In Kooperation mit

Erinnerung an Elmar Altvater, Imperiale Lebensweise, 1968, Syrien, Türkei, Italien, China, Post-Brexit-England, der DGB-Kongress und vieles andere sind Themen des Juni-Heftes.

Ein extra-Heft zu Marx’ 200. Geburtstag!

Socialist Register

Gibt es zur liberalen kapitalistischen Demokratie keine Alternative mehr? Ist Sozialismus der Feind der Demokratie? Oder kann mit ihm die Demokratie weiterentwickelt und bereichert werden? Diesen Fragen geht das Socialist Register 2018 nach.

Ein Blitz und gelebte Nähe zur Arbeitswelt

»Ein ›Blitz‹ schlägt bei DEKRA ein, ein Buch wird mit gelebter Nähe zur Arbeitswelt vorgestellt und Bezirksleiter Roman Zitzelsberger erklärt, warum es für die IG Metall ohne GEP nicht geht: Eigentlich sollte am 14.6. ja ›nur‹ ein Buch vorgestellt werden: aufrecht gehen – erste Zwischenbilanz und tiefer Einblick in die Arbeit des ›Gemeinsamen Erschließungsprojektes‹ (GEP) der IG Metall Baden-Württemberg. Das Buch lag druckfrisch auf den Tischen der Badener Halle in Rastatt. Darin berichten betriebliche Aktive, OrganizerInnen und GewerkschaftsekretärInnen aus Geschäftsstellen und Bezirksleitung von den Erfahrungen, die sie mit dem heutigen gewerkschaftlichen Organizing gemacht haben.« So beginnt der Bericht, den die IG Metall Gaggenau auf ihre Website gestellt hat. Was es mit dem »Blitz« auf sich hat und vor welchen gewaltigen Herausforderungen die IG Metall aus der Sicht ihres Bezirksleiters in Baden-Württemberg steht, kann dort nachgelesen werden.

Italiens Krise, Europas Verantwortung

Es wird eine 65. Nachkriegsregierung in Italien geben. Wie lange das riskante Regierungsexperiment von Rechtspopulisten und der 5-Sterne-Bewegung hält und in welcher Geschwindigkeit die Zerstörung der italienischen Republik weitergeht, ist offen. Zum besseren Verständnis gerade auch der italienischen Situation und ihrer Bedeutung angesichts der wachsenden politischen Instabilität in Europa verhilft das soeben bei VSA: erschienene Buch Rechtspopulistische Zerstörung Europas? Klaus Busch, Joachim Bischoff und Hajo Funke untersuchen systematisch die Entwicklung des Rechtspopulismus in fünf EU-Staaten: Italien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Deutschland. Und sie umreißen Grundzüge einer Kehrtwende zur Stabilisierung von Euro und EU. Im Italien gewidmeten Abschnitt »Variantenreichtum des Populismus« wird nachvollziehbar, wie die sozioökonomischen Probleme des Landes und die Krise des alten Fünfparteiensystems zum rasanten Vormarsch des Populismus geführt haben.
Die Autoren stellen das Buch am Montag, den 11. Juni auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Digitale Demagogie

Der US-Präsident zündelt, wo er kann, gerade eben treten die von Donald Trump beschlossenen Strafzölle für Stahl und Aluminium aus der EU in Kraft – ausnahmsweise mal nicht verkündet in seinen oft wenig diplomatischen Tweets, die die Welt in Schrecken versetzen. Trumps Kommunikationsstrategie über das »soziale« Medium folgt dabei dem Muster eines sich nach rechts verschiebenden, autoritären Kapitalismus, der sich überall auf der Welt zeigt. Christian Fuchs spürt in seinem Buch Digitale Demagogie den Wurzeln des Autoritarismus nach und zieht besorgniserregende Parallelen zu Trump, dessen Tweets und sein autoritär geprägtes Weltbild er analysiert. Die Befunde werfen kein gutes Licht auf die digitale Aufmerksamkeitsökonomie, die den autoritären Kapitalismus und Trumps Regierungsstil prägen.

Besiegt der Ostwind den Westwind?

fragt Uwe Hoering im Vorwort seines Buches Der Lange Marsch 2.0. Chinas Neue Seidenstraße als Entwicklungsmodell. Denn die »Belt and Road«-Initiative knüpft an die einstige weltpolitische Bedeutung des »Reichs der Mitte« an und entwirft gleichzeitig einen Bauplan zukünftiger Größe. Durch den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Wirtschaftskorridoren zwischen Asien, Afrika und Europa soll ein »neues Goldenes Zeitalter der Globalisierung« eingeleitet werden. Uwe Hoering zeichnet in elf Kapiteln zentrale Aspekte des Projektes nach und hinterfragt, ob diese Entwicklungsstrategie mit demokratischen Verhältnissen, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, der Wahrung von Menschen- und Minderheitsrechten und dem Abbau von Konflikten vereinbar ist.

Der späte Marx

Zuletzt gab Mario Adorf in dem Doku-Drama »Karl Marx – Der deutsche Prophet« einen gealterten Marx – allerdings wenig erhellend. Demgegenüber liefert Marcello Musto in seiner intellektuellen Biografie der Jahre 1881 bis 1883 Der späte Marx deutlich mehr Tiefgang. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Marx' letzten Forschungsarbeiten, die seine Kapitalismuskritik um neue Dimensionen erweiterten, gelingt es Musto vor allem auch, uns bar filmisch-dramaturgischer Übertreibungen und inszenatorischer Hinzudichtungen den Menschen Marx näherzubringen.

Warum 68?

Die mediale Bearbeitung des 50-jährigen Jubiläums von »1968« geschieht hierzulande vor allem in der Beschäftigung mit den alt gewordenen oder bereits verstorbenen »Helden der Revolution« – und es werden Bilder von spektakulären Aktionen, Gewalt und Gegengewalt aufgerufen. Die weltpolitischen und ökonomischen Strukturveränderungen rücken oft in den Hintergrund. Diese sind Thema von Frank Deppes Buch 1968: Zeiten des Übergangs. Das Ende des »Golden Age«, Revolten & Reform­bewegungen, Klassenkämpfe & Eurokommunismus. Denn Mitte der 1960er Jahre erodiert die Nachkriegsordnung, antiimperialistische Bewegungen in der »Dritten Welt« feiern Erfolge, Che Guevara wird zur Kultfigur. Die Bewegungen der Jugend revoltieren gegen autoritäre Herrschaft und patriarchale Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Und schließlich steht 1968 für die Niederschlagung der letzten Chance einer Demokratisierung des »real existierenden Sozialismus«. Frank Deppe geht zudem auf das ungebrochene Bedürfnis rechtsradikal-nationalkonservativer und christlich-fundamentalistischer Kräfte nach einer »Revanche für ’68« ein.

Gesunde Arbeitswelt – ein kreativer Suchprozess

Erfahrungen mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) gibt es mittlerweile in vielen Unternehmen und Organisationen. Die Praxis zeigt, dass BEM-Prozesse und Strukturen sehr unterschiedlich interpretiert und praktiziert werden. Die Autor*innen von Betriebliches Eingliederungsmanagement 4.0. Ein kreativer Suchprozess liefern Handlungsstrategien für die erfolgreiche Umsetzung dieses Instruments in einer sich rasch wandelnden Arbeitswelt (Stichwort: Digitalisierung) und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Gefordert ist »Dialog mit den Beschäftigten, um Möglichkeiten für eine gute, zukunftsfähige Arbeit zu gestalten und umzusetzen«. Der Band erscheint rechtzeitig zum 4. Forum Betriebliches Eingliederungsmanagement, das am 14./15. Juni an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin diese Themen aus rechtlicher, arbeitswissenschaftlicher und praxisnaher Perspektive diskutiert.

Gewerkschaften, ja bitte!

An viele zum ersten Mal neugewählte Kolleg*innen, aber auch an bisherige Betriebsräte, Vertrauensleute und Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen als Teil aktiver Gewerkschaftsarbeit im Betrieb richtet sich das von Hartmut Meine verfasste Handbuch Gewerkschaft, ja bitte!. Im ersten Teil werden die Grundlagen der Betriebs-, Tarif- und Gesellschaftspolitik entwickelt sowie die Schutz- und Gestaltungsfunktion von Gewerkschaften an praktischen Beispielen erläutert. Der zweite Teil behandelt die praktische Gewerkschaftsarbeit im Betrieb. Hier geht es u.a. um die unterschiedlichen Bedingungen vom Kleinbetrieb bis zum globalen Konzern. Zahlreiche Praxistipps beleuchten zentrale Handlungsfelder wie Entgelt und Arbeitspensum, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sowie Qualifizierung und technologische Umbrüche (Industrie 4.0/Digitalisierung der Arbeitswelt). Dabei werden die Probleme von »Stammbelegschaften« mit unbefristeten Vollzeitarbeitsverträgen ebenso behandelt wie die von befristet Beschäftigten, Leiharbeiter*innen und »Werkvertraglern«. Schließlich gibt es praktische Hinweise für das gemeinsame, solidarische Handeln, um eine hohe Beteiligung der gesamten Belegschaften zu erreichen. Hartmut Meine war über 40 Jahre in der IG Metall aktiv, davon 18 Jahre als Bezirksleiter des IG Metall Bezirkes Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

»En Speukels geiht üm ...

in Europa ...«, hätte Karl Marx formuliert, wenn er denn des Plattdeutschen mächtig gewesen wäre. Weniger als »kommunistisches Gespenst«, denn als »großen Gelehrten«, Philosophen und manchmal auch – so ganz lässt sich das ja nicht in den Hintergrund drängen – »Revolutionär« feiert seine Geburtsstadt Trier den bedeutenden Sohn anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. Mai. Dass er jedoch vor allem mit seinem Hauptwerk »Das Kapital« die Kritik der Politischen Ökonomie fundiert hat und damit bis heute wesentliche Elemente von Kapitalismuserklärung und -kritik liefert, machen unsere Autor*innen in ihren Büchern deutlich (zuletzt David Harvey in dem gerade erschienenen Marx’ 2. Band des »Kapital« lesen), die wir auf einer gesonderten Seite zusammengestellt haben. Außerdem hat die Redaktion der Zeitschrift Sozialismus ihm ein 48-seitiges extra gewidmet, das gegen eine Spende erhältlich ist und gern an Interessierte weitergegeben werden kann. Wie heißt es doch am Schluss von »De Kommunistische Partei ehr Manifest«? (Marx las und schrieb in vielen Sprachen, ins Plattdeutsche jedoch musste Hans-Joachim Meyer nachhelfen – Exemplare sind noch erhältlich über aj@fraujansen.de) »Schüllt doch de herrschen Klassen vör de kommunistische Revolutjoon bävern. De Proletariers hebbt in ehr nix to verleren as jümehr Käden. Se hebbt en Welt to winnen.«

Wir trauern um Elmar Altvater (24.8.1938-1.5.2018)

Unser Autor, Mitstreiter und Freund Elmar Altvater ist am 1. Mai nach langer Krankheit verstorben. Wir trauern mit seiner Lebensgefährtin Birgit Mahnkopf um einen engagierten Wissenschaftler, Theoretiker der Linken und politischen Akteur. In der Zeitschrift Sozialismus hatte sich Elmar in den letzten Jahren – neben den theoretischen Ausarbeitungen in seinen beiden Büchern im VSA: Verlag Marx neu entdecken und Engels neu entdecken – mehrfach mit politischen Intenventionen zu Wort gemeldet. Bereits im November-Heft 2009 hatte die Redaktion der Zeitschrift nach Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009 mit ihm über die daraus folgenden strategischen Herausforderungen der Linken diskutiert. Seine damaligen Einschätzungen haben auch nach mehr als acht Jahren eine erstaunliche Aktualität. Die Redaktion hat das Gespräch aus dem traurigen Anlass seines Todes noch einmal dokumentiert und erinnert zugleich daran, dass mit ihm mehr als ein bedeutender »Politikwissenschaftler« und »engagierter Globalisierungskritiker« (SpiegelOnline) in Zukunft fehlen wird.

Das Urteil im NSU-Prozess ...

wird im Mai oder Anfang Juni erwartet. Zur Zeit versuchen die Anwälte der Angeklagten in ihren Plädoyers deren Taten auf bloße Mitwisserschaft kleinzureden. Dass davon nicht die Rede sein kann, dass aber auch die bohrenden Fragen der Betroffenen – Wie groß war das an den Morden und Anschlägen beteiligte Unterstützernetzwerk? Was wussten die Sicherheitsbehörden, insbesondere der Verfassungsschutz, und warum wurde seitens des Staates nicht eingegriffen? – von staatlicher Seite bislang unbeantwortet blieben, darauf weisen vier vom NSU-Terror Betroffene und acht Nebenklagevertreter*innen in ihren Plädoyers in dem Buch Kein Schlusswort hin und entwerfen eine eindrucksvolle Gegenerzählung zum staatlichen Narrativ im NSU-Komplex.

1968

Die Erinnerung an die Debatten um die Folgen der 68er-Bewegung nimmt Fahrt auf. Soeben erschien Gegen die Zerstörung von Herz und Hirn. »68« und das Ringen um menschenwürdige Arbeit, in dem der Arbeitswissenschaftler Wolfgang Hien (* 1949) im Gespräch mit dem Historiker und Sozialwissenschaftler Peter Birke (* 1965) Auskunft über die Lehrlingsbewegung und politische Betriebsarbeit seit Mitte der 1960er Jahre gibt. Bereits zuvor erschienen zum Thema der Band 1968 und die Arbeiter sowie die Erinnerungen von Hajo Funke an die politisch-kulturellen Umbrüche der Studentenbewegung Antiautoritär. Ende Mai/Anfang Juni wird auch der von Knut Nevermann herausgegebene Band Die 68er über die Selbst-Politisierung der Studentenbewegung zum Wandel der Öffentlichkeit und das Buch von Frank Deppe 1968: Zeiten des Übergangs über das Ende des »Golden Age«, Revolten & Reformbewegungen, Klassenkämpfe & Eurokommunismus erscheinen.

Das Kapital in Farbe und als Ausstellung!

Den JARIComic für Einsteiger*innen und Fortgeschrittene gibt es nun auch in Knallbunt. Und als besonderes Geburtsgeschenk zu Charleys 200. haben wir Zeichnungen daraus auf 15 DIN A1-Plakate gebracht und bieten sie als Ausstellung an. Dieses Angebot wird dankbar angenommen, bislang wird sie u.a. in Heideruh in der Nordheide, im Bildungszentrum Kirkel im Saarland, in Leipzig, Weimar, Chemnitz, Offenbach, auf der Geburtstagsparty am 5. Mai in Hamburg und natürlich auch in Trier gezeigt (Details auf der Ausstellungsseite).

Rechtspopulisten als »Kümmerer« in den Betrieben?

Großes Interesse – vor allem in den Medien – hat auch die Veröffentlichung der Studie Rechtspopulismus und Gewerkschaften gefunden. Ko-Autor Dieter Sauer wurde von der ZEIT befragt und gab dem NDR ein ausführliches Interview, Ko-Autorin Ursula Stöger stand dem Radio Corax Rede und Antwort. Am 10. April wird ab 19:00 Uhr im  Klub im Hamburger DGB-Haus unter dem Titel »Hoch die nationale Solidarität?« Ko-Autor Richard Detje mit Klaudia Tietze (Geschäftsführerin von »Mach meinen Kumpel nicht an« und Mitherausgeberin des ebenfalls bei uns erschienenen Bandes Von Biedermännern und Brandstiftern. Rechtspopulismus in Betrieb und Gesellschaft diskutieren.

Betriebsbesetzungen und Arbeiten in Selbstverwaltung

Dario Azzellini (zur Zeitr Research Fellow an der School for Industrial and Labor Relations, Cornell University, Ithaca, USA) hat den politischen Kern seiner 15-jährigen Forschungsergebnisse zu Arbeiter*innenselbstverwaltung und Formen lokaler Selbstverwaltung weltweit in der Flugschrift Vom Protest zum sozialen Prozess zusammengefasst. Er liefert zugleich Antworten auf die Frage: Ist es möglich, im Kapitalismus »anders« zu arbeiten und damit die Perspektive einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft jenseits des Kapitalismus aufzuzeigen und zu eröffnen?

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