Das VSA: Frühjahrsprogramm 2018 im Netz!

US-Präsident Donald Trump prägt den Jahresbeginn einmal mehr durch seine Pöbeleien via Twitter. Was sich dahinter an Digitaler Demagogie verbirgt, damit beschäftigt sich eines der Bücher unseres Frühjahrsprogramms. Auch hierzulande sind die politischen Verhältnisse instabiler geworden – nicht zuletzt durch den Einzug von 92 Neu- und Altrechten in den Bundestag. Dem Rechtsruck mit der Ausbreitung eines völkisch-nationalen Populismus, der Entwicklung der AfD zu einem Gärigen Haufen, dem Rechtspopulismus in der Arbeitswelt und der Gefahr der Zerstörung Europas widmen wir mehrere Bücher. Und im Frühjahr wird das Urteil im Müncher NSU-Prozess erwartet – nach Auffassung vieler Anwälte der Nebenkläger*innen darf das Kein Schlusswort, sondern muss der Auftakt zu mehr Aufklärung des offenkundigen Staatsversagens und der Rolle der Geheimdienste sein. Auch dazu wollen wir beitragen. Das Jahr 2018 ist erneut durch Jahrestage geprägt: den 200. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai und das 50-jährige Jubiläum der 68er-Bewegung. Zu beiden Jahrestagen haben unsere Autor*innen interessante Neuerscheinungen beizusteuern – einschließlich des erstmaligen Erscheinens von »Das Kapital« in Farbe! Abgerundet wird das Frühjahrsprogramm mit Büchern zu Chinas Neuer Seidenstraße, zu Moderner Klassenpolitik und Arbeiten in Selbstverwaltung, einem AttacBasisText zur Wohnungsfrage sowie Veröffentlichungen zu Geschichte und Gesundheit. Ein Blick auf die Neuerscheinungsseite lohnt also allemal (Texte, die bereits im Herbst 2017 angekündigt waren, aber erst im Frühjahr erscheinen, haben wir dort unten auf der Seite noch einmal mit aufgeführt).

Neue Textausgabe von Marx’ Kapital vorgestellt

Foto: Heinz Winter, Schwarzenbek

Vor mehr als 150 Zuhörer*innen hat Thomas Kuczynski die von ihm herausgegebene neue Textausgabe von Marx’ Kapital, Band 1 am 8. Januar 2018 im Gespräch mit Joachim Bischoff im Rahmen des Ausstellung über Das Kapital im Hamburger Museum der Arbeit vorgestellt und zugleich erläutert, was ihn bewogen hat, Marx’ Opus magnum in einer neuen Textfassung zu veröffentlichen. Ein Mitschnitt des aufschlussreichen und amüsanten Gesprächs kann als mp3-Datei hier heruntergeladen werden.

#verlagegegenrechts

Auch die im März stattfindende Leipziger Buchmesse erfordert ein Engagement gegen rechte Meinungsmache. VSA: beteiligt sich an der Initiative #verlagegegenrechts. Sie wird getragen von mehr als 55 Verlagen und über 130 Einzelpersonen und Institutionen aus der Buchbranche: »Wir nehmen die Präsenz völkischer, nationalistischer und antifeministischer Verlage nicht wort- und tatenlos hin. Und werden wie in den letzten Jahren Protest organisieren, wo immer wir auf sie treffen.«

Außerdem hat die Initiative eine Crowdfunding-Kampagne bis 21.1.2018 gestartet. Damit soll u.a. Material produziert werden, um über die Ideologie und Strukturen rechter Verlage aufzuklären. Mit Lesezeichen, Buttons und Taschen will die Initiative auf der Messe und in der Stadt Leipzig sichtbar werden. Außerdem sind Diskussionsveranstaltungen unter dem Motto »Die Gedanken sind bunt« geplant, Referent*innen mit keinem/geringen Einkommen wird so die Teilnahme ermöglicht.

Sicherheitsrisiko Verfassungschutz

Die Kette an Vertuschungen, Blockaden, Schwärzungen und bewussten Vernichtungsaktionen von zentralem Archivmaterial macht nicht nur den Umgang mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zu einem Skandal des Verfassungsschutzsystems in der Bundesrepublik. Die Kette setzt sich bis in die Gegenwart fort, weshalb der Berliner »Tagesspiegel« unlängst titelte: »Der Bericht zum Fall Amri [Attentat 2016 auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche] ist eine Chronik des Versagens.« Hajo Funke geht diesem Staatsversagen in dem Band Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz. Staatsaffäre NSU: das V-Mann-Desaster und was daraus gelernt werden muss auf den Grund. Und er fragt zu Recht nach der Kontinuität: der Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977, das Oktoberfestattentat 1980, die Mordserie des NSU, das Attentat von Anis Amri am 19. Dezember 2016 – What’s next?

Dialektik der Bombe

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen neuen Raketentyp erfolgreich getestet, der nicht nur das Territorium der USA erreichen, sondern vermutlich auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden könnte. US-Präsident Trump hatte bereits im September Kim Jong Un mit »völliger Zerstörung« gedroht. Die amerikanische UN-Botschafterin Haley erklärte nun, das »nordkoreanische Regime« habe die »Welt näher an einen Krieg herangeführt«. Insofern ist die Dialektik der Bombe – so der Titel des Buches von Matthias van der Minde – leider aktueller als je zuvor. Der Autor legt einen kritischen Kommentar der Jahre zwischen 1938 und 1979 vor und zeigt, aus welchen historischen Umständen, Entscheidungen und Denkweisen die jetzige atomare Situation entstanden ist. Davon, dass die atomare Bedrohung tatsächlich Sicherheit und Stabilität schaffen würde, kann nicht die Rede sein. Insofern stellt die Bombe nach wie vor die größte Bedrohung für die Fortexistenz der Menschheit dar. Zumal wenn Politiker auf der Welt am Drücker sitzen wie in den USA ein gewisser Donald Trump.

Zukunftmodell Grundeinkommen?

Robotik, Automatisierung, Digitalisierung: Das sind wohl einige der wichtigsten Schlagwörter, die der heutigen Arbeitswelt und den Beschäftigten Beine machen und die Angst vor der Wegrationalisierung des eigenen Arbeitsplatzes schüren. Doch keiner weiß so genau, wie schlimm es wirklich wird. Trotzdem muss die Gesellschaft natürlich vorbereitet sein. Und ist vor allem die Politik angesprochen, deren Aufgabe es sein sollte, unsere sozialen Sicherungssysteme für die Zukunft zu wappnen. Könnte das bedingungslose Grundeinkommen dabei eine Lösung darstellen? Und wie könnte ein solches konkret aussehen? Dies und mehr diskutieren Dagmar Paternoga und Werner Rätz im neuen AttacBasisText Zukunftsmodell Grundeinkommen?

Hartnäckige Erinnerungsarbeit

Ulla Suhling, Tochter des »999ers« Carl Suhling, veröffentlichte 2014 bei VSA: eine »unbequeme Schrift« über Hamburger Antifaschisten in Wehrmachtsuniform, die vom Hannoverschen Bahnhof zwischen 1942 und 1944 zum »Bewährungseinsatz« abtransportiert wurden. Vom selben Bahnhof wurden mehr als 8.000 Juden, Roma und Sinti in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Über Ulla Suhlings Anliegen eines würdigen Gedenkens an die 999er am Lohseplatz in der heutigen HafenCity hat sich eine Auseinandersetzung entwickelt, die sie in ihrem neuen, umfangreicheren Buch Wer waren die 999er? Strafsoldaten in Wehrmachtsuniform – deportiert vom Hannoverschen Bahnhof aufgreift und erwidert. Detlef Garbe, Leiter der KZ Gedenkstätte Neuengamme, würdigt die Arbeit der Autorin in seinem Vorwort: »Ursula Suhling ist zu danken, dass sie auf das Schicksal der wegen politischer Regimegegnerschaft vorbestraften und anschließend in die Wehrmacht gepressten Bewährungssoldaten, auf diese Fehlstelle im öffentlichen Gedenken, aufmerksam gemacht hat. Die vom Hannoverschen Bahnhof zum Kriegseinsatz zwangsrekrutierten Antifaschisten zählen unstrittig zum Kreis der Verfolgten, weshalb im Dokumentationszentrum am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof auch das Schicksal dieser Gruppe angemessen dargestellt werden sollte.«

Etienne Schneider erhält den Jörg-Huffschmid-Preis

Unser Autor Etienne Schneider erhielt am 9. Dezember für sein Buch Raus aus dem Euro – rein in die Abhängigkeit? den Jörg-Huffschmid-Preis 2017. Der Preis wird seit 2011 alle zwei Jahre zu Ehren des 2009 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftlers und Autors Jörg Huffschmid verliehen und prämiert Studienabschlussarbeiten, die thematisch im Bereich der Ökonomie der Finanzmärkte angesiedelt sind. Schneiders Buch ist ein wichtiger Debattenbeitrag zum richtigen Zeitpunkt, greift er darin doch die gerade auch in linken Kreisen heiß diskutierten Fragen auf, ob ein Austritt aus dem Euro den Weg zu einer alternativen Wirtschaftspolitik ebnen und ob ein linker Ausweg aus der Austeritätspolitik aus Sicht der südeuropäischen Peripherie außerhalb des Euros gelingen könnte.

»Hier stehe ich, ich kann nicht anders«

Der dem Columbus-Zitat zugrundeliegenden Auffassung und ihren theologisch-ökonomischen Folgen widersetzte sich wiederum Martin Luther, dessen »Thesenanschlag« am 30. Oktober diesmal bundesweit gedacht wurde – jedoch weniger der kapitalismuskritischen Dimension der Reformation. Denn für Luther war der Frühkapitalismus ein »weiter Stall von großen Dieben« und diese Diebe sind Mörder, weil sie den Menschen die Nahrung rauben. Eine Million Mal, wie die Playmobilfigur des Reformators, wurde die VSA: flugschrift von Ulrich Duchow zwar (noch) nicht verkauft – aber dafür behandelt sie gleich drei Figuren: Marx, Luther & den Papst.

Gewerkschaft statt Rechtsruck

Eine der ersten Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland war die Zerschlagung der Gewerkschaften. Aus dieser historischen Erfahrung haben sich die Gewerkschaften in Deutschland eine klare Kante gegen Rechts auf die Fahnen geschrieben. Doch was passiert, wenn Gewerkschaftsmitglieder selber zu den Wählern rechter Parteien werden? Und vor allem: Was kann dagegen getan werden? Analysen und Gegenstrategien von Aktiven aus der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit bietet die Neuerscheinung Von Biedermännern und Brandstiftern. Dank fundierter sozial- und politikwissenschaftlicher Analysen wird darin Rüstzeug für einen breiten gewerkschaftlichen Diskurs gegen Rechts bereitgestellt. Denn auch gewerkschaftliche Grundwerte wie Solidarität und kulturelle Vielfalt sind durch die Rechtsentwicklung in Gefahr.

Widerstand lohnt sich!

Am 20. November wurde im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft das Buch Widerstand lohnt sich! Die Geschichte der Bremer Hütte oder: Warum wird heute noch in Bremen Stahl produziert? vorgestellt. Darin schildert der Historiker Karl Lauschke – unter Mitwirkung der ehemaligen Betriebsräte Peter Sörgel und Eike Hemmer – die langjährigen Aktivitäten der Belegschaftsvertretung für die erst in den 1950er Jahren errichtete Hütte und ihre dramatische Rettung Anfang der 1990er Jahre. Nach einer Talkrunde mit denen dreien las Peter Lüchinger (Bremer Shakespeare Company) Textpassagen und anschließend diskutierten Volker Stahmann (Geschäftsführer IG Metall Bremen), Rainer Blaschek (ArcelorMittal Bremen) und Bremens Bürgermeister Carsten Sieling über die Zukunft der Stahlindustrie.

Verteilung & Soziale Ungleichheit

Die Verteilungs-Frage war eines der im Wahlkampf nur unzureichend behandelten Themen, obwohl soziale Benachteilung mit Sicherheit einer der Faktoren war, die das Wahlergebnis mitbestimmt haben. Wer mittel- und langfristig die Kräfteverhältnisse im Land wieder verändern will, kann sich damit – und mit der daraus entstehenden sozialen Ungleichheit – nicht abfinden. Das neue Buch von Stephan Krüger enthält umfassende Analysen und Daten zur Sozialen Ungleichheit. Der Autor untersucht die marktgesteuerte Umverteilung über den Kredit und die private Vermögensbildung ebenso wie die Umverteilungsprozesse über den Sozialstaat. Darüber hinaus entwickelt er ein wirtschafts- und sozialpolitisches Instrumentarium für die Eroberung der Hegemonie durch die Linke.

»Karl-Marx-Stadt Hamburg«

So übertitelte das »Hamburger Abendblatt« ein Interview mit unserem Autor Jürgen Bönig zu dessen neuem Buch. Manche fanden das etwas übertrieben. Nicht so die Besucherinnen und Besucher, die der Einladung der Linksfraktion in der Bürgerschaft in den überfüllten »Kaisersaal« des ehrwürdigen Hamburger Rathauses gefolgt und über viele neue Erkenntnisse erstaunt waren, die der Autor aus seinem Buch Karl Marx in Hamburg präsentierte. Und auch nicht das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL«, in dem sich Barbara Supp unter der Überschrift »Dieses Saubuch« mit Jürgen Bönig als Reisebegleiter auf die Spuren von Karl Marx und seines »wirkmächtigen« Hauptwerks in Hamburg begab.

Wo Sorge-Arbeiter_innen selbst zu Wort kommen

Die Arbeitskämpfe in Kindertagesstätten und Krankenhäusern haben mit neuen engagierten Strategien für Furore gesorgt. Sie werfen zugleich Schlaglichter auf unzumutbare Arbeitsbedingungen auch in der Altenpflege und Behindertenbetreuung. »Sorge-Arbeit«, dominant von Frauen getragen, ist damit endlich zu einem Konfliktfeld in der Auseinandersetzung mit dem neoliberalen Umbau von Staat und Wirtschaft geworden. »Sorge-Kämpfe« reflektieren hohe arbeitsinhaltliche Interessen der Beschäftigten und verweisen auf grundlegende Veränderungen der Geschlechterarrangements. Es werden in ihnen Ansätze einer alternativen, emanzipatorischen Entwicklung sichtbar. In dem Buch Sorge-Kämpfe werden diese Entwicklungstendenzen unter die Lupe genommen. Und: Die Sorge-Arbeiter_innen kommen in ihm selbst zu Wort.

Braucht die Welt den Finanzsektor?

Für Mohssen Massarrat ist der gegenwärtige Finanzsektor für die wachsende Einkommensungleichheit und viele anderen Miseren in der Welt maßgeblich verantwortlich. Deshalb fragt er in seinem neuen Buch: Hat er überhaupt positive Funktionen für die Menschheit? Und er zeigt Auswege auf: Wie kann der Finanzmarktkapitalismus überwunden werden, welche Voraussetzungen müssen postkapitalistische Verhältnisse erfüllen, damit sie den kapitalistischen eindeutig überlegen sind, und welche Wege bieten sich für gewaltfreie Veränderungen an? Die Antworten sind spannend.

Die Tücken des Privateigentums

Nichts scheint so unverrückbar in dieser Gesellschaft wie das Privateigentum. Ein Nachdenken über Alternativen ist mit weitgehenden Tabus belegt. Das Ausbleiben einer Diskussion ist aber nicht nur aufgrund der wenig durchsetzungsstarken Kritiker des Privateigentums so beständig. Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai analysiert in Die Tücken des Privateigentums, welche psychologischen Muster es in dieser Gesellschaft gibt, die Alternativen zum privaten Eigentum erschweren. Der Autor lädt ein, diese Denkblockaden abzulegen und auszuloten, mit welchen alternativen Eigentumsformen sie überwunden werden können.

Quelle: http://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/