Aufruf der Initiative Europa neu begründen!

Zeitschriften

Hintergründe des »Flüchtlingsdramas«, Griechenland und ein SPD-»Impulspapier«, Jugendarbetslosigkeit und die »Lagerbildung im DGB« sind ebenso Themen von Heft 9-2015 wie »Militaristen und Internationalisten in der Geschichte« sowie eine Würdigung des verstorbenen Egon Bahr.

Heft 2-2015 zum Thema »Das bißchen Bildung...« ist noch im Druck, aber schon im Netz: www.zeitschrift-luxemburg.de

Inzwischen als Netz-Zeitschrift: www.prager-fruehling-magazin.de.

Socialist Register

Wie verändern sich die Klassenbeziehungen weltweit? Wie organisieren sich Lohnabhängige im Betrieb und vor Ort? Was prägt ihre Lebensverhältnisse? Antworten im Socialist Register 2015.

»Es ist nicht egal, wer regiert«

Foto: Candy Welz, Weimar

hat der erste LINKE Ministerpräsident in einem Bundesland, Bodo Ramelow, seinen Beitrag in dem Band Mit LINKS regieren? getitelt und damit zugleich die Frage beantwortet. Aber wie regiert es sich in Thüringen mit links? Und wie kam es zu diesem Bündnis? Welche Chancen bietet die Koalition und welche Risiken? Was heißt Regieren im Alltag? Gelingt es der LINKEN, auch in Regierungspraxis transformatorische und sozialistische Perspektiven umzusetzen? Und welche Folgen hat das alles auf die Politik im Bund? Diese Fragen beantworten die Herausgeberin Susanne Hennig-Wellsow (DIE LINKE Thüringen), Andreas Bausewein (SPD Thüringen), Stefanie Erben (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen) sowie weitere AutorInnen (u.a. Katja Kipping/Bernd Riexinger, Tom Strohschneider, Janine Wissler, Stefan Wogawa, Gaby Zimmer, Thomas Falkner, Horst Kahrs, Benjamin Immanuel Hoff). Der Band wird am Sonntag, den 13.9. von Bodo Ramelow und Susanne Hennig-Wellsow um 16:00 Uhr in Erfurt (RedRoXX, Pilse 29) vorgestellt.

Kommt der Mindestlohn überall an?

Diese Frage hat der Journalist Ulrich Jonas an Beschäftigte, Arbeitgeber und Betriebsräte aus verschiedenen Branchen und Regionen gestellt und ihre Antworten zu ersten Erfahrungen mit dem gesetzlichen Mindestlohn, aber auch mit Branchenmindestlöhnen, aufgeschrieben. Zu Wort kommen Menschen, die vom Mindestlohn profitieren, aber auch solche, die von den Arbeitgebern um ihren Anspruch geprellt werden. Die HerausgeberInnen Stefan Körzell und Claudia Falk sowie Claudia Weinkopf und Thorsten Schulten geben Antworten auf weitere Fragen: Wie funktionieren die Kontrollen beim gesetzlichen Mindestlohn? Welche Effekte hat der Mindestlohn auf den Arbeitsmarkt und die Binnenkonjunktur, wo muss noch nachgebessert werden? Das Buch wird am 15.9. um 9:30 Uhr auf einer Pressekonkonferenz im RAMADA Hotel, Berlin-Alexanderplatz vorgestellt. Anschließend diskutieren ab 10:30 Uhr im Rahmen einer gleichnamigen Veranstaltung über die Zwischenbilanz der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes u.a. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, Beschäftigte, die vom Mindestlohn profitieren, die Autorinnen und Autoren sowie Michael Pipper (NGG Konzernbetriebsrat Westfleisch), Axel Osmenda (Hauptzollamt Berlin), Katja Mast (SPD-MdB), Peter Weis (CDU-MdB), Brigitte Pothmer (Bündnis 90/Die Grünen MdB), Klaus Ernst (DIE LINKE-MdB), Max Straubinger (CSU-MdB).

Bankenrettung in St. Georg

Die FilmemacherInnen Leslie Franke und Herdolor Lorenz stellten in Hamburg-St. Georg zusammen mit der Ko-Herausgeberin Gabriele Koppel zum DVD-Start von »Wer rettet Wen?« das Buch zum Film vor. Marina Friedt vom Stadtteil-Portal war dabei: »Seit 2012 recherchierten die Dokumentarfilmer zur Finanzkrise. Ausgangspunkt war, dass Nachrichten in Radio und Fernsehen über die Finanzkrise dem Zuhörer zum großen Teil unverständlich blieben. Keiner verstand bzw. viele versehen auch heute noch nicht, dass mit sogenannten Rettungsschirmen und Hilfspaketen nicht Menschen oder Länder gerettet werden, sondern allein die Banken und Hedgefonds. Die Filmemacher begaben sich auf die Recherche, um herauszufinden, wo die Ursachen dafür liegen und was der Verbraucher tun kann, das ist ihr Antrieb, ihre Motivation.« Seit der Film-Premiere am 11. Februar 2015 in 230 europäischen Städten lief die Dokumentation mehr als 700-mal. Weitere Aufführungen findet ihr hier. Ist eure Stadt nicht dabei, organisiert selbst eine Vorführung.

Bücher für ein linkes Mosaik

In Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung erscheinen im September drei neue Bücher. Mimmo Porcaro ist Mitglied und Vordenker der italie­nischen Partei Rifondazione Comunista. Seit Jahrzehnten sammelt er als organischer Intellektueller in der kommunistischen Tradition Erfahrungen in Staatsapparaten und Partei-Bewegungen Italiens, die er in sein frisch übersetztes Buch hat einfließen lassen: Tendenzen des Sozialismus im 21. Jahrhundert.

Judith Vey liefert mit Gegen-hegemoniale Perspektiven einen empirischen und theoretischen Beitrag zu einer hegemonietheoretisch inspirierten Bewegungsforschung. Anknüpfend an den Hegemonieansatz von Antonio Gramsci und dessen poststrukturalistische Wendung durch Ernesto Laclau und Chantal Mouffe analysiert die Autorin die Proteste, die sich in Deutschland direkt im Anschluss an die Krise auf den globalen Finanzmärkten Ende 2008 formierten.

In der Reihe Crashkurs Kommune zeigt Frank Kuschel, was Haushalten mit links bedeutet: nämlich überall um Prioritätensetzungen und damit auch um (Wieder-)Erlangung von Handlungsspielräumen zu streiten. Der Kommunal- und Verwaltungsrechtler macht kommunalpolitisch Aktive mit den Entscheidungsebenen und dem lokalen Haushaltsrecht vertraut, um diese Handlungsspielräume zu erkennen und zu nutzen.

Egon Bahr ist tot

Am 20. August verstarb im Alter von 93 Jahren in Berlin Egon Bahr. Der Architekt der sozialliberalen Ostpolitik und Vordenker der Politik der »Gemeinsamen Sicherheit« hatte anlässlich seines 90. Geburtstages im VSA: Verlag Erinnerungen und Aufzeichnungen zu persönlichen und politischen Wegstrecken und Weichenstellungen zugänglich gemacht. Die FAZ bezeichnete das von Dietlind Klemm herausgegebene und bearbeitete Buch Ostwärts und nichts vergessen! Koooperation statt Konfrontation als »pointierte und schnörkellose Bilanz«. Wir trauern mit seiner Frau Adelheid um einen engagierten Autor und zugleich um einen unkonventionellen Linken innerhalb der deutschen Sozialdemokratie.

Glückwunsch zum 90. Geburtstag

Mikis Theodorakis wurde am 29. Juli 1925 auf der Insel Chios geboren. Wir gratulieren dem Musiker, Komponisten und Freiheitskämpfer herzlichst zu seinem 90. Geburtstag. Schon während der Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg schloss sich der junge Theodorakis dem Widerstand an. Im griechischen Bürgerkrieg kämpfte er auf der Seite der Kommunisten und Republikaner und 1967 leistete er aus dem Untergrund Widerstand gegen die Militärdiktatur. Nach einem Treffen mit Alexis Tsipras resümiert er im Interview mit Hansgeorg Hermann für die »junge Welt«: »Der letzte Widerstandskämpfer bin nun ich. Leider einer, der nicht mehr jung ist.« Seine wichtigste Waffe mag dabei die Musik sein. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Vertonung von Pablo Nerudas Lateinamerika-Ballade Canto General, von der Anfang des Jahres eine aktuelle Einspielung mit Julia Schilinski und Sergio Cattaneo erschien. Besonders empfehlen möchten wir auch die Hommage Mikis Theodorakis – ein Leben für die Freiheit, eingespielt von unserem Nachbar in St. Georg, dem Schauspieler und Rezitator Rolf Becker, zusammen mit ebenfalls Julia Schilinski und dem Pianisten Gerhard Folkerts.

Eine ganz andere Universität denken

In die Kritik an der Bologna-Reform reihen sich nun auch Industrie- und Arbeitgeberverbände ein. Dabei waren es maßgeblich ihre Forderungen nach einer gestrafften, arbeitsmarktnahen Hochschulausbildung, die die neoliberale Zurichtung der Bildung durch Bachelor und Master in Gang gesetzt hatten. Jetzt reklamieren sie, »Studenten mit Bachelor-Abschluss seien nach ihren in der Regel drei Jahren an einer Hochschule zu schlecht auf die Arbeitswelt vorbereitet, zu jung und unerfahren, die Zahl der Abbrecher sei zu hoch« (FAZ vom 17.5.). Jenseits dieser »Bedarfe der Wirtschaft« formuliert unser Autor Alex Demirović fundamentale Einwände gegen die Bildungsreformen. Sie betreffen die drastischen Konsequenzen der »Verwettbewerblichung« der Bildungsinstitutionen: nicht nur für Studierende und die Verfasstheit der Hochschulen, sondern für die wissenschaftliche Erkenntnisproduktion selbst. Sein neues Buch Wissenschaft oder Dummheit? Über die Zerstörung der Rationalität in den Bildungsinstitutionen lässt erahnen, wie wir »eine ganz andere Universität« denken könnten. Druckfrisch, sehr begehrt, aber noch lieferbar!

Das Original und problematische Kopien

Johannes Schillo und seine Ko-Autoren konstatieren, dass heute vom Kapitalismus wieder allenthalben die Rede ist. Aufgeschreckte Zeitgenossen meinen damit ein »Monster des ungezügelten Egoismus« (Frank Schirrmacher), eine »rücksichtslose Ungleichheitsmaschine« (Thomas Piketty) oder eine Ansammlung von »Konsum- und Geldgier« (Papst Franziskus). Andererseits wird behauptet: Die Marxsche Erklärung des Kapitalismus reiche nicht aus, um das heutige Wirtschaftsleben zu erfassen, geschweige denn, es zu verbessern. Diesem neuerlichen Abgesang auf Marx wollen die Autoren entgegentreten. Sie bestehen auf der Aktualität der Marxschen Theorie: Mit ihr kann das Wirken des Kapitals im 19., 20. und auch im 21. Jahrhundert erklärt werden. Also: Zurück zum Original!

Basiswissen für den Klassenkampf

liefert Ralf Krämers neues Buch. Im Interview mit dem Online-Portal »Die Freiheitsliebe« erklärt der Autor, weshalb es unbedingt nötig ist, den Kapitalismus in seinen konkreten Ausprägungen zu betrachten: »Der Kapitalismus verändert sich ständig, und gerade mit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 und der Euro-Krise sind viele neue Entwicklungen zutage getreten«. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, empfiehlt der Sozialwissenschaftler und ver.di-Sekretär: »Man muss sich schon die unterschiedlichen Bedingungen und Kräfteverhältnisse in den einzelnen Ländern und Zeiträumen genauer angucken, wenn man verstehen will, was real abläuft. Und das ist wiederum die Bedingung dafür, realistische Alternativen erkennen und möglichst sinnvoll und wirksam politisch eingreifen zu können«. Er wendet sich vor allem an politisch und gewerkschaftlich Aktive: »Mir ging es darum, nicht nur zu vermitteln, dass und wieso der Kapitalismus schlecht ist, sondern Verständnis und Argumentationsfähigkeit zu den ökonomischen und politischen Prozessen im gegenwärtigen Kapitalismus zu stärken. Sozusagen Basiswissen für den alltäglichen ideologischen Klassenkampf.« Wie ihm das gelingt, ist nachzulesen in Kapitalismus verstehen.

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