VSA: und unsere Autor*innen lesen wieder mit!

Auch vom 21. bis 24. März 2019 werden der VSA: Verlag und die Zeitschrift Sozialismus wieder mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse vertreten sein (Halle 5, Reihe E, Stand 408). Der VSA: Verlag beteiligt sich an »Leipzig liest« mit den unten aufgeführten Veranstaltungen auf Die Bühne, auf weiteren Foren und Studios auf der Messe sowie in der Stadt. Wir freuen uns auf viele Besucherinnen und Besucher und interessante Gespräche. Selbstverständlich unterstützen wir auch in diesem Jahr die Aktivitäten der Initiative #verlagegegenrechts.

Donnerstag, 21. März 2019 | 11:30 Uhr | Forum Sachbuch

Hajo Funke: Rechtspopulismus in Europa
Faktoren und Gegenstrategien
Es zeichnet sich ab, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien bei der Europawahl deutliche Zugewinne verzeichnen können. Gemeinsam mit Klaus Busch und Joachim Bischoff hat Hajo Funke in dem Buch Rechtspopulistische Zerstörung Europas? das Aufkommen der Rechten in fünf Ländern untersucht. Was sind die Hintergründe für deren Anwachsen in den letzten Jahren und was könnte noch getan werden, um den politischen und gesellschaftlichen Einfluss von völkischen, nationalistischen, islamfeindlichen und antisemitischen Populisten zurückzudrängen?
Forum Sachbuch (Halle 5, Stand F 401/G 410)

Donnerstag, 21. März 2019 | 15:00 Uhr | Forum Sachbuch

Micha Brumlik und Hajo Funke: Erinnerung wachhalten
– für eine sozial sensible Demokratie. Nur so kann sich der Rechtsstaat weiterentwickeln.
Micha Brumlik stellt im Gespräch mit Hajo Funke dessen soeben erschienenes Buch Kampf um die Erinnerung vor. Beiden liegt angesichts der immer dreister auftretenden Rechtspopulisten und Neonazis daran, deutlich zu machen, dass der Kampf um das Geschichtsbild unumgänglich für den Bestand und die Fortentwicklung der Demokratie in diesem Land ist.
Forum Sachbuch (Halle 5, Stand F 401/G 410)

Donnerstag, 21. März 2019 | 15:00 Uhr | Die Bühne

Renate Dillmann: Der soziale Staat – ein Armutszeugnis im Kapitalismus
Über nützliche Armut und ihre Verwaltung.
Sozialpolitik wird nicht für eine unhinterfragbar gute Errungenschaft moderner Staatlichkeit gehalten, nur weil die »sozial Schwachen« in der »freien Marktwirtschaft« ohne sie kein Auskommen haben. Renate Dillmann (und ihr Ko-Autor Adrian Schiffer-Nasserie) feiern den Sozialstaat nicht dafür, dass er der Garant für den »sozialen Frieden« und die »Nachhaltigkeit« der staatlich etablierten Konkurrenzgesellschaft ist. Weder verurteilen sie die sozialpolitischen Maßnahmen aus der Warte der Betroffenen und Sozialverbände als »unterfinanziert« und »unzureichend«, noch kritisieren sie die aktuelle Sozialpolitik vom Standpunkt der »Leistungs- und Verantwortungsträger« aus Wirtschaft und Politik als »überzogen« und »unbezahlbar«. Ihre Darstellung zielt auf eine grundsätzliche Kritik: Sozial­politik in Deutschland ist ein Armutszeugnis über die materielle Lebenslage der Lohnabhängigen, ein notwendig umstrittenes Funktionserfordernis im entwickelten Kapitalismus und zugleich ein Quell für ebenso viele wie falsche Erwartungen an den sozialen Staat.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Donnerstag, 21. März 2019 | 15:30 Uhr | Die Bühne

Micha Brumlik und Hajo Funke:
Geht Europa nach rechts?

Wenn ja: Wie kann das noch verhindert werden?
Inzwischen sind die rechtspopulistischen Bewegungen so stark, dass sie die Parteiensysteme verändern und zu einer wachsenden politischen Instabilität beitragen. Bei der Analyse zu Italien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Deutschland in dem Band Rechtspopulistische Zerstörung Europas? wurden insbesondere fünf Faktoren berücksichtigt: die sozio-ökonomische Entwicklung im Zuge der Eurokrise, die soziale Ungleichheit und deren Wahrnehmung, die Veränderung der politischen Stabilität des Landes, die Betroffenheit von der Flüchtlingskrise und deren Verarbeitung sowie eine historisch-kulturelle Einflussgröße. Welche Auswirkungen kann die Rechtsverschiebung und die Zunahme der politischen Instabilität in den einzelnen Staaten für die zukünftige Entwicklung der EU haben?
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Donnerstag, 21. März 2019 | 16:00 Uhr | Die Bühne

Micha Brumlik und Hajo Funke:
Kampf um die Erinnerung

NS-»Erlösungs«wahn und Massenmord.
Der weitgehende Konsens über den Zivilisations­bruch wurde nicht erst durch den »Vogelschiss«-Vergleich eines Fraktionsvorsitzenden des Deutschen Bundestages beschmutzt: 80 Jahre nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wird die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus von weit rechts infrage gestellt wie nie zuvor seit den 1950er Jahren. Deshalb ist das Engagement für eine Erinnerung an die NS-Verbrechen unumgänglich für den Bestand und die Fortentwicklung der Demokratie in diesem Land. Denn ohne diese Erinnerung gäbe es kein Grundgesetz und keinen sozialen Rechtsstaat. Dass die Erinnerung so umkämpft ist, hängt auch mit der Ideologie des Nationalsozialismus und ihrer fatalen Verankerung in der deutschen Gesellschaft zusammen. Es war die politische Paranoia eines zerstörerischen »Erlösungs«-Antisemitismus und die Faszination für eine neue Herrschaft nach den Krisen der Weimarer Republik, die große Teile der deutschen Bevölkerung in ihren Bann gezogen und nicht nur zur Selbstunterordnung unter das NS-Regime, sondern auch zum Mitmachen bewegt hat. Im Zweiten Weltkrieg organisierte es schließlich eine unvorstellbare Radikalisierung rassistischer Verbrechen.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Donnerstag, 21. März 2019 | 17:00 Uhr | Leseinsel Sachbuch + Buchkunst

Renate Dillmann: Sozialpolitik in Deutschland – eine grundsätzliche Kritik
Seit 150 Jahren ein Sozialstaat – und doch Armut?
Renate Dillmann erklärt, wie der soziale Staat die kapitalistisch produzierte Armut verwaltet und nützlich macht. Sie bestimmt die politökonomischen Ursachen, die zuverlässig und massenhaft immer neue Fälle sozialer Bedürftigkeit hervorbringen, erklärt das sozial verstaatlichte Leben »von der Wiege bis zur Bahre«, d.h. vom Kindergeld bis zur Pflegeversicherung, und erläutert zentrale historische Etappen deutscher Sozialstaatlichkeit von der Armenfürsorge bis zur Agenda 2010 und ihren Folgewirkungen.
Leseinsel Sachbuch + Buchkunst (Halle 3, Stand B 600)

Freitag, 22. März 2019 | 12:30 Uhr | Forum Sachbuch

Heike Kleffner und Maximilian Pichl: Geheimdienste und Untersuchungsausschüsse – Staatswohl vor Aufklärung?
Wie viel Kontrolle von Geheimdiensten leisten die Parlamente und ihre Untersuchungsausschüsse?
Aus unterschiedlichen Perspektiven setzen sich Parlamenta­rier*innen von CDU, Grünen und Linken, Jurist*innen und Journalist*innen in dem von Heike Kleffner und Maximilian Pichl (zusammen mit Benjamin-Immanuel Hoff und Martina Renner) herausgegebenen Band Rückhaltlose Aufklärung? mit der für eine demokratische Gesellschaft lebenswichtigen Frage auseinander. Die kritischen und selbstkritischen Bilanzen zu Chancen und Grenzen parlamentarischer Untersuchungsausschüsse, Kontrollgremien und gesetzlicher Befugnisse füllen eine Lücke – sowohl in der Aufklärungsbilanz im NSU-Komplex als auch mit Blick auf den verheerenden dschihadistischen Anschlag am Breitscheidplatz und die Überwachungspraxis von NSA und BND. Es bleibt die Frage: Inwieweit ist eine parlamentarische Kontrolle von Geheimdiensten möglich und die Aufklärung von Geheimdienstverantwortung für die jüngsten Skandale der Republik gelungen? Oder sind die Aufklärer*innen und Kontroller*innen an der Blockade der Geheimdienste gescheitert? Die Erfahrungen und Ergebnisse aus mehr als einem Dutzend Untersuchungsausschüssen seit der Jahrtausendwende sind auch ein Wegweiser dafür, wo Parlamente, Medien und Justiz künftig ansetzen müssen, um die Grundrechte aller zu schützen.
Forum Sachbuch (Halle 5, Stand F 401/G 410)

Freitag, 22. März 2019 | 14:30 Uhr | Die Bühne

Bernd Riexinger: Neue Klassenpolitik.
Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen.
Was kann Klassenpolitik für eine zukunftsfähige Gesellschaftsgestaltung heißen? Das ganze politische Leben des Ko-Vorsitzenden der Partei DIE LINKE ist mit den betrieblichen und gewerkschaftlichen Entwicklungen, den vielfältigen Kämpfen, Niederlagen und auch Erfolgen der Arbeiter*innenbewegung eng verbunden. Vor diesem Hintergrund entwickelt er einen inklusiven Klassenbegriff: Gegen die Spaltungen und Schwächungen der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften stellt er das Konzept einer verbindenden Klassenpolitik vor. Es geht um die Neudefinition des Begriffs der Solidarität und die Herausbildung eines politischen Blocks, der für fortschrittliche Politik im 21. Jahrhundert steht. Im Konzept der verbindenden Klassenpolitik sind konkrete Vorschläge zur Neuregulierung der Arbeit und zur Schaffung von humanen und demokratischen Arbeitsbeziehungen enthalten.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Freitag, 22. März 2019 | 16:00 Uhr | Forum Sachbuch

Bernd Riexinger: Antworten von links auf soziale Spaltungen.
Wie lässt sich ein politischer Block herausbilden, der fortschrittliche Antworten auf die sozialen Spaltungen im 21. Jahrhundert gibt?
Klasse und Klassenpolitik müssen neu begründet werden – als Grundlage für eine solidarische ­Gesellschaft und eine zukunftsfähige linke Politik. Bernd Riexinger stellt das Konzept einer verbindenden Klassenpolitik vor. »Ich hatte das Glück, mit mutigen Verkäuferinnen und Müllwerkern, mit Journalisten, Bankangestellten und Garderobenfrauen, mit Erzieherinnen und Pflegern zu kämpfen. Sie haben mich gelehrt, wie schnell Menschen zum Widerstand finden können, wie sehr Solidarität und Lebensfreude zusammengehen. Sie haben mir gezeigt, dass sie sich selber führen, wenn Führung demokratisiert wird. Diese Erfahrungen sind in dieses Buch eingeflossen.« (Aus dem Vorwort)
Forum Sachbuch (Halle 5, Stand F 401/G 410)

Freitag, 22. März 2019 | 16:00 Uhr | Die Bühne

Benjamin-Immanuel Hoff, Maximilian Pichl und Martina Renner:
NSU, NSA, BND – Rückhaltlose Aufklärung?

Wie viel Kontrolle von Geheimdiensten leisten die Parlamente und ihre Untersuchungsausschüsse?
Wo hat nach den drei Geheimdienstskandalen seit der Jahrtausendwende der Schutz des vermeintlichen Staatswohls die Oberhand vor der rückhaltlosen Aufklärung gewonnen? Die Herausgeber*innen liefern ein (selbst-)kritisches Resümee. Diskutiert werden die Chancen und Grenzen parlamentarischer Kontrolle und Aufklärungsbemühungen. Dabei geht es zum einen um den NSU-Komplex, zum anderen um die massenhafte Kommunikations-Überwachung durch BND und NSA. Im Fokus stehen die NSU-Untersuchungsausschüsse im Bundestag und in ausgewählten Landesparlamenten sowie der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Aber auch der BND-Untersuchungsausschuss zum Fall Murat Kurnaz wird in die Betrachtungen einbezogen. Es wird eine wichtige Lücke gefüllt, um die Hintergründe des offenkundigen Staatsversagens aufzuhellen und denjenigen den Rücken zu stärken, die das Anliegen rückhaltloser Aufklärung mit einem langen Atem weiter verfolgen.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Freitag, 22. März 2019 | 16:30 Uhr | Die Bühne

Felicitas Weck, Katharina Weise, Claudia Leonhardt: Linke Kommunalpolitik
Für ein besseres Leben vor Ort.
Kommunalpolitik ist ungemein vielfältig, selten langweilig und kann viel bewegen. Sie bringt allerdings gerade für Einsteiger*innen auch einige Herausforderungen mit sich. Mit dieser komplett neu verfassten Einführung werden rechtliche und theoretische Grundlagen der Kommunalpolitik und eines kommunalen Mandats sowie das Spannungsfeld zwischen Grenzen und Möglichkeiten dieses Politikfelds aufgezeigt. Anhand aktueller Themenfelder, Beispiele und vieler Verweise stellen die Autorinnen linke kommunalpolitische Handlungsspielräume dar, geben Hinweise zum Weiterlesen und Anregungen zum eigenen linken Agieren in der Kommune – auch damit die eine oder andere »utopische« Idee Realität werden kann!
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Freitag, 22. März 2019 | 18:00 Uhr | interim by linXXnet

Bernd Riexinger, Sebastian Friedrich sowie ein/e Aktivist*in von #unteilbar: Neue Klassenpolitiken.
Wie lassen sich soziale, antirassistische, feministische und bürgerrechtliche Kämpfe miteinander verknüpfen?
Eine gemeinsame Veranstaltung von Interim, neues deutschland, Ullstein Buchverlage, Bertz + Fischer Verlag und VSA: Verlag
interim by linXXnet | Demmeringstraße 32 | 04177 Leipzig West

Samstag 23. März 2019 | 13:30 Uhr | Forum Sachbuch

Uwe Hoering: Chinas neue Seidenstraßen.
Entwicklungsmodell oder Machtstrategie?
Besiegt der Ostwind den Westwind? Führt Chinas Initiative »Neue Seidenstraßen« zu mehr Wohlstand und Sicherheit weltweit? Oder bringt dieses Entwicklungsmodell mehr Autoritarismus und Konflikte? Der Publizist und Journalist Uwe Hoering zeichnet zentrale Aspekte der Initiative nach und hinterfragt, ob diese Entwicklungsstrategie mit demokratischen Verhältnissen, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, der Wahrung von Menschen- und Minderheitsrechten und dem Abbau von Konflikten vereinbar ist.
Forum Sachbuch (Halle 5, Stand F 401/G 410)

Samstag 23. März 2019 | 14:00 Uhr | Die Bühne

Tobias Müller: »Jungles«, Zäune, neue Grenzen.
Europäische Migrationspolitik und ihre Folgen.
Was nicht nur rechtspopulistische Politiker*innen als »Asyltourismus« denunzieren, bedeutet für jene, die aus verschiedenen Gründen in Europa ein neues Leben beginnen wollen, Erniedrigung und Gewalt, Entbehrung und immer wieder Gefahr für Leib und Leben. Der Journalist Tobias Müller beschreibt in seinen Reportagen die Auswirkungen einer Migrationspolitik, die vor allem repressive Elendsverwaltung betreibt. An verschiedenen Schauplätzen im Norden und Süden, Osten und Westen des Kontinents – von der Nordsee bis nach Lampedusa, von Calais bis nach Tovarnik in Kroatien – reproduziert sich dieser Zustand selbst: Nimmt die Repression an einem Ort besonders zu, verlagert sich das Geschehen an einen anderen, um später zurückzukehren. »Jungles« und Zäune, Polizisten und Soldaten, Volunteers und Schleuser, alle ziehen kreuz und quer durch Europa, als Charakteristika der Routen, die sich beständig ändern. Konstant bleibt nur eines: die extremen Umstände, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich dorthin begeben.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Samstag 23. März 2019 | 15:00 Uhr | Die Bühne

Uwe Hoering: Chinas Langer Marsch 2.0.
Führt Pekings Initiative »Neue Seidenstraßen« zu mehr Wohlstand und Sicherheit weltweit?
China knüpft an die einstige weltpolitische Bedeutung des »Reichs der Mitte« an und entwirft gleichzeitig einen Bauplan zukünftiger Größe. Durch den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Wirtschaftskorridoren zwischen Asien, Afrika und Europa soll ein »neues Goldenes Zeitalter der Globalisierung« eingeleitet werden. Innenpolitisch steht dahinter der Versuch, durch ein Konjunkturprogramm, das von Konzernen voran­getrieben und durch den Staat gefördert wird, das Wachstum innerhalb Chinas aufrechtzuerhalten und die Legitimation der Regierung zu sichern. Außenpolitisch hat Beijing damit zumindest in Asien und Eurasien die Meinungsführerschaft im globalen Entwicklungsdiskurs übernommen. Uwe Hoering zeichnet zentrale Aspekte der ­dadurch ausgelösten Diskurse über Geoökonomie, ­Geopolitik, multipolare Weltordnung, hegemoniale Konkurrenz und Globalisierung nach.
Die Bühne (Halle 5, Stand E 404)

Samstag 23. März 2019 | 15:30 Uhr | taz Studio

Tobias Müller: Hier draußen an der Grenze.
Reportagen über die Auswirkungen von Migrationspolitik von den europäischen Außengrenzen. Moderation: Jan Feddersen
Wahlkampfthema, TV-Debatten und Bruchstelle der Europäischen Union: »Die Flüchtlinge« bzw. ihre Abwehr, Abschiebung und Bekämpfung sind allgegenwärtig. Spätestens seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015 ist die europäische Migrationspolitik in aller Munde. Inzwischen sorgt die Politik an den Außengrenzen der EU, je nach Migrationsströmen aber auch an den internen Grenzen zwischen einzelnen Mitgliedstaaten, für erbärmliche Zustände. Was nicht nur rechtspopulistische Politiker*innen als »Asyltourismus« denunzieren, bedeutet für jene, die aus verschiedenen Gründen in Europa ein neues Leben beginnen wollen, Erniedrigung und Gewalt, Entbehrung und immer wieder Gefahr für Leib und Leben. Das Mittelmeer als Massengrab Geflüchteter sowie die Zustände auf der »Balkanroute« 2015 sind längst Symbole dieser Entwicklung. Tobias Müllers Reportagen beschreiben die Auswirkungen einer Migrationspolitik, die vor allem repressive Elendsverwaltung betreibt. An verschiedenen Schauplätzen im Norden und Süden, Osten und Westen des Kontinents – von der Nordsee bis nach Lampedusa, von Calais bis nach Tovarnik in Kroatien – reproduziert sich dieser Zustand selbst: Nimmt die Repression an einem Ort besonders zu, verlagert sich das Geschehen an einen anderen, um später zurückzukehren. »Jungles« und Zäune, Polizisten und Soldaten, Volunteers und Schleuser, alle ziehen kreuz und quer durch Europa, als Charakteristika der Routen, die sich beständig ändern. Konstant bleibt nur eines: die extremen Umstände, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich dorthin begeben.
taz Studio (Halle 5, Stand H 408)

Quelle: https://www.vsa-verlag.de/leipziger_buchmesse_2019/messe_leipzig/