Leo Panitch / Sam Gindin

Globaler Kapitalismus und amerikanisches Imperium

Aus dem Amerikanischen von Ingar Solty

96 Seiten | 2004 | EUR 10.80 | sFr 19.60
ISBN 3-89965-064-6 1

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Kurztext: Leo Panitch und Sam Gindin behandeln nicht nur die neuen Merkmale und Zumutungen des US-Imperiums, sondern sie stellen sich auch der Herausforderung, Grundlagen für eine dem globalisierten Kapitalismus angemessene Theorie zu erarbeiten.


"Die klassischen Imperialismustheorien (von Hobson bis Lenin) gründeten auf einer Theoretisierung ökonomischer Entwicklungsstufen und Krisen der kapitalistischen Produktionsweise. Dies war ein fundamentaler Fehler, der seither ein richtiges Verständnis behindert hat." Panitch und Gindin kritisieren "das reduktionistische und instrumentalistische Staatsverständnis" dieser Theorien. "Der Imperialismus lässt sich nicht auf eine ökonomische Erklärung reduzieren, selbst wenn ökonomische Krisen stets einen großen Raum einnehmen... Das Verständnis des kapitalistischen Imperialismus erfordert die Einbeziehung einer Theorie des kapitalistischen Staates, statt einer direkten Ableitung von der Theorie der ökonomischen Stufen oder Krisen."

Als Hauptzüge des modernen US-Imperialismus beschreiben die Autoren dessen Streben nach der indirekten Herrschaft durch verbündete Staaten, das die Errichtung eines "informellen" Imperialismus mit dem Ziel der amerikanischen Rekonstruktion einer kapitalistischen Weltordnung unter neoliberalen Vorzeichen vorsieht.

Leseprobe 1

Vorbemerkung

"Der amerikanische Imperialismus (...) ist zum Teil dadurch glaubwürdig und anziehend gemacht worden, dass er darauf bestand, nicht imperialistisch zu sein."
Harold Innis, 1948[1] Die Existenz eines amerikanischen Imperiums ist nicht mehr zu übersehen. Im März 1999 zeigte das Cover des New York Times Magazine eine gigantische, mit den Stars and Stripes geschmückte, geballte Faust, unter der zu lesen war: "Was die Welt heute braucht: Damit die Globalisierung funktioniert, darf Amerika keine Angst davor haben, sich wie die allmächtige Supermacht zu verhalten, die sie ist." In diesem Sinne wurde Thomas Friedmans "Manifest für eine schnelllebige Welt" publiziert, das die Vereinigten Staaten dazu aufrief, ihre Rolle als Vollstrecker der globalen kapitalistischen Ordnung anzunehmen: "Die unsichtbare Hand des Marktes wird niemals ohne eine unsichtbare Faust funktionieren können (...). Die unsichtbare Faust, die die Welt für die Technologien aus dem Silicon Valley sicher macht, hat die Namen: United States Army, Air Force, Navy und Marine Corps." Vier Jahre später, im Januar 2003, als es keinen Sinn mehr machte, so zu tun, als sei die Faust noch verborgen, veröffentlichte das Magazine einen Aufsatz von Michael Ignatieff mit dem Titel "The Burden": "Welches andere Wort außer 'Imperium'[2] könnte das ehrfurchtgebietende Etwas (awesome thing),[3] zu dem Amerika sich entwickelt, beschreiben? (...) Eine Imperialmacht zu sein (...) heißt, die der Welt zugrunde liegende Ordnung durchzusetzen und dies im amerikanischen Interesse zu tun."[4] Die Worte "Das amerikanische Imperium (gewöhnt euch dran)" füllten das Cover des Magazine vollständig aus. Die geopolitischen Strategen des amerikanischen Staates hatten sich dieser Aufgabe selbstverständlich bereits gewidmet. Unter denjenigen Geostrategen, die im Staatsapparat der Demokratischen Partei am nächsten stehen, nahm Zbigniev Brzezinski in seinem 1997 erschienenen Buch "The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives" kein Blatt vor den Mund, als er erklärte, dass "die drei großen Imperative imperialer Geostrategie [darin bestehen], Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten gefügig zu halten, zu schützen und dafür zu sorgen, daß die 'Barbaren'völker sich nicht zusammenschließen".[5] Im selben Jahr gründeten die Vordenker der Republikanischen Partei, die letztendlich auch für die Nationale Sicherheitsstrategie der Bush-Administration im Weißen Haus verantwortlich zeichnen sollten, das Project for a New American Century. Dessen Ziel war es, die imperiale Machtausübung (imperial statecraft) zum ausdrücklichen Leitprinzip der amerikanischen (Außen-)Politik zu machen.[6] Die meisten ernst zu nehmenden Analysen, die sich anschickten, den Gebrauch des Imperiumbegriffs im Zusammenhang mit den heutigen USA zu rechtfertigen, bestehen im Grunde genommen lediglich aus einer – impliziten oder expliziten – Analogie zum imperialen Rom. Oberflächlich betrachtet erscheint dies keineswegs absurd, da – wie es in einem neueren Buch über das Römische Reich heißt – "Romanisierung" in der Tat "als die Assimilierung der unterworfenen Nationen durch die römische Kultur und ihre politische Weltsicht [verstanden werden könnte]. Die Eroberten wurden zu Partnern bei der Führung des Imperiums. Dabei handelte es sich um einen selektiven Prozess, der nur die Oberschicht der unterworfenen Gesellschaften unmittelbar betraf. Allerdings rieselte dieser auch auf alle anderen Klassen hinab: mit Vorteilen für die einen und negativen Konsequenzen für die anderen (...). Die römische Herrschaft basierte auf einer gebieterischen Kombination aus Gewalt und psychologischer Überzeugungskunst, denn die härteste Bestrafung für diejenigen, die die römische Herrschaft herausforderten, war die Einsicht, dass ihre Macht keine Grenzen kannte und dass die Belohnungen an diejenigen verteilt wurden, die sich konform verhielten."[7] Allerdings ist eine Analogie noch keine Theorie. Auffällig ist die Vernachlässigung einer ernsthaften Politischen Ökonomie oder eines Schemas historischer Determination, die das Auftauchen und die Reproduktion des heutigen amerikanischen Imperiums und die dazugehörigen Dimensionen strukturaler Herrschaft und Ausbeutung erklären könnten. Diese Vernachlässigung weckt auf schmerzliche Weise die Erinnerung an die Frage, warum es der Marxismus war, der die längste Zeit im 20. Jahrhundert die Führung in der theoretischen Analyse des Imperialismus innehatte. Dieser Tatsache zum Trotz war das Thema, wie einer der führenden indischen Marxisten – Prabhat Patnaik – in seinem Aufsatz "Whatever Happened to Imperialism" bemerkte, bis 1990 sogar "von den Seiten marxistischer Zeitschriften so gut wie verschwunden", und selbst Marxistinnen und Marxisten schauten bei Nennung dieses Begriffs verdutzt aus der Wäsche. Die Kosten, die die Linke für diese Nachlässigkeit zu tragen hatte, waren immens. Dem Imperialismusbegriff kam – sowohl aufgrund seiner Emotionsgeladenheit und seiner mobilisierenden Wirkungen als auch aufgrund seiner analytischen Qualität – seit jeher eine besondere Bedeutung zu. In der Tat ist Patnaiks Sichtweise zufolge das Schweigen der Linken zum Imperialismus weniger "ein theoretisch bewusstes Verstummen"; vielmehr "[rief] gerade die Tatsache, dass der Imperialismus die potentiellen Herausforderungen seiner Hegemonie mittlerweile so meisterlich 'managen' kann, bei uns eine Gleichgültigkeit gegenüber seiner allgegenwärtigen Existenz hervor".[8} Das Schweigen der Linken zum Imperialismus spiegelte allerdings darüber hinaus auch ein analytisches Problem in der marxistischen Imperialismustheorie wider. Tatsächlich äußerte sich dies Anfang der 1970er Jahre – dem letzten Zeitpunkt, da man dem Imperialismusbegriff noch größere Bedeutung beimaß – in Form von Beschwerden darüber, dass der marxistische Umgang mit dem Imperialismus "als einem undifferenzierten globalen Produkt einer bestimmten Stufe der kapitalistischen Entwicklung" seinen Mangel an "jeglichen ernsthaften historischen und soziologischen Dimensionen" widerspiegele.[9] Wie Giovanni Arrighi 1978 bemerkte, "hatte sich das, was einmal der Stolz des Marxismus war – die Imperialismustheorie – gegen Ende der 60er Jahre in einen Turm zu Babel verwandelt, in dem sich nicht einmal mehr Marxisten zurechtfanden".[10] Deutlich wurde das Ausmaß der Verwirrung in den Debatten der frühen 1970er Jahre, als man sich über die Verortung der Widersprüche des damaligen Kapitalismus austauschte. Da gab es zum einen diejenigen, die sich fast ausschließlich mit der "Dritten Welt" beschäftigten und die den Widerstand der Trikontländer gegen den Imperialismus als die Hauptquelle von Veränderung erachteten.[11] Andere betonten zunehmende Widersprüche innerhalb der fortgeschrittenen kapitalistischen Welt, wobei sie den Eindruck verstärkten, dass sich die amerikanische Hegemonie im Niedergang befände. Letztere Sichtweise wurde vorherrschend, sodass sich die Vorstellung, dass die "Erosion amerikanischer wirtschaftlicher, politischer und militärischer Macht nicht zu übersehen [sei]", Mitte der 80er Jahre zu einem Gemeinplatz entwickelte.[12] Obgleich nur wenige zu jenem Aspekt der marxistischen Theorie über die zwischenimperialistische Konkurrenz, der ein militärisches Kräftemessen behauptete, zurückkehrten, ging man doch davon aus, dass man am Anfang einer Epoche intensiver regionaler ökonomischer Auseinandersetzungen stehe. Wie Glyn und Sutcliffe es formulierten, war das einzige, was man mit bestimmter Sicherheit vorhersagen könne, die Tatsache, dass ohne eine Hegemonialmacht "die Weltwirtschaft ohne eine eindeutige Führungsmacht weitergehen [werde] (...)."[13] Ironischerweise wandten sich überdies gerade zu dem Zeitpunkt, an dem in der New York Times der Boden für die neuerliche Anziehungskraft des Imperialismus bestellt wurde, so viele von dem ab, was sie als die altbackene Vorstellung vom Imperialismus verstanden. Selbst nach dem Golfkrieg von 1990/91, der – wie Bruce Cumings anmerkte – "das wichtige Ziel der amerikanischen Kontrolle (...) über das Öl des Mittleren Ostens [verfolgte]", bedurfte es noch "eines Elektronenmikroskops, um das Wort 'Imperialismus' als eine Beschreibung für die weltpolitische Rolle der USA auszumachen". Der Golfkrieg, so Cumings, "verlief inmitten eines praktischen Blackouts des kritischen Diskurses. Dieser Blackout wurde von einer selbstgefälligen Medienwelt in einem Klima verursacht, das man nur als einen liberalen Totalismus bezeichnen kann."[14] Dies setzte sich in den ganzen 1990er Jahren fort, wobei die Clinton-Administration, wie der Konservative Andrew Bacevich es in seinem Buch ausführlich dokumentiert hat, ihre republikanischen Vorgänger häufig noch übertraf, wenn es darum ging, militärische Macht bei der Unterdrückung von Widerstand gegen das aggressiv verfolgte amerikanische Dauerziel einer "freien und integrierten, auf den Prinzipien der demokratischen Marktwirtschaft basierenden Ordnung" einzusetzen. Bacevich argumentiert, dass die stetige Vermeidung des Imperialismusbegriffs nicht länger andauern konnte. Zur Stützung dieser These zitiert er zum einen Madeleine Albright, Clintons Außenministerin, die 1998 sagte: "Wenn wir Gewalt anwenden müssen, liegt das daran, dass wir Amerika sind (If we have to use force, it is because we are America.) Wir sind die unentbehrliche Nation". Zum anderen verweist er auf Richard Haas, den Director of Policy Planning im Außenamt der nachfolgenden Bush-Administration. Letzterer rief die US-Amerikaner zu einem neuen Verständnis "[der] globalen Rolle" ihres Staates auf: "Kein traditioneller Nationalstaat, sondern der Staat einer Imperialmacht". Die Vermeidung des Imperialismusbegriffs – so Bacevich – sei bestenfalls ein "Astigmatismus"[15] und schlechtestenfalls "eine anhaltende Präferenz, seine Augen vor dem – jeglicher US-Politik zugrundeliegenden – unentwegten Eigeninteresse und seinen weitgehenden Ambitionen zu verschließen."[16] Zur Jahrhundertwende und am deutlichsten, nachdem die Urheber des Project for a New American Century mit Macht in Washington D.C. ausgestattet worden waren, kehrte der Terminus "Imperialismus" schließlich sogar in den Sprachgebrauch einer beträchtlichen Anzahl von (Links-)Liberalen zurück. Die Popularität von Hardts und Negris Wälzer "Empire" hatte die neue Großwetterlage und die neuen Zusammenhänge sogar schon vor dem zweiten US-amerikanischen Krieg gegen den Irak eingefangen. Hardts und Negris Beharren darauf, dass "die Vereinigten Staaten nicht das Zentrum eines imperialistischen Projekts [bilden], und tatsächlich dazu heute kein Nationalstaat in der Lage [ist]", das mit der weitverbreiteten Vorstellung, die Macht aller Nationalstaaten sei in der Ära der Globalisierung geschwunden, in Verbindung steht, ließ sich allerdings mit dem Zeitgeist ganz und gar nicht in Einklang bringen.[17] Die Linke bedarf einer neuen Theoretisierung des Imperialismus – einer Theorie, die die Grenzen der alten marxistischen "Stufentheorie" über die zwischenimperialistische Konkurrenz hinter sich lässt und genügend Raum für eine umfassende Würdigung der historischen Faktoren bietet, die zur Formierung eines einzigartigen amerikanischen informellen Imperiums geführt haben. Die erneute theoretische Annäherung an den Imperialismus wird ein Verständnis darüber beinhalten müssen, wie der amerikanische Staat seine Fähigkeit entfaltet hat, sich die anderen kapitalistischen Konkurrenten letztendlich einzuverleiben und die "Globalisierung", die nichts anderes ist als die Ausbreitung kapitalistischer Sozialbeziehungen in jeden Winkel dieser Erde, zu überwachen (und das, wenn nötig, mit Gewalt). Diese Theorie wird auch die Frage beantworten müssen, was dem Beharren des amerikanischen Staates auf seinem nicht-imperialistisches Wesen Plausibilität verliehen hat und wie dieses Beharren in die Praxis umgesetzt und institutionalisiert wurde. Auch muss sie umgekehrt beantworten können, was die Ursachen dafür sind, dass eine Insistenz des amerikanischen Staates, er sei doch nicht imperialistisch, heute unglaubwürdig erscheint. Außerdem sollte eine solche Theorie fähig sein zu klären, welche Auswirkungen die mangelnde Verhüllung der imperialistischen Politik des amerikanischen Staates in Bezug auf dessen Anziehungskraft und dessen Fähigkeit hat, den weltweiten Kapitalismus zu managen und sein globales Imperium aufrecht zu erhalten. [1] Zitiert nach einem an der University of Nottingham im Rahmen der Twenty-First Cust Foundation Lecture gehaltenen Vortrag mit dem Titel "Great Britain, The United States and Canada", abgedruckt in: Harold Innis (1956): Essays in Canadian Economic History. Toronto: University of Toronto Press, S. 407.
[2] Anm. d. Übers.: Um das Missverständnis zu vermeiden, bei Panitchs und Gindins Begriff des "American Empire" könne es sich um einen dem "Empire"-Begriff von Michael Hardt und Antonio Negri verwandten Begriff handeln (vgl. hierzu: Leo Panitch/Sam Gindin [2002]: Schätze und Schund. Eine Rezension zu Empire von Michael Hardt und Antonio Negri. Offenbach: Ränkeschmiede), habe ich mich dafür entschieden, diesen Begriff in der Folge mit "das amerikanische Imperium" zu übersetzen (nur in Ausnahmefällen habe ich diesen Begriff im Original belassen; vgl. dazu meine Übersetzung von: Leo Panitch [2003]: Der 11. September und seine Nachwirkungen aus der Klassenperspektive. In: Joachim Bischoff/Paul Boccara u.a. [2003]: Klassen und soziale Bewegungen. Strukturen im modernen Kapitalismus. Hamburg: VSA). Auch ging es mir darum, die semantische Nähe von "Imperium" und "imperial" im Deutschen in ihren terminologischen Abgrenzungen von den klassischen Begriffen "Imperialismus" und "imperialistisch" beizubehalten, die im Sinne der leninistischen instrumentalistischen Staatstheorie vom Staat als dem Werkzeug in den Händen der (monopol)kapitalistischen Klasse vielfach Konnotationen eines direkten Übertragungsverhältnisses von ökonomischen Interessen auf die politische Ebene und eine immanent-gesetzmäßige Krisenhaftigkeit besitzen. Zudem sei auf das Problem hingewiesen, dass die Beibehaltung eines Begriffes wie "Empire" im Original – vergleichbar mit dem Gebrauch des Begriffes "German Reich" anstelle von "German Empire" – die Gefahr einer Exterritorialisierung von eigenen Widersprüchen impliziert. Die Übertragung des "American informal empire" als "amerikanisches informelles Imperium" ist mit Leo Panitch abgesprochen worden.
[3] Anm. d. Übers.: Bei dem in einer zeitgenössischen Quelle verwendeten Begriff "awesome" ergeben sich für den deutschen Übersetzer Übertragungsschwierigkeiten, da dem ursprünglichen Sinn des Wortes – "ehrfurchtgebietend" oder auch "furchteinflößend" – im amerikanischen Englisch (vor allem bei jüngeren Menschen) mittlerweile ein inflationärer umgangssprachlicher Gebrauch des Wortes beigetreten ist. Dieser lässt sich vielleicht sinngemäß mit dem deutschen "geil" im Sinne von "großartig" vergleichen. Die flapsige Verwendung des Wortes "thing" anstelle von "power", "might" oder etwa "force" lässt auf gewisse diesbezügliche Konnotationen schließen. In Absprache mit Leo Panitch habe ich mich nichtsdestotrotz entschlossen, den Begriff nicht als Originalausdruck zu belassen, sondern mit das "ehrfurchtgebietende Etwas" zu übersetzen.
[4] Das Friedman-Manifest erschien am 28. März 1998 im New York Times Magazine, der Ignatieff-Aufsatz am 5. Januar 2003. Ignatieff fügt hinzu: "Es bedeutet, die von Amerika erwünschten Gesetze festzulegen (das gilt für alle Bereiche zwischen Märkten und Massenvernichtungswaffen), während man sich anderen Gesetzen entzieht (dem Kyotoprotokoll zur Klimaveränderung und dem Internationalen Strafgerichtshof), die den eigenen Interessen entgegenstehen." 5 Zbigniev Brzezinski (1997): The Grand Chessboard. American Primacy and Its Geostrategic Imperatives. New York: Basic Books, S. 40; deutsch: Zbigniev Brzezinski (1999): Amerika – die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt: Fischer, S. 65f.
[6] Vgl.: "Rebuilding America’s Defenses: Strategy, Forces and Resources for a New Century", ein Bericht für das Project for a New American Century, http://www.newamericancentury.org/publicationsreports.htm. Vgl. ebenfalls: The National Security Strategy of the United States (2002): Falls Village, Connecticut: Winterhouse
[7] Antonio Santosuosso (2001): Storming the Heavens. Soldiers, Emperor, and Civilians in the Roman Empire. Boulder: Westview, S. 151f.
[8] Vgl. Monthly Review 42 (6) (1990), S. 1-6; zu jenen, die aus unterschiedlichen Perspektiven am Imperialismusbegriff festhielten, vgl. Susan Strange (1989): Towards a Theory of Transnational Empire. In: Ernst-Otto Czempiel/J. Rosenau (Hrsg.) (1989): Global Changes and Theoretical Challenges. Lexington: Lexington Books; sowie: Peter Gowan (1995): Neo-Liberal Theory and Practice for Eastern Europe. In: New Left Review 213/1995
[9] Gareth Stedman Jones (1970): The Specificity of US Imperialism. In: New Left Review 60 (erste Reihe), S. 60
[10] Giovanni Arrighi (1978): The Geometry of Imperialism. London: NLB, S. 17. Die Entzauberung des Imperialismusbegriffs bei der Linken war zum großen Teil der Tatsache geschuldet, dass die ersten Sätze in Kautskys berüchtigtem Aufsatz aus dem Jahre 1914 – dem Essay, der Lenins Zorn auf sich gezogen hatte – zunehmend mit der Wirklichkeit übereinstimmten: "Zunächst müssen wir uns darüber klar werden, was wir unter Imperialismus zu verstehen haben. Dieses Wort wird heute auf Schritt und Tritt gebraucht, aber je mehr man darüber spricht und diskutiert, desto unbestimmter wird es, was natürlich jede Verständigung erschwert." Vgl. Karl Kautsky (1914): Der Imperialismus. In: Die Neue Zeit, 32. Jahrgang, XXXII/2, 11. September 1914, S. 908. Lediglich der letzte Teil dieses berühmten Aufsatzes lag 1970 in einer übersetzten und in New Left Review veröffentlichten Fassung vor. Unser Dank geht an Sabine Neidhardt, die uns mit einer vollständigen Übersetzung versorgte. Man beachte, dass Arrighi im Jahre 1990 eine fast identische Formulierung verwendete: "Was mit dem Imperialismusbegriff geschah, ist, dass er zum Zeitpunkt seines Gedeihens in den frühen 1970er Jahren als eine Beschreibung von allen möglichen Phänomenen verwendet wurde und deshalb keine Aussagekraft mehr besaß." Vgl. hierzu Giovanni Arrighi (1994): Hegemony and Social Change. In: Mersham International Studies Review 38, S. 365.
[11] Bob Rowthorn (1971): Imperialism in the Seventies. Unity or Rivalry. In: New Left Review 69.
[12] "Kein Thema hat in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler der Internationalen Beziehungen mehr erregt als das des amerikanischen hegemonialen Niedergangs. Die Erosion der amerikanischen ökonomischen, politischen und militärischen Macht steht außer Frage. Die hinter der frühen Nachkriegsdiplomatie der Vereinigten Staaten stehenden historisch beispiellosen Ressourcen und Fähigkeiten, die Henry Luce in den 1940er Jahren dazu veranlassten, ein American Century auszurufen, sind einer ebenso bemerkenswerten wie rapiden Umverteilung der internationalen Macht und des internationalen Reichtums gewichen. Im Gewand von Theorien über die 'hegemoniale Stabilität' haben Wissenschaftler die Ausmaße des hegemonialen Niedergangs und seiner Konsequenzen diskutiert." So zu lesen in: G. John Ikenberry (1989): Rethinking the Origins of American Hegemony. In: Political Science Quarterly 104 (3), S. 375. Unter den wenigen Kritikern dieser Sichtweise vgl. Bruce Russett (1985): The Mysterious Case of Vanishing Hegemony. Or is Mark Twain really dead? In: Zeitschrift International Organization 39 (2); Stephen Gill (1986): American Hegemony. Its Limits and Prospects in the Reagan Era. In: Millenium 15 (3); sowie: Susan Strange (1987): The Persistent Myth of Lost Hegemony. In: International Organization 41 (4).
[13] Andrew Glyn/Bob Sutcliffe (1992): Global But Leaderless. In: Socialist Register 1992. London: Merlin, S. 93.
[14] Bruce Cumings (1993): Global Realm with no Limit, Global Realm with no Name. In: Zeitschrift Radical History Review 57, S. 47f.; diese Ausgabe widmete sich einer Debatte mit dem Titel: "Imperialism: A Useful Category of Analysis?"
[15] Sehstörung infolge krankhafter Veränderung der Hornhautkrümmung; Anm. d. Red.
[16] Andrew L. Bacevich (2002): American Empire. The Realities and Consequences of U.S. Diplomacy. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, S. X, 3 u. 219.
[17] Michael Hardt/Antonio Negri (2000): Empire. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, S. XIV, Hervorhebungen im Original (deutsch: Michael Hardt/Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt am Main/New York: Campus, S. 12). Vgl. auch unsere Rezension: Sam Gindin/Leo Panitch (2002): Gems and Baubles in Empire. In: Historical Materialism 10/2002, S. 17-43 (auf deutsch in der Übersetzung von Anne Scheidhauer: Sam Gindin/Leo Panitch [2002]: Schätze und Schund. Eine Rezension zu Empire von Michael Hardt und Antonio Negri. Offenbach: Ränkeschmiede. Texte zur internationalen ArbeiterInnenbewegung. Nr. 13/Oktober 2002. Hrsg. von: tie – Internationales Bildungswerk e.V.).

Inhalt:

Den Imperialismus neu denken (Leseprobe)
Die Amerikanische Republik: "Extensives Imperium und Selbstverwaltung"
Die amerikanische Rekonstruktion einer kapitalistischen Weltordnung
Die Reorganisation des amerikanischen Imperiums im neoliberalen Zeitalter
Jenseits der zwischenimperialistischen Konkurrenz
Unverhülltes Imperium: "das ehrfurchtgebietende Etwas, zu dem Amerika sich entwickelt"

Autorenreferenz

Leo Panitch ist Professor für Politikwissenschaft an der York University in Toronto und Herausgeber des Jahrbuchs der unabhängigen internationalen Linken, Socialist Register. Sam Gindin ist Inhaber des Packer Visiting Chair in Social Justice an der York University in Toronto.

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/globaler-kapitalismus-und-amerikanisches-imperium/