Die schwierigen Zeiten halten an. Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft weiterhin.

Preisangaben inkl. gesetzlicher MwSt. und ggf. zzgl. Versandkosten

VSA: bei Facebook
VSA: bei Twitter
VSA: bei YouTube

VSA: ist Mitglied des Freundeskreises der Kurt Wolff Stiftung

VSA: arbeitet mit bei

In Kooperation mit

150 Jahre Rosa Luxemburg: Kommt die Linke ins Licht? Habecks Projekt der ökologischen Transformation | Corona als Treibsatz sozialer Ungleichheit | AfD: Rechtspartei neuen Typs? | Labour Party | Serbien und der Westbalkan | Neoliberaler oder Post-Kapitalismus mit Nachhaltigkeit? Klaus Dörres Zeitdiagnosen | Forum Gewerkschaften u.v.a.m.

Socialist Register

Den kapitalistischen Marktdystopien zum Trotz – wie können wir eine Zukunft errichten, die vom Respekt für die Menschen und die Umwelt geprägt ist? Socialist Register 2020.

Happy Birthday Rosa!

Am 5. März jährt sich zum 150. mal der Geburtstag von Rosa Luxemburg. Wir haben ihrer theoretischen wie politischen Bedeutung für die Linke schon bisher mit zahlreichen Veröffentlichungen Rechnung getragen, so z.B. im Frühjahr 2020 mit der Übersetzung des Buches von Michael Löwy zu »Der zündende Funke der Revolution«. Aus familiärer Perspektive sind ebenfalls im Frühjahr 2020 Krzysztof Pilawski und Holger Politt mit dem Band »Spurensuche« ihrem Lebensweg nachgegangen, in dem sie Dokumente und Zeugnisse ihrer jüdischen Familie vorstellen und sie in ihre Wirkungsgeschichte einordnen.

Aus Anlasss des runden Geburtstags unternehmen nunmehr Michael Brie und Jörn Schütrumpf – beides Autoren der Stiftung, die ihren Namen trägt – mit ihrem Band zu »einer revolutionären Marxistin an den Grenzen des Marxismus« den Versuch, »an dieser Frau und ihrem Werk Interesse zu erwecken – an einem der ungewöhnlichsten Menschen, der je auf Seiten der europäischen Linken stand. An einer Frau, die es ablehnte, wegen ihres Geschlechtes bevorzugt behandelt zu werden, da sie wusste, dass solches Verhalten nur darauf abzielte, die Verweigerung von Gleichberechtigung zu legitimieren. An einer Denkerin, die Gleichheit in Freiheit und Solidarität erstrebte – ohne das eine gegen das andere auszuspielen. An einer Frau, die vieles von dem hatte, was die politische Linke heute erst wieder erlernen muss.«

Als Zeichen der »Ermutigung in Zeiten der Pandemie und anderer Katastrophen« begeht die Rosa-Luxemburg-Stiftung am 3., 4. und 5. März den 150. Geburtstag ihrer Namenspatronin mit zahlreichen digitalen Angeboten, auf die wir hier ausdrücklich hinweisen.

Den Beschäftigten zugehört

Die neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums zum Homeoffice beinhaltet die Forderung: »Wenn keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen, müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten Homeoffice anbieten.« Um der Pandemie Herr zu werden, waren bislang vor allem Einschränkungen im Privaten beschlossen worden. Doch wie steht es um den »Infektionsherd Betrieb«?

Wie erleben Beschäftigte die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Arbeitswelt? Stecken im Applaus für die »Held*innen der Arbeit« möglicherweise Ansätze der Aufwertung von prekärer Arbeit? Was sind die Folgen für Beschäftigungssicherung, Gesundheitsschutz und die Transformation der Arbeitswelt? Richard Detje und Dieter Sauer haben zu diesen und anderen Fragen ausführliche Interviews mit Betriebs-, Personalrät*innen und Gewerkschaftssekretär*innen geführt. Mit deren Auswertung wagen sie in ihrem Buch Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen eine Zwischenbilanz zur »Jahrhundertkrise«.

8. März: »Mehr Gewerkschaft, Mehr Gleichstellung, Mehr denn je«

Dieses Motto überschreibt den diesjährigen Aufruf zum internationalen Frauentag des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Darin heißt es: »Natürlich steht der diesjährige Frauentag auch unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Die Krise trifft Frauen besonders hart. … Die Corona-Krise verschärft die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Vor allem Frauen arbeiten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen. In der Krise sind besonders sie von Einkommenseinbußen betroffen, die sie durch Freistellung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit erfahren. Sie übernehmen den überwiegenden Teil der Haus- und Familienarbeit und reduzieren dafür ihre Arbeitszeit.«

Hierzu passt aus dem VSA: Frühjahrsprogramm 2021 Gine Elsners Buch »Augustes Töchter. Auf den Spuren engagierter Frauen«. Es wird zwar erst im April erscheinen, aber versprochen werden kann bereits von diesem persönlichen und zugleich historisch fundierten Bericht, dass er das 20. Jahrhundert als »Jahrhundert der Frauen«, das ihnen die Gleichberechtigung brachte, veranschaulicht, aber zugleich deutlich macht, wieviel Leid und Demütigung damit verbunden war. Die Mutter der Autorin, Ilse Elsner (1910-1996), wurde, nachdem sie viele Jahre als Journalistin gearbeitet hatte, Politikerin (Bundestags- und Europaabgeordnete und später Gesundheitssenatorin in Hamburg) und konnte dadurch bedeutend mehr mitgestalten und verändern als ihre weiblichen Vorfahren.

Misere der digitalen Infrastruktur

»Wir schreiben das Jahr 2021 und während der Rest auf Glasfaser setzt, machen wir digital Detox. ... Warum uns das Internet in den Wahnsinn treibt« und wer seit mehr als 30 Jahren dafür die Verantwortung trägt, wurde in der ZDF Magazin Royale-Sendung vom 26. Februar 2021 deutlich gemacht. Bereits vor Jan Böhmermann hatte der VSA: Autor Michael Schwemmle in seinem Buch Operation gelungen … Die Privatisierung der Telekommunikation in Deutschland dargestellt, dass eine entscheidende Ursache für die Misere – Funklöcher vielerorts, Schneckentempo beim Glasfaserausbau und eine erdrückende Marktdominanz der großen US-Digitalkonzerne – in der weitgehend in Vergessenheit geratenen Privatisierung des Sektors in den 1990er Jahren liegt.

It's the Future?

Immer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihr Vertrauen in eine bessere Zukunft. Der Glaube an Aufstiegsmöglichkeiten und Wohlstand für alle scheint nicht mehr in Erfüllung zu gehen. Ist der Kapitalismus überhaupt noch in der Lage, Demokratie und soziale Gerechtigkeit zuzulassen? Annett Nack-Warenycia und Torsten Teichert beobachten, wie Zukunft, Utopie und Hoffnung aus dem gesellschaftlichen und politischen Diskurs verschwinden. Welche Folgen hat dieser Verlust für die Wirklichkeit in unserem Land? Welche Konsequenzen hat er für die Lebensentwürfe der Menschen, die an eine bessere Zukunft nicht mehr glauben können, und für die Politik, die nach Alternativen zu den Alternativlosigkeiten suchen müsste? »It’s the Future, stupid« ... mit Kapitalismus oder ohne stellt klar: Die Zukunft des Kapitalismus und die einer demokratischen und gerechten Gesellschaft passen nicht mehr zusammen. Wir werden uns entscheiden müssen.

Streiken für Demokratie und gegen Faschismus und Diktatur

»Wir wollen nicht die Junta, wir wollen Demokratie. Wir wollen unsere eigene Zukunft schaffen.« In Myanmar sind gerade die Proteste gegen den Militärputsch am 1. Februar eskaliert. Dabei hatten Demonstrant:innen auch mit Arbeitsniederlegungen in sämtlichen Branchen versucht, gegen den Sturz der Regierung zu protestieren. Überall in der Welt wird gestreikt, auch während der Corona-Pandemie, nicht nur, um bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Streiks sind auch ein Mittel, um sich gegen den Faschismus und soziale Ungleichheit zu verbünden und für demokratische Prozesse einzutreten. Davon handelt der von Dario Azzellini herausgegebene Band Mehr als Arbeitskampf!, der parallel zur deutschen Ausgabe auch in einer englischen Version (If not us, Who?) erscheint. Insgesamt 34 Autor:innen aus zahlreichen Ländern berichten von Arbeitskämpfen aus aller Welt: davon, wie autoritäre Systeme immer wieder versucht haben, Gewerkschaftsarbeit zu unterbinden, aber auch von der Schlagkraft außergewerkschaftlicher Organisierungen. Sie handeln von historischen wie aktuelleren Kämpfen, unter anderem von Streikenden in Brasilien, die sich mit feministischen Bewegungen gegen das faschistische und homophobe Regime Bolsonaros zusammenschließen, von der Rolle der Gewerkschaften im Arabischen Frühling und von Arbeiter:innen in Süd-Korea, die gemeinsam mit Studierenden für die Einführung der Demokratie auf die Straße gingen.

»In dem großen Herzen der Arbeiterklasse«: 150 Jahre Pariser Kommune

Vor 49 Jahren erschien als eines der ersten VSA: Bücher »Zur Taktik der proletarischen Partei. Marxsche Klassenanalyse Frankreichs von 1848-1871«, mit dem sich das »Projekt Klassenanalyse« (heute arbeiten noch viele Mitglieder am Publikationsprojekt Sozialismus.de mit) erstes Rüstzeug für die Untersuchung hiesiger Verhältnisse erarbeitet hatte. Angeknüpft wurde u.a. an Marx’ Analyse der Pariser Kommune vom 18. März bis 28. Mai 1871. Sein als »Adresse des Generalraths der Internatiionalen Arbeiter-Association« verfasster Text »Der Bürgerkrieg in Frankreich« endet mit einer Würdigung des Kampfes der Kommunarden: »Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse. Seine Vertilger hat die Geschichte schon jetzt an jenen Schandpfahl genagelt, von dem sie zu erlösen alle Gebete ihrer Pfaffen ohnmächtig sind.« (MEW 17: 362)

Im Vorwort zu dem Überlebensbericht des Résistance-Kämpfers und Künstlers René Baumer (1906-1982) erinnert dessen Neffe Daniel Contamin daran, dass sich der Widerstandsgeist von Baumers »Familie … bis auf den Krieg von 1870 und die Annexion von Elsass-Lothringen durch Deutschland zurückverfolgen« lässt. Und dieser Krieg ist von der Aufstandsbewegung der Kommune ebenso wenig zu trennen wie die Résistance-Bewegung im Zweiten Weltkrieg von der seinerzeit gescheiterten, aber im internationalen Bewusstsein der Linken weiterlebenden Pariser Kommune von 1871.

Niemand und nichts wird vergessen

Die Erschütterung über den rechtsterroristischen rassistisch motivierten Anschlag von Hanau im Februar des vergangenen Jahres hat zu zahlreichen Initiativen der Erinnerung an die Opfer geführt, auch im Profi-Fußball. So liefen die Spieler von Eintracht Frankfurt im Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München in Jacken auf, die Namen und Konterfei der Opfer trugen. Und im Zweitligaspiel des FC St. Pauli gegen Darmstadt 98 am Hamburger Millerntor hielten die Spieler beider Mannschaften ein Transparent mit den Namen und Gesichtern von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov während einer Schweigeminute in den Händen. Die Tatsache, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede auf der Gedenkfeier in Hanau die Unzufriedenheit der Opferfamilien ansprach, weil viele ihrer Fragen – zum Beispiel zur Rolle des Verfassungsschutzes – bislang unbeantwortet blieben, erinnert daran, dass noch immer nicht von »Rückhaltloser Aufklärung« gesprochen werden kann, die bereits im Zusammenhang mit den Morden des NSU angemahnt wurde, und dass das Ende des Prozesses gegen Münchner NSU-Prozesses »Kein Schlusswort« sein dürfe.

Congratulations!

Die Linkspartei hat am 27. Februar ihre Parteispitze neu bestimmt. Folgende aktuelle VSA: Autor:innen kandidierten und wurden gewählt: Susanne Hennig-Wellsow zu einer der beiden Parteivorsitzenden, Martina Renner und Jana Seppelt zu stellvertretenden Parteivorsitzenden, Harald Wolf zum Bundesschatzmeister sowie Axel Troost und Raul Zelik zu Mitgliedern des Parteivorstands. Wir gratulieren und wünschen viel Erfolg!

Wohnen ist keine Ware

Im Jahr 2021 steht Berlin eine verschärfte Auseinandersetzung um den Erhalt des Mietendeckels und die Enteignung großer Immobilienkonzerne bevor. Außerdem bleibt die Wohnungsfrage in aller Munde: Davon zeugt nicht nur die Vehemenz und neu gewonnene Sichtbarkeit von Protesten und Mieter:inneninitiativen. Auch die Parteien haben sie wieder auf ihre Agenda gesetzt. Nicht zuletzt deshalb hat der Berliner Stadtsoziologe und Aktivist Andrej Holm gemeinsam mit Studierenden eines sozialwissenschaftlichen Masterseminars ein Handbuch zum Thema verfasst. In Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft wird ein kompakter Einblick in zentrale Debatten und Konzepte zu Geschichte, Politik und Ökonomie des Wohnens geliefert. Von der »Ware Wohnung« und aktuellen Trends des Immobilien- und Wohnungsmarktes, über Fragen räumlicher Ungleichheit, Entfremdung, Ausgrenzung und Diskriminierung, bis hin zu wohnungspolitischen Alternativen: Wie kann der Widerspruch zwischen dem Wohnen als Zuhause und dem Wohnen als Immobilie aufgelöst werden?

Erinnerung an den Résistance-Kämpfer und Künstler René Baumer

Beiträge zur Erinnerungskultur sind ein wichtiger Teil unserer verlegerischen Arbeit. Mit dem Buch Von Verzweiflung und der Sehnsucht nach Freiheit gedenken wir eines französischen Bildhauers, Malers und Zeitzeugen der NS-Verbrechen: René Baumer (1906-1982) schloss sich 1940 der Résistance gegen die deutsche Besatzungsherrschaft an. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo wurde er 1944 zunächst ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt, kam von dort zur Zwangsarbeit in eines seiner Nebenlager, das KZ Hannover-Stöcken, und wurde schließlich auf einen Fußmarsch ins Konzentrationslager Bergen-Belsen getrieben. Dort erlebte er die Befreiung durch die britischen Truppen und kehrte nach einem Krankenhausaufenthalt in Bergen per Flugzeug nach Frankreich zurück, wo er bis zu seinem Tod 1982 als Zeichenlehrer, Künstler und Schriftsteller tätig war. Postum entdeckte sein Neffe Baumers Aufzeichnungen, die zuerst 2004 in Lyon erschienen: Erinnerungen an kaum beschreibbare Erlebnisse und ein eindrückliches Zeugnis gegen das Vergessen. Herausgegeben vom Verein Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit Hannover und versehen mit einem Grußwort des amtierenden Oberbürgermeisters Belit Onay.

Wir trauern um Udo Achten (1943–2021)

Foto: Sonja Fischer (ver.di-Mittelfranken)

Am 6. Februar verstarb im Alter von 77 Jahren der Sozialist und Gewerkschafter Udo Achten, mit dem uns eine langjährige gemeinsame Zusammenarbeit verband. Geboren 1943 in Düsseldorf fing er mit 14 Jahren als Hilfsarbeiter bei der Feldmühle an, lernte dann Papiermacher und wurde über den zweiten Bildungsweg Sozialarbeiter. Seit 1969 war er als Hauptamtlicher in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit tätig, zunächst an den IG Metall-Schulen Lohr am Main und Schliersee und anschließend von 1971 bis 1988 am Bildungszentrum Sprockhövel.

Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen »in Rente gehen musste« verlegte er den Schwerpunkt seiner immer an den Interessen der Beschäftigten orientierten Arbeit aufs Schreiben, auf die Sammlung von Fotos und Dokumenten aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und führte beides im Büchermachen zusammen. Es entstanden mehr als 40 Bücher, außerdem organisierte er Ausstellungen und Filme zu gewerkschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Themen. Auch unserem Publikationsprojekt war er durch die Veröffentlichung von Büchern im VSA: Verlag (zu »Flächentarifvertrag & betriebsnahe Tarifpolitik« sowie dem gemeinsam mit Bernt Kamin-Seggewies verfassten Band »Kraftproben« zu den Kämpfen der Hamburger Hafenarbeiter) und Beiträgen in Sozialismus.de verbunden (zuletzt in Heft 10-2020 zu »Fritz Bauer – antifaschistischer Aufklärer und konsequenter Humanist«).

Udos Beitrag für die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in der Bundesrepublik sowie seine Erinnerungsarbeit für die kritische Geschichte der Arbeiterbewegung insgesamt darzustellen, sollte in einer ausführlichen Würdigung erfolgen. Vorerst verweisen wir auf ein Gespräch mit dem Netzprojekt Schattenblick vom 8. Juni 2018, in dem er unter dem Titel »Richtige Literatur im Falschen – keine Partei und keine Versprechen ...« Auskunft über und Einblicke in seine Arbeiten gab, auf die wir nun verzichten müssen.

Bücher verschwinden aus öffentlich-rechtlichen Medien

Aus für das »Bücherjournal«: Nach 30 Jahren stellt das NDR die Fernsehsendung ein. Dagegen hagelt es Protest, u.a. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem deutschen PEN-Zentrum und dem Literaturhaus Hamburg. Denn das »Bücherjournal« ist keineswegs das einzige Literaturformat von ARD-Anstalten, das in den letzten Jahren gestrichen wurde. Auch der Bayerische Rundfunk, SWR Fernsehen und ZDF haben Buchbesprechungen aus dem Programm genommen, der WDR streicht diese aus dem Rundfunk-Magazin »Mosaik« und der HR begründete bereits 2019 eine entprechende Maßnahme gar damit, Hörer würden vom Begriff »Literatur« abgeschreckt. Für das Fernsehen wird bereits die Streichung weiterer Sendeplätze diskutiert. Ein »unerhörter Skandal«, äußert sich dazu die Kurt Wolff Stiftung, deren Freundeskreis wir angehören, als Interessenvertretung unabhängiger Verlage. Sie sieht die »Bibliodiversität«, also die Vielfalt der Buchkultur, in Gefahr. Und formuliert in ihrer Pressemitteilung eine Forderung, die auch wir unterstützen: »Literatur muss Thema in den öffentlich-rechtlichen Medien sein und bleiben!«. Dass die zunächst in den Mai verschobene Leipziger Buchmesse nun endgültig auch für 2021 abgesagt wurde, unterstreicht die Bedeutung dieser Forderung.

Marx nicht gemeinnützig, weil seine Lektüre verfassungsfeindlich?

»Was könnte von größerem gemeinem Nutzen sein, als zu versuchen, das Funktionieren unserer Gesellschaft und Wirtschaft zu verstehen und deshalb unter anderem das ›Kapital‹ von Karl Marx zu studieren?«, fragt unser Autor Jürgen Bönig in einem Protestschreiben anlässlich des Entzugs der Gemeinnützigkeit für die Marxistische Abendschule Hamburg (MASCH) durch die Hamburger Finanzbehörde. Als Grund wird angeführt, dass die MASCH seit 15 Jahren im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Dort ist im 2019er-Bericht zusammenfassend festgehalten: Bei ihr stehe »die Marx-Leküre im Vordergrund«. Das Vorgehen reiht sich ein in eine Liste von steuerrechtlichen Angriffen auf progressive Organisationen. 2019 wurde bereits attac, Campact und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) die Gemeinnützigkeit entzogen. Die MASCH will nun vor Gericht ziehen. Wir wünschen auch ihr viel Erfolg!

Damit Auschwitz sich nie wiederhole

Wir erinnern an die Holocaust-Überlebende Peggy Berolsky. 1926 als Peska Weinstock im polnischen Koszyce unweit von Krakau geboren, wurde sie mit ihrer Familie nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen ins Ghetto Lublin deportiert. Ihre Eltern und Geschwister wurden von den Nazis ermordet. Peggy gelang zunächst die Flucht, doch nach ihrer Gefangennahme wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und von dort auf einen Todesmarsch in das Konzentrationslager Bergen-Belsen getrieben. Nach der Befreiung durch britische Truppen emigrierte sie nach Südafrika. Peggy hat ihre Geschichte erzählt, ihre Enkelin Lisa Strauß hat sie für das Buch Von Krakau nach Kapstadt aufgeschrieben und Gine Elsner gibt sie in einer Reihe heraus, in der bereits zwei Überlebende des Holocausts über ihr Leben berichteten. Denn die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Zeitzeugen dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Die »Höcke-AfD« aktualisiert

Hajo Funke hat die Flugschrift »Die Höcke-AfD« für eine zweite Auflage auf den neuesten Stand gebracht. In seinem Vorwort schreibt er zu der Partei, über deren Einstufung durch den Verfassungsschutz als Verdachtsfall inzwischen gerichtlich gestritten wird: »Am Ende des im hohen Maße von der Coronapandemie geprägten Jahres 2020 sind wir konfrontiert mit einer zunehmend zerrütteten Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei macht – außer mit der Unterstützung von Corona-Leugnern und geschmacklosen Provokationen im Bundestag ... – hauptsächlich noch durch ihre tiefe, selbstzerstörerische Spirale wachsender Spannungen auf sich aufmerksam. In Umfragen ist sie nach dem Eklat im Parlament bundesweit auf historisch niedrige 7% gefallen – wenn sie auch im Osten Deutschlands stabil bei 20% verharrt.« Mit aufgenommen wurde ein Exkurs von Gertrud Hardtmann, in dem sie aus ihren psychoanalytischen Einsichten heraus die im Denken von Björn Höcke bemerkbare »eigentümliche Unsicherheit« untersucht.

Blick nach China

In den ersten Büchern des Jahres 2021 beschäftigen wir uns mit mehreren blinden Flecken politischer Debatten. Im ersten erschienenen Band untersucht Wolfgang Müller den Sozialismus »chinesischer Prägung«. Die Rätsel Chinas – Wiederaufstieg einer Weltmacht beruht auf Analysen und langjährigen beruflichen Erfahrungen des Autors, der 15 Jahre in der IG Metall Bayern aktiv war und lange in Peking gelebt hat. Seine These: Der rasante Aufstieg der Volksrepublik zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht wird von der Entfesselung der Marktkräfte im Inneren, hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter digitaler Kontrolle begleitet. Zugleich stellt die Entwicklung des Landes den kapitalistischen Westen, in dem einige nach dem Fall der Mauer 1989 schon vom »Ende der Geschichte« halluzinierten, wieder vor die Systemfrage: Wie umgehen mit einem »systemischen Konkurrenten«?

Rechtpopulismus als Protest

Soeben erschienen ist der gleichnamige Band mit Aufsätzen von Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt. In der Einleitung zu ihrem Buch heißt es: »Der Vortrag von Adorno [›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹, hrsg. 2019] animiert dazu, Lektionen aus der Geschichte für die Frage nach den Gefährdungen westlicher Demokratien in der Gegenwart, die sich derzeit im Aufstieg rechtspopulistischer und rechtsnationaler Parteien überall in Europa und in den USA manifestieren, zu ziehen. Rechtsgerichtete Bewegungen lassen sich nach Adorno ›als die Wundmale, als die Narben einer Demokratie bezeichnen‹ (ebd.: 18), die dann entstehen, wenn demokratische Systeme ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden können – also unter Legitimitätsverlusten leiden.« In ihrem Nachwort fügt die Autorin hinzu: »Auch wer verstehen will, an welche Strukturen im emotions-, symbol- und realpolitisch geprägten Alltagsbewusstsein die ›Querdenker‹-Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anknüpfen und wohin diese führen könnten, sollte die Anstrengung genauerer Analysen und Einschätzungen unternehmen. Dazu soll diese Buchveröffentlichung beitragen.«

Das faschistische Echo der Vergangenheit

Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Politische Krisen und das Erstarken der Rechten erinnern erschreckend an die letzten Jahre der Weimarer Republik. Was lehrt uns das damalige historische Scheitern des Antifaschismus für das 21. Jahrhundert? Darüber wollte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen im Februar/März 2020 in Erfurt diskutieren. Doch zuerst kam der Kemmerich-Putsch (zur Erinnerung: CDU und FDP verhalfen dem FDP-Mann mit den Stimmen der AfD kurzzeitig ins Amt des Ministerpräsidenten) und danach die Pandemie dazwischen. Nun liegen die Beiträge als Buch vor. In ihrem Vorwort schreiben Christian Engelhardt und Paul Wellsow: »Weht heute durch die Bundesrepublik ein Hauch von Weimar? Angesichts der Tatsache, dass völkische Standpunkte in die Öffentlichkeit getragen und immer populärer werden; dass rechtsradikale Parteien Stimmung machen gegen die Demokratie; dass immer mehr Wähler*innen von der AfD eingefangen werden konnten; dass eine Polarisierung der Gesellschaft und eine Tendenz zu offener Gewalt von rechts zu beobachten ist, ergibt sich zwingend die Folgerung: Wir müssen im ›Bewusstsein um Weimar‹ ein neues ›Weimar‹ verhindern ... Die Ereignisse in Erfurt im Februar und März 2020 waren deutliche Warnzeichen.«

Das IfS – Faschist*innen des 21. Jahrhunderts

Das vom antifaschistischen Magazin »der rechte rand« herausgegebene Buch hat bereits kurz nach Erscheinen Aufmerksamkeit gefunden. So schrieb Sabine am Orde am 6.11. in der taz: »Es füllt eine Lücke; eine zusammenfassende Beschreibung und Analyse zu diesem Thinktank gab es bislang nicht. ... Lesenswert ... ist das Buch für alle, die sich für rechte Ideologieproduktion interessieren«. Dazu gehörte – viel zu spät – auch der Verfassungsschutz. Dessen ehemaliger Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus, Armin Pfahl-Traughber, muss trotz kritischer Einwände auf der Website »Blick nach rechts« vom 11.12.2020 einräumen, dass der Band »für die Gegenwart noch wichtige Informationen« liefert, u.a. zu den »wichtigsten Akteuren von Götz Kubitschek bis zu Karlheinz Weißmann, … den ›Antaios‹-Verlag und die Zeitschrift ›Sezession‹ ... Auch die einzelnen Beiträge von Andreas Speit sind ... beachtenswert. Der Fachjournalist macht darauf aufmerksam, dass die IfS-Aktivisten ein elitär und heroisch aufgeladenes Spektakel inszenieren, um sich so der Öffentlichkeit wie ihrem Umfeld gegenüber interessant zu machen.«

System Change durch Green New Deal?

Der Turbokapitalismus hält sein Fortschrittsversprechen nicht. Ökonomische, ökologische und soziale Krisen verschränken und verstärken sich. Es braucht einen Richtungswechsel, einen Green New Deal. Doch wie lassen sich der Kampf um Arbeitsplätze und für Klimaschutz verbinden? Welche Bündnisse und Bewegungen braucht es, um in dieser Auseinandersetzung zu gewinnen? Was können Parteien dazu beitragen? In seinem neuen Buch System Change: Plädoyer für einen linken Green New Deal unterbreitet Bernd Riexinger, seit 2012 Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE, einen strategischen Vorschlag, wie die verschiedenen Kämpfe zusammengeführt werden können und welche Rollen seiner Partei und gesellschaftlichen Bündnissen dabei zukommen.

Liebe Autor*innen, liebe Freund*innen, liebe Leser*innen des VSA: Verlags,

wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor*innen, Freund*innen und viele Leser*innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die bisher durch Spenden und Bestellungen geholfen haben. Da die Einschränkungen zur Abwehr der Pandemie weiterhin anhalten, sind wir auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb z.B. auf der Internetseite der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen (viele übergeben bestellte Bücher kontaktfrei in ihren Läden), die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website Lieferung via Brief- und Paketzusteller*innen, die trotz miserabler Bezahlung mithelfen.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

Zurück