Liza Featherstone

WAL-MART: Frauen im Ausverkauf

Meilensteine im Kampf um Arbeitsrechte
Aus dem Amerikanischen von Gabriela Horn

244 Seiten | 2006 | EUR 17.80 | sFr 31.70
ISBN 3-89965-171-5 1

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Kurztext: "Liza Featherstones Buch ist ein Schnäppchen, das selbst WAL-MART nicht unterbieten kann... Es gibt einen beispiellosen Einblick in WAL-MARTs pseudo-christliche, ultra-machistische Unternehmenskultur." (Barbara Ehrenreich)


Seit Mitte der 1990er Jahre versucht WAL-MART auch in Deutschland Fuß zu fassen – bislang mit begrenztem Erfolg, trotz erheblichen finanziellen Aufwands. Im Stammland USA aber ist die Discounterkette eine Ikone des freien Unternehmertums und beherrscht einen großen Teil des heimischen Marktes. Zugleich pflegt sie ihr Image als familienfreundliches, christlich geprägtes Unternehmen.

Dieses Bild wird von Liza Featherstone gründlich beschädigt. Dabei geht es ihr nicht nur um die Diskriminierung von Angestellten durch ein bestimmtes Unternehmen. Sie erzählt die Geschichte der weiblichen "working poor", deren Leben durch Sexismus, Niedriglöhne und Armut geprägt ist. In der aktuellen Sozialstaatsdebatte, in der häufig behauptet wird, dass ein Arbeitsplatz – egal welcher – den Ausweg aus Armut und Abhängigkeit eröffnet, ist das Buch zugleich eine eindringliche Warnung: Beschäftigungen wie die darin angeprangerten fördern noch die Armut in der Arbeit.

Featherstones Darstellung verbindet die Geschichten der betroffenen Angestellten mit ausgefeiltem investigativem Journalismus. Die Autorin hat zahlreiche Interviews mit Klägerinnen gegen WAL-MART geführt. Insbesondere der aufsehenerregende, jahrelange Prozess der farbigen Angestellten Betty Dukes gegen ihren Arbeitgeber wird rekonstruiert. Doch der Kampf eröffnet auch Perspektiven: Selbst unter schwierigen Bedingungen muss der Einsatz für Gewerkschaften, Mindestlöhne und das Recht auf Kinderbetreuung nicht aussichtslos sein.

Liza Featherstone klärt die LeserInnen darüber auf, wie WAL-MART, der größte private Arbeitgeber der USA, seine weiblichen Angestellten systematisch um Aufstiegsmöglichkeiten, Lohnanteile und Arbeitsrechte betrügt – und was die betroffenen Frauen dagegen unternehmen.

Die Autorin:
Liza Featherstone (geb. 1969) lebt als Journalistin in New York und schreibt u.a. für The Nation. Ihre spektakuläre Schilderung "Selling Women Short" erschien 2004 in den USA.

Leseprobe 1

Einleitung
Der amerikanische Goliath "Es ist wirklich nicht einfach, Familie und Berufsleben miteinander zu vereinbaren", sagt die Frau im Werbespot in ernstem Ton, "aber mein Unternehmen hilft mir dabei. Bei meinem Unternehmen wird die Familie sehr ernst genommen." Die Frau – Margaret – wird zu Hause gezeigt, wo sie entspannt Zeit mit Mann und Kindern verbringt. Seit Mitte 2003 wurden amerikanische Fernsehzuschauer mit Werbespots dieser Art geradezu bombardiert. Erstaunlich allerdings der Initiator der Sendungen: Wal-Mart. Mit Details gingen die Werbespots recht sparsam um: Margaret, eine Bezirksleiterin der Einzelhandelskette, sagt nie, wie genau Wal-Mart ihr dabei hilft, ihre anspruchsvolle Tätigkeit mit der Mutterrolle in Einklang zu bringen. Doch im Grundton waren die Sendungen betont optimistisch. In einem ähnlichen Spot spricht eine Afroamerikanerin mittleren Alters über ihr erfülltes Berufsleben als Abteilungsleiterin bei Wal-Mart. Lächelnd verkündet sie, dies sei ein Unternehmen, bei dem es für Frauen großartige "Möglichkeiten" gebe. Die Frau sagt, sie sei so zufrieden mit ihrer Arbeit bei Wal-Mart, dass sie ihre Tochter gedrängt habe, sich auch bei dem Unternehmen zu bewerben. Jetzt sind beide, Mutter und Tochter, enthusiastische Mitglieder der "Wal-Mart-Familie". Sollte sich der populärste Einzelhändler der Nation seines allseits bekannten Renommees als Musikzensor und Verfechter konservativer Werte entledigt haben und auf die Seite der Frauenrechtlerinnen übergelaufen sein? Soweit ist es noch nicht. Die Werbespots waren Teil eines konzertierten Versuchs von Seiten des Unternehmens, eine PR-Katastrophe zu verhindern, in deren Zentrum eine Frau steht, die ein bisschen so aussieht wie die zufriedene, namenlose Abteilungsleiterin aus dem Werbespot, deren berufliche Erfahrungen bei Wal-Mart jedoch ganz anderer Natur sind. Jene Frau ist Betty Dukes, eine 54-jährige Wal-Mart-Angestellte aus Pittsburg im Bundesstaat Kalifornien. Sie ist, genau wie ihre Doppelgängerin aus dem Fernsehen, Afroamerikanerin und hatte, als sie zu Wal-Mart kam, die Hoffnung voranzukommen. Als sie 1994 von dem Unternehmen als Teilzeitkassiererin mit einem Stundenlohn von fünf Dollar eingestellt wurde, war Betty Dukes eine beflissene Mitarbeiterin voll aufrichtiger Bewunderung für den "visionären Geist" des Begründers der Kette, Sam Walton. Ein Jahr später erhielt sie in Anerkennung ihrer ausgezeichneten Leistungsbilanz eine Lohnerhöhung und eine Vollzeitanstellung. Zwei Jahre später, nach ihrer Beförderung zur Kundendienstmanagerin (einer trotz der Bezeichnung "Manager" nicht gehalts-, sondern stundenlohnbasierten Position), erlebte sie jedoch immer wieder grobe Diskriminierungen seitens ihrer Vorgesetzten. So wurde ihr, wie sie berichtet, die Teilnahme an Schulungen verwehrt, die die Voraussetzung für eine berufliche Weiterentwicklung bildeten, während männliche Kollegen, die zu einem Großteil neuer im Unternehmen und jünger als Betty Dukes waren, daran teilnehmen durften. Als Betty Dukes sich über diese Diskriminierung beschwerte, rächten sich ihre Vorgesetzten dafür, indem sie ihr geringfügige Vergehen, wie das Überziehen von Pausen, anlasteten – Säumnisse, deretwegen weiße männliche Kollegen, bei denen derlei Vorkommnisse durchaus mit gewisser Regelmäßigkeit zu beobachten waren, nicht belangt wurden. Als sie sich auch weiterhin gegen die Schlechterstellung zur Wehr setzte, wurde ihr die Beförderung verweigert, und sie wurde schließlich wieder an die Kasse zurückversetzt. Daraufhin wandte sie sich mit ihrer Beschwerde an das Büro der Bezirksleitung von Wal-Mart, aber auch jetzt wurde nichts unternommen. Abgesehen davon, dass die Rückversetzung erniedrigend war, bot die Stelle als Kassierin auch weniger Arbeitsstunden und einen geringeren Stundenlohn. Die Tatsache, rückversetzt worden zu sein, schloss Betty Dukes für die Zukunft von möglichen Beförderungen aus, da Mitarbeiter nach einer solchen Maßregelung prinzipiell nicht befördert werden dürfen. Selbst als sie nach gewisser Zeit wieder hätte befördert werden können, wurden vier freie Leitungsposten mit Männern besetzt. Diese Stellen waren nicht ausgeschrieben gewesen, das heißt, außer Betty Dukes wurden noch weitere Frauen übergangen. Vor ihrer Zeit bei Wal-Mart hatte Betty Dukes keine richtige Vorstellung davon, was "sexuelle Diskriminierung" bedeutete. Eine ganze Weile war sie der Meinung gewesen, der Begriff gehöre irgendwie in den Bereich des Sexuellen – "wie bei Bill Clinton oder Anita Hill" – mit ihr als Frau mit traditionell geprägten Moralvorstellungen konnte das folglich nichts zu tun haben. "Ich bin alleinstehend, da spielen Sex und sexuelle Handlungen in meiner Gedankenwelt keine so große Rolle", erklärt sie.[1] "Ich wollte nicht herumlaufen und ständig Sachen wie "sexuell" sagen!" Über ihre Erfahrungen bei Wal-Mart sagt sie: "Mir war klar, dass das ungerecht ist." Dass damit gegen geltendes Recht verstoßen wurde, begriff sie jedoch erst, als sie erfuhr, dass andere Frauen das Unternehmen verklagten. Sie vermutet, mit dieser Wissenslücke nicht allein zu stehen: "Viele Frauen erleben alltäglich sexuelle Diskrimierung, ohne sich dessen bewusst zu sein." Betty Dukes, die nach wie vor Vollzeitangestellte bei Wal-Mart ist, arbeitet nun nicht mehr als Kassiererin, sondern als Grüßerin. Eine Beförderung ist das nicht. "Grüßer", das weiß jeder, der bei Wal-Mart einkauft, sind die stets freundlichen, zuvorkommenden, oft älteren Mitarbeiter, die den Kunden bei Betreten des Geschäfts begrüßen und sich für dessen Einkauf bei Wal-Mart bedanken, wenn er die Filiale verlässt. Der Lohn, den Betty Dukes erhält, ist noch immer so niedrig, dass sie neben der Stelle bei Wal-Mart eine Teilzeitstelle als Betreuerin und Putzkraft bei einer älteren Dame annehmen musste, bei der sie im Gegenzug mietfrei wohnen kann. Ohne diese Regelung könnte Betty Dukes, obwohl sie niemanden zu versorgen hat und den größten Teil ihrer Freizeit als Predigerin in ihrer baptistischen Gemeinde verbringt, ihr Auskommen nicht bestreiten. Gegen Ende des Frühjahrs 2000 reichte Betty Dukes Klage gegen das Unternehmen ein. Schon bald zeigte sich, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein stand, sondern Frauen im ganzen Land betroffen waren. Im folgenden Jahr wurde sie zur Leitklägerin im Rechtsstreit Dukes gegen Wal-Mart Stores, Inc., einer künftigen Sammelklage, deren Klägergruppe bald 1,6 Millionen ehemals oder gegenwärtig bei Wal-Mart beschäftigte weibliche Angestellte zählen sollte. In der im Juni 2001 am US-Bezirksgericht in San Francisco eingereichten Klage wird Wal-Mart die Diskriminierung von Frauen bei der Beförderung, Bezahlung und Einstellung und damit der Verstoß gegen Title VII des Civil Rights Act von 1964 zum Schutz des Arbeitnehmers vor Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Religion oder ethnischer Herkunft zur Last gelegt. Am 28. April 2003 stellten die Anwälte der Klägerinnen Antrag auf Zulassung einer Sammelklage. Schuld oder Unschuld des Beklagten, Wal-Mart, war zu diesem Zeitpunkt kein Streitpunkt. Die Frage lautete vielmehr: Würde der Richter die Beweislage für den Tatbestand einer systematischen Diskriminierung als hinreichend erachten und damit die Weiterführung des Verfahrens als Sammelklage ermöglichen? Die am 22. Juni 2004 verkündete Antwort war ein entschiedenes "Ja": Der Richter gab dem Antrag statt. Dukes gegen Wal-Mart wurde damit zur größten zivilrechtlichen Sammelklage der Geschichte. Verantwortliche von Wal-Mart, die im Rahmen der Vorarbeiten zu diesem Buch um Auskunft ersucht wurden, verweigerten sich mit der Begründung, ihre Aussagen könnten den Dukes-Prozess beeinträchtigen. "Solange das Ganze nicht vorbei ist, können wir dazu nichts sagen", verkündete Christi Gallagher, eine der stets adretten Pressesprecherinnen von Wal-Mart (wie alle Wal-Mart-Angestellten sind auch die Mitarbeiter der Konzernzentrale in Bentonville im Bundesstaat Arkansas ausnehmend höflich und zuvorkommend). Während ich dies schreibe, hofft Wal-Mart im Zuge des Berufungsverfahrens eine Rückziehung der Zulassung der Sammelklage zu erreichen. Um den anderen, größtenteils älteren afroamerikanischen Kirchgängern zu erklären, worum es in ihrer Klage geht, verwendet Betty Dukes eine Geschichte aus der Bibel. "David und Goliath kennen sie", erklärt sie, "also sage ich ihnen, Betty Dukes gegen Wal-Mart ist wie David gegen Goliath." Allerdings hätte der biblische David sich einen solchen Goliath wohl kaum vorstellen können. Wal-Mart, das größte Einzelhandelsunternehmen der Welt, konnte auf der Liste der 500 erfolgreichsten Unternehmen der US-amerikanischen Wirtschaftszeitschrift "Fortune" 2005 bereits zum vierten Mal in Serie seine Spitzenposition behaupten. Seine Gesamteinnahmen beliefen sich am Ende des Geschäftsjahres, im Januar 2005, auf 285 Mrd. US-Dollar – das entspricht einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von beinahe 29 Mrd. Dollar. Mit einer Gesamtgröße von mehr als dem Doppelten seines wichtigsten Konkurrenten, Home Depot, nimmt Wal-Mart im Einzelhandelssektor eine überwältigende Vormachtstellung ein. Seit seinen Anfängen im Jahre 1962 in Rogers im Bundesstaat Arkansas hat sich Wal-Mart zu einem florierenden Unternehmen entwickelt, das allein in den Vereinigten Staaten 3.600 Filialen unterhält. Dazu gehören Discountmärkte, Supercenter, als "Nachbarschaftsmärkte" bezeichnete Supermärkte mit etwa einem Viertel der Fläche eines Supercenters und die nach Sam Walton benannte Kette der Sam’s Club-Großhandelsmärkte, die nur Mitgliedern offen stehen. Das Gros des Wachstums erzielt das Unternehmen in den Supercentern, die rund um die Uhr geöffnet sind und ein umfassendes Lebensmittelsortiment anbieten. Die Supercenter sind riesenhafte Supermärkte mit Warenregalen von nahezu 80 km Gesamtlänge, in denen nicht weniger als 550 Angestellte arbeiten. Die Expansionsbestrebungen des Unternehmens konzentrieren sich jedoch nicht nur auf die Supercenter. Neben diesen wurden als "Nachbarschaftsmärkte" bezeichnete kleinere Supermärkte von ca. einem Viertel der Größe eines Supercenters etabliert. Wal-Mart unterhält Filialen in allen Bundesstaaten sowie über 1.500 Geschäfte außerhalb der Vereinigten Staaten, in Mexiko, Puerto Rico, im Vereinigten Königreich, in Kanada, Argentinien, Brasilien, China, Südkorea und Deutschland. Wöchentlich kaufen mehr als 138 Millionen Kunden bei Wal-Mart ein. Mit der systematischen Verfolgung der zentralen Zielsetzung, dem Kunden den niedrigstmöglichen Preis zu bieten, hat Wal-Mart den Einzelhandel grundlegend verändert. Viele andere Einzelhändler, wie Circuit City, Dollar General, K-Mart, Toys R Us, Staples, Blockbuster, Rite-Aid oder Home Depot, haben diese Formel übernommen. Die Bedeutung von Wal-Mart besteht nicht allein im Erfolg des Unternehmens, sondern auch in seiner verheerenden Sogwirkung auf das Preisniveau bei Mitbewerbern und Zulieferern. In seinem Buch "Wal-Mart – der Gigant der Supermärkte: die Erfolgsstory von Sam Walton und dem größten Handelskonzern der Welt" schildert der Journalist Bob Ortega, wie "diese Denkweise [...] eine Art Norm geworden [ist], sowohl für das Einzelhandelsgewerbe als auch für die meisten Zweige der US-amerikanischen Wirtschaft und somit der internationalen Geschäftswelt".[2] Im März 2004 gibt es in nahezu 2.600 US-amerikanischen Groß- und Kleinstädten mindestens eine Wal-Mart-Filiale oder einen Sam’s Club. Das Wachstum des Unternehmens ist so rasant, dass viele Analysten für 2009 eine Kollision mit dem Kartellgesetz voraussagen. Dieses Wachstum bleibt auch von der in jüngster Zeit schwachen Konjunktur in den Vereinigten Staaten praktisch unbehelligt: Bei hohen Arbeitslosenzahlen und niedrigem Lohnniveau sind die Menschen dringend auf die Tiefpreise von Wal-Mart angewiesen. Angefangen bei den Fabriken in der Dritten Welt, in denen die Billigprodukte von Wal-Mart hergestellt werden, bis zu den einzelnen Wal-Mart-Filialen, die diese Produkte anbieten und verkaufen: Es sind immer Frauen, die die Hauptlast der niedrigen Preise des Unternehmens tragen. Mit über 1,2 Millionen Beschäftigten in den Vereinigten Staaten ist Wal-Mart landesweit der größte private Arbeitgeber, und die Mehrzahl von Wal-Marts "Partnern" (so der schwülstige Euphemismus des Unternehmens für seine Angestellten) sind Frauen. Während auf Frauen nur 34% der Führungspositionen entfallen, bilden sie 72% der auf Stundenlohnbasis beschäftigten Belegschaft (keine gehaltsbasierten Stellen). Außerdem verdienen Frauen unternehmensweit in beinahe jeder Position weniger als ihre männlichen Kollegen. Einem Wirtschaftsexperten zufolge, der von den Dukes-Klägerinnen als Sachverständiger mit der Auswertung der Daten beauftragt wurde, weisen diese Muster keine nennenswerten regionalen Unterschiede auf und haben sich im Verlauf der Zeit kaum geändert. Es scheint in der Tat in vielerlei Hinsicht, als sei Wal-Mart von der Frauenbewegung der 1970er Jahre und den großen Errungenschaften, die Frauen in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf ihre soziale und wirtschaftliche Gleichstellung durchgesetzt haben, praktisch unberührt geblieben. "Ich hab’ meinen BH verbrannt, Herrgott nochmal! Das dürfte es doch alles gar nicht mehr geben!", seufzt die inzwischen 47-jährige Kathleen MacDonald. Sie ist Zeugin im Dukes-Prozess und arbeitet als Verkäuferin in einer Wal-Mart-Filiale in Aiken, South Carolina. "Sexuelle Diskriminierung und Frauenrechte, Bürgerrechte, die Probleme sollten alle längst hinter uns liegen. Das sollte längst Vergangenheit sein." MacDonald sagt, sie sei immer davon ausgegangen, dass die Frauen in Amerika Fortschritte machten. "Wir haben das Wahlrecht erstritten. Wir wurden anerkannt. Frauen haben den Schritt vom Familien- ins Berufsleben geschafft." Aber danach zu urteilen, wie Frauen bei Wal-Mart behandelt werden, sagt sie und genießt den provokanten Vergleich, "könnten wir hier auch in Afghanistan sein." Inzwischen zählt Dukes gegen Wal-Mart Stores, Inc. sechs namentlich genannte Klägerinnen, die eine größere Gruppe von Mitklägerinnen vertreten und sich damit einverstanden erklärt haben, die Gruppe auch in der Öffentlichkeit zu repräsentieren und in deren Interesse zu handeln. Neben diesen sechs Hauptklägerinnen gibt es über 100 "Zeugen der Sammelklage" – in der Vergangenheit oder gegenwärtig bei Wal-Mart beschäftigte Frauen aus über 30 Bundesstaaten, die Dukes’ Antrag auf Zulassung einer Sammelklage unterstützen und eidesstattliche Versicherungen abgegeben haben, die Betty Dukes’ Geschichte ähneln. Meine Recherche und die Arbeit an diesem Buch begann im Oktober 2001 – nach der Klageerhebung durch Betty Dukes und der Ankündigung des Sammelklageantrags durch die Hauptklägerinnen – und erstreckte sich auf den Zeitraum bis zum April 2004. Während des größten Teils dieses Zeitraums waren beide Seiten in Vorbereitung ihrer Vorträge für bzw. gegen die Zulassung einer Sammelklage mit der Beweiserhebung befasst.[3] Dabei wurde kein Mittel gescheut, um aussagefähige Unterlagen von der Gegenseite zu erpressen. Sachverständige wurden bestellt, die bei der Auswertung der Personaldaten von Wal-Mart zu gegensätzlichen Ergebnissen kamen, und Zeugen wurden befragt. Während Filialleiter und Führungskräfte von Wal-Mart im ganzen Land zu Vernehmungen in die Kanzleien der Klägeranwälte geladen wurden, mussten eben jene Anwälte und viele der Zeugen der Sammel-klage bei Wal-Mart zu Vernehmungen erscheinen. Die Anwälte der Klägerinnen hatten Zugriff auf interne Mitteilungen, Berichte und Sitzungsprotokolle und konnten die Verantwortung der Wal-Mart-Führungsspitze für sexuell diskriminierende Richtlinien und Praktiken in den Filialen auf diese Weise überzeugend belegen. Frauen im Ausverkauf basiert in erster Linie auf Interviews mit Klägerinnen, Zeugen und Anwälten, auf den Gutachten der Sachverständigen und den Vernehmungsprotokollen beider Seiten (meine Anwesenheit während der Vernehmungen war untersagt). In Sammelklageprozessen entscheiden sich die Parteien oft für einen Vergleich. Aufgrund der Größenordnung dieser Klage und der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung Wal-Marts für die Vereinigten Staaten ist der Rechtsstreit Dukes gegen Wal-Mart aber selbst dann von großem öffentlichen Interesse, wenn es nie zu einer Hauptverhandlung kommen sollte. Der Rechtsstreit Dukes gegen Wal-Mart findet vor dem Hintergrund schlechter Beschäftigungschancen für arme, einkommensschwache Frauen aus der Arbeiterschicht statt, die bei Aufgabe eines inakzeptablen Arbeitsverhältnisses nicht mehr auf den Rückhalt sozialer Sicherungssysteme oder die Möglichkeit, sich einfach zu Hause ihren Kindern zu widmen, zählen können. Von Arbeitsmöglichkeiten in den besser bezahlten, gewerkschaftlich gebundenen Berufen, z.B. in der Installationstechnik oder im Baugewerbe, sind sie traditionell ausgeschlossen. Und bei Einzelhändlern wie Wal-Mart werden im Zuge der rigorosen Kostensenkung Löhne und Sozialleistungen für Frauen, die gleichzeitig die Mehrheit der dort Beschäftigten bilden, landesweit nach unten getrieben. Befürworter einer härteren Gangart in der Sozialpolitik haben oft "Arbeit" als Allheilmittel gegen Armut propagiert. Tatsache ist jedoch, dass sehr vielen Frauen, die bisher von Sozialhilfe lebten, als Beschäftigungsmarkt nur der Einzelhandel bleibt, und wiederum viele dieser Frauen schließlich bei Wal-Mart enden, wo sie abgesehen von den niedrigen Löhnen auch noch damit rechnen müssen, unkontrollierter sexueller Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Dukes gegen Wal-Mart ist der erste systematische Versuch, gegen dieses Problem anzugehen. Im Februar 2004 wurde Wal-Mart durch die US-amerikanische Wirtschaftszeitschrift "Fortune" zum zweiten Mal in Folge zum "Meistbewunderten Unternehmen" gekürt. In der Tat ist die Geschäftswelt geradezu vernarrt in das Unternehmen und voll ehrfürchtiger Bewunderung für seine Gewinne, die sich im Geschäftsjahr 2005 auf insgesamt mehr als 10 Mrd. US-Dollar beliefen. So lautete 2003 die Überschrift eines Artikels in der Business Week "How Wal-Mart Keeps Getting It Right".[4] Dukes gegen Wal-Mart steuert eine neue, leidenschaftlich geführte öffentliche Debatte zu Wal-Mart bei. Vielen wird endlich klar, dass Wal-Mart eigentlich kein ruhmreiches Geschäftsmodell, sondern ein Skandal ist: Die Gewinne und Tiefpreise des Unternehmens haben einen furchtbaren menschlichen Preis. Die sexuelle Diskriminierung ist nicht Wal-Marts einziges Verbrechen gegenüber seinen Angestellten. Die Arbeiterinnen, die die bei Wal-Mart verkauften Kleidungsstücke und Spielzeuge herstellen – meist junge Frauen in Asien – arbeiten gegen sehr niedrige Bezahlung unter gefährlichen Bedingungen und werden bei weitem schlechter behandelt als die Angestellten in den Vereinigten Staaten. Zehn Prozent sämtlicher aus China in die Vereinigten Staaten exportierten Waren werden heute bei Wal-Mart verkauft. In China, wo das Unternehmen 35 Zweigstellen mit 18.000 Angestellten unterhält, sind unabhängige Gewerkschaften verboten. Menschenrechtsgruppen oder US-amerikanischen Unternehmen ist es nahezu unmöglich, die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu überwachen. Wal-Mart trägt dagegen zu einer weiteren Verschlimmerung der ohnehin schlechten Bedingungen bei, indem es die Fabrikdirektoren zu immer neuen Preissenkungen zwingt, was sich für die Angestellten in fortgesetzten Lohnkürzungen bei verlängerter Arbeitszeit niederschlägt. Wäre Wal-Mart ein Land, so würde es unter den größten Exportmärkten Chinas an fünfter Stelle rangieren.[5] Vermutlich wünschte Wal-Mart, alle Länder wären so wie China: ohne nennenswerte arbeitsrechtliche Bestimmungen. (Tatsächlich gab das Unternehmen im März 2004 bekannt, es werde seine Verwaltungsratssitzung erstmals in China abhalten.[6]) In den Vereinigten Staaten ist das Unternehmen berüchtigt dafür, bundesrechtliche Bestimmungen zum Arbeitnehmerschutz zu ignorieren. Wal-Mart respektiert das Recht auf Versammlungsfreiheit kaum und wurde nicht nur wegen entsprechender Vergeltungsmaßnahmen gegen seine Angestellten, sondern auch wegen der Entlassung gewerkschaftlich engagierter Mitarbeiter schuldig gesprochen. Darüber hinaus wurden Wal-Mart in Sammelklagen in mehr als 30 Bundesstaaten Zuwiderhandlungen gegen bundesrechtliche Überstundenregelungen angelastet: Angestellte waren gezwungen worden, Überstunden ohne entsprechende Erfassung im Zeitbuchungssystem zu leisten. In vielen Fällen, berichteten Beschäftigte, hätten Vorgesetzte einfach die Türen der Filiale abgeschlossen und den Angestellten verboten, nach Hause zu gehen. "Wer sich wehrte, bekam ziemlich schnell gezeigt, wo es lang geht", erzählt Lorraine Hill, die in Rock Springs, Wyoming, für Wal-Mart arbeitete. "Dann hieß es: ›Willst du deine Arbeit behalten oder nicht?‹" Lorraine Hill berichtet, Beschäftigte seien angewiesen worden, sich am Zeiterfassungssystem abzumelden und weiterzuarbeiten. Vorgesetzte bewachten die versperrten Ausgänge, um sicherzugehen, dass niemand ging. Das geschah Lorraine Hills Worten zufolge "beinahe täglich". Manchmal war kein Vorgesetzter mehr da, der in Besitz eines Schlüssels war, obwohl das gegen die offiziellen Unternehmensvorschriften verstieß. In einzelnen Fällen war unter allen Umständen verboten worden, die Notausgänge aus anderen Gründen als bei Ausbruch eines Feuers zu benutzen, während die quälende Frage, wie im Falle einer ernsthaften Verletzung zu verfahren sei, den Beschäftigten überlassen blieb. Bei einer Razzia der Bundespolizei im Oktober 2003 wurde offenkundig, dass Wal-Mart Tausende illegaler Einwanderer als Wachpersonal beschäftigte. Viele dieser Personen berichteten, sie seien gezwungen worden, ohne Unterbrechung an allen sieben Wochentagen zu arbeiten. In einer potenziellen zivilrechtlichen Sammelklage wird Wal-Mart vorgeworfen, Mitglieder der obersten Führungsebenen hätten in einem Komplott versucht, bei der Beschäftigung von Einwanderern als Wachpersonal bundesrechtliche Bestimmungen zum Arbeitnehmerschutz zu umgehen oder hätten von entsprechenden Vorkehrungen zumindest gewusst.[7] Wie Jon Stewart, Moderator der Sendung "The Daily Show" von Comedy Central, ganz richtig bemerkt, dürften derlei Nachrichten über die Beschäftigungspraktiken bei dem Unternehmen eigentlich kaum überraschen. Stewart zeigte in seiner Sendung einen Filmclip mit einer Kundin, die auf dem Parkplatz von Wal-Mart ihren Einkauf im Auto verstaut und allen Ernstes behauptet, von den gegen Wal-Mart gerichteten Anschuldigungen "schockiert" zu sein. "Sie sind schockiert?", fragt Stewart fassungslos. "Meine Dame, Sie haben gerade einen Pullover für 99 Cent gekauft! Irgendwo muss das doch herkommen!" Wal-Mart wurde zum Gespött der Nation. Dank immer neuer Peinlichkeiten dieser Art schlägt das Unternehmen inzwischen selbst Enron. Beide Unternehmen sind düstere Beispiele für die Gier nach Gewinnen auf Kosten von Menschen, einschließlich der eigenen Beschäftigten. Die rechtswidrigen Geschäftspraktiken bei Enron sorgen inzwischen zwar nicht mehr für Schlagzeilen. Doch viele Arbeitnehmer hoffen, dass die Verbrechen von Wal-Mart nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Betty Dukes wiederum möchte, dass die Öffentlichkeit von den Missständen bei Wal-Mart erfährt und auch die letzten Zweifel über die Verlogenheit der Werbespots – vor allem mit Afroamerikanerinnen in der Hauptrolle – beseitigt werden. Sie möchte das Unternehmen zwingen, seine Versprechen einzulösen und hofft, der Ungerechtigkeit damit ein Ende setzen zu können. "Ich würde gern für das Wal-Mart aus dem Fernsehen arbeiten", lacht sie, "denn wenn Sie in meine Filiale kommen, herrscht die Realität, und das heißt, dort ist die Hölle los!"

[1] Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Zitate aus Interviews der Autorin. Mit dem Ausdruck "aussagen" oder "zu Protokoll geben" wird auf im Rahmen der Vernehmungen getätigte Aussagen oder eidesstattliche Versicherungen verwiesen.
[2] Bob Ortega: Wal-Mart – der Gigant der Supermärkte. Die Erfolgsstory von Sam Walton und dem größten Handelskonzern der Welt (Wien: Wirtschaftsverlag Ueberreuter, 1999), S. 8
[3] Anm. d. Übers.: Der US-amerikanische Zivilprozess gliedert sich in eine Vorverhandlungsphase und eine Hauptverhandlung. Neben der Hauptverhandlung mit der Tatbestandsentscheidung durch die Jury kommt dabei gerade der Vorverhandlungsphase der Parteien eine herausragende Bedeutung zu, die allein daraus ersichtlich wird, dass es nur in ca. 5% der Zivilklagen (Quelle: Hay, Einführung in das amerikanische Recht) überhaupt zu einer Hauptverhandlung kommt. Das Verfahren beginnt mit der Einreichung der Klage, wobei die Klageschrift typischerweise nur sehr begrenzte Informationen zur Art des Anspruchs enthält. Daraufhin muss der Beklagte seinen Vortrag (Klageerwiderung) einreichen, worauf der Kläger wiederum das Recht auf Erwiderung hat. Die Parteien dürfen in den Vereinigten Staaten schon in der Phase der Prozessvorbereitung Beweismaterial sichern. Der Sachverhalt wird weder vom Richter geklärt, noch werden Beweise und Stellungnahmen von ihm angefordert. Die Sicherung der Informationen erfolgt im Rahmen des Beweiserhebungsverfahrens – durch die Niederschrift der in außergerichtlichen Vernehmungen protokollierten, eidlichen Aussagen der Zeugen, durch schriftliche Befragungen sowie durch die Einforderung von Urkunden, Schriftstücken u.ä. tatsächlich oder möglicherweise beweisfähigen Dokumenten. Die Verweigerung der Offenlegung von Informationen durch eine Partei ist strafbar. Schriftverkehr und Vorverhandlungsanträge liegen, wie die Vorverhandlung selbst, weitgehend in den Händen der Parteien, d.h., die Beweiserhebung einschließlich der Benennung und Vernehmung von Zeugen geschieht auf Initiative der Parteien und ihrer Anwälte unter der unparteiischen Obhut des Richters. Der Antrag auf Zulassung einer Sammelklage im Dukes-Prozess fällt in diesen Abschnitt des Verfahrens. Gegen die richterliche Entscheidung solcher Vorverhandlungsanträge kann – wie im vorliegenden Fall geschehen – beim zuständigen Court of Appeal (Berufungsgericht) Berufung eingelegt werden.
Die Hauptverhandlung findet nach der Vorverhandlungsphase "in einem Stück" statt, d.h., Informationen können nicht nachträglich eingeholt oder vorgetragen werden. In der Verhandlung müssen die Parteien dem Richter oder der Jury den Sachverhalt vortragen und die Tatsachen beweisen. Daraufhin ergeht ein Urteil, gegen das wiederum Berufung eingelegt werden kann. Wie eingangs bemerkt, kommt es jedoch meist zu keiner Gerichtsverhandlung. In diesen Fällen werden die Rechtsstreitigkeiten durch die Aushandlung eines außergerichtlichen Vergleichs oder eines unter der Aufsicht des Gerichts ausgehandelten Prozessvergleichs beigelegt.
[4] Anm. d. Übers., etwa: "Wie Wal-Mart es schafft, alles richtig zu machen".
[5] Peter S. Goodman und Philip P. Pan: "Chinese Workers Pay for Wal-Mart’s Low Prices". In: Washington Post. 8. Februar 2004, S. A1
[6] "Wal-Mart to Convene Meeting in China". In: Xinhua News Service. 4. März 2004
[7] In dem von der Bundesbehörde angestrengten Verfahren gegen Wal-Mart wurde Anfang des Jahres 2005 eine Einigung erzielt: Wal-Mart leistete eine Zahlung in Höhe von 11 Millionen US-Dollar. Die im Namen der Einwanderer erhobene Sammelklage ist noch anhängig.

Leseprobe 2

Epilog

Am 22. Juni 2004 gab Richter Martin Jenkins in der Rechtssache Betty Dukes gegen Wal-Mart Stores Inc. dem Antrag auf Zulassung einer Sammelklage statt. Damit wurde der Fall – mit einer Klägergruppe von 1,6 Millionen Frauen – zur größten zivilrechtlichen Sammelklage der Geschichte. Der Richter sprach von einem Vorgang "von historischer Tragweite, der alle ihm vorangegangenen Verfahren gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz in seinen Schatten stellte". Im Bewusstsein der gesamtgesellschaftlichen und politischen Bedeutung seines Schiedsspruchs bemerkte Richter Jenkins, das Jahr dieser Entscheidung markiere auch den 50. Jahrestag des Urteils des Obersten Gerichtshofs in der Sache Brown gegen Board of Education,[1] das die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärt hatte. "Dieser Jahrestag", schrieb er, "gemahnt zur Erinnerung an die Aufgabe der Gerichte, jeden Verstoß gegen das Recht auf Gleichbehandlung – wo immer und durch wen immer dergleichen geschieht – zu ahnden." Zu Wal-Marts Behauptung, der Fall sei aufgrund seines Umfangs und der "Unüberschaubarkeit" als Sammelklage nicht ordnungsgemäß verhandelbar, bemerkte Richter Jenkins, Title VII des Bundesgesetzes gegen sexuelle Diskriminierung "sieht keine Sonderbehandlung für große Arbeitgeber vor". Obwohl der Richter betonte, seine Entscheidung beziehe sich weder auf die "Begründetheit der Ansprüche noch auf den mutmaßlichen Ausgang" des Falls, bezeichnete er die Statistiken der durch die Hauptklägerinnen beauftragten Sachverständigen zu den Ungleichheiten bei der Bezahlung und Beförderung bei Wal-Mart als "weitgehend unbestritten", was kaum als Vertrauensvotum für die langwierigen und eifrigen Anfechtungsversuche des Unternehmens gelten kann. Das richterliche Urteil erfüllte beinahe alle Hoffnungen der Klägerinnen, obwohl es die Auflage enthielt, dass nur jene Frauen Anspruch auf Schadenersatz für aufgrund der Diskriminierung bei der Beförderung entgangenene Einkünfte hatten, die auch Interesse an einer Beförderung bekundet hatten. (Die Hauptklägerinnen hatten gehofft, dass die Zahlungsansprüche über einen Schlüssel festgesetzt werden könnten, da es ihrer Meinung nach in einem von Diskriminierung geprägten Umfeld unmöglich war, das "Interesse" an einer Beförderung zu bemessen.) Stephanie Odle, die noch am Abend der Urteilsverkündung interviewt wurde, war außer sich vor Begeisterung: "Jetzt geht es für immer in die Geschichtsbücher ein, die größte Sammelklage aller Zeiten", jubelte sie, "und ich habe den Anfang gemacht!" Obwohl Wal-Mart gegen das Urteil in Berufung ging, ist der Sieg der Hauptklägerinnen weder aus der Geschichte noch aus dem öffentlichen Bewusstsein zu löschen. In allen wichtigen Massenmedien wurde darüber berichtet. Zeitungen brachten die Entscheidung des Richters auf die Titelseite, und auch bei den meisten Radio- und Fernsehsendern rangierte das Urteil in den Nachrichten mindestens zwei Tage lang an erster Stelle. Die Dallas Morning News bezeichneten Stephanie Odle als "Erin Brockovich von Wal-Mart".[2] Anteilnahme für Wal-Mart fand sich nur in den Medien der Konservativen, wie im Leitartikel des Wall Street Journal (das mit seiner Argumentation selbst Wal-Mart übertraf, indem es nicht nur die Rechtsgültigkeit der Zulassung der Sammelklage in Frage stellte, sondern auch erklärte, Betty Dukes habe eine Beförderung gar nicht verdient) oder in den spöttischen Kommentaren der Humoristen. "Wenn du je erlebt hast, dass auch nur eine Frau sauer auf dich war",[3] witzelte ein (männlicher) Kommentator im Radio unter Hinweis auf die 1,6 Millionen an der Sammelklage beteiligten Frauen, "dann weißt du, dass Wal-Mart gerade echte Probleme hat." Bis zur Zulassung der Sammelklage hatte der Dukes-Prozess bereits einiges bei Wal-Mart in Bewegung gebracht. Betty Dukes für ihren Teil hatte endlich eine Lohnerhöhung bekommen, die diese Bezeichnung verdiente. 2002 hatte sie erfahren, dass zwei männliche Grüßer, von denen einer gerade neu eingestellt worden war, mehr verdienten als sie. Wal-Marts Datenbank, die sich inzwischen im Besitz des Juristenteams von Dukes gegen Wal-Mart befand, bestätigte die Gerüchte aus dem Pausenraum: Der neue Grüßer verdiente in der Stunde über 9 Dollar, während Dukes’ Stundenlohn bei 8,47 Dollar lag. Ihre Anwälte reichten in ihrem Namen noch eine Klage gegen das Unternehmen wegen sexueller Diskriminierung ein. Daraufhin bekam Betty Dukes im März 2003 eine Lohnerhöhung, die Wal-Mart als "interne Lohnangleichungskorrektur" bezeichnete. Betty Dukes verdient nun über 10 Dollar in der Stunde. Die letzte Lohnerhöhung ist die höchste, die sie in ihrer Zeit bei dem Unternehmen je erlebt hat. "Jetzt versuchen sie, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen", sagt der führende Klägeranwalt Brad Seligman. Und mit einem verschmitzten Lächeln fügt er hinzu: "Mit dem Prozess hat das natürlich absolut nichts zu tun!" Dass Dukes ihre Lohnerhöhung ohne den Rechtsstreit je bekommen hätte, ist zu bezweifeln. Sie ist jedoch fest davon überzeugt, dass das nur der Anfang der Reformen bei Wal-Mart sein kann. Das Unternehmen muss sein Verhalten gegenüber Frauen überhaupt ändern, nicht nur ihr gegenüber. Abgesehen davon liegen 10 Dollar in der Stunde noch immer weit unter dem Lohn, den Dukes nach einer Beförderung bekommen würde. "Ich lebe nach wie vor weit unter der Armutsgrenze", sagt sie. "Eine eigene Wohnung kann ich mir von den 10 Dollar nicht leisten." Dukes Lohnerhöhung ist zwar keine große Sache und weniger, als Dukes nach zehn Jahren harter Arbeit für das Unternehmen und seine Kunden verdient hätte. Doch auch bei diesem Zugeständnis handelt es sich um eine der vielen verzweifelten Gesten gegenüber den weiblichen Angestellten, die bei Wal-Mart seit der Klageerhebung durch Dukes und die Hauptklägerinnen und deren Antrag auf Zulassung einer Sammelklage im Juni 2001 zu beobachten sind. Dukes ist nicht die einzige Haupt- oder Mitklägerin, der Änderungen in der Filiale aufgefallen sind. Anfang 2003 traf Edith Arana, als sie mit ihrer halbwüchsigen Tochter bei J. C. Penney nach einem BH suchte, eine ihrer ehemaligen Kolleginnen bei Wal-Mart, die ihr Erfreuliches zu berichten hatte. Arana hatte einst zusammen mit drei Frauen in der Filiale in Duarte angefangen, die jahrelang versucht hatten, in das Schulungsprogramm für Führungskräfte aufgenommen zu werden. "Sie sind nach der Arbeit länger geblieben, weil sie es wirklich unbedingt schaffen wollten", erzählt Arana, "aber sie haben nie eine Chance bekommen." Jetzt berichtete Aranas ehemalige Kollegin: "Plötzlich sind wir alle [von Wal-Mart] zugelassen worden. Und soll ich dir mal was sagen? Das ist wegen der Klage." Arana ist den Tränen nahe, als sie von der Begegnung erzählt: "Ich habe zu ihr gesagt: ›Wenn du die andern siehst, sag ihnen, dass ich mich wahnsinnig für sie freue.‹" Christine Kwapnoski, die nach der Klageerhebung zweimal befördert wurde, berichtet, in ihrem Bezirk hätten viele Frauen davon profitiert, dass Wal-Mart durch die Klage unter Druck gesetzt wurde: Mehr als die Hälfte der Neuzulassungen für das Schulungsprogramm für Führungskräfte seien Frauen. Und außer Dukes bekamen auch andere Frauen Lohnerhöhungen: Kathleen MacDonald, die Verkäuferin aus der Süßwarenabteilung, die einst als Begründung für den höheren Verdienst der männlichen Kollegen hörte "Gott hat erst Adam erschaffen", bekam nach einer "internen Prüfung" im unmittelbaren Anschluss an die Klageeinreichung durch Dukes – und zwei Jahre, nachdem sie und ihre Kolleginnen sich über die ungleiche Bezahlung zu beschweren begonnen hatten – eine Lohnerhöhung von 81%. Man sagte ihr, die Lohnerhöhung sei weder leistungsbasiert noch als Anpassung an die Lebenshaltungskosten zu verstehen, und – was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Kein Wort darüber zu ihren Kollegen! Ernsthafte Auswirkungen des Dukes-Prozesses auf den Börsenkurs von Wal-Mart sind auf lange Sicht zwar eher unwahrscheinlich (obwohl der Kurs der Aktie nach der Urteilsverkündung durch Richter Jenkins für einige Tage absackte und damit auch den Dow Jones nach unten zog). Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass die Aktionäre durch die Vorgänge beunruhigt sind – was in Bentonville natürlich Besorgnis erregt. Vor dem Dukes-Prozess war die Forderung der Barmherzigen Schwestern der heiligen Elisabeth auf umfassendere Offenlegung der Daten zur Förderung von Frauen und Minderheiten bei den Wal-Mart-Investoren auf Gleichgültigkeit gestoßen. In den 1990er Jahren fand ihr Antrag bei Abstimmungen die Unterstützung von ca. 3-4% der Aktionäre – ein bei sozialkritisch motivierten Aktionärsanträgen typisches Szenario, da die Abstimmungsergebnisse hier allgemein trübe ausfallen. Als der Sammelklageantrag öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen begann, konnten die nervösen Aktionäre dem Beschlussantrag jedoch zunehmend mehr abgewinnen, sodass auf der Hauptversammlung 2003 schon 12% dafür stimmten. Ein Abstimmungsergebnis dieser Größenordnung gilt in Aktionärskreisen bereits als äußerst enthusiastische Geste: In den 1980er Jahren hatte ein ähnlich hoher Stimmenanteil für Anti-Apartheid-Beschlüsse dazu geführt, dass sich viele US-amerikanische Unternehmen als Investoren aus Südafrika zurückzogen. In einem surreal anmutenden Perspektivwechsel erwägen einige Klägeranwälte (die Anwälte der am Dukes-Prozess beteiligten Kanzleien gehören nicht dazu) nun eine Sammelklage gegen Wal-Mart im Namen der Aktionäre. Ihre Argumentation basiert auf dem amüsanten Zirkelschluss, das Unternehmen habe seine Aktionäre durch die Diskriminierung der weiblichen Angestellten auf rücksichtslose Weise der Gefahr eines Rechtsstreits preisgegeben. Die Reden der Geschäftsführer auf der Jahreshauptversammlung 2004 beinhalteten zahlreiche (wenn auch meist verdeckte) Hinweise auf den Prozess. So mahnte die Konzernbereichsleiterin Unternehmensangelegenheiten Betsy Reithemeyer ihre Mitarbeiter, sich wie unbezahlte PR-Beauftragte des Unternehmens zu verhalten und Wal-Mart gegen negative Schlagzeilen zu verteidigen. "Lasst nicht zu, dass andere erklären, wer wir sind", sagte sie. "Bietet eine bessere Version."[4] Die Verantwortlichen bei Wal-Mart sind besorgt über den Eindruck, den der Dukes-Prozess bei Aktionären und Angestellten hinterlässt, und befürchten, die Öffentlichkeit könnte sich gegen sie wenden. Obwohl die meisten Wal-Mart-Kunden auf die niedrigen Preise angewiesen sind und dem Einzelhändler folglich die Treue halten werden, ist sich das Unternehmen durchaus der geschäftspolitischen Konsequenzen bewusst, die eine ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit nach sich ziehen könnte. Neben der Behinderung seiner Expansionsbestrebungen drohen eine verstärkte öffentliche Unterstützung für die Organisierungsbestrebungen der Arbeitnehmer und eine mögliche Mobilisierung der Menschen gegen die arbeitnehmerfeindliche Lobbyarbeit des Konzerns. In der Tat sind die Bemühungen des Unternehmens zur Schadensbegrenzung weit über punktuelle Verbesserungen in den Filialen der Hauptkläge-rinnen hinaus gegangen. Nachdem das Ansehen des Unternehmens bereits durch Nachrichten über Verfahren wegen inakzeptabler Überstundenregelungen, gewerkschaftliche Organisierungsbemühungen, eine Untersuchung der Bundesbehörde wegen der Misshandlung von Einwanderern und dergleichen angeschlagen war und der Klageerhebung durch Dukes eine Flut negativer Schlagzeilen folgte, beauftragte Wal-Mart zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte eine externe PR-Firma mit einer "Imagestudie": Auf der Grundlage von Meinungsumfragen und Zielgruppen sollten die Probleme festgestellt werden, die in Bezug auf das Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit bestanden. Verwaltungsratsmitglieder schlugen dafür die Firma Fleishman-Hillard vor – ein Unternehmen, dem in Bezug auf ethische Grundsätze selbst ein äußerst zweifelhafter Ruf anhaftet. Als wichtige Stütze der Wahlkampagne des Bürgermeisters von Los Angeles, James Hahn, war das Unternehmen in die Kritik geraten, als es sich nach Hahns Wahlsieg plötzlich eine Vielzahl lukrativer Verträge mit der Stadtverwaltung von Los Angeles hatte sichern können. In einem Bericht der New York Times heißt es, die Studie der PR-Firma habe zutage gefördert, "dass Wal-Mart von vielen als berufliche Sackgasse betrachtet wird, und das Verhalten des Unternehmens in Bezug auf seine Verantwortung in der Gesellschaft noch viel zu wünschen lässt". Ein Pressesprecher von Wal-Mart, Jay Allen, äußerte der Zeitung gegenüber: "Als Zuhörer haben wir nicht gut abgeschnitten. Dabei waren es manchmal so grundlegende Dinge, wie, dass der Parkplatz nicht sauber ist. Und das bedeutet dann: Mangelnder Respekt gegenüber der Gesellschaft."[5] Ganz eindeutig wurde in der Imagestudie als problematischer Aspekt der öffentlichen Meinung auch der Umgang mit weiblichen Beschäftigten genannt, denn im Anschluss an die Untersuchung wurden Werbeanzeigen in Auftrag gegeben, die Wal-Mart als Arbeitgeber mit großartigen Chancen für Frauen darstellten. Außer "Margaret", der Bezirksleiterin, die verkündet, ihr Unternehmen helfe ihr dabei, Familie und Berufsleben miteinander zu vereinbaren, waren in den Wal-Mart-Werbespots auch Mitarbeiterinnen in weniger traditionellen Frauenberufen, z.B. als LKW-Fahrerin, zu sehen. (Wie die meisten Unternehmen hat natürlich auch Wal-Mart nur wenige weibliche LKW-Fahrer.) Allen sagte, die neuen Werbespots seien keine Reaktion auf den Rechtsstreit, sondern auf das Untersuchungsergebnis der Beraterfirma, wobei natürlich offensichtlich ist, dass die Untersuchung selbst eine Folge des Rechtsstreits und anderer öffentlicher Kritiken war.[6] Zu der Frage, ob seine Bemühungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit lediglich der Korrektur eines falschen Bildes dienen oder einen bewussten Korrekturversuch falschen Verhaltens in der Vergangenheit darstellen, bezieht Wal-Mart nicht eindeutig Stellung. Das Unternehmen hat die Diskriminierung von Frauen wiederholt bestritten. Demgegenüber erklärte Allen der Times mit erstaunlicher Offenheit: "Wir würden schon zugeben, dass wir als Arbeitgeber an uns arbeiten müssen. Auf jeden Fall hat der Rechtsstreit uns das stärker bewusst gemacht." Er sprach davon, dass das Unternehmen einige Änderungen beabsichtige, nahm seine Äußerung dann jedoch teilweise wieder zurück, indem er nur ein weiteres Mal wiederholte, was vor ihm schon andere Verantwortliche von Wal-Mart zu Dukes gegen Wal-Mart verkündet hatten: "Gleichzeitig können wir uns natürlich nicht völlig wandeln. Das, was Wal-Mart zu Wal-Mart macht, können wir nicht ändern."[7] Neben dem Blitzkrieg der Marketingabteilung gab es bei dem Unternehmen auch einige echte Reformen. Wal-Mart startete ein kleines Programm mit der Bezeichnung "Führungskräfte-Express", um die Ausbildung qualifizierter Führungskräfte (Männer und Frauen) zu beschleunigen – ein Schritt, mit dem man indirekt anzuerkennen schien, dass viele Beschäftigte zuvor nicht die verdienten Beförderungen erhalten hatten. Das Programm begann Anfang 2003. Schon auf der Jahreshauptversammlung im Juni desselben Jahres konnte eine Direktorin der Personalabteilung, Charlyn Jarrells-Porter, stolz verkünden, dass 50% der Teilnehmer bei "Führungskräfte-Express" Frauen und 25% Angehörige der Minderheiten waren. (Sie berichtete auch, dass über das Programm bereits "mehr als 90 Personen" befördert worden seien – in Anbetracht der Größe des Unternehmens eine recht kleine Zahl.) Die interne Stellenausschreibung wurde grundlegend verbessert. Seit Januar 2003 wurden bei Wal-Mart – vermutlich infolge der Dukes-Klage – zumindest innerhalb der Filialen nahezu alle freien Stellen ausgeschrieben, während freie Plätze im Schulungsprogramm für Führungskräfte landesweit angekündigt wurden. Im Januar 2004 führte das Unternehmen außerdem ein formales, an das Computernetzwerk für Angestellte gekoppeltes Bewerbungssystem ein. Dadurch wurde der Bewerbungsvorgang einerseits erleichtert, und die Mitarbeiter waren bei der Bewerbung für das Schulungsprogramm für Führungskräfte nicht mehr auf die Empfehlung ihres Vorgesetzten angewiesen. (Wal-Mart beschreibt diese Maßnahme als "Erweiterung" des zuvor praktizierten Verfahrens. Die Klägeranwälte äußerten jedoch, sie seien trotz der umfangreichen Beweisermittlung zu den Einstellungspraktiken des Unternehmens zu keinem Zeitpunkt auf einen entsprechenden Vorläufer gestoßen.) Anfang 2004 kündigte Wal-Mart die Schaffung eines Ausschusses für Fragen der personellen Vielfalt – einschließlich der Belange weiblicher Angestellter – sowie die neue Position des Leiters Personelle Vielfalt an, die mit Jarrells-Porter besetzt wurde. Die Einführung dieser Führungsposition war eine der vielen Reformen, die die Dukes-Klägerinnen angestrebt hatten; sie werten die Maßnahme als wichtigen Schritt zur Korrektur einschlägiger Unternehmensvorschriften. Wal-Mart hat auch die Anzahl der Frauen in hochrangigen Führungspositionen erhöht. Alle drei Frauen, die zu den insgesamt 24 Konzernbereichsleitern bei Wal-Mart zählen, verdanken ihre Position mutmaßlich Betty Dukes – einer Frau, die als Grüßerin arbeitet und bis zum heutigen Tag nicht genug verdient, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Claire Watts wurde im Oktober 2001 Direktorin der Verkaufsförderung. 2003 wurde sie an ihre derzeitige Position der Konzernbereichsleiterin Verkaufsförderung befördert. Linda Dillman wurde 2002 Direktorin und Leiterin der Informatikabteilung. Sie wurde wie Watts 2003 ebenfalls zur Konzernbereichsleiterin befördert. M. Susan Chambers wurde im Januar 2002 zunächst zur Direktorin der Verwaltung Zusatz- und Versicherungsleistungen ernannt und ist inzwischen Konzernbereichsleiterin Risikomanagement. Vor dem Rechtsstreit gab es bei Wal-Mart auf der Ebene der Konzernbereichsleitung nur eine Frau, Celia Swanson. Sie übernahm im Dezember 2000 die Leitung der Abteilung Mitgliedschaft, Marketing und Verwaltung für Sam’s Club und hat das Unternehmen inzwischen verlassen. Der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den Spitzenpositionen des Konzerns bleibt bei Wal-Mart – mit 12,5 % – jedoch nach wie vor weit hinter dem kläglichen Durchschnitt zurück, der sich für den Rest der Wirtschaftsunternehmen in den Vereinigten Staaten verzeichnen lässt.[8] Der neuerliche Eifer, mit dem Wal-Mart versucht, Frauen für den Verwaltungsrat zu gewinnen und dort zu halten, steht vermutlich auch in Verbindung mit der Dukes-Klage. Zwei Monate nach der Klageerhebung nahm Wal-Mart Dawn Lepore, Geschäftsbereichsleiterin und Leiterin Informationstechnologie bei Charles Schwab, in den Verwaltungsrat auf. (Betsy Sanders, die 1993 Hillary Clintons Sitz im Verwaltungsrat übernommen hatte, war wenige Jahre zuvor ausgeschieden.) Im Juni 2003 wurde neben Lepore auch M. Michelle Burns in das Gremium aufgenommen. Burns war erst Partnerin bei Arthur Andersen und daraufhin Geschäftsbereichsleiterin und Finanzvorstand bei Delta Air Lines. Nachdem Lepore den Verwaltungsrat verließ, war Burns ab April 2005 das einzige weibliche Mitglied. Fragt sich, wie lange sie das bleiben wird. Als vielleicht wichtigste Änderung kündigte Wal-Mart auf der Aktionärsversammlung 2004 – nur wenige Wochen vor der Entscheidung des Richters auf Zulassung der Sammelklage – eine auf eine gerechtere Vergütung ausgerichtete Umstrukturierung des Lohnsystems an. Mit der Einführung dieses neuen Systems, so versicherte CEO Lee Scott, seien keinerlei Lohneinbußen zu befürchten, vielmehr würden einige Mitarbeiter Lohnerhöhungen erhalten. Noch am selben Tag verkündete Scott – ebenfalls auf der Aktionärsversammlung – einen neuen Plan, demzufolge die Gehälter von Führungskräften künftig auch an deren erfolgreiche Förderung weiblicher Angestellter gebunden sein sollten. Während der Beweisermittlung in der Rechtssache Dukes hatte Jeff Reeves, ein ehemaliger Direktor der Personalabteilung von Sam’s Club zu Protokoll gegeben, wortreiche Bekundungen über die Verbesserung der Stellung von Frauen bei Wal-Mart seien ohne solche finanziellen Anreize reines "Lippenbekenntnis". Obwohl die Haupt- und Mitklägerinnen ausnahmslos die Überzeugung teilen, die Änderungen bei Wal-Mart seien ihre Bemühungen wert gewesen, haben einige von ihnen doch ihren Preis für die Erfolge zahlen müssen. Viele haben Freundschaften zu Kollegen bei Wal-Mart geopfert. Zu den gegen Micki Earwood gerichteten Vergeltungsmaßnahmen der Vorgesetzten gehörte auch eine Verleumdungskampagne in der Filiale, in der man sie unter anderem auch der Verletzung der Schweigepflicht bezichtigt und behauptet hatte, sie habe sich mit Kollegen über Löhne unterhalten. Obwohl sie den Vorwurf zurückweist, sind die Verleumdungen nicht ohne Wirkung geblieben: "Leute, die fast zwölf Jahre lang meine Freunde und Kollegen waren, haben von der Filialleitung Lügen über mich erzählt bekommen", sagt sie. Viele ehemalige Kollegen vermieden es aus Angst um ihre Stelle, mit ihr zu sprechen. Erst kürzlich traf Earwood in einem Einkaufszentrum zufällig eine alte Kollegin. Sie redeten zwar miteinander, aber während des Gesprächs blickte die andere immer wieder nervös um sich – sie hatte Angst, bei der Unterhaltung mit Earwood gesehen zu werden. Auch in einigen Familien hat der Rechtsstreit für Spannungen gesorgt. Da Wal-Mart in den Vereinigten Staaten der größte private Arbeitgeber ist, haben viele der an der Klage beteiligten Frauen Verwandte oder nahestehende Bekannte, die für das Unternehmen arbeiten. Farroukh Moinian, Stephanie Odles Freund, zugleich der Vater ihres Kindes, arbeitet als Filialleiter für Sam’s Club. (Sie lernten sich 1993 kennen, als sie beide im Sam’s Club von Vacaville arbeiteten, wo Moinian Filialleiter war. Im November des Jahres wurde ihr Kind geboren, und inzwischen gehört den beiden ein gemeinsames Haus.) Über die Dukes-Klage sind sie seit jeher geteilter Meinung. Trotzdem unterstützt er sie gemessen an der Situation vermutlich so gut er kann. "Ich erwarte nicht von ihm, dass er bei jeder Pressekonferenz hinter mir steht", erklärt sie, "schließlich ist das sein Unternehmen. Aber ich bin wirklich froh, dass er mich für das, woran ich glaube, eintreten lässt und mir keine Vorhaltungen macht. Seine Einstellung ist: ›Weißt du, du kämpfst für deine Rechte, und das ist gut so. Ich stehe da voll hinter dir. Aber halte du mich dafür aus der Sache raus.‹" "Ich will ihn da einfach nicht mit hineinziehen", sagt sie, "und ich glaube auch nicht, dass er [die Einzelheiten] wissen will. Ich will [seine Stelle] nicht aufs Spiel setzen." "Es ist schon wirklich komisch", gibt sie zu. "Wir sprechen ganz einfach nicht darüber [über den Rechtsstreit]." Als Odle nach New York flog, um in Zusammenhang mit dem Fall im Fernsehen bei "Today" aufzutreten, erzählte sie Moinian erst einen Tag vor ihrer Abreise davon. Obwohl sie diese Situation bewundernswert meistern, hat der Fall doch – zumeist im Verborgenen – einen Spalt in die Beziehung getrieben. "Wissen Sie, er will einfach nur Dampf ablassen, und ich genauso", sagt sie. "Aber ich kann das nur bei meiner Mutter, und er lässt sich bei seinen Freunden über die Sache aus, da bin ich sicher." Letztendlich versteht Odle aber, dass Moinian zu Sam’s Club hält. "Sam’s war mein Leben, und ich verstehe, dass das sein Leben ist. Ich verstehe, dass er völlig von Wal-Mart vereinnahmt ist, bei mir war das auch so." Viele der Klägerinnen und Zeuginnen, die nicht mehr bei Wal-Mart arbeiten, haben noch immer Probleme, eine neue Stelle zu finden. Das ist teilweise auf die schwache Konjunktur oder den in einigen Regionen selbst in guten Zeiten stark ausgeprägten Stellenmangel zurückzuführen. Earwood fragt sich, ob der Rechtsstreit ihre Chancen auf dem Stellenmarkt verschlechtert. "Wissen Sie, erst läuft das Einstellungsgespräch und alles super, und sie sagen, sie würden noch bei deinen Referenzen anrufen, und dann hört man nie wieder was von ihnen. Da fragt man sich schon..." Aber sie sagt auch, dass sie bei der Stellensuche nach den Erfahrungen bei Wal-Mart nun auch den Arbeitgebern gegenüber viel vorsichtiger ist. "Das verändert einen, wissen Sie? Ich weiß nicht, ob ich je nochmal für so einen riesigen Konzern arbeiten kann." Tatsächlich haben Arbeitgeber oft Vorbehalte gegenüber Bewerbern, die Kläger in Sammelklagen sind. Odle war auch an späteren Arbeitsplätzen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Im März 2000 bekam sie bei dem Einzelhändler Old Navy eine Stelle als Leitungsassistentin in einer Filiale in Norman, Oklahoma. Nachdem die Dukes-Klägerinnen den Rechtsstreit im Juni 2001 auf einer Pressekonferenz in Kalifornien angekündigt hatten, erschien auch in der Lokalzeitung "Norman Transcript" ein entsprechender Artikel – mit ihrem Bild. Zurück auf der Arbeit bei Old Navy, erzählt Odle: "Meine Chefin war außer sich. Sie hat mich vor den Stundenkräften aufs Übelste beschimpft." Anschließend forderte die Vorgesetzte beim Bezirksleiter Odles Entlassung ein. Odle ging unverzüglich nach Hause. Als sie eine Stelle bei der Baumarktkette Lowe’s fand, reichte sie beim Bezirksleiter ihre Kündigung ein. Dieser war wiederum wütend auf die Filialleiterin. Ihm ist zugute zu halten, dass er darauf bestand, Odle solle bleiben. Er versicherte ihr: "Was Sie da mit Wal-Mart zu laufen haben, geht uns nichts an." Nach drei Jahren bei Old Navy wurde Odle von einem anderen Einzelhändler für Bekleidung, Aeropostale, eingestellt. Auch hier erwähnte Odle ihren Vorgesetzten gegenüber nichts von dem Rechtsstreit. Ihre Chefin war jedoch in keiner Weise erfreut, als sie einmal das Fernsehen einschaltete und ihre neue Mitarbeiterin bei "Today" sah. Als Odle zur Arbeit kam, begrüßte die Vorgesetzte sie mit einem kurz angebundenen "Wir haben miteinander zu reden." Ihre Chefin war aufgebracht, dass Odle die Sammelklage bei ihrer Einstellung nicht erwähnt hatte. Außerdem ärgerte sie, dass Odle bei "Today" geäußert hatte, sie könnte sich bei einem Sieg der Klägerinnen und einem entsprechenden Stellenangebot von Wal-Mart durchaus vorstellen, zu dem Unternehmen zurückzukehren. Odle lacht darüber: "Ich habe ihr gesagt: ›Also bis jetzt hat man mir meine Stelle noch nicht wieder angeboten. Es gibt also eigentlich nichts, worüber wir reden müssten.‹" Von diesem Gespräch an war Odle regelmäßigen Schikanen ausgesetzt. Die Chefin legte Odle ständig neue, frei erfundene Vergehen zur Last, bis diese es nicht mehr ertrug und die Kündigung einreichte. "Dann findet man eine neue Stelle und alles beginnt wieder von vorn", sie seufzt. "Und das nur, weil man versucht, für seine verfassungsmäßigen Rechte zu kämpfen und etwas zu ändern, etwas voranzubringen! Man sollte meinen, die Leute würden sagen ›Los, mach das!‹, statt dessen wird man zum Unruhestifter abgestempelt." Trotz der widersprüchlichen Bewertung von Sammelklagen als Weg zu institutionellen Reformen sind sich die beteiligten Klägerinnen, Zeugen und Anwälte darin einig, dass das Ziel des Rechtsstreits Dukes gegen Wal-Mart in der Reformierung Wal-Marts besteht. Joyce Moody, die Zeugin, die sich inzwischen der Organisierung der Wal-Mart-Angestellten für die UFCW verschrieben hat, betont, dass es ihr bei der Beteiligung am Rechtsstreit nicht ums Geld gehe. Über einen möglichen Vergleich sagt sie: "Wenn es dazu kommt, gut. Wenn nicht, auch gut. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich will [das Unternehmen] nur zu einem besseren Arbeitsplatz für Frauen machen, schließlich sind die meisten Mitarbeiter bei Wal-Mart Frauen." Und Seligman stimmt ihr zu: "Unsere Aufgabe ist erst erfüllt, wenn wir es schaffen, Wal-Mart zu verändern." Neben "an der Zahlungsfähigkeit des Beklagten ausgerichteten und als Abschreckung vor künftigen Zuwiderhandlungen geeigneten" Schadenersatzleistungen – die kaum ein Gericht gegen Wal-Mart verhängen wird – fordern die Klägerinnen die Wiedereinstellung sämtlicher Mitklägerinnen in der Position und Einkommensgruppe, die ihnen bisher "aufgrund der diskriminierenden Praktiken bei dem Beklagten" versagt blieb. Anders ausgedrückt: Alle Frauen sollen die Bezahlung und berufliche Förderung erhalten, die ihnen zusteht. Wie riesenhaft der mit dieser Forderung verbundene Verwaltungsaufwand auch sein mag, das Ziel ist verheißungsvoll. Bei einem Erfolg der Klägerinnen wäre das Unternehmen für Vertreter umfassender Reformen aufgrund seiner Größe eine echte Herausforderung. Joe Sellers bemerkt, dass bisher noch bei keiner Sammelklage versucht wurde, institutionelle Änderungen dieser Größenordnung voranzutreiben. Die Auszahlung der Schadenersatzleistungen an die Mitklägerinnen wäre "dabei noch das einfachste. Schwierig wäre die Änderung der Unternehmenskultur. Daran haben wir uns schon zu schaffen gemacht. Das geht nicht so einfach." Sellers, einer der Rechtsbeistände der Hauptklägerinnen, ist der für diese Aufgabe hauptverantwortliche Anwalt, was angesichts seiner langjährigen Erfahrungen im Bereich Öffentliche Ordnung nur angemessen ist. Wal-Mart gleicht aufgrund seiner Größe eher einer Regierung als einem Unternehmen; seine Reformierung gehört also eindeutig in die Hände eines Fachmanns für Institutionalisierungsfragen. Viele der für dieses Buch befragten Angestellten äußerten den Wunsch nach Tagesbetreuung für Kinder auf dem Gelände der Filiale, wie sie in einigen Geschäftsstellen von Target bereits angeboten wird. Dass ein Richter ein solches Ansinnen als direkte Lösung für die in der Klageschrift genannten Probleme in Betracht zieht, scheint unwahrscheinlich. Zweifellos würde ein solches Angebot jedoch die Stellung der Frauen bei Wal-Mart ändern und zur Reformierung der Unternehmenskultur beitragen. Mit einer Vergleichsvereinbarung würden – sollte ein Vergleich zustande kommen – wahrscheinlich bestimmte Vorgaben bezüglich der beruflichen Förderung von Frauen für Führungspositionen bei Wal-Mart festgelegt. Durch Richter Jenkins’ Entscheidung wurden die Voraussetzungen für eine weitere Reformierung Wal-Marts geschaffen. Während des Jahres vor der Anhörung zum Sammelklageantrag im September 2003 hatten die Juristenteams beider Parteien auf Wal-Marts Ersuchen Gespräche zur Erörterung von Vergleichsmöglichkeiten geführt. Wal-Marts Anwälte waren bereit, ihrem Klienten einige institutionelle Reformen aufzuerlegen: "Es ist an der Zeit, dieses Unternehmen ins 21. Jahrhundert zu führen", erklärte die führende Anwältin der Verteidigung, Nancy Abell. Auf spezifische Änderungen konnten sich die Parteien jedoch nicht einigen. Vermutlich werden sie auch in Zukunft noch um eine gemeinsame Ausgangsbasis ringen. Doch jetzt könnten durchaus die Klägerinnen Oberhand gewinnen. Stephanie Odle glaubt, dass der Dukes-Prozess das Unternehmen verändern, die Förderung von Frauen bei Wal-Mart vorantreiben wird. Gleichzeitig hat sie jetzt einen weitaus nüchterneren Blick auf das Unternehmen als früher: "Es macht mich traurig, dass es erst soweit kommen musste, um ihnen die Augen zu öffnen. Ich bin der Meinung, dass noch ein weiter Weg vor ihnen liegt. Sie machen zwar Schritte in die richtige Richtung, aber ich wünschte, sie würden das tun, weil es das Richtige ist und nicht, weil sie dazu gezwungen sind." Betty Dukes setzt sich gern für die Frauen bei Wal-Mart ein. Sie ist froh, dass mit der Klage – obwohl das Unternehmen darauf beharrt, dass die Angestellten "für sich selbst sprechen können" – Dinge zuwege gebracht werden, die für einen Einzelnen unerreichbar wären. "In meiner Filiale hat es eine Menge Frauen gegeben, die sich" – Dukes zögert und sucht nach dem treffenden Wort – "entrechtet gefühlt haben. Genau wie ich. Wer bist du, dass du glaubst, dich wehren zu können? Du bist doch nur ein kleiner Hund, und die haben eine Horde Pitbulls." Nachdem die Anwälte die Kanzlei bereits verlassen haben, sitzt sie noch in Seligmans Büro. Als ihr Blick auf eine mit ihrem Namen beschriftete Akte fällt, zuckt sie unwillkürlich auf. "Betty Dukes gegen Wal-Mart Stores", sagt sie, und schüttelt verblüfft den Kopf. Selbst jetzt, sagt sie "ist es noch nicht richtig bei mir angekommen." Dukes erwartet den Fortgang des Rechtsstreits mit Spannung. Bevor sie sich zur Mitklägerschaft entschlossen hatte, war sie angesichts der Aussichtslosigkeit, Wal-Mart ändern zu können, oft verzweifelt. Doch jetzt ist sie optimistisch, wenn sie daran denkt, wie sich die Dinge noch entwickeln könnten. "Jetzt ist meine Klage vorm Bundesgericht", verkündet sie zufrieden, wie bei einem öffentlichen Auftritt, obwohl wir nur zu zweit auf einer Parkbank sitzen. "Und der Rechtsstreit trägt meinen Namen. Und sie müssen jetzt Millionen Dollar für die Verteidigung ausgeben. [...] Wir, die Frauen von Wal-Mart, werden unseren Tag vor Gericht haben. [...] Sie werden auf unsere Vorwürfe eingehen müssen: Dass sie uns unfair behandelt und wir Besseres verdient haben. Weil wir das Rückgrat ihres Unternehmens sind und wir sie reich gemacht haben. Wir haben sie reich gemacht."

[1] Anm. d. Übers.: Brown gegen die Bildungsbehörde
[2] Anm. d. Übers.: Die Geschichte der Erin Brockovich-Ellis wurde durch die preisgekrönte Verfilmung aus dem Jahr 2000 bekannt: Eine alleinerziehende Mutter, die kein Blatt vor den Mund nimmt, stößt am Arbeitsplatz auf eine Akte, hinter der sich ein Umweltskandal verbirgt. Sie recherchiert weiter und erreicht schließlich die Zulassung einer Sammelklage, in deren Folge das beklagte Unternehmen Schadenersatz in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar zahlen muss.
[3] Hervorhebung (kursiv) durch die Übersetzerin
[5] Constance L. Hays: "Wal-Mart, Aware Its Image Suffers, Studies Repairs". In: New York Times. 14. August 2003, S. C1
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Catalyst: "Catalyst Marks Gains in Numbers of Women in Corporate Officers in America’s Top 500 Companies". Presseerklärung vom 19. November 2002. (Catalyst ist eine Organisation zur Förderung von Frauen in der Geschäftswelt der Vereinigten Staaten.)

Leseprobe 3



Inhalt:

Einleitung
Der amerikanische Goliath (Leseprobe)
Kapitel 1
Das Problem mit den Frauen
Kapitel 2
"Made in America": Die Wal-Mart-Kultur und ihre Versprechungen
Kapitel 3
"Eine besondere Frau": Chancen(los) bei Wal-Mart
Kapitel 4
Billiglöhne. Immer!
Kapitel 5
Wege und Grenzen
Kapitel 6
Gewerkschaften für Wal-Mart – Im Namen des Herrn
Kapitel 7
"Kunden, aufgepasst!"
Epilog (Leseprobe)
Nachwort
Danksagung
Abkürzungen

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