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Die schwierigen Zeiten halten an. Pablo Nerudas »Ode an das Buch« hilft weiterhin.

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VSA: arbeitet mit bei

50 Jahre Analysen & Alternativen

Einige Kontinuitäten aus 50 Jahren Verlagsarbeit gibt es in dieser Präsentation.

In Kooperation mit

Frauen-Proteste im Iran: Götterdämmerung für die Mullahs? | Brüsseler Missmanagement der Energiekrise | Chaostage der Tory-Regierung | »Heißer Herbst« in Frankreich | COP 27 – Klimaziele neu ausrichten? | Talfahrt der Globalökonomie | Frauenpolitik für eine gerechte Gesellschaft | OECD-Studie: Bildung auf einen Blick 2022 | Forum Gewerkschaften: »IG Metall vom Betrieb aus denken«  | ver.di-Tarifrunde: Zusammen geht mehr! | Historische Wegmarken: Über Charlotte Wiedemanns neuem Buch | Eric Hobsbawm: Eigensinniger Marxist, weltberühmter Historiker u.v.a.m.

Socialist Register

Das weithin anerkannte internationale Phänomen der »neuen Polarisierung bei alten Widerssprüchen« verdient den genaueren Blick. Socialist Register 2022.

Mit revolutionären Grüßen!

Menschen aus der Hamburg-Altonaer-Harburger Arbeiter*innenbewegung versandten zwischen 1900 und 1945 vielfach Grüße – auf Postkarten. Die Geschichten, die diese preisgeben, haben 38 Autorinnen und Autoren in dem von René Senenko herausgegebenen Band »Mit revolutionären Grüßen« zu einem Episodenbuch zusammengefügt. Und viele Kartengrüße finden nach 80 bis 100 Jahren nun erstmals ein Publikum. Auch darin liegt der Reiz des Buches.

Eine Buchvorstellung wird am 12.12. ab 18:00 Uhr in der LAB-Begegnungsstätte St. Georg, Hansaplatz 10 in 20099 Hamburg stattfinden. Neben dem Herausgeber werden Autorinnen und Autoren anwesend sein. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Dringende Bitte um Unterstützung

Auf der Frankfurter Buchmesse war die Krise des Buchmarkts ein zentrales Thema. Sie bedrohe – so die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs – die Vielfalt der Literatur und damit auch literarische und politische Standpunkte. Die FAZ titelte ihren Bericht »Verlage schlagen wegen der Kosten Alarm«. Auch der VSA: Verlag und die Zeitschrift Sozialismus.de sind als kleine unabhängige Projekte von der immer größer werdenden Schere zwischen einer Explosion der Druckpreise und sonstiger Kosten bei einer zugleich erheblichen Einschnürung der Nachfrage aufgrund steigender Lebenhaltungskosten massiv betroffen.

Deshalb: Kauft unsere Bücher, informiert auch Bekannte und Freund*innen über unser Programm (Exemplare unseres gedruckten Prospektes schicken wir auf Anforderung gern zu). Und wir bitten die Leser*innen und die Besucher*innen der Webseiten, unser politisches Projekt zusätzlich durch Spenden zu unterstützen. Wir können unsere Informationsarbeit nur mit eurer Solidarität fortsetzen. Weitere Informationen zur Lage auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt und die Möglichkeiten der Unterstützung haben wir auf www.vsa-verlag.de bzw. www.Sozialismus.de zusammengestellt.

Wir hoffen auf eure Solidarität und bedanken uns zugleich für die Unterstützung.
Das Team des VSA: Verlags und die Redaktion Sozialismus.de

Alles Gute zum 90. Geburtstag!

Unser Autor und Freund Klaus Steinitz feierte am 12.11.2022 seinen 90. Geburtstag. Dazu wünschen wir alles Gute, vor allem weiterhin eine stabile Gesundheit und Schaffenskraft. Eine ausführliche Würdigung seines politisch-theoretischen und -praktischen Wirkens hat die Redaktion von Sozialismus.de unter dem Titel Erfahrungen im Zeitalter der Extreme vorgenommen, auf die wir an dieser Stelle verweisen. Zudem haben wir sein letztes Buch Zukunftsfähiger Sozialismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen an eine sozial-ökologisch nachhaltige gesellschaftliche Produktionsweise online gestellt, auf das Lutz Brangsch und Judith Dellheim in ihrer Würdigung auf der Seite der Rosa Luxemburg Stiftung ausführlich eingehen.

Böhmermann: NSU-Akten gratis

Seit Jan Böhmermanns ZDF-Sendung vom 28.10. ist auf der Website NSU-Akten gratis nachzulesen, was der Verfassungsschutz 120 Jahre geheim halten wollte: »Die Geschichte des NSU ist auch eine Geschichte der jahrelangen Vertuschung beim Verfassungsschutz. ›FragDenStaat‹ und das ›ZDF Magazin Royale‹ veröffentlichen jetzt Geheimdokumente, die vielleicht nur deshalb geheim sind, weil sie ein schlechtes Licht auf den Verfassungsschutz werfen.« Damit holen sie nach, was die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel 2012 den Angehörigen der NSU-Opfer zwar versprochen, aber nie eingelöst hatte: »bedingungslose Aufklärung«. Auch ihr Nachfolger sieht keinen Anlass, sich an das damalige Versprechen zu halten, scholzte stattdessen den mutigen Vorstoß von Böhmermann in bekannter Manier ab: »Dieses Vorgehen soll keine Schule machen.« Und dass nun auch noch eine Strafanzeige gegen die Veröffentlichung erfolgte, passt in das Bild, das die Autor*innen in dem von Benjamin-Immanuel Hoff, Heike Kleffner, Maximilian Pichl und Martina Renner herausgegebenen Band Rückhaltlose Aufklärung? bereits 2019 herausgearbeitet haben: Der Schutz des vermeintlichen Staatswohls hat die Oberhand vor der rückhaltlosen Aufklärung gewonnen.

Die Zukunft des »System Putin«

Ein Ende des im Februar 2022 begonnenen Krieges gegen die Ukraine ist auch nach 250 Tagen Krieges nicht in Sicht. Das »System Putin« – eine Autokratie, die sich auf eine rohstoffbasierte Wirtschaft und auf die Macht der repressiven Staatsdienste stützt – wird trotz Sanktionen und Teilmobilmachung von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert. Was ist der Hintergrund? Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 beschloss die Regierung von Boris Jelzin den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft. Mit der Nachfolge durch Putin lief der Prozess der Überwindung der sowjetischen Planökonomie hin zum Kapitalismus weiter. Die Russen erinnern sich an Putins erste Amtszeit als erfolgreiche Jahre. Von einer sich zunächst nur verschärfenden Ungleichzeitigkeit driftet das russische Regime inzwischen immer mehr in eine reine Retropolitik ab. Hinzu kommt, dass die Repression mit dem Krieg ein neues Ausmaß erreicht. Es gibt nur noch rudimentäre Ansätze einer Zivilgesellschaft. Felix Jaitner hat seine 2014 zuerst veröffentlichte Analyse auf den aktuellen Stand gebracht: »Russlands Kapitalismus«.

Revolution im November

Am 3. November 1918 verweigern knapp 5.000 Matrosen in Kiel der deutschen Kriegsflotte ihren Offizieren den Befehl, in den Krieg zu ziehen. Der Matrosenaufstand weitet sich aus, wird zur reichsweiten Revolution. Schließlich wird am 9. November die Republik ausgerufen. In dem von der IG Metall-Bezirksleitung Küste herausgegeben Band Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918 stellen die Autor*innen bis heute anhaltende Errungenschaften dieser Zeit vor – z.B. 8-Stunden-Arbeitstag, Frauenwahlrecht, Tarifautonomie oder Betriebsräte –, und machen zugleich deutlich, dass diese dank der »sozialen Bewegung« der Arbeiter*innen erkämpft werden mussten. Wie sozialdemokratische, kommunistische und konservative Zeitzeugen diese bewegte Zeit wahrgenommen haben, darüber geben Interviews in dem von Bernhard Nette herausgegebenen Buch 1918/19: Eine deutsche Revolution und ihre Folgen Auskunft, das Anfang Dezember erscheinen wird.

Verbrechen im November

20 Jahre später ist die Weimarer Republik Geschichte und die Nationalsozialisten sind an der Macht, als in der Nacht vom 9. auf den 10. November im gesamten Deutschen Reich Pogrome stattfanden. Synagogen und Geschäfte von Jüd*innen werden unter tätiger Mitwirkung vieler Deutscher in Brand gesteckt, zerstört und geplündert, jüdische Menschen gejagt und verprügelt – der Beginn des Holocausts. Etliche Überlebende dieses Völkermords verarbeiteten die erfahrene Verfolgung, indem sie ihre Geschichte aufschrieben – nicht zuletzt in der Hoffnung, dass daraus Lehren für die Zukunft gezogen würden. So die litauische Jüdin Žana Ranaitė-Čarnienė, deren Buch Eine unglaubliche Wahrheit Ende November erscheinen soll. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die trotz aller widrigen Umstände den Kampf ums Überleben nicht aufgibt. Oder Peggy Berolsky, die nach Auschwitz deportiert wurde und dennoch überleben konnte, in ihrem Bericht Von Krakau nach Kapstadt. Aufgeschrieben hat ihn ihre Enkelin Lisa Strauß, die das 2021 erschienene Buch in diesem November gleich zweimal vorstellen wird: am 7.11. in Berlin ab 20:00 Uhr in der PANDA platforma, Knaackstraße 97 und am 16.11. in Köln ab 19:00 Uhr in der Zentralbibliothek, Josef-Haubrich-Hof 1. Beide Veranstaltungen werden organisiert vom Bundesverband Information & Beratung für NS–Verfolgte e.V.

Der lange Weg zur Gleichstellung

Jedes Jahr berechnet das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seinem Global Gender Gap Report, wie es um die Gleichstellung von Mann und Frau steht. Im Jahr 2022 ist die weltweite Kluft zwischen den Geschlechtern demnach zu erst 68,1% geschlossen. In dem Report wird schließlich auch ein Blick in die Zukunft gewagt: Die weltweite Geschlechtergleichheit wird zwar vier Jahre früher als noch 2021 prognostiziert, sie soll nun in 132 Jahren erreicht sein. In Deutschland dürfte es Dank dem hartnäckigen Engagement vieler Frauen nicht mehr ganz so lange dauern. Gleichwohl bleibt auch hier noch viel zu tun. Christine Morgenstern hat ein Vierteljahrhundert in diesem Bereich gearbeitet, reichlich Erfahrungen mit Desinteresse und Ignoranz gemacht, mit Missverständnissen und mit den berühmten Mühen der Ebene – aber auch mit großem Engagement, mit innovativen Ideen und spannenden Debatten. Die zentrale Botschaft ihres Buches Gleichstellung lautet: Nachhaltige Erfolge in der Frauen- und Gleichstellungspolitik lassen sich nur dann erreichen, wenn man auch die soziale Frage insgesamt in den Blick nimmt.

Was erhalten und wie erneuern?

»Wir kaufen Öl und Gas, wo es am billigsten ist, verkaufen Autos und Maschinen, wo sie am meisten Geld bringen.« Mit diesem Satz eröffnet Fritz Reheis sein neues Buch »Erhalten und Erneuern«, in dem er deutlich machen will, dass nur Kreisläufe nachhaltig sind, Durchläufe dagegen nicht. In Krisenzeiten zeigt sich besonders deutlich, dass wir uns verlaufen haben mit unserem »Fortschritt«. Deshalb ist eine neue Perspektive  hilfreich, ein größerer Ausschnitt, um die Fragen zu beantworten: Wo sind wir eigentlich? Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Sein Buch ist ein Orientierungsangebot: »In einer Situation, in der uns der alte Kompass unübersehbar immer mehr in die Irre führt, geht das Angebot zur Neuorientierung von einer ebenso häufig beanspruchten wie längst zur Floskel verkommenen Leitidee aus: der Idee der ›Nachhaltigkeit‹. In drei Kapiteln wird die Zeitdimension, die diesem Begriff zugrunde liegt, ernst genommen und nach und nach konkretisiert. So entstehen Konturen einer Alternative zum perspektivlosen ›Weiter so‹ – eine Vision, die mit guten Gründen beanspruchen kann, konservativ und revolutionär zugleich zu sein.«

Erfolgreiche Krankenhausbewegung

Im Rahmen einer außergewöhnlichen Kampagne erstreikte die Berliner Krankenhausbewegung 2021 bessere Arbeits- und Tarifbedingungen in mehreren Kliniken und damit zugleich eine bessere Versorgung der Patient*innen. Es begann mit einer Petition, die von 8.397 Beschäftigten von Charité, Vivantes und den Vivantes Töchtern unterschrieben und am 12. Mai 2021 an den Berliner Senat und die Geschäftsführungen übergeben wurde. Nach 30 Tagen Streik an der Charité, 35 Tagen Streik bei Vivantes und 43 Tagen Streik bei den Vivantes Töchtern war der Sieg errungen – Resultat einer beispiellosen gewerkschaftlichen Organisierung von Beschäftigten in Pflege, Funktionsdienst, Hebammen, Therapeut*innen, Reinigungskräften, Gärtner*innen, Transport, Gastronomie, Azubis und mehr – Seite an Seite. Wie und was funktioniert hat, welche Konflikte es gab und vieles andere mehr beschreiben in dem von Silvia Habekost, Dana Lützkendorf, Sabine Plischek-Jandke und Marie-Luise Sklenar herausgegebenen WIDERSTÄNDIG-Band Gebraucht, beklatscht – aber bestimmt nicht weiter so! eben jene in Pandemiezeiten gern Beklatschte selbst, denn sie haben Geschichte gemacht.

Ein Buch des Monats und eine Ausstellung

Die »Blätter für deutsche und internationale Politik« stellen die neueste Veröffentlichung von Dieter Klein Regulation in einer solidarischen Gesellschaft als »Buch des Monats« November vor. Unter dem Titel »Der Weg zum Wandel« setzt sich Dieter Segert, ebenfalls Autor des VSA: Verlags, ausführlich mit Kleins Frage auseinander, »wie eine progressive Transformation in Gang kommen kann. Er antwortet ausführlich und differenziert, verkürzt kann man es wie folgt zusammenfassen: durch zivilgesellschaftlichen Druck von unten und unter Nutzung von Bewegungsräumen, die im Machtkampf zwischen Elitefraktionen entstehen.« Gerade auch wegen einiger kritischer Einwände lautet Segerts Fazit: »Es lohnt sich, das jüngste Buch von Dieter Klein sorgfältig zu lesen.«



Vom 9. bis 28.11. wird in der Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen (Hühnerposten 1, Eingang: Arno-Schmidt-Platz) die von René Senenko kuratierte Ausstellung »Proleten auf Karton 2.0« gezeigt, in der Postkarten und Fotografien der Arbeiterbewegung zwischen Weltwirtschaftskrise und Reichstagsbrand (1929-1933) zu sehen sind. Zeitgleich erscheint der von ihm herausgegebene Band »Mit revolutionären Grüßen«, in dem auf 288 Seiten insgesamt 38 Autor*innen noch deutlich mehr Postkarten der Hamburger Arbeiterbewegung 1900–1945 präsentieren und ausführlich kommentieren – für eine Welt ohne Ausbeutung, Faschismus und Krieg.

Den SOZIALISMUS neu entdecken?

In »SOZIALISMUS neu entdecken« beleuchtet Michael Brie dessen ideengeschichtliche Entwicklung zwischen Liberalismus und Kommunismus, betont die Notwendigkeit einer Analyse des Kapitalismus und diskutiert die Ratio einer sozialistischen Wirtschaftsordnung als Gegenmodell. Wichtig ist ihm das Verhältnis von Individuen und Gesellschaft und deren konfligierende Entwicklung. Und: Die erforderliche zivilisatorische Transformation hin zu einer solidarischen, demokratischen und pluralen Lebens- und Wirtschaftsweise, also die Neuentdeckung des Sozialismus, ist zudem ohne die Bearbeitung seiner Widersprüche sowie der bisherigen gescheiterten Versuche nicht zu haben.

Waren Sozialisten immer gegen Judenfeindschaft?

Zur Befreiung der Menschen von Unterdrückung, Ausbeutung und Völkerhass hatte sich die sozialistische Bewegung im 19. Jahrhundert gebildet. Dennoch war das Verhältnis sozialistischer Persönlichkeiten und Bewegungen zum Antisemitismus niemals einfach, judenfeindliche Vorurteile gab und gibt es auch in der Linken. In den letzten Jahren rückten Forschung und Öffentlichkeit von der Ansicht ab, Sozialismus und Antisemitismus seien gegensätzlicher Natur, teilweise wurde der politischen Linken eine allgemeine Judenfeindschaft unterstellt. Ohne die problematischen Aspekte dieser Beziehung, angefangen von Karl Marx’ umstrittener Schrift von 1844, zu leugnen, sucht Mario Keßler in seinem Band zur Judenfeindschaft und ihrer Bekämpfung (1844-1939) die historischen Proportionen wieder herzustellen.

Neu im Team: Rebecca Schmidt

»Politisches Wissen bricht die Fesseln der Sklaverei.« Schon in meiner Jugend interessierte ich mich für Politik und sozialökonomische Strukturen – das System, in dem ich lebe, oder besser gesagt überlebe, begann ich aber erst durch die Lehre in meinem politikwissenschaftlichen Studium zu entmystifizieren. Sich politisches Wissen anzueignen und damit die Ketten der Sklaverei zu brechen, heißt für mich ein Stückchen mehr Gerechtigkeit, ein Stückchen mehr Freiheit, eine kleine Revolution jeden Tag. Der VSA: Verlag trägt mit seinen Büchern maßgeblich dazu bei, politisch linksorientierte Menschen weiterzubilden, leistet auch in der aktuellen Krise einen unverzichtbaren Beitrag für die Aufklärung politischer Missstände und gibt uns mit zahlreichen Büchern zu sozialistischen Umgestaltungsideen Zuversicht für eine Alternative. Die Arbeit als Lektorin macht mir riesigen Spaß und ich hoffe einen sinnvollen Beitrag zur Verlagsarbeit leisten zu können.

Neu im Team: Luke Tapé (unterstützt uns zunächst in einem Praktikum)

Ich bin seit Oktober im Verlag und konnte bisher vor allem im Lektorat aushelfen. Zuvor absolvierte ich meinen Bachelor in Politikwissenschaft und Philosophie in Göttingen und studiere dort derzeit im Master Sozialwissenschaftliche Diversitätsforschung. Neben dem Studium befasste ich mich in den letzten Jahren als Werkstudent beim Institut für Demokratieforschung mit der Erforschung Sozialer Bewegungen, subkultureller Milieus und Gegenöffentlichkeiten. Darüber hinaus gilt mein Interesse der Zukunft gewerkschaftlicher Organisation. Meine freie Zeit ist zu großem Teil für Musik reserviert: Ich spiele seit Jahren autodidaktisch Klavier und besuche regelmäßig Konzerte wie Jamsessions. Am liebsten höre ich so gut wie alles und die Jazzpianisten Thelonious Monk und Elmo Hope. An ruhigeren Abenden ist Kochen und Lesen angesagt. Falls jemand einen Tipp aus den mir im vergangenen Jahr untergekommenen Büchern haben möchte, könnte ich empfehlen: »Le nouvel esprit du capitalisme« von Luc Boltanski und Eve Chiapello, »Trotz alledem. 200 Jahre deutsche Radikale« von Bernt Engelmann sowie »The Magus« von John Fowles.

Erinnerung an Mike Davis

Der am 25. Oktober verstorbene Soziologe Mike Davis war Gründungsmitglied der Los Angeles School of Urbanism, seine Bücher sind bei den Kollegen des Verlags Assoziation A erschienen. Die Analysen über die USA, aber auch seine theoretischen Beiträge waren immer Pamphlete gegen krasse Ungleichheiten. Er erklärte, wie und warum sich über Architektur, Stadtplanung und Lokalpolitik soziale Spaltungen verschärfen können. Davis analysierte zudem die gigantischen Naturkatastrophen, erklärte Luftmassenverschiebungen, Temperaturschwankungen und ihre Folgen. Ein grüner Kapitalismus war für ihn nicht die Lösung der ökologischen Krise. Unser Autor David Harvey, der in seinen Arbeiten sich ebenfalls mit den urbanen Wurzeln des Kapitalismus befasste, schrieb über Davis’ 1999 erschienenes Buch: »›Ecology of Fear‹ erinnert uns auf witzige und eindringliche Weise an einige der wichtigsten ökologischen und sozialen Fragen, die ausgegraben, verstanden, verhandelt und angegangen werden müssen, wenn wir überhaupt eine urbane Alternative aufbauen wollen.«

Was erhalten und wie erneuern?

»Wir kaufen Öl und Gas, wo es am billigsten ist, verkaufen Autos und Maschinen, wo sie am meisten Geld bringen.« Mit diesem Satz eröffnet Fritz Reheis sein neues Buch »Erhalten und Erneuern«, in dem er deutlich machen will, dass nur Kreisläufe nachhaltig sind, Durchläufe dagegen nicht. In Krisenzeiten zeigt sich besonders deutlich, dass wir uns verlaufen haben mit unserem »Fortschritt«. Deshalb ist eine neue Perspektive  hilfreich, ein größerer Ausschnitt, um die Fragen zu beantworten: Wo sind wir eigentlich? Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Sein Buch ist ein Orientierungsangebot: »In einer Situation, in der uns der alte Kompass unübersehbar immer mehr in die Irre führt, geht das Angebot zur Neuorientierung von einer ebenso häufig beanspruchten wie längst zur Floskel verkommenen Leitidee aus: der Idee der ›Nachhaltigkeit‹. In drei Kapiteln wird die Zeitdimension, die diesem Begriff zugrunde liegt, ernst genommen und nach und nach konkretisiert. So entstehen Konturen einer Alternative zum perspektivlosen ›Weiter so‹ – eine Vision, die mit guten Gründen beanspruchen kann, konservativ und revolutionär zugleich zu sein.«

Gesellschaftliche Verhältnisse psychoanalytisch deuten

Mit dem Untergang der Sowjetunion schien der Konflikt zwischen Kommunismus und Kapitalismus zugunsten des letzteren entschieden. Aber Kommunismus ist kein einmaliges geschichtliches Ereignis, seine Wurzeln reichen über das 19. Jahrhundert weit zurück. Bereits in der Antike gab es bei Platon und Sokrates kommunistische Vorstellungen. So ist auch in Zukunft zu erwarten, dass Gemeinschaften, Gesellschaften, Traditionen und Gesetzgebungen das Gemeinsame – communis – über das Einzelne stellen. Kommunismus ist also zugleich eine zukunftsoffene Konzeption, die immer in Absetzung zu kapitalistischen Strukturen zu betrachten ist. Wolfgang Harsch unternimmt in seinem Buch Kindheit, Kommunismus, Kapitalismus den Versuch, die historische Entwicklung kommunistischer bzw. kapitalistischer Ziele und Gesellschaften in Verbindung mit den individuellen und gesellschaftlichen frühkindlichen Entwicklungsbedingungen zu deuten, und greift dabei auf seine Erfahrung als Psychoanalytiker zurück.

Blick auf 50 Jahre zurück und nach vorn

Da sich die Übernahme des Verlags 1972 über mehrere Monate erstreckte (einiges dazu hatten wir anlässlich des 40-jährigen Jubiläums notiert), gibt es auch keinen konkreten 50. »Jahrestag« der Verlagsgründung. Und da wir ähnlich wie Bertolt Brechts Herr Keuner »nicht für Jahrestage« sind, sondern eher »für kritische Arbeit, für tätige Vernunft«, haben wir »wenig Zeit zum Feiern«, halten »den Fortgang des Lebens für wichtiger als die Zelebration des Erreichten« und stellen uns »den Problemen der Zeit«. Etwas aus 50 Jahren Erreichtem zu Problemen der Zeit mit linken Büchern zelebieren wir in einer Präsentation auf der VSA: Geschichtsseite. Der Versuch, den Blick zurück immer auch mit aktuellen Buchprojekten zu verbinden, soll deutlich machen: Wir bleiben der Zukunft zugewandt und sind mit dem Projekt für »kritische Arbeit« noch längst nicht fertig.

Den Geburtstag begehen wir vor allem mit den gerade erschienenen fünf hellroten Bändchen – aus jedem Jahrzehnt der Verlagsarbeit ein vergriffener Text neu aufgelegt. Im Detail sind das: Louis Althussers »Krise des Marxismus«, Ágnes Hellers »Theorie der Bedürfnisse bei Marx«, Pierre Bourdieus »Die Intellektuellen und die Macht«, Harald Neuberts »Einführung Gramsci« und David Harveys »Die urbanen Wurzeln der Finanzkrise«.

Unterstützungsmöglichkeit für Journalist*innen

Da in Kriegen die Wahrheit bekanntlich immer als erstes unter die Räder kommt, haben wir auf einer Extra-Seite Unterstützungsmöglichkeiten und Netzwerke für kritische Journalist*innen aus der Ukraine und Russland zusammengestellt.

Wir haben regelmäßig darüber informiert, warum und in welchem Ausmaß Corona auch unsere Arbeit beeinträchtigt, und um Unterstützung gebeten. Dieser Bitte sind Autor:innen, Freund:innen und viele Leser:innen gefolgt.


Ein großer Dank an alle, die geholfen haben. Wir sind auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Deshalb bei der Lieblingsbuchhandlung vor Ort bestellen, die ebenfalls Zuspruch benötigt, oder auf der VSA: Website.

Spenden

Für alle diejenigen, die das können und die Arbeit des Verlages durch eine finanzielle Zuwendung unterstützen möchten, gibt es folgendes Spendenkonto:

VSA: Verlag Hamburg | GLS Bank Bochum
IBAN: DE 0343 0609 6720 2812 4100
BIC: GENODEM1GLS

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