Cornelia Koppetsch

Rechtspopulismus als Protest

Die gefährdete Mitte in der globalen Moderne

192 Seiten | Januar 2020 | im Warenkorb vorbestellen | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-024-6

 

Kurztext: Drei Dinge müssen gegeben sein, um sich von der neuen Rechten mobilisieren zu lassen: Die Erfahrung persönlich deklassiert zu werden, die Verbindung dieser Erfahrung mit der Wahrnehmung einer Systemkrise, wie sie etwa durch die ­Finanzkrise, die »Flüchtlingskrise« oder durch wachsende Ungleichheiten ausgelöst worden ist, sowie die ­Ansicht, in der herrschenden, »liberalen« Kultur nicht (mehr) aufgehoben zu sein.


Mit dem Mauerfall war in Europa die Epoche der Industriemoderne endgültig vorbei. Globalisierung hat Gesellschaften auf allen Ebenen verändert: In der Wirtschaft haben multinationale Unternehmen an Macht gewonnen, die  Regierungen unter Druck setzen und politische Regeln definieren können. In der Politik gewinnen supranationale Regierungen und supranationale Organisationen, wie etwa die UNO, die Weltbank oder die NGOs, an Einfluss. Von der EU stammt inzwischen ein Großteil der Gesetze in den Bereichen Währung, Wirtschaft, Regionen, Verkehr und Umwelt, während die Volksparteien immer noch so tun, als ob sie das Land im Rahmen nationaler Grenzen regieren. Schließlich sind Gesellschaften durch Migration, den Aufstieg von Frauen und kulturelle Pluralisierungsprozesse auch im ­Inneren vielfältiger geworden.

Kulturelle Vielfalt kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich soziale Ungleichheiten durch die Transnationalisierung von Klassen verschärft haben: Ein globales Oben steht einem transnationalen Unten gegenüber und durch die Mitte gehen Risse – Stadt und Land, mobil-kosmopolitische und immobil-konservative Gruppen driften zunehmend auseinander. Der Aufstieg der Rechtsparteien ist vor diesem Hintergrund als Reaktion der Zurückfallenden auf Veränderungen in den Tiefenstrukturen der Gesellschaft zu verstehen. Konservative Wirtschafts- und Kultureliten, traditionelle Mittel- und Unterschichten gehen dabei ein politisches Bündnis ein.

Cornelia Koppetsch beleuchtet in den Beiträgen dieses Bands die unterschiedlichen Verwerfungen und zeigt, dass sich sehr unterschiedliche Gruppen in der AfD wiederfinden: Darunter etwa auch klassische Familienernährer, die durch Statusverluste ihre selbstverständlichen Vorrechte als Mann in Frage gestellt sehen, traditionelle Gelehrte oder Humanisten, die ihren Einflussverlust als »Werte­verfall« erleben oder Vermögende, deren Einlagen durch die Finanzkrise entwertet wurden. ­Mobilisiert werden nicht zuletzt auch Arbeitnehmer in ­deindustrialisierten Regionen, die sich in Kon­kurrenz zu Migranten und Flüchtlingen sehen.


Die Autorin:

Cornelia Koppetsch ist Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Politische Soziologie und der Aufstieg der neuen Rechtsparteien, Soziale Ungleichheiten,­ ­Geschlechterverhältnisse und Paarbeziehungen.

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