Eine militante Utopie
Den Sozialismus neu denken: Solidarische Ökonomie gegen den Neoliberalismus
160 Seiten | Aus dem Portugiesischen übersetzt und eingeleitet von Clarita Müller-Plantenberg. Mit einem Vorwort von Michael Löwy | 2026 | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-267-7
Kurztext: Im Juli 2021 verabschiedete der Stadtrat von São Paulo ein »Gesetz der solidarischen Ökonomie Paul-Singer« und im Dezember 2024 unterzeichnet Präsident Lula da Silva ein Gesetz zur Schaffung der Nationalen Politik der Solidarischen Ökonomie (PNES). Beides macht deutlich, dass der politisch-theoretische Ansatz des 2018 verstorbenen Ökonomen und Sozialisten praktische Wirkung erlangt. Eines seiner letzten Bücher liegt nun auch in deutscher Sprache vor.
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In vier Teilen entwickelt Singer den Unterschied zwischen sozialer und politischer Revolution, um den zeitgenössischen Kapitalismus zu verstehen und Perspektiven jenseits des Neoliberalismus aufzuzeigen. Schon 1996, nach dem Scheitern des »real existierenden Sozialismus«, fordert er »den demokratischen Sozialismus, von unten und freiheitlich« und meint damit genossenschaftliche Selbstorganisation der Arbeiter*innen, Nachhaltigkeit, vor allem aber Gerechtigkeit und Teilhabe für alle gesellschaftlichen Gruppen.
Er zeigt aber zu Recht einen gravierenden Widerspruch auf: Der demokratische Weg, der mit dem Sieg über den Nazifaschismus begann, stößt an die Grenzen einer Wirtschafts- und Sozialpolitik, die vom Finanzmarkt diktiert werden. »Das Schicksal und die Möglichkeiten der sozialistischen Revolution hängt in dieser Phase der Geschichte davon ab, wie dieser Widerspruch gelöst wird.«
Michael Löwy schreibt im Vorwort: »Paul Singer war einer der bedeutendsten Denker des demokratischen Sozialismus unserer Zeit. Er engagierte sich intensiv [...] im Kampf für eine sozialistische Zukunft Brasiliens, war aber dennoch ein Universalgeist, dessen Schriften [...] es verdienen, in allen Sprachen gelesen zu werden. [...] Die Übersetzung dieses Buches in die Sprache Goethes und Marx‘ ist daher [...] sehr zeitgemäß.«
Der Autor:
Paul Singer (1932–2018) emigrierte im Alter von acht Jahren mit der Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aus Wien nach Brasilien. Er war Professor für Soziologie und Makroökonomie an der Universität von São Paulo. 2003 wurde Singer von Präsident Lula da Silva zum Staatssekretär im Arbeitsministerium für das Nationale Sekretariat für Solidarische Ökonomie berufen.
Die anderen Beteiligten:
Clarita Müller-Plantenberg war von 1981 bis zu ihrer Pensionierung 2009 Professorin für Soziologie und Politische Ökonomie der Entwicklungsländer an der Universität Kassel, dort forschte sie u.a. Solidarischer Ökonomie. Von 1977 bis 2002 war sie Mitherausgeberin des »Jahrbuch Lateinamerika Analysen und Berichte«.
Michael Löwy studierte Sozialwissenschaften in São Paulo und siedelte 1961 nach Paris über. Der marxistischer Soziologe und Philosoph arbeitete seit 1977 als Forschungsdirektor am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS).


