Das neue Programm komplett online
Den Newsletter ausgerechnet vor dem Buchmonat Oktober mussten wir ausfallen lassen und auch dieser erschien erst nach Ende der Frankfurter Buchmesse (an der wir schon länger nicht mehr teilnehmen, stattdessen im März 2027 wieder in Leipzig). Am Bemerkenswertesten fanden wir gleichwohl die Dankesrede des diesjährigen Preisträgers des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, des französisch-britischen Juristen und Schriftstellers Philippe Sands, dessen Eltern Überlebende des Holocausts sind, anlässlich der Preisübergabe in der Paulskirche. Er warf darin Deutschland »unanständiges Schweigen« im Umgang mit Israel vor, Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden, gerade unter Freunden. »Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit.«
Der Grund für den Ausfall unseres September-Newsletters bestand darin, dass wir endlich die Ankündigung unseres Herbstprogramms beenden wollten. Nun liegt es vor, sämtliche für den Herbst und den Winter vorgesehenen Titel werden auf der Website vorgestellt. Wir möchten einmal mehr darauf hinweisen, dass wir immer und jederzeit für unsere Arbeit auf die Unterstützung unserer Leser*innen angewiesen sind. Wie diese gehen kann, ist hier nachzulesen.
Aus der Praxis – für die Praxis: zukunftsorientierte Betriebsratsarbeit

Nicht nur wirtschaftlich erleben wir zurzeit einen tiefgreifenden Wandel: Technologische Umbrüche, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, geopolitische Krisen, der globale Wettbewerb und unberechenbare Märkte verändern die Arbeitswelt in bisher unbekanntem Ausmaß – mit großen Auswirkungen auf Mitbestimmung, Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit in den Betrieben. Peter Müller bietet mit »Strategische Betriebsräte. Ein Praxisbuch für erfolgreiche Interessenvertretung von Beschäftigten« Grundwissen für Betriebsräte und Vertrauensleute, die unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben und der verbreiteten Sparlogik der Unternehmen eine überzeugende Alternative entgegensetzen wollen. Ausgehend von konkreten betrieblichen Problemen beschreibt der Autor, wie es gelingen kann, Beschäftigte so zu beteiligen, dass sie sich hinter den Betriebsrat stellen und so eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit möglich machen. Der Autor bietet zudem Strategieklausuren für Betriebsräte und Vertrauensleute sowie Betriebsratsseminare an (www.mueller-brc.de).
Wenn der Wind von vorne kommt
Der dritte Band der Reihe »Arbeitspolitik: Theorie, Praxis, Strategie« setzt sich mit menschengerechter Arbeit in immer menschenfeindlicherer Umgebung auseinander. Es geht in dem von Hans-Jürgen Urban herausgegebenen Buch »Gute Arbeit vor dem Aus?« um Dekarbonisierung, Transformation, Digitalisierung sowie antidemokratische Entwicklungen, welche die gesamte Wirtschaftsweise verändern. Arbeitsplätze gehen verloren oder werden unsicher. Aspekte guter Arbeit und humaner Arbeitsbedingungen geraten aus dem Blickfeld. Hier sind betriebliche und gewerkschaftliche Arbeitspolitik gefordert. Arbeitspolitik in diesem Sinne muss schützend, eingreifend, nachhaltig und demokratisch ausfallen. In diesem Band wird direkt auf die aktuellen Prozesse der Restrukturierung geschaut: die Krise des Entwicklungsmodells des Deutschen Kapitalismus, der Frontalangriff auf den Sozialstaat insgesamt sowie insbesondere die Arbeits- und Leistungsbedingungen in der Arbeitswelt.
Clara Zetkin und der deutsche Stalinismus

Laut Leo Trotzki hätten diese Briefe niemals existieren dürfen, denn nach seiner Auffassung fehle Clara Zetkin die »geistige Selbstständigkeit«, ihre Stärke liege vielmehr in ihrem Temperament. Letzteres mag zwar zutreffen. Ersteres ist aber eine offenkundige Fehleinschätzung. Denn von geistig-politischer Souveränität zeugen gerade jene beiden Briefe, die Zetkin 1929 und 1930 an Stalin und seine Paladine schreibt, um auf 150 Seiten die selbstmörderische Politik der KPD unter Thälmann zu kritisieren, die Jörn Schütrumpf als Herausgeber dieses bislang wenig beachteten Dokuments im Vorwort in den historischen Zusammenhang stellt. Mit analytischer Schärfe wendet sich Clara Zetkin gegen die Aufkündigung innerparteilicher Demokratie, die Delegitimierung abweichender Positionen und eine Politik, die organisatorische Disziplin zu jedem Preis über politische Debatte stellt. Mit ihrer politischen Abrechnung sind zugleich grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis von Demokratie, Organisation und Emanzipation angesprochen, die gerade heute brandaktuell sind. Das Buch wird zunächst am Montag, den 19. Oktober ab 18:00 Uhr gemeinsam vom Herausgeber Jörn Schütrumpf mit der Ko-Chefin der Linkspartei, Ines Schwerdtner, in der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin vorgestellt (Straße der Pariser Kommune 8A). Es folgen weitere Präsentationen in Stuttgart, Tübingen, Frankfurt a.M. und Nürnberg (Details siehe weiter unten bei »Veranstaltungen«).
Versuch einer linken Zukunftserzählung
Große Erzählungen haben zu allen Zeiten Orientierung und Hoffnung gegeben – auch in denen der Hoffnungslosigkeit. Höchste Zeit, aus Sicht einer modernen Linken eine emanzipatorische Erzählung für das 21. Jahrhunderts zu wagen, die nun Dieter Klein in seinem neuen Buch »Hoffnung in dunklen Zeiten« vorgelegt hat, mit der er die Suche nach strategischen Antworten und möglichen Lösungen befördert. Denn alles bisher Gültige befindet sich im Umbruch: geopolitische Bündnisse, die Auswirkungen moderner Informations- und Kommunikationsmittel, die Manipulationsmacht von IT- und Tech-Unternehmen und die gewachsene Bedeutung psychologischer Kriegsführung. Zu der ihn leitenden Frage, was der besondere Beitrag der Linken zu einem neuen humanistischen Narrativ sein kann, gibt es erste Antworten bei der Vorstellung des Buches des inzwischen 95-Jährigen zusammen mit der Ko-Vorsitzenden der Partei Die Linke, Ines Schwerdtner am Dienstag, den 20. Oktober ab 18:30 Uhr in der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Straße der Pariser Kommune 8A in Berlin (direkt am Ostbahnhof).
Frisch besprochen
Prof. Dr. Günter Erbe hat unter dem Titel »Plädoyer für eine kopernikanische Wende im wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftlichen Denken« das Buch von Jürgen Lichey, Gottfried Meyer-Thoss und Wolfgang Schilling »Ökonomische, politische und mediale Macht« besprochen. In seiner ausführlichen Rezension heißt es unter anderem: »Von den bereits vorliegenden kritischen Einzeluntersuchungen der Fachpublizistik unterscheidet sich der anspruchsvolle Essay durch den Versuch einer Gesamtschau. Befördert wird das Unternehmen durch eine allgemein verständliche Sprache, die auch dem wirtschaftswissenschaftlichen Laien Orientierung bietet und ihm Lust bereitet, das Buch nicht nur durchzublättern, sondern zu durchdenken.« Sein abschließendes Urteil lautet: »Das Buch sei eindringlich Lesern und Leserinnen empfohlen, die sich ein genaueres Bild von der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Machtkonstellation in Deutschland und der globalisierten Welt verschaffen wollen und gedankliche Anstöße für eine Überwindung des neoliberalen Machtkartells suchen.«
In der Zeitschrift der Berliner Ärztekammer »Berliner Ärzt:innen« charakterisiert Dr. med. Nicolai Savaskan das von der Arbeitsmedizinerin und Soziologin Gine Elsner verfasste Buch »Was wir von Corona lernen können« als »ein ebenso faktenreiches wie streitbares Panorama der deutschen Pandemiepolitik«. Weiter heißt es in der ausführlichen Besprechung unter anderem: »Besonders pointiert analysiert Elsner die politischen Kommunikationsprobleme während der Pandemie. Ein oft zitiertes Beispiel ist die Debatte um Maskenpflicht und Maskenknappheit zu Beginn der Krise. Die Autorin beschreibt diese Episode als ›Maskenkomödie‹, da sich die politischen Botschaften in kurzen Zeitabständen widersprachen.« Sein Gesamtfazit trotz Detailkritik, die nach seiner Meinung Elsners Beitrag zur laufenden gesellschaftlichen Selbstverständigung nicht schmälert: »Die Lektüre besticht durch die journalistische Chronik, die medizinsoziologische Analyse und die Kritik an den Institutionen. Den Lesenden bietet er vor allem wertvolle Anregungen zur Rolle wissenschaftlicher Expertise, zu Kommunikationsstrategien staatlicher Institutionen und zu den politischen Dynamiken in pandemischen Krisen.«
Paul Wellsow hat in der Ausgabe 2-2026 von »Linksblick« der Thüringer Linkspartei den von Ulrich Peters und Franz Segbers herausgegeben Band zu Religion und Sozialismus vorgestellt: »Das kürzlich erschienene Buch ›Nicht wie Feuer und Wasser‹ blickt in die Vergangenheit des ›Bundes Religiöser Sozialisten‹, um das Verhältnis von Religion und Sozialismus auszuloten. Es geht um thematische ›Brückenschläge‹ vom Christentum zum Sozialismus, die Geschichte des Bundes während der Weimarer Republik und sein Verhältnis zu Kirchen und Arbeiter*innenbewegung. Zudem werden historische Texte dokumentiert: zu Krieg und Frieden, Sozialpolitik, Antisemitismus, Antifaschismus, Kapitalismuskritik und Fragen des Verhältnisses von Kirche und Staat. Auch die Tätigkeit des Bundes nach der Befreiung vom deutschen Faschismus wird beleuchtet. Der Thüringer Bundestagsabgeordnete und religionspolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Bodo Ramelow, ist mit einem Vorwort im Buch dabei: ›Die Frage lautete immer wieder: Wie hältst du es mit Religion und Kirche? Heute ist das anders: Als gläubiger Christ bin ich zwar noch immer eine Minderheit in meiner Partei und in meiner Heimat in Thüringen. Aber aus einem einst distanzierten Verhältnis ist inzwischen oft ein gutes Miteinander geworden – und zwar auf beiden Seiten, der Partei und vielen Gläubigen.‹«
Wir trauern um unseren Autor Klaus Steinitz

Wir trauern zusammen mit seiner Familie und Freunden um unseren langjährigen Autor Klaus Steinitz (12.11.1932–7.10.2026), der kurz vor seinem 94. Geburtstag in Berlin verstorben ist. Auch der VSA: Verlag partizipierte von seiner Aufarbeitung der Sozialismus-Erfahrungen und seinen Überlegungen für einen zukunftsfähigen Sozialismus im 21. Jahrhundert. Er hat etliche Bücher im Verlag veröffentlicht. Die Redaktion der Zeitschrift Sozialismus.de hatte bereits anlässlich seines 90. Geburtstags wichtige Stationen seines Lebenswegs nachgezeichnet und sein politisches Engagement gewürdigt. Dieser Beitrag wurde nach seinem Ableben erneut zugänglich gemacht. Wir verweisen an dieser Stelle darauf.
Paul Singers »Solidarische Ökonomie«
Im Juli 2021 verabschiedete der Stadtrat von São Paulo ein »Gesetz der solidarischen Ökonomie Paul-Singer« und im Dezember 2024 unterzeichnete Brasiliens Präsident Lula da Silva ein Gesetz zur Schaffung der Nationalen Politik der Solidarischen Ökonomie. Beides macht deutlich, dass der Ansatz des 2018 verstorbenen Ökonomen und Sozialisten noch immer praktische Wirkungen hat. Eines seiner letzten Bücher ist nun mit dem Titel »Eine militante Utopie. Den Sozialismus neu denken: Solidarische Ökonomie gegen den Neoliberalismus« in deutscher Übersetzung erschienen. In vier Teilen entwickelt Singer den Unterschied zwischen sozialer und politischer Revolution, um den zeitgenössischen Kapitalismus zu verstehen und Perspektiven insbesondere einen »demokratischen Sozialismus, von unten und freiheitlich« aufzuzeigen – mit vor allem genossenschaftlicher Selbstorganisation der Beschäftigten, Nachhaltigkeit und Teilhabe für alle gesellschaftlichen Gruppen. Michael Löwy schreibt im Vorwort: »Paul Singer war einer der bedeutendsten Denker des demokratischen Sozialismus unserer Zeit. [...] Die Übersetzung dieses Buches in die Sprache Goethes und Marx‘ ist [...] sehr zeitgemäß.«
Freerk Huisken zu »Schule, die 5. Gewalt« auf YouTube
Am 26.6. war Freerk Huisken zu Gast bei Ole Nymoen und sprach mit ihm zwei Stunden lang über sein Buch »Schule, die 5. Gewalt«, anschau- und anhörbar auf YouTube. Der Mitschnitt wurde mehr als 7.500 mal aufgerufen. Zwei knappe Zitate aus den zahlreichen Kommentaren: »Tolles Gespräch, schön verständlich für jedermann auf den Punkt gebracht.« Und: »Ich glaube, Ole ist zu Gast bei Freerk.«
Berlin: l(i)ebenswert und innovativ?
Für manche Menschen in Berlin sind eher Alpträume Realität: So die Miete nicht mehr bezahlen zu können oder keine Wohnung zu finden, denn die Wohnungsnot ist Problem Nr. 1 in der Stadt. Kaum weniger quälend ist der Alptraum, dass die Kinder scheitern: Schulversagen, Drogen, Depression. Oder der Alptraum, im Alter und bei Krankheit arm zu werden. Der Alptraum, entlassen zu werden und keine Arbeit mehr zu finden. Der Alptraum, mit Gewalt konfrontiert zu werden. All dies thematisieren Ulrich Bochum, Jeffrey Butler, Klaus Kohlmeyer und Stephanie Odenwald auch mit Blick auf die im Herbst anstehenden Wahlen. Zugleich machen sie deutlich, dass Berlin noch immer eine Stadt reich an Kultur, liebenswert und widerständig ist. Letzteres kommt vor allem aus Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Genossenschaften und Vereinen. Ihr Bürgerengagement bewirkt, dass gegen Missstände protestiert wird. Das Plädoyer der Autor*innen lautet: Für alle Bereiche des Stadtlebens, um die es in diesem Buch geht, muss Allgemeinwohl Vorrang haben. Berlin gehört den Menschen, die hier leben und arbeiten. Um ihre Vielfalt und ihr widerständiges Engagement geht es ebenfalls.
Spenden
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