Die schwierigen Zeiten halten an. Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft weiterhin.

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Sachsen-Anhalt – Prolog für den Herbst; FFF als Vorfeldorganisation der Grünen? Lohnarbeit während der Pandemie; Organizing konkret; Forum Gewerkschaften: das politische Mandat; 100 Jahre KP Chinas; Kapitalismus – neues Geschäftsmodell? Blick in den Abgrund: gestern & heute u.v.a.m.

Socialist Register

Wie gestaltet sich das (Über-)Leben mit den neuen Technologien im 21. Jahrhundert? Lässt sich gegen, mit oder jenseits von ihnen eine postkapitalistische Perspektive entwickeln? Socialist Register 2021.

Verrückte Zeiten

Am 5. Juli trat der Gründer des transnationalen Versandhändlers Amazon, Jeff Bezos, als Vorstandsvorsitzender des Konzerns zurück. Zugleich nahm er am 20. Juli zusammen mit seinem Bruder beim ersten bemannten Flug des von ihm gegründeten Raumfahrtunternehmens Blue Origin in der Kapsel Platz.

Wenige Wochen zuvor startete auf der Online-Plattform Change.org eine Petition mit dem Titel: »Lasst Jeff Bezos nicht auf die Erde zurückkehren«, die mittlerweile von fast 150.000 Menschen unterzeichnet wurde. Die Initiatoren sehen den Weltraumtrip zu Recht als deutliches Symbol für Ungleichheit und bezeichneten ihn als »Schlag ins Gesicht der Arbeiterklasse« – wenn Milliardäre in den Weltraum fliegen wollten, dann sollten sie auch dort bleiben. Wir haben die Petition nicht unterschrieben, gönnen Bezos ein langes Leben.

Um aber den Schlagzeilen zu Jeff Bezos’ Höhenflug etwas entgegenzusetzen, hier der Hinweis auf die Folge des Dissens-Podcasts #132 Das System Amazon. Die VSA: Autorin Sabrina Apicella spricht darin mit Thomas Rigol, langjähriger ver.di-Aktivist und Betriebsratsvorsitzender im Leipziger Warenlager von Amazon, darüber, warum die Streiks der Picker und Packer uns alle angehen. Und es geht um ihr Buch Das Prinzip Amazon. Über den Wandel der Verkaufsarbeit und Streiks im transnationalen Versandhandel, das demnächst aus der Druckerei bei uns eintrudelt. Hört schonmal rein!

Macht gemeinsame Sache!

Die Flugtickets waren gekauft, die Veranstaltungen in Hamburg und Berlin bereits mit allen Hygiene- und Schutzauflagen vorbereitet, um als gemeinsame Sache der Herausgeber:innen Stefanie Holtz (IG Metall Jugendsekretärin) und Florian Wilde (RLS-Referent für aktivierende und internationale Gewerkschaftspolitik), des VSA: Verlages und natürlich der bekannten US-amerikanischen Organizerin Jane McAlevey als Autorin Ende Juli ihr neues Buch vorstellen zu können. Doch dann kamen die Corona-Variante Delta und wieder restriktivere Einreisebedingungen in Europa und den USA, sodass die Buch-Präsentation nur als Zoom-Veranstaltungen erfolgen kann (Informationen über Termine und Zugangsdaten bitte jeweils unter www.vsa-verlag.de und www.rosalux.de/veranstaltungen nachschauen). In ihrem Buch wendet sich die Autorin mit Fragen an eine neue Generation: Was können wir tun, wenn wir den Status quo nicht länger akzeptieren? Welche Strategien stehen der breiten Mehrheit der Bevölkerung zur Verfügung, um ihre Interessen gegen eine winzige Elite durchzusetzen? Welche Institution kann für eine gerechtere Verteilung von Reichtum und Macht sorgen? Die Antworten von Jane McAlevey sind ein leidenschaftliches Plädoyer für Gewerkschaften.

Augustes Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen

Gine Elsner hat bereits in vielen VSA: Büchern (zuletzt erschien Die aufrechte Haltung. Orthopädie im Nationalsozialismus) die Geschichte der Arbeitsmedizin im Nationalsozialismus kritisch aufgearbeitet. Mit ihrem neuesten Buch geht sie einen anderen Weg: Für Augustes Töchter hat sie 150 Jahre Frauenleid und -kämpfe in mehreren Generationen der eigenen Familie erforscht. Hierzu konnte sie aus reichhaltigen Quellen schöpfen, vor allem von Auguste, der Urgroßmutter im Oderbruch, die zahlreiche Briefe hinterließ, und von den umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen und autobiografischen Zeugnissen ihrer Mutter Ilse Elsner (1910-1996). Auf deren Geschichte liegt ein besonderer Schwerpunkt: Sie kam aus einfachen Verhältnissen und befreite sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus einer schwierigen Ehe, bevor sie als SPD-Politikerin im Hamburger Senat und im Bundestag sowie im Europäischen Parlament gegen viele Widerstände selbst soziale Reformen mit in die Wege leiten konnte. Anders als in konventionellen Familienbiografien ordnet die Autorin die individuellen Geschichten in die zeitgeschichtlichen Hintergründe ein. Ein Buch nicht nur für »Augustes Töchter«, sondern für alle Enkelinnen und Urenkelinnen, bis heute.

Glückwünsche an Hans-Jürgen Urban und Horst Schmitthenner!

Zwei Kollegen, Freunde und Unterstützer des VSA: Verlages und der Zeitschrift Sozialismus.de feierten runde Geburtstage. Am 3. Juli beging Hans-Jürgen Urban, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der IG Metall und VSA: Autor (zuletzt erschien von ihm Gute Arbeit in der Transformation), seinen 60. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich, freuen uns auf eine weitere produktive Zusammenarbeit zur Entwicklung der Mosaik-Linken und vor allem auf neue Bücher. Einen Tag später wurde Horst Schmitthenner, ehemaliges Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der IG Metall und ebenfalls (Mit)Herausgeber und Autor zahlreicher VSA: Bände, 80 Jahre alt. Horst, dem die Zeitschrift Sozialismus.de zu seinem 75. Geburtstag ein Supplement widmete, wünschen wir ebenfalls zu seinem Ehrentag alles Gute, vor allem weiterhin Schaffenskraft. Beide gehören dem Beirat des Forum Gewerkschaften von Sozialismus.de an; die Redaktion der Zeitschrift würdigt ihr gewerkschafts- und gesellschaftspolitisches Wirken in der aktuellen Juli/August-Ausgabe mit zwei Beiträgen: Detlef Hensche kennzeichnete seinen Beitrag Zum politischen Mandat der Gewerkschaften als »eine Intervention zum 60. Geburtstag von Hans-Jürgen Urban«, Richard Detje und Otto König widmeten »dem Bildungsarbeiter und Sozialpolitiker Horst Schmitthenner zum 80. Geburtstag« ihren Beitrag Die List der Geschichte.

Alle Kolleg:innen des VSA: und Sozialismus.de-Teams schließen sich diesen Würdigungen an und übermitteln die besten Wünsche zu beiden Ehrentagen!

Micha Brumlik zu Antisemitismus und Postkolonialismus

Der ausgewiesene Autor zu jüdischen Themen mischt sich mit seinem neuen Buch in die nicht enden wollende Debatte ein, die durch die jüngsten Ereignisse in Israel/Palästina und deren Nachhall hierzulande neue Brisanz gewonnen hat: Ist es zulässig, Israel und den Zionismus – einschließlich der mehr als 50 Jahre währenden Besatzungsherrschaft im Westjordanland – als »kolonialistisch« zu bezeichnen und die Besatzungsherrschaft zur »Apartheid« und damit für rassistisch zu erklären? Er analysiert die Diskussionen, die mit der Ausladung des afrikanischen Philosophen Achille Mbembe wegen dessen vermeintlichem Antisemitismus von der wegen Corona abgesagten Ruhrtriennale 2020 Fahrt aufgenommen hatte, dann mit der Bewertung der palästinensische BDS-Bewegung durch den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung und andere Aufreger befeuert wurde, und nunmehr erneut die politische Öffentlichkeit sowie die Feuilletons nicht nur der Leitmedien füllt. Micha Brumlik hat die jüngsten Entwicklungen in einem Postskriptum einbezogen.

Kommen Europas Linke in die Offensive?

Gerade sieht es in Frankreich so aus, als habe die Linke bei den Regionalwahlen gezeigt, dass sie vereint gegen die rechts-autoritäre Wende auftreten kann: Zusammen mit den Konservativen sind sie, so die Tagesschau vom 28. Juni 2021, die Gewinner der Wahlen. Doch ganz so rosig ist es dann doch nicht, eine wirklich offensive Wende für die Linken zeichnet sich auch in Frankreich nicht ab. Woran fehlt es den linken Parteien Europas? Welchen Herausforderungen stehen sie jeweils gegenüber? Und welche Potenziale haben sie, um ihre Spaltungslinien zu überwinden und vereint für eine sozial-ökologische Transformation einzutreten? Dafür liefert der Band Left Diversity zwischen Tradition und Zukunft, herausgegeben von Cornelia Hildebrandt, Danai Koltsida und Amieke Bouma, Antworten. Die Autor:innen stellen die starken linken Parteien in Griechenland, Spanien und Portugal und aufsteigenden Parteien in Belgien, Slowenien und Kroatien vor, analysieren die schwachen Parteien in Österreich und Italien sowie die stagnierenden Linken in Frankreich und Deutschland. Ein besseres Verständnis der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der europäischen Linken, so die Herausgeber:innen, ist wichtig, um die Suche nach gemeinsamen europäischen Projekten voranzubringen.

Weltmarkt und Weltwirtschaft

Die weltwirtschaftliche Entwicklung ist zunehmend von internationaler Ungleichheit – noch verstärkt durch die Folgen der Pandemie – geprägt. Die wirtschaftliche Spaltung der Welt und die durch Menschen verursachte Klimaveränderungen vom Untergang bedrohten Länder setzen neue Herausforderungen auf die Agenda auch der industriellen Metropolen und entwickelten Länder. Um dies zu verstehen und gegen die Verarmung wirksame Maßnahmen in die Wege zu leiten, liefert Stephan Krüger mit seinem neuen Buch eine zusammenfassende Darstellung der kapitalistischen Weltwirtschaft. Er veranschaulicht mit zahlreichen Abbildungen ihre modernen Globalisierungstendenzen, die Herausbildung neuer industriell sich entwickelnden Länder (Schwellenländer) sowie den Einbezug auch der unterentwickelten Staaten, die zwar rund die Hälfte der Erdbevölkerung beheimaten und wichtige Lager- und Produktionsstätten für industrielle und landwirtschaftliche Rohprodukte besitzen, auf der Landkarte des Weltmarkts jedoch nur einen Randbereich ausmachen. Damit liefert er wesentliche Eckpunkte einer Wirtschafts- und Sozialgeschichte der entwickelten kapitalistischen Produktionsweise unter den Blickpunkten von Weltmarkt, Weltwirtschaft und Weltpolitik zusammen. Wie in seiner vorherigen Arbeiten basiert diese auf einer von Marx’ Kritik der Politischen Ökonomie angeleiteten Interpretation des empirisch-statistischen Materials.

»Der Lachende Drache« portraitiert VSA: Kollegen

In der aktuellen Ausgabe hat Mathias Turm für die Stadtteilzeitung aus St. Georg, dem Kiez in Hamburg, in dem der VSA: Verlag seit 1997 zu Hause ist, unseren Kollegen Joachim Bischoff zu seiner politischen und beruflichen Geschichte befragt. Die Redaktion des »Lachenden Drachen« stellte ein Zitat besonders heraus: »Lieber anecken als sich verbiegen, gehört bis heute zu seinen Markenzeichen.« Das komplette Portrait in der Rubrik »Menschen in St. Georg« kann hier nachgelesen werden.

Presseschau

In der Ausgabe 2.21 der Zeitschrift »Industriekultur. Magazin für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte« bespricht Achim Dresler das Buch von Hermann Vinke »Ein Volk steht auf – und geht zum Arbeitsamt«. Staatsholding Treuhand als Fehlkonstruktion – die Sicht von Betroffenen: »Für sein Buch recherchierte der Autor in ostdeutschen Industrierevieren. Die Reisen führten ihn zu ehemaligen Beschäftigten der Werften an der Ostsee, der Textilindustrie in der Unterlausitz, des Stahlwerks Hennigsdorf bei Berlin, des Chemiedreiecks Leuna-Buna-Bitterfeld, des Chemnitzer Maschinenbaus, des Automobilbaus Zwickau und des Kali-Bergbaus in Bischofferode. Insgesamt entstanden 17 exemplarische Berichte über Menschen, die sich aktiv für die Rettung von Betrieben und den den Neuanfang einsetzten, ob in Gewerkschaft, Betriebsrat, Firmenleitung oder Rathaus. Vinke bringt ihre Sicht, ihre oft zerstörten Hoffnungen, flüssig lesbar und mit Empathie zwischen die Buchdeckel.«

Stefan Bollinger hat im nd vom 23.6.2021 das Buch von Hannes Heer und Christian Streit, Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik, besprochen: »Sie greifen unmittelbar in aktuelle Dispute um Vergangenheitsbewältigung sowie den aktuellen Umgang mit Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion ein. Sie wollen verhindern, dass der brutale Vernichtungskrieg im Osten, die deutschen Verbrechen in Polen und der Sowjetunion in Vergessenheit geraten. Sechs Millionen Juden, eine halbe Million Sinti und Roma, drei Millionen Polen und zwei Millionen Jugoslawen wurden im Zweiten Weltkrieg ermordet. Vor allem aber hält ihr Buch die Erinnerung an 27 Millionen ermordete, tote, gefallene, verhungerte Sowjetbürger wach. Vier zentrale Aufsätze behandeln den ›Massenmord nach Plan‹, das Anfangsverbrechen der Wehrmacht im Holocaust, den ›Hungerplan‹ gegen die Sowjetvölker, ›um sich im Osten gesundzustoßen‹, sowie das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener.«

Unter der Überschrift »Sozialismus oder Barbarei« stellt Kurt Seifert in der Ausgabe vom 2.7.2021 von p.s., einer linken Wochenpublikation für Politik und Kultur im Raum Zürich, das Buch von Michael Brie und Jörn Schütrumpf über Rosa Luxemburg vor: »Noch heute gilt die polnische Jüdin Rosa Luxemburg als Ikone einer politischen Linken, die Freiheit und Sozialismus nicht als Gegensätze sehen will. Worin die Aktualität ihres Denkens besteht, versucht ein von der Rosa Luxemburg Stiftung gefördertes Buch herauszuarbeiten.« Der Rezensent beschließt seine ausführliche Darstellung mit dem Absatz: »Was bleibt? Rosa Luxemburg hatte schon lange vor dem Ersten Weltkrieg erklärt, die Alternative heisse: Sozialismus oder Barbarei. Die ausbleibende Revolution in Deutschland führte zur Nazi-Barbarei, aber auch der sowjetische Sozialismus trug unter Lenin und dann vor allem unter dessen Nachfolger Stalin barbarische Züge. Beide Formen der Barbarei sind Geschichte, doch der jetzt herrschende Kapitalismus scheint uns vor der Barbarei auch nicht bewahren zu können. Deshalb ist es existenziell, die Alternativen noch einmal neu zu durchdenken. Rosa Luxemburg kann uns dabei helfen.«

Erfolgreiche Arbeitskämpfe

Zu selten werden Erfolge in gewerkschaftlichen Abwehrkämpfen benannt und analysiert. Anders in Das Ende der Angst. Charité Berlin: »Outgesourcte« Therapeut*innen erstreiten ihre Rückführung: 2009 hatte die Berliner Charité die therapeutischen Abteilungen outgesourct. Damit verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen für die beschäftigten Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Masseur:innen und Bademeister. Doch sie wehrten sich: Rund 50 Tage dauerte der ver.di-Warnstreik an Deutschlands renommiertester Universitätsklinik. Mit Erfolg: Im Januar wurde die ausgegliederten »Charité Physiotherapie und Präventionszentrum GmbH« zurückgeführt. Im Band der Reihe WIDERSTÄNDIG zeigen Herausgeber Reinhold Niemerg u.a., dass es sich lohnt, die Angst zu überwinden und den offenen Konflikt um die Anerkennung systemrelevanter Arbeit zu wagen.

Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft

In vielen Städten steigen die Mieten und es wird immer schwerer, mit durchschnittlichen Einkommen eine bezahlbare Wohnung zu finden. Längst ist von Wohnen als »Neuer Sozialer Frage« die Rede, deren Lösung zentrales Wahlkampfversprechen ist. Ein Autor:innenkollektiv unter der Herausgeberschaft von Andrej Holm hat das Handbuch Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft verfasst, in dem die Autor:innen das Thema Wohnen in sozialwissenschaftlicher Perspektive diskutieren und einem breiten Publikum zugänglich machen. Auf einer in Kooperation des Seminar »Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft« an der Humboldt Universität mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion wurde das Buch Online während eines Livestreams am 24.6.2021 auf YouTube vorgestellt. Mit dabei waren unter anderem die Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen, die Kampagne Mietenstopp, Andrej Holm und natürlich das Autor:innenkollektiv.

Kultur- und Wissenschaftskritik anno 2021

Der VSA: Verlag wird von einer anonym agierenden Gruppe »für gute wissenschaftliche Praxis« bedrängt, das Buch von Cornelia Koppetsch Rechtspopulismus als Protest vom Markt zu nehmen. Die Autorin steht an ihrer Universität in einer Auseinandersetzung, ob und in welchem Umfang die Praxis wissenschaftlicher Zitierweise und Quellenangabe eingehalten wurde. Diese erstreckt sich inzwischen auch auf den von uns veröffentlichten Band mit Aufsätzen zum Aufstieg der neuen Rechten und des Rechtspopulismus. Die anonyme Gruppe erklärt, dass sie die Attacken auf den Verlag und unsere Autor:innen ausweiten will.

In diesen Zusammenhang passt, was Ulrich Störiko-Blume am 12.5.2021 im »Börsenblatt für den deutschen Buchhandel« ansprach: »Ein Gespenst geht um in unseren Verlagen – das Einlenken und Anpassen aus Angst vor Shitstorms. Es kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, auch wenn die Wirkung die gleiche ist: Ein Verlag lässt sich von außen diktieren, was er bei bestimmten Büchern zu tun und zu lassen hat. […] (Es) kann richtig und sogar vertragskonform sein, ein Buch nicht mehr anzubieten und zurückzurufen. Einem solchen Schritt muss jedoch eine solide Begründung vorausgehen – und nicht ein Nachgeben gegen einen Druck von außen. Menschen, die Verlage und Autor*innen bedrängen, mit Protestmails beschießen, Portale mit arrangierten Schmähkritiken überhäufen, sind keine fairen Kritiker*innen – man sollte sie zunächst ignorieren. Wenn sie nicht aufhören, sondern weitere feindselige Angriffe entfachen, sollten diese öffentlich gemacht werden. Auf keinen Fall sollte man nachgeben.«

Dem VSA: Verlag, der auch mit dem Band von Cornelia Koppetsch dezidiert rechten Positionen entgegentritt, soll durch Druck von außen ein bestimmtes Handeln aufgezwungen werden. Eigentlich verbietet sich eine inhaltliche Auseinandersetzung, wenn man mit einer Gruppierung konfrontiert wird, die ihre Kritik aus der Anonymität heraus vorträgt. Dennoch argumentieren wir und verweisen auf das Nachwort von Cornelia Koppetsch zu unserem Buch, in dem sie erklärt: »Leider ist es an unterschiedlichen Stellen in anderen Publikationen und auch in früheren Fassungen der in diesem Band veröffentlichten Aufsätze zu Ungenauigkeiten im Umgang mit den Gedanken und Formulierungen anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gekommen. Dies bedauere ich sehr. In der vorliegenden Aufsatzsammlung finden sich diese Fehler nach bestem Wissen und Gewissen korrigiert. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, einen eigenständigen Ansatz vorgelegt zu haben, der Rechtspopulismus im Kontext sozialer Abstiege betrachtet, die aus Geltungsverlusten inkorporierter Einstellungen, Dispositionen und Haltungen resultieren.«

Und sie hat begründet, warum sie sich trotz der gegen sie erhobenen Vorwürfe mit diesem Band erneut zu Wort meldet: »In der vor einem Jahr verfassten Einleitung zu diesem Band hatte ich bereits angemerkt, dass der Rechtspopulismus in Europa und in den USA einen Angriff auf bislang etablierte politische Wahrheiten und liberal-demokratische Institutionen darstellt. Diese Tendenzen haben seitdem noch zugenommen – auch wenn der parteipolitische Ausdruck des Rechtspopulismus hierzulande gerade schwächelt. [...] Hinzu kommen antisemitisch begründete Anschläge auf Synagogen wie in Halle oder Menschen jüdischen Glaubens wie in Hamburg. [...] Dies zu skandalisieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ist wichtig. Genauso wichtig ist es zu verstehen, welchen gesellschaftspolitischen Nährboden dies hat. Auch wer verstehen will, an welche Strukturen im emotions-, symbol- und realpolitisch geprägten Alltagsbewusstsein die ›Querdenker‹-Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie anknüpfen und wohin diese führen könnten, sollte die Anstrengung genauerer Analysen und Einschätzungen unternehmen. Dazu soll diese Buchveröffentlichung beitragen.«

Es handelt sich bei unserem Sammelband also nicht um eine Schrift zur Erlangung eines akademischen Titels oder einer Position im Wissenschaftsbetrieb. Allerdings sind sowohl die Redaktion der »kulturWelt« auf Bayern 2 (in der Sendung am 8.6.2021) als auch die Feuilleton-Redaktion der FAZ von dem Aufruf zur Verteidigung der wahren Wissenschaft überzeugt und folgen der »Gruppe genauer Leser, die anonym bleiben möchte«. Diese Gruppe und die Kulturredaktionen spießen als Beispiel die Auseinandersetzung mit dem Prozess der Zivilisation auf, der von Cornelia Koppetsch unter Rückgriff auf Norbert Elias und Cas Wouters debattiert wird. In diesem Zusammenhang wird auch Sighard Neckel von ihr berücksichtigt. Patrick Bahners räumt am 10.6.2021 in der FAZ ein, dass Neckel zwar dort von ihr richtig zitiert werde, aber nicht als Autor eines Satzes in einer längeren Fußnote auf Seite 102. Dies veranlasst ihn zu der Behauptung, es könnten in dem Text »noch mehr Plagiate enthalten sein, als in dieser Zeitung berichtet«. Sein Beitrag trägt die Überschrift: »Wie unoriginell!«, die von ihm vorgetragene »Kritik« dagegen erscheint uns wirklich originell.

Wie der New Deal heute wieder Mut macht

Studierende des Fachbereichs Sozialökonomie an der Universität Hamburg diskutieren auf einer Themensemester Aktionswoche vom 15. bis 18. Juni über »Ein New Deal für heute! Wie gestalten wir einen solidarischen und nachhaltigen Weg aus der Krise?« Dazu haben sie für Dienstag, den 15.6., den VSA: Autor Steffen Lehndorff eingeladen. Er wird von 12:00 bis 14:00 Uhr zu »Of course we spent money«, also zur Haushaltspolitik des New Deal, und von 15:00 bis 17:00 Uhr zu »Nicht länger nichts, zum Herausbilden eines neues Selbstbewusstseins« – beides Themen seiner Flugschrift New Deal heißt Mut zum Konflikt – referieren und diskutieren. Die Aktionswoche findet entweder im Hörsaal in VMP 9 oder Open Air auf dem Campus statt. Aktuelle Infos gibt es hier.

Steffen hat außerdem gerade zusammmen mit dem Songwriter-Duo Cuppatea und der Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW ein anderes Projekt zum Thema realisiert. Seit dem 7. Juni stellt er zentrale Thesen seines Buches auf dem YouTube-Kanal der RLS-NRW vor, Cuppatea trägt dazu passende Songs vor. Hier gehts zu dem Vergnügen!

Das Chaos hält an

Kaum war das Buch mit Beiträgen von Alex Demirović, Andreas Fisahn, Birgit Mahnkopf, Carolin Mauritz/Christa Wichterich, Fritz Reheis, Peter Wahl, Stefanie Hürtgen, Thomas Sablowski und Ulrich Duchrow mit dem Titel Das Chaos verstehen auf dem Weg zur Druckerei, in dem die engagierten Mitglieder des bisherigen Wissenschaftlichen Beirats von Attac ihre Zeitdiagnosen zu Zivilisationskrise und Corona zur Diskussion stellen, löste sich der Beirat in seiner bisherigen Zusammensetzung selbst auf. Er befindet sich seitdem »in einer Phase der Reorganisation«, mit dem Ziel einer »Erneuerung und Verjüngung dieses Gremiums«. Das demnächst erscheinende Buch könnte ein Beitrag sein, das inhaltliche Profil des neu zu konstituierenden Beirats zu schärfen.

Den technischen zum sozialen Fortschritt machen?

»Man darf Digitalisierung nicht mit Ausbeutung verwechseln!«, hat Hubertus Heil letzte Woche in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau behauptet. Doch, darf man. Muss man sogar, wenn man Arnold Schmieders neues Buch Vierte Industrielle Revolution? gelesen hat. Darin zeigt der Autor mit Marx, wie versprochene Zeiteinsparungen und Arbeitserleichterungen im Zuge von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung die Durchkapitalisierung der Arbeitswelt bloß fortsetzen. In den Hintergrund gerate dadurch, dass diese scheinbaren Erleichterungen keinesfalls zugunsten der Arbeitnehmer:innen ausfallen würden, sondern massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, Elend für Mensch und Ausbeutung der Natur bedeuten. Denn: Der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital wird durch den digitalen Fortschritt nicht aufgehoben. Und deshalb brauche es Theorie, so sehr diese manchmal auch eine Hürde darstelle, damit politische Praxis nicht bei einem sicherlich wohlmeinenden Vorstoß wie dem des Bundesarbeitsministers stehen bleibt.

Sieht so Zukunft aus?

Die Unternehmerin Annett Nack-Warenycia und der ehemalige Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Finanzunternehmens Torsten Teichert ziehen eine schonungslose Bilanz ihrer eigenen Erfahrungen mitten im System. Die einst gültigen Zukunftsversprechen funktionieren nicht mehr. Der Glaube an Aufstiegsmöglichkeiten für jeden und Wohlstand für alle ist für viele verloren gegangen. Ihr Buch »It’s the Future, stupid« ... mit Kapitalismus oder ohne (auf jeden Fall mit Illustrationen des Hamburger Künstlers Nils Kasiske) begleiten die Autor:innen mit einer eigenen Internetpräsenz: www.itsthefuturestupid.de.

Wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor:innen, Freund:innen und viele Leser:innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die geholfen haben. Wir sind auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb bei der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

Richard Detje-Euscher
IBAN: DE 2820 0505 5012 6812 0977
BIC: HASPDEHHXXX

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