Vor 40 Jahren

Aus Anlass des 40jährigen Verlagsjubiläums lassen wir auf der Startseite einmal im Monat einige politische, kulturelle, sportliche Ereignisse aus dem Gründungsjahr 1972 an uns vorbeiziehen. An dieser Stelle sind sämtliche notierten Ereignisse archiviert.

Vor 40 Jahren: Mai 1972

Bei VSA, damals noch per Adresse Hasenheide 63, 1000 Berlin 61 (Kreuzberg), beginnen die Vorbereitungen zu einer zweiten Buchveröffentlichung, mit der die Reihe archiv-drucke gestartet wird. Ein bis dahin in den Marx-Engels-Werken nicht veröffentlichter Text von Karl Marx, »Über F. Lists Buch ›Das nationale System der politischen Ökonomie‹« wird auf einer Composer-Schreibmaschine abgetippt und im Klebeumbruch layoutet. Er wird ergänzt um Friedrich Engels’ »Zweite Elberfelder Rede«. Joachim Bischoff führt in die beiden Texte unter der Überschrift »Wissenschaft und wirkliche Entwicklung der Gesellschaft« ein. Später erscheinen in der Reihe Beiträge von Roman Rosdolsky, Georgi W. Plechanow und zwei frühe Frauenbewegungs-Titel: Edward Avelings und Eleanor Marx-Avelings Text »Die Frauen-Frage« und Fannina W. Halles Buch »Frauenemanzipation. Bericht aus den Anfängen des revolutionären Russland.«

Daneben geht die Entspannungspolitik weiter: Am 17. Mai ratifiziert der Deutsche Bundestag die Ostverträge. Am 26. Mai unterzeichnen Egon Bahr und der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl, in Ost-Berlin den deutsch-deutschen Verkehrsvertrag. Am gleichen Tag unterschreiben US-Präsident Richard Nixon und der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, den ABM-Vertrag, der die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen regelt. Und am 31. Mai ratifiziert der Oberste Sowjet schließlich den im August 1970 in Moskau unterzeichneten Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR.

Im Vietnamkrieg nehmen am 1. Mai Einheiten der nordvietnamesischen Streitkräfte und der südvietnamesischen Vietcong-Guerilla die südvietnamesische Provinzhauptstadt Quang Tri ein und rufen eine Revolutions-Regierung aus. Am 2. Mai trifft Henry A. Kissinger in Paris zu geheimen Gesprächen mit dem nordvietnamesischen Politbüro-Mitglied Lê Duc Tho ein, die allerdings scheitern. US-Präsident Nixon kündigt danach eine Seeblockade und eine Verminung der nordvietnamesischen Häfen an.

Der Mai 1972 in der Bundesrepublik ist vor allem geprägt durch zahlreiche Anschläge der Rote Armee Fraktion. Am 11. Mai verübt sie einen Bombenanschlag auf das im IG-Farben-Haus (Frankfurt/Main) stationierte 5. US-Korps, ein Mensch kommt ums Leben, 13 werden schwer verletzt. Am 12. Mai detonieren in der Polizeidirektion Augsburg zwei Rohrbomben und verletzen sieben Polizisten. Noch am gleichen Tag explodiert vor dem Landeskriminalamt in München eine Autobombe des »Kommandos Thomas Weisbecker«, zehn Menschen werden verwundet. Das Auto von Bundesrichter Wolfgang Buddenberg wird am 15. Mai in die Luft gesprengt. In Hamburg gehen am 19. Mai im Springer-Haus zwei Bomben hoch, wobei 38 Menschen verletzt werden und am 24. Mai gibt es in Heidelberg einen Anschlag auf das Hauptquartier der US-Armee. Die »Tagesschau« und die »Heute«-Sendung strahlen am 25. Mai einen Appell des Bundeskriminalamtes aus, in dem aufgerufen wird, bei der Aufklärung terroristischer Verbrechen zu helfen. Am Ende des Monats startet die Polizei die bislang größte Fahndungsaktion der Bundesrepublik – frühe Vorboten des spätereren »Deutschen Herbstes« 1977.

Außerdem: In West-Berlin betont ÖTV-Chef Heinz Kluncker auf dem Gewerkschaftstag die Unabhängigkeit der Gewerkschaften und stellt heraus, die ÖTV sei kein »Hofjubler einer Regierung«. Im Fernsehen startet die Serie »Raumschiff Enterprise«. In Lindlar im Bergischen Land stellen Polizeibeamte falsche 50-US-Dollar-Noten in Höhe von umgerechnet 32 Mio. DM sicher – der größte »Blüten-Fund« in der deutschen Kriminalgeschichte. Das Verteidigungsministerium gibt den so genannten Haar-Erlass heraus: das Haar von Bundeswehrsoldaten darf künftig weder »Uniform noch Hemdkragen berühren«. Und am 22.5. stirbt Margaret Rutherford im Alter von 80 Jahren, die britische Schauspielerin wurde vor allem durch ihre Rolle als Miss Marple in den Agatha-Christie-Verfilmungen bekannt.

Sport-»Höhepunkte«: Am Tag der Arbeit steigt im Hamburger Volksparkstadion das Abschiedsspiel des Rekord-Nationalspielers Uwe Seeler. Am 5. Mai fällt in Berlin, Hauptstadt der DDR, der Startschuss zur 25. Friedensfahrt. Das traditonelle Etappen-Radrennen mit 102 Fahrern aus 17 Ländern geht am 20. Mai in Warschau mit dem Gesamtsieg des Tschechoslowaken Vlastimil Moravec zu Ende. Den Mannschaftssieg erringt die UdSSR, bester Bergfahrer ist Ryszard Szurkowski aus Polen. Am 27. Mai besiegt in Leipzig die DDR in einem Fußball-Länderspiel die Mannschaft von Uruguay sensationell mit 1:0.

Vor 40 Jahren: April 1972

Die von Willy Brandt in der sozial-liberalen Koalition betriebene Ostpolitik, über die Egon Bahr in seinem vor kurzem bei VSA: erschienenen Buch Ostwärts und nichts vergessen! ausführlich berichtet, erzeugte massiven Protest von CDU/CSU und den Vertriebenenverbänden. In dessen Folge wechselten Abgeordnete aus FDP und SPD zur CDU/CSU. Nachdem am 23. April 1972 auch der Abgeordnete Wilhelm Helms aus der FDP-Fraktion ausgeschieden war und zwei weitere FDP-Abgeordnete erklärt hatten, im Falle eines konstruktiven Misstrauensvotums gegen Brandt für seinen Gegenkandidaten zu stimmen, rechnete die CDU/CSU mit 249 sicheren Stimmen und stellte am 24. April den Antrag nach Artikel 67 des Grundgesetzes, über den am 27. April abgestimmt wurde. Das Ergebnis überraschte: Rainer Barzel erhielt nur 247 von 260 abgegebenen Stimmen, zur absoluten Mehrheit hätte er die sicher geglaubten 249 Stimmen benötigt. Damit war das erste konstruktive Misstrauensvotum in der Geschichte der Bundesrepublik gescheitert. Das trotz der Niederlage Barzels weiterhin bestehende Patt führte im Spätsommer 1972 schließlich zur Vertrauensfrage Willy Brandts, dessen geplanter Niederlage und Neuwahlen im November. Die SPD unter Brandt errang erstmals mehr Stimmen als die CDU/CSU, und die Koalition mit der FDP konnte fortgesetzt werden.

Anfang April gab es im Hamburger Hafen Aufnahmen zum Kriminalfilm »Ein achtbarer Mann«, eine deutsch-italienische Koproduktion. Es ging um einen »Gentlemanverbrecher«, der eine Hamburger Bank ausraubt, dann jedoch an der Unzuverlässigkeit seiner Komplizen scheitert. Zu den Dreharbeiten reiste die Hollywood-Legende Kirk Douglas am 5. April 1972 in die Hansestadt. Wie berichtet wurde, zeigte er sich im Hamburger Hafen »von seiner besten Seite und absolvierte die kurzen Szenen, die dort spielten, mit gewohnter fachmännischer Bavour«.

Am 29. April schlug im Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland das Team von England im Londoner Wembley-Stadion mit 3:1. Es war der erste Sieg einer deutschen Fußballnationalmannschaft in England. Bundestrainer Helmut Schön musste eine »Notelf« zusammenstellen, die so noch niemals zusammengespielt hatte: die Nationalspieler vom FC Schalke 04 waren aufgrund des Bundesliga-Skandals gesperrt, die Stammspieler Wolfgang Overath, Berti Vogts und Wolfgang Weber waren verletzt. Die »Notelf« spielte mit Sepp Maier im Tor, Horst-Dieter Höttges, Franz Beckenbauer, Georg »Katsche« Schwarzenbeck und Paul Breitner in der Verteidigung, mit Uli Hoeneß, Günter Netzer und Herbert »Hacky« Wimmer im Mittelfeld und mit Jürgen Grabowski, Gerd Müller sowie und Siggi Held im Angriff. Sie wurde später Europameister [aber dazu dann im Juni ausführlich].

Am 29. April fand im katholischen Münster die erste deutsche Schwulendemo statt. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler und einer der Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben in der Bundesrepublik, trug dabei ein Plakat mit der Losung »Brüder und Schwestern, warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht«. Dannecker war auch der »Kopf« hinter Rosa von Praunheims erstem Filmerfolg »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt«. Nach der Ausstrahlung dieses Filmes zunächst nur im »Dritten« des WDR im Januar 1972 [erst ein Jahr später wurde er im Ersten Programm gezeigt, dabei hatte sich Bayern aus dem Gemeinschaftsprogramm ausgeklinkt] und nach vielen regionalen Vorführungen gründeten sich die ersten politischen Schwulengruppen der Nachkriegszeit.

Vor 40 Jahren: März 1972

Am 17. März 1972 wählen die Delegierten des 13. Parteitags der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) Enrico Berlinguer zum Generalsekretär. Der 1922 auf Sardinien geborene Politiker wird zu einer Identifikationsfigur der westeuropäischen Linken. Bereits auf der Internationalen Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau von 1969 hatte sich die von Berlinguer angeführte italienische Delegation geweigert, das Schlussdokument zu unterzeichnen und sich so schon früh um einen autonomen Kurs gegenüber der KPdSU bemüht. Die Niederschlagung der Unidad Popular in Chile durch die Pinochet-Putschisten im September 1973 ist für ihn Anlass, »auch über die Probleme des Kampfes und der Perspektive der demokratischen und sozialistischen Umgestaltung« in Westeuropa nachzudenken – so in dem 1976 im VSA: Verlag erschienenen Band Der historische Kompromiss. Er wird zu einem Protagonisten des Eurokommunismus für eine andere politische Kultur der Linken (siehe auch das VSA: Buch von Harald Neubert, Linie Gramsci – Togliatti – Longo – Berlinguer). Am 11. Juni 1984 stirbt Berlinguer an den Folgen eines Hirnschlags während einer PCI-Kundgebung in Padua.

Schon am 11. März verabschiedet der Parteikonvent der Sozialistischen Partei Frankreichs (SFIO) unter Leitung von François Mitterrand ein neues Parteiprogramm, mit dem die Voraussetzungen für die angestrebte Union mit den anderen Linksparteien geschaffen werden.

Am 1. März erläutert der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher vor dem Deutschen Bundestag das über den belgischen marxistischen Ökonomen Ernest Mandel verhängte Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland: Es beruhe »auf dessen revolutionären Aktivitäten«. Leben und Wirken von Ernst Mandel (1923-1995) hat Jan Willem Stutje in der 2009 bei VSA: erschienenen Biografie Rebell zwischen Traum und Tat gewürdigt.

Am 2. März erschießt ein Polizist in Augsburg den RAF-Aktivisten Thomas Weisbecker, nachdem dieser eine Waffe gezogen hatte, um sich einer drohenden Festnahme zu entziehen. Auch bei der Verhaftung der RAF-Angehörigen Manfred Grashof und Wolfgang Grundmann in Hamburg am gleichen Tag kommt es zu einem Schusswechsel, bei dem ein Polizist so schwer verletzt wird, dass er am 22. März verstirbt.

Sein erstes »Tor des Monats« erzielt der spätere »Bomber der Nation« Gerd Müller am 8. März im Europapokalspiel von Steaua Bukarest gegen den FC Bayern München. Eine raffinierte Freistoßvariante gemeinsam mit Uli Hoeneß führte in der 69. Minute zum 1:1. Endstand.

Einen Tag später gibt es die die ersten und einzigen Gegenstimmen bis zur Wende in der DDR-Volkskammer. Es wird ein Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft beraten und 14 religiös motivierte Nein-Stimmen aus den Reihen der Ost-CDU und acht Enthaltungen gezählt.

Unter einem Hochspannungsmast in Mailand wird am 14. März die Leiche Giangiacomo Feltrinellis gefunden. Wie der Verleger und Kommunist, Freund von Fidel Castro und Henry Miller, zugleich Millionär aus einer Industriellenfamilie, genau zu Tode kam, ob er Opfer eines Anschlags wurde, an dem er selbst beteiligt war, wird nie abschließend geklärt.

In die bundesdeutschen Kinos kommt am 23. März Stanley Kubricks Film A Clockwork Orange. Dem Regisseur wird vorgehalten, seine dunkle Gesellschaftskritik verherrliche die Gewalt.

Am 29. März 1972 wird in Stockholm der Song »People Need Love« aufgenommen. Das Lied ist die erste Single einer unter dem Namen »Björn & Benny, Agnetha & Anni-Frid« auftretenden Musikgruppe. 1974 benennen sich die schwedischen Musiker_innen in ABBA um.

Die erste Ausstellung des von Darmstadt nach West-Berlin umgesiedelten Bauhaus-Archivs am neuen Standort endet am 30. März, es waren Werke des Malers, Designers und Fotografen László Moholy-Nagy, von 1923 bis 1928 Lehrer am Bauhaus, gezeigt worden.

Ende März 1972 beginnt im Vietnamkrieg die Frühjahrsoffensive der nordvietnamesischen Streitkräfte und des Vietcong. Die US-Luftwaffe setzt erstmals präzisionsgelenkte Munition mit eingebauter Videokamera ein.

Vor 40 Jahren: Februar 1972

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1949 besucht vom 21. bis 28. Februar 1972 mit Richard Nixon ein Präsident der Vereinigten Staaten die Volksrepublik China. Er trifft mehrmals mit dem chinesischen Premierminister Zhou Enlai zusammen. Am 29.2. kommt es zu einem direkten Gespräch mit dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong. Der Besuch von Richard Nixon – als scharfer Antikommunist bekannt – ist auch das Ergebnis der »Ping-Pong-Diplomatie«: Nachdem Versuche, die Beziehungen zwischen den USA und der VR China mit normalen diplomatischen Mitteln zu verbessern, erfolglos verliefen, kommt der Sport zu Hilfe: Nach der Tischtennis-Weltmeisterschaft 1971 in Nagoya (Japan), bei der sich die Spieler Glenn Cowan (USA) und Zhuang Zedong (China) angefreundet hatten, lädt der Generalsekretär des chinesischen Tischtennisverbandes die amerikanischen Tischtennisspieler nach Peking ein. Diesem Besuch folgen weitere hochrangige Politiker wie Henry Kissinger im Juli 1971 und schließlich Richard Nixon im Februar 1972. Die Ping-Pong-Diplomatie beschäftigt Jahrzehnte später auch Hollywood: In dem mit sechs Oscars ausgezeichneten Film »Forrest Gump« reist Tom Hanks als Tischtennisspieler nach Peking und trifft danach Nixon.

Bereits am 1. Februar bringt Hewlett-Packard mit dem HP-35 den ersten wissenschaftlich-technischen Taschenrechner auf den Markt. Zuvor waren Rechenschieber und Tabellenbücher die einzigen praktischen Hilfsmittel für trigonometrische und exponentielle Rechenfunktionen. Die elektronischen Taschenrechner jener Zeit beherrschen nur die vier Grundrechenarten. Zur Markteinführung des HP-35 in den USA beträgt der Verkaufspreis 395 US-Dollar. Er wird bis 1975 hergestellt.

Vom 3. bis 13. Februar 1972 finden Olympische Winterspiele zum ersten Mal in Asien statt, Austragungsort ist Sapporo in Japan. 1.006 Athleten aus 35 Nationen kämpfen um Gold, Silber und Bronze. Der Medaillienspiegel weist die Sowjetunion mit 8-mal Gold, 5-mal Silber und 3-mal Bronze an erster Stelle aus, die DDR (4-mal Gold, 3-mal Silber, 7-mal Bronze) an zweiter Stelle und die Bundesrepublik Deutschland an sechster Stelle (3-mal Gold, 1-mal Silber, 1-mal Bronze). Die Japaner Kasaya, Konno und Aochi gewinnen mit ihrem Dreifach-Erfolg im Skispringen auf der 70-m-Schanze die ersten Medaillen für ihr Land bei Olympischen Winterspielen überhaupt.

Am 11. Februar 1972 wird der Deutsche Fernsehfunk (DFF) in Fernsehen der DDR umbenannt. Unter der Generalintendanz von Hans Mahle (über den Katharina Riege 2003 im VSA: Verlag die inzwischen vergriffene Biografie Einem Traum verpflichtet veröffentlichte) war im Juni 1950 der erste Spatenstich für das DDR-Fernsehzentrum in Berlin-Adlershof erfolgt, im Januar 1956 begann der DFF sein Programm. Im Oktober 1958 führte man das Vormittagsprogramm ein, als Programmwiederholung für Spätarbeiter, einen Tag später folgte das legendäre Sandmännchen. Im Oktober 1969 ging das 2. Programm aus Anlass des 20. Jahrestages der DDR in Farbe auf Sendung. Der Sendebetrieb wird nach der »Wende« am 31. Dezember 1991 um Mitternacht eingestellt. Überlebt hat allein das »Sandmännchen im Abendgruß vom Fernsehfunk«.

Am 17.2. erfolgt der deutsche Kinostart von »Der Millionenraub«. In diesem Thriller von Richard Brooks (Musik: Quincy Jones) sind US-Schauspieler Warren Beatty – übrigens aktives Mitglied der Demokratischen Partei und bekannt für sein links-progressives Engagement, zum Beispiel beim Sponsoring einer Veranstaltung in New York anlässlich des 150jährigen Erscheinens des »Kommunistischen Manifest« – und Goldie Hawn Komplizen im Raubüberfall des Jahrhunderts. Mit dabei sind Gert Fröbe und Wolfgang Kieling, der 1965 seinen Bundesfilmpreis als bester Hauptdarsteller im Film »Polizeirevier Davidswache« zugunsten des Vietcong versteigert, die 1966 verliehene »Goldenen Kamera« des Springer-Verlags aus Protest gegen dessen Politik wieder zurückgegeben hatte und später zeitweilig in die DDR übersiedelte.

Am 23. Februar 1972 wird ein Lufthansa-Jumbo-Jet auf dem Flug von Tokio nach Frankfurt nach Aden (Südjemen) entführt, die Entführer fordern ein Lösegeld von umgerechnet 16 Millionen D-Mark. Am 25. Februar zahlt die deutsche Bundesregierung fünf Millionen US-Dollar für die Freigabe von Flugzeug, Besatzung und Passagieren und beendet damit die Flugzeugentführung.

Vor 40 Jahren: Januar 1972

Am 15. Januar 1972 wird Margrethe Alexandrine Þórhildur Ingrid vom dänischen Ministerpräsidenten zur Königin Margrethe II. ausgerufen. Einen Tag vorher war ihr Vater Frederik IX. verstorben. Sie ist die erste weibliche Herrscherin Dänemarks seit 600 Jahren. Neben ihrer monarchistischen Funktion ist sie auch als Grafikerin und Malerin aktiv, illustrierte unter anderen 1977 unter Pseudonym die dänische Ausgabe des »Herrn der Ringe«. Zudem geht ihr der Ruf einer Kettenraucherin nach, allerdings raucht sie seit 2007 in der Öffentlichkeit nicht mehr.

Zuvor war am 1. Januar Kurt Waldheim Generalsekretär der Vereinten Nationen geworden. Dem späteren österreichischen Bundespräsidenten wies ab März 1986 unter anderem der World Jewish Congress nach, dass er als SA-Mitglied geführt wurde und in Wehrmachtseinheiten tätig war, die schwere Kriegsverbrechen verübt hatten. Er saß die »Waldheim-Affäre« aus...

Der 30. Januar 1972 geht als Bloody Sunday in die Geschichte ein. An jenem Tag erschossen britische Soldaten im nordirischen Derry bei einer Demonstration für Bürgerrechte und gegen die Politik der britischen Regierung 13 Menschen und schossen 13 weitere an – die Opfer waren zwischen 17 und 41 Jahren alt. Erst im Juni 2010 bat der britische Premierminister Cameron im Namen der Regierung um Verzeihung für die Taten der britischen Soldaten.

Ende Januar erscheint im VSA: Verlag [damals noch Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung] als eines des ersten Bücher die erste Auflage von »Zur Taktik der proletarischen Partei. Marxsche Klassenanalyse Frankreichs von 1848-1871« vom Projekt Klassenanalyse in einer Auflage von 2.000 Exemplaren. In der Einleitung heißt es: »So wenig die Partei auf die sozialistische Wissenschaft und damit auf die Freiheit der Debatte verzichten kann, so wenig darf im Prozess der Konsolidierung der proletarischen Partei auf gemeinsame Aktionen aller Sozialisten verzichtet werden.«

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