Die Leipziger Buchmesse und alle Veranstaltungen von »Leipzig liest« wurden wegen des Coronavirus abgesagt. Deshalb haben die lange vorbereiteten Veranstaltungen auf Die Bühne nicht stattgefunden. Wir sehen uns im nächsten Jahr in Leipzig mit neuem Programm.

Mit dabei gewesen wären
Alibri Verlag Aschaffenburg | Argument Verlag mit Ariadne Hamburg | Dietz Berlin | Verlag Graswurzelrevolution Heidelberg | Mandelbaum Verlag Wien | Offizin Verlag Hannover | Sozialistische Tageszeitung neues deutschland | PapyRossa Verlag Köln | Promedia Verlag Wien | Psychosozial-Verlag Gießen | UNRAST Verlag Münster und VSA: Verlag Hamburg.

Die Bühne-Verlage unterstützen diese Initiative. Sie wird getragen von mehr als 80 Verlagen und über 200 Einzelpersonen und Initiativen aus der Buchbranche: »Wir nehmen die Präsenz völkischer, nationalistischer und antifeministischer Verlage nicht wort- und tatenlos hin. Und werden wie in den letzten Jahren Protest organisieren, wo immer wir auf sie treffen.« Mehr über die Aktivitäten der Initiative während der Messe auf #verlagegegenrechts.

Donnerstag, 12.3.

12:00 Uhr | Rüdiger Haude/Thomas Wagner, Herrschaftsfreie Institutionen

Texte zur Stabilisierung staatsloser, egalitärer Gesellschaften.
Sind stabile herrschaftsfreie Gesellschaften denkbar? Haben staatslose Gesellschaften Jahrzehnte und länger überdauert und existieren sie noch immer? In den Sozialwissenschaften herrscht die Tendenz vor, »Regulierten Anarchien« entweder keinen politischen Stellenwert beizumessen oder ihnen doch eine verborgene Herrschaftlichkeit zu unterstellen. Mit beiden (ethnologischen bzw. historischen) Argumenten läßt sich die angebliche Unmöglichkeit von Herrschaftsabbau heute behaupten. Die Beiträge dieses hier in zweiter, durchgesehener Auflage vorliegenden Bandes setzen sich kritisch mit dieser Auffassung auseinander.
Verlag Graswurzelrevolution

12:30 Uhr | Gerd-Rüdiger Stephan, Ausschluss. Das Politbüro vor dem Parteigericht

Die Verfahren 1989/1990 in Protokollen und Dokumenten - ein Editionsbericht.
Mitte Dezember wird aus der SED die SED-PDS. Ihr neuer Vorsitzender heißt Gregor Gysi. Doch noch immer gehören die verbliebenen 18 ehemaligen Angehörigen des Politbüros dieser Partei an - bis zum 20. Januar 1990. In einer mehr als zwölf stündigen Nachtsitzung der Zentralen Schiedskommission der SED-PDS werden die meisten von ihnen ausgeschlossen. Gerd-Rüdiger Stephan gibt anhand der Original-Tonbandmitschnitte und schriftlicher Stellungnahmen den dramatischen Verlauf der Sitzung authentisch wieder..
Dietz Berlin

13:00 Uhr | Björn Allmendinger/Sascha Howind: Rechtspopulismus in der Arbeitswelt

Es geht in der Regel um Ausgrenzung und Hetze:
Ob im Pausenraum, auf Betriebsfeiern oder am Rande von Teamgesprächen sind Kolleg*innen immer wieder mit rechtspopulistischen bis hin zu rechtsextremen Sichtweisen konfrontiert. Der Betrieb spiegelt lediglich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Rechtspopulistische Einstellungsmuster beginnen sich auch in der Arbeitswelt zu verfestigen. Die Autoren dieses Bandes wollen vor allem Betriebs- und Personalräten, Vertrauensleuten, Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen, aber auch den vielen ehrenamtlich agierenden Gewerkschafter*innen eine Orientierung und Handlungsempfehlungen für ihre tägliche Arbeit im Betrieb und in der politischen Bildungsarbeit bieten.
Offizin Verlag

13:30 Uhr | Holger Politt, Rosa Luxemburg: Spurensuche

Aus familiärer Perspektive wird auf den Lebensweg der wohl berühmtesten Frau in der europäischen Arbeiterbewegung zurückgeschaut.
Anhand einer Vielzahl bislang nicht gezeigter Dokumente und anderer Zeugnisse der Zeit wird den Lebenswegen einer jüdischen Familie in Polen nachgegangen, die mit Rosa Luxemburg (1871-1919) eine der bekanntesten und berühmtesten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte hervorgebracht hat. Viele der in den einzelnen Episoden dargestellten Zusammenhänge werfen ein ganz neues Licht auf den Lebensweg Rosa Luxemburgs. Begonnen wurde die Spurensuche, als nationalistische Kreise in Polen plötzlich behaupteten, Rosa Luxemburg sei eine unverbesserliche Polenhasserin gewesen, weshalb sich jedes Erinnern an sie im öffentlichen Leben des Landes verbiete.
VSA: Verlag Hamburg

14:00 Uhr | Dieter Reinisch, Nordirland: Gescheiterter Aufbau nach der IRA-Niederlage

Zu Liam Ó Ruaircs »Nordirlang zwischen Krieg und Frieden«.
Mit der Niederlage der IRA wurde der irisch-republikanische Kampf umgedeutet, weg vom Ziel einer vereinten sozialistischen Republik hin zum Bemühen um eine politische Teilhabe. Die Trennungen vor Ort verstärkten sich . Während zur Zeit des Karfreitagsabbkommens im Jahr 1998 22 Mauern protestantische und katholische Viertel voneinander trennten, stehen mittlerweile 88 dieser "Friedenslinien" sinnbildlich für die Spaltung der Gesellschaft. Dieter Reinisch berichtet über das neue Buch von Liam Ó Ruairc: "Nordirlang zwischen Krieg und Frieden".
Promedia Verlag

14:30 Uhr | Else Laudan, Ermittlerin im Politischen

Sara Paretskys Detektivin – »Altlasten« behandelt brandaktuelle Baustellen.
Kansas, Land der Stürme: Ein alter Raketensilo erinnert an Kalten Krieg. Seinerzeit gab es da heftige Proteste, heute ist das längst vergessen. Aber warum gibt es plötzlich Vermisste und sogar Tote, als jemand eine Doku drehen will? V. I. Warshawski sucht Antworten. Else Laudan stellt das Buch und die Spracharbeit an der Übersetzung vor. Die Recherchen dafür und das Finden der deutschen Fassung sind auch Ermittlungsarbeit!
Argument Verlag mit Ariadne

15:00 Uhr | Michael Krätke, Friedrich Engels: Ein Cotton-Lord als erster Marxist

Engels eigenständige und einflussreiche Rolle.
Ist von Friedrich Engels die Rede, denkt man an Karl Marx; umgekehrt ist das seltener der Fall. Engels selbst sprach von sich als der »zweiten Violine«. Mehr als eine Handvoll Engels-Biografien gibt es bis heute nicht, kein Vergleich mit dem Rummel um Marx und den Konjunkturen der Marx-Industrie. Im Marxismus-Leninismus wurde aus den Freunden Marx und Engels eine Art heilige Zweifaltigkeit. Dabei hat es die Doppelperson der parteimarxistischen Heiligenlegenden nie gegeben. Beide Männer waren starke Charaktere. Und eins ist gewiss: Ohne Engels hätte es Marx nie gegeben..
Dietz Berlin

15:30 Uhr | Stephanie Klee, Sexarbeit

Feministische Perspektiven.
Das Thema Sexarbeit ist hoch umkämpft. Das Buch vereint unterschiedliche Zugänge zu dem aufwühlenden Thema und arbeitet aktuelle Debatten und Gesetze auf. Feministische Perspektiven auf Sexarbeit werden oft auf die Forderung der Abschaffung von Prostitution reduziert. Hier kommen Sexarbeiter*innen zu Wort und verknüpfen ihre Forderungen mit Arbeitskämpfen, Trans*- und Queer-Aktivismus, den Kämpfen der Migration und Care-Revolution. Feminismus existiert nur im Plural und ist intersektional! Das heißt, dass z.B. auch Klasse und Nationalität berücksichtigt werden müssen.
Unrast Verlag

16:00 Uhr | Werner Rätz, Eine andere Digitalisierung ist möglich

Warum es sich lohnt, für eine solidarische und nachhaltige digitale Gesellschaft zu kämpfen.
Das Smartphone als ständiger Begleiter, die passende App für jeden Zweck, von Onlineshopping über soziale Netzwerke bis hin zu vollautomatisierten Produktionsanlagen – wir können uns dem Sog der Digitalisierung kaum entziehen und wollen es oft auch gar nicht. Zu verlockend ist die neue Bequemlichkeit, zu überzeugend die digitale Erweiterung der eigenen Handlungsmöglichkeiten. Doch während die IT-Industrie mit steigender Geschwindigkeit technische Innovationen auf den Markt bringt, treten die Schattenseiten der digitalen Transformation immer deutlicher zutage. Die sozial-ökologische Zivilgesellschaft sieht sich zunehmend mit Techkonzernen wie Google, Amazon und AliBaba konfrontiert, die durch die Monopolisierung von Daten völlig neue Dimensionen von Macht entfalten. Werner Rätz weist Pfade durch den Dschungel der Digitalisierung. Er soll einerseits dabei helfen, die zentralen Dynamiken des digitalen Kapitalismus zu verstehen, und zeigt andererseits auf, wie und wieso es sich für eine solidarische und nachhaltige digitale Gesellschaft zu kämpfen lohnt.
VSA: Verlag Hamburg

16:30 Uhr | Else Laudan: Handwerk Krimikunst

Tabus und Potenzial, Politik und Sprache im Kriminalroman.
Krimis, die klug machen: Wer Lesende packen und ergreifen will, kann mal Klischees einsetzen, darf ihnen aber nicht blind auf den Leim gehen. Oft unterschätzt: Bewusstes Steuern von Tempo, Assoziationen und Diskurs. Was gibt den Ausschlag zum Weiterlesen? Das und mehr erläutert die Verlegerin Else Laudan. Krimi als Genre der Krise!
Argument Verlag mit Ariadne


17:00 Uhr | Louie Läuger, Gender-Kram

Eine Karte durch die Geschlechterlandschaft.
Was sind Geschlechtsidentitäten und was ist mit Geschlechtsausdruck gemeint? Läuger hinterfragt sowohl die Relevanz vermeintlicher biologischer ›Geschlechtsmerkmale‹ als auch gesellschaftlich etablierte Geschlechternormen. Sie klärt über den Unterschied zwischen einem biologistischen und einem sozialen Verständnis von Geschlecht auf und widmet sich grundlegenden Begrifflichkeiten wie Intersektionalität, Intergeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck. Louie Läuger bietet mit diesem illustrierten Buch eine Karte für die Geschlechterlandschaft, einen Werkzeugkoffer, um sich empathisch in andere hineinzuversetzen, ein Lehrbuch, ein Lernbuch.
Unrast Verlag

17:30 Uhr | Lothar Schröder, Eine warme Stimme schleicht sich ein

Gewerkschaftliche Antworten auf Fluch und Segen von Künstlicher Intelligenz.
Bei Künstlicher Intelligenz geht es nicht um Mensch gegen Maschine. Sondern wie immer: um Mensch gegen Mensch. Interessenkonflikt nennt sich das. Nur mit anderen Mitteln. In dem von Lothar Schröder mit verfassten Buch geht es darum, Angst in Sorgen und Sorgen in Tun zu übersetzen. Die Autoren orakeln nicht herum, sie erklären in einfacher Sprache, geben Beispiele und sie schlagen vor, was zu tun ist. Es geht um die Sorge, dass sich Künstliche Intelligenz gegen uns wendet, den Menschen entwertet, gar überflüssig macht. Wir sorgen uns darum, ob arbeitende Menschen durch KI ihre Jobs verlieren. Ob ganze Berufszweige verschwinden. Ob Gelerntes überflüssig wird. Ob große Firmen unkontrollierbare Macht gewinnen. Ob wir gläsern und damit beherrschbar werden. Diese Sorgen sind nicht unbegründet. Aber wie es wird, ist nicht schicksalhaft. Wir können es steuern und aus Sorgen Nutzen machen.
VSA: Verlag Hamburg

Freitag, 13.3.

11:30 Uhr | Daniela Wakonigg, Spott sei Dank

Ein Karikaturen-Band des Humanistischen Pressedienstes (hpd).
Was tun? Wenn ein ehemaliger Papst behauptet, die sexuellen Übergriffe in katholischen Erziehungseinrichtungen in den 1950er Jahren seien auf die lose Sexualmoral der 68er zurückzuführen? Wenn Migrationswissenschaftler gebetsmühlenartig wiederholen, dass Attentate, die von Anhängern des Islamischen Staates ausgeführt werden, nichts mit Religion zu tun haben? Spott bringt die Menschen und oft genug auch die Verhältnisse in Bewegung, wenn Argumente nicht mehr wirken.
Alibri Verlag

12:00 Uhr | Michael Buckmiller, Karl Korschs Weg zu Marx

Wie ist revolutionärer Marxismus nach der gescheiterten Novemberrevolution möglich?Karl Korsch (1886-1961), einer der bedeutendsten Vertreter des »westlichen Marxismus«, kommunistischer Politiker, Vorkämpfer des Anti-Stalinismus der 20er Jahre, marxistischer Lehrer von Bert Brecht, beeinflusste durch seine Schriften Generationen von kritischen Marxisten. Der Offizin Verlag gibt in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Institut für Sozialgeschichte die historisch-kritische Gesamtausgabe heraus. Michael Buckmiller stellt den neu herausgegebenen Band »Karl Marx« von 1936 vor und zeichnet den intellektuellen Weg von Korsch zu seiner Marx-Rezeption nach.
Offizin Verlag

12:30 Uhr | Manfred Weißbecker, Noch einmal über die Bücher gehen

Texte aus einem geteilten Historiker-Leben (DDR/BRD).
Zwischen Manfred Weißbeckers Anstellung am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der rigiden »Abwicklung« der DDR-Geschichtswissenschaft lagen drei Jahrzehnte umfangreicher Lehr- und Forschungsarbeit des Autors. Letztere betraf vor allem die Geschichte bürgerlicher und kleinbürgerlicher deutscher Parteien und Verbände, der Weimarer Republik und des Faschismus. In diesen 30 und in den 30 darauf folgenden Jahren entstanden neben dem vierbändigen Lexikon zur »Parteiengeschichte 1789 bis 1945« und anderen, oft gemeinschaftlich verfassten Büchern (unter anderem zur Geschichte der NSDAP und zu Hitler) auch zahlreiche kleinere Publikationen und Vortragstexte. Letztere erschienen oft verstreut an dezentralen Orten, in diversen Sammelbänden, Konferenzprotokollen, Zeitschriften. Für den vorliegenden Band wurden 30 Beiträge ausgewählt – nicht zuletzt wegen ihrer Aktualität im heutigen Ringen gegen die bedrohliche Rechtsentwicklung und für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.
PapyRossa Verlag

13:00 Uhr | Ingo Stützle, Engels »Anti-Dühring«

Wie konnte sich mit dem »Anti-Dühring« der Marxismus als Weltanschauung etablieren?
Friedrich Engels setzte sich in seiner Schrift »Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft« auf dringende Bitten von Zeitgenossen unter anderem mit dem Werk »Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus« von Eugen Dühring auseinander, eine mitunter nicht ganz leicht verdauliche Aufgabe. »Es war eben ein Apfel, den man ganz verzehren musste, sobald man einmal anbiss. Und er war nicht nur sehr sauer, sondern auch sehr dick.« In der Folge wurde aus einer polemischen Schrift ein massenwirksames Werk, das in Lenins Worten zum »Handbuch für klassenbewusste Arbeiter« avancierte. Bis heute gilt der »Anti-Dühring« als der Grundlagentext des Marxismus schlechthin. Dessen Neuausgabe möchte dieser Metamorphose nachgehen, sie beinhaltet den ursprünglichen Text mit einem Anhang, der einen Textvergleich ermöglicht sowie eine historisch-kritische Kommentierung. 
Dietz Berlin

13:30 Uhr | Florence Hervé, Mit Mut und List

Europäische Frauen gegen Faschismus und Krieg.
Im Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal die Befreiung von der Terrorherrschaft des deutschen Faschismus. Zu ihr trug der Widerstand von Menschen in ganz Europa bei, darunter zahlreiche Frauen. Oftmals unter Lebensgefahr kämpften sie für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, für internationale Solidarität und ein friedliches Zusammenleben der Völker. Diese Frauen haben zudem die ihnen zugewiesene hergebrachte Geschlechterrolle durchbrochen und ihre Emanzipation gelebt. Erst im Jahr 2019 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, den Beitrag von Frauen zum deutschen Widerstand zu würdigen - der mutige Widerstand in anderen europäischen Ländern blieb unerwähnt. In der von Florence Hervé herausgegebenen Anthologie werden hingegen 75 Frauen aus mehr als zwanzig Ländern vorgestellt. Ein breites Team von Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen aus ganz Europa hat dazu beigetragen. Sie vervollständigen das historische Bild vom antifaschistischen Widerstand um die Frauenperspektive und machen zugleich Mut für den Einsatz gegen Neofaschismus, Rechtspopulismus, Fremdenhass, Sexismus und Krieg.
PapyRossa Verlag

14:00 Uhr | Bernd Langer, Der Kapp-Putsch

Die Geburtsstunde des Nationalsozialismus und die linksradikalen Aufstände 1919-1921.
Es ist ein starker historischer Moment, als der erste rechtsradikale Putsch in der deutschen Geschichte durch eine breite Volksbewegung scheitert. Von der Arbeiterschaft bis zum Beamtenapparat gibt es Solidarität für die junge Weimarer Republik. Der Kapp-Putsch markiert allerdings auch den Übergang der nationalen Rechten der Wilhelminischen Zeit zum späteren Nationalsozialismus…

Unrast Verlag

14:30 Uhr | Florence Hervé, Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist

Vorstellung der deutsch- und französischsprachigen Ausgabe.
Clara Zetkin war Opposition per se: Frauenrechtlerin, revolutionäre Sozialistin, Initiatorin des Internationalen Frauentags, Kriegsgegnerin, Kommunistin in der Tradition Rosa Luxemburgs, ­1932 von den Nazis attackierte Alterspräsidentin des Deutschen Reichstags. Vor 1914 die »grande dame« der deutschen Sozialdemokratie, war Clara Zetkin (1857–1933) nach 1918 umstrittene und streitbare Persönlichkeit des deutschen Kommunismus. Ihr Name signalisiert eines: Widerstand. Dafür wird sie von den einen abgelehnt, von den anderen geliebt.
Dietz Berlin

15:00 Uhr | Ingo Pohn-Lauggas, Stuart Hall: »Vertrauter Fremder«

Leben, Theorie, Praxis – Halls Autobiografie.
Ringen um Köpfe und Herzen der Menschen: Hall analysierte Ideologie, Identität, Repräsentation und linke Politikversuche, beforschte Medien- und Massenkultur, Rassismen und Neue Rechte. Jetzt sind bei Argument seine Memoiren erschienen. Darin erzählt er sein Leben als koloniales Subjekt in der britischen Diaspora und erhellt seinen Zugriff auf Kultur, Theorie und Praxis politischen Eingreifens.
Argument Verlag mit Ariadne

15:30 Uhr | Lou Zucker, »Zetkin to go«

Klug, mutig, unbestechlich.
Die Journalistin und queerfeministische Aktivistin Lou Zucker präsentiert eine Sammlung prägnanter Sprüche der proletarischen Frauenrechtlerin Clara Zetkin, eine Zitatensammlung aus Reden und Schriften, die zeigt, wie alte Fragen sich heute neu stellen. Erschienen 2019 bei neues leben/Eulenspiegel Verlagsgruppe.
neues deutschland


16:00 Uhr | Naila Chikhi, Wassyla Tamzalis Buch »Eine zornige Frau«

Ein Plädoyer für einen universalistischen Feminismus der Gleichberechtigung.
In der Debatte um Identitätspolitiken setzt die algerische Feministin Wassyla Tamzali dem Mythos der kollektiven Identität die Erinnerung an den Kampf für Freiheit und Gleichheit entgegen. Sie verteidigt den universalistischen Feminismus der Gleichberechtigung gegen kulturalistische und postmoderne Einschränkungen. Ihre besondere Kritik gilt jenem Teil der europäischen Linken, die die Ideale und Ziele der Revolte von 1968 vergessen haben und sich kulturrelativistischem Denken ergeben. Naïla Chikhi stellt in ihrem Nachwort die aktuelle Situation in Deutschland dar.
Alibri Verlag

16:30 Uhr | Katja Kipping, Neue linke Mehrheiten

Trauen wir uns die Zukunft zu!
Die Zukunft beginnt jetzt. Die Krise ist längst da. Klima, Digitalisierung, Demokratie, Flucht, Globalisierung, Arbeit, EU. Wir stehen vor der großen Aufgabe, Politik anders zu denken, anders zu machen. Was muss überwunden werden, wie geht das? Katja Kippings gerade erschienener Essay ist als Einladung zum Gespräch gedacht.
Argument Verlag mit Ariadne


17:00 Uhr | Conny Hildebrandt, Die Linke und die Religion

Geschichte, Konflikte und Konturen.
Es ist eine konfliktreiche Beziehung, die Linke zu Religionen und Kirchen haben. Von Beginn an haben die Kirchen die sozialistische Arbeiterbewegung als atheistisch und kirchenfeindlich verdächtigt oder bekämpft. Für Linke wiederum war Religion oft nur falsches Bewusstsein, »Opium des Volkes« (Marx), schädlich im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Das kritische und utopische Potenzial von Religion, auch von den Kirchen viel zu oft unterdrückt, findet kaum Beachtung. Eine Linke, die sich dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit verpflichtet, ist herausgefordert, neu zu fragen, wie eine offene Gesellschaft sozial, politisch, kulturell und weltanschaulich plural gestaltet werden kann. Wie sehen Linke das Verhältnis der Religionen zum Staat, im Streit um Kopftuch, Militärseelsorge oder Religionsunterricht? Und was sind die Maßstäbe für eine linke Religionspolitik?
VSA: Verlag Hamburg

17:30 Uhr | Engelschall/Müller/Stojakovic, Revolutionäre Gewalt. Ein Dilemma

Die Akteur*innen und ihr Umgang mit Gewalt beim Gelingen und Scheitern revolutionärer Versuche in der Moderne.
Der Essay folgt in der Tradition kritischer Geschichtsschreibung den Spuren sozialrevolutionärer Gewalt in Theorie und Praxis. Im Fokus stehen die Akteure und ihr Umgang mit Gewalt beim Gelingen und Scheitern revolutionärer Versuche in der Moderne. Geschichte wird dabei als eine Geschichte der gescheiterten und verratenen Revolutionen begriffen. Die konkreten Analysen von der Französischen bis zur Chilenischen Revolution erläutern den Unterschied zwischen der strukturellen Gewalt der Verhältnisse und sozialrevolutionärer Gegengewalt sowie zwischen Krieg und Revolution. Sozialrevolutionäre Gewalt verstehen die Autorin und Autoren als praktische Kritik gewöhnlicher Gewalt, weil sie die Macht der Gewohnheit bricht und der Legitimation gewöhnlicher Gewalt nicht mehr bedarf. Doch die Revolutionäre finden sich mit der Gewalt der Konterrevolution konfrontiert und müssen die Revolution verteidigen, ohne der Gewalt zu erliegen und ihre solidarischen Prinzipien aufzugeben. Das sollte die Konsequenz des Kommunismus im 21. Jahrhundert sein. Jedoch wird die Abschaffung aller Gewaltverhältnisse nicht ohne sozialrevolutionäre Gewalt zu haben sein. Das zeigt die Geschichte der Revolutionen und verweist auf ihr Dilemma.
mandelbaum kritik & utopie

Samstag, 14.3.

11:00 Uhr | Klaus Lederer, Die Rote Kulturcouch

Bürgersprechstunden der besonderen Art.
Berlins linker Kultursenator Klaus Lederer veranstaltet am FMP 1 in Berlin Bürgersprechstunden der besonderen Art und lädt sich interessante Menschen ein, um gesellschaftlich relevante Fragen zu diskutieren. Daraus entsteht ein amüsantes, wie lehrreiches Buch, das im Frühsommer 2020 erscheinen soll.
neues deutschland

11:30 Uhr | Ulrich Schneider, Auschwitz

75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers.
Auschwitz steht weltweit für das – neben der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und dem Vernichtungskrieg in den besetzten Gebieten der Sowjetunion – schlimmste Verbrechen des deutschen Faschismus: den industriellen Massenmord an Menschen, die nicht in seine Rassenvorstellung oder seine Weltherrschaftspläne passten - Juden, Sinti und Roma, Slawen, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner oder wegen ihrer sexuellen Orientierung aus der »Volksgemeinschaft« Ausgegrenzte. Neben der Massenvernichtung in Auschwitz-Birkenau umfasste der Gesamtkomplex des Lagers auch die »Vernichtung durch Arbeit« in Auschwitz-Monowitz, dem Buna-Werk der IG Farben. Damit benennt das Buch auch die »Profiteure des Todes«. Es bietet eine kompakte Einführung in die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und in die juristische Aufarbeitung dieses Menschheitsverbrechens. Dabei kommen die Überlebenden selber vielfältig zu Wort.
PapyRossa Verlag

12:00 Uhr | Kollektiv Polylog, Das ist meine Geschichte

Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen.
Die Abschottung und Verschärfung des Asylrechts in Deutschland und der EU hat massiv zugenommen. Erstarkende rechtspopulistische Bewegungen quer durch Europa schaffen ein erdrückendes gesellschaftliches Klima. In Debatten kommen geflüchtete Menschen selbst kaum zu Wort - insbesondere keine Frauen. Hier berichten sie von ihren Geschichten.
Unrast Verlag


12:30 Uhr | Judith Dellheim, Nulltarif

Luxus des Öffentlichen im Verkehr: Widersprüchlicher Fortschritt einer Idee im ÖPNV.
Wie sehen die internationalen Erfahrungen mit Forderungen nach einem ÖPNV-Nulltarif und mit praktizierten Gratis-Modellen aus? Das große ­öffentliche Interesse an dem Thema in Deutschland erfordert einen Blick über den nationalen Tellerrand. Heute haben ca. 100 Städte und Gemeinden jegliche ÖPNV-Tarife abgeschafft. Davon befinden sich 27 in den USA und 56 in Europa. Aber die Zahl der produzierten und genutzten PKW wächst weiter, die sozialen Probleme und die Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen nehmen dramatisch zu.Es geht also beim Nulltarif um die Frage nach einem Einstieg in eine sozial-ökologische Verkehrswende im Kontext mit einer tiefgreifenden sozialökologischen Transformation. Die Produktions-, Konsumtions- und Gesellschaftsstrukturen müssen grundsätzlich umgestaltet werden.
VSA: Verlag Hamburg

13:00 Uhr | Julia Nelki: Villa Russo

Eine deutsch-jüdische Geschichte.
Die jüdische Familie Russo produziert seit 1886 den berühmten Harzer Käse in Wernigerode. Ihre repräsentative Villa symbolisiert wirtschaftlichen Erfolg und öffentliches Ansehen. Doch 1933 bricht diese Welt jäh zusammen: Sie wird terrorisiert, wirtschaftlich ausgegrenzt, enteignet, deportiert und finden den Tod im Holocaust. Die Großnichte Julia Nelki entdeckt das Archiv ihres Vaters und beschreibt einfühlsam das Schicksal zweier durch Heirat eng miteinander verwobener jüdischer Familien unterschiedlicher Tradition. Die Geschichte der Villa fokussiert deutsch-jüdische Geschichte über 1945 hinaus: Sie wird in der SBZ genutzt von einer einer Konsumgenossenschaft, dann bis zur Wende als Berufsschule für Behinderte. Das Restitutionsverfahren nach der Wende spiegelt ein dramatisches und beschämendes Kapitel, bei dem politisch-historische Fakten und gesellschaftlich-moralische Prinzipien missachtet wurden. Dass sie heute als Stätte des Gedenkens genutzt werden kann, gleicht fast einem Wunder.
Offizin Verlag

13:30 Uhr | Doris Gercke, »Eine Lobby«

Kurzgeschichte aus »Frisches Blut. Deutsche Geschichten«.
Doris Gercke schrieb Literaturgeschichte, sägte mit ihren kritischen Romanen an der Erzählhoheit im Genre. »Für mich ist Krimi eine Kunstform. Kunst hat mit Abbildung von Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit zu tun. Je wahrhaftiger ein Krimi ist, desto besser.« Gerckes »Deutsche Geschichten« sind dunkel, klar und immer politisch.
Argument Verlag mit Ariadne


14:30 Uhr | Lebenslaute, Widerständige Musik an unmöglichen Orten

33 Jahre Lebenslaute.
Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk unterschiedlicher Menschen. Wir haben nie zu Ende diskutiert, in was für einer Welt wir leben wollen. Aber wir haben angefangen, unsere Lebendigkeit und unsere Musik in unsere politischen Aktionen zu integrieren. Wir vertrauen auf die Kraft der Musik und nehmen doch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Kritik an Gewalt- und Herrschaftsstrukturen sowie um Schutz der Menschenrechte geht. Unsere Aktionen richteten sich gegen herrschende staatliche Strukturen, wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Durchsetzung von Kapitalinteressen der Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus. Unser Vertrauen in die gewaltreduzierende Kraft der Musik und in den allgemeinen Respekt gegenüber der Musikkultur verleiht uns den Mut zur Konfrontation. Ein klassisches Konzert, in schwarz-weißer Konzertkleidung aufgeführt, bleibt ein solches, auch wenn es gleichzeitig die Blockade der Zufahrt zu einer Rüstungsfabrik ist. Indem wir gleichzeitig Musiker*innen und Ruhestörer*innen sind, irritieren wir und öffnen Augen, Herzen und Ohren für die Inhalte.
Verlag Graswurzelrevolution

15:00 Uhr | Thomas Billstein, Kein Vergessen

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland nach 1945.
Über 250 Menschen wurden in Deutschland nach 1945 durch rechtsmotivierte Gewalttäter ermordet. Opfer wurden Menschen jüdischen Glaubens, People of Color, Sinti*ze und Rom*nja, Punks, Obdachlose und Antifas. Sie wurden gejagt, verfolgt, verprügelt, gefoltert, misshandelt und getötet. »Kein Vergessen« dokumentiert ihre Geschichten.
Unrast Verlag

15:30 Uhr | Claudia von Braunmühl, ABC der globalen (Un)Ordnung

Von »Anthropozän« bis »Zivilgesellschaft«.
Im Jahr 2005 erschien das »ABC der Globalisierung«. Inzwischen zeigen sich die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung in aller Deutlichkeit: Aus dem Wohlfahrtsversprechen ist eine Welt der globalen ­(Un)Ordnung ­geworden. 114 Autorinnen und Autoren greifen in 126 Stichwörtern die aktuellen Entwicklungen auf, erarbeiten politische Orientierungspunkte und zeigen Alternativen. Auch für das neue ­Standardwerk der ­Globalisierungskritik gilt: »Eine andere Welt ist möglich«. Die Mitherausgeberin Claudia von Braunmühl und Autor*innen stellen die Konzeption vor.
VSA: Verlag Hamburg

16:00 Uhr | Sabine Nuss, Marx und die Roboter

Vernetzte Produktion, Künstliche Intelligenz und lebendige Arbeit.
Roboter, Künstliche Intelligenz und digitale Vernetzung treiben die Automatisierung der Produktion voran. Die lebendige Arbeit werde verschwinden, der Mensch endgültig ersetzbar, warnen die einen aufgeregt. Die anderen sehen Wachstumspotenziale, Standortvorteile - oder sogar neue Chancen zur Überwindung des Kapitalismus. Karl Marx war Zeit seines Lebens fasziniert von den Potenzialen der Technik, Produktivkraft war der Begriff, den er dafür prägte. Wie kann heute eine an Marx orientierte Analyse den technologischen Wandel erklären? Was ist das Neue, wo tritt nur das Alte in anderer Form auf die Bühne? Braucht die Kritik des Kapitalismus neue Begriffe?
Dietz Berlin

16:30 Uhr | Tomasz Konicz, Klimakiller Kapital

Wie ein Wirtschaftssystem unsere Lebensgrundlagen zerstört.
Angesichts der eskalierenden Klimakrise bricht sich in der Öffentlichkeit der meisten Industrieländer mühsam, allen Widerständen zum Trotz, eine fundamentale Erkenntnis bahn: Nichts wird so bleiben, wie es ist. Es ist ein grundlegender, fundamentaler Wandel notwendig, um den sich beschleuni­genden klimatischen Umbrüchen, den drohenden Kollaps ganzer Ökosysteme adäquat und schnell begegnen zu können. Die Klimakrise muss folglich als die größte Gefahr für den Zivilisationsprozess im 21. Jahrhundert begriffen werden.
Das, was sich vor allem ändern muss, ist unsere Gesellschaft, so die Kernthese dieses Buches. Abschließend zeigt Tomasz Konicz, wie Wege in einen klimaverträglichen Postkapitalismus aussehen könnten.
mandelbaum kritik & utopie

17:00 Uhr | Sabine Nuss, Keine Enteignung ist auch keine Lösung

Die große Wiederaneignung und das vergiftete Versprechen des Privateigentums.
Explodierende Mieten haben den Ruf nach Enteignung großer Immobilienkonzerne laut werden lassen. Das Anliegen findet breite Unterstützung. Entsprechend aufgeregt reagieren jene, die Privateigentum als Inbegriff der Freiheit sehen. Sie warnen vor der Rückkehr des Sozialismus. Zeitgleich wird erbittert über eine europaweite Anpassung des Urheberrechts zur Sicherung digitalen Eigentums gestritten. Unterschiedliche Konflikte, aber beide Ausdruck einer Gesellschaft, deren Ordnung auf privater Verfügungsgewalt beruht. Privateigentum, so heißt es, sei Garant für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Doch Klimawandel und soziale Polarisierung zeigen zunehmend dringlicher seine dysfunktionale und zerstörerische Kehrseite. Nach Jahrzehnten der Privatisierung ist es an der Zeit, das vergiftete Versprechen des Privateigentums bloßzustellen und aus Enteignung (Wieder-)Aneignung zu machen.
Dietz Berlin

17:30 Uhr | Dana Fuchs/Christoph Muck, Antifa heißt Anruf!

Organizing als Strategie gegen Rechts.
Breite antifaschistische Proteste sind wichtig, benötigen allerdings immer eine Verankerung in der Nachbarschaft, auf dem Fußballplatz oder im Jobcenter. Organizing-Konzepte bieten eine gute Chance, mit Menschen solidarisch und auf Augenhöhe in ihrem Alltag kleine bis größere Veränderungen zu ermöglichen.
Unrast Verlag


Sonntag, 15.3.

11:00 Uhr | Rainer Bobsin, Update 2020

Private Equity im Bereich der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Deutschland.
Ende 2019 stellte NDR-Panorama die Frage »Profit auf Kosten der Patientensicherheit?«, der SWR fragte Ende Januar 2020 »Unnötige Operationen für mehr Profit?« und die Zeit titelte »Wie man sich einen Onkologen kauft« - all das steht im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die eigentlichen Besitzer*innen von Gesundheitseinrichtungen viel zu häufig unbekannt sind. Ein wenig »Licht ins Dunkle« bringt das hier vorgestellte »Update 2020«.
Offizin Verlag

11:30 Uhr | Paul Wellsow, Ein Sokrates der DDR

Nachdenken über Dieter Strützel (1935-1999)
Dieter Strützel war Kultur- und Literaturwissenschaftler, Lektor beim Mitteldeutschen Verlag, Kultursoziologe an den Universitäten Leipzig und Jena sowie ab 1990 Vorsitzender der PDS Gera und stellvertretender Landesvorsitzender der PDS Thüringen. Er wirkte in zwei politischen Systemen – in beiden gegen den Strom der Zeit. Ein Sokrates der DDR, ein Lehrer, der nicht große Werke schrieb, sondern lieber mit den »kleinen Leuten« stritt. Einer, dem die Wahrheit des anderen wichtiger war als sein eigenes Besserwissen. Strützel war den sozialen Wirklichkeiten auf der Spur, die er von unten zu erkunden versuchte. Als stellvertretender Vorsitzender der PDS Thüringen machte er sich daran, nach 1990 eine neue Partei »von unten« zu formen und den »Ring um die PDS« zu sprengen. Er begann damit, die Partei zu einem legitimen und demokratischen Akteur des gesellschaftlichen Lebens zu machen, und trieb ein »linkes Reformprojekt« für Thüringen voran. Die Debatten darüber Mitte der 1990er Jahre nahmen vieles von dem vorweg, was 20 Jahre später in der ersten rot-rot-grünen Landesregierung sichtbar und Realität wurde.
VSA: Verlag Hamburg

12:00 Uhr | Marion Schütrumpf, Stimmen aus Russland - Juni bis Oktober 1918

Die Exilzeitschrift war die einzige Quelle über die Vorgänge im revolutionären Russland.
Die Zeitschrift wurde auf Deutsch von den Alt-Revolutionären Nikolai Rusanow und Pawel Axelrod in Stockholm herausgegeben. Neben redaktionellen Beiträgen wurden Übersetzungen aus oppositionellen revolutionären Zeitungen, die es 1918 in Russland noch gab, veröffentlicht: ernüchternd bis erschütternd. Dieses Blatt war für die deutsche Linke die einzige linke Quelle über die Vorgänge in Russland; auch Rosa Luxemburg hatte Exemplare in ihrer Zelle.
Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen

12:30 Uhr | Anatole Dolgoff, Links der Linken

Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung.
Sam Dolgoff (1902-1990) war Malerarbeiter und Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW), auch Wobblies genannt, von den frühen 1920er-Jahren bis zu seinem Tod. Zusammen mit seiner Ehefrau, Esther Dolgoff, stand er im Zentrum des US-amerikanischen Anarchismus, insbesondere des Anarchosyndikalismus. Beider Sohn, Anatole Dolgoff, zeichnet nicht nur Sam Dolgoffs Leben nach, sondern schreibt gleichzeitig eine leidenschaftliche Geschichte der radikalen Arbeiterbewegung in den USA des 20. Jahrhunderts. Er wuchs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitten im Milieu der Wobblies sowie im jüdisch geprägten Milieu der aus der Immigration kommenden Arbeiter*innen New Yorks auf. Sein Buch erzählt von der Macht der Nachbarschafts-Solidarität unter den Arbeiter*innen, aber auch von proletarischen und kulturellen Spaltungslinien.
Verlag Graswurzelrevolution

13:00 Uhr | Andreas Peglau, Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus

Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt das Ende der Weimarer Republik.
Konsequente Psychoanalyse ist gesellschaftskritisch, als Sozialwissenschaft ebenso wie als Therapiemethode. Auch deswegen ist das im Spätsommer 1933 publizierte Original von Reichs Massenpsychologie des Faschismus eines der wichtigsten psychoanalytischen Bücher, die je erschienen sind. Zudem war es innerhalb dessen, was heute Rechtsextremismusforschung genannt wird, die erste Veröffentlichung zu psychosozialen Hintergründen des NS-Systems.
Psychosozial-Verlag

13:30 Uhr | Michael Buckmiller: Die Abendroth-Werkausgabe

Der Partisanenprofessor im Land der Mitläufer.
Wolfgang Abendroth (1906-1985) war einer der bedeutendsten marxistischen Theoretiker und politische Publizist und beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der unabhängigen Linken und der 68er Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Schüler Jürgen Habermas nannte ihn den »Partisanenprofessor im Land der Mitläufer«. Der Offizin Verlag gibt eine Werkausgabe heraus und der Herausgeber Michael Buckmiller stellt die Ausgabe vor.
Offizin Verlag

14:00 Uhr | Günter Giesenfeld, Kontext Vietnam

Historische Feinanalysen und politische Perspektiven.
Seit 50 Jahren beobachtet Giesenfeld die Entwicklung Vietnams. Je weiter der Krieg aus dem Blickfeld rückt, desto mehr Versuche gibt es, ihn im Nachhinein zu »entschärfen«. Dagegen setzt Giesenfeld den genauen Blick: Geschichtliche Aufarbeitung, kulturelle Schlaglichter, Buch- und Filmanalysen.
Argument Verlag mit Ariadne



14:30 Uhr | Hanna Poddig, Klimakämpfe

»Wir sind die fucking Zukunft«.
Hanna Poddig, seit vielen Jahren für Klimagerechtigkeit auf der Straße, im Wald oder in luftigen Höhen unterwegs, stellt die Klimabewegung in Deutschland und ihre Entwicklungen vor. Mit viel Enthusiasmus diskutiert sie Akteur*innen wie Ende Gelände, Fridays For Future, Zucker im Tank, die Besetzer*innen des Hambacher Forsts und viele mehr.
Unrast Verlag


15:00 Uhr | P.M., Warum haben wir eigentlich immer noch Kapitalismus?

Die Frage müssen wir uns stellen, denn die Überwindung ist einfacher als gedacht!
Ihr könnt aufhören zu diskutieren, hier ist der definitive Vorschlag, wie wir aus der Wirtschaftsordnung (von Scherzkeksen Kapitalismus genannt) herauskommen. Hat P.M. unwissentlich das Buch zu Fridays for Future geschrieben? Sein Roman präsentiert revolutionäre Gelassenheit und eine »Neue Allianz«, die sich wie ein Virus ausbreitet und den Kapitalismus zu Fall bringt.
Hirnkost Verlag KG, Berlin


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