Neue Zeitschriften-Ausgaben

Linke Herausforderungen angesichts des Rechtsrucks; Wie weiter mit Europa? Gesundheitssystem – Money talks; Forum Gewerkschaften und ein Supplement »Ist der Kapitalismus am Ende?«

LuXemburg 1/2017 Schwerpunktthema: »EINWANDERUNGSSCHLAND«. www.zeitschrift-luxemburg.de

Inzwischen als Netz-Zeitschrift: www.prager-fruehling-magazin.de.

Socialist Register

100 Jahre nach dem Oktober 1917 stellen die Herausgeber des Socialist Register 2017 die Frage, was »Revolution« im 21. Jahrhundert bedeutet.

Rechtsruck

Die Unruhe darüber, wie es nach der Bundestagswahl in diesem Land weitergehen wird, ist bei vielen in Gesellschaftskritik und -veränderung Engagierten groß. Wir verweisen auf die Analyse der möglichen politischen Folgen des Wahlergebnisses in dem Beitrag Die ›Berliner Republik‹ rückt nach rechts in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift Sozialismus. Inbesondere, dass die rechtspopulistische AfD mit 12,5% drittstärkste Kraft wurde und mit 92 Abgeordneten in Zukunft ihre Provokationen von den Sitzen des Bundestags aus verbreiten kann, hat bei vielen große Besorgnis hervorgerufen. Wir teilen diese Sorgen und denken – wie der Chefredakteur des neuen deutschland, Tom Strohschneider – dass es nicht bei »Demonstrationen am Wahlabend« bleiben darf, sondern Analysen und Aufklärung benötigt werden. Wir arbeiten weiter daran (siehe unten).

Zäsur und Schockstarre nach der Wahl?

Zu Recht wird das Wahlergebnis als Zäsur betrachtet, das eine Schockstarre im linken Spektrum ausgelöst hat. Sicherlich hat Heribert Prantl Recht damit, dass das Bild einer »vorübergehenden Gewitterwolke nicht stimmt«. Deshalb werden wir die Aufklärung mit Büchern über Hintergründe und Ziele der Rechtspopulisten nicht nur hierzulande (siehe zuletzt etwa Neue soziale Bewegung von rechts? und Europas Rechte) fortsetzen.

Ende Oktober/Anfang November erscheint das von Björn Allmendinger (Heimvolkshochschule Hustedt), Joachim Fährmann (IG Metall Wolfsburg) und Klaudia Tietze (Verein »Mach meinen Kumpel nicht an!«) herausgegebene Buch Von Biedermännern und Brandstiftern. Rechtspopulismus in Betrieb und Gesellschaft. Für das Frühjahr bereiten wir zudem den Band Bollwerk Nation? Gegen die rechtspopulistische Zerstörung Europas vor.

Verteilung & Soziale Ungleichheit

Die Verteilungs-Frage war eines der im Wahlkampf nur unzureichend behandelten Themen, obwohl soziale Benachteilung mit Sicherheit einer der Faktoren war, die das Wahlergebnis mitbestimmt haben. Wer mittel- und langfristig die Kräfteverhältnisse im Land wieder verändern will, kann sich damit – und mit der daraus entstehenden sozialen Ungleichheit – nicht abfinden. Das neue Buch von Stephan Krüger enthält umfassende Analysen und Daten zur Sozialen Ungleichheit. Der Autor untersucht die marktgesteuerte Umverteilung über den Kredit und die private Vermögensbildung ebenso wie die Umverteilungsprozesse über den Sozialstaat. Darüber hinaus entwickelt er ein wirtschafts- und sozialpolitisches Instrumentarium für die Eroberung der Hegemonie durch die Linke.

»Karl-Marx-Stadt Hamburg«

So übertitelte das »Hamburger Abendblatt« ein Interview mit unserem Autor Jürgen Bönig zu dessen neuem Buch. Manche fanden das etwas übertrieben. Nicht so die Besucherinnen und Besucher, die der Einladung der Linksfraktion in der Bürgerschaft in den überfüllten »Kaisersaal« des ehrwürdigen Hamburger Rathauses gefolgt und über viele neue Erkenntnisse erstaunt waren, die der Autor aus seinem Buch Karl Marx in Hamburg präsentierte. Und auch nicht das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL«, in dem sich Barbara Supp unter der Überschrift »Dieses Saubuch« mit Jürgen Bönig als Reisebegleiter auf die Spuren von Karl Marx und seines »wirkmächtigen« Hauptwerks in Hamburg begab.

Hamburgs Liebeserklärung an den Film

Es ist Herbst, die Jahreszeit, um sich in Filme zu vertiefen. Da kommt das Filmfest Hamburg (5. bis 14. Oktober) gerade recht, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. Den während des Filmfests verliehenen Douglas-Sirk-Preises erhält diesmal Wim Wenders, der vor genau 40 Jahren hier »Der amerikanische Freund« drehte und der Stadt Hamburg darin eine Liebeserklärung machte. »Was ist verkehrt an einem Cowboy in Hamburg?« hat Michael Töteberg in seiner Filmstadt Hamburg das Kapitel über Wenders (und Hark Bohm) genannt und beantwortet diese Frage ebenso profund, unterhaltsam und bildgewaltig wie die fruchtbare Beziehung zwischen Hamburg und Film im gesamten Buch. Also einfach mal reinschauen. Reinschauen sollte man auch in die Rubrik »Veto!« des Filmfests, in der politische, meinungsstarke Filme gezeigt werden, die sich den düsteren Zeiten mit klaren Botschaften entgegenstellen.

Wo Sorge-Arbeiter_innen selbst zu Wort kommen

Die Arbeitskämpfe in Kindertagesstätten und Krankenhäusern haben mit neuen engagierten Strategien für Furore gesorgt. Sie werfen zugleich Schlaglichter auf unzumutbare Arbeitsbedingungen auch in der Altenpflege und Behindertenbetreuung. »Sorge-Arbeit«, dominant von Frauen getragen, ist damit endlich zu einem Konfliktfeld in der Auseinandersetzung mit dem neoliberalen Umbau von Staat und Wirtschaft geworden. »Sorge-Kämpfe« reflektieren hohe arbeitsinhaltliche Interessen der Beschäftigten und verweisen auf grundlegende Veränderungen der Geschlechterarrangements. Es werden in ihnen Ansätze einer alternativen, emanzipatorischen Entwicklung sichtbar. In dem Buch Sorge-Kämpfe werden diese Entwicklungstendenzen unter die Lupe genommen. Und: Die Sorge-Arbeiter_innen kommen in ihm selbst zu Wort.

Privat oder Kasse?

Auch andere auf den Nägeln brennende Themen haben VSA: AutorInnen bewegt, ihre Bewertungen, Analysen und Alternativen zur Diskussion zu stellen. So hat sich Hartmut Reiners das Gesundheitssystem vorgenommen und fragt Privat oder Kasse? Seine Antwort ist eindeutig: Aus guten Gründen sollte es nicht dem Markt allein überlassen werden. Sein Text ist ein gut verständliches alternatives Lehrbuch über die Konstruktionsmängel und die notwendigen Reformen des deutschen Gesundheitssystems.

Braucht die Welt den Finanzsektor?

Für Mohssen Massarrat ist der gegenwärtige Finanzsektor für die wachsende Einkommensungleichheit und viele anderen Miseren in der Welt maßgeblich verantwortlich. Deshalb fragt er in seinem neuen Buch: Hat er überhaupt positive Funktionen für die Menschheit? Und er zeigt Auswege auf: Wie kann der Finanzmarktkapitalismus überwunden werden, welche Voraussetzungen müssen postkapitalistische Verhältnisse erfüllen, damit sie den kapitalistischen eindeutig überlegen sind, und welche Wege bieten sich für gewaltfreie Veränderungen an? Die Antworten sind spannend.

Die Tücken des Privateigentums

Nichts scheint so unverrückbar in dieser Gesellschaft wie das Privateigentum. Ein Nachdenken über Alternativen ist mit weitgehenden Tabus belegt. Das Ausbleiben einer Diskussion ist aber nicht nur aufgrund der wenig durchsetzungsstarken Kritiker des Privateigentums so beständig. Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai analysiert in Die Tücken des Privateigentums, welche psychologischen Muster es in dieser Gesellschaft gibt, die Alternativen zum privaten Eigentum erschweren. Der Autor lädt ein, diese Denkblockaden abzulegen und auszuloten, mit welchen alternativen Eigentumsformen sie überwunden werden können.

Feindbild Islam

Seit den Anschlägen vom 1. September 2001 sehen sich Muslime in Deutschland zunehmend einem Generalverdacht ausgesetzt, dessen rassistischer Unterton sich längst in den Institutionen etabliert hat. Unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes werden offen demokratische Grundrechte muslimischer Mitbürger beschnitten, während auf der Straße die Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber stetig wächst. Der Menschenrechtsanwalt Eberhard Schultz untersucht in seinem Buch Feindbild Islam und institutioneller Rassismus anhand eigener Erfahrungen die Ursachen, Kontinuitäten und Ausdrucksformen des institutionellen Rassismus hierzulande.

Israel als Zankapfel und Zufluchtsland

Theodor Bergmanns internationalistische Position zum Nahostkonflikt ist zu seinem linken Vermächtnis geworden. Mit der Neuauflage seines Buches über Israel, zu dem der Autor kurz vor seinem Tod im Juni noch ein aktuelles Vorwort beisteuerte, wollte der Sohn eines Rabbiners, der nach seiner Emigration 1933 zwei Jahre in einem Kibbuz lebte, zur Versachlichung der Israel-Debatte gerade unter Linken beitragen. Sein Anliegen ist aktuell, wie zuletzt beim Berliner Pop-Kultur Festival die Diskussion um Israel-Boykottaktionen zeigte – aber auch die gefährliche Rechtsentwicklung in dem Land selbst.

Israel als Zufluchtsland konnte Marion Baruch nicht mehr erreichen: Die 17-jährige Hamburgerin schenkte ihrer Schwester Helga zur Hochzeit 1936 ein selbstgestaltetes Buch – kurz vor der Auswanderung des jungen Ehepaars nach Palästina. Sie selbst wurde mit ihrem Vater 1941 nach Minsk deportiert, wo beide im Getto zu Tode kamen. Nur die Schwester Helga überlebte in Israel und bewahrte Marions Buch auf. Die Zeichnungen und erläuternden Texte zu diesem besonderen Lebensdokument eröffnen neue Zugänge zur Geschichte der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Donald Trump macht Ernst

Der US-Präsident, der sich während des G20-Gipfels noch geschmeidig gab, verschärft weiter seinen Kurs. Sein neuer Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hat jetzt angekündigt, »drastische Maßnahmen« zu ergreifen, um weitere Enthüllungen über die Regierung zu verhindern. Die FAZ berichtet, dass er gegenüber den Nachrichtensendern Fox und CBS damit gedroht habe, Mitarbeiter des Weißen Hauses, die mit Journalisten »nicht-autorisierte« Gespräch führen, »werden entlassen«. Was der neue US-Präsident sonst noch so alles plant, stellt Joachim Bischoff in der Flugschrift Donald Trump – ein Präsident mit Risiko. Die USA zwischen Niedergang der Demokratie und dem Umsturz der Weltordnung dar.

Die großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts

Während das Erscheinen von Karl Marx’ »Das Kapital« vor 150 Jahren die »Leitmedien« bewegt (wir kommen unten noch einmal darauf zurück), wird der 100. Jahrestag der Russischen Revolutionen erst verhalten behandelt. Ganz zu Unrecht, wie Frank Deppe in seinem neuesten Buch 1917 | 2017. Revolution und Gegenrevolution deutlich macht. Denn diese Umwälzungen beeinflusste ein ganzes Jahrhundert. Die Ausstrahlung der Oktoberrevolution hatte Rückwirkungen auf die ganze Welt, prägte nachfolgende Revolutionen und Konterrevolutionen im Kalten Krieg und auch danach. Was folgte war »kein linearer – ein für allemal festgeschriebener – Prozess, sondern ein Terrain von permanenten Auseinandersetzungen, der Veränderung von Kräfteverhältnissen, von Lernprozessen wie von verbrecherischen Gewaltexzessen«.

Revolutionen gegen »Das Kapital«

Wie aber hängen Kapitalismusanalyse und die diversen sozialistischen Praktiken seit dem Erscheinen des »Kapital« bis in die Gegenwart zusammen? Wer heute die Gegenwart verstehen und zur Entwicklung eines neuen sozialistischen Projektes beitragen will, muss auch die Geschichte der verschiedenen sozialistischen Bewegungen und TheoretikerInnen (von Karl Kutsky über Lenin und Rosa Luxemburg bis hin zum »Marxismus der ›Dritten Welt‹«) in Rechnung stellen. Dieser Thematik wenden sich die Autorinnen und Autoren des von Ingo Schmidt herausgegebenen Bandes Das Kapital @150, Russische Revolution @100. »Das Kapital« und die Revolutionen gegen »Das Kapital« zu.

Vom Kapital lernen?

»Spätestens seit der Finanzkrise ist Karl Marx so beliebt wie noch nie. Auf einmal finden ihn alle toll – auch die Reichen. Warum gibt es dann keine Revolution?« untertitelte die Süddeutsche Zeitung eine achtseitige Sonderbeilage ihrer Volontäre Anfang Juli und richtete ein Dossier »150 Jahre Das Kapital« auf ihrer Website ein. Allerdings bleibt nicht nur diese Frage unbeantwortet. Unsere Autoren Joachim Bischoff, Fritz Fiehler, Stephan Krüger und Christoph Lieber wollen wissen: Lässt sich die Wirklichkeit von heute mit Marx’schen Begriffen noch verstehen? Ihre Antwort lautet eindeutig Ja!: Vom Kapital lernen!

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