Aktuelle Ausstellungen und Begleitbücher zur Produkt­gestaltung
in der DDR und der Bundesrepublik

Bemerkenswert ist, dass 30 Jahre nach Ende der DDR mit diversen Ausstellungen an Alltags-Designerinnen und -Designer von dort erinnert wird.

Bis zum 3. Oktober 2021 ist in den Kunstsammlungen Chemnitz
(Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz) die Ausstellung
simson, diamant, erika | Der Formgestalter Karl Clauss Dietel
zu sehen. Der Titel spielt an auf Produktnamen aus der DDR, die mit dem Lebenswerk des Chemnitzer Formbildners verbunden sind, der als einziger Gestalter aus der ehemaligen DDR 2014 für den Entwurf des Wartburg 353 den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland erhielt. Parallel erscheint die Publikation »karl clauss dietel – die offene Form« von Walter Scheiffele und Steffen Schuhmann bei SpectorBooks Leipzig (398 Seiten, 42 €).

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg (Steintorplatz, 20099 Hamburg)
zeigt bis zum 24. Oktober die Ausstellung
Schönheit der Form | Die Designerin Christa Petroff-Bohne,
deren Entwürfe für die Industrie eine zeitgemäße Formgebung in die Alltagskultur der jungen DDR brachten. Unter dem gleichen Titel haben Silke Ihden-Rothkirch, Angelika und Jörg Petruschat im Verlag form + zweck einen reich bebilderten Begleitband herausgegeben (288 Seiten, 49 €).

Vom 23. September 2021 bis zum 7. Februar 2022 wird im
Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Oranienstr. 25, 10999 Berlin) die Ausstellung
Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR
zu sehen sein, die bereits 2019 vom Museum Utopie und Alltag, Eisenhüttenstadt gezeigt wurde. In ihr sind Objekte der Alltagskultur zu sehen und es werden ihre Gestalter:innen vorgestellt, die in der Tradition und für die Weiterentwicklung der Gestaltungsprinzipien des Bauhauses und anderer moderner Designrichtungen stehen. Zugleich zeigt die Ausstellung den widersprüchlichen Umgang der DDR mit diesem Erbe. Der gleichnamige Begleitband erschien bei M BOOKS, Weimar (160 Seiten, 28 €).
Bereits Ende August geschlossen hat im Werkbundarchiv leider die Ausstellung
die frühen jahre. mart stam, das institut und die sammlung industrielle gestaltung
über das Institut für industrielle Gestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, die u.a. zeigte, wie der kommunistische Gestalter Mart Stam »am Geschmack von Walter Ulbricht scheiterte« (FAZ vom 6.8.2021). Nachzulesen ist dies und vieles andere mehr aber in der gleichnamigen Begleitpublikation, herausgegeben von Cornelia Hentschel, Walter Scheiffele, Jens Semrau im Auftrag der Stiftung Industrie und Alltagskultur, erschienen im Lukas Verlag Berlin (220 Seiten, 36 €).

»Weniger, aber besser« lautet das Credo eines bundesrepublikanischen Industriedesigers, dessen für die Fa. Braun entworfene Kaffee­maschinen, Taschenrechner, Rasierer und Uhren durch viele Hände von BRD-Bürger:innen gegangen sein dürften. Ihm widmet das
Museum für angewandte Kunst in Frankfurt a.M. (Schaumainkai 17)
bis zum 16. Januar 2002 die Ausstellung
Dieter Rams | Ein Blick zurück und voraus
Parallel dazu erschien im Phaidon Verlag Berlin das von Klaus Klemp zusammengestellte »dieter rams. werkverzeichnis« (344 Seiten, 45 € in der Ausstellung, 49,80 € im Buchhandel).

21. Oktober 2021Frankfurt a.M. | 19:00 Uhr | Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5

Micha Brumlik: Postkolonialer Antisemitismus?

Der Autor mischt sich in seinem neuen Buch erneut in die nicht enden wollende Debatte ein, die durch die Zuspitzung der Auseinandersetzungen in Israel/Palästina im Mai 2021 und deren Nachhall hierzulande neue Brisanz gewonnen hat. Er greift die Anlässe der Diskussionen um die aktuelle Ausbreitung von Antisemitismus auf, stellt die Facetten der Streitpunkte um den »Postkolonialen Antisemitismus« dar und analysiert die historischen Hintergründe.
Micha Brumlik ist seit 2013 »Senior Advisor« am Selma Stern Zentrum für jüdische Studien Berlin/Brandenburg, publiziert u.a. zur Geschichte des Judentums und zeitgenössischen jüdischen Themen und ist Mitherausgeber der »Blätter für deutsche und internationale Politik«
Veranstalter: Club Voltaire, VSA: Verlag Hamburg
Eintritt frei. Anmeldungen zur Teilnahme in der Kneipe (erforderlich) bitte an buero@club-voltaire.de
Zugangslink für die Teilnahme per Video: https://cvbb.galatis.de/b/clu-r3b-dc0-dtj

29. Oktober 2021Wiesbaden | 18:00-19:00 | Radio RheinWelle UKW 92,5 Mhz

Hinter verschlossenen Türen: Halbierte Demokratie?

Der Schauspieler Armin Nufer liest aus dem Buch von Andreas Fisahn – das den Untertitel »Autoritären Staat verhindern, Beteiligung erweitern« hat und als Band 51 der Reihe AttacBasisTexte erschienen ist – im Rahmen der Sendereihe »Attac vor Ort« von Attac Wiesbaden bei Radio RheinWelle. In der Buchankündigung heißt es: »Demokratie wird gefeiert und missbraucht. Sie befindet sich gleichzeitig in einer tiefen Krise. Aber was ist eigentlich Demokratie? Der Text gibt einen Überblick über Ansprüche an die Demokratie und kontrastiert sie mit der Wirklichkeit der Repräsentation in den ›westlichen‹ kapitalistischen Ländern. Einerseits gilt das parlamentarische System als eine Form der Herrschaft, andererseits wird gefordert, dass Demokratie zum Abbau von Herrschaft führen soll. Aber sind Demokratie und Kapitalismus vereinbar oder muss die Spaltung zwischen Arm und Reich zwangsläufig zu ihrer Zerstörung führen? Lässt sich Demokratie auf den Bereich der Politik begrenzen oder geht es darum, dass die Gesellschaft sich selbst organisiert? Ist Demokratie eine politische Form, um die Frage der Politik ›Wie wollen wir leben?‹ bewusst zu lösen? Ist die EU ein Grund für die Krise der Demokratie in ihren Mitgliedstaaten? Und welche Möglichkeiten gibt es, im Unterschied zu einer ›marktkonformen Demokratie‹ ›mehr Demokratie zu wagen‹, wie es Willy Brandt einst formulierte?«

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/lesungen_termine/