Auf den letzten Drücker
sollten die obligatorischen Geschenke zum Fest nicht besorgt werden, das führt nur dazu, dass Unnützes später umgetauscht wird. Deshalb erscheinen wie jedes Jahr die Tipps für Nützliches vom VSA: Team und der Redaktion Sozialismus.de bereits am Nikolaustag.
Wir trauern um Rolf Becker (31.3.1935–12.12.2025)
VSA: Verlag Hamburg | Redaktion Sozialismus.de
Foto: Wikipedia – Frank Schwichtenberg, 2016 in Elmshorn
Der Schauspieler, Gewerkschafter und politische Aktivist Rolf Becker ist am Freitag im Alter von 90 Jahren in einem Hamburger Hospiz gestorben. Wir trauern mit seiner Frau Sylvia Wempner und seiner Familie um einen engagierten Kollegen und Freund, der sich bis ins hohe Alter insbesondere in Hamburg St. Georg für den Stadtteil und vor allem seine Menschen engagierte. Noch am 19. September beteiligte er sich zusammen mit seiner Frau an der Gedenkveranstaltung für den kurz zuvor verstorbenen Jürgen Wohlers; für den Erhalt von dessen Buchhandlung im Stadtteil hat Rolf zusammen mit vielen Kolleg*innen aus dem Hamburger Schauspielhaus und Bewohner*innen aus St. Georg erfolgreich gekämpft. Wir unterstreichen daher den Nachruf von Annette Matz im NDR: »Rolf Becker wird fehlen. Auf der Straße in Hamburg-Sankt Georg und anderswo.«
Geboren wurde Rolf Becker 1935 in Leipzig, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schickten ihn die Eltern auf den Bauernhof der Großeltern nach Schleswig-Holstein. In einem Interview erläuterte er knapp seinen Weg zur Schauspielerei: »Ich war zehn, als der Krieg zu Ende war. Dann begann mit der Bewusstwerdung, sage ich mal, so ab der Pubertät, das Bedürfnis zu kapieren, was läuft da und auch das Darübernachdenken, wie richtet man eine Welt ein, in der das nicht wieder vorkommt? Dadurch kam dann die Beschäftigung mit der Literatur, vor allem mit der ausländischen Literatur, dann die Kontakte zu Schauspielern am Bremer Theater und so bin ich dann da reingewachsen und reingeschliddert.«
Ab 1945 besuchte er das Alte Gymnasium in Bremen, machte dort Abitur und nahm von 1956 bis 1958 Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Das notwendige Geld verdiente er sich als Bühnentechniker. 1963 ging er ans Theater Bremen, wo er auch selbst inszenierte, wechselte 1971 nach Hamburg, wo er unter anderem Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus und am Thalia Theater war und in den Jahren 1997 bis 2004 in der Speicherstadt unter freiem Himmel den »Jedermann« spielte. Seine Zuneigung zu Hamburg und dem Stadtteil St. Georg, in dem er wohnte, drückte er einmal so aus: »Ich liebe so viel an dieser Stadt, die Leute, die Tonart in einer Sprache, das Spazierengehen an der Elbe. Kein anderer Ort auf der Welt ist einfach so wunderschön.«
Bevor er einem breiteren Publikum durch diverse Rollen in TV-Serien wie »Großstadtrevier«, »Tatort« und vor allem bis zum Schluss in der ARD-Arztserie »In aller Freundschaft« bekannt wurde, spielte er Theater unter Peter Zadek und in Stücken von Thomas Bernhard sowie in zahllosen Spielfilmen. Uns besonders in Erinnerung geblieben sind sein Auftritt als Staatsanwalt in der Böll-Verfilmung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« von Volker Schlöndorff und Margarete von Trotta aus dem Jahr 1975, und seine Darstellung eines älteren Geschäftsmannes 1999 in »Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday« von Rolf Schübel, der in Budapest seiner Jugendliebe nachforscht (sein jugendliches Pendant, ein SS-Offizier, spielte übrigens sein Sohn aus der Ehe mit Monika Hansen [1943-–2025], Ben Becker).
Ein weiterer Film, der Rolf besonders am Herzen lag, war »Heinrich der Säger« von Klaus Gietinger aus dem Jahr 2001, der sich Stilllegungen von Bahnstrecken auf Grund von Profitgier mit Hilfe skrupelloser Politiker vornahm, in dem er den kauzigen Bahnhofsvorsteher Kurt Grantke gab (seine Filmtochter wurde in dieser Komödie von seiner Tochter Meret Becker verkörpert). Rolf war zudem dank seiner markanten Stimme auch ein gefragter Synchron- und Hörspielsprecher, die er auch für sein politische Engagement nutzte: So las er den ungekürzten Originaltext von 1848 des »Kommunistischen Manifest« von Marx und Engels sowie eine Interpretation dazu des englischen Historikers Eric Hobsbawms auf einem Hörbuch ein (das bei den Kollegen vom Argument Verlag noch immer erhältlich ist).
Rolf Becker machte aus seinem politischen Engagement kein Geheimnis. Er war nicht nur – für einen Schauspieler eher ungewöhnlich – Mitglied in der Gewerkschaft ver.di, sondern auch zeitweilig im Ortsvereinsvorstand Hamburg des Fachbereichs Medien aktiv. Politisch stand Rolf der »Gruppe Arbeiterpolitik« nahe, die sich in der Tradition der KPD-Opposition verstand und in der er in Hamburg mitwirkte. Zusammen mit dem Dramaturgen Claus Bremer (1924–1996) hatte er 1978 im VSA: Verlag die Erinnerungen des KPO-Aktivisten Paul Elflein unter dem Titel »Immer noch Kommunist?« herausgegeben.
Rolf war wegen seiner antimilitaristischen und gesellschaftskritischen Einstellung auch ein häufiger Redner auf Demonstrationen, engagierte sich zudem bei weitergehenden Aktionen. Im März 1999 etwa hielt er sich mit einer Gruppe von Gewerkschaftern zu Beginn des NATO-Luftkrieges gegen Jugoslawien in Belgrad auf und sprach anschließend immer wieder darüber (Franz Kafka zitierend): »Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht«.
Als Griechenland mit einer linken Regierung unter massiven Druck der Eurozone und des IWF gesetzt wurde (zur Erinnerung: der damalige deutsche Finanzministers Wolfgang Schäuble wurde mit dem Zitat »Griechenland isch over« berüchtigt) organisierte Rolf Solidaritätsaktionen und -konzerte – so zum Beispiel am 1. April 2012 im voll besetzten Hamburger Schauspielhaus unter dem Titel »Mikis Theodorakis: Du bist Griechenland« gemeinsam mit der Sängerin Julia Schilinski, dem Komponisten, Konzertpianisten und Theodorakis-Kenner Gerhard Folkerts sowie der Hamburger Singakademie (unterstützt von der Geschichtswerkstatt St. Georg, der Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde und dem Einwohnerverein St. Georg).
2016 hielt er die Laudatio für die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano (1924–2021) bei der Verleihung des Preises für Solidarität und Menschenwürde durch das Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde. Befragt nach seiner Haltung zum Ukraine-Krieg antwortete er 2023: »Schluss mit allen Waffenlieferungen, alles tun, um Verhandlungen durchzusetzen.«
Rolf wird nicht nur in St. Georg vermisst!
Neu ins Programm aufgenommen
haben wir auf Bitten des DGB Frankfurt am Main die zweite Auflage der »Antifaschistschen Stadtrundgänge« durch die Mainmetropole, die die AG Stadtgänge bei DGB ausgearbeitet hat. Der Bitte kommen wir gern nach, denn wir teilen das Ansinnen der Gruppe, die die Aussage »Nie wieder ist jetzt!« angesichts eines erstarkenden Antisemitismus und Rassismus, angesichts des Erstarkens extrem rechter Parteien, Organisationen und Gedanken zum Ausgangspunkt ihres Textes machte. Der Kern des Buches sind Texte zu Orten in der Stadt, an denen sich die Geschichte des Wegs in den Nationalsozialismus, der Vertreibung und Ermordung, aber auch der Gegenwehr und des Widerstands zeigen lässt. Zudem wird die Geschichte der Stadt auch danach befragt, was sie für politisches und gesellschaftliches Handeln heute bedeutet. Ein spannendes Buch für Frankfurter und die zahlreichen Gäste der Stadt.
Geschichte(n) auch aus Hamburg
stellten drei VSA: Autoren auf dem »Buchmarkt der unabhängigen Verlage Hamburg« vor, der mit Verkaufsständen und Veranstaltungen am zweiten Adventswochenende in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossitzky stattfand.
Am Samstag um 14:50 Uhr lasen Felix Krebs und Florian Schubert aus ihrem Buch »Hamburgs ›Baseballschlägerjahre‹«, in dem es um Rechte und rassistische Gewalt in den 1980er-Jahren geht und darüber, wie Politik, Polizei und Justiz diese in erster Linie als Gewalt- und Jugendphänomen behandelten und rechte Schläger*innen so in ihrem Handeln bestärkten. Und um 16:50 Uhr diskutierte Michael Hopp mit Jürgen Bönig über dessen Buchprojekt »Otto Meißner – Verleger nicht nur des ›Kapital‹«, den der Autor als einen 1848er in Hamburg beschreibt und zugleich Facetten von deren Wirtschafts-, Sozial- und Staatsgeschichte im 19. Jahrhundert aufdeckt.
Kaum erschienen, schon frisch besprochen:
Unter dem Titel »Brücke zur Barbarei« bespricht Matthias Rude in der »jungen Welt« vom 1.12. das gerade erschienene Buch von Klaus Weber »Kampfblatt des autoritären Liberalismus«: »Ein Jahr lang hat der Autor Leitartikel, Kommentare und Berichte der FAZ ausgewertet. Das so entstandene ›FAZ-Tagebuch 2023‹ macht über die Hälfte des Buches aus. Das Tagebuch wird komplettiert durch eine umfangreiche Einführung. Im Resultat der Analyse Webers erscheint die FAZ als publizistischer Motor der deutschen ›Kriegstüchtigkeit‹ gegen den Feind im Osten; die Zeitung habe eine Scharnierfunktion für den ideologischen Zusammenschluss. [...] Am Ende ist der Befund unmissverständlich: ›Barbarei – Krieg und Faschismus – ist für die Herrschenden kein Problem, solange das Geschäft boomt.‹ Die FAZ sei ›medialer Verstärker‹ dieser Entwicklung, ein Medium des ›Brückenbaus zu einem neuen Faschismus‹. Webers Analyse zeigt nicht nur, wie diese Brücken gebaut werden, sondern auch, warum sie weithin unbemerkt bleiben – weil sie hinter der brüchiger werdenden Fassade des Liberalismus errichtet werden.«
Frisch ausgezeichnet:
VSA: Autor Wilfried Weinke wurde für sein langjähriges, außergewöhnliches Engagement in der Erinnerungskultur vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Dazu gratulieren auch wir ganz herzlich! Verdienstkreuz und Urkunde überreichte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda am 14.11. im Rathaus: »Wilfried Weinke holt durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und kuratorischen Tätigkeiten die Biografien aus Hamburg vertriebener Jüdinnen und Juden, deren Geschichten lange vergessen waren, wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Seine Arbeiten sind richtungsweisend für die Erinnerungskultur und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Exilgeschichte in Hamburg. Wilfried Weinke leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag für das kulturelle Gedächtnis unserer Stadt. Diese hochverdiente Ehrung unterstreicht die große gesellschaftliche Bedeutung seiner Forschung für die Aufarbeitung unserer Geschichte.« Im VSA: Verlag gab er 2023 den Band »Die Erinnerung wachhalten« heraus, in dem Freunde, Kollegen und Weggefährten das aktive Engagement für eine aufklärende Erinnerungskultur in Hamburg des Volkskundlers und Historikers Ulrich Bauche (1928–2020) würdigten.
Damit nicht alle Hoffnung auf eine friedlichere Welt dahinfährt
starteten am Dienstag, den 25.11. in der voll besetzten Pfarrkirche »Zu den vier Evangelisten« in Berlin-Pankow die Autorinnen und Autoren der Flugschrift »Lasst alle Hoffnung fahren. Zornige Blicke« in die Diskursräume der Gegenwart. Unter anderen Daniela Dahn, Petra Erler, Alexander Rahr, Peter Brandt, Dieter Klein und Marco Bülow von der Gruppe »Neubeginn« (zu der auch Ingo Schulze und Michael Brie gehören) lasen aus ihren Texten. Die politische Situation, Vorkriegsszenarien und das sich zunehmend verschärfende kulturelle Klima geben Anlass zu diesen zornigen Blicken. Die Pankower Kirche, ein Ort der Offenheit seit vielen Jahren, bot der Gruppe wie schon im vergangenen Jahr zur Premiere der der Erinnerung an Antje Vollmer gewidmeten Flugschrift »Den Krieg verlernen« Obdach – Raum, der benötigt wird, um sich über Krisen und mögliche Auswege zu verständigen.
Wir trauern um Micha Brumlik (4.11.1947–10.10.2025)
Aus dem gerade veröffentlichen Nachruf von Julius H. Schoeps in der »Jüdischen Allgemeinen« haben wir die traurige Nachricht entnommen, dass unser Autor Micha Brumlik nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren am 10.11. verstorben ist. Noch im Jahr 2023 hatte er auf der Buchmesse in Leipzig die 2. aktualisierte Auflage seines Buches Postkolonialer Antisemitismus? gemeinsam mit dem damaligen Thüringischen Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff vor- und zur Diskussion gestellt. Wir trauern mit seiner Familie um einen – wie Schoeps zu Recht herausstellt – »öffentlichen Intellektuellen mit streitbaren Ansichten«, der nun fehlen wird.
Rechtem Kulturkampf widerstehen!

Selbst eher konservative Medien fanden, dass Wertkonservative, Rechte und Rechtsextreme sich unter dem Vorwand der Kultur während der als »Buchmesse« titulierten Veranstaltung »Seitenwechsel« in Halle an der Saale am vergangenen Wochenende in den Armen lagen. Die taz berichtet, die »Esoterikdichte« sei hoch gewesen: »Einzelne Personen verkaufen Gemälde, die anscheinend Energien bündeln sollen oder bereits gebündelt haben, selbstgemachte Ketten und Armbänder. Obskurste Bücher werden angeboten, den ›Antichristen‹ wähnt man nahe, Geschichtsklitterung gehört zum guten Ton.« Anhand des Begleitprogramms wurde deutlich, weshalb es unklug wäre, den Kulturkampf von Rechts zu unterschätzen: Alexander Gauland trat auf, Uwe Tellkamp, Gloria von Thurn und Taxis und auch Götz Kubitschek, Verleger des als »gesichert rechtsextrem« ausgewiesenen Antaios-Verlags, der die Messe als Dammbruch feierte. Schon Wochen vorher hielten in der Innenstadt Halles viele Mesnchen auf einem »Demokratiefest« mit Lesungen, Workshops und auch Tanzabenden dagegen. Auch wir leisten mit dem Verlagsprogramm »Widerstand« gegen Rechts, wie unserem aktuellen Prospekt entnommen werden kann, der zudem »linke Vorschläge mit Flugschriften & Büchern für mehr« enthält und gern zur Unterstützung unserer Arbeit hier angefordert werden kann.
Die zunehmende Militarisierung des Alltags
– von der aktuellen Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht bis hin zu den Investitionen in die Rüstungsindustrie – ist auch eine Herausforderung für die Friedensbewegung und insbesondere auch die Gewerkschaften. Denn die aktuelle Kriegsvorbereitungspolitik ist verbunden mit enormen Angriffen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten und ihrer Familien: Abbau von existenziellen Sicherheiten und sozialer Sicherheiten mit der Gefahr auch massiver Eingriffe in Arbeits- und Gewerkschaftsrechte. Darauf haben Gewerkschafter*innen aus unterschiedlichen Organisationen in dem Band Gewerkschaften in der Zeitenwende aufmerksam gemacht und unterstreichen dies auf zahlreichen Veranstaltungen. So zum Beispiel am Mittwoch, den 19.11. in München ab 19:00 Uhr zum Thema »Kanonen oder Butter?« mit Dierk Hirschel (ver.di-Chefökonom) im Rahmen der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit der GEW München und des ver.di Bezirks München und Region, der in seinem gleichnamigen Beitrag in dem Buch deutlich macht, dass Aufrüstung kein Wachstumstreiber ist.
Was wir von Corona lernen sollten
Es ist einiges schief gelaufen in der Pandemie. Auch deshalb beschloss der Bundestag die Einsetzung einer Enquete-Kommission, die unter anderem Lehren für die Zukunft ziehen soll. Aber was genau ist schiefgelaufen? Neben dem die Öffentlichkeit vor allem beschäftigenden »Maskenproblem« – der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) orderte Masken, die deutlich zu teuer waren, zudem steht der Verdacht der Begünstigung einzelner Lieferanten im Raum – finden viele Menschen, dass sie während der Pandemie unzureichend informiert wurden. Die Bevölkerung sah, wie Akteure gegeneinander entschieden: der eine so und der andere so. Politiker in Bund und Ländern argumentierten widersprüchlich,Wissenschaftler und Experten stritten über Ursachen und Maßnahmen. Die schlecht informierte Bevölkerung blieb auf der Strecke und machte sich teilweise eigene verschwörerische Gedanken. Die Pandemie ist zwar vorbei, nicht aber die Diskussion über sie, begleitende Aufklärung ist erforderlich. Gine Elsner stellt in ihrem Buch die Probleme der Corona-Pandemie, des Expertenwissens, der Entscheidungsstrukturen, der Parteienpolitik, des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik und der staatlichen Maßnahmen dar und diskutiert die Folgen. Ausgewertet hat sie Buchveröffentlichungen von »Experten«, vor allem aber gedruckte Medien wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ), die Wochenzeitschrift »Der Spiegel« und das »Deutschen Ärzteblatt«.
Epochenbruch und/oder sozialistische Utopien?
Bereits Eric Hobsbawm ging davon aus, dass die »Kräfte, die die technisch-wissenschaftliche Wirtschaft freigesetzt hat, [...] inzwischen stark genug [sind], um die Umwelt, also die materielle Grundlage allen menschlichen Lebens zerstören zu können.« Dass diese Gefahr der Zerstörung der Grundlagen der kapitalistischen Welt sowohl in einer Explosion als auch einer Implosion bestehen kann, ist inzwischen überall sichtbar, wofür die diversen neuen Kriege samt Rüstungswahn nur die krassesten Ausdrücke sind. Die Linke hat sich mit der deformierten Transformation und den Strukturen des aktuellen Kapitalismus bislang nur unzureichend auseinandergesetzt. Sie hat weder ein empirisch verankertes Deutungsangebot noch werden die gravierenden Veränderungen der Polykrisen theoretisch verarbeitet. Allzu oft wird der berechtigte Wunsch, »Hoffnung zu organisieren« in neue »Utopien des Sozialismus« verlagert, die oft mit den Erfordernissen, die realen Verhältnisse umzuwälzen, nicht kompatibel sind. Schon Friedrich Engels hatte, mit tatkräftiger Unterstützung von Karl Marx, im »Anti-Dühring« dafür plädiert, die Mittel zur Beseitigung der gesellschaftlichen Missstände nicht mehr aus dem Kopf zu erfinden, sondern sie vermittelst des Kopfes in den materiellen Strukturen der Produktion zu suchen. Joachim Bischoff stellt in seinem Buch die neuerlichen Debatten über eine »Utopie des Sozialismus« in einen historischen Kontext und untersucht, wie es zum aktuellen Epochenumbruch und zu einer veränderten Weltordnung kommen konnte.
Noch einmal WORK ON PROGRESS
Wissenschaft darf linksseitig engagiert und normativ sein, ohne sich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit gefallen lassen zu müssen. Sie muss sich vor allem dagegen verwahren, von Herrschaftsinteressen instrumentalisiert zu werden. Denn Bildung ist zum einen das (geistige) Bilden von sich selbst, zum anderen das (gegenständliche) Bilden des gesellschaftlichen Ganzen. Es geht bei kritischer Wissenschaft nicht nur darum, die Welt zu begreifen, sondern sie durch das Begreifen auch zu verändern. Diese Prozesse sind niemals abgeschlossen, daher sind das Begreifen und Bilden im wahrsten Sinne des Wortes ein WORK IN PROGRESS und WORK ON PROGRESS. Dies haben die jährlich erschienenen bislang 14 Bände des Doktorand*innen-Jahrbuchs aus dem Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit diesem Namen deutlich gemacht, das leider nicht weitergeführt werden kann. Marcus Hawel, Stefan Kalmring und Nina Schlosser haben einen letzten Band unter dem Titel Wozu noch kritische Wissenschaft zusammengestellt (es wurde bewusst auf das Fragezeichen verzichtet), in dem diesmal andere Autor*innen zu Wort kommen und dabei auch in die Zukunft blicken. Angesichts der gesellschaftlichen Krise der Linken in unserer Zeit rekurrieren die Herausgeber*innen und die Autor*innen auf die fragezeichenlose Frage, weil sie sich mit nüchternem Blick davon begeistern lassen wollen, was kritische Wissenschaft bedeutet und wozu sie notwendig ist, um damit beizutragen, die Nöte (in) der Welt zu wenden.
Spenden
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