Luther, Marx & der Papst

dieses Jahr ist eines der Jubiläen: Vor 150 Jahren schaffte Karl Marx persönlich das Manuskript von »Das Kapital« zu seinem Hamburger Verleger, der das Buch dann auch im September 1867 auf den Markt brachte (davon wird in spätereren Newslettern noch ausführlicher die Rede sein). Vor 100 Jahren gab es in Russland gleich zwei Revolutionen, die die Welt erschütterten. Und vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg und brachte so die »Reformation« auf den Weg.

Zumindest zwei dieser Jahrestage hat Ulrich Duchrow in einer Flugschrift in Zusammenhang und in Verbindung mit dem heutigen Papst Franziskus gebracht: Mit Luther, Marx & Papst den Kapitalismus überwinden. Der in Kooperation mit Publik-Forum entstandene Band wird passenderweise an Himmelfahrt auf dem Kirchentag in Berlin vom Ministerpräsidenten Thüringens Bodo Ramelow (DIE LINKE) vor- und zur Diskussion gestellt (Ort und Zeit hier).

Tarifpolitik als Gesellschaftspolitik

Der langjährige Leiter des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung [und ebenfalls seit vielen Jahren Autor des VSA: Verlags] Reinhard Bispinck wurde am 4. Mai in den Unruhestand verabschiedet.

Dabei durften wir ihn mit dem ersten Exemplar des zu seinen Ehren von den inzwischen ehemaligen WSI-KollegInnen Thorsten Schulten, Heiner Dribbusch, Gerhard Bäcker und Christina Klenner herausgegebenen Band Tarifpolitik als Gesellschaftspolitik überraschen. In dem deshalb bislang noch nicht angekündigten Text diskutieren langjährige Weggefährten und KollegInnen aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Publizistik die strategischen Herausforderungen der Tarifpolitik im 21. Jahrhundert. Dabei reicht der Bogen von den Möglichkeiten und Grenzen der Lohnpolitik im Euroraum über »revolutionären Reformismus« in der Arbeitszeitfrage bis zur sozialen Innovation durch Tarifpolitik.

VSA: Bücher im Gespräch 1

Am 24. April hat Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion und Leiter der Redaktion Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, im Literaturhaus München den Band Vom Wiederaufbau zur Arbeit 4.0. IG Metall Bayern: 70 Jahre Fortschritt durch Tarifpolitik vorgestellt. Zu Beginn paraphrasierte er Georg Christoph Lichtenberg: »Wer zwei Hosen hat, zwei Anzüge, zwei Kostüme oder zwei Mäntel: der mache ein Exemplar davon zu Geld schaffe sich dafür dieses Buch an.« Und er schob gleich die Begründung nach: »Dieses Buch, dreihundert Seiten dick, ist ein wunderbares Geschichtsbuch; und es ist ein wunderbarer Arbeitsnachweis für die Gewerkschaft; und es ist ein Lesebuch, nicht nur für Gewerkschaftler; es ist ein Lesebuch  für  alle, die wissen wollen, wie dieses Land  Bayern, das ein Bauernland war, in den vergangenen siebzig Jahren so geworden ist, wie es ist. Dieses Buch ist ein Bilderbogen von den Zeiten der Hungerdemonstrationen im Jahr 1948 bis hin zur digitalen Revolution von heute.« Einen Mitschnitt der launischer Würdigung des Buches samt eines Streifzugs u.a. durch die bayerische Landesverfassung gibt es hier.

VSA: Bücher im Gespräch 2

Am Abend des gleichen Tages stellte Michael Brie im Salon der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin sein soeben erschienenes Buch vor: »Der Titel des hellblauen Bändchens LENIN neu entdecken ist sehr persönlich gemeint, ... meine eigene Entdeckungsreise. Es ist über 40 Jahre her, dass ich in Leningrad als Philosophiestudent in dem Internationalen Buchladen auf dem Newski-Prospekt die ersten der rund 40 dunkelbraunen Bände der Lenin-Werke kaufte – jeden Band für rund einen Rubel ... U.a. ... in meiner Habilitation habe ich umfangreich auf einzelne Schriften dieser Werkausgabe zurückgegriffen. ... Im Frühjahr und Sommer 2016, habe ich etwas nachgeholt: Ich habe die Werke und Briefe in einem Zuge chronologisch gelesen und umfangreiche Auszüge angefertigt. Auf dieser Materialbasis ist das vorliegende Büchlein entstanden. Ich wollte besser verstehen, wie Lenin dachte.«

Halbierte Demokratie?

Die Demokratie befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Zeichen dieses Niedergangs gibt es zuhauf: Autokraten à la Trump, Erdogan oder Putin machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt, die BürgerInnen in Europa wählen vor lauter Frust Anti-EU-Populisten und die Gipfel der Mächtigen (G20) werden als Demokratie »hinter verschlossenen Türen« wahrgenommen. Leben wir – wenigstens in Europa – also in einer »halbierten Demokratie«? Dies ist eine der zentralen Fragen im neuen AttacBasisText von Andreas Fisahn, in dem der Status quo der Demokratie kritisch auf den Prüfstand gestellt wird. Denn der Erhalt demokratischer Errungenschaften ist nicht selbstverständlich – das lehrt uns die Geschichte, z.B. die der Weimarer Republik.

Verlorene Demokratie

Um die Demokratie und ihre Gefährdung geht es auch in Heiner Karuscheits Neubetrachtung der Weimarer Republik. Die Frage, warum die Republik entgegen der hoffnungsfrohen Ankündigung Philipp Scheidemanns nicht »in den Köpfen und Herzen der Menschen lebendig« wurde, sondern allzu bald in die NS-Diktatur mündete, ist dabei nach Karuscheit vor allem aktuell, »weil sich im Niedergang der Volksparteien und der wachsenden Distanz zu ›denen da oben‹ eine neuerliche Abwendung der Massen von der (bundesrepublikanischen) Demokratie manifestiert …«

Sicherheitszonen und Gegen-Argumente

»Der Staat und die Macht setzen sich zusammen aus einem elementaren, undurchdringbaren Kern und aus einem ›Rest‹.« Der von Nicos Poulantzas (siehe weiter unten) so bezeichnete »Kern« findet sich im Juli im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg ein, der bereits jetzt, ebenso wie der nun auch im Norden Einzug haltende Frühling, in der Stadt seine Spuren hinterlässt.

Wir sind froh, dass des »Kerns« undurchdringbare Sicherheitszonen nicht bis zum VSA: Verlag reichen – auch wenn der eine oder andere Arbeitsweg von VSA: KollegInnen beeinträchtigt sein könnte. Wir als »Rest« arbeiten trotz aller Hindernisse daran, den Geist mit neu erschienenen Büchern kritisch zu schulen.

Während sich also die Staatsmacht mit dem Erlass von Verbotszonen und der Schaffung von Aushilfsgefängnissen auf das Großereignis im Juli in der Hansestadt einstimmt, bereiten sich die Gipfelgegner mit Argumenten auf die Veranstaltungen und Kongresse vor, die den Gipfel begleiten werden. Hilfreich dafür könnten ebenfalls zwei Neuerscheinungen aus dem Verlag sein: der AttacBasisText Friede, Freude, Freihandel, in dem Christian Christen, Thomas Eberhardt-Köster und Roland Süß die ökonomische Begründung der Freihandelsideologie hinterfragen und zugleich Argumente für eine ökologische und solidarische Weltwirtschaftsordnung entwickeln. Und die von Helmut Scholz herausgegebene Flugschrift Handel(n) von links, in der AutorInnen Konzepte verschiedener linker Parteien und Nichtregierungsorganisationen für eine neue europäische Handelspolitik vorstellen und damit die Debatte um alternativen und fairen Handel beleben wollen.

Messe-Rückschau

Gedränge am Stand, begehrte Probehefte und gute Resonanz: Der VSA: Verlag war auch in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse vertreten und hat in einer Ausstellung sowie auf diversen Veranstaltungen gemeinsam mit zahlreichen Autorinnen und Autoren neue Bücher vorgestellt. Mit dabei waren Gesine Schwan und Axel Troost, Anja Flach, Holger Politt, Dieter Janke, Helmut Scholz und Joachim Schuster, Jörg Meyer und Katrin Reimann sowie Friedrich Steinfeld. Einige fotografische Impressionen gibt es hier.

Bernhard Nette: Vom Gestapo-Täter zum »Mitläufer«

Der Gestapobeamte und »Judenreferent« Bruno Nette organisierte im Zweiten Weltkrieg die Deportationen der von den Nazis als jüdisch klassifizierten Menschen aus Bremen und dem Regierungsbezirk Stade. Am 29. April 1945 wurde er von den Briten verhaftet. Sein Enkel Bernhard Nette ist der Geschichte dieses NS-Täters nachgegangen, der sich nach 1945 – weitgehend erfolgreich – zu entlasten bemühte. In Bremen wird sein Buch »Vergesst ja Nette nicht« nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: am Mittwoch, 5. April, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Am Wall 201. Weitere Veranstaltungen in Bremen und Hamburg folgen, zuerst am Donnerstag, 4. Mai (Beginn 18.00 Uhr), eine Buchvorstellung in Kooperation mit der GEW Hamburg im Hamburger Curio Haus (hinteres Gebäude, Raum Gewerkschaftliches Bildungswerk), und am Donnerstag, 11. Mai 2017 (Beginn 19:00 Uhr), eine Lesung im KulturForum Serrahn, Serrahnstraße 1 (S-Bahnhof Bergedorf), zusammen mit der Sachsentor-Buchhandlung. Auch im Rahmen des Programms zur Einweihung des Gedenkorts »denk.mal Hannoverscher Bahnhof« in Hamburg wird der Autor das Buch vorstellen: am Montag, 15. Mai, 19:00 Uhr, moderiert von Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien.

Die Arbeit mit Poulantzas kann weitergehen

Nicos Poulantzas Staatstheorie ist ab sofort wieder lieferbar. Damit steht einem gründlichen Studium seines marxistischen Grundlagentextes nichts mehr im Wege. Neue Hilfestellungen dafür können wir ebenfalls anbieten. Denn soeben ist auch der von Tobias Boos, Hanna Lichtenberger und Armin Puller herausgegebene Band Mit Poulantzas arbeiten ... um aktuelle Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen erschienen. Wem das noch nicht reicht, der greife zusätzlich zu Poulantzas lesen, herausgegeben von Lars Bretthauer, Alexander Gallas, John Kannankulam und Ingo Stützle oder zur Einzelstudie von John Kannankulam Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus.

Privat oder Kasse?

Und da wir schon dabei sind: Natürlich spielt auch das Thema Gesundheitsversorgung im anziehenden Bundestagswahlkampf wieder eine zentrale Rolle, wird der Mythos, dass die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt die soziale Krankenversicherung für alle BürgerInnen unbezahlbar machen, erneut belebt. Demgegenüber bringt Hartmut Reiners in seinem Buch Privat oder Kasse? Politische Ökonomie des Gesundheitswesens Ordnung in die komplexe Welt der Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik Deutschland und fragt danach, welche Reformen von der Politik vorrangig angegangen werden müssen, um eine effiziente und gerechte Gesundheitsversorgung für alle BürgerInnen zu gewährleisten.

Quelle: http://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/