Auch 2018 präsentierten linke Publikationsprojekte ihre Autor*innen auf der gemeinsamen Leseinsel Die Bühne in Halle 5, Stand E 402. Mit dabei waren vom 15. bis 18. März 2018
Alibri Verlag Aschaffenburg | Argument Verlag mit Ariadne Hamburg | Dietz Berlin | Edition Assemblage Münster | Verlag Graswurzelrevolution Heidelberg | Mandelbaum Verlag Wien | Manifest Verlag Berlin | Sozialistische Tageszeitung neues deutschland | Offizin Verlag Hannover | PapyRossa Verlag Köln | Promedia Verlag Wien | UNRAST Verlag Münster und
VSA: Verlag
Hamburg.

Eine Programmübersicht kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Den Stand stellte die Leipziger Buchmesse kostenlos zur Verfügung, die Ausstattung wurde unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Für beides herzlichen Dank von allen Beteiligten!


Die Bühne-Verlage unterstützen die Initiative #verlagegegenrechts. Sie wird getragen von mehr als 55 Verlagen und über 130 Einzelpersonen und Institutionen aus der Buchbranche: »Wir nehmen die Präsenz völkischer, nationalistischer und antifeministischer Verlage nicht wort- und tatenlos hin. Und werden wie in den letzten Jahren Protest organisieren, wo immer wir auf sie treffen.« Mehr über die Aktivitäten der Initiative während der Messe auf #verlagegegenrechts.

Mittwoch, 14. März

19:00 Uhr | Vernissage »DAS KAPITAL in Farbe« | Liebknecht-Haus | Braustr. 15

Während der gesamten Messezeit und auch danach bis zu Karl Marx’ Geburtstag am 5. Mai präsentiert der
VSA: Verlag in den Räumen des Liebknecht-Hauses der Leipziger LINKEN die Ausstellung DAS KAPITAL in Farbe. Gezeigt werden Plakate mit Zeichnungen aus dem gleichnamigen JARICOMIC. Vorgefeiert wird der 200. Geburtstag von Marx, dessen Opus Magnum – das Original wurde übrigens vor 150 Jahren in Leipzig im Handsatz gesetzt und auf einer Schnellpresse in einer Auflage von 1.000 Exemplaren gedruckt – nun in Farbe vorliegt. Zur Vernissage am Vormesse-Abend laden herzlich ein: VSA: Verlag Hamburg | DIE LINKE Leipzig
Ort: Liebknecht-Haus, Braustr. 15 | 04107 Leipzig

Donnerstag, 15. März

11:00 Uhr | Malte Meyer, Lieber tot als rot

Gewerkschaften und Militär in Deutschland seit 1914.
Deutsche Gewerkschaften: Teil der Friedensbewegung oder »Organe des imperialistischen Staates«, wie radikale Linke schon während des Ersten Weltkriegs meinten? Der Frage nach dem Verhältnis von Gewerkschaften und Militär geht das Buch anhand wichtiger historischer Stationen auf den Grund. Außerdem untersucht es die gewerkschaftliche Alltagspraxis in Rüstungskonzernen wie Repressionsapparaten und beschäftigt sich mit Gewerkschaftsstatements zur Remilitarisierung deutscher Außenpolitik seit 1990.
Edition Assemblage

11:30 Uhr | Gunnar Schedel, Linke Kinderbücher?

Wodurch unterscheiden sie sich von anderen?
Seit drei Jahren erscheinen im Alibri Verlag regelmäßig Kinderbücher, vor allem Übersetzungen aus Partnerverlagen wie Takatuka (Barcelona). Aber was genau ist ein »linkes« Kinderbuch? Welche Themen sollte es aufgreifen, welche Geschichten erzählen? Wodurch unterscheidet es sich von pädagogisch anspruchsvollen Werken unabhängiger Kinderbuchverlage? Verleger Gunnar Schedel stellt einige der bislang erschienenen Alibri-Kinderbücher vor und stellt die Idee des »linken« Kinderbuchs zur Diskussion.
Alibri Verlag

12:00 Uhr | Wolf-Dieter Mechler und Gerd Weiberg, Ansichten der Revolte

Hannover 1967-1969.
Die Geschichte der Außerparlamentarischen Opposition (APO) von der Großen Koalition 1966 bis zur Auflösung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) stehen exemplarisch von der Erschießung Benno Ohnesorgs im Juni 1967 und der Beerdigung in Hannover, über die Osterunruhen nach dem Attentat auf Rudi Dutschke bis zur »Rote Punkt Aktion« in Hannover 1969 im Zentrum des Buches, das zu einer Ausstellung in Hannover als Begleitinformation mit zahlreichen Essays über Persönlichkeiten wie Peter von Oertzen, Hans Mayer und Beter Brückner  eine kritische Reflexion zu 50 Jahre nach 1968 liefern will.
Offizin Verlag

12:30 Uhr | René Arnsburg, Maschinen ohne Menschen?

Industrie 4.0: Von Schein-Revolutionen und der Krise des Kapitalismus.
Aus der täglichen Diskussion und tausenden von Berichten, Artikeln und Studien sind sie nicht mehr wegzudenken: Begriffe wie Industrie 4.0, Digitalisierung, Internet der Dinge, Smart Home. Vor allem in Deutschland gelang es der Regierung und Unternehmensverbänden, sie zu prägen und gezielt in jedem Lebensbereich zu platzieren. Hochglanzprospekte vieler Firmen versprechen uns nun die digitale Revolution, mit der sich unser Leben von Grund auf verbessert: Alles ist vernetzt und auf jeden noch so individuellen Kundenwunsch kann angeblich mit der automatisierten Produktion eingegangen werden. Dieses Buch ist ein Diskussionsbeitrag aus marxistischer Sicht und ein Aufruf an alle, sich nicht blenden zu lassen und mutig zur Veränderung der Gesellschaft zu schreiten, damit der technische Fortschritt der Mehrheit der Menschen zu Gute kommt.
Manifest Verlag, Berlin

13:00 Uhr | Stefan Kalmring und Andreas Nowak, In Hörweite von Stuart Hall

Gesellschaftskritik ohne Gewähr.
Stuart Hall, Mitbegründer der Cultural Studies, setzte unverzichtbare Impulse dafür, einen Marxismus »ohne Gewähr« weiterzuentwickeln: eine Perspektive, die sich anderen Ansätzen nicht verschließt, sondern sie an ihren starken Punkten integriert, um sich selbst zu verändern und lernfähig zu bleiben. Der »Hörweite«-Band zeigt die Fruchtbarkeit seiner Forschungen und Interventionen etwa in den Bereichen Kulturanalyse, postkoloniale Kritik, Ideologie-, Rassismus- und Medientheorie.
Argument Verlag mit Ariadne

13:30 Uhr | Eberhard Schultz, Feindbild Islam und institutioneller Rassismus

Der autoritäre Hochsicherheitsstaat im permanenten Ausnahmezustand.
Eberhard Schultz stellt unter Rückgriff auf seine Erfahrungen als Menschenrechtsanwalt die bedrückende historische Kontinuität und neue Dimensionen eines systematischen Abbaus demokratischer Rechte seit den Anschlägen am 11. September 2001 in New York dar. Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Terrorismus hat sich eine besondere Form des Rassismus immer deutlicher auch in den Institutionen festgesetzt. Die kritische Falldokumentation macht deutlich: Eine wesentliche Rolle spielt dieser »institutionelle Rassismus« in der heute vorherrschenden Form antimuslimischer Ressentiments, die in der politischen Klasse, in der Mitte der Gesellschaft, bei selbsternannten Eliten und am rechten Rand wuchern. Brandanschläge, Todesdrohungen und Gewalttaten sind nur die sichtbaren Zeichen einer gefährlichen Entwicklung unserer Demokratie. Nur eine bessere Aufklärung über wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale rechtliche Standards, verstärktes Engagement und die Vernetzung antirassistischer Kräfte können verhindern, dass Rassismus sich in offener ­Gewalt entlädt.
VSA: Verlag Hamburg

14:00 Uhr | Michael Buckmiller, Karl Korschs »Karl Marx«

Zur Gesamtausgabe von Karl Korsch.
Karl Korsch (1886-1961), einer der bedeutendsten Vertreter des »westlichen Marxismus«, kommunistischer Politiker, Vorkämpfer des Anti-Stalinismus der 20er Jahre, marxistischer Lehrer von Bert Brecht, beeinflußte durch seine Schriften wie »Was ist Sozialisierung?«, »Arbeitsrecht für Betriebsräte« , »Marxismus und Philosophie«, seine Kritik der Kautskyschen »Materialistischen Geschichtsauffassung« und seine Monographie »Karl Marx« Generationen von kritischen Marxisten. Der Offizin Verlag gibt in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Institut für Sozialgeschichte die historisch-kritische Gesamtausgabe heraus. Michael Buckmiller stellt die erweiterte Neuauflage von Korschs »Karl Marx« vor.
Offizin Verlag

14:30 Uhr | Else Laudan liest aus Liza Cody: »Krokodile und edle Ziele«

Mit Biss über die Gegenwart schreiben.
Lady Bag, gerade aus dem Knast entlassen, kann nicht tatenlos zusehen, wie ein Freund von einem Krokodil zur Strecke gebracht und ein Kind geopfert wird ... Auf der Fährte des ganz normalen Wahnsinns von heute taumelt die angeschlagene Trinkerin delirant durch London und ringt um die Kraft, ausnahmsweise mal das Richtige zu tun. Ohnmacht, Ausgrenzung, scharfes Hinsehen und Gelächter – Liza Cody bringt es furios zusammen, wie Verlegerin und Übersetzerin Else Laudan vorführt.
Argument Verlag mit Ariadne

15:00 Uhr | Tupoka Ogette, exit Racism

Wie sich der eigene Rassismus überwinden und eine rassismuskritische Perspektive entwickeln lässt.
Obwohl Rassismus in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft wirkt, ist es nicht leicht, über ihn zu sprechen. Keiner möchte rassistisch sein, und viele Menschen scheuen sich vor dem Begriff. Das Buch begleitet die Leser*innen bei ihrer mitunter ersten Auseinandersetzung mit Rassismus und tut dies ohne erhobenen Zeigefinger. Vielmehr werden die Leser*innen auf eine rassismuskritische Reise mitgenommen, in deren Verlauf sie nicht nur konkretes Wissen über die Geschichte des Rassismus und dessen Wirkungsweisen erhalten, sondern auch Unterstützung in der emotionalen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Unrast Verlag

15:30 Uhr | Yori Gagarim, Off-the-Rocket

(Queer) Pin-ups and other suspects.
OFF-THE-ROKKET ist ein (queeres) Pin-up-Projekt von Yori Gagarim, das ca. 10 mal jährlich eine Auswahl an expliziten Zeichnungen (meist fast nackter) unterschiedlicher Körper veröffentlicht. Angeregt wurde es durch »das feministische Magazin Österreichs«, den An.schlägen, in denen die Pin-ups als feste Kolumne regelmäßig abgedruckt werden. Dieses Buch zeigt nun nicht nur viele der bereits bekannten, sondern auch eine Anzahl an exklusiv gezeichneten Portraits, die die Herzen höher schlagen lassen. Nach dem ersten Buch von Yori Gagarim »Let them talk! What genitals have to say about gender«, in welchem ausschließlich Genitalien porträtiert und interviewt wurden, ist dieses Buch »OFF-THE-ROKKET (Queer) Pin-ups and other suspects« die einzig logische Nachfolge, indem es eine Vielzahl von unterschiedlichen Körpern zeigt, aber keine Genitalien.
Edition Assemblage

16:00 Uhr | Alexander Häusler, Neue soziale Bewegung von rechts?

Wie kommt es zum Aufstieg der rechten »Mut«-Bürger?
Die AfD erreicht mit sozialpopulistischen und rassistischen Parolen zunehmend prekarisierte Wählermilieus und bindet enttäuschte Nichtwähler*innen und ehemalige Wählermilieus der LINKEN und der SPD an sich. Sie betreibt einen rechten Kulturkampf, der einhergeht mit einer Normalisierung von völkisch-nationalistischem Gedankengut. Die AfD ist dabei in erster Linie bloßer Profiteur der Krise politischer Repräsentation. Ihr Spiel mit Ängsten und Ressentiments ist deshalb wirkungsvoll, weil es Halt, Zugehörigkeit und emotionale Auffangbecken für angestaute Wut über unverstandene abstrakte Herrschafts- und Konkurrenzverhältnisse vermittelt. Deshalb reicht es von linker Seite auch nicht aus, sich mit bloßen Gegenprotesten an den AfD-Provokationen abzuarbeiten. Alexander Häusler geht auch den Verästelungen des rechtspopulistischen Mediennetzwerks und dessen Unterstützerschaft nach. Die Herausforderung stellt sich in der Formulierung allgemeinverständlicher emanzipatorischer Angebote, um der Saat des Ressentiments und des Hasses den Boden zu entziehen.
VSA: Verlag Hamburg

16:30 Uhr | Allmendinger/Fährmann/Tietze, Von Biedermännern und Brandstiftern

Rechtspopulismus in Betrieb und Gesellschaft.
Die Rechtspopulisten der AfD sind im September 2017 mit 12,6% in den Deutschen Bundestag eingezogen. Auch Gewerkschaftsmitglieder gehörten zu ihren Wähler*innen. Grund genug, Ursachen zu diskutieren und Strategien zu entwickeln, mit denen in Betrieb und Gesellschaft klare Kante gegen Demokratiefeindlichkeit gezeigt werden kann. Warum wirkt der Rechtspopulismus bei Arbeitnehmer*innen? Viele Menschen fühlen sich von der herrschenden politischen Klasse nicht mehr vertreten. Durch die fortschreitende Prekarisierung werden immer mehr Kolleg*innen vom regulären Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Auch die Entwicklung in Richtung einer digitalen Gesellschaft (Industrie 4.0) schürt Abstiegsängste. Gewerkschaften müssen diese Sorgen aufgreifen und zugleich ihre Kernthemen vorantreiben: betriebliche Mitbestimmung, Teilhabe und Anerkennung, gute Arbeit mit gerechten Löhnen und eine Rente, die zum Leben reicht. Es geht aber auch um die Verteidigung gewerkschaftlicher Grundwerte wie Solidarität, kulturelle Vielfalt und Chancengleichheit. Darüber sprechen die drei Herausgeber*innen Björn Allmendinger, Joachim Fährmann und Klaudia Tietze.
VSA: Verlag Hamburg

17:00 Uhr | Torge Löding, Ricardo Ramírez’ Der Kreis

Fotoband zeigt Migranten auf dem Weg in die USA.
Der aus Guatemala stammende Fotograf Ricardo Ramírez hat zentralamerikanische Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko in die USA begleitet. Eindrückliche Schwarz-Weiß-Fotografien geben Zeugnis von dem Mut und der Verzweiflung dieser Schicksalsgemeinschaft, zeigen die Allgegenwärtigkeit von Armut und Gewalt. Um internationale Zusammenhänge und Strukturen des Phänomens Migration aufzuzeigen, ist mithilfe der Rosa-Luxemburg-Stiftung die spanische Originalausgabe nun auch in Deutschland veröffentlicht worden. Der Band wir vorgestellt von Torge Löding.
Rosa-Luxemburg-Stiftung

Freitag, 16. März

11:30 Uhr | Jörn Schütrumpf, Paul Levi: »Geistig frei und niemandes Knecht«

Zwischen Spartakus und Sozialdemokratie.
Jörn Schütrumpf präsentiert den neuen Band mit Schriften, Reden und Briefen von Paul Levi. Paul Levi war Mitglied der SPD, dann Vorsitzender der KPD, später in der USPD, und schließlich wieder in der SPD. Nach der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Anfang 1919 war die Führung der kurz zuvor gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an Paul Levi gefallen. Der suchte zwar im Geiste Rosa Luxemburgs eine revolutionäre Realpolitik durchzusetzen, geriet jedoch ständig in Konflikt mit jenen Kräften in der Partei, die durch radikale Phrasen den Mühen der Politik zu entgehen suchten.
Dietz Berlin

12:00 Uhr | Michael Buckmiller: Die Abendroth-Werkausgabe

»Partisanenprofessor im Land der Mitläufer«.
Wolfgang Abendroth (1906-1985) war einer der bedeutendsten marxistischen Theoretiker und politische Publizist und beeinflußte maßgeblich die Entwicklung der unabhängigen Linken und der 68er Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Schüler Jürgen Habermas nannte ihn den »Partisanenprofessor im Land der Mitläufer«. Der Offizin Verlag gibt eine Werkausgabe heraus und der Herausgeber Michael Buckmiller stellt die Ausgabe vor.
Offizin Verlag

12:30 Uhr | Dick Boer, Theopolitische Existenz – von gestern, für heute

»Theologie ohne Politik ist leer, Politik ohne Theologie undenkbar.«.
Dick Boer besteht auf eine theopolitische Existenz. Sein Buch sucht Theologie und Marxismus zusammenzudenken, Kirche und Partei, Bibel und Literatur. Es archiviert und verlebendigt Hoffnungen und Erzählung (Brecht, Müller, Seghers, Braun), ein Geschichtsbuch der Kategorie Das Gedächtnis des Marxismus und seine Erneuerung. Der rote Faden ist die bleibende Aktualität des kategorischen Imperativs, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.
Argument Verlag mit Ariadne

13:00 Uhr | Ines Schwerdtner, DAS ARGUMENT

Eine Werkstatt-Veranstaltung.
2018 befindet sich DAS ARGUMENT, Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, bereits im 60. Jahrgang. Mit der Werkstatt-Veranstaltung gewährt Argument-Koordinatorin Ines Schwerdtner einen Einblick in die Arbeit und Themen der Zeitschrift, die 1959 von Wolfgang Fritz Haug zusammen mit Studierenden ins Leben gerufen wurde. Aus Heft 323 »Krise des Politischen (I)« stellt sie die Thesen zur Krise des Politischen (W.F. Haug) und zum autoritären Protest im digitalen Kapitalismus (Tilman Reitz) zur Diskussion.
Argument Verlag mit Ariadne

13:30 Uhr | Ann Wiesenthal, Antisexistische Awareness

Achtsamkeit und Intervention im Umgang mit Sexismus.
Awareness meint nicht nur Achtsamkeit im Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt und sexistischer Diskriminierung, sondern auch ein Bewusstsein für die herrschenden gesellschaftlichen Machtverhältnisse, in denen Sexismus und sexualisierte Gewalt keine individuellen Einzelfälle sind. Das Handbuch »Antisexistische Awareness« richtet sich sowohl an Betroffene als auch an Unterstützer*innen. Es enthält praktische Tipps aus zehn Jahren antisexistischer Unterstützungsarbeit und ermutigt zur Bildung von »Awareness-Gruppen«, die auf Partys, Festivals, politischen Camps, Konferenzen und dergleichen Angebote der Prävention und der Unterstützung im Umgang mit Sexismus machen.
Unrast Verlag

14:00 Uhr | Johanna Treblin, Ist das noch Haltung oder schon Aktivismus?

Aktivistischer Journalismus oder journalistischer Aktivismus?
Die Diskussion um die nachträglich entzogene Akkreditierung von 32 Journalisten beim G20-Gipfel hat eine alte Frage wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: Dürfen Journalisten auch Aktivisten sein? Wo lässt sich, wo sollte eine Grenze gezogen werden? Die Berlin-Redakteurin Johanna Treblin spricht mit einem Gast über Neutralität und Objektivität in einem hochpolitischen Gewerbe.
neues deutschland

14:30 Uhr | Hajo Funke, Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz

Staatsaffäre NSU, V-Mann-Desaster & was daraus gelernt werden muss.
Der Mord an Generalbundesanwalt Siegfried ­Buback im April 1977, das Oktoberfestattentat 1980, die Mordserie des NSU, das Attentat von Anis Amri am 19. Dezember 2016. What’s next? Die Kette an Vertuschungen, Blockaden, Schwärzungen und bewussten Vernichtungsaktionen von zentralem Archivmaterial macht den NSU-Fall zu einem politischen Skandal des Verfassungsschutzsystems in der Bundesrepublik. Klar ist: Der NSU konnte auf ein Netzwerk an Unterstützern zurückgreifen; der Verfassungsschutz war den rechten Mördern durch V-Männer zum Greifen nah, ohne das Nötige getan zu haben. An der Aufklärung hapert es seit langem, denn der NSU-Skandal ist kein Einzelfall: Verstrickungen samt beteiligten Verfassungsschützern gibt es seit über 50 Jahren, ohne dass es bis heute zu einer Reform an Haupt und Gliedern gekommen wäre. Weder ist der Mord an Siegfried Buback 1977, das Oktoberfestattentat 1980 noch das Totalversagen der Sicherheitsbehörden im Fall Anis Amri 2016 aufgeklärt.
VSA: Verlag Hamburg

15:00 Uhr | Ralf Ruckus, Lu Zhang: »Arbeitskämpfe in Chinas Autofabriken«

Der Herausgeber berichtet über Arbeitsbedingungen und kollektives Handeln der AutomobilarbeiterInnen in China.
In ihrem Buch erkundet Zhang Lu die Arbeitsbedingungen, die Subjektivität und das kollektive Handeln der AutomobilarbeiterInnen im Land der weltweit größten und am schnellsten expandierenden Automobilindustrie. Das Buch kombiniert neue empirische Befunde mit nuancierten Analysen der Produktionsstätten, der chinesischen Industriepolitik und der globalen Entwicklung der Automobilindustrie. So entsteht ein vielschichtiger Analyserahmen, der auch abschätzen lässt, wie sich die Arbeitsverhältnisse in der chinesischen Automobilindustrie in ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext weiter entwickeln werden.
Mandelbaum Verlag

15:30 Uhr | Jana Seppelt u.a., Der Aufstand der Töchter

Gemeinsam staatlich organisierte prekäre Beschäftigung überwinden!
Was tun, wenn sich eine öffentliche Einrichtung mit Tariflöhnen zu einer bösen Stieftochter mit Dumpinglöhnen verwandelt? Was tun, wenn bisher betriebsinterne Tätigkeiten über Werkverträge fremd vergeben werden? Was tun, wenn der Ton härter wird und die Angstmache zunimmt? Was tun, wenn der Lohn nur noch die Hälfte des Lohns des direkten Kollegen beträgt und jetzt schon klar ist, dass die Rente nicht zum Leben reicht? Jahrelang haben die Beschäftigten des Botanischen Gartens Berlin, einer 100%igen Tochter der Freien Universität, unter derartigen Zuständen gearbeitet und sich in einer 20monatigen Tarifbewegung den Anschluss an den Flächentarifvertrag zurückerkämpft. Auf dem Weg zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit haben die Aktiven sich gewerkschaftlich organisiert, Bündnisse mit Studierenden, Personalvertretungen, ASten und vielen Berliner Beschäftigten in ähnlicher Situation geschmiedet und gemeinsame Strategien erarbeitet. Sie haben über den Tellerrand geschaut und zusammengehalten.
VSA: Verlag Hamburg

16:00 Uhr | Thomas Kuczynski und Jürgen Bönig, Die neue Textausgabe des »Kapital«

Warum Marx’ Opus magnum in einer neuen Textfassung?
Diese Frage beantwortet der Herausgeber Thomas Kuczynski im Gespräch mit dem Hamburger Historiker Jürgen Bönig. Die Ausgabe basiert auf jenem sorgfältigen Vergleich der zweiten deutschen und der französischen Ausgabe des »Kapital«, den Marx gefordert hat, aber nicht mehr vornehmen konnte. Er war der Auffassung, dass er in der französischen Edition »manches Neue zugesetzt und vieles wesentlich besser dargestellt habe«, dass die Ausgabe daher »selbst von Lesern zu Rate gezogen werden (sollte), die mit der deutschen Sprache vertraut sind«, und er verlangte, »dass der Übersetzer stets sorgfältig die zweite deutsche Auflage mit der französischen vergleicht, da die letztere viele wichtige Änderungen und Ergänzungen enthält«. Der Vorzug der Ausgabe ist ihre Lesefreundlichkeit.
VSA: Verlag Hamburg

16:30 Uhr | M. Ramminger und H. Meves, Das gemeinsame Erbe von Christen und Marx

»Alle Verhältnisse umzuwerfen ... und die Mächtigen vom Thron zu stürzen.«
Ist es nicht gewagt, den kategorischen Imperativ von Marx mit einer Zeile aus dem »Magnificat« des Lukas-Evangeliums zusammenzubringen? Wenn anlässlich des 200. Geburtstages von Marx aus christlicher und theologischer Perspektive auf ein gemeinsames Erbe verwiesen wird, dann gibt es dafür gute Gründe: Gerechtigkeitstraditionen in der Bibel und bei Marx, Analogien zwischen dem Fetischbegriff und der biblischen Götzenkritik. Hinzu kommt die Praxis der religiösen und katholischen Sozialisten, Allianzen von Christ*innen und Marxist*innen in den Befreiungsbewegungen in Lateinamerika, Afrika, Asien und auch Europa. Allen gemeinsam geht es um solidarischen Umgang mit Migra­tio­n, gegen soziale Ungleichheit, Krieg und die Zerstörung des Planeten Erde – und um die Überwindung des Kapitalismus. Michael Ramminger und Helge Meves erinnern daran, dass Karl Marx’ Einsichten wichtige Voraussetzung von praktischer Kritik waren und sind – gerade auch für Christ*innen.
VSA: Verlag Hamburg

17:00 Uhr | 30 JAHRE ARIADNE | Wir feiern am Stand E 413 in Halle 5

Sinnlich, klug, mit kritischem Blick:
30 Jahre politische feministische Kriminalliteratur bei Ariadne.
Bei Rotwein und Kirschsaft wollen wir mit euch in Erinnerungen schwelgen, Pläne schmieden und uns feiern.
Wir verlosen die legendäre Ariadne-Reisetasche!
Argument-Verlag mit Ariadne

17:00 Uhr | Heidrun Aigner und Sarah Kumnig, Stadt für alle!

Theorie und Praxis gesellschaftlicher Ausschlüsse und Teilhabe in Städten aus antirassistischer und queer_feministischer Sicht.
Rassistische Polizeikontrollen, Ausschlüsse beim sozialen Wohnbau, Bettelverbote. In Städten wird ständig verhandelt, wer dazu gehört und wer nicht, wer Zugang zu Ressourcen hat und wer nicht. Dieser Sammelband liefert sowohl theoretische Überlegungen, wie auch konkrete Erfahrungen und Interventionen zum Thema gesellschaftliche Teilhabe sowie Ein- und Ausschlüsse in Städten. Wissenschafter_innen und Aktivist_innen aus antirassistischen und queer_feministischen Zusammenhängen analysieren Grenzpraktiken an verschiedenen Orten des täglichen Lebens (Wohnen, Lohnarbeit, öffentlicher Raum, ...). Sie skizzieren aber auch, wie diese verändert und destabilisiert werden können, um an einer Stadt für Alle (weiter) zu bauen.
Mandelbaum Verlag

Samstag, 17. März

11:00 Uhr | Richard Sorg: Dialektisch denken

Orientierung in einer widersprüchlichen Gegenwart.
Die Dialektik, eine von Anfang an heftig umstrittene Denkweise, hat in ihrer über zweitausendjährigen Geschichte verschiedene Konjunkturen erlebt. Immer wieder wurde sie für tot erklärt, zuletzt nach den 1980er Jahren. Aber so wenig wie die Widersprüche in der Wirklichkeit verschwinden, so wenig ist auch die Auseinandersetzung mit ihnen obsolet. Was unter Dialektik und dialektischem Denken zu verstehen ist, wird durch eine eingehende Lektüre einerseits von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, andererseits von Karl Marx und Friedrich Engels und ihrer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem »Lehrer« untersucht, den sie damals ebenfalls gegen den Zeitgeist dem Vergessen entrissen; sie hatten damit, wie Engels schrieb, die »Dialektik in die materialistische Auffassung der Natur und Geschichte hinübergerettet«. Im Schlussteil des hier vorgestellten Buchs analysiert Richard Sorg einige aktuelle Dialektik-Konzepte (von Hans Heinz Holz, Wolfgang Fritz Haug, Domenico Losurdo und Andreas Arndt), in denen zum Teil an konkreten Gegenständen gezeigt wird, wie dialektisches Denken zur Orientierung in einer widerspruchsvollen Gegenwart beitragen kann.
PapyRossa Verlag

11:30 Uhr | Frank Deppe, Die neuen Bonapartisten

Mit Marx den Aufstieg von Trump & Co verstehen.
Der von Martin Beck und Ingo Stützle herausgegebene Band thematisiert die hektische Suche nach Erklärungen für die Entwicklungen nach dem Brexit, dem Sieg Donald Trumps in den USA und den Wahlerfolgen rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in Deutschland, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Dabei wurde und wird auch immer wieder auf den »18. Brumaire« von Karl Marx rekurriert. Doch wie weit trägt das Bonapartismus-Konzept, um die Wiederkehr von Autoritarismus und Nationalismus zu verstehen? Unter anderem dieser Frage geht der emeritierte Marburger Politikwissenschaftler Frank Deppe nach.
Dietz Berlin

12:00 Uhr | Dagmar Scharsich, Die gefrorene Charlotte

Berlin 1989.
Die letzten Wochen der DDR. Die stille Cora bekommt zum 30. Geburtstag sechs Gefrorene Charlotten, zarte Porzellanwesen aus Tantes kostbarer Puppensammlung. Dann plötzlich droht Pfändung, Cora trifft einen Antiquitätenexperten – ein Mord geschieht! Zugleich spitzt sich ringsum die Atmosphäre zu: In Berlin wächst der politische Unmut, bürokratischer Stellungskrieg und Verdächtigungen blühen. Zwischen Bespitzelung und ersten Fluchtwellen gibt es Tote, und Cora Ost steht plötzlich allein da. Wem kann sie jetzt noch trauen?
Argument Verlag mit Ariadne

12:30 Uhr | Stefan Bollinger, Lenin

Theoretiker, Stratege, marxistischer Realpolitiker.
Angefeindet, bekämpft, verteufelt und schließlich angeschossen wurde der Revolutionär, Theoretiker und Realpolitiker Lenin, der es 1917 unternahm, einen völkermörderischen Krieg zu beenden und eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Er hasste den Krieg, Kriegstreiber und »linke« Helfershelfer des Krieges. Er wollte den Bruch mit Zarismus, Kapitalismus und der Herrschaft von Adel wie Bourgeoisie. Das erreichte er in Russland, von der Linken im Westen im Stich gelassen. Unter seiner Führung waren ein unverschuldeter Bürgerkrieg und die Intervention ausländischer Mächte, der Wiederaufbau eines zutiefst rückständigen, armen, zerstörten Landes zu meistern. Unter schier aussichtslosen Umständen suchte und fand er Lösungen und öffnete den Weg in eine neue Zivilisation. Unter seinen Nachfolgern ging diese Chance verloren. Umso mehr sind seine Denkweise und sein politisches Handeln zu rekonstruieren, um zu überprüfen, was davon auch heute noch für eine grundlegende gesellschaftliche Umgestaltung, für den Kampf gegen Krieg und die Sicherung des Friedens nützlich sein könnte.
PapyRossa Verlag

13:00 Uhr | Klaus Müller, Lohnarbeit und Arbeitslohn

Theoretische und praktische Fragen.
Der Lohn berührt neben der Arbeitszeit das Leben der Arbeiter und ihr Verhältnis zum Kapitalisten am stärksten. Angesichts großer Unterschiede zwischen West und Ost, zwischen Männern und Frauen, Stamm- und Leiharbeitern, zwischen Deutschen, nationalen Minderheiten und ausländischen Arbeitskräften fragen sich viele, ob die Löhne gerecht sind. Was ist ein gerechter Lohn? In der Geschichte des ökonomischen Denkens sprach man von »standesgemäßen« und »natürlichen« Löhnen oder von Arbeitslöhnen, die das Existenzminimum oder eine hohe Beschäftigung sichern sollten. Andere Fragen drängen sich auf: Was ist das Wesen des Lohnes, was der Inhalt seiner vielen Formen: Bruttolohn und Nettolohn, Nominallohn und Reallohn, Tariflohn und Effektivlohn, Relativer Lohn, Zeitlohn, Stücklohn, Prämienlohn? Auf welche Bestimmungsgründe sind die Löhne, deren Unterschiede und Veränderungen zurückzuführen? Wie werden die Löhne festgelegt? Wie wirken sich Änderungen des Lohnes auf die Verteilung des Volkseinkommens aus? Was hat ihre Höhe mit der Produktivität zu tun? Wie beeinflussen Lohnänderungen das Preisniveau? Welcher Zusammenhang besteht zwischen ihnen und der Arbeitslosigkeit?
PapyRossa Verlag

13:30 Uhr | Sabine Volk, Humane Revolte wider die Selbstaufgabe des Menschen

Jean Amérys engagierte Essayistik als Initial für eine Kritische Denkpraxis nach Auschwitz.
Amérys Auseinandersetzung mit Sartre, Adorno, Habermas, sein Konzept einer Kritischen Denkpraxis und sein Entwurf einer Utopie, die fühlende, reflektierende, gestaltende Menschen zum Handeln aufruft: Sabine Volk zeigt Jean Améry als marxistischen Denker und arbeitet seinen Begriff des Engagements heraus.
Argument Verlag mit Ariadne

14:00 Uhr | Frank Deppe, 1917 | 2017

Revolution & Gegenrevolution.
Frank Deppe stellt die Oktoberrevolution in den Zusammenhang des langen Revolutionszyklus, der mit der Französischen Revolution im Jahr 1789 eröffnet wurde und mit dem Sieg der Bolschewiki 1917 (schließlich auch mit der chinesischen Revolution) immer wieder die Frage nach der Bedeutung der »Großen Revolutionen« bzw. der »Leitrevolutionen« für die Entwicklung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft aufgeworfen hat. Der Zyklus des Aufstiegs und Niedergangs der Sowjetunion wird im Kontext der großen weltpolitischen und weltgeschichtlichen Widerspruchskonstella­tio­nen des 20. Jahrhunderts untersucht. Was Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute heißen kann, auch darüber wird Frank Deppe sprechen.
VSA: Verlag Hamburg

14:30 Uhr | Lucy Redler und René Arnsburg, Die Linke international

Lehren aus dem Kampf für den Aufbau neuer linker Parteien auf drei Kontinenten.
In diesem Sammelband sind die Erfahrungen jahrelanger beharrlicher Arbeit aus 14 Ländern zusammengetragen. Lucy Redler und René Arnsburg geben Texte aus den oben genannten Staaten plus Italien, dem spanischen Staat, Portugal, Griechenland, Großbritannien, Polen, Schweden, Belgien, Irland und Frankreich heraus. Dazu zieht Lucy Redler Bilanz über die Gründung der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und deren Fusion mit der damaligen PDS sowie über zehn Jahre DIE LINKE. Das Buch wirft vor allem einen Blick auf die Entwicklungen seit der Weltwirtschaftskrise. Aber in allen Texten wird deutlich, dass die Rückschläge und Durchbrüche beim Aufbau neuer Arbeiter*innenorganisationen keiner zeitweilige Laune entsprechen, sondern meist in der Geschichte der Arbeiter*innenklasse verwurzelt sind. Doch das Buch ist mitnichten pessimistisch, sondern die Beitragenden zeigen in schwierigen Zeiten eine Perspektive auf, wie der Kampf gegen den Kapitalismus Erfolg haben kann – wenn die Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.
Manifest Verlag

15:00 Uhr | A. v.d. Behrens, A. Luczak und A. Hoffmann, Kein Schlusswort

Die Plädoyers im NSU-Prozess.
Der Prozess um die Morde von Angehörigen und Unterstützer*innen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) am Münchener Oberlandesgericht dauert mittlerweile über 400 Verhandlungstage. Im November 2017 begann mit den Plädoyers der über 90 Nebenkläger*innen und ihrer Anwält*innen auch eine Abrechnung mit dem gebrochenen Aufklärungsversprechen der Bundeskanzlerin. Denn die bohrenden Fragen der Betroffenen blieben bislang unbeantwortet: Wie erfolgte die Auswahl der Opfer? Wie groß war das an den Morden und Anschlägen beteiligte Unterstützernetzwerk? Was wussten die Sicherheitsbehörden – insbesondere der Verfassungsschutz – und warum wurde seitens des Staates nicht eingegriffen? Wie konnte der NSU überhaupt entstehen? Diesen und anderen Fragen gehen Antonia von der Behrens, Anna Luczak und Alexander Hoffmann im Gespräch mit der Journalistin Heike Kleffner nach. Sie berichten über ein Buch, in dem die Plädoyers von vier vom NSU-Terror Betroffenen und acht Nebenklagevertreter*innen im NSU-Prozess veröffentlicht sind.
VSA: Verlag Hamburg

15:30 Uhr | Andrea Komlosy, Thema Arbeitsmarkt: »No border« versus »Grenzen zu«

Die Wirtschafts- und Sozialhistorikerin setzt sich mit dem Gebrauch der Grenze auseinander.
Hinter den Slogans »No border« und »Grenzen zu« verbergen sich handfeste, auch wirtschaftliche Interessen. Von Unternehmerseite wird die Deregulierung des Arbeitsmarktes begrüßt; die neue Mittelschicht freut sich über die Multikulturalisierung der Gastronomie und die kostengünstige Verfügbarkeit häuslicher Dienste; die alte Arbeiterklasse, die von der Konkurrenz am Arbeitsmarkt bedroht ist, hofft, dass höhere Grenzzäune die Unerwünschten abhalten. Ob fremdenfeindlich oder fremdenfreundlich, beide Lager weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie instrumentalisieren die Grenze in Hinblick darauf, wie sie – durch Befestigung oder durch Abbau – dem Wohlergehen der eigenen Gruppe in der Gesellschaft bzw. der jeweiligen Vision davon nutzt.
Promedia Verlag

16:00 Uhr | Sebastian Kalicha, Gewaltfreier Anarchismus

Theorie, Personen und praktischer Einfluss einer revolutionären Bewegung.
In der facettenreichen Welt des Anarchismus spielt seit jeher der gewaltfreie Anarchismus und anarchistische Pazifismus eine Rolle. Was zeichnet diese Strömung aus? Was sind ihre theoretischen Grundlagen? Welche Persönlichkeiten haben sie geprägt? Welchen ein Einfluss hatte diese Strömung auf emanzipatorische Protestbewegungen weltweit und welche Erfolge kann sie vorweisen? Es wird ein weiter Bogen gespannt von der Theorie zur Praxis, von der Geschichte zur Gegenwart.
Verlag Graswurzelrevolution

16:30 Uhr | Kathrin Glösel & Hanna Lichtenberger, Unbeugsam & Unbequem

Über die vielfältigen Praxen gegen Hass, Abwertung und Hetze durch extreme Rechte.
Im Zentrum steht die Frage, wie widerständige Strategien entwickelt und der modernisierten extremen Rechten praktisch entgegengetreten werden kann. Die Diskussionen liefern dabei weder abschließende noch allgemeingültige Strategien, die von Leser*innen und Gesprächspartner*innen lediglich angewendet werden müssten. Vielmehr spiegelt der Band in den ausgewählten Politik-Bereichen die ergebnisoffenen und teils kontroversen Debatten über ein wirksames Vorgehen gegen die modernisierte extreme Rechte wider und führt so auch zu neuen, gemeinsamen Überlegungen.
Unrast Verlag

17:00 Uhr | FaulanzA, Support your sisters not your cisters

Über Diskriminierung von trans*Weiblichkeiten.
Die Musikerin »FaulenzA« beschreibt aus ihren persönlichen Erfahrungen die Diskriminierung gegen trans*Frauen und gibt Anregungen für mehr Sensibilität und Support: Sie erklärt Trans*misogynie als ein Zusammenwirken von Feminitätsfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Klassismus und Ableismus und richtet ihren Schwerpunkt darauf, wie sie dies auch in der feministischen und queeren Szene zu spüren bekommt. Trans*Frauen wird hier oft mit Skepsis, Ablehnung und Unbehagen begegnet. Sie stehen unter dem Druck zu beweisen, dass sie keine Cis-Männer sind, werden oft nicht als selbstverständlicher Teil feministischer Bewegung akzeptiert und ihre Perspektiven nicht gesehen. Manche Frauenräume/FLT*I*-Räume schließen ganz offen trans*Frauen aus, in anderen erfahren sie Ausschlüsse auf subtilere Weise.
Edition Assemblage

Sonntag, 18. März

11:00 Uhr | Christine Lehmann, Knast – ein Krimi?

Gefängnis in Realität und Fiktion.
Christine Lehmann ist seit zwei Jahren Gefängnisbeirätin für die Justizvollzugsanstalt Stuttgart (Stammheim) und trifft jeden Monat Untersuchungsgefangene mit ihren ganz speziellen Problemen. In ihrem Kriminalroman »Die Affen von Cannstatt« hat sie die Untersuchungshaft einer Unschuldigen im Frauengefängnis Schwäbisch Gmünd literarisch zum Thema gemacht. Auf der BÜHNE verbindet Christine Lehmann ihre Erfahrungen als Gefängnisbeirätin mit Textpassagen aus »Die Affen von Cannstatt« und gewährt einen kritischen Blick in das deutsche Justizsystem.
Argument Verlag mit Ariadne

11:30 Uhr | Glenn Jäger, In den Sand gesetzt: Katar, die FIFA & die WM 2022

Die politische Rolle des Emirats, Hintergründe der »gekauften WM« und wie die FIFA zu bändigen ist.
Noch immer gilt die Vergabe der WM 2022 an Katar als Mysterium. Dabei erschien der Zuschlag gerade westeuropäischen Unternehmen derart lukrativ, dass man früh darauf drängte, ins Geschäft zu kommen – Hitze hin, Fußballzwerg her. Es winkten Großaufträge, und das bei profitablen Arbeitsbedingungen. Laut dem einstigen FIFA-Präsidenten Blatter empfahlen auch Regierungschefs, aus wirtschaftlichen Interessen für Katar zu stimmen. Ihrerseits pflegte die aufsteigende Golfmonarchie dank Großinvestitionen beste Kontakte zu Lichtgestalten aus Fußball, Wirtschaft und Politik. Zudem griff man zu bewährten Mitteln der Korruption, Sonderkonditionen beim Erdgas inklusive. Selbst FIFA-Kreise sprachen von einer »gekauften WM«. Was die Verheißung trübt, mit dem Fußballfest in einer krisengeschüttelten Region »die Kulturen verbinden« zu wollen: Der Vorwurf, auf diversen Kriegsschauplätzen Dschihadisten unterstützt zu haben. Das Buch schließt mit Vorschlägen, wie die FIFA an die Leine zu nehmen ist - im Sinne friedenspolitischer und demokratischer Kontrolle sowie eines universellen Spiels jenseits ungehemmter Vermarktungsinteressen.
PapyRossa Verlag

12:00 Uhr | Rainer Bobsin, 20 Jahre Private Equity

Finanzinvestoren in der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme.
Anlässlich des zweifelhaften Jubiläums »20 Jahre Private Equity in der Gesundheitsversorgung in Deutschland« nimmt der Autor eine betont sachliche Bestandsaufnahme vor – gerade weil es zahlreiche Gründe gibt sich aufzuregen. Seit der Übernahme des Pflegeheimbetreibers Casa Reha 1998 durch die Equity Capital Management GmbH wurden immer mehr Einrichtungen übernommen – verstärkt in den letzten drei bis vier Jahren mit einem vorläufigen Höhepunkt 2017. Rainer Bobsin arbeitet seit vielen Jahren für den ver.di Infodienst Krankenhäuser.
Offizin Verlag

12:30 Uhr | War Resisters’ International, Handbuch für gewaltfreie Kampagnen

Eine soziale Umwälzung passiert nicht einfach so.
Sie ist das Ergebnis langjähriger Arbeit engagierter AktivistInnen. Aktionen für soziale Gerechtigkeit gut vorzubereiten ist der Schlüssel zum Erfolg. Dieses Handbuch führt Erfahrungen von gewaltfreien Kampagnen in verschiedenen sozialen Zusammenhängen und unterschiedlichen Ländern der Welt zusammen. Die antimilitaristische Internationale War Resisters’ International hat es gleichzeitig in zehn Sprachen veröffentlicht. Auch wenn es nicht das eine garantiert wirksame Rezept für den Erfolg gewaltfreier Aktionen und Kampagnen gibt, bietet dieses Handbuch viele hilfreiche praktische Hinweise. AktivistInnen können sie nutzen, um ihre eigene Kampagne aufzubauen.
Verlag Graswurzelrevolution

13:00 Uhr | Timo Büchner, »Weltbürgertum statt Vaterland«

Antisemitismus im RechtsRock.
RechtsRock ist die »Einstiegsdroge Nr. 1« in die Neonazi-Szene, die Inhalte extrem rechter Musik begeistern vor allem junge Menschen. Die Feindbilder sind in den Liedtexten facettenreich. Dabei stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt Antisemitismus? Eines steht fest: Die »jüdische Weltverschwörung« kann die Machtverhältnisse in Politik, Wirtschaft und Medien auf eine einfache Weise scheinbar erklären. Timo Büchner zeigt anhand einer Vielzahl erschreckender Liedtexte, wie antisemitische Bilder und Stereotype in den Liedtexten verschlüsselt werden.
Edition Assemblage

13:30 Uhr | Philippe Kellermann, Anarchismus und Russische Revolution

Die anarchistische Bewegung während der russischen Revolution.
Aus den Reihen des organisierten Anarchismus kam frühzeitig eine Kritik an der Politik des Bolschewismus und am Niedergang der Russischen Revolution. Gleichzeitig faszinierte die Revolution auch etliche Anarchisten, die sich im Zuge dessen dem Staatskommunismus zuwendeten. Über die Bedeutung der Oktoberrevolution für die Anarchisten in Russland und in verschiedenen Ländern berichtet Philippe Kellermann und eröffnet mit dem von ihm herausgegebenen Band nicht nur einen neuen Blick auf die Russische Revolution, sondern auch auf den historischen Kontext ihrer Rezeption außerhalb Russlands wie auf die internationale anarchistische Bewegung jener Zeit.
Dietz Berlin

14:00 Uhr | Wolfgang Hübner, Eine sozialistische Tageszeitung im Kapitalismus?

Linker Journalismus im kapitalistischen Alltag.
Was tun, wenn Opel keine Anzeigen schaltet? Wolfgang Hübner, Chefredakteur des »neuen deutschland« spricht mit einem Branchenkollegen über das Zeitungsmachen aus politischer Überzeugung, Berichterstattung und Themensetzung für den Alltag politischer Parteien und Bewegungen und den Erhalt und Ausbau einer linken Gegenöffentlichkeit.
neues deutschland

14:30 Uhr | Francis Seeck, Recht auf Trauer

Bestattungen aus machtkritischer Perspektive.
Wer ist betrauerbar? Wer wird erinnert? Die Bestattungspraxis in Deutschland ist von Machtverhältnissen, insbesondere von Klassismus und Heteronormativität, geprägt. Francis Seeck zeigt in diesem Buch den Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen, Ausgrenzung und Beerdigungspraktiken auf. Aber auch die eigene Geschichte der Autor*in hat ihren Platz. So geht es auch um Widerstand auf anonymen Friedhofswiesen, sei es durch Trauergäste, Aktivist*innen, Forscher*innen und Mitarbeiter*innen – ganz im Sinne von »Rest in protest!«.
Edition Assemblage

15:00 Uhr | Karsten Krampitz, Reinhold Lewins Buch zu Luthers Judenbild

Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Reformationszeitalters.
1911 erschien Reinhold Lewins Buch mit dem Untertitel »Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Reformationszeitalters«. Darin setzte sich der spätere Rabbiner mit Luthers wechselnder Haltung zu den Juden auseinander. Die Arbeit war die erste wissenschaftlich fundierte Monographie, welche die prinzipielle Verneinung des Judentum als grundlegendes Element in Luthers Theologie darstellte. Herausgeber Karsten Krampitz stellt den Text als wichtiges Dokument für die Debatte um den Reformator und seine historische Bedeutung vor.
Alibri Verlag


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