Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft

In vielen Städten steigen die Mieten und es wird immer schwerer, mit durchschnittlichen Einkommen eine bezahlbare Wohnung zu finden. Längst ist von Wohnen als »Neuer Sozialer Frage« die Rede, deren Lösung zentrales Wahlkampfversprechen ist. Ein Autor:innenkollektiv unter der Herausgeberschaft von Andrej Holm (Humboldt Universität Berlin) hat das Handbuch Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft verfasst, in dem die Autor:innen das Thema Wohnen in sozialwissenschaftlicher Perspektive diskutieren und einem breiten Publikum zugänglich machen. Auf einer in Kooperation des Seminar »Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft« an der Humboldt Universität mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion am Donnerstag, den 24.6.2021, wird das Buch Online von 18:30 bis 20:30 Uhr während eines Livestreams auf YouTube vorgestellt und diskutiert. So wird nach Schnittstellen und ungenutzten Potenzialen für vielseitige Kooperation gesucht und über Mythen in der Wohnungspolitik diskutiert. Mit dabei unter anderem die Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen, die Kampagne Mietenstopp, Andrej Holm und natürlich das Autor:innenkollektiv.

Kultur- und Wissenschaftskritik anno 2021

Der VSA: Verlag wird von einer anonym agierenden Gruppe »für gute wissenschaftliche Praxis« bedrängt, das Buch von Cornelia Koppetsch Rechtspopulismus als Protest vom Markt zu nehmen. Die Autorin steht an ihrer Universität in einer Auseinandersetzung, ob und in welchem Umfang die Praxis wissenschaftlicher Zitierweise und Quellenangabe eingehalten wurde. Diese erstreckt sich inzwischen auch auf den von uns veröffentlichten Band mit Aufsätzen zum Aufstieg der neuen Rechten und des Rechtspopulismus. Die anonyme Gruppe erklärt, dass sie die Attacken auf den Verlag und unsere Autor:innen ausweiten will.

In diesen Zusammenhang passt, was Ulrich Störiko-Blume am 12.5.2021 im »Börsenblatt für den deutschen Buchhandel« ansprach: »Ein Gespenst geht um in unseren Verlagen – das Einlenken und Anpassen aus Angst vor Shitstorms. Es kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, auch wenn die Wirkung die gleiche ist: Ein Verlag lässt sich von außen diktieren, was er bei bestimmten Büchern zu tun und zu lassen hat. […] (Es) kann richtig und sogar vertragskonform sein, ein Buch nicht mehr anzubieten und zurückzurufen. Einem solchen Schritt muss jedoch eine solide Begründung vorausgehen – und nicht ein Nachgeben gegen einen Druck von außen. Menschen, die Verlage und Autor*innen bedrängen, mit Protestmails beschießen, Portale mit arrangierten Schmähkritiken überhäufen, sind keine fairen Kritiker*innen – man sollte sie zunächst ignorieren. Wenn sie nicht aufhören, sondern weitere feindselige Angriffe entfachen, sollten diese öffentlich gemacht werden. Auf keinen Fall sollte man nachgeben.«

Dem VSA: Verlag, der auch mit dem Band von Cornelia Koppetsch dezidiert rechten Positionen entgegentritt, soll durch Druck von außen ein bestimmtes Handeln aufgezwungen werden. Eigentlich verbietet sich eine inhaltliche Auseinandersetzung, wenn man mit einer Gruppierung konfrontiert wird, die ihre Kritik aus der Anonymität heraus vorträgt. Dennoch argumentieren wir und verweisen auf das Nachwort von Cornelia Koppetsch zu unserem Buch, in dem sie erklärt: »Leider ist es an unterschiedlichen Stellen in anderen Publikationen und auch in früheren Fassungen der in diesem Band veröffentlichten Aufsätze zu Ungenauigkeiten im Umgang mit den Gedanken und Formulierungen anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gekommen. Dies bedauere ich sehr. In der vorliegenden Aufsatzsammlung finden sich diese Fehler nach bestem Wissen und Gewissen korrigiert. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, einen eigenständigen Ansatz vorgelegt zu haben, der Rechtspopulismus im Kontext sozialer Abstiege betrachtet, die aus Geltungsverlusten inkorporierter Einstellungen, Dispositionen und Haltungen resultieren.«

Und sie hat begründet, warum sie sich trotz der gegen sie erhobenen Vorwürfe mit diesem Band erneut zu Wort meldet: »In der vor einem Jahr verfassten Einleitung zu diesem Band hatte ich bereits angemerkt, dass der Rechtspopulismus in Europa und in den USA einen Angriff auf bislang etablierte politische Wahrheiten und liberal-demokratische Institutionen darstellt. Diese Tendenzen haben seitdem noch zugenommen – auch wenn der parteipolitische Ausdruck des Rechtspopulismus hierzulande gerade schwächelt. [...] Hinzu kommen antisemitisch begründete Anschläge auf Synagogen wie in Halle oder Menschen jüdischen Glaubens wie in Hamburg. [...] Dies zu skandalisieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ist wichtig. Genauso wichtig ist es zu verstehen, welchen gesellschaftspolitischen Nährboden dies hat. Auch wer verstehen will, an welche Strukturen im emotions-, symbol- und realpolitisch geprägten Alltagsbewusstsein die ›Querdenker‹-Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anknüpfen und wohin diese führen könnten, sollte die Anstrengung genauerer Analysen und Einschätzungen unternehmen. Dazu soll diese Buchveröffentlichung beitragen.«

Es handelt sich bei unserem Sammelband also nicht um eine Schrift zur Erlangung eines akademischen Titels oder einer Position im Wissenschaftsbetrieb. Allerdings sind sowohl die Redaktion der »kulturWelt« auf Bayern 2 (in der Sendung am 8.6.2021) als auch die Feuilleton-Redaktion der FAZ von dem Aufruf zur Verteidigung der wahren Wissenschaft überzeugt und folgen der »Gruppe genauer Leser, die anonym bleiben möchte«. Diese Gruppe und die Kulturredaktionen spießen als Beispiel die Auseinandersetzung mit dem Prozess der Zivilisation auf, der von Cornelia Koppetsch unter Rückgriff auf Norbert Elias und Cas Wouters debattiert wird. In diesem Zusammenhang wird auch Sighard Neckel von ihr berücksichtigt. Patrick Bahners räumt am 10.6.2021 in der FAZ ein, dass Neckel zwar dort von ihr richtig zitiert werde, aber nicht als Autor eines Satzes in einer längeren Fußnote auf Seite 102. Dies veranlasst ihn zu der Behauptung, es könnten in dem Text »noch mehr Plagiate enthalten sein, als in dieser Zeitung berichtet«. Sein Beitrag trägt die Überschrift: »Wie unoriginell!«, die von ihm vorgetragene »Kritik« dagegen erscheint uns wirklich originell.

Wie der New Deal heute wieder Mut macht

Studierende des Fachbereichs Sozialökonomie an der Universität Hamburg diskutieren auf einer Themensemester Aktionswoche vom 15. bis 18. Juni über »Ein New Deal für heute! Wie gestalten wir einen solidarischen und nachhaltigen Weg aus der Krise?« Dazu haben sie für Dienstag, den 15.6., den VSA: Autor Steffen Lehndorff eingeladen. Er wird von 12:00 bis 14:00 Uhr zu »Of course we spent money«, also zur Haushaltspolitik des New Deal, und von 15:00 bis 17:00 Uhr zu »Nicht länger nichts, zum Herausbilden eines neues Selbstbewusstseins« – beides Themen seiner Flugschrift New Deal heißt Mut zum Konflikt – referieren und diskutieren. Die Aktionswoche findet entweder im Hörsaal in VMP 9 oder Open Air auf dem Campus statt. Aktuelle Infos gibt es hier.

Steffen hat außerdem gerade zusammmen mit dem Songwriter-Duo Cuppatea und der Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW ein anderes Projekt zum Thema realisiert. Seit dem 7. Juni stellt er zentrale Thesen seines Buches auf dem YouTube-Kanal der RLS-NRW vor, Cuppatea trägt dazu passende Songs vor. Hier gehts zu dem Vergnügen!

Micha Brumlik zu Antisemitismus und Postkolonialismus

Der ausgewiesene Autor zu jüdischen Themen mischt sich mit seinem neuen Buch in die nicht enden wollende Debatte ein, die durch die jüngsten Ereignisse in Israel/Palästina und deren Nachhall hierzulande neue Brisanz gewonnen hat: Ist es zulässig, Israel und den Zionismus – einschließlich der mehr als 50 Jahre währenden Besatzungsherrschaft im Westjordanland – als »kolonialistisch« zu bezeichnen und die Besatzungsherrschaft zur »Apartheid« und damit für rassistisch zu erklären? Er analysiert die Diskussionen, die mit der Ausladung des afrikanischen Philosophen Achille Mbembe wegen dessen vermeintlichem Antisemitismus von der wegen Corona abgesagten Ruhrtriennale 2020 Fahrt aufgenommen hatte, dann mit der Bewertung der palästinensische BDS-Bewegung durch den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung und andere Aufreger befeuert wurde, und nunmehr erneut die politische Öffentlichkeit sowie die Feuilletons nicht nur der Leitmedien füllt. Micha Brumlik hat die jüngsten Entwicklungen einbezogen, der Band erscheint am 22. Juni.

Immer noch umstritten: das Gedenken an den Vernichtungskrieg 1941-45

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Ein beispielloser Vernichtungskrieg begann. Heute, nach 80 Jahren, wird darüber gestritten, ob es im Bundestag einen offiziellen Gedenkakt zu diesem Datum geben soll. Einzig die LINKE setzt sich bislang hierfür ein. Wir verweisen aus diesem Anlass auf das Buch des Autorenduos Hannes Heer und Christian Streit, Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik, in dem die Dimensionen des Vernichtungskriegs angemessen gewürdigt werden. Die Autoren liefern solide Forschungsgrundlagen und anschauliche Dokumente für geschichtliche Lernprozesse, mit denen sich der Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg 1941-1945 begreifen lässt. Das von Frank Heidenreich und Lothar Wentzel herausgegebene und mit einem Vorwort versehene Buch richtet sich insbesondere an Teilnehmende gewerkschaftlicher Bildungsseminare.

»Macht. Gemeinsame Sache.«

Neu ins Programm aufgenommen haben wir die Übersetzung des aktuellen Buches der US-amerikanischen Autorin, Wissenschaftlerin und Organisatorin von Gewerkschaftskampagnen Jane McAlevey: Macht. Gemeinsame Sache., das gemeinsam von der IG Metall Jugend und der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegeben wird. Der Untertitel »Gewerkschaften, Organizing und der Kampf um die Demokratie« macht ihre zentrale Botschaft deutlich: Gewerkschaften sind die einzige Organisationen, die in der Lage sind, sich erfolgreich gegen die Klasse der superreichen Unternehmen zu wehren, sie wollen nicht nur die wachsende Kluft zwischen Reichtum und Armut umkehren, sondern auch der sexuellen Belästigung und Diskriminierung ein Ende setzen. Die Autorin wird im Juli nach Deutschland kommen und auf diversen Veranstaltungen, unter anderem auf dem Sommercamp der IG Metall Jugend, ihr Buch vorstellen. Aktuelle Infos zu den genauen Terminen und Orten gibt es später an dieser Stelle. Bereits 2019 ist von ihr im VSA: Verlag Keine halben Sachen. Machtaufbau durch Organizing im Rahmen der RLS-Publikationen erschienen.

Erfolgreiche Arbeitskämpfe

Zu selten werden Erfolge in gewerkschaftlichen Abwehrkämpfen benannt und analysiert. Anders in Das Ende der Angst. Charité Berlin: »Outgesourcte« Therapeut*innen erstreiten ihre Rückführung: 2009 hatte die Berliner Charité die therapeutischen Abteilungen outgesourct. Damit verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen für die beschäftigten Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Masseur:innen und Bademeister. Doch sie wehrten sich: Rund 50 Tage dauerte der ver.di-Warnstreik an Deutschlands renommiertester Universitätsklinik. Mit Erfolg: Im Januar wurde die ausgegliederten »Charité Physiotherapie und Präventionszentrum GmbH« zurückgeführt. Im Band der Reihe WIDERSTÄNDIG zeigen Herausgeber Reinhold Niemerg u.a., dass es sich lohnt, die Angst zu überwinden und den offenen Konflikt um die Anerkennung systemrelevanter Arbeit zu wagen.

Buchmesse Leipzig online: Hans-Jürgen Urban las mit

Die Leipziger Buchmesse feierte trotz pandemiebedingter Absage die Welt der Worte und der Bücher. Auch unser Autor und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall Hans-Jürgen Urban las auf einer Online-Veranstaltung der IG Metall und des DGB Sachsen mit, stellte am 27. Mai sein Buch Gute Arbeit in der Transformation. Über eingreifende Politik im digitalisierten Kapitalismus vor und diskutierte darüber mit der stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Sachsen Anne Neuendorf und mit der Moderatorin Nancy Grochol. Die Veranstaltung kann auf der YouTube-Seite des DGB Südwestsachsen nachgeschaut werden.

Das Prinzip Amazon: Grund zum Arbeitskampf?

Ein Verbot von FFP2-Masken am Arbeitsplatz in Winsen (Luhe), Überwachung am Arbeitsplatz und Union Busting: Amazon ist für diese Absurditäten und arbeitnehmerfeindliche Aktivitäten bekannt. Der Versand-Riese ist zudem das abschreckendste Beispiel dafür, wie sich digitalisierte und rationalisierte Arbeitsprozesse auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten auswirken. Vor allem im Bereich der Verkaufsarbeit werden die Rechte der Mitarbeiter:innen immer mehr ausgehöhlt. Reicht das zum Streiken? Was bewegt Menschen zur Arbeitsniederlegung, was hält sie davon ab und was hat das mit »Klassenbewusstsein« zu tun? Davon handelt das demnächst erscheinende Buch Das Prinzip Amazon von Sabrina Apicella.

In dem von Dario Azzellini herausgegebenen Band Mehr als Arbeitskampf! berichten 34 Autor:innen aus zahlreichen Ländern von Arbeitskämpfen aus aller Welt: davon, wie autoritäre Systeme immer wieder versucht haben, Gewerkschaftsarbeit zu unterbinden, aber auch von der Schlagkraft außergewerkschaftlicher Organisierungen.

Das Chaos hält an

Kaum war das Buch mit Beiträgen von Alex Demirović, Andreas Fisahn, Birgit Mahnkopf, Carolin Mauritz/Christa Wichterich, Fritz Reheis, Peter Wahl, Stefanie Hürtgen, Thomas Sablowski und Ulrich Duchrow mit dem Titel Das Chaos verstehen auf dem Weg zur Druckerei, in dem die engagierten Mitglieder des bisherigen Wissenschaftlichen Beirats von Attac ihre Zeitdiagnosen zu Zivilisationskrise und Corona zur Diskussion stellen, löste sich der Beirat in seiner bisherigen Zusammensetzung selbst auf. Er befindet sich seitdem »in einer Phase der Reorganisation«, mit dem Ziel einer »Erneuerung und Verjüngung dieses Gremiums«. Das demnächst erscheinende Buch könnte ein Beitrag sein, das inhaltliche Profil des neu zu konstituierenden Beirats zu schärfen.

Den technischen zum sozialen Fortschritt machen?

»Man darf Digitalisierung nicht mit Ausbeutung verwechseln!«, hat Hubertus Heil letzte Woche in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau behauptet. Doch, darf man. Muss man sogar, wenn man Arnold Schmieders neues Buch Vierte Industrielle Revolution? gelesen hat. Darin zeigt der Autor mit Marx, wie versprochene Zeiteinsparungen und Arbeitserleichterungen im Zuge von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung die Durchkapitalisierung der Arbeitswelt bloß fortsetzen. In den Hintergrund gerate dadurch, dass diese scheinbaren Erleichterungen keinesfalls zugunsten der Arbeitnehmer:innen ausfallen würden, sondern massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, Elend für Mensch und Ausbeutung der Natur bedeuten. Denn: Der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital wird durch den digitalen Fortschritt nicht aufgehoben. Und deshalb brauche es Theorie, so sehr diese manchmal auch eine Hürde darstelle, damit politische Praxis nicht bei einem sicherlich wohlmeinenden Vorstoß wie dem des Bundesarbeitsministers stehen bleibt.

Immer noch kein Feiertag: der 8. Mai als Tag der Befreiung

Woran es liegen könnte, dass der 8. Mai immer noch nicht als »überdauernde(r) Tag der befreienden Niederlage und des rettenden Zusammenbruchs« in der Bundesrepublik verankert ist, hat schon vor gut einem Jahr der Potsdamer Historiker Martin Sabrow in einem Essay dargelegt – im Anschluss an eine entsprechende Initiative der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano. Wir hoffen, dass sich der geforderte Fortschritt in der Erinnerungskultur durchsetzt, wollen mit unserer Büchern dazu beitragen und verweisen aktuell auf die folgenden Buchtitel:

Am 10. Mai erschien der eindrucksvolle Bericht von Peggy Berolsky (das Foto zeigt sie nach ihrer Befreiung in Bergen-Belsen), die als polnische Jüdin das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und den Todesmarsch nach Bergen-Belsen überlebte und schließlich nach Südafrika auswandern konnte: Von Krakau nach Kapstadt. Deportiert nach Auschwitz.

Das im Februar erschienene Buch des französischen Künstlers und Angehörigen der Résistance, René Baumer, Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit, illustriert mit seinen Zeichnungen aus den Konzentrationslagern Neuengamme bei Hamburg, Hannover-Stöcken und Bergen-Belsen war schnell vergriffen und ist inzwischen wieder lieferbar.

Antirassismus und der »Kampf um die Erinnerung« in Deutschland

In den USA wurden am Montag die Eröffnungsplädoyers im Prozess um den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieingriff am 25. Mai 2020 gehalten. Diese brutale Tat hatte zu weltweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt – auch in Deutschland. Weiterer Anlass für Hajo Funkes neue Streitschrift Black Lives Matter in Deutschland ist die Debatte um Antisemitismus, (Post-)kolonialismus und Antirassismus. Funkes Hauptanliegen ist die Erklärung der kolonialen, rassistischen Erbschaft, wie sie von Achille Mbembe eindrucksvoll analysiert und von Bewegungen wie Black Lives Matter politisiert wird. Stehen diese Auseinandersetzungen und ihre Aufarbeitung in Konkurrenz zur Erinnerung an den Holocaust? Der Autor, der seit Jahrzehnten im Kampf um die Erinnerung an die NS-Verbrechen engagiert ist, hält das für falsch. Es macht dagegen deutlich: In einer Erinnerung, bei der vor allem die Betroffenen gewürdigt werden, sind jeweils ethische, praktische und politische Folgerungen zu ziehen, um Traumata zu überwinden und den Nährboden für neue Verbrechen auszutrocknen.

Sieht so Zukunft aus?

Die Unternehmerin Annett Nack-Warenycia und der ehemalige Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Finanzunternehmens Torsten Teichert ziehen eine schonungslose Bilanz ihrer eigenen Erfahrungen mitten im System. Die einst gültigen Zukunftsversprechen funktionieren nicht mehr. Der Glaube an Aufstiegsmöglichkeiten für jeden und Wohlstand für alle ist für viele verloren gegangen. Ihr Buch »It’s the Future, stupid« ... mit Kapitalismus oder ohne (auf jeden Fall mit Illustrationen des Hamburger Künstlers Nils Kasiske) begleiten die Autor:innen mit einer eigenen Internetpräsenz: www.itsthefuturestupid.de.

Von unten betrachtet: die Geschichte der Treuhand

In der Debatte über die Rolle der »Treuhand« kommen die betroffenen Menschen kaum vor. Hermann Vinke, ehemaliger ARD-Korrespondent in der DDR und preisgekrönter Sachbuchautor, lässt sie zu Wort kommen. »Ein Volk steht auf – und geht zum Arbeitsamt«, notierte die Frankfurter Rundschau am 2.7.1991. Auf zwei Jahrhundert-Ereignisse – friedliche Revolution und deutsche Wiedervereinigung – folgte 1990 der Absturz ins Bodenlose. Der Prozess der Transformation kostete Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz, ihre Lebensgrundlage und vielfach auch ihre Würde. Die »Treuhand«, von der Volkskammer der DDR noch als »Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums« und damit Hüterin der Interessen der Bevölkerung gedacht, agierte gegen die Menschen. Von Beginn an erwies sich die Staatsholding als Fehlkonstruktion.

Wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor:innen, Freund:innen und viele Leser:innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die geholfen haben. Wir sind auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb bei der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website.

Spenden

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