Abschied von Ursel Hochmuth

1988 bei einer Veranstaltung im Ehrenhain auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Am 25. Februar 2014 starb in Hamburg unsere Autorin Ursel Ertel-Hochmuth kurz nach ihrem 83. Geburtstag. Ursel Hochmuth war Mitglied der VVN-BdA, der Willi-Bredel-Gesellschaft und des Kuratoriums der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg. Mit ihren Arbeiten zur Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Hamburg hat sie beständig gegen das Vergessen angekämpft, sie waren zudem eine wichtige Quelle für die Verlegung von Stolpersteinen in der Hansestadt.

2005 erschien von ihr bei VSA: Niemand und nichts wird vergessen. Biogramme und Briefe Hamburger Widerstandskämpfer 1933-1945. Eine Ehrenhain-Dokumentation in Text und Bild. Dieser Band über eine bis dahin eher am Rande der Gedenkkultur liegende Hamburger Gedenkstätte war programmatisch für ihr Lebenswerk: Ursel Hochmuth war es zeitlebens ein wichtiges Anliegen, gerade auch die Opfer unter den kommunistischen Antifaschisten an der Basis der Partei zu würdigen, die in Westdeutschland im Kalten Krieg nicht selten in den Schatten gedrängt wurden. Mit diesem hartnäckig verfolgten Ziel scheute sie nicht vor Konflikten zurück, war andererseits aber auch offen für die nach 1989 in der kommunistischen Bewegung zunehmend notwendig werdende kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Für ihre Arbeit als Historikerin, Dokumentarin und Zeitzeugin war sie in besonderer Weise prädestiniert: Ihre Eltern waren Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Ihr Vater Walter Hochmuth (1904-1979) war Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft für die KPD, ihre Mutter Katharina Jacob war in zweiter Ehe mit dem Widerstandskämpfer Franz Jacob verheiratet, mit dem sie am Aufbau der Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe beteiligt war. Sie überlebte die KZ-Haft, Franz Jacob wurde 1944 hingerichtet.

Beigesetzt wird Ursel Hochmuth auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf. Einen weiteren Gedenkort auf dieser Anlage hat sie 2012 zusammen mit Ulla Suhling historisch eingeordnet in dem VSA: Band: Ehrenfeld für Verfolgte der NS-Herrschaft. Eine Begräbnis- und Gedenkstätte der Geschwister-Scholl-Stiftung auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Eine ausführliche Würdigung ihres Lebens wird im nächsten Rundbrief der Willi-Bredel-Gesellschaft erscheinen.

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