Marion Fisch (4.11.1968–16.1.2022)


Alle Kolleginnen und Kollegen des VSA: Teams und der Redaktion des Zeitschriftenprojekts Sozialismus.de sind tief betroffen über den Verlust unserer Mitstreiterin, Weggefährtin und Freundin.

Marion war seit 1995 Mitglied des Verlagsteams, hat von Beginn an durch ihr großes Engagement, ihre Klugheit, aber auch Hartnäckigkeit wesentlichen Anteil daran, dass sowohl der Verlag als auch das Zeitschriftenprojekt die großen wirtschaftlichen Herausforderungen und auch gesellschaftlich bedingten Krisen bestehen konnten.

Geboren wurde Marion am 4. November 1968 in der Kreisstadt Stade in der Nähe von Hamburg, wo sie auch zur Schule ging – »nicht gerade eine Hochburg für linke Literatur und Bewegung«, wie sie selbst formulierte. Schon während ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Hamburg hatte sie einen Blick auf das Berufsfeld Buchverlag geworfen und wollte dort einen Einstieg finden. Deshalb war es nur folgerichtig, dass sie sich nach ihrem Magisterabschluss 1995 um ein Praktikum im VSA: Verlag nicht nur bewarb, sondern dieses auch mit großem Engagement absolvierte. Sie selbst sagte dazu später, dass sie dort »das selbsttätige Lernen des Büchermachens und -verkaufens von Beginn an« faszinierte.

Nach dem Praktikum blieb sie Mitglied des VSA: Teams und hat seitdem nicht nur die Entwicklung des Verlagsprogramms mitgeprägt, zudem viele Autorinnen und Autoren dauerhaft dafür gewinnen können, im Verlag zu publizieren, sondern auch die Umsetzung von Programmen in der Herstellung und bei der Verbreitung maßgeblich mitbestimmt. Später gehörte Marion zudem der Redaktion von Sozialismus.de an, für die sie außerdem seit Jahren die viel gelesenen Filmkritiken verfasst hat.

In einem Gespräch anlässlich des 40-jährigen Bestehens des VSA: Verlags unterstrich sie: »Linke Verlage werden in gewisser Hinsicht immer Nischenverlage sein. Aber sie sollten schauen, dass sie die Nische ein Stück ausweiten oder neue Nischen entdecken. [...] Nichts verkauft sich aus dem luftleeren Raum. Es geht nur, wenn man versucht, Kooperationspartner zu finden. Schließlich: Niemand sollte allein auf spannende Manuskripte warten. Gerade als linker Verlag muss man mit den Autoren an neuen Themen und an neuen Zugängen arbeiten.«

Die Arbeitsbedingungen eines linken Kleinverlages sind nicht einfach, das betonte Marion selbst häufig. »Und die Grundfrage ›Wie wollen wir arbeiten und leben?‹, die hier aus unterschiedlichsten Perspektiven (von den Niederungen der Schichtpläne bis zu den Höhen der sozialen Revolution), gestellt wird, wird auch meine und spätere Generationen immer wieder neu beantworten müssen. Wünschen würde ich mir, dass die Linke sich wirklich sachlich mit diesen Fragen, mit den Möglichkeiten für das Weiterleben auf diesem Planeten und mit den ›eigentlichen‹ politischen Gegnern auseinandersetzen könnte, anstatt einen Großteil ihrer Zeit und ihrer Kraft für interne Grabenkämpfe aufzubrauchen.«

Wir hatten uns darauf gefreut, auch im 50. Jahr des Verlages gemeinsam an dem Jubiläumsprogramm zu arbeiten. Ihr Tod reißt eine große Lücke, die uns sehr traurig macht.

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