Olaf Gerlach / Stefan Kalmring / Andreas Nowak (Hrsg.)

Mit Marx ins 21. Jahrhundert

Zur Aktualität der Kritik der Politischen Ökonomie

240 Seiten | 2003 | EUR 15.50 | sFr 27.80
ISBN 3-89965-017-4 1

Titel nicht lieferbar!

 

Die zentrale Fragestellung des Buches lautet: Welche Perspektiven besitzt eine an Marx orientierte Theoriebildung und Sozialwissenschaft im 21. Jahrhundert?


Im ersten Teil des Bandes beleuchten die Autoren auf einer allgemeinen Ebene das kritische Potenzial des Marxschen Paradigmas, während im zweiten Teil Einzelprobleme (z.B. Fragen der Wert-, Geld- und Krisentheorie) untersucht und aktuelle Debatten (z.B. gesellschaftliche Naturverhältnisse, Globalisierung) aufgegriffen werden.

Auch wird die Anschlussfähigkeit anderer Forschungsansätze an das Marxsche Paradigma untersucht (Bourdieu, rational choice, Keynes, feministischer Konstruktivismus) sowie Möglichkeiten und Perspektiven alternativer Vergesellschaftung herausgearbeitet.

Die Autoren: Joachim Bischoff, Meinhardt Creydt, Georg Fülberth, E. Hein, Sebastian Herkommer, Michael Heinrich, Wolfgang Fritz Haug, Stefan Kalmring, Athanasios Karathanassis, Michael Krätke, N.W. Kwack, Jörg Huffschmid, H. Meißner, T. Niechoj, O. Gerlach, Hajo Riese, U. Schoeler, Herbert Schui, Frieder Otto Wolf, Karl Georg Zinn.

Die Herausgeber: Olaf Gerlach ist Volkswirt und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung und Urbanistik (IMU) Dresden. Stefan Kalmring ist Diplomvolkswirt und Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Andreas Nowak ist Diplom-Soziologe und Lehrbeauftragter am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Berlin.

Leseprobe 1

Einleitung

Die Krise des Marxismus und ein Vorurteil Einmal mehr befindet sich der Marxismus – wie so oft in seiner Geschichte – in der Krise. Spätestens mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Desintegration der mit ihm verkoppelten Varianten des Marxismus hat die Auffassung, dass eine Beschäftigung mit der Kritik der Politischen Ökonomie allenfalls noch aus dogmenhistorischen Gründen lohnenswert sei, den Charakter eines allgemeinen Vorurteils angenommen. Wie vorschnell eine solche Auffassung ist, soll der folgende Band belegen. Wieso, weshalb, warum? Wie der Marxismus, so befindet sich auch der Kapitalismus in der Krise. Die Globalisierungs- und Markteuphorie geht ihrem Ende zu, der Traum von einer ewig prosperierenden New-Economy ist ausgeträumt, und die lange Zeit verdrängten sozialen und ökologischen Probleme erfordern abermals eine grundlegende Auseinandersetzung mit der bestehenden Gesellschaftsordnung und ihren Bewegungsgesetzen. Der nach dem »Sieg« des Kapitalismus herrenlos gewordene Marxismus hat in diesem Zusammenhang sein Erklärungspotenzial erneut zu beweisen. Die Notwendigkeit einer gehaltvollen und kritischen Kapitalismusanalyse und die Notwendigkeit der Erarbeitung einer adäquaten sozialistischen Strategie für das 21. Jahrhundert, die der Linken die Rückgewinnung politischer Interventionsmöglichkeiten ermöglicht, erfordert geradezu eine Klärung der Frage, was an Marx nach wie vor aktuell oder zumindest aktualisierbar ist. Die Grundlagen der Marxschen Theorie müssen einmal mehr vorurteilsfrei diskutiert, wo nötig erneuert und die Erklärungskraft des Marxschen Ansatzes für die gewandelten Bedingungen ausgelotet werden. In der Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus wird dessen Amöbenhaftigkeit deutlich, der sich die Theorie auch zu stellen hat. Periodisch werden neue Techniken implementiert, die Arbeitsverhältnisse rationalisiert, neue Lebenseinstellungen antrainiert sowie gesellschaftliche Konflikte reguliert. Der Wandel der Gesellschaft macht sich im Kapitalismus zur letzten Gewissheit, nichts bleibt so wie es ist. Weder der Bedarf an kritischer Analyse noch das Potenzial marxistischer Ansätze ist verloren gegangen – vielmehr fehlt häufig die Bereitschaft, aus den Erfahrungen und Irrtümern der Vergangenheit zu lernen, Ansätze zu vertiefen und Neues zu reflektieren. Das marxistische Paradigma hält ein weites Set von brauchbaren Theorien zur Erklärung kapitalistischer Verhältnisse und ihrer Dynamik bereit, doch die Überlieferung der hierbei gewonnenen Erkenntnisse, der Erfolge wie der Sackgassen, wird allzu oft nicht produktiv genutzt. In dem vorliegenden Band versuchen Autoren von unterschiedlicher theoretischer Herkunft und aus den verschiedenen Generationen stammend, sich der Herausforderung zu stellen, Marx und den Marxismus unter den neuen Bedingungen zu denken und kontrovers zu diskutieren. Danke sagen! Wir möchten allen, die an dieser Schrift mitgewirkt haben, danken. Insbesondere bei Klaus Peter Kisker möchten wir uns mit dieser unserer ersten Schrift bedanken. Er hat uns stets nach Kräften gefördert, indem er uns forderte, wo es nötig war, und uns Freiräume und Möglichkeiten schuf, wo immer es möglich war. Diesen Sammelband hätten wir nicht ohne die Hilfe von Rainer Ehlert (ver.di), der schnell und unkompliziert einen Druckkostenzuschuss ermöglichte, verwirklichen können. Wir bedanken uns beim Team des VSA und ebenfalls bei Sebastian Herkommer, der uns mit Rat und Tat bei diesem Projekt zur Seite stand. Olaf Gerlach, Stefan Kalmring, Andreas Nowak

Inhalt:

Dank an Klaus Peter Kisker
Olaf Gerlach / Stefan Kalmring / Andreas Nowak
Einleitung

Mit Marx ins 21. Jahrhundert


Joachim Bischoff
Lohnarbeitsgesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts
Hajo Riese
Was bleibt von Marx? – Was von Marx bleibt.
Georg Fülberth
Nützlicher Eklektizismus
Uli Schöler
Karl Marx und Fernand Braudel – ein systematischer Vergleich
(und seine Folgen für "sozialistische" Theoriebildungsprozesse)
Frieder Otto Wolf
Was braucht marxistisches Denken heute, um als "Theorie" existieren zu können?

Aspekte marxistischer Theoriebildung


1. Arbeit, Wert, Akkumulation und Krise


Stefan Kalmring
Produktive und unproduktive Arbeit vom Standpunkt des Kapitals
Eckhard Hein
Die Marxsche Theorie der Kapitalakkumulation – Ansätze einer monetären Interpretation
No-Wan Kwack
Marxsche Ansätze zur monetären Krisentheorie und deren Epistemologie
Olaf Gerlach
Tendenzieller Fall der Profitrate, Technologieentwicklung und (R)evolution

2. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und High-Tech-Kapitalismus


Athanasios Karathanassis
Widersprüche, Umbrüche und destruktive Qualitäten im kapitalistischen Naturverhältnis
Wolfgang Fritz Haug
Ungedachtes, das keine Ruhe gibt
Eine Symptomlektüre zu Altvater / Mahnkopfs "Globalisierung der Unsicherheit"

3. Anknüpfungspunkte


Torsten Niechoj
Analytischer Marxismus – eine rationale Wahl?
Stand und Perspektive eines Forschungsprogramms
Hanna Meißner
Zu den gesellschaftlich-historischen Bedingungen sozialer Konstruktionen von "Geschlecht"
Sebastian Herkommer
Kapitalismus-Kritik bei Pierre Bourdieu

Sozialismus und Sozialismuskonzeptionen


Karl Georg Zinn
Chinesischer Kapitalismus, sozialistische Marktwirtschaft oder eine neue gemischte Wirtschaftsordnung?
Meinhard Creydt
Die institutionellen Strukturen nachkapitalistischer Gesellschaften

Autorenreferenz

Joachim Bischoff ist Mitherausgeber der Zeitschrift Sozialismus, Hamburg. Meinhardt Creydt lebt und arbeitet in Berlin. Georg Fülberth ist Professor für Politologie an der Phillips Universität Marburg. Olaf Gerlach ist Mitarbeiter am Institut für Medienforschung und Urbanistik (IMU-Institut), Zweigstelle Dresden. Wolfgang Fritz Haug ist Herausgeber der Zeitschrift Das Argument. Eckhard Hein ist Referatsleiter für "Allgemeine Wirtschaftspolitik" am WSI in der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf. Sebastian Herkommer war bis 1998 Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Stefan Kalmring ist Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Athanasios Karathanassis ist Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. No-Wan Kwack ist Doktorand am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin. Hanna Meißner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Torsten Niechoj ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WSI in der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf. Andreas Nowak ist Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Hajo Riese ist Prof. em. für Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Uli Schöler ist Leiter des Präsidialbüros des Deutschen Bundestags. Frieder Otto Wolf ist Leiter des "Instituts für Europäische Kommunikation (inEcom)" in Berlin. Karl Georg Zinn ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/mit-marx-ins-21-jahrhundert/