Neue Zeitschriften-Ausgaben

Britain last, America first? Rechtspopulisten unter Druck? Die Übernahme von Opel/Vauxhall durch PSA, Solo-Selbständigkeit – Zukunft der Beschäftigung!? u.v.a.m.

LuXemburg 3/2016 Schwerpunktthema: »EINSTÜRZENDE ÜBERBAUTEN«. www.zeitschrift-luxemburg.de

Inzwischen als Netz-Zeitschrift: www.prager-fruehling-magazin.de.

Socialist Register

100 Jahre nach dem Oktober 1917 stellen die Herausgeber des Socialist Register 2017 die Frage, was »Revolution« im 21. Jahrhundert bedeutet.

Sicherheitszonen und Gegen-Argumente

»Der Staat und die Macht setzen sich zusammen aus einem elementaren, undurchdringbaren Kern und aus einem ›Rest‹.« Der von Nicos Poulantzas (siehe weiter unten) so bezeichnete »Kern« findet sich im Juli im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg ein, der bereits jetzt, ebenso wie der nun auch im Norden Einzug haltende Frühling, in der Stadt seine Spuren hinterlässt.

Wir sind froh, dass des »Kerns« undurchdringbare Sicherheitszonen nicht bis zum VSA: Verlag reichen – auch wenn der eine oder andere Arbeitsweg von VSA: KollegInnen beeinträchtigt sein könnte. Wir als »Rest« arbeiten trotz aller Hindernisse daran, den Geist mit neu erschienenen Büchern kritisch zu schulen.

Während sich also die Staatsmacht mit dem Erlass von Verbotszonen und der Schaffung von Aushilfsgefängnissen auf das Großereignis im Juli in der Hansestadt einstimmt, bereiten sich die Gipfelgegner mit Argumenten auf die Veranstaltungen und Kongresse vor, die den Gipfel begleiten werden. Hilfreich dafür könnten ebenfalls zwei Neuerscheinungen aus dem Verlag sein: der AttacBasisText Friede, Freude, Freihandel, in dem Christian Christen, Thomas Eberhardt-Köster und Roland Süß die ökonomische Begründung der Freihandelsideologie hinterfragen und zugleich Argumente für eine ökologische und solidarische Weltwirtschaftsordnung entwickeln. Und die von Helmut Scholz herausgegebene Flugschrift Handel(n) von links, in der AutorInnen Konzepte verschiedener linker Parteien und Nichtregierungsorganisationen für eine neue europäische Handelspolitik vorstellen und damit die Debatte um alternativen und fairen Handel beleben wollen.

Messe-Rückschau

Gedränge am Stand, begehrte Probehefte und gute Resonanz: Der VSA: Verlag war auch in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse vertreten und hat in einer Ausstellung sowie auf diversen Veranstaltungen gemeinsam mit zahlreichen Autorinnen und Autoren neue Bücher vorgestellt. Mit dabei waren Gesine Schwan und Axel Troost, Anja Flach, Holger Politt, Dieter Janke, Helmut Scholz und Joachim Schuster, Jörg Meyer und Katrin Reimann sowie Friedrich Steinfeld. Einige fotografische Impressionen gibt es hier.

Bernhard Nette: Vom Gestapo-Täter zum »Mitläufer«

Der Gestapobeamte und »Judenreferent« Bruno Nette organisierte im Zweiten Weltkrieg die Deportationen der von den Nazis als jüdisch klassifizierten Menschen aus Bremen und dem Regierungsbezirk Stade. Am 29. April 1945 wurde er von den Briten verhaftet. Sein Enkel Bernhard Nette ist der Geschichte dieses NS-Täters nachgegangen, der sich nach 1945 – weitgehend erfolgreich – zu entlasten bemühte. In Bremen wird sein Buch »Vergesst ja Nette nicht« nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: am Mittwoch, 5. April, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Am Wall 201. Weitere Veranstaltungen in Bremen und Hamburg folgen, zuerst am Donnerstag, 4. Mai (Beginn 18.00 Uhr), eine Buchvorstellung in Kooperation mit der GEW Hamburg im Hamburger Curio Haus (hinteres Gebäude, Raum Gewerkschaftliches Bildungswerk), und am Donnerstag, 11. Mai 2017 (Beginn 19:00 Uhr), eine Lesung im KulturForum Serrahn, Serrahnstraße 1 (S-Bahnhof Bergedorf), zusammen mit der Sachsentor-Buchhandlung. Auch im Rahmen des Programms zur Einweihung des Gedenkorts »denk.mal Hannoverscher Bahnhof« in Hamburg wird der Autor das Buch vorstellen: am Montag, 15. Mai, 19:00 Uhr, moderiert von Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien.

Die Arbeit mit Poulantzas kann weitergehen

Nicos Poulantzas Staatstheorie ist ab sofort wieder lieferbar. Damit steht einem gründlichen Studium seines marxistischen Grundlagentextes nichts mehr im Wege. Neue Hilfestellungen dafür können wir ebenfalls anbieten. Denn soeben ist auch der von Tobias Boos, Hanna Lichtenberger und Armin Puller herausgegebene Band Mit Poulantzas arbeiten ... um aktuelle Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen erschienen. Wem das noch nicht reicht, der greife zusätzlich zu Poulantzas lesen, herausgegeben von Lars Bretthauer, Alexander Gallas, John Kannankulam und Ingo Stützle oder zur Einzelstudie von John Kannankulam Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus.

Keine halben Sachen: Demokratie gehört allen!

Nicht nur Poulantzas plädierte für die Erweiterung basisdemokratischer Strukturen. Schon im Grundgesetz heißt es: »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.« Dem kommt die Wahlbevölkerung hierzulande wieder am 24. September im gewohnten Vier-Jahres-Zyklus nach. Doch enspricht die Demokratie in Deutschland oder auch auf der Ebene der Europäischen Union diesem basisdemokratischen Ideal? Wie schillernd der Begriff der Demokratie ist, welche Gefahren sich aus einer »Hinterzimmerpolitik« ergeben und wie Demokratie emanzipativ ausgelegt werden kann, verdeutlicht Andreas Fisahn in dem neuen AttacBasisText Hinter verschlossenen Türen: Halbierte Demokratie.

Privat oder Kasse?

Und da wir schon dabei sind: Natürlich spielt auch das Thema Gesundheitsversorgung im anziehenden Bundestagswahlkampf wieder eine zentrale Rolle, wird der Mythos, dass die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt die soziale Krankenversicherung für alle BürgerInnen unbezahlbar machen, erneut belebt. Demgegenüber bringt Hartmut Reiners in seinem Buch Privat oder Kasse? Politische Ökonomie des Gesundheitswesens Ordnung in die komplexe Welt der Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik Deutschland und fragt danach, welche Reformen von der Politik vorrangig angegangen werden müssen, um eine effiziente und gerechte Gesundheitsversorgung für alle BürgerInnen zu gewährleisten.

Lenin neu denken

Am 22. April wäre Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, 147 Jahre alt geworden. Zugegeben, kein runder Geburtstag, aber angesichts der Rolle, die Lenin in den beiden russischen Revolutionen vor 100 Jahren gespielt hat, Grund genug, danach zu fragen, ob man nicht auch Lenin neu denken muss. Michael Brie hat das getan – mit erstaunlichen Ergebnissen: Wer vom Stalinismus redet, darf vom Leninismus nicht schweigen, denn der Leninismus (nicht Lenin!) ist der Versuch, in unmenschlichen Zeiten mit ahumanen Mitteln humane, zutiefst sozialistische Ziele zu verfolgen. Ein Erbe, das die Linke weder uneingeschränkt annehmen, noch einfach ablehnen kann, sondern aus dem sie lernen muss. Michael Brie stellt sein Buch am 24.4. in Berlin vor.

Karl-Heinz Peters (1912-2017)

Unser ältester Autor, der Mitbegründer der Berliner Gropiusstadt und bis zuletzt aktiver Mitstreiter für eine Wohnungspolitik im Interesse der MieterInnen, ist am Montag, 13. März, im Alter von 105 Jahren verstorben. Noch im letzten Jahr hat er mit seinem Buch Von der Gemeinnützigkeit zum Profit über den Untergang der Gehag, eines ursprünglich beispielhaften Berliner Wohnungsunternehmens, sein Vermächtnis hinterlassen. Andrej Holm schreibt über ihn in seinem Vorwort zu diesem Buch: »Sein Engagement für den gemeinnützigen Wohnungsbau versteht Karl-Heinz Peters gerade nicht als Dienst für die Wohnungswirtschaft, sondern vor allem als Versuch, Menschen ein würdiges und bezahlbares Zuhause zu bieten. Tief verankert ist bei ihm die Überzeugung, das Wohnungen keine Waren sind, mit denen an Börsen spekuliert werden kann. Gemeinnütziger Wohnungsbau heißt vor allem, Wohnen als Menschenrecht anzusehen und es auch praktisch umzusetzen.« Wir werden in seinem Sinne weiterarbeiten.

8. März: Weltfrauentag ist jeden Tag!

»In einer Zeitung habe ich es nicht so mit der Frauenseite, die Themen gehören in die ganze Zeitung, in jeden Artikel.« Das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach gibt stellvertretend für alle elf Interviewten in der Flugschrift arbeiten & feminismus die Richtung vor. Im Gespräch mit dem Journalisten Jörg Meyer berichten Führungsfrauen aus Gewerkschaften, Politik und Wissenschaft, wie sie mit dem Feminismus in Berührung kamen, geschlechtsspezifische Diskriminierung erlebten und bis heute bekämpfen. Die biografisch geprägten Erzählungen von Christiane Benner (IG Metall), Monika Brandl (ver.di), Annelie Buntenbach (DGB), Elke Ferner (SPD), Barbara Fried (RLS), Edeltraud Glänzer (IG BCE), Elke Gündner-Ede (GdP), Katja Kipping (DIE LINKE), Ulrike Laux (IG BAU), Michaela Rosenberger (NGG) und Marlis Tepe (GEW) sowie das Nachwort von Christina Klenner (WSI) machen deutlich, dass der bevorstehende Internationale Frauentag kein symbolisches Zugeständnis, sondern zu Recht noch immer eine Aufforderung zum Handeln ist.

Nun doch noch der Grexit?

Wolfgang Schäuble spricht wieder über Griechenland. Das heißt nichts Gutes für das krisengeschüttelte Land, denn der deutsche Finanzminister möchte die Griechen immer noch aus der Eurozone haben. Der Ton ist zwar nicht mehr so scharf wie noch vor zwei Jahren, aber nach wie vor spielen handfeste Interessen und eine bestimmte politische Perspektive die Hauptrolle. Etienne Schneider zeigt in seinem neuen Buch Raus aus dem Euro – rein in die Abhängigkeit?, dass ein ganz anderer Ton und viele unterschiedliche Argumente nötig sind, um den Fall Griechenland zu lösen. Dabei hilft ein Blick in die Geschichte europäischer Reformbestrebungen (etwa unter François Mitterrand), um Möglichkeiten und Grenzen für eine Politik jenseits des neoliberalen Sparzwangs deutlich zu machen.

Arbeitsfähigkeit 4.0

Das deutsche WAI-Netzwerk setzt sich mit dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten auseinander. Es basiert auf dem »Work Ability Index« nach dem finnischen Arbeitsforscher Juhani Ilmarinen. Die Jahrestagung des Netzwerks fand vom 7. bis 9. März 2017 in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, statt und widmete sich der Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Anlässlich der Tagung ist soeben der Band Arbeitsfähigkeit 4.0. Eine gute Balance im Dialog gestalten erschienen. Das mit vielen praktischen Beispielen und theoretischen Grundlegungen gefüllte Buch wird herausgegeben von Marianne Giesert, Tobias Reuter und Anja Liebrich vom Institut für Arbeitsfähigkeit in Mainz, Netzwerk-Mitgliedern und Organisatoren der Jahrestagung.

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