Neue Zeitschriften-Ausgaben

Glanz & Elend des »Ja, aber-Konservatismus«; AfD im Bundestag?; die Linke & die Gewaltfrage; Südafrika; Polen; eine neue Textausgabe des »Kapital«; FORUM GEWERKSCHAFTEN u.v.a.m.

LuXemburg 1/2017 Schwerpunktthema: »EINWANDERUNGSSCHLAND«. www.zeitschrift-luxemburg.de

Inzwischen als Netz-Zeitschrift: www.prager-fruehling-magazin.de.

Socialist Register

100 Jahre nach dem Oktober 1917 stellen die Herausgeber des Socialist Register 2017 die Frage, was »Revolution« im 21. Jahrhundert bedeutet.

Karl Marx in Hamburg?

Karl Marx in Hamburg! Jetzt ist er da: Seit dem 6. September im Museum der Arbeit und zeitgleich als Buchveröffentlichung von Jürgen Bönig. Der Autor hat den reich illustrierten Band am 7. September vor 200 Besucherinnen und Besuchern im Kaisersaal (!) des Hamburger Rathauses vorgestellt, das Hamburger Abendblatt mit ihm ein Interview geführt, das es mit »Karl-Marx-Stadt Hamburg« überschrieb, ebenso der NDR-Radio-Sender 90,3. Barbara Supp hat sich im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in der Ausgabe 39 vom 23.9. (Seite 72-79) gemeinsam mit »Reiseleiter« Jürgen Bönig auf die Spuren von Orten begeben, die Marx in Hamburg aufgesucht hat. Karl Marx-Stadt-Hamburg ist also nicht zu hoch gegriffen!

Langweiliger Wahlkampf?

Selbst kurz vor der Bundestagswahl erscheint der Wahlkampf noch immer vielen als langweilig – die Probleme des Landes sind es nicht. So hat gerade das Statistische Bundesamt bedrückende Zahlen veröffentlicht: Die Armutsgefährdungsquote ist in Baden-Württemberg mit 11,9% am niedrigsten, in Bremen mit 22,6% am höchsten, im Durchschnitt liegt das Armutsrisiko in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) bei 18,4%, im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) bei 15,0% der Bevölkerung. Weniger statistisch ausgedrückt: Für jeden/r fünfte bis sechste Bürger/in dieses Landes ist Armut eine reale Bedrohung. Deshalb sind auch unsere Bücher zu diesem Thema alles andere als langweilig: Joachim Rock, Störfaktor Armut und Klaus Wicher (Hrsg.), Altersarmut: Schicksal ohne Ausweg? Eine polit-ökonomische Gesamtschau liefert Stephan Krüger in Soziale Ungleichheit. Private Vermögensbildung, sozialstaatliche Umverteilung und Klassenstruktur.

Privat oder Kasse?

Auch andere auf den Nägeln brennende Themen haben VSA: AutorInnen bewegt, ihre Bewertungen, Analysen und Alternativen zur Diskussion zu stellen. So hat sich Hartmut Reiners das Gesundheitssystem vorgenommen und fragt Privat oder Kasse? Seine Antwort ist eindeutig: Aus guten Gründen sollte es nicht dem Markt allein überlassen werden. Sein Text ist ein gut verständliches alternatives Lehrbuch über die Konstruktionsmängel und die notwendigen Reformen des deutschen Gesundheitssystems.

Braucht die Welt den Finanzsektor?

Für Mohssen Massarrat ist der gegenwärtige Finanzsektor für die wachsende Einkommensungleichheit und viele anderen Miseren in der Welt maßgeblich verantwortlich. Deshalb fragt er in seinem neuen Buch: Hat er überhaupt positive Funktionen für die Menschheit? Und er zeigt Auswege auf: Wie kann der Finanzmarktkapitalismus überwunden werden, welche Voraussetzungen müssen postkapitalistische Verhältnisse erfüllen, damit sie den kapitalistischen eindeutig überlegen sind, und welche Wege bieten sich für gewaltfreie Veränderungen an? Die Antworten sind spannend.

Die Tücken des Privateigentums

Nichts scheint so unverrückbar in dieser Gesellschaft wie das Privateigentum. Ein Nachdenken über Alternativen ist mit weitgehenden Tabus belegt. Das Ausbleiben einer Diskussion ist aber nicht nur aufgrund der wenig durchsetzungsstarken Kritiker des Privateigentums so beständig. Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai analysiert in Die Tücken des Privateigentums, welche psychologischen Muster es in dieser Gesellschaft gibt, die Alternativen zum privaten Eigentum erschweren. Der Autor lädt ein, diese Denkblockaden abzulegen und auszuloten, mit welchen alternativen Eigentumsformen sie überwunden werden können.

Feindbild Islam

Seit den Anschlägen vom 1. September 2001 sehen sich Muslime in Deutschland zunehmend einem Generalverdacht ausgesetzt, dessen rassistischer Unterton sich längst in den Institutionen etabliert hat. Unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes werden offen demokratische Grundrechte muslimischer Mitbürger beschnitten, während auf der Straße die Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber stetig wächst. Der Menschenrechtsanwalt Eberhard Schultz untersucht in seinem Buch Feindbild Islam und institutioneller Rassismus anhand eigener Erfahrungen die Ursachen, Kontinuitäten und Ausdrucksformen des institutionellen Rassismus hierzulande.

Gute Arbeit für Alle!

Schließlich unterbreitet der LINKEN-Vorsitzende Bernd Riexinger zusammen mit Lia Becker Vorschläge für ein Neues Normalarbeitsverhältnis: For the many, not the few: Gute Arbeit für Alle! Im Supplement der September-Ausgabe des Monatsmagazins Sozialismus.de, auf dessen Umschlag übrigens die Merkel-Karikatur von Klaus Stuttmann abgedruckt ist, entwickeln sie fünf Säulen einer zukünftigen Gestaltung der Arbeitswelt: »ein Vorschlag an die Vielen, die jeden Tag arbeiten, die dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen machen und doch eine gemeinsame Grundlage haben, weil sie zusammen jeden Tag die Gesellschaft am Laufen halten und verändern«.

Israel als Zankapfel und Zufluchtsland

Theodor Bergmanns internationalistische Position zum Nahostkonflikt ist zu seinem linken Vermächtnis geworden. Mit der Neuauflage seines Buches über Israel, zu dem der Autor kurz vor seinem Tod im Juni noch ein aktuelles Vorwort beisteuerte, wollte der Sohn eines Rabbiners, der nach seiner Emigration 1933 zwei Jahre in einem Kibbuz lebte, zur Versachlichung der Israel-Debatte gerade unter Linken beitragen. Sein Anliegen ist aktuell, wie zuletzt beim Berliner Pop-Kultur Festival die Diskussion um Israel-Boykottaktionen zeigte – aber auch die gefährliche Rechtsentwicklung in dem Land selbst.

Israel als Zufluchtsland konnte Marion Baruch nicht mehr erreichen: Die 17-jährige Hamburgerin schenkte ihrer Schwester Helga zur Hochzeit 1936 ein selbstgestaltetes Buch – kurz vor der Auswanderung des jungen Ehepaars nach Palästina. Sie selbst wurde mit ihrem Vater 1941 nach Minsk deportiert, wo beide im Getto zu Tode kamen. Nur die Schwester Helga überlebte in Israel und bewahrte Marions Buch auf. Die Zeichnungen und erläuternden Texte zu diesem besonderen Lebensdokument eröffnen neue Zugänge zur Geschichte der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Donald Trump macht Ernst

Der US-Präsident, der sich während des G20-Gipfels noch geschmeidig gab, verschärft weiter seinen Kurs. Sein neuer Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hat jetzt angekündigt, »drastische Maßnahmen« zu ergreifen, um weitere Enthüllungen über die Regierung zu verhindern. Die FAZ berichtet, dass er gegenüber den Nachrichtensendern Fox und CBS damit gedroht habe, Mitarbeiter des Weißen Hauses, die mit Journalisten »nicht-autorisierte« Gespräch führen, »werden entlassen«. Was der neue US-Präsident sonst noch so alles plant, stellt Joachim Bischoff in der Flugschrift Donald Trump – ein Präsident mit Risiko. Die USA zwischen Niedergang der Demokratie und dem Umsturz der Weltordnung dar.

Rolle rückwärts zum Genickbruch der Demokratie?

Die drohende Beseitigung der Gewaltenteilung in Polen heizt in diesen Tagen nicht nur das innenpolitische Klima an, sondern führt auch zu Spannungen mit der EU-Kommission. Dass es um die Demokratie im Nachbarland nicht gut steht, ist mit dem Aufstieg der rechten Pis-Partei schon seit Jahren unübersehbar. Wer mehr über die Hintergründe dieser Entwicklung wissen will, lese das kundige und auch die Lage der Linken im Land nicht beschönigende Buch von Holger Politt und Krzysztof Pilawski über Polens Rolle rückwärts. Der Aufstieg der Nationalkonservativen und die Perspektiven der Linken.

Die großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts

Während das Erscheinen von Karl Marx’ »Das Kapital« vor 150 Jahren die »Leitmedien« bewegt (wir kommen unten noch einmal darauf zurück), wird der 100. Jahrestag der Russischen Revolutionen erst verhalten behandelt. Ganz zu Unrecht, wie Frank Deppe in seinem neuesten Buch 1917 | 2017. Revolution und Gegenrevolution deutlich macht. Denn diese Umwälzungen beeinflusste ein ganzes Jahrhundert. Die Ausstrahlung der Oktoberrevolution hatte Rückwirkungen auf die ganze Welt, prägte nachfolgende Revolutionen und Konterrevolutionen im Kalten Krieg und auch danach. Was folgte war »kein linearer – ein für allemal festgeschriebener – Prozess, sondern ein Terrain von permanenten Auseinandersetzungen, der Veränderung von Kräfteverhältnissen, von Lernprozessen wie von verbrecherischen Gewaltexzessen«.

Revolutionen gegen »Das Kapital«

Wie aber hängen Kapitalismusanalyse und die diversen sozialistischen Praktiken seit dem Erscheinen des »Kapital« bis in die Gegenwart zusammen? Wer heute die Gegenwart verstehen und zur Entwicklung eines neuen sozialistischen Projektes beitragen will, muss auch die Geschichte der verschiedenen sozialistischen Bewegungen und TheoretikerInnen (von Karl Kutsky über Lenin und Rosa Luxemburg bis hin zum »Marxismus der ›Dritten Welt‹«) in Rechnung stellen. Dieser Thematik wenden sich die Autorinnen und Autoren des von Ingo Schmidt herausgegebenen Bandes Das Kapital @150, Russische Revolution @100. »Das Kapital« und die Revolutionen gegen »Das Kapital« zu.

Vom Kapital lernen?

»Spätestens seit der Finanzkrise ist Karl Marx so beliebt wie noch nie. Auf einmal finden ihn alle toll – auch die Reichen. Warum gibt es dann keine Revolution?« untertitelte die Süddeutsche Zeitung eine achtseitige Sonderbeilage ihrer Volontäre Anfang Juli und richtete ein Dossier »150 Jahre Das Kapital« auf ihrer Website ein. Allerdings bleibt nicht nur diese Frage unbeantwortet. Unsere Autoren Joachim Bischoff, Fritz Fiehler, Stephan Krüger und Christoph Lieber wollen wissen: Lässt sich die Wirklichkeit von heute mit Marx’schen Begriffen noch verstehen? Ihre Antwort lautet eindeutig Ja!: Vom Kapital lernen! Denn im »Kapital« hat Marx die fundamentalen Strukturen des Kapitalismus analysiert – als Grundlage der Dynamik von sozialen wie politischen Auseinandersetzungen, deren aktuellen Hintergründen sie nachgehen.
Wir werden dem Thema Marx heute auch den nächsten Newsletter Anfang August widmen!

Halbierte Demokratie?

Die Demokratie befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Zeichen dieses Niedergangs gibt es zuhauf: Autokraten à la Trump, Erdogan oder Putin machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt, die BürgerInnen in Europa wählen vor lauter Frust Anti-EU-Populisten und die Gipfel der Mächtigen (G20) werden als Demokratie »hinter verschlossenen Türen« wahrgenommen. Leben wir – wenigstens in Europa – also in einer »halbierten Demokratie«? Dies ist eine der zentralen Fragen im neuen AttacBasisText von Andreas Fisahn, in dem der Status quo der Demokratie kritisch auf den Prüfstand gestellt wird. Denn der Erhalt demokratischer Errungenschaften ist nicht selbstverständlich – das lehrt uns die Geschichte, z.B. die der Weimarer Republik.

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