Zeitschriften

Flüchtlingsbewegungen, r2g in Thüringen, Aufrüstung & Rüstungskonversion, Gewerkschaften zwischen Defensive und Revitalisierung u.v.a.m. sind die Themen der November-Ausgabe von Sozialismus.

Piketty verstehen

Joachim Bischoff /
Bernhard Müller
Pikettys »Kapital im 21. Jahrhundert«
Der moderne Kapitalismus = eine oligarchische Gesellschaft?
Supplement der Zeitschrift Sozialismus 9/2014
52 Seiten | 2014 | EUR 5.00
ISBN 978-3-89965-979-5

Heft 2-2014 zum Thema »Oh Gott!« ist erschienen. Bestellungen bitte nur noch direkt bei www.zeitschrift-luxemburg.de

Inzwischen als Netz-Zeitschrift: www.prager-fruehling-magazin.de.

Socialist Register

Wie verändern sich die Klassenbeziehungen weltweit? Wie organisieren sich Lohnabhängige im Betrieb und vor Ort? Was prägt ihre Lebensverhältnisse? Antworten im Socialist Register 2015.

Modell Deutschland? Nein Danke!

Guillaume Duval, Autor von Modell Deutschland? Nein Danke!, wird die deutsche Ausgabe seines Buches gemeinsam mit den beiden Herausgebern und Vorwort-Autoren Detlef Wetzel (1. Vorsitzender der IG Metall) und Jörg Hofmann (2. Vorsitzender der IG Metall) am Donnerstag, den 30. Oktober 2014 ab 19:00 Uhr im Main-Forum der IG Metall in Frankfurt am Main vorstellen. Moderieren wird Claudia Wehrle, Rundfunk-Journalistin beim Hessischen Rundfunk. Was sind aus der Sicht des Chefredakteurs der französischen Monatszeitschrift »Alternatives économiques« die wahren Gründe für die vergleichsweise gute Situation hierzulande und wie können sie für Wege aus der europäischen Krise genutzt werden? »Guillaume Duval hat völlig Recht mit seinem Hinweis darauf, dass Deutschland nicht durch, sondern trotz der Hartz-Reformen seine Stärke bewahren konnte«, schreiben Detlef Wetzel und Jörg Hofmann in ihrem Vorwort. »Wir betrachten diese Erfahrungen, Einsichten und prognostischen Analysen als einen notwendigen Teil der Debatte um die Weiterentwicklung eines zukunftsfähigen Modells Deutschland.« Zur Diskussion wird auch stehen, was Alfred Grosser zu Duvals Buch notierte: »In Frankreich gibt es Stimmen, die zur Nachahmung der ›Agenda 2010‹ ... auffordern. Zu Unrecht, wie Guillaume Duval gezeigt hat«.

AfD ante portas

Foto: Roland Geisheimer

Unter diesem Titel kommentieren Joachim Bischoff und Bernhard Müller auf Sozialismus.de eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Diese legt die Schlussfolgerung nahe, dass die »Alternative für Deutschland« (AfD) durchaus die Voraussetzungen hat, um sich nach den letzten Landtagswahlergebnissen in Ostdeutschland und der Europawahl bundesweit dauerhaft zu etablieren. Dafür spreche vor allem das klare Profil bei Europa und der Zuwanderung, den zwei wichtigsten Themen der Partei. Die programmatischen Positionen sowie Entstehung, Entwicklung und Personal der rechtspopulistischen Partei analysieren Alexander Häusler und Rainer Roeser in dem Band Die rechten ›Mut‹-Bürger, der im Januar 2015 erscheinen wird.

Attac lässt sich nicht aberkennen!

Das Frankfurter Finanzamt hat dem Attac Trägerverein e.V. die Gemeinnützigkeit entzogen, weil er mit dem Engagement zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer oder einer Vermögensabgabe allgemeinpolitische Ziele verfolge [siehe den Bericht der FR]. Das ist mehr als absurd. Natürlich führt die »ökonomische Alphabetisierung« von Attac, an der der VSA: Verlag seit mehr als 10 Jahren mit den AttacBasisTexten und anderen Publikationen mitwirkt, zu politischer Meinungsbildung und zu politischem Engagement, wie die Organisation in ihrer Stellungnahme herausstellt: »Wir nehmen unseren Anspruch als Bildungsbewegung ernst und sehen es als Erfolg unserer Informations- und Bildungsarbeit, wenn viele Menschen sich einmischen.« Deshalb ist Attac »systemrelevant, weil es mit seiner Kritik hier und da bis an die Grenzen des Systems vorstößt«, wie nd-Chefredakteur und VSA: Autor Tom Strohschneider schreibt. Das Team des VSA: Verlags schließt sich den Protesten gegen die Entscheidung an und hofft, dass die verantwortlichen Behörden dem eingelegten Widerspruch von Attac folgen.

Aktionstag gegen TTIP, CETA, TiSA und die Freihandelsagenda!

Das Bündnis TTIP Unfairhandelbar, die EU-weite Koalition gegen TTIP, Attac Deutschland und viele weitere Organisationen veranstaltete am 11.10. einen Aktionstag, um die laufenden Verhandlungen zu TTIP (Transatlantisches Freihandels- und Investitionsabkommen mit den USA), CETA (umfassendes Freihandels- und Investitionsabkommen mit Kanada), TiSA (Freihandelsabkommen zum Handel mit Dienstleistungen) und anderen Freihandelsverträgen zu stoppen. Allein in Deutschland beteiligten sich 150 lokale TTIP-Bündnisse und Attac-Gruppen Aktionen und mobilisierten zu Demos. Das passende Buch Die Freihandelsfalle gibt es bei VSA! Mit dabei waren auch viele BuchhändlerInnen, die dem Attac-Vorschlag »Rette deinen Buchladen – Stopp TTIP« folgten.

Wir grüßen unsere LeserInnen zum Herbstanfang – diesmal nicht mit einem Herbst-, sondern mit einem Buchgedicht von Robert Gernhardt:

 
DAS BUCH

Ums Buch ist mir nicht bange. | Das Buch hält sich noch lange.

Man kann es bei sich tragen | und überall aufschlagen.

Sofort und ohne Warten | kann man das Lesen starten.

Im Sitzen, Liegen, Knien | ganz ohne Batterien.

Beim Fliegen, Fahren, Gehen. | Ein Buch bleibt niemals stehen.

Beim Essen, Kochen, Würzen. | Ein Buch kann nicht abstürzen.

Die meisten andren Medien, | tun sich von selbst erledigen.

Kaum sind sie eingeschaltet, | heißts schon: Die sind veraltet!

Und nicht mehr kompatibel | »Marsch in den Abfallkübel!«

Zu Bändern, Filmen, Platten, | die wir einst gerne hatten.

Und die nur noch ein Dreck sind, | weil die Geräte weg sind
und niemals wiederkehren, | gibt's nicht zu sehn, zu hören.

Es sei denn, man ist klüger | und hält sich gleich an Bücher,
die noch in hundert Jahren | das sind, was sie stets waren.

Schön lesbar und beguckbar.

So stehn sie unverruckbar | in Schränken und Regalen,
und die Benutzer strahlen: | »Hab'n die sich gut gehalten!«

Das Buch wird nicht veralten.

Der Fall SCHLECKER im Fernsehen

Und das gleich zweimal: Am 30.9. zeigte Sat1 »Die Schlikkerfrauen« u.a. mit Katharina Thalbach. Und im ZDF läuft am 13. und 15.10. jeweils um 20:15 Uhr der Zweiteiler »Alles muss raus«. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hält beide für grässliche Schmonzetten: harmlos und aufgeblasen zu Seifenopern (»Haus der Seife« vom 28.9., S. 41), bei denen die eigentliche Tragödie der Entlassungen eher wie eine Farce wirkt. Das Fazit des Beitrags lautet: »Wo es ›Alles muss raus‹ um das Drama des Endes geht, sieht man den ›Schlikkerfrauen‹ an, dass die Tragödie gar nicht so sehr darin besteht, von einem Unternehmen wie Schlecker entlassen zu werden. Sondern dafür zu arbeiten.« Was es bedeutet hat, für SCHLECKER zu arbeiten und dann sang- und klanglos auf die Straße gesetzt zu werden, darüber gibt das von Achim Neumann herausgegebene Buch Der Fall SCHLECKER Auskunft. Dort berichten die realen Schlecker-Frauen und andere »Insider« zum einen über »Knausern, Knüppeln und Kontrollen« ihres Arbeitsalltags, widmen sich zum anderen aber auch dem letztendlich gescheiterten Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Pflichtprogramm für kritische StudentInnen

Pünktlich zum Start des Wintersemesters 2014/15 haben wir wieder zwei (moderne) Klassiker auf Lager: Nicos Poulantzas’ Grundlagenwerk Staatstheorie und Pierre Bourdieus Mechanismen der Macht. An beiden führt im Laufe eines sich als kritisch gegenüber den gesellschaftlich-politischen Zuständen verstehenden Studiums kein Weg vorbei. Ebenso wenig wie an Louis Althussers gesammelten Schriften und David Harveys einführungsgerechter Kapitalismuskritik, die zugleich wichtige wie innovative Betrachtungen auf eine neoliberal gesteuerte Stadtpolitik bereithält.
Wir wünschen einen guten Start ins Semester. Ganz besonders den Erstis!

Beitrag zur Piketty-Debatte

Das Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert des französischen Ökonomen Thomas Piketty hat etwas geschafft, was wirtschaftswissenschaftliche Sachbücher selten schaffen: eine intensive Debatte in einer relativ breiten Öffentlichkeit anzuregen, welche über die engen Grenzen abgeschlossener Fachkreise hinausreicht. Das Thema ist aber auch angesichts der aktuell vorzufindenden Extreme des Kapitalismus sicherlich von höchster Brisanz: die ungleiche Einkommensverteilung und Vermögenskonzentration. Der ernorme publizistische Widerhall auf Pikettys intensivierte Auseinandersetzung hat sich auch beim VSA: Verlag niedergeschlagen: Das Supplement der September-Ausgabe von Sozialismus fasst die Thesen des Sachbuch-Bestsellers, der am 7. Oktober auf deutsch erscheint, zusammen.

Erinnerung an Peter Blachstein (1911-1977)

Nicht wenige zeitgeschichtliche Persönlichkeiten verschwinden im historischen Gedächtnis – das gilt auch schon für die bundesrepublikanische Nachkriegszeit. Die soeben erschienene politische Biographie von L. Joseph Heid belebt die Erinnerung an einen Hamburger Sozialdemokraten mit jüdischen Wurzeln. Peter Blachsteins Leben war geprägt durch zentrale Ereignisse des 20. Jahrhunderts: Politisierung in der jüdischen und sozialistischen Jugendbewegung, Verfolgung im Nationalsozialismus, Flucht, Exil und frühe Bekanntschaft mit Willy Brandt, Spanischer Bürgerkrieg, parlamentarische Arbeit in der Bonner Republik und, als politischer Höhepunkt, die Berufung auf den Botschafterposten in Belgrad.
Am Freitag, den 7. November 2014 um 17:00 Uhr wird das Buch im Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel vorgestellt: Nach der Begrüßung durch Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke erläutert Sielke Salomon für die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, wie es zu dem Biographieprojekt gekommen ist; anschließend führt der Autor in Blachsteins Lebensweg ein, und Mitarbeiter von Peter Blachstein steuern persönliche Erinnerungen bei. Informationen über eine Veranstaltungsreihe zu Peter Blachstein der Geschichtswerkstatt gibt es unter Lesungen | Termine.

Linke Außenpolitik geht doch ...

Die frühere Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) und der einstige verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Paul Schäfer, stellten in Berlin das neue Buch In einer aus den Fugen geratenden Welt vor. Die Frankfurter Rundschau fasste zusammen, dass Meinungsverschiedenheiten nicht verschwiegen worden seien, im Vordergrund hätten jedoch Gemeinsamkeiten gestanden und die Probleme der Welt. »Geht da also doch was 2017?«, fragte der Tagesspiegel. »Ex-Grünen-Parteichefin Roth hat noch einige Vorbehalte... Ein Buch wie das von Schäfer aber könne nun helfen, ›aus den Schützengräben herauszukommen.‹«

VSA: Autor als Ministerpräsident?

In Thüringen verdichten sich die Anzeichen, dass der VSA: Autor und Herausgeber Bodo Ramelow erster linker Ministerpräsident werden und damit einen neuen Politikstil auf den Weg bringen könnte. Zugleich bekommt auch in dieser Hinsicht die Debatte über einen Politikwechsel bei der Bundestagswahl 2017 neue Impulse. Wir tragen mit unseren Büchern gern dazu bei.

Inhalte eines Politikwechsel

Warum ein Politikwechsel zwar ansteht, aber bislang nicht eintritt, ist Gegenstand des Bandes Anders Regieren?, den das Institut Solidarische Moderne herausgibt. Andrea Ypsilanti (SPD) notiert in ihrem Beitrag: »Ob es die Chance auf einen Politikwechsel, der auch von den Parlamenten unterstützt wird, überhaupt noch gibt, wird auch davon abhängen, ob die Bewegungen zu einem Austausch und Dialog überhaupt bereit sind und ob die Parteien den Mut aufbringen, in diesen Diskurs einzusteigen und sich zu bewegen.«

Tom Strohschneider, Chefredakteur des neuen deutschland, hatte bereits im Frühjahr in seinem Buch insbesondere nach den Inhalten einer linken mehrheit gefragt. Stefan Reinicke lobte nun in der taz seinen Versuch, einen »dritten Weg zu erkunden«: »Regieren ja, aber nur, wenn es ›neuen Räumen der Selbstermächtigung‹ dient. Und wenn eine ›lebendige, kritische, auch nervige‹ Gesellschaft der Regierung stets auf die Finger schaut.«

Aufregend bunt …

… ist nicht nur das Cover des Buches Aufregend bunt, vielfältig normal!, in dem »Diversity Management« für die gewerkschaftliche und betriebliche Arbeit kritisch bilanziert und weitergeführt wird. »Unser Ziel ist es, einer managementlastigen Sicht auf Diversity eine Kultur der Chancengleichheit, Antidiskriminierung und Wertschätzung entgegenzusetzen«, schreiben die Herausgeberinnen Stefanie Nutzenberger und Eva M. Welskop-Deffaa, beide Mitglieder im ver.di-Bundesvorstand, im Vorwort. Beiträge von Expert_innen zu Geschlecht, Behinderung, Alter, Religion/Weltanschauung, Migration und sexuelle Identität unterfüttern diese Diskussion.

Neue deutsche Verantwortung

Erneut erregt der Bundespräsident mit einer Rede Aufsehen: In Warschau gießt er nicht nur Öl gegenüber Russland ins Feuer, sondern wiederholt die bereits im Frühjahr aufgestellte These einer neuen deutschen Verantwortung für die Welt. Diese ist Gegenstand der im Herbstprogramm bislang noch nicht angekündigten Flugschrift von Frank Deppe imperialer realismus? Wir weisen aus aktuellem Anlass noch einmal ausdrücklich auf diese Intervention hin.

Prekarität und kollektive Handlungsfähigkeit

Neu ins Verlagsprogramm aufgenommen wurde ebenfalls das gleichnamige Buch von Catharina Schmalstieg. Sie untersucht darin die Möglichkeiten einer gewerkschaftlichen Organisierung und Kampagnenarbeit im Niedriglohnsektor der USA. Von Arbeit ordentlich leben zu können, hat sich in den letzten Jahren für viele Beschäftigte auch hierzulande als immer schwieriger herausgestellt. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Anforderungen moderner Gewerkschaften in einer veränderten Arbeitswelt: Wie kann Handlungsfähigkeit wieder hergestellt werden? Wie müssen sich Gewerkschaften in ihrer Struktur verändern, um Beschäftigte aus dem Niedriglohnbereich zu organisieren?

Wie geht es Europa?

Im Zusammenhang mit der europäischen Krise geht es immer auch um die Frage, ob die einzelnen Staaten Kompetenzen an Europa abgeben sollen. Steffen Lehndorff, Herausgeber des Buches Spaltende Integration, vertritt die These, dass zum Gelingen des europäischen Projekts die nationalstaatliche Ebene vorrangig bleibt. In der Redezeit im WDR 5 begründet er seine Einschätzung und beschreibt die wirtschaftliche Situation einzelner Länder. Auf dieser Reise durch Frankreich, Schweden, Irland und Griechenland verdeutlicht Lehndorff, welche negativen Folgen es hat, wenn die Grundsätze deutscher Sparpolitik auch in anderen Nationen umgesetzt werden.

Zurück