Donald Trump macht Ernst

Der US-Präsident, der sich während des G20-Gipfels noch geschmeidig gab, verschärft weiter seinen Kurs. Sein neuer Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hat jetzt angekündigt, »drastische Maßnahmen« zu ergreifen, um weitere Enthüllungen über die Regierung zu verhindern. Die FAZ berichtet, dass er gegenüber den Nachrichtensendern Fox und CBS damit gedroht habe, Mitarbeiter des Weißen Hauses, die mit Journalisten »nicht-autorisierte« Gespräch führen, »werden entlassen«. Was der neue US-Präsident sonst noch so alles plant, stellt Joachim Bischoff in der Flugschrift Donald Trump – ein Präsident mit Risiko. Die USA zwischen Niedergang der Demokratie und dem Umsturz der Weltordnung dar.

Rolle rückwärts zum Genickbruch der Demokratie?

Die drohende Beseitigung der Gewaltenteilung in Polen heizt in diesen Tagen nicht nur das innenpolitische Klima an, sondern führt auch zu Spannungen mit der EU-Kommission. Dass es um die Demokratie im Nachbarland nicht gut steht, ist mit dem Aufstieg der rechten Pis-Partei schon seit Jahren unübersehbar. Wer mehr über die Hintergründe dieser Entwicklung wissen will, lese das kundige und auch die Lage der Linken im Land nicht beschönigende Buch von Holger Politt und Krzysztof Pilawski über Polens Rolle rückwärts. Der Aufstieg der Nationalkonservativen und die Perspektiven der Linken.

Die großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts

Während das Erscheinen von Karl Marx’ »Das Kapital« vor 150 Jahren die »Leitmedien« bewegt (wir kommen unten noch einmal darauf zurück), wird der 100. Jahrestag der Russischen Revolutionen erst verhalten behandelt. Ganz zu Unrecht, wie Frank Deppe in seinem neuesten Buch 1917 | 2017. Revolution und Gegenrevolution deutlich macht. Denn diese Umwälzungen beeinflusste ein ganzes Jahrhundert. Die Ausstrahlung der Oktoberrevolution hatte Rückwirkungen auf die ganze Welt, prägte nachfolgende Revolutionen und Konterrevolutionen im Kalten Krieg und auch danach. Was folgte war »kein linearer – ein für allemal festgeschriebener – Prozess, sondern ein Terrain von permanenten Auseinandersetzungen, der Veränderung von Kräfteverhältnissen, von Lernprozessen wie von verbrecherischen Gewaltexzessen«.

Revolutionen gegen »Das Kapital«

Wie aber hängen Kapitalismusanalyse und die diversen sozialistischen Praktiken seit dem Erscheinen des »Kapital« bis in die Gegenwart zusammen? Wer heute die Gegenwart verstehen und zur Entwicklung eines neuen sozialistischen Projektes beitragen will, muss auch die Geschichte der verschiedenen sozialistischen Bewegungen und TheoretikerInnen (von Karl Kutsky über Lenin und Rosa Luxemburg bis hin zum »Marxismus der ›Dritten Welt‹«) in Rechnung stellen. Dieser Thematik wenden sich die Autorinnen und Autoren des von Ingo Schmidt herausgegebenen Bandes Das Kapital @150, Russische Revolution @100. »Das Kapital« und die Revolutionen gegen »Das Kapital« zu.

Vom Kapital lernen?

»Spätestens seit der Finanzkrise ist Karl Marx so beliebt wie noch nie. Auf einmal finden ihn alle toll – auch die Reichen. Warum gibt es dann keine Revolution?« untertitelte die Süddeutsche Zeitung eine achtseitige Sonderbeilage ihrer Volontäre Anfang Juli und richtete ein Dossier »150 Jahre Das Kapital« auf ihrer Website ein. Allerdings bleibt nicht nur diese Frage unbeantwortet. Unsere Autoren Joachim Bischoff, Fritz Fiehler, Stephan Krüger und Christoph Lieber wollen wissen: Lässt sich die Wirklichkeit von heute mit Marx’schen Begriffen noch verstehen? Ihre Antwort lautet eindeutig Ja!: Vom Kapital lernen! Denn im »Kapital« hat Marx die fundamentalen Strukturen des Kapitalismus analysiert – als Grundlage der Dynamik von sozialen wie politischen Auseinandersetzungen, deren aktuellen Hintergründen sie nachgehen.
Wir werden dem Thema Marx heute auch den nächsten Newsletter Anfang August widmen!

Das VSA: Herbstprogramm 2017 ist online

Der NSU-Prozess nähert sich dem Ende, Grund genug danach zu fragen, was alles im Dunkeln blieb: Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz. Weitere Bücher zum Komplex »Tiefer Staat?« behandeln das Feinbild Islam, Rechte Tendenzen in Betrieb und Gesellschaft sowie die Gefahren rechtspopulistischer Zerstörung Europas. Jeweils eine Flugschrift befasst sich mit 50 Jahren Studentenbewegung und 100 Jahren Russische Revolutionen. Zum 150. Jahrestag der Auslieferung von Marx Opus magnun erscheint eine neue Textausgabe von »Das Kapital« (mit USB-Card) und ein Band, in dem u.a. der technische und organisatorische Produktionsprozess des »Kapital« (Marx in Hamburg) nachgezeichnet wird. Dem Thema »Gewerkschaften, ja bitte!« in einem schwieriger werdenden Umfeld, das nach der Bundestagswahl nicht einfacher werden dürfte, widmen sich mehre Texte. Außerdem gibt es Titel zur Dialektik der Bombe, zu sozialer Ungleicheit und der Rolle des Privateigentums sowie zur Geschichte der NS-Zeit in Hamburg. Eine Vorschau auf das komplette Programm, inklusive bislang noch nicht erschienener bereits für das Frühjahr angekündigter Titel, gibt es hier.

Mit Solidarität statt Konkurrenz gegen Krisensymptome in Europa

Die »Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer« besteht in Wahrheit eigentlich nur aus 19 Ländern, denn Mitglied Nr. 20 ist die Europäische Union, die beim Gipfel in Hamburg von der Europäischen Kommission repräsentiert wird. Diese hatte zuletzt nicht wirklich über Symbolpolitik und Lippenbekenntnisse hinausgehende Pläne für eine »soziale Säule« für Europa vorgestellt. Konkrete Vorschläge für ein wirklich soziales und solidarisches Europa gibt es schon längst: So in unserer Flugschrift europa geht auch solidarisch! Wie das geht, darüber spricht u.a. die Mitautorin Gesine Schwan in einer Podiumsdiskussion am 17. Juli in Hamburg. Mit den zahlreichen Krisensymptomen in Europa beschäftigt sich außerdem das neue Transform!-Jahrbuch 2017, das den sozio-ökonomischen Hintergründen der Rechtsverschiebung und Implosion politischer Systeme nachgeht und aufzeigt, wie europäische Linke sich wirksam dagegen stemmen können.

Abschied von einem Jahrhundertzeugen

Am 22. Juni wurde in Stuttgart unter großer Anteilnahme von WeggefährtInnen und MitstreiterInnen unser Autor Theodor Bergmann beerdigt. Bis zum Schluss seines über hundertjährigen Lebens hatte er sich für die internationale Verständigung der Linken engagiert.
Im aktuellen Supplement der Zeitschrift Sozialismus sind u.a. ein Nachruf von Mario Keßler, Ansprachen zu seiner Gedenkfeier und ein nachgelassener Text Theo Bergmanns zur Gruppe Arbeiterpolitik enthalten. Zu seinem Vermächtnis als kritischer Kommunist, atheistischer Jude und »vorsichtiger Optimist« gehörte insbesondere das Engagement für den Frieden im Nahen Osten. Bei VSA: wird im August die – noch im Mai von ihm mit einem aktuellen Vorwort versehene – Neuauflage seines Buches über den Hundertjährigen Krieg um Israel erscheinen – ein Plädoyer für die Versachlichung einer oft erbittert geführten Debatte, von dem er hoffte, dass es weiterhin Gehör findet.

Wir trauern um unseren Autor Jürg Ulrich (4.2.1930-16.5.2017)

Mitte Mai starb überraschend Prof. Jürg Ulrich in Basel. 1930 in eine Familie des schweizerischen Mittelstands hineingeboren, kam Ulrich während des Medizinstudiums mit trotzkistisch Gesonnenen in Zürich in Kontakt. Im Sozialistischen Arbeiterbund in der Schweiz lernte er Menschen kennen, deren Lebensläufe seine politische Haltung prägten. In den 1960er Jahren – Ulrich war inzwischen zu einem Spezialisten für Neuropathologie am Universitätsspital in Basel geworden – genoss er »die Freuden eines wohlhabenden Schweizerbürgers«, wie er in den autobiografischen Notizen schrieb, die er dem VSA: Verlag noch Ende letzten Jahres zur Veröffentlichung anbot und deren Fertigstellung als Buch er nun nicht mehr erleben darf. Nach seiner Pensionierung wurde sein Interesse am Marxismus neu aktiviert, jetzt allerdings in der historischen Perspektive. Im Jahr 2006 veröffentlichte er im VSA: Verlag die Studie Kamenev: Der gemäßigte Bolschewik. Das kollektive Denken im Umfeld Lenins und vier Jahre später erschien ebenfalls in unserem Verlag der Band Trotzki als junger Revolutionär. Die autobiografischen Skizzen werden unter dem noch mit ihm abgesprochenen Titel Trotzki an der Goldküste. Ein Schweizerbürger bei der revolutionären Linken nun posthum erscheinen.

Information statt Manipulation

Wie kann ein sozial und politisch verantwortliches Design jenseits von Werbung und PR umgesetzt werden? Dieser Frage stellt sich der Kommunikationsdesigner Benedikt Martini in dem Buch Manipulation oder Information?. Sein Ziel ist ein visuelles Angebot zur Wissensvermittlung über das bestehende Wirtschaftssystem, die Inhalte nicht verkürzt, sondern im Kontext darstellt, um offene und komplexe Diskurse zu ermöglichen. Zentrale Impulse enthält sein Ansatz aus der in den 1920er Jahren maßgeblich von Otto Neurath und Gerd Arntz entwickelten Wiener Methode der Bildstatistik. Mit Plakat- und Servietten-Grafiken sowie Bierdeckel-Texten bereitet der Autor ökonomische Sachverhalte alltagsnah auf. Ein fortschrittliches Konzept der Arbeiter- und Volksbildung wird somit für die Gegenwart nutzbar gemacht – für alle, die Medien bewusster gestalten und nutzen wollen.

Halbierte Demokratie?

Die Demokratie befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Zeichen dieses Niedergangs gibt es zuhauf: Autokraten à la Trump, Erdogan oder Putin machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt, die BürgerInnen in Europa wählen vor lauter Frust Anti-EU-Populisten und die Gipfel der Mächtigen (G20) werden als Demokratie »hinter verschlossenen Türen« wahrgenommen. Leben wir – wenigstens in Europa – also in einer »halbierten Demokratie«? Dies ist eine der zentralen Fragen im neuen AttacBasisText von Andreas Fisahn, in dem der Status quo der Demokratie kritisch auf den Prüfstand gestellt wird. Denn der Erhalt demokratischer Errungenschaften ist nicht selbstverständlich – das lehrt uns die Geschichte, z.B. die der Weimarer Republik.

Quelle: http://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/