Eva Müller

Marxsche Reproduktionstheorie

Kritik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

164 Seiten | 2005 | EUR 16.50 | sFr 29.50
ISBN 3-89965-131-6 1

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Kurztext: Stimmen die Grundaussagen der gegenwärtigen Wirtschaftstheorie oder sind sie fehlerhaft? Eva Müller zeigt, dass die Marxsche Reproduktionstheorie die Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung schlüssig zu erklären vermag.


Mit dem Untergang der sozialistischen Länder in Europa ist auch die Marxsche Theorie weitgehend aus der Wirtschaftswissenschaft verschwunden, obwohl sie reich an Aussagen ist, die der heutigen Wirtschaftstheorie fehlen. Diese zieht sich immer mehr aus der Darstellung von Zusammenhängen zurück und reduziert diese auf mathematische Formeln, die nur noch Variable enthalten, in denen von allem Lebendigen, Konflikte-in-sich-Tragenden abstrahiert wird.

Die Reproduktionstheorie von Marx steht im Mittelpunkt dieses Buches, sie wird jedoch ergänzt von der Wert- und Mehrwerttheorie und anderen Theorien von Marx, ohne die die Reproduktionstheorie nicht umfassend darstellbar ist. Ebenso werden Vergleiche mit Aussagen der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorien gemacht, die das gleiche Objekt beschreiben oder die gleichen Zusammenhänge darstellen, um festzustellen, wie weit es einen Erkenntnisfortschritt oder einen Erkenntnisrückschritt seit Marx gibt. Da das Objekt, die Reproduktion, die fortlaufende Fortsetzung der Produktion über die Distribution, die Zirkulation und die Konsumtion ist, entspricht der Marxschen Reproduktionstheorie in der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorie die Kreislauftheorie. Da die Reproduktion nach Marx eine erweiterte oder auch eine schrumpfende sein kann, entspricht seiner Theorie auch die Wachstumstheorie. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden volkswirtschaftliche Zusammenhänge mit Hilfe statistischer Daten quantifizierbar gemacht. Die Reproduktionstheorie erlaubt es, diese Zusammenhänge zu erklären, oft besser als die Kreislauf- und Wachstumstheorie. Zudem werden theoretische Reproduktionsmodelle behandelt, die auf der Marxschen Reproduktionstheorie beruhen.

Eva Müller, geb. 1928, Wirtschaftswissenschaftlerin, Prof. em. Dr. rer. oec. habil. Sie lehrte politische Ökonomie und Volkswirtschaftsplanung an der Karl Marx Universität in Leipzig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen "Volkswirtschaftlicher Reproduktionsprozeß und dynamische Modelle", Berlin 1973, und "Der Nationalreichtum", Berlin 1987. Sie war von 1999 bis 2004 Mitglied des Stadtrats in Taucha, Fraktion der PDS, und ist gegenwärtig noch aktiv in der Rosa Luxemburg Stiftung Leipzig als eine der Moderatoren im Arbeitskreis "Wirtschaftswissenschaften".

Leseprobe 1

Vorwort

Mit dem Untergang der sozialistischen Länder in Europa ist auch die Marxsche Theorie weitgehend aus der Wirtschaftswissenschaft verschwunden, obwohl sie reich an Aussagen ist, die der heutigen Wirtschaftstheorie fehlen. Diese zieht sich immer mehr aus der Darstellung von Zusammenhängen zurück und reduziert diese auf mathematische Formeln, die nur noch Variable enthalten, denen das Leben genommen wurde, in denen von allem Lebendigen, Konflikte-in-sich-Tragenden abstrahiert wird. Variable und Abkürzungen sind häufig ohne Maße und Maßstäbe. In einem Verzeichnis gibt es beispielsweise das Symbol L, das als Arbeit bestimmt wird. Mit Hilfe dieser Variablen L wird aber die "Arbeitsproduktivität", das "Pro-Kopf-Einkommen", die "Geldnachfrage pro Kopf" und die "Kapitalintensität" ausgedrückt. Wie diese Variable L, die Arbeit, gemessen wird, als Anzahl der Arbeitskräfte, als Anzahl der Arbeitsstunden, als Bevölkerungszahl, oder als Produkt aus der Kraft, die einen Körper angreift, und dem von diesem Körper zurückgelegten Weg, wie in der Mechanik üblich, bleibt offen.[1] Während Marx unter Arbeit stets die zweckmäßige Tätigkeit des Menschen verstand, die Naturstoffe verändert, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, und diese Arbeit in Arbeitszeit (Stunden) maß, dabei aber die Unterschiedslosigkeit der Arbeit als abstrakte Arbeit unterstellte,[2] ist es für viele der gegenwärtigen Wirtschaftstheoretiker belanglos geworden, welche Qualität eine Kategorie hat, und wie, mit Hilfe welcher Maße und Maßstäbe, diese quantifiziert werden kann. Zwischen der Marxschen Produktions- und Reproduktionstheorie und den in der gegenwärtigen Volkswirtschaftslehre vorherrschenden Auffassungen gibt es wesentliche Unterschiede, auf die in diesem Buch im Einzelnen eingegangen wird. Ein Unterschied, der für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung bedeutsam ist, ist ihr Ausgangspunkt: das gesellschaftliche Gesamtprodukt oder das Bruttoinlandsprodukt. Nach Marx ist der Ausgangspunkt aller Analysen das Produkt, dessen Wert drei Bestandteile hat: c, v und m. Das gilt für das Einzelprodukt ebenso wie für das volkswirtschaftliche Gesamtprodukt. c ist das zur Herstellung des Produkts verbrauchte konstante Kapital, die verbrauchten Produktionsmittel, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände, als cfix und czirk. Der Wert dieses verbrauchten konstanten Kapitals wird nicht neu produziert, sondern durch die konkrete Arbeit der Arbeitenden auf das neu hergestellte Produkt übertragen. v ist das variable Kapital, die Lohnsumme, die an alle Arbeitenden zu zahlen ist, und m der Mehrwert, der Überschuss des gesamten Produktenwertes über die Kosten seiner Herstellung, c + v. Der Wertteil v + m ist der durch die abstrakte Arbeit neu erzeugte Wert, der nach dem Verkauf des Produkts zu Einkommen wird. Von dieser Marxschen Produktionstheorie ausgehend war es in der DDR üblich, in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vom gesellschaftlichen Gesamtprodukt auszugehen, das sich gliederte in Produktionsverbrauch als Summe der Abschreibungen für die Anlagefonds und des Verbrauchs an Material und produktiven Leistungen sowie in produziertes Nationaleinkommen, das für die individuelle und gesellschaftliche Konsumtion und für die Akkumulation verwendet wurde. Dieser Ausgangspunkt, gesellschaftliches Gesamtprodukt, war bereits im ersten Statistischen Jahrbuch 1955 der DDR zu finden, das von dem bekannten marxistischen Politökonomen, Prof. Dr. Fritz Behrens, herausgegeben wurde. Danach war es in allen Statistischen Jahrbüchern der DDR bis zum letzten Statistischen Jahrbuch ’90, üblich, in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vom gesellschaftlichen Gesamtprodukt auszugehen.[3] Anders in der gegenwärtigen Volkswirtschaftslehre. Sie kennt keine Kategorie "konstantes Kapital", die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung weist keine Summe für den Produktionsverbrauch aus. Es wird streng vermieden, die Abschreibungen und die Vorleistungen, den Verbrauch an Material, Energie und Dienstleistungen, in einer Summe zusammenzufassen. Vielmehr werden sofort, im ersten Schritt, vom Produktionswert die Vorleistungen, die etwa 50% des Produktionswertes ausmachen, abgezogen. Dann erhält man das Bruttoinlandsprodukt (Bruttowertschöpfung, Bruttosozialprodukt), das eigentlich im betrachteten Jahr neu erzeugte Produkt, das zum Ausgangspunkt der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird. Wesentlich später werden vom Bruttoinlandsprodukt die Abschreibungen subtrahiert, wonach man das Nettoinlandsprodukt (Nettowertschöpfung, Nettosozialprodukt, Nationaleinkommen) erhält, was sich in Arbeitnehmerentgelt und "Nettobetriebsüberschuss" und Selbständigeneinkommen gliedert.[4] Die Subtraktion der Abschreibungen wird theoretisch nicht begründet, erfolgt verschämt, rein mechanisch, nur um vom Brutto- zum Nettowert zu kommen. Das Fehlen der Kategorie "konstantes Kapital" und der statistischen Kennziffer "Produktionsverbrauch" ist nicht zufällig. Die gegenwärtige Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass das Produkt durch das "Zusammenwirken" von drei Produktionsfaktoren entsteht, den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital, die entsprechend ihrem Anteil am Entstehen des Produkts Anspruch auf Einkommen haben: auf Arbeitseinkommen, auf Einkommen aus dem Boden (der Natur überhaupt) und aus dem Kapital. Alle drei Einkommensarten seien "erarbeitet", der Anspruch auf sie daher gerecht. Das "Zusammenwirken" der drei Produktionsfaktoren kann aber nur die Verteilung der Einkommen zu erklären versuchen, nicht die Existenz des Gesamtprodukts und seines Produktenwerts. Deshalb werden von diesem sofort die "Vorleistungen" subtrahiert, da diese wohl doppelt gezählt werden: einmal als neu produziertes Material und ähnliches, zum anderen als verarbeitetes Material. Nur der Neuwert, das Nettoprodukt, sei neu produziert worden. Die Abschreibungen, als verbrauchte Arbeitsmittel, stören: Innerhalb des Jahres werden sie nicht doppelt gezählt, man kann sie daher auch nicht einfach subtrahieren. Aber zum Einkommen, dessen Verteilung erklärt werden soll, gehören sie auch nicht, also subtrahiert man sie irgendwann später, indem man von Bruttokennziffern zu Nettokennziffern übergeht. Die Kategorie Gesamtprodukt kann mit Hilfe der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorien nicht erklärt werden, sondern nur mit der Marxschen Produktionstheorie, deren Entdeckung der Doppelcharakter der Waren produzierenden Arbeit ist: Als konkrete Arbeit überträgt sie den Wert der verbrauchten Produktionsmittel auf das neu hergestellte Produkt, als abstrakte Arbeit fügt sie diesem übertragenen Wert neuen Wert hinzu. Nur so kann das Gesamtprodukt gesehen werden, das jährlich erzeugt wird, als Ganzes, mit all seinen Eigenschaften, nicht nur mit denen, die auf den letzten Produktionsstufen, im letzten Jahr, entstanden sind. Allein das Gesamtprodukt mit seinem Gebrauchswert und seinem Wert, kann Ausgangspunkt aller ökonomischen Analysen sein, nicht nur sein amputierter Teil, das Bruttoinlandsprodukt oder das Nettoprodukt. Ebenso sind Denkfehler in der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorie nicht selten. So schreibt zum Beispiel Horst Siebert: "Der Preis bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage... Der Schnittpunkt beider Kurven (der Nachfrage- und Angebotskurve – E.M.) gibt den Preis an, der sich auf dem Markt einstellen wird." Dieser Preis wird als "Gleichgewichtspreis" bezeichnet.[5] Können sich überhaupt beide Kurven, die des Angebots und die der Nachfrage, schneiden? Das Angebot ist doch eine Bestandsgröße, die Nachfrage eine Flussgröße, beide Größen haben unterschiedliche Maße, können demnach nicht auf ein und demselben Schaubild gezeichnet werden. Karl Marx schrieb daher vom "Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr",[6] das die Marktpreise prägt, nicht von Nachfrage und Angebot. Diesen logischen Mangel spürend, definieren Horst Siebert, Artur Woll und andere das Angebot als Flussgröße, als "angebotene Menge des Gutes pro Zeiteinheit", so dass "der Markt .., in jeder Periode geräumt" werde, beim Gleichgewichtspreis "der Markt geräumt" sei.[7] Welcher Käufer geht jedoch auf einen "geräumten", auf einen leeren Markt? Man geht doch nur auf einen Markt mit großem Angebot, als einem reichen, mit unterschiedlichsten Produkten gefüllten Warenbestand. Was hätte die angeführten Autoren, wie alle anderen, die Gleiches schreiben, daran gehindert, nicht vom Angebot, sondern von der Zufuhr zum Angebot zu schreiben? Das Angebot bliebe dann eine Bestandsgröße, die Zufuhr zum Angebot wäre die Bewegungsgröße, die mit der Nachfrage vergleichbar ist.[8] Die Reproduktionstheorie von Marx steht im Mittelpunkt der nachfolgenden Abhandlung, sie wird jedoch ergänzt von der Wert- und Mehrwerttheorie und anderen Theorien von Marx, ohne die die Reproduktionstheorie nicht umfassend darstellbar ist. Ebenso werden Vergleiche mit Aussagen der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorien gemacht, die das gleiche Objekt beschreiben oder die gleichen Zusammenhänge darstellen, um festzustellen, wie weit es einen Erkenntnisfortschritt oder einen Erkenntnisrückschritt seit Marx gibt. Da das Objekt, die Reproduktion, die fortlaufende Fortsetzung der Produktion über die Distribution, die Zirkulation und die Konsumtion ist, entspricht der Marxschen Reproduktionstheorie in der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftstheorie die Kreislauftheorie. Da die Reproduktion nach Marx eine erweiterte oder auch eine schrumpfende sein kann, entspricht seiner Theorie auch die Wachstumstheorie. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden volkswirtschaftliche Zusammenhänge mit Hilfe statistischer Daten quantifizierbar gemacht. Die Reproduktionstheorie erlaubt es, diese Zusammenhänge zu erklären, oft besser als die Kreislauf- und Wachstumstheorie. Deshalb wird mit der Darstellung der Reproduktionstheorie von Marx auf ausgewählte Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und die in ihnen abgebildeten Zusammenhänge eingegangen. Danach werden theoretische Reproduktionsmodelle behandelt, die auf der Marxschen Reproduktionstheorie beruhen.

[1] Siehe Bretschger, Lucas: Wachstumstheorie. Zweite, durchgesehene Auflage. R. Oldenburg Verlag, München, Wien 1998, S. XI, 19, 53.
[2] Marx unterschied nicht nur zwischen konkreter und abstrakter Arbeit, sondern auch zwischen notwendiger und Mehrarbeit, zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit. Siehe Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Marx-Engels-Werke, Bd. 23, S. 5359, 192-193, 531-532, 614-616 u.a.
[3] Siehe: Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1955. Herausgegeben von der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Erster Jahrgang. Berlin 1956, S. 90-93 und Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik ‘90. Herausgeber Statistisches Amt der DDR, 35. Jahrgang, Berlin 1990, S. 101-106.
[4] Siehe als Beispiel: Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1956. Herausgeber Statistisches Bundesamt. Stuttgart 1956, S. 516-521, und Statistisches Jahrbuch 2003. Für die Bundesrepublik Deutschland. Statistisches Bundesamt. Wiesbaden 2003, S. 652, 656-658.
[5] Horst Siebert: Einführung in die Volkswirtschaftslehre. 10. Auflage, 1991, S. 62.
[6] Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Band 25, Berlin 1964, S. 190.
[7] Artur Woll: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 9. Auflage. München 1987, S. 95, 101, und Horst Siebert, ebenda, S. 62.
[8] Näheres zu diesen drei Beispielen von Irrtümern in der gegenwärtigen Volkswirtschaftslehre siehe in den Abschnitten 2.5.2., 2.3. und 3.10.

Leseprobe 2

Nachwort

Die gegenwärtige Wirtschaftstheorie ist reich an logisch unhaltbaren Aussagen, die den Kern dieser Theorie betreffen. Diese Theorie kann das Gesamtprodukt nicht erklären und weicht auf die Bruttowertschöpfung aus, sie kann die Produktion nicht bestimmen, denn die Aussage, diese sei ein "Zusammenwirken der drei Produktionsfaktoren: Boden, Arbeit und Kapital", ist irrsinnig, denn zusammenwirken können nur Menschen, keine Dinge. Auch die Aussage, der Gleichgewichtspreis liege im Schnittpunkt der Angebots- und Nachfragefunktion, ist logisch fehlerhaft, denn diese beiden Kurven können sich nur schneiden, wenn beides als Bewegungsgrößen betrachtet wird, danach wäre aber im Gleichgewichtszustand der Markt "geräumt". Besteht denn die Attraktivität der Marktwirtschaft in leeren Märkten? Auf diese logischen Schwachstellen in den Grundaussagen der gegenwärtigen Wirtschaftstheorie wurde im Vorwort und im Text des Buches näher eingegangen. Weitere logische Fehler sind ohne Schwierigkeiten noch zu finden. So ist das Begriffspaar "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer" in zweifacher Hinsicht irrsinnig: Erstens ist die Arbeit kein Ding, das man geben oder nehmen kann, sondern eine Tätigkeit, nichts Gegenständliches, nichts Nehmbares und nichts Gebbares. Zweitens bekommt immer der Gebende vom Nehmenden für seine Gabe das Geld, nicht umgekehrt. Aber der "Arbeitgeber" nach der gegenwärtig üblichen Begriffsbestimmung gibt dem Arbeit Nehmenden auch noch Geld als Lohn für das, was er, der "Arbeitgeber", ihm gegeben hat. Wäre es nicht richtiger, den "Arbeitnehmer" als Arbeitgeber zu bezeichnen, denn er gibt dem so genannten Arbeitgeber das Produkt seiner Arbeit und erhält dafür auch Geld. Der "Arbeitgeber" nach der üblichen Bezeichnung ist eigentlich Arbeitnehmer, denn er nimmt das Arbeitsprodukt vom Arbeitgeber und bezahlt es auch, wie allgemein üblich: Ein Nehmer bezahlt dem Geber den Preis für das Gegebene, nicht der Geber dem Nehmer für das Genommene. Nicht nur die gegenwärtige Wirtschaftsordnung krankt an vielen Schwächen, sondern auch ihre theoretische Reflektion seitens ihrer Anhänger, die voller logischer Fehler ist. Diese Fehler hatte die Marxsche Produktionstheorie nicht. Die Zukunft ist zwar noch offen. Doch kann sie einer Wirtschaftsordnung gehören, deren theoretische Widerspiegelung seitens ihrer Anhänger so voller Denkfehler ist? Diese Fehler spüren auch diese Theoretiker. Sie haben Adam Smith als Vater ihrer Theorien, der im 18. Jahrhundert (1723-1790) lebte und wirkte. Warum nehmen sie nicht Karl Marx, der 100 Jahre später, im 19. Jahrhundert (1818-1883), lebte und wirkte? Offensichtlich hängen sie an der gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung und wollen sie verteidigen, was ohne logische Fehler nicht geht. Vielleicht gehört die Zukunft doch einer anderen, auf der Marxschen Wirtschaftstheorie beruhenden sozialistischen Wirtschaftsordnung, einer Theorie, die frei von solchen primitiven Denkfehlern ist? Taucha, Dezember 2004
Eva Müller

Leseprobe 3



Inhalt:

Vorwort (Leseprobe)
1. Der Reproduktionsprozess als Ganzes
1.1. Die vier Phasen des Reproduktionsprozesses
1.2. Einfache, erweiterte und rückläufige Reproduktion des Produkts und der Produktionsverhältnisse
1.3. Der Reproduktionsprozess in der Kreislauf- und Wachstumstheorie
1.4. Der Reproduktionsprozess als Zusammenspiel von Produktenbeständen und -flüssen
1.5. Produkte, Waren und Geld im Reproduktionsprozess
1.6. Der Reproduktionsprozess der sozialen Dienstleistungen
2. Die Phase der Produktion und das Produkt
2.1. Die Produktion als das Hervorbringen neuer Produkte. Die Naturproduktion und die gesellschaftliche Produktion
2.2. Die Produktion als Arbeitsprozess. Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel
2.3. Die Produktion als Umwandlung der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital in neue Produkte
2.4. Das Produkt und sein Gebrauchswert
  2.4.1. Das positive und das negative Produkt
  2.4.2. Sachgüter und Dienstleistungen
  2.4.3. Produktionsmittel und Konsumtionsmittel. Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände
  2.4.4. Das einmalige und das beliebig reproduzierbare Produkt
2.5. Das Einzelprodukt und das Gesamtprodukt
  2.5.1. Das Gesamtprodukt als eine Gesamtheit unterschiedlicher Einzelprodukte
  2.5.2. Die Quantifizierung von Gesamteinheiten unterschiedlicher Einzelprodukte. Das Maß, der Maßstab und die Maßeinheit
2.6. Das Zwischenprodukt und das Endprodukt. Die Vorleistungen und das Bruttoinlandsprodukt
2.7. Das Ersatzprodukt und das Nettoprodukt. Die Vorleistungen, die Abschreibungen und das Nettoinlandsprodukt
2.8. Das Gesamtprodukt und seine Bestandteile in den Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
2.9. Die Produktivität und ihre Messung
2.10. Die Arbeitsproduktivität in den Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
3. Die Phase der Zirkulation und die Ware
3.1. Die Zirkulation als der Umlauf der fertigen Produkte, ihr Verkauf und Kauf und ihr Werden zur Ware
3.2. Die Phase der Zirkulation und die Produktion
3.3. Die Zirkulation der Waren und der Markt
3.4. Die Steuerung des Reproduktionsprozesses über die Zirkulation und die Marktwirtschaft
3.5. Der Zirkulationsweg der Waren und seine Unsicherheiten
3.6. Die Zirkulation der Produkte und des Geldes als ihr Kreislauf zwischen Polen
3.7. Die Eigenschaften der Ware: ihr Gebrauchswert und ihr Wert
3.8. Der Preis der Ware als Geldausdruck ihres Wertes
3.9. Die Bestandteile des Preises und die Zirkulationsschleifen
3.10. Der Gleichgewichtspreis als der Preis im Schnittpunkt der Angebots- und der Nachfragekurve
3.11. Die Phase der Zirkulation in den Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
3.12. Der Preis der Ware in den Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4. Die Phase der Distribution und das Geld
4.1. Die Distribution als die Verteilung der fertigen Produkte, direkt oder indirekt, über das Geld vermittelt
4.2. Die Phase der Distribution und die der Zirkulation
4.3. Fünf Grundsätze der Distribution und der Widerstreit zwischen ihnen
4.4. Die Verteilung des volkswirtschaftlichen Produkts und die Verteilung der Erlöse, insbesondere der Einkommen. Primäre und abgeleitete Einkommen
4.5. Die Gliederung der primären und der Endeinkommen und die Klassen in der heutigen Gesellschaft
4.6. Die Verteilung des volkswirtschaftlichen Produkts und der Einkommen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.7. Die Umverteilung der Einkommen über den Staat und über die Banken
4.8. Die Umverteilung der Einkommen über den Staat in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.9. Die Umverteilung der Einkommen über die Banken in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.10. Die Umverteilung von Einkommen über die Vermietung langlebiger Konsumtionsmittel am Beispiel von Wohnungen
4.11. Die Umverteilung der Einkommen über die Finanzmärkte (Devisenmarkt, Aktienmarkt)
4.12. Die Umverteilung der Einkommen über den Wirtschaftsbereich "Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister" und ihre Widerspiegelung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.13. Die Umverteilung der Einkommen zwischen den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern und ihre Widerspiegelung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.14. Reales und kalkulatorisches (unterstelltes) Einkommen und ihr Einfluss auf die Einkommensverteilung
4.15. Das Geld als eine besondere Ware, die zum Mittel für die Verteilung der fertigen Produkte wurde
4.16. Das Kreditgeld und der Geld"reichtum". Die vorübergehende Umverteilung des stofflichen Reichtums
4.17. Das Geldvermögen und der Bestand an Schulden. Die Umverteilung der Einkommen zwischen den Sparern und den Schuldnern in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
4.18. Die Einsparung von Personal- und Sachkosten als Umverteilung von Ausgaben und Einnahmen zwischen den öffentlichen Haushalten
5. Die Phase der Konsumtion und das Gut
5.1. Die Konsumtion als der Gebrauch und der Verbrauch der vorhandenen Produkte, die zu Gütern geworden sind. Produktions- und Konsumtionsgüter
5.2. Langlebige, längerlebige, kurzlebige und null-lebige Güter. Sachgüter und Dienstleistungen
5.3. Der Gebrauchswert und die Nützlichkeit der Güter
5.4. Die Konsumtion als Prozess und der Nationalreichtum
  5.4.1. Die Sachgüter im Gebrauch, der Bestand an ihnen und der sachliche Reichtum der Gesellschaft (der Nationalreichtum)
  5.4.2. Der Bestand an schädlichen und überflüssigen Produkten – der negative sachliche Reichtum der Gesellschaft
  5.4.3. Die Erhaltung, die Erneuerung und die Erweiterung des Nationalreichtums – drei Wege seiner Entwicklung
5.5. Das Niveau und die Struktur der Konsumtion in den Tabellen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
6. Die Marxschen Reproduktionsschemata als theoretische Grundlage der Input-Output-Tabellen
6.1. Die Marxschen Reproduktionsschemata als Modelle des volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses in seiner Ganzheit
6.2. Die Unterteilung des volkswirtschaftlichen Gesamtprodukts in Produktionsmittel und Konsumtionsmittel
6.3. Die Austauschbeziehungen zwischen den beiden Abteilungen der volkswirtschaftlichen Produktion bei einfacher und erweiterter Reproduktion
6.4. Die Übergangsperiode von einfacher zu erweiterter Reproduktion
6.5. Die Sprünge bei der diskreten Modellierung der erweiterten Reproduktion, ihre Glättung und die Realisierbarkeit des Produktionszuwachses. Der Irrtum Rosa Luxemburgs
6.6. Die vier Phasen des Reproduktionsprozesses in den Marxschen Reproduktionsschemata
6.7. Die weitere Untergliederung der beiden Abteilungen der volkswirtschaftlichen Produktion
  A. Konsumtionsmittel als notwendige Lebensmittel und Luxusmittel
  B. Produktionsmittel als Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel.
  C. Produktionsmittel als solche für die Produktion von Produktionsmitteln und als solche für die Produktion von Konsumtionsmitteln
6.8. Die Marxschen Reproduktionsschemata als theoretische Grundlage der Input-Output-Tabellen
Nachwort (Leseprobe)

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