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Die schwierigen Zeiten halten an. Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft weiterhin.

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Absturz der »Brombeere« | Sozialpolitik im Rückwärtsgang | Bildungsschere öffnet sich weiter | Der siebte britische Premierminister in einer Dekade | Das Weltraum-Imperium des Technoking | Forum Gewerkchftn: Sophie Binet, der neue Lichtblick am französischen Gewerkschaftshimme | Arbeit im Kapitalismus | Rote Fahne, schwarzes Kreuz | Supplement: Erobert die AfD Ostdeutschland?

Mehr als 50 Jahre Analysen & Alternativen

Einige Kontinuitäten aus 50 Jahren Verlagsarbeit gibt es in dieser Präsentation.

Sommertheater?

Noch auf dem Parteitag der NRW-CDU Anfang Juli hatte Friedrich Merz Kritiker*innen seiner Politik zugerufen: »Nöler, Nörgler und Berufskritiker: Wegtreten!« Inzwischen melden sich die Nörgler aus den eigenen Reihen angesichts des politischen Sommertheaters im Umfeld des Bundeskanzlers. Ein Fraktionsvorsitzender musste ersetzt werden durch einen Kanzleramtsminister, eine inkompetente Gesundheitsministerin tritt an dessen Stelle und wird ersetzt durch einen ehemaligen CDU-Generalsekretär, der noch vor einem Jahr erklärt hat, dass er für dieses Amt nicht geeignet sei. Und dann geht auch noch ein bereits gefundener Nachfolger des bereits geschassten Verkehrsministers wieder von der Fahne.

All das ficht zumindest den christdemokratischen und -sozialen Teil der Regierung nicht an und man lächelt mitten im Sommertheater vom Balkon des grünen Hügels auf braunem Grund in Bayreuth. Zwar erwähnte der Kanzler »die dunkle Seite der Festspiele« anlässlich deren 150. Jubiläums, bei denen pikanterweise das Wagner-Frühwerk »Rienzi« zum ersten Mal überhaupt im Festspielhaus aufgeführt wird (mit der Ouvertüre der Oper wurden stets die Reichsparteitage der NSDAP eröffnet). Zugleich empfahl er, Wagners Musik unter fragwürdiger Berufung auf Thomas Mann zu »genießen, aber nicht ohne Misstrauen«. Wenigstens Michel Friedmann, zunächst aus- und dann wieder eingeladen (siehe hierzu den Beitrag des Hamburger Kultursenators Carsten Brosda in der Süddeutschen), machte deutlich, dass das mit dem »Genießen« so einfach nicht zu haben ist. Den Zusammenhang von Wagners Musik und dem NS-Regime hat übrigens bereits VSA: Autor Hajo Funke im Kapitel 3 (»Hitlers Wagner-Kult – Überwältigungsästhetik und Vernichtungsphantasien«) seines Buches »Der Kampf um die Erinnerung« herausgearbeitet.

Das VSA: Team empfiehlt die Lektüre und verweist darauf, dass am Ende des Sommes außer weiterer unerträglicher Hitze noch anderes drohen könnte.

Kulturkampf konkret

Am Morgen des 7. September könnte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf das Sommertheater ein Alptraum folgen, sollte in der Tat das Wahlergebnis dort »als Einstieg in Pläne für einen rechten Systemumbau« gelungen sein. Um das zu verhindern, hat Hajo Funke im Sozialismus.de Supplement zu Heft 7-8/2026 »Erobert die AfD Ostdeutschland?« Fakten und Argumente zusammengetragen: »Die AfD [...] erklärt in ihrem Wahlprogramm, dass sie keinen Stein auf dem anderen lassen wird. Einer ihrer zentralen Slogans auf Wahlplakaten lässt daher auch wenig Zweifel aufkommen: ›Alles ist möglich‹. [...] Allerdings ist das Rennen um die Mehrheit der Mandate noch offen. [... Ein Erfolg der] demokratischen Parteien am 6. September [...] hängt vor allem davon ab, wie glaubwürdig sie ihre Angebote für eine bezahlbares Leben vermitteln können [... und] durch Zuhören, Freundlichkeit und Verbindlichkeit davon zu überzeugen, für eine ihrer Parteien und nicht für die AfD zu votieren – Nichtwähler ebenso wie ein Teil derjenigen, die aktuell die AfD wählen wollen.«

Wie einschüchternd das AfD-Wahlprogramm in Sachen Rundfunkstaatsvertrag bereits wirkt, war in der 100. Folge der Satiresendung »Die Anstalt« zu sehen, die unter anderem die Regierungspläne der AfD zum Thema machte. Das ZDF hatte kurzfristig entschieden, dass Danger Dan und sein Pianist Igor Levith mit dem Song »Keine Angst« in der Sendung wegen angeblicher »Gewaltverherrlichung« nicht auftreten durften. Max Uthoff, Maike Kühl und Claus von Wagner ließen für die Länge des Liedes eine leere Bühne mit Mikrofon zeigen, lasen anschließend den Songtext kurzerhand selbst vor und erklärten anschließend: »Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos.«

Andenken heißt, Haltung zu zeigen

Bei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung am 20. Juli anlässlich des Jahrestags des Attentats auf Hitler durfte im Berliner Bendlerblock auch die AfD einen Kranz beisteuern. Diese »ungeheure Geschmacklosigkeit« wollte der Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, nicht hinnehmen und versuchte, den AfD-Kranz zu entfernen.

Nachdem Sicherheitsmitarbeiter dazwischengingen, wurde der Kranz zerstört. Korenke hatte sich bereits im Oktober 2024, gemeinsam mit anderen noch lebenden Bonhoffer-Angehörigen in der Erklärung »Dietrich Bonhoeffer nicht verdrehen und missbrauchen!«, gegen dessen Funktionalisierung durch Rechts gewehrt (dokumentiert in der von Cornelia Hildebrandt und Franz Segbers herausgegebenen Flugschrift »Dietrich Bonhoeffer – gegen die Vereinnahmung durch rechte Kreise«). In einem gemeinsamen Beitrag mit anderen Vertretern von Nazi-Opfern hatte Tobias Korenke zudem in einem Artikel in der FAZ vom 16.7.2026 gefordert: »Andenken heißt heute, Haltung zu zeigen«. Zu seiner Aktion im Bendlerblock sagte er gegenüber der ARD, eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei habe nichts bei einer Veranstaltung zu suchen, bei der Menschen geehrt würden, die ihr Leben im Einsatz für den Rechtsstaat und den Erhalt der Menschenwürde verloren hätten.

Paul Singers »Solidarische Ökonomie«

Im Juli 2021 verabschiedete der Stadtrat von São Paulo ein »Gesetz der solidarischen Ökonomie Paul-Singer« und im Dezember 2024 unterzeichnete Brasiliens Präsident Lula da Silva ein Gesetz zur Schaffung der Nationalen Politik der Solidarischen Ökonomie. Beides macht deutlich, dass der Ansatz des 2018 verstorbenen Ökonomen und Sozialisten noch immer praktische Wirkungen hat. Eines seiner letzten Bücher ist nun mit dem Titel »Eine militante Utopie. Den Sozialismus neu denken: Solidarische Ökonomie gegen den Neoliberalismus« in deutscher Übersetzung erschienen. In vier Teilen entwickelt Singer den Unterschied zwischen sozialer und politischer Revolution, um den zeitgenössischen Kapitalismus zu verstehen und Perspektiven insbesondere einen »demokratischen Sozialismus, von unten und freiheitlich« aufzuzeigen – mit vor allem genossenschaftlicher Selbstorganisation der Beschäftigten, Nachhaltigkeit und Teilhabe für alle gesellschaftlichen Gruppen. Michael Löwy schreibt im Vorwort: »Paul Singer war einer der bedeutendsten Denker des demokratischen Sozialismus unserer Zeit. [...] Die Übersetzung dieses Buches in die ­Sprache Goethes und Marx‘ ist [...] sehr zeitgemäß.«

Im Praktikum: Katharina

Seit ich denken kann, spielen Bücher eine wichtige Rolle in meinem Leben. Mit meiner Politisierung nach dem Umzug nach Deutschland begann ich, verstärkt gesellschaftskritische Literatur zu lesen. Besonders Geschichte hat mich immer sehr interessiert: Wie sich die Gegenwart aus der Vergangenheit erschließt und welche Schlüsse sich daraus für die Zukunft ziehen lassen. Deshalb entschied ich mich für ein Studium der Geschichte und Kulturanthropologie.

In Göttingen kam ich dann erstmals mit Arbeitskämpfen in Berührung und unterstützte im Rahmen der »Wir Fahren Zusammen«-Kampagne die Streiks der Göttinger Verkehrsbetriebe. Das hat zu einem konkreteren Interesse an arbeitssoziologischen Fragen geführt und ich begann, mich intensiver mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen auseinanderzusetzen. Ich beschäftigte mich zunehmend mit marxistischen Klassikern, die mein Verständnis politischer Praxis grundlegend prägten. In den vergangenen Jahren war ich gewerkschaftlich an der Uni aktiv und politisch organisiert. Dabei setzte ich mich mit politischem Journalismus und den Abläufen linker Publikationsarbeit auseinander. So entstand mein Wunsch, selbst vermehrt an der Produktion und Veröffentlichung gesellschaftskritischer Bücher mitzuwirken, nicht zuletzt, weil sie für meine eigene politische Entwicklung so prägend waren.

Mein inhaltliches Interesse gilt vor allem der Politischen Ökonomie, insbesondere die Veränderungen durch den Tech-und Plattformkapitalismus und deren Bedeutung für gewerkschaftliche Kämpfe sowie politische Organisierung. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Antimilitarismus und der Frauenfrage.

Ich freue mich sehr darauf, in den kommenden drei Monaten die Arbeit beim VSA: Verlag kennenzulernen und daran teilhaben zu dürfen!

Freerk Huisken zu »Schule, die 5. Gewalt« auf YouTube



Am 26.6. war Freerk Huisken zu Gast bei Ole Nymoen und sprach mit ihm zwei Stunden lang über sein Buch »Schule, die 5. Gewalt«, anschau- und anhörbar auf YouTube. Der Mitschnitt wurde mehr als 7.500 mal aufgerufen. Zwei knappe Zitate aus den zahlreichen Kommentaren: »Tolles Gespräch, schön verständlich für jedermann auf den Punkt gebracht.« Und: »Ich glaube, Ole ist zu Gast bei Freerk.«

Immer mal wieder Online gehen

Unter »Das neue Programm« stellen wir in den nächsten Wochen auf der Website nach und nach die Bücher vor, die für das Herbstprogramm 2026 und den Winter vorgesehen sind. Außerdem empfehlen wir den regelmäßigen Besuch unserer Instagram-Seite (die Beträge erscheinen parallel zudem auf dem Facebook-Account). Dort gibt es gelegentlich auch was zu gewinnen. Also immer gern mal wieder vorbeischauen!

Wir trauern um unseren Autor Alexander Häusler (1963–2026)

Wie wir erst jetzt erfuhren, verstarb Alex bereits am am 9. Juli viel zu früh im Alter von nur 63 Jahren. Er hatte bereits im Jahr 2015 zusamen mit Rainer Roeser im VSA: Verlag den Band »Die rechten ›Mut‹-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der ›Alternative für Deutschland‹« veröffentlicht – eine der ersten detaillierten Analysen der neuen Rechtspartei. 2016 folgte die gemeinsam mit Fabian Virchow herausgebebene Flugschrift »Neue soziale Bewegung von rechts? Zukunftsängste | Abstieg der Mitte | Ressentiments« und im Jahr 2018 gab er dann den Band »Völkisch-autoritärer Populismus. Der Rechtsruck in Deutschland und die AfD« heraus.

Wir werden ihn ebenso vermissen, wie seine Kolleg*innen von der Hochschule Düsseldorf (HSD). Sein langjähriger Kollege und Freund Fabian Virchow schreibt in seinem Nachruf, aus dem wir im Folgenden Auszüge dokumentieren: »Die HSD hat einen Kollegen, einen Freund, einen engagierten Wissenschaftler und einen leidenschaftlichen Antifaschisten verloren [...]. Alex war über viele, viele Jahre das öffentliche Gesicht von FORENA – in Interviews mit Medien, im Fernsehen und als Vortragender bei unzähligen Veranstaltungen. Seine detaillierten Kenntnisse der radikalen Rechten, ab 2013 dann vor allem der AfD – machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner, der seine Position nachdrücklich zu vertreten und auf den Punkt zu bringen wusste. [...] Das Erinnern der NS-Verbrechen, die Auseinandersetzung mit der Shoa und die Kritik des Antisemitismus gehörten zu seinem politischen wie wissenschaftlichen Selbstverständnis. [...] Sein Lachen, seine Wärme, seine inspirierende Präsenz und seine Herzlichkeit bleiben uns immer im Gedächtnis. [...] Gerade in den gegenwärtigen Zeiten des Aufstiegs des autoritären Nationalismus wiegt der Verlust schwer. Die Lücke ist erheblich.«

»Großgeräte« fürdie innere Zeitenwende

Am 6. Juni fand in diesem Jahr erneut ein »Tag der Bundeswehr« an zehn Standorten statt. Aufgeboten wurden nicht nur »Dynamische Vorführungen, unter anderem mit Spezialkräften, Minentauchern sowie Großgerät« oder »Fallschirmsprünge und Überflüge zahlreicher fliegender Waffensysteme«, wie auf der Website angepriesen wird, sondern auch der Bundeskanzler und Boris Pistorius, der hierzulande noch als Verteidigungsminster bezeichnet wird (in der USA heißt das entsprechende Pendant inzwischen »Kriegsminister«). Wenig später wurde unter dem Motto »Veterans, Family & Friends« dann rund um den 15. Juni der zweite »Nationale Veteranentag« mit Veranstaltungen in ganz Deutschland gefeiert, eine zentrale Festveranstaltung ist zudem für den 21. Juni am Reichstagsgebäude in Berlin vorgesehen. Dass dies nur die aktuelle Umsetzung einer zunehmenden Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur ist, hat Ingar Solty in seiner Flugschrift »Innere Zeitenwende« thematisiert.

Neuer AttacBasisText zu Autoritarimus

In immer mehr Ländern selbst des »demokratischen Westens« nehmen autokratische Regierungsformen zu. Eine Folge: Anstelle des humanitären Völkerrechts, das als Lehre aus den Erfahrungen mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des Faschismus entstand, zählt inzwischen bei internationalen Konflikten vor allem das Recht des Stärkeren. Mit dem Vormarsch der neoliberalen Agenda hatte sich der Wind gedreht. Märkte wurden immer wichtiger als soziale und demokratische Grundrechte. Insbesondere in der letzten Zeit geht diese Abkehr von sozialer Verantwortung über den Neoliberalismus hinaus und nimmt autoritäre und mitunter faschistische Züge an. Wie kann diese Entwicklung gestoppt werden? Roland Süß beschreibt in »Den Abstieg ins Autoritäre stoppen!« die aktuellen handels- und geopolitischen Entwicklungen. Thema ist der Aufstieg der Volksrepublik China, aber auch deren Auswirkungen auf den globalen Kapitalismus. Er fragt danach, warum eine globalisierte Welt an der Klimakrise und anderen drängenden Krisen und Herausforderungen dieser Zeit scheitert. Und warum gerade jetzt autoritäre und faschistische Verheißungen Hochkonjunktur haben. Zugleich macht er deutlich: Ein anderer Weg bleibt möglich, diese Entwicklungen können aufgehalten und letztendlich gestoppt werden. Dafür müssen Gegenstrategien diskutiert und eine demokratisch-antifaschistische humanistische Perspektive verbreitet werden.

Im Praktikum: Isa

Isa hat im April das Politikwissenschaftsstudium beendet, machte bei uns ein Praktikum und arbeitet auch danach weiter im Team mit. Hier stellt sie sich selbst vor:

»Ich habe mich schon im Teenager-Alter stark für Politik interessiert, damals aber vor allem auf internationaler Ebene und in der Theorie. Um diesem Interesse zu folgen, habe ich nach dem Abi ein Studium der Politik- und Nachhaltigkeitswissenschaften begonnen. Dort habe ich mich dann viel mit der extremen Rechten, aber auch mit Fragen von Geschlecht und Sicherheit auseinandergesetzt. Das hat mich weiter politisiert und dabei meinen Fokus auf die lokale und praktische Ebene gelenkt. Ich war dabei in unterschiedlichen antifaschistischen, antimilitaristischen und antikapitalistischen Kontexten ehrenamtlich und/oder aktivistisch tätig, mit zunehmend feministisch-klassenkämpferischem Anspruch. Diese politische Praxis fußt nicht nur auf Begegnungen und gemeinsamen Kämpfen mit Freund*innen und Genoss*innen, sondern auch maßgeblich auf politischer Bildung, die ich mir aneignen durfte. Bücher sind schon lange Teil meines Lebens, das Lesen seit Kindertagen mein Hobby. Bücher spielten in meiner Politisierung eine tragende Rolle – ohne sie wäre ich nicht, wer ich heute bin. Dementsprechend bin ich sehr froh und dankbar, gerade Teil von Prozessen sein zu dürfen, die eben diese Bücher und dieses Wissen zugänglich machen.

Ansonsten bin ich gerne mit Freund*innen unterwegs, erkunde Hamburg und seine Theater, Parks und Museen, die auch nach einiger Zeit in der Stadt noch immer viel Neues für mich bereithalten, höre eine Platte, während ich vom Bett aus den Himmel beobachte, schaue Dokus, zeichne oder schreibe. In der letzten Ausgabe der Zeitschrift Sozialismus.de lässt sich einer meiner Texte zu feministischer Arbeit gegen den Krieg lesen.«

Armut? Abschaffen!

Was ist Armut genau und wen betrifft sie in welchem Ausmaß? Der gern bemühte Vorwurf der »Dramatisierung« der Armutszahlen ist unberechtigt, denn Armut ist verbreiteter und tiefgreifender als die Einkommensarmutszahlen belegen. Und das Ausmaß der Vermögensungleichheit und der Einkommensarmut ist nochmal viel größer. 60% der Bevölkerung haben kein oder kaum Vermögen, 10% haben Schulden. Einkommensarmut bemisst nur ein theoretisch verfügbares Einkommen, die gleichzeitigen Ausgaben bleiben außen vor. Wer ein Einkommen oberhalb der Armutsschwelle und einen teuren Mietvertrag hat, kann trotzdem in bitterer Armut leben. Wohnarmut betrifft immer mehr Menschen. Zudem verschärfen die Kaufkraftverluste aufgrund der inflationären Entwicklung der vergangenen Jahre die ohnehin schon schwierige finanzielle Lage von Millionen Betroffenen. Aber eine Gesellschaft frei von Armut ist möglich und dringend erforderlich. Joachim Rock liefert in diesem Buch Fakten, klärt Zusammenhänge auf und macht konkrete Alternativen deutlich.

Berlin: l(i)ebenswert und innovativ?

Für manche Menschen in Berlin sind eher Alpträume Realität: So die Miete nicht mehr bezahlen zu können oder keine Wohnung zu finden, denn die Wohnungsnot ist Problem Nr. 1 in der Stadt. Kaum weniger quälend ist der Alptraum, dass die Kinder scheitern: Schulversagen, Drogen, Depression. Oder der Alptraum, im Alter und bei Krankheit arm zu werden. Der Alptraum, entlassen zu werden und keine Arbeit mehr zu finden. Der Alptraum, mit Gewalt konfrontiert zu werden. All dies thematisieren Ulrich Bochum, Jeffrey Butler, Klaus Kohlmeyer und Stephanie Odenwald auch mit Blick auf die im Herbst anstehenden Wahlen. Zugleich machen sie deutlich, dass Berlin noch immer eine Stadt reich an Kultur, liebenswert und widerständig ist. Letzteres kommt vor allem aus Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Genossenschaften und Vereinen. Ihr Bürgerengagement bewirkt, dass gegen Missstände protestiert wird. Das Plädoyer der Autor*innen lautet: Für alle Bereiche des Stadtlebens, um die es in diesem Buch geht, muss Allgemeinwohl Vorrang haben. Berlin gehört den Menschen, die hier leben und arbeiten. Um ihre Vielfalt und ihr widerständiges Engagement geht es ebenfalls.

Ungelöste Fragen der Kritik der politischen Ökonomie

behandelt Stephan Krüger in seinem neuen Buch Mit Marx zum Verständnis des aktuellen Kapitalismus und spitzt mit Marx zentrale und umstrittene Fragen der Gegenwartsanalyse zu. Denn dessen Gesellschaftstheorie besitzt ungebrochene Aktualität. Es braucht auch keine substanziellen Modifikationen und Weiterentwicklungen – wie beispielsweise die sogenannte monetäre Werttheorie unterstellt – zur Analyse des Gegenwarts-Kapitalismus, sondern einfach das Weiterdenken der in den Marxschen Begrifflichkeiten bereits angelegten impliziten Momente. Diese haben sich im historischen Verlauf zu ausgebildeten Bedeutungen entwickelt. Der Autor zeigt, wie auf Basis eines korrekten Verständnisses der Grundkategorien von Wert und Geld die modernen Phänomene des Finanzmarktkapitalismus, von Geldpolitik und Inflation sowie internationaler Wertschöpfungsgewichtung der Arbeit und deren Ausdruck in den Warenpreisen theoretisch analysiert und empirisch-statistisch erfasst werden können.

Ökonomische, politische und mediale Macht

Angesichts der Überflutung mit Informationen wird es immer schwieriger, eine eigene fundierte Meinung zu bilden. So ist die Frage aufgeworfen, ob und inwiefern Individuen angesichts der Komplexität gesellschaftlicher, technischer und ökologischer Phänomene an Grenzen gelangen. Sollten wir zudem alles tun dürfen, was wir können, insbesondere mit Blick auf den aus der Kapitalverwertung hervorgehenden Wachstumszwang? Die Grenzen zwischen Gesellschaft, Macht und Individuum drohen zunehmend zu verwischen – wie fluid borderlines. Was sind die Ursachen und wie ist Vertrauen zurückzugewinnen? Jürgen Lichey, Gottfried Meyer-Thoss und Wolfgang Schilling wollen es mit ihrem Buch Leserinnen und Lesern­ erleichtern, gesellschaftspolitische Zusammenhänge zu verstehen. Dabei konzentrieren sie sich zum einen auf ökonomische Denkweisen, zum anderen sollen Macht und Medien als grundlegende, aber oft vernachlässigte Kategorien ausgeleuchtet werden.

Noch einmal zum aktuellen Kulturkampf von rechts

Der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda (SPD) hat demonstrativ die Buchhandlung im Schanzenviertel besucht, die wie andere drei Buchhandlungen ins Visier von Kulturstaatsminister Weimer sowie des Verfassungsschutzes geraten war, und der zukünftig weitere Kulturförderung des Bundes verwehrt wird. Er kaufte dort ein und sagte gegenüber der »elbvertiefung«, dem Hambug-Newsletter der Zeit: »Ich habe keine Angst vor linken Gedanken. [...] Ich suche auch nach Büchern, die mich aufregen, nicht nur nach solchen, die mir recht geben. Weil es mich schlauer macht [...]«. Außerdem hat er gerade angekündigt, dass die Stadt ab sofort mit 700.000 Euro pro Jahr unabhängige Verlage fördern wird.

Der Landesverband Nord des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hatte eine Petition zur Unterstützung der vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen auf den Weg gebracht und dabei insgesamt 2.548 Unterschriften gesammelt. Zum Abschluss heißt es auf seiner Website dazu unter anderem: »Wir halten weiterhin an unseren Forderungen fest und blicken mit wachsender Sorge auf die aktuelle Entwicklung. Wie zuletzt bekannt wurde, ist auch die Buchhandlung im Schanzenviertel in den Fokus des Verfassungsschutzes geraten. Was bleibt: Jedes Gespräch, jede Unterschrift macht deutlich, dass wir nicht allein sind – und dass sich Empörung in demokratisches Handeln übersetzen lässt.«

Religion und Sozialismus: Feuer und Wasser?

Dass dem so sei, geht zurück auf ein Zitat von August Bebel aus dem Jahr 1873, das lange zum geflügelten Wort der religionskritischen Einstellung in der sozialistischen Bewegung werden sollte: »Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser.« Aber schon für die Weimarer Republik traf das nicht mehr zu. Religiöse Sozialisten kämpften damals gegen den aufkommenden Faschismus und wurden im NS-Regime wegen ihres Widerstandes verfolgt. Wichtige Dokumente zum Thema Religion und Sozialismus haben Ulrich Peter und Franz Segbers in dem von ihnen herausgegebenen Band Nicht wie Feuer und Wasser zusammengestellt und unter der Fragestellung, was wir von der Weimarer Zeit lernen können, kommentiert. Bodo Ramelow schreibt dazu in seinem Geleitwort: »Religiosität und Glaube können Bausteine sein, um die ›Koalition der Solidarischen‹ größer werden zu lassen. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten – und dazu dient auch dieses Buch.« Er wird das Buch im Rahmen des Katholikentags vom 13. bis 17. Mai in Würzburg vorstellen (genauer Ort und Termin später auf www.vsa-verlag.de).

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

VSA: Verlag Hamburg | GLS Bank Bochum
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