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Green New Deal und system change, Was eine Rechtsradikalismus-Analyse von Theodor W. Adorno für uns bedeutet, Rot-Grün-Rot in Bremen, Die Situation der Linkspartei, Gewerkschaften in Spanien, Arbeitspolitik im privaten Dienstleistungssektor, Digitalisierung industrieller Arbeit u.v.a.m.

Das aktuelle Supplement von Sozialismus.de (dort im Abo enthalten) Machtressourcen für eine progressive Transformation. Was können Gewerkschaften einbringen? ist auch separat erhältlich.

Socialist Register

Steht die Welt auf dem Kopf? Was lassen die jüngsten sozialen und politischen Umwälzungen erwarten? Nüchterne Analysen für eine Linke in hektischen Zeiten sind gefragt. Das Socialist Register 2019.

Die (Un)Ordnung ist global, wir ordnen sie

Die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung zeigen sich in aller Deutlichkeit: Aus dem Wohlfahrtsversprechen ist eine Welt der globalen (Un)Ordnung geworden. Einen ordnenden Überblick liefern insgesamt 114 Autorinnen und Autoren in 126 Stichwörtern im ABC der globalen (Un)Ordnung. Sie zeigen aktuelle Entwicklungen, erklären deren Hintergründe und skizzieren mögliche Alternativen – von »Anthropozän« über »Europäische Union«, »Gender«, »Klimawandel«, »#Me Too«, »Migration«, »Rassismus« und »Sozial-ökologische Transformation« bis hin zu »Ziviler Ungehorsam« und »Zivilgesellschaft«. Auch für das neue Standardwerk der Globalisierungskritik gilt: »Eine andere Welt ist möglich«.

Platzt der Traum von bezahlbarem Wohnraum?

Seit letztem Freitag liegt ein erster Entwurf für den Berliner Mietendeckel vor. Doch dieser fällt deutlich schwächer aus als zunächst geplant. Hatten anhaltende Proteste und die Enteignungsdebatte die explodierenden Mieten erst aufs politische Tableau der Hauptstadt gesetzt, scheint die rot-rot-grüne Regierung nun wieder zurückzurudern. Um die Krise des Wohnungsmarkts zu verstehen, wirft Reinhold Gütter in seiner Flugschrift Wohnungsnot und Bodenmarkt einen analytischen Blick auf die drängende Wohnraumfrage und skizziert zugleich nachhaltige Alternativen für Wohnen und Stadtentwicklung.

Immanuel Wallerstein (28.9.1930-31.8.2019)

Der Sozialwissenschaftler und Autor galt als der einflussreichste Forscher auf dem Gebiet der »Weltsystemanalyse«. Sein Hauptwerk »Das moderne Weltsystem« – eine Geschichte des Kapitalismus von seinen Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur Globalisierung im 20. Jahrhundert – hat linke Debatten mitgeprägt.

Wallerstein stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie, die in den 1920er Jahren in die USA ausgewandert war. Er studierte u.a. Soziologie bei Paul Lazersfeld sowie Geschichte und Politikwissenschaften. Eine Dozentenstelle an der Columbia University musste er im Jahre 1971 aufgeben, weil er mit den Anti-Vietnamkriegsprotesten der Studierenden sympathisiert hatte. Er ging als Soziologieprofessor nach Montreal in Kanada, kehrte nach fünf Jahren wieder in die USA zurück und blieb bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 an der Binghampton University im US-Bundesstaat New York tätig. Jahrelang leitete er zudem die »École des hautes Études en Sciences Sociales« in der Nachfolge des französischen Historikers Fernand Braudel in Paris.

Hannes Hofbauer notierte in seinem Nachruf: »In den 1980er Jahren tourte er zusammen mit Andre Gunder Frank, Samir Amin, Sulviu Brucan und anderen im Rahmen der UN-University durch die Welt und brachte Generationen von Studierenden ein kapitalismuskritisches Handwerkszeug bei, indem er den Prozess der Kapitalakkumulation als die entscheidende Ursache von regionalen Disparitäten und sozialen Ungleichheiten im Weltsystem benannte.«

Diese Analysen führten ihn auch zur aktiven Beteiligung am Weltsozialforum. Aus dieser Zeit stammt die Veröffentlichung seines Buches Absturz oder Sinkflug des Adlers? Der Niedergang der amerikanischen Macht im Jahr 2004 im VSA: Verlag (das Buch steht online zum Download). Seine Kernfrage war nicht, ob die Hegemonie der USA schwindet, sondern ob sie den Weg in einen würdigen Abstieg finden – zugunsten globaler Schadensbegrenzung und eines stabileren Weltsystems. Im Jahr 2010 veröffentlichte die Zeitschrift Sozialimus im Supplement zum Heft 4 seinen Beitrag Krise des kapitalistischen Systems – und was jetzt? Darin schrieb er: »Von jetzt an befinden wir uns unmittelbar an der Weggabelung des systemischen Prozesses. Es geht jetzt nicht mehr um die Frage, wie sich das kapitalistische System wieder aufrappeln und neue Schubkraft gewinnen wird. Die Frage ist, was an die Stelle dieses Systems treten wird.«

Die FAZ notierte in ihrem Nachruf: »Noch bis kurz vor seinem Tod schrieb er einen wöchentlichen Blog, in dem er sich als unbeugsamer Kritiker des Kapitalismus und wacher Kommentator globaler Entwicklungen präsentierte.« Immanuel Wallerstein verstarb am 31. August 2019 im Alter von 88 Jahren.

Ein dringend erforderlicher Weckruf

Die Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen sind ein schriller Weckruf. Auch wenn die AfD nicht an erster Stelle gelandet ist, konnte die völkisch-nationalistische Rechtspartei ihr politisches Gewicht mit 27,5% in Sachsen und 23,5% in Brandenburg deutlich erhöhen.

Den Gründen für das Anwachsen und die Stabilität dieser Formation – in Ost und West – geht Cornelia Koppetsch in ihrem neuen Buch Rechtspopulismus als Protest. Die gefährdete Mitte in der globalen Moderne auf die Spur. Sie sieht drei Dinge, die gegeben sein müssen, um sich von der neuen Rechten mobilisieren zu lassen: Die Erfahrung, persönlich deklassiert zu werden, die Verbindung dieser Erfahrung mit der Wahrnehmung einer Systemkrise, wie sie etwa durch die Finanzkrise, die »Flüchtlingskrise« oder durch wachsende Ungleichheiten ausgelöst worden ist, sowie die Ansicht, in der herrschenden »liberalen« Kultur nicht (mehr) aufgehoben zu sein. Nur wenn dies verstanden wird, besteht eine Chance, die Rechten mit konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zurückzudrängen. Was dringlich erforderlich ist. Weitere VSA: Bücher zum »Rechten Rand« gibt es hier.

Für fairen Wandel in der Arbeitswelt

Es tut sich eine ganze Menge – selbst auf dem für Gewerkschaften nicht unumstrittenen Feld der Ökologie: Mit der Großdemonstration #FairWandel mobilisierte die IG Metall am 29. Juni in Berlin für eine Politik der sozial-ökologischen Transformation. ver.di hat den Aufruf von Fridays for Future aufgegriffen, die Klimaproteste und -streiks im September 2019 zu unterstützen.

Den Herausforderungen einer progressiven der Arbeitspolitik stellen sich im Vorfeld der Gewerkschaftstage von ver.di im September und der IG Metall im Oktober neue Publikationen: Die Autor*innen des Forum Gewerkschaften beleuchten im September-Supplement von Sozialismus.de Machtressourcen für eine progressive Transformation und liefern Antworten auf die Frage: »Was können Gewerkschaften einbringen?« Das IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban setzt sich in seinem neuen Buch Gute Arbeit in der Transformation mit den rasanten Umbruchprozessen auseinander. Seine zentrale Frage lautet: Wie können die betrieblichen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse so gedreht werden, dass Gute Arbeit gestärkt wird? Ein schmales Bändchen zu einem Thema, das vielen Beschäftigten zu Recht Sorgen bereitet, legen ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder und der Journalist Markus Franz vor: Eine warme Stimme schleicht sich in dein Ohr. Darin geht es um gewerkschaftliche Antworten auf Fluch und Segen von Künstlicher Intelligenz – eingängig geschrieben, anschaulich illustriert und ermutigend für die – nach wie vor – in menschlicher Gestalt wirkenden Interessenvertreter*innen!

Hamburg-Bergedorf, jüdische Opfer und das Finanzamt in der NS-Zeit

Lavys, Franks, Rosendorffs, Tichauers – um die Ausplünderung einst angesehener jüdischer Familien durch nationalsozialistische Behördenvertreter im Hamburger Vorort Bergedorf und die mühsam errungenen, oft zu späten Ansätze der Entschädigung in der Bundesrepublik geht es in dem neuen Buch Ausplünderungen: Bergedorfer Juden und das Finanzamt von Bernhard Nette. Der Historiker Jaromír Balcar betont in seinem Vorwort: »Solche lokalhistorischen Debatten sind für das Verständnis der übergeordneten Problematik – in diesem Fall fiskalische Judenverfolgung und Wiedergutmachung – sehr hilfreich, denn sie brechen die Anonymität unbegreiflicher Opferzahlen und kafkaesker Behördenstrukturen auf ... Beide Seiten dieser Geschichte hat Bernhard Nette in jahrelangen Recherchen aufgearbeitet.« Der Autor stellt sein Buch am 26. September im KulturForum SerrahnEins in Bergedorf vor.

Genau hinsehen

Am Mittwoch, den 21. August haben Ulrich Bauche und die Herausgeber Jürgen Bönig, Rolf Bornholdt und Wolfgang Wiedey das Buch Genau hinsehen. Beiträge zur Gesellschaftgeschichte Hamburgs des langjährigen Hauptkustos am Museum für Hamburgische Geschichte vorgestellt. In der Gaststätte »Bastion« des Museums erläuerten zuvor der Museumsdirektor Hans-Jörg Czech, die Direktorin des Museums der Arbeit Rita Müller, der Vorsitzende des Vereins für Hamburgische Geschichte Rainer Nicolaysen, der Leiter der KZ Gedenkstätte Neuengamme Detlef Garbe, der Vorsitzende des Freundeskreises des Museums der Arbeit Kersten Albers und Gerd Siebecke vom VSA: Verlag, warum die Arbeit von Ulrich Bauche für ihre Institutionen wichtig war und sie die Publikation des Buches unterstützt haben.

Emily Laquer und Tim Solcher neu im VSA: und Sozialismus.de Team.

Emily wird die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in die Hand nehmen, um unsere Bücher stärker ins Gespräch zu bringen und das Netz- und Zeitschriftenprojekt Sozialismus.de auf den Social-Media-Känälen präsenter machen. (Presseanfragen und Rezensionsexemplarbestellungen bitte ab sofort an  emily.laquer@vsa-verlag.de; folgt ihr auch auf Twitter: twitter.com/emilylaquer)

Emily kommt aus den sozialen Bewegungen und setzt sich u.a. für offene Grenzen, Geschlechtergerechtigkeit und radikalen Klimaschutz ein. Seit dem G20-Gipfel ist sie in Hamburg für ihre angriffslustigen Pressestatements und Interviews bekannt. Die 32jährige bringt auch zu uns ein aktivistisches Verständnis von Verlagsarbeit mit: »Ob auf der Straße oder mit politischen Büchern: verändern wir die Welt. Sie braucht es!«

Tim kam 2017 als Student im Rahmen eines Praktikums im Verlags- und Zeitschriftenbereich zu uns und unterstützt seitdem regelmäßig unsere Arbeit im Vertrieb und Lektorat, bei Veranstaltungen und auf der Buchmesse in Leipzig. Seit April 2019 ist er für den Vertrieb der Zeitschrift »Sozialismus.de« verantwortlich (Heftbestellungen, Abos und Nachfragen ab sofort direkt an tim.solcher@vsa-verlag.de).

Sein Antrieb: »Publizistische Aufklärungsarbeit allein kann den derzeitigen allgemeinen Rechtsruck vielleicht nicht stoppen, aber bleibt ein unverzichtbares Werkzeug, um linke Gesellschaftskritik aus der Krise zu führen.«

Was es bedeutet, demokratischer Sozialist zu sein

Der im Januar verstorbene Erik Olin Wright, marxistischer Soziologe, Klassentheoretiker und Professor für Soziologie an der Universität von Wisconsin, USA, hat sein Leben der Suche nach einem zeitgemäßen Sozialismusverständnis gewidmet. Postum ist soeben bei uns sein letztes Werk noch vor dem englischen Original (Herbst 2019) erschienen: Linker Antikapitalismus im 21. Jahrhundert. Was es bedeutet, demokratischer Sozialist zu sein vervollständigt sein Lebenswerk der »Realen Utopien«, mit denen er nach konkreten Alternativen im Kapitalismus sucht, um ihn zu überwinden.

Erinnerung an Ágnes Heller (1929-2019)

Am 19. Juli 2019 verstarb im Alter von 90 Jahren die Philosophin und marxistische Autorin Ágnes Heller. 1929 in Budapest geboren und in einem jüdischen Elternhaus aufgewachsen, entging sie Deportation und Ermordung durch die Nazis – im Unterschied zu ihrem Vater. Mitte der 1950er Jahre studierte sie bei Georg Lukács, wurde von ihm promoviert und schließlich seine Assistentin. Nach der Niederschlagung des Volksaufstands 1956 ging sie auf kritische Distanz zum System. Sie verließ Ungarn 1977 und ging zunächst nach Melbourne, später nach New York, wo sie den Hannah-Arendt-Lehrstuhl innehatte. Ende der 1970er Jahre und zu Beginn der 1980er entwickelte sich eine intensive publizistische Zusammenarbeit mit dem VSA: Verlag, es erschienen insgesamt sieben Bücher (u.a. »Theorie der Bedürfnisse«, »Theorie der Gefühle«, »Der sowjetische Weg«). Nach ihrer Emeritierung pendelte sie zwischen New York und Budapest, sie gehörte zu den entschiedendsten Gegnerinnen des 2010 wiedergewählten Viktor Orbán. Eine ausführlichere Würdigung ihrer Arbeit ist auf der Website von Sozialismus.de nachzulesen (außerdem wird ihr Beitrag Frauen, bürgerliche Gesellschaft und Staat aus Heft 6-1980 der Zeitschrift dokumentiert).

Rechte Morde

Nach dem Geständnis von Stephan E., den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) getötet zu haben, wacht auch der Bundesinnenminister auf und stellt Aufklärung über mögliche Verbindungen des Täters zur rechtsextremen Szene in Aussicht (siehe dazu auch die Bewertung von Maximilian Pichl in der aktuellen Ausgabe von Sozialismus.de). Ähnliches hatte die Bundeskanzlerin den Angehörigen bereits bei der Trauerfeier für die NSU-Opfer versprochen – die Angehörigen warten bis heute vergeblich. Denn Aufklärung hieße auch, die Rolle von Polizei, Geheimdiensten, V-Männer etc. zu beleuchten, was nachweislich nicht geschieht. Wir verweisen an diesem Zusammenhang auf den von Antonia von der Behrens herausgegebenen Band Kein Schlusswort mit den Plädoyers von Nebenklägeranwält*innen  im NSU-Prozess, auf das Buch Rückhaltlose Aufklärung? (herausgegeben von Benjamin-Immanuel Hoff, Heike Kleffner, Maximilian Pichl und Martina Renner) sowie auf Hajo Funkes Veröffentlichung Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz. Staatsaffäre NSU: das V-Mann-Desaster und was daraus gelernt werden muss.

Verlags-Stadtteil St. Georg!

Der Hamburger Stadtteil St. Georg ist jetzt endgültig ein veritabler Verlags-Standort. Nachdem bereits der VSA: Verlag bei seinem Umzug aus Westberlin nach Hamburg 1979 dort seinen Sitz nahm und inzwischen seit mehr als 25 Jahren wieder in dem Kiez (»Kein Ort für anständige Leute«, klagte einst ein Hausbesitzer) zu Hause ist, hat nun auch der Rowohlt-Verlag seinen Verlagssitz von Reinbek ins Bieberhaus in St. Georg verlegt (»Rowohlts bewegte Umzugsgeschichte« erzählt kurzweilig der langjährige Leiter der Rowohlt-Medienagentur und VSA: Autor Michael Töteberg). Auch wenn es bei der Einweihungsfeier im Hamburger Schauspielhaus ob der Ansprachen des neuen Verlagsleiters und des Vertreters der Konzernoberen der Holtzbrinck-Gruppe »viele rätselnde Mienen gab« (so die FAZ), werden die Buchmenschen eines der bedeutendsten Verlage Deutschlands sicherlich den Stadtteil beleben. Das VSA: Team aus dem St. Georgs Kirchhof 6 begrüßt ganz herzlich die Rowohlt-Kolleginnen und -Kollegen im Stadtteil.

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