IG Metall Verwaltungsstelle Salzgitter (Hrsg.)

Ein halbes Jahrhundert

Beiträge zur Geschichte der IG Metall in Salzgitter
Ein Lese-Bilder-Buch

216 Seiten | 2003 | EUR 14.80 | sFr 26.60
ISBN 3-89965-053-0

 

Kurztext: In diesem Lese-Bilder-Buch werden wichtige Etappen der gewerkschafts- und gesellschaftpolitischen Arbeit der Verwaltungsstelle Salzgitter der IG Metall dokumentiert.


Vorwort

Zeit und Umstände haben es bisher nicht erlaubt, eine über ihre Anfänge hinausgehende Geschichte der IG Metall in Salzgitter zu schreiben. Über die Notwendigkeit eine derartige Arbeit zu erstellen, gab es jedoch zumindest seit den 1980er Jahren nie Zweifel.

Das vorliegende Buch ist der Versuch, in Wort und Bild eine Entwicklung im Hinblick auf besondere Aktivitäten zu skizzieren, deren Erbe wir heute in historischer Verpflichtung zu verwalten und möglichst zu mehren haben. In diesem Sinne berufen sich die Metaller in Salzgitter auf eine junge und dennoch kämpferische Tradition.

"Tradition", so hat es der belgische Sozialist und Präsident der Sozialistischen Internationale, Jean Jaurès, einmal formuliert: "heißt nicht Asche aufzubewahren, Tradition heißt eine Flamme am Leben zu erhalten." In diesem Sinne zieht sich eines wie ein roter Faden durch die vielfältige Arbeit der IG Metall Verwaltungsstelle Salzgitter: das Besinnen auf die gewerkschaftlichen Grundlagen und die eigene kampferprobte Geschichte. Herausragend ist hier der Kampf gegen die Demontage des Hüttenwerkes durch die britische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg.

Allerdings darf es in der historischen Aufarbeitung nicht darum gehen, dass die gewerkschaftliche Darlegung einer Verklärung bzw. Legendenbildung Vorschub leistet. Eine solche Idealisierung verbietet sich von selbst für jeden, der die Geschichte der IG Metall in Salzgitter kennt.

Die Geschichte der hiesigen IG Metall kann nichts anderes sein, als ein Teil der allgemeinen Geschichte und somit ein Spiegelbild der besonderen Verhältnisse, in denen sich die industriekapitalistische Gesellschaft in Deutschland entwickelt hat.

Mit dem Lese-Bilder-Buch "Ein halbes Jahrhundert – Beiträge zur Geschichte der IG Metall in Salzgitter" unternehmen wir den Versuch, durch einen historischen Streifzug den Lesern ein lebendiges Bild der gewerkschaftlichen Arbeit zu vermitteln.

Wir wünschen uns, dass dieses Buch dazu anregt, sich weiter mit der Geschichte der Arbeiterbewegung in Salzgitter zu beschäftigen. Darüber hinaus hoffen wir, dass mit dieser Publikation Erwartungen erfüllt und so manche Erinnerung bei den vielen Zeitzeugen geweckt werden.

Entscheidend ist jedoch, dass aus den einzelnen Beiträgen Lehren gezogen werden, für eine noch bessere Bewältigung von Gegenwart und Zukunft.

Wolfgang Räschke (1. Bevollmächtigter), Horst Ludewig (2. Bevollmächtigter), Matthias Wilhelm (Kassierer)

Leseprobe 1

Walter Gruber
Einleitende Gedanken Die Gewerkschaften sind ein wichtiger Teil der Arbeiterbewegung. Weltweit, wie auch in der Arbeiterstadt Salzgitter. Demokratien müssen sich daran messen lassen, wie sie mit der spezifischen Vertretung der abhängig Beschäftigten umgehen, welchen Gestaltungsraum sie ihnen geben. Andererseits sagt die Stärke der Gewerkschaften, ebenso wie ihre zahlenmäßige Verankerung in der arbeitenden Bevölkerung, viel über ihre reale Bedeutung aus. Wir können gerade heute wieder einmal anhand der Geschichte der Gewerkschaften feststellen, dass diese ihre Strukturen ändern. Dieser Wandel äußert sich in Zusammenschlüssen von Einzelgewerkschaften, aber auch in Veränderungen ihrer Organisationsformen. Durch die Veränderungen in den Betrieben, aber auch in der Gesellschaft, stellen sich ihnen immer neue Herausforderungen. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Salzgitter sind und waren immer der Meinung, dass es gilt, diese Veränderungen ständig zu beachten und mit zu gestalten. Dazu gehört zwingend, aus der Geschichte zu lernen. Aus der eigenen, darüber hinaus aber auch aus der Geschichte der Arbeiterbewegung überhaupt. Nur wer eine historische Betrachtungsweise entwickelt, kann neue Fehler vermeiden oder aber die Wirkung solcher Fehler mildern. Die Aufgaben von heute und morgen kann nur meistern, wer eben auch die Geschichte seiner Gewerkschaft kennt. Die Geschichte am Ort, die ältere wie auch gerade die jüngere, bietet hierfür sehr gute Beispiele. Die Autorinnen und Autoren haben anhand der wesentlichen Aufgabenstellungen der Gewerkschaften deren Geschichte geschrieben: Aufgaben wie der ständige Kampf um Arbeitsplätze als Basis des materiellen Lebens der arbeitenden Menschen oder Fragen des Einkommens, des Lohnes überhaupt. Wichtig war ihnen unter anderem, zu beschreiben, wie die Gewerkschaften ständig darum bemüht waren, ihre Kampffähigkeit zu erhalten. So war der Kampf gegen die Demontage für die Geschichte der Gewerkschaften in Salzgitter, insbesondere der IG Metall, eine prägende Phase. Und dass der Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen nie endet, haben wir in Salzgitter während des langen Weges zur Privatisierung der Hütte, aber auch an den Beispielen von Blaupunkt, SMAG und Stoll gesehen. Über die Arbeit einzelner Gruppen, die lange unsere Organisationsarbeit kennzeichneten wäre viel zu erzählen. Exemplarisch für alle anderen wurde in diesem Buch der Bereich Jugend ausgewählt, da eine umfassende Darstellung wie auch die detaillierte Auseinandersetzung mit den zahlreichen betrieblichen Kämpfen den Rahmen gesprengt hätte. In Salzgitter war die Politik der IG Metall immer "links" orientiert; sie war antifaschistisch, und Solidarität und Zusammenarbeit mit Menschen, auch anderer Nationalität, mit Flüchtlingen und Asylsuchenden und Menschen mit ähnlichen Problemen, war uns eine ständige Verpflichtung. Mit diesem Buch machen wir einen weiteren Schritt, möglichst viel von dem aufzuschreiben, was hier war und ist. Begonnen haben wir diese Aufgabe mit der Arbeit von Ralf Bergmann und seinem Buch "Stahl oder Rüben". Auch das vorliegende Buch wird nicht das letzte sein. Wir danken den Autorinnen und Autoren für ihre Arbeit. Gewerkschaftliche Arbeit ist immer die Summe des Engagements vieler und nicht nur das Verdienst weniger. Wenn möglichst viele ihre Mitwirkung in diesem Buch wieder- oder gewürdigt finden, wenn möglichst viele in der dort geschilderten Politik ihre Meinung wiederfinden, dann lohnte es sich schon, dieses Buch zu schreiben.

Inhalt:

Vorwort
Einleitende Gedanken (von Walter Gruber)
"In der Einheit liegt die Kraft"
Der Weg zur IG Metall Salzgitter – die Aufbauphase
Wider die Macht der Unternehmer/Neubeginn – auch in Salzgitter/Erich Söchtig/Der FDGB Watenstedt-Salzgitter und die ersten Betriebsräte/Parteilichkeiten/In der Einheit liegt die Kraft/Ein vorläufiges Statut und das Verbot des FDGB/Alliierte Gewerkschaftspolitik/Die "zweite Gründung" des FDGB/Von der Industriegruppe zur Industriegewerkschaft Metall/Franz Busch/Der Betriebsrat der "Reichswerke"
"Demontage der Hütte – Demontage der Demokratie"
Der Kampf um den Erhalt der Reichswerke
Symbol des Widerstandes/Ein Industrieplan für Deutschland/Auszug aus dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945/Gewerkschaftspolitik/Die Situation bei den Reichswerken/Britische Interessen/Betriebsratssorgen/Die Gruppe Arbeiterpolitik/Die Arpo in Salzgitter/Eigeninitiative/Proteste/"Wir kämpfen für uns, wir kämpfen für alle"/Wir wollen leben!/Stoppt die Demontage!/Panzerspähwagen gegen Arbeiter und Lokpfiffe gegen einen Minister. Der Widerstand gegen die Demontage – Erinnerungen von Edmund Nolle/Verhandlungen
"Nicht nur geredet, nicht nur nachgedacht, sondern gehandelt"
Eine Gedenkstätte auf dem Hüttengelände
Ein Stadtjubiläum mit Folgen/Das KZ im Stahlwerk/Gemeinsam zum Erfolg/"Aus den dargelegten Gründen erhalten Sie keine Zustimmung..."/Der demokratische Weg oder: Die hohe Politik/"Im gemeinsamen Willen, die Erinnerung wachzuhalten..."/Zwangsarbeiter für die Kriegsproduktion
"Wir schlagen Krach für unsere Zukunft!"
Die Jugendarbeit der IG Metall in Salzgitter
Erschwerte Bedingungen/DGB-Jugend/Jugendarbeit der IG Metall/Helmut Globig/Neue Wege/"Wir wollten das anders machen"/Die 1970er Jahre/Kulturarbeit/Das gehört dazu/Gegen Krieg und Faschismus/Für Frieden und Abrüstung/Die internationale Solidarität/Ausbildung und Arbeit für alle!/Wir wollen Arbeit!/Die Jugend- und Auszubildendenvertretung/"Wir schlagen Krach für unsere Zukunft"/... Zukunft möglich machen
"Selbständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren"
Berufliche Bildung als Dauerthema in Salzgitter
Gewerkschaftliche Aspekte/Rechtliche Grundlagen der Berufsausbildung/Aktivitäten zur Qualitätssicherung in der Berufsausbildung/Mitwirkung von Vertretern der Arbeitnehmer in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung/Mitwirkung/Mitbestimmung des Betriebsrates bei der Durchführung der Berufsbildung im Betrieb/Mitwirkung von Gewerkschaftern bei ordnungspolitischen Maßnahmen/Neuordnung und Weiterentwicklung von Ausbildungsberufen/"Fördern statt Auslesen" in der betrieblichen Praxis/Zur lernzielorientierten Berufsbildung und Beurteilung/Zur Berufsausbildung lernschwächerer Jugendlicher/Das Lehr-/Lernsystem Hobbymaschine/Vertragliche Regelungen zur erfolgreichen Ausbildung von lernbeeinträchtigten Jugendlichen/Zusammenarbeit mit der Berufsschule/Ausblick
"In jedem Fall muss eine öffentliche Kontrolle gewährleistet werden!"
Der lange Weg zur Privatisierung der Salzgitter AG
Der Lebensnerv des Werkes/Volksaktien/Jubiläumskrach/Ruhrkontakte/Das Moderatoren-konzept/Alternative: Vergesellschaftung/Ein Konzept scheitert/Annäherung an Krupp/Überraschungssieger Preussag/Gegenargumente/Preisvorstellungen/Die Fusion/Unter Preussags Herrschaft/Die neue Salzgitter AG
"Investitionen in eine andere Zukunft"
Zur Bildungsarbeit der IG Metall Salzgitter
Organisationsaufgabe Nr. 1/Schulen/Leitlinie: Kapital und Arbeit/Arbeit und Leben/Die 1960er Jahre/Konzeptarbeit/17 Thesen/Betriebsnähe/Schwerpunkt politische Bildung/Gesetze/Informationsfahrten/"metall"/Geschichtsbewusstsein/Kultur/Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste/Salzgitter-Forum/Neue Zeiten/Diskussionen/Neues im Bezirk Hannover/Arbeit an der Ideologie/Methodenwandel/Ein Stück Demokratie
Quellen- und Literturverzeichnis

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