel«-Partei entwickelt hat.

In dem am 11. März erscheinenden Band Solidarität und Skepsis, der auf der Auswertung einer empirischen Befragung von Seminarteilnehmer*innen im IG Metall Bezirk Mitte beruht, machen Ulrich Brinkmann, Maren Hassan-Beik und Lukas Zappino zudem deutlich, weshalb der Rechtspopulismus auch in gewerkschaftlichen Kontexten Unterstützer findet – und liefern zugleich Beispiele praktischer Solidarität dagegen.

Neu im Programm: Friedrich Engels im Wuppertal

»Dies schöne Land, wenn man darin nur leben könnte!«, soll Friedrich Engels gesagt haben, als er im Alter von 73 Jahren zum letzten Mal das Rheinland durchquerte. Reiner Rhefus, Mitarbeiter im Historischen Zentrum Wuppertal, zu dem das Engels-Haus gehört, führt in seinem bislang noch nicht angekündigten Buch Friedrich Engels im Wuppertal. Auf den Spuren des Denkers, Machers und Revolutionärs im »deutschen Manchester« zu Orten, die mit dessen Leben in Verbindung standen, schildert Ereignisse und Personen der Stadtgeschichte. Behandelt werden die familiäre Herkunft, die jugendliche Prägung in den Industriestädten, die ersten politischen Aktivitäten und »kommunistischen Versammlungen« in Deutschland (1845) und Engels’ revolutionäres Engagement als »Barrikadeninspektor« während der Revolution von 1848 und der »Reichsverfassungskampagne« im Mai 1849. Es werden zudem die wenig bekannten familiären, geschäftlichen und politischen Fäden verfolgt, die ihn auch später in Manchester und London mit seiner Heimatstadt verbanden. Zu seinen Freunden, Bekannten und Gegnern gehörten Bergische Fabrikanten und Kaufleute, Priester und Pietisten, Poeten und Maler, Arbeiter und Arbeiterführer. So können die Leser*innen mit den Augen Friedrich Engels’ durch Wuppertal gehen und zugleich einen Blick werfen auf sein Werk und sein Wirken – als Mitstreiter von Karl Marx, aber eben auch Journalist, Literaturkritiker, Militärexperte, Geschäftspartner und anteilnehmender Verwandter im fernen England.

Neu im Programm: Linke Strategiedebatten 1

Es bleiben nur noch 15 Jahre, um eine verheerende Klimakatastrophe zu verhindern und die Wirtschaft und Infrastruktur klimaneutral zu gestalten. So die These des Ko-Parteivorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, in seiner bislang noch nicht angekündigten Flugschrift SystemChange. Manifest für eine verbindende und organisierende Partei. Ohne soziale Gerechtigkeit scheitert der Klimaschutz und ohne radikalen Klimaschutz gibt es keine soziale Gerechtigkeit. Es geht um eine grundlegende Weichenstellung: autoritäre Entwicklung des Kapitalismus oder ein sozialer und ökologischer Systemwechsel? Riexinger entwirft eine »konkrete Utopie« für den sozial-ökologischen Systemwechsel und DIE LINKE der Zukunft, entwickelt Vorschläge für eine moderne sozialistische Mitgliederpartei und spitzt seine Überlegungen zu einer verbindenden neuen Klassenpolitik zu. Angesichts der Krise sozialdemokratischer Volksparteien in Europa setzt er nicht auf populistische Politikformen, sondern auf den Aufbau von transformativer Macht über Organizing, Verankerung in Betrieben und Bewegungen, vernetzte Gegen-Öffentlichkeiten und Stadtteilarbeit.

Linke Strategiedebatten 2

Als einen »Crossover«-Beitrag unter den linken Parteiströmungen und sozial-ökologischen Bewegungen, Gewerkschaften und Vertreter*innen kritischer Wissenschaft verstehen Stefan Stache und Wolf von Matzenau den von ihnen herausgegebenen Band Was heißt Erneuerung der Linken? Sozial-ökologischer Umbau und ein Sozialstaat für das 21. Jahrhundert, der in Kooperation mit der Zeitschrift der SPD-Linken spw erscheint. Er enthält weitere Denkanstöße von Joachim Bischoff, Sebastian Bödeker, Arno Brandt, Kai Burmeister, Christoph Ehlscheid, Katharina Gapp-Schmeling, Dierk Hirschel, Stefanie Hürtgen, Stefanie Janczyk, Uwe Kremer, Bernhard Müller, Max Reinhardt, Joachim Rock, Holger Rogall, Michael Vester und Gabriele Winker.

Postwachstum und Gegenhegemonie

Klimastreiks, Krise der imperialen Lebensweise und Alternativen zur autoritären Globalisierung: Ulrich Brand, Professor für Internationale Politik an der Universität Wien, erkundet in seinem neuen Buch die Bedingungen für soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und internationalen Ausgleich. Dafür wird ein grundlegender Umbau von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nötig sein. Nicht weniger also als eine gesamtgesellschaftliche Perspektive sozial-ökologischer Transformation, die zu grundlegenden Veränderungen der Macht- und Kräfteverhältnisse führt. Denn: Damit ein gutes Leben für alle möglich wird, muss der Zwang des Kapitalismus zu Wachstum und zur imperialen Lebensweise überwunden werden.

Niemand & nichts wird vergessen

Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau zum 75. Mal. Die aus diesem Anlass stattgefundenen Gedenkveranstaltungen haben – nicht zuletzt mit Blick auf das massive Auftreten neuer rechter Gruppierungen und Parteien – einmal mehr deutlich gemacht: Niemand und nichts darf vergessen werden. Daran haben wir uns bisher in unserer Programmarbeit orientiert und werden auch weiterhin daran festhalten. Die lieferbaren und geplante Titel haben wir auf einer gesonderten Seite zusammengefasst.

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/