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Margareta Steinrücke (Hrsg.)

Pierre Bourdieu

Politisches Forschen, Denken und Eingreifen

176 Seiten | 2004 | EUR 14.80 | sFr 26.60
ISBN 3-89965-037-9 1

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Kurztext: Dem in jeder Hinsicht politischen, sozial- und herrschaftskritischen Werk des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930-2002) ist der vorliegende Sammelband gewidmet.


In diesem Buch wird vor allem der enge Zusammenhang zwischen politischer Forschung, Theorie und Intervention im Werk Bourdieus beleuchtet. Den hiervon ausgehenden Impuls zur Bekämpfung jeglicher sozialer Ungleichheit und Herrschaft in Form wissenschaftlicher Analysen, politischer Bildung und Intervention als Teil eines kollektiven Intellektuellen weiter umzusetzen, verstehen die AutorInnen als Vermächtnis gerade auch an die bundesrepublikanische (Sozial-)Wissenschaft.

Rezensionen

Bourdieu: Forschen und Eingreifen Von Thomas Gesterkamp* Der Soziologe Michael Hartmann entzauberte vor zwei Jahren den "Mythos der Leistungseliten". Die Spitzenkarrieren in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft, so seine These, beruhen nach wie vor auf der sozialen Herkunft. Den familiären Hintergrund der Vorstandsvorsitzenden der DAX-30-Unternehmen recherchierte daraufhin der "Stern". Das Resultat: Nur ein einziger Topmanager kam aus dem Arbeitermilieu. Zumindest für die Welt der Ökonomie gilt, dass die Aufstiegschancen sehr begrenzt sind und Barrieren weiter existieren. Neben ungleichen materiellen Voraussetzungen bedeutsam ist das "kulturelle Kapital" der Oberschicht, die "feinen Unterschiede", wie sie der französische Soziologe Pierre Bourdieu genannt hat. Seine "Klassenanalyse des Alltags" fand 1982 in der Bundesrepublik nur zögerliche Aufmerksamkeit. Nach der Öffnung des Bildungssystems schien die Aussicht auf gesellschaftliche Teilhabe und die Erweiterung individueller Handlungsoptionen durchaus real. Bourdieus Untersuchung wurde als französisches Phänomen interpretiert, als Beschreibung einer stärker ständisch geprägten Gesellschaft, in der die alten Eliten auf exklusiven Hochschulen den Stab von Herrschaft, Reichtum und Einfluss an ihren Nachwuchs weitergeben. Nicht erst seit Hartmanns Studie ist die Illusion des "anything goes" hierzu Lande zerstoben. Das Werk Pierre Bourdieus hat an Aktualität gewonnen. Die Herausgeberin Margareta Steinrücke von der Arbeiterkammer Bremen würdigt den 2002 verstorbenen Wissenschaftler in einem lesenswer ten Sammelband. Die acht Beiträge dokumentieren eine Veranstaltungsreihe, die Bourdieus politischem „Forschen, Denken und Eingreifen" gewidmet war. Franz Schultheis, engster deutscher Mitarbeiter des Pariser Soziologen, zeichnet den Ende der 50erJahre in Algerien beginnenden Weg von der Philosophie hin zur ethnologischen Forschung nach. Heiko Geiling beschreibt, wie Bourdieu diesen in Nordafrika geschulten Blick auf die eigene französische Gesellschaft anwendet. Großen Wert legen die Autor/innen auf das politische Engagement des kritischen Denkers. Ex IG-Medien-Chef Detlef Hensche, der Bourdieu 1997 auf eine DGB-Tagung einlud, betont in seinem Text, dass Bourdieu die Gewerkschaften "bei aller Kritik mit grundsätzlichem Wohlwollen begleitet hat". Sein großes Werk über das "Elend der Welt" sei durch eine konsequente Sicht von unten geprägt. Diese Perspektive fällt auf, weil die herkömmliche Forschung "meist die Blickrichtung von oben einnimmt" (Hensche). Vor allem die Ökonomie erfülle mit ihrer "durchgängigen Dogmatisierung" eine "ähnlich legitimatorische Funktion wie die Theologie früherer Jahrhunderte". Starke Worte, die in ähnlicher Form auch aus Bourdieus Mund stammen könnten. Als Sohn eines Postbeamten selbst aus kleinen Verhältnissen stammend, später Stipendiat an sonst den Kindern der Reichen vorbehaltenen Internaten, hat er sich stets als "nützlicher Wissenschaftler" verstanden, der den sozial Ausgegrenzten Beachtung und Respekt verschaffen wollte. Seine Rede vor den gegen die Demontage der Sozialversicherung streikenden Eisenbahnern an der Gare de Lyon im Dezember 1995 schloss der "kollektive Intellektuelle" so: "Gegen die nationale und internationale Technokratie kann man nur wirksam vorgehen, indem man sie auf ihrem Lieblingsgebiet, nämlich der Wissenschaft und insbesondere der Wirtschaftswissenschaft schlägt und dem ein Wissen entgegensetzt, das den Menschen und den Wirklichkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, mehr Achtung entgegenbringt." * Der Rezensent ist Journalist in Köln.

Leseprobe 1

Margareta Steinrücke
Vorwort Im Januar 2002 ist Pierre Bourdieu gestorben. Mit ihm haben wir viel zu früh einen großen gesellschaftskritischen Denker verloren, der in einer Person Theorieentwicklung, empirische Forschung und politisches Engagement vereinte. Von der Philosophie herkommend und eigentlich für eine philosophische Laufbahn bestimmt, hat er sich früh von dieser ab- und der empirischen Forschung zugewandt, erst als Ethnologe, dann als Ethnologe der eigenen Gesellschaft, als Soziologe. Für ihn wurde eine Form von Gesellschaftstheorie maßgeblich, die sich die "Hände" beim Be-Greifen der wirklichen Verhältnisse der Gesellschaft schmutzig macht, ihre Begriffe durch sie hindurch erfahrungsgesättigt entwickelt. Umgekehrt war seine empirische Forschung immer im höchsten Maße theoretisch-kategorial vermittelt, das Denken von Kant, Hegel und Marx ebenso wie das von Aristoteles, Thomas von Aquin und Leibniz bis hin zu Weber und Durkheim in Fragestellungen und Methodik verarbeitend, und dadurch nicht mit den Mängeln des Empirismus behaftet wie der Großteil der traditionellen positivistischen Sozialforschung. Gleichzeitig war es ihm immer darum zu tun, mit seiner Forschung etwas Nützliches zu leisten, sei es durch Aufklärung der Erforschten, sei es durch politische Anklage und Intervention auf Grundlage der Ergebnisse seiner Forschung. So ist es sicher kein Zufall, dass Pierre Bourdieu den ganz seltenen Fall eines Theoretikers darstellt, der seine Theorie auch lebte. Seine Kritik der Distinktion, der sozialen Abgrenzung als Mittel symbolischer Machtausübung, mit der er vielen von uns die Augen geöffnet hat für die alltäglichen subtilen Formen des Klassenkampfs auf der Ebene von Bildung, Geschmack und Konsum, hat auch immer sein persönliches Verhalten bestimmt: Er war bescheiden bis hin zur Schüchternheit, sensibel und mitfühlend für alle Formen von Erniedrigung und sozialer Scham, wütend und in Umsetzung dieser Wut arbeitswütig angesichts sozialen Unrechts. Dem in jeder Hinsicht politischen sozial- und herrschaftskritischen Werk Pierre Bourdieus hat die Arbeitnehmerkammer Bremen im November 2002 in Kooperation mit dem französischen Kulturinstitut eine Veranstaltungsreihe gewidmet. Die Beiträge dieser Reihe unter dem Titel "Politisches Forschen, Denken und Eingreifen" sind Grundlage des vorliegenden Bandes, ergänzt um drei weitere, das Themenspektrum vervollständigende Beiträge. Als erstes Themenfeld wird das der Forschung in gesellschaftskritischer Absicht vorgestellt. Mit seinen bekannt gewordenen Untersuchungen "Die feinen Unterschiede" und "Das Elend der Welt" war Pierre Bourdieu Vorreiter einer Forschung aus dem Blickwinkel der "kleinen Leute", der ganz normalen Arbeiter und Angestellten, der Ausgeschlossenen und Benachteiligten, die mit präzisen wissenschaftlichen Mitteln die alltäglichen Formen von Herrschaft, von Ausgrenzung, von Leiden aufzeigt; ein Typus von Forschung, der auch für die Forschung der Arbeitnehmerkammer wegweisend ist, die ihren Auftrag, die Lage, die Interessen und die Meinungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bremen zu untersuchen, in vielfältigen Forschungsarbeiten umsetzt. In seinem Beitrag "Algerien 1960: Zur Genese von Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie" zeichnet Franz Schultheis aus engster Kenntnis von Werk und Person Bourdieus dessen Ende der 1950er-Jahre in Algerien beginnenden Weg weg von der Philosophie hin zur ethnologischen Forschung nach. Er arbeitet den von den Forschungen in Algerien 1960 bis zur großen Untersuchung über das "Elend der Welt" in Frankreich 1990 durchgängigen politischen Impetus von Bourdieus Forschung heraus, der sich den akademischen Entgegensetzungen von Objektivismus und Subjektivismus, Strukturalismus und Ethnomethodologie, quantitativen und qualitativen Methoden widersetzte, indem er z. B. von Anfang an je gegenstandsangemessen quantitative (in Kooperation mit den Statistikern des INSEE, des staatlichen französischen Statistikinstituts) und qualitative Methoden einsetzte. Heiko Geiling zeigt in seinem Beitrag "Klassenanalyse des Alltags: Die feinen Unterschiede", wie Pierre Bourdieu Ende der 1960er-Jahre seinen in Algerien geschulten ethnologischen Blick auf die eigene französische Gesellschaft anwendet und hinter dem Schein von Klassenlosigkeit und allein durch Leistung vermittelter sozialer Ungleichheit das Fortbestehen von Klassenstrukturen, insbesondere im Alltag, auf den Ebenen von Bildung, Geschmack und Lebensstil, nachweist. Mit seiner Konstruktion des sozialen Raumes nach Volumen und Struktur von ökonomischem und kulturellem Kapital und der entsprechenden Konstruktion des Raums der Lebensstile mit einem Habitus der Distinktion in der Oberklasse, einem Habitus der Prätention in der Mittelklasse und einem Habitus der Notwendigkeit in den Volksklassen hat Bourdieu uns ein Instrumentarium an die Hand gegeben, heutige Klassenunterschiede in ihrer Differenziertheit und stärkeren Vermitteltheit durch Bildung und Konsum angemessen wahrzunehmen und zu begreifen. Zur Erklärung der hinter diesen Klassenunterschieden wirkenden und sie reproduzierenden verborgenen Mechanismen der Macht hat Pierre Bourdieu seine herrschaftskritische Theorie der symbolischen Gewalt entwickelt, die Lothar Peter in seinem Beitrag sehr kenntnisreich darstellt. An vier Beispielen aus Bourdieus Werk: der Kritik von Heideggers philosophischer Begrifflichkeit, der des Fernsehens, des neoliberalen Diskurses und der männlichen Herrschaft, zeichnet er nach, wie die symbolische Gewalt als eine sanfte, weitgehend unbewusste, auf ihrer Selbstverständlichkeit und dem Mitspielen der Beherrschten beruhende Form von Herrschaft, vor allem in "zivilisierten", nicht offen gewaltförmigen Gesellschaften wie der unseren, funktioniert. Vermittelt über Sprache, Kleidung, Titel etc. führt das Anerkennen der herrschenden Bewertungsschemata und das Verkennen derselben als solchen durch Herrschende wie Beherrschte, auch in scheinbar gewaltfreien Räumen wie Kunst, Religion oder Universität dazu, dass die Herrschenden sich im Vollgefühl ihrer eigenen Legitimität und die Beherrschten im Gefühl der Begründetheit ihrer Inferiorität befinden. Der männlichen Herrschaft als paradigmatischer Form symbolischer Gewalt geht Irene Dölling nach. Auch die männliche Herrschaft präsentiert sich als selbstverständliche, wenngleich heutzutage vielfach verbal negiert. Sie tut das, indem sie die Geschlechterunterschiede, eingebettet in ein ganzes System alltagspraktischer und institutioneller homologer Unterschiede, als biologische Unterschiede und insofern nicht behebbar naturalisiert und ohne jeden physischen Zwang, in Form vorreflexiver Unterwerfung, in den jeweiligen vergeschlechtlichten Habitus inkorporiert. Der Habitus als zentrales Vermittlungsmedium der symbolischen Gewalt und eines der großen innovativen Konzepte von Bourdieus herrschaftskritischer Theorie ist Gegenstand des Beitrags von Beate Krais. Im Gegensatz zur als eher bewusst wahrgenommen und relativ leicht an- und wieder ablegbar vorgestellten Rolle ist der Habitus von Bourdieu als Körper geworden und weitgehend unbewusst konzipiert. Am Beispiel des traditionell agrarisch geprägten Habitus in der im Umbruch begriffenen algerischen Gesellschaft und der Geschlechtshabitus in der heutigen, zunehmend Gleichberechtigung der Geschlechter propagierenden Gesellschaft, hat Bourdieu die Resistenz der Subjektstrukturen gegen objektive Veränderungen, den so genannten Hysteresiseffekt des Habitus, aufgezeigt, mit dem alle Projekte radikaler Veränderung rechnen müssen, wenn sie nicht hoffnungslos illusionär scheitern wollen. So war denn auch der Hinweis auf die Bedeutung der Tradition und der traditionellen Habitusformen in den revolutionären Umwälzungsprozessen in Algerien Gegenstand von Pierre Bourdieus ersten politischen Interventionen. Diese haben seine Theorie- und Forschungsarbeit von Beginn an begleitet und nicht erst Mitte der 1990er-Jahre mit seiner verstärkten Kritik am Sozialabbau und den destruktiven Folgen des Neoliberalismus eingesetzt, wie verschiedentlich fälschlich behauptet wird. Inwiefern bei Bourdieu ein systematischer Zusammenhang zwischen aufdeckender Wissenschaft, "Sozioanalyse", Aufklärung mit Hilfe von deren Erkenntnissen und politischer Intervention, die den Sprachlosen eine Stimme leiht, besteht, versuche ich in meinem Beitrag über Pierre Bourdieus politisches Eingreifen am Beispiel des Algerienkrieges, der Auseinandersetzung um die soziale Ungleichheit im und durch das Bildungssystem 1968 und danach und der verschiedenen von Bourdieu mitinitiierten Ansätze zur Bildung eines kollektiven Intellektuellen und zur Unterstützung sozialer Bewegungen bis Mitte der 1990er-Jahre zu zeigen. Gegenstand des zweiten Beitrages zu Pierre Bourdieus politischem Eingreifen von Detlef Hensche ist Bourdieus im Anschluss an seine Untersuchung über das Elend der Welt verstärktes politisches Engagement gegen eine neoliberale Politik und ihre Folgen in Form von Privatisierung, Deregulierung, Sozialabbau und Durchmarktung aller Lebensbereiche. Dagegen setzte Bourdieu die Intervention des kollektiven Intellektuellen, als dessen Teil er sich z.B. als Mitglied der zur Unterstützung der Streikenden im Dezember 1995 gegründeten Gruppe Raisons d’agir (Gründe zu handeln) oder als Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung attac verstand. Diese Interventionen sollten auf der Basis höchster fachlicher Kompetenz Gegenentwürfe, sehr wohl auch utopische, gegen das herrschende neoliberale Wirtschafts- und Politikmodell beinhalten, die an den Maximen Emanzipation, Gleichheit und Solidarität orientiert sind. Zielpunkt dieser Entwürfe sollte eine soziale anstelle der neoliberalen Globalisierung sein und konkret die Vision eines sozialen Europas anstelle eines auf einen deregulierten Wirtschaftsraum reduzierten Europas. Träger einer solchen Idee waren für Bourdieu neben den Intellektuellen soziale Bewegungen wie die Arbeitslosenbewegung und die Antiglobalisierungsbewegung, aber auch die Gewerkschaften, sofern sie ihr politisches Mandat im Kampf gegen Sozialabbau, der ineins ein Kampf um Schutz und Solidarität für viele und ein Kampf um das Recht auf Teilhabe an Arbeit und damit an der Gesellschaft als Basis von Demokratie ist, wahrnehmen und ihre eigenen bürokratischen Tendenzen bekämpfen. Im abschließenden Beitrag geht Sebastian Müller-Rolli auf Pierre Bourdieus politische Interventionen im pädagogischen Feld ein. Auf der Grundlage seiner bildungssoziologischen Untersuchungen vor allem zur Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Bildungssystem, angefangen mit den berühmt gewordenen, gemeinsam mit J. C. Passeron durchgeführten, Untersuchungen "Les héritiers" 1964 (von Raymond Aron für einen der Auslöser des Mai ‘68 gehalten) und "La réproduction" 1971 (beide zusammen auf deutsch 1972 als "Die Illusion der Chancengleichheit" erschienen) waren die bildungspolitischen Interventionen zugunsten einer Demokratisierung, Rationalisierung und besseren Zugänglichkeit des Bildungssystems für Kinder bildungsferner Klassen für Bourdieus politisches Eingreifen immer zentral. Womit wir auf den Ausgangspunkt von Bourdieus politischem Engagement, sei es in der Forschung, sei es in der Theoriebildung oder sei es in Form direkt politischen Eingreifens, zurückkommen: nämlich das, was er als Kind aus solch bildungsfernen Verhältnissen durch das Bildungssystem erlitten hat und was er ihm gleichzeitig verdankt, aufzudecken, weiterzugeben und so zu verändern, dass es nicht nur ausnahmsweise Überausgelesenen wie ihm selbst, sondern allen zugute kommen kann. Seinen daraus erwachsenen Impuls der Bekämpfung jeglicher sozialer Ungleichheit und Herrschaft in Form wissenschaftlicher Analysen, politischer Bildung und politischer Intervention als Teile eines kollektiven Intellektuellen weiter umzusetzen, ist das Einzige, was wir tun können, um seinen Kampf über seinen Tod hinaus fortzusetzen. Bremen, Dezember 2003
Margareta Steinrücke

Inhalt:

Margareta Steinrücke: Vorwort (Leseprobe)

Politische Forschung


Franz Schultheis
Algerien 1960: Zur Genese der Bourdieuschen Theorie der gesellschaftlichen Welt
Heiko Geiling
Klassenanalyse des Alltags – "Die feinen Unterschiede"

Politische Theorie


Lothar Peter
Pierre Bourdieus Theorie der symbolischen Gewalt
Irene Dölling
Männliche Herrschaft als paradigmatische Form der symbolischen Gewalt
Beate Krais
Habitus und soziale Praxis

Politische Intervention


Margareta Steinrücke
Bourdieus politisches Eingreifen 1: Algerienkrieg, Kritik des Bildungssystems, Konstitution eines kollektiven Intellektuellen
Detlef Hensche
Bourdieus politisches Eingreifen 2: Kritik des Neoliberalismus und Plädoyer für ein soziales Europa
Sebastian Müller-Rolli
Aufklärung über pädagogische Praxis: Pierre Bourdieus Eingreifen im pädagogischen Feld
Bibliographien und Einführendes in Bourdieus Werk
Die AutorInnen

Autorenreferenz

Irene Dölling, geb. 1942, ist Professorin für Frauenforschung/Soziologie der Geschlechterverhältnisse an der Universität Potsdam. Sie hat das Werk Pierre Bourdieus in der DDR bekannt gemacht. 1991 gab sie den Band "Die Intellektuellen und die Macht" mit Beiträgen von Pierre Bourdieu heraus. Sie ist eine ausgezeichnete Kennerin seiner Arbeit zur männlichen Herrschaft, deren erste Version sie zusammen mit Beate Krais unter dem Titel "Ein alltägliches Spiel: Geschlechterkonstruktion in der sozialen Praxis", Frankfurt/M., 1997, veröffentlicht hat. Heiko Geiling, geb. 1952, ist Professor am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hannover mit dem Schwerpunkt Soziale Bewegungen, soziale Milieus und Stadt- und Jugendsoziologie. Er hat mit einer Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Michael Vester und Prof. Peter von Oertzen eine groß angelegte Sozialstrukturanalyse der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage von Pierre Bourdieus Theorie und Methodologie des sozialen Raums durchgeführt ("Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel", Bund-Verlag, Köln 1993). Detlef Hensche, geb. 1938, ist Rechtsanwalt für Arbeitsrecht. Nach seiner Arbeit beim DGB war er lange Zeit Vorsitzender der IG Medien. Er hat viel dafür getan, Pierre Bourdieus Eintreten für eine Kooperation von Intellektuellen und sozialen Bewegungen, insbesondere auch Gewerkschaften, und für ein soziales Europa in den deutschen Gewerkschaften zu verbreiten. Das maßgeblich ihm zu verdankende Treffen von Pierre Bourdieu mit deutschen GewerkschafterInnen 1997 in Frankfurt ist dokumentiert in: Pierre Bourdieu/Claude Debons/Detlef Hensche u.a.: Perspektiven des Protests, Hamburg 1997. Beate Krais, geb. 1944, ist Professorin für Soziologie an der Technischen Hochschule Darmstadt mit dem Schwerpunkt Bildungssoziologie, Geschlechterverhältnisse und Sozialstrukturanalyse. Sie ist eine intime Kennerin von Bourdieus Werk, das sie als eine der ersten in der Bundesrepublik bekannt gemacht hat. Sie gab von P. Bourdieu u.a., Soziologie als Beruf, Berlin, 1991, heraus sowie zusammen mit Irene Dölling die erste Version von Pierre Bourdieus Arbeit zur männlichen Herrschaft. Sebastian Müller-Rolli, geb. 1944, ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Er hat zusammen mit Eckart Liebau 1985 das Heft 3 der Zeitschrift Neue Sammlung, "Lebensstil und Lebensform: Zur Kultursoziologie Pierre Bourdieus" und 1987 "Das Bildungswesen der Zukunft", Stuttgart, Klett-Cotta, herausgegeben. Lothar Peter, geb. 1942, lehrt nach einer Zeit als Assistent an der Sorbonne in Paris als Professor an der Bremer Universität Soziologische Theorie, Geschichte der Soziologie sowie Arbeitssoziologie und forscht am Bremer Institut Arbeit und Wirtschaft zu Fragen der Entwicklung von Arbeit, Betrieb und industriellen Beziehungen. Er ist ein ausgezeichneter Kenner der sozialen Verhältnisse und Kämpfe in Frankreich ebenso wie von Pierre Bourdieus Theorie. Hierzu veröffentlichte er u.a. im Forum Wissenschaft 1/1998 "Habitus und männliche Herrschaft. Das Geschlechterverhältnis in der Theorie von Pierre Bourdieu." Franz Schultheis, geb. 1953, ist Professor für Soziologie an der Universität Genf. Er studierte Soziologie mit den Schwerpunkten soziale Ungleichheit und vergleichende Soziologie und Sozialpolitik der Familie in Deutschland und Frankreich u.a. an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales bei Pierre Bourdieu, dessen engster Mitarbeiter im deutschsprachigen Raum er wurde. Er ist Herausgeber der "édition discours" (UVK Konstanz) sowie Mitbegründer der politischen Initiative "Raisons d’Agir" aus dem Umfeld Bourdieus. Zur Zeit leitet er eine Untersuchung über das soziale Leiden in Deutschland, die sich thematisch und methodisch an die große Untersuchung von Bourdieu u.a., "Das Elend der Welt", anlehnt. Margareta Steinrücke, geb. 1953, ist Referentin für Frauenforschung der Arbeitnehmerkammer Bremen und Soziologin mit den Schwerpunkten Soziologie der Geschlechterverhältnisse, der sozialen Ungleichheit und der betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung. Sie führte zusammen mit Petra Frerichs eine theoretisch und methodisch an Pierre Bourdieus Untersuchungen zu den "Feinen Unterschieden" und zur männlichen Herrschaft orientierte empirische Untersuchung zum Verhältnis von Klasse und Geschlecht durch (P. Frerichs/M. Steinrücke: Klasse und Geschlecht, in dies. [Hrsg.]: Klasse, Geschlecht, Kultur, Berichte des ISO 54, Köln 1997) und gibt seit 1992 bei VSA Pierre Bourdieus "Schriften zu Politik & Kultur" heraus.

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