Etienne Schneider erhält den Jörg-Huffschmid-Preis

Unser Autor Etienne Schneider wird am 9. Dezember für sein Buch Raus aus dem Euro – rein in die Abhängigkeit? den Jörg-Huffschmid-Preis 2017 erhalten. Der Preis wird seit 2011 alle zwei Jahre zu Ehren des 2009 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftlers und Autors Jörg Huffschmid verliehen und prämiert Studienabschlussarbeiten, die thematisch im Bereich der Ökonomie der Finanzmärkte angesiedelt sind. Schneiders Buch ist ein wichtiger Debattenbeitrag zum richtigen Zeitpunkt, greift er darin doch die gerade auch in linken Kreisen heiß diskutierten Fragen auf, ob ein Austritt aus dem Euro den Weg zu einer alternativen Wirtschaftspolitik ebnen und ob ein linker Ausweg aus der Austeritätspolitik aus Sicht der südeuropäischen Peripherie außerhalb des Euros gelingen könnte.

Jamaika »isch over«

Finanzfragen haben mit Sicherheit bei den gescheiterten Jamaica-Sondierungen eine entscheidende Rolle gespielt. So wie bei »dem« linken Klassiker, dessen Neue Textausgabe seines Hauptwerkes wir nun für Anfang Dezember erwarten. Marx-Kenner werden wissen, dass auch Jamaica darin eine (kleine) Rolle spielt, nämlich per Zitat im Abschnitt »Das Geld oder die Waarencirkulation«: »›Gold ist ein wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem, was er wünscht. Durch Gold kann man sogar Seelen in das Paradies gelangen lassen.‹ (Columbus, im Brief aus Jamaica, 1503)«

»Hier stehe ich, ich kann nicht anders«

Der dem Columbus-Zitat zugrundeliegenden Auffassung und ihren theologisch-ökonomischen Folgen widersetzte sich wiederum Martin Luther, dessen »Thesenanschlag« am 30. Oktober diesmal bundesweit gedacht wurde – jedoch weniger der kapitalismuskritischen Dimension der Reformation. Denn für Luther war der Frühkapitalismus ein »weiter Stall von großen Dieben« und diese Diebe sind Mörder, weil sie den Menschen die Nahrung rauben. Eine Million Mal, wie die Playmobilfigur des Reformators, wurde die VSA: flugschrift von Ulrich Duchow zwar (noch) nicht verkauft – aber dafür behandelt sie gleich drei Figuren: Marx, Luther & den Papst.

Gewerkschaft statt Rechtsruck

Eine der ersten Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland war die Zerschlagung der Gewerkschaften. Aus dieser historischen Erfahrung haben sich die Gewerkschaften in Deutschland eine klare Kante gegen Rechts auf die Fahnen geschrieben. Doch was passiert, wenn Gewerkschaftsmitglieder selber zu den Wählern rechter Parteien werden? Und vor allem: Was kann dagegen getan werden? Analysen und Gegenstrategien von Aktiven aus der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit bietet die Neuerscheinung Von Biedermännern und Brandstiftern. Dank fundierter sozial- und politikwissenschaftlicher Analysen wird darin Rüstzeug für einen breiten gewerkschaftlichen Diskurs gegen Rechts bereitgestellt. Denn auch gewerkschaftliche Grundwerte wie Solidarität und kulturelle Vielfalt sind durch die Rechtsentwicklung in Gefahr.

Widerstand lohnt sich!

Unter diesem Titel lädt die Bremische Bürgerschaft für den 20. November zur Buchvorstellung, Lesung und Diskussion ein. Ab 18 Uhr wird im Festsaal der Bürgerschaft das dann druckfrische Buch Widerstand lohnt sich! Die Geschichte der Bremer Hütte oder: Warum wird heute noch in Bremen Stahl produziert? vorgestellt. Darin schildert der Historiker Karl Lauschke – unter Mitwirkung der ehemaligen Betriebsräte Peter Sörgel und Eike Hemmer – die langjährigen Aktivitäten der Belegschaftsvertretung für die erst in den 1950er Jahren errichtete Hütte und ihre dramatische Rettung Anfang der 1990er Jahre. Nach einem Vortrag des Autors werden von Peter Lüchinger (Bremer Shakespeare Company) Textpassagen gelesen, BelegschaftsvertreterInnen von heute kommen zu Wort, und es diskutieren Volker Stahmann (Geschäftsführer IG Metall Bremen), Rainer Blaschek (ArcelorMittal Bremen) und Bremens Bürgermeister Carsten Sieling.

Rechtsruck

Die Unruhe darüber, wie es nach der Bundestagswahl in diesem Land weitergehen wird, ist bei vielen in Gesellschaftskritik und -veränderung Engagierten groß. Wir verweisen auf die Analyse der möglichen politischen Folgen des Wahlergebnisses in dem Beitrag Die ›Berliner Republik‹ rückt nach rechts in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift Sozialismus. Inbesondere, dass die rechtspopulistische AfD mit 12,5% drittstärkste Kraft wurde und mit 92 Abgeordneten in Zukunft ihre Provokationen von den Sitzen des Bundestags aus verbreiten kann, hat bei vielen große Besorgnis hervorgerufen. Wir teilen diese Sorgen und denken – wie der Chefredakteur des neuen deutschland, Tom Strohschneider – dass es nicht bei »Demonstrationen am Wahlabend« bleiben darf, sondern Analysen und Aufklärung benötigt werden. Wir arbeiten weiter daran (siehe unten).

Zäsur und Schockstarre nach der Wahl?

Zu Recht wird das Wahlergebnis als Zäsur betrachtet, das eine Schockstarre im linken Spektrum ausgelöst hat. Sicherlich hat Heribert Prantl Recht damit, dass das Bild einer »vorübergehenden Gewitterwolke nicht stimmt«. Deshalb werden wir die Aufklärung mit Büchern über Hintergründe und Ziele der Rechtspopulisten nicht nur hierzulande (siehe zuletzt etwa Neue soziale Bewegung von rechts? und Europas Rechte) fortsetzen.

Ende Oktober/Anfang November erscheint das von Björn Allmendinger (Heimvolkshochschule Hustedt), Joachim Fährmann (IG Metall Wolfsburg) und Klaudia Tietze (Verein »Mach meinen Kumpel nicht an!«) herausgegebene Buch Von Biedermännern und Brandstiftern. Rechtspopulismus in Betrieb und Gesellschaft. Für das Frühjahr bereiten wir zudem den Band Bollwerk Nation? Gegen die rechtspopulistische Zerstörung Europas vor.

Verteilung & Soziale Ungleichheit

Die Verteilungs-Frage war eines der im Wahlkampf nur unzureichend behandelten Themen, obwohl soziale Benachteilung mit Sicherheit einer der Faktoren war, die das Wahlergebnis mitbestimmt haben. Wer mittel- und langfristig die Kräfteverhältnisse im Land wieder verändern will, kann sich damit – und mit der daraus entstehenden sozialen Ungleichheit – nicht abfinden. Das neue Buch von Stephan Krüger enthält umfassende Analysen und Daten zur Sozialen Ungleichheit. Der Autor untersucht die marktgesteuerte Umverteilung über den Kredit und die private Vermögensbildung ebenso wie die Umverteilungsprozesse über den Sozialstaat. Darüber hinaus entwickelt er ein wirtschafts- und sozialpolitisches Instrumentarium für die Eroberung der Hegemonie durch die Linke.

»Karl-Marx-Stadt Hamburg«

So übertitelte das »Hamburger Abendblatt« ein Interview mit unserem Autor Jürgen Bönig zu dessen neuem Buch. Manche fanden das etwas übertrieben. Nicht so die Besucherinnen und Besucher, die der Einladung der Linksfraktion in der Bürgerschaft in den überfüllten »Kaisersaal« des ehrwürdigen Hamburger Rathauses gefolgt und über viele neue Erkenntnisse erstaunt waren, die der Autor aus seinem Buch Karl Marx in Hamburg präsentierte. Und auch nicht das Nachrichtenmagazin »DER SPIEGEL«, in dem sich Barbara Supp unter der Überschrift »Dieses Saubuch« mit Jürgen Bönig als Reisebegleiter auf die Spuren von Karl Marx und seines »wirkmächtigen« Hauptwerks in Hamburg begab.

Hamburgs Liebeserklärung an den Film

Es ist Herbst, die Jahreszeit, um sich in Filme zu vertiefen. Da kommt das Filmfest Hamburg (5. bis 14. Oktober) gerade recht, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. Den während des Filmfests verliehenen Douglas-Sirk-Preises erhält diesmal Wim Wenders, der vor genau 40 Jahren hier »Der amerikanische Freund« drehte und der Stadt Hamburg darin eine Liebeserklärung machte. »Was ist verkehrt an einem Cowboy in Hamburg?« hat Michael Töteberg in seiner Filmstadt Hamburg das Kapitel über Wenders (und Hark Bohm) genannt und beantwortet diese Frage ebenso profund, unterhaltsam und bildgewaltig wie die fruchtbare Beziehung zwischen Hamburg und Film im gesamten Buch. Also einfach mal reinschauen. Reinschauen sollte man auch in die Rubrik »Veto!« des Filmfests, in der politische, meinungsstarke Filme gezeigt werden, die sich den düsteren Zeiten mit klaren Botschaften entgegenstellen.

Wo Sorge-Arbeiter_innen selbst zu Wort kommen

Die Arbeitskämpfe in Kindertagesstätten und Krankenhäusern haben mit neuen engagierten Strategien für Furore gesorgt. Sie werfen zugleich Schlaglichter auf unzumutbare Arbeitsbedingungen auch in der Altenpflege und Behindertenbetreuung. »Sorge-Arbeit«, dominant von Frauen getragen, ist damit endlich zu einem Konfliktfeld in der Auseinandersetzung mit dem neoliberalen Umbau von Staat und Wirtschaft geworden. »Sorge-Kämpfe« reflektieren hohe arbeitsinhaltliche Interessen der Beschäftigten und verweisen auf grundlegende Veränderungen der Geschlechterarrangements. Es werden in ihnen Ansätze einer alternativen, emanzipatorischen Entwicklung sichtbar. In dem Buch Sorge-Kämpfe werden diese Entwicklungstendenzen unter die Lupe genommen. Und: Die Sorge-Arbeiter_innen kommen in ihm selbst zu Wort.

Privat oder Kasse?

Auch andere auf den Nägeln brennende Themen haben VSA: AutorInnen bewegt, ihre Bewertungen, Analysen und Alternativen zur Diskussion zu stellen. So hat sich Hartmut Reiners das Gesundheitssystem vorgenommen und fragt Privat oder Kasse? Seine Antwort ist eindeutig: Aus guten Gründen sollte es nicht dem Markt allein überlassen werden. Sein Text ist ein gut verständliches alternatives Lehrbuch über die Konstruktionsmängel und die notwendigen Reformen des deutschen Gesundheitssystems.

Braucht die Welt den Finanzsektor?

Für Mohssen Massarrat ist der gegenwärtige Finanzsektor für die wachsende Einkommensungleichheit und viele anderen Miseren in der Welt maßgeblich verantwortlich. Deshalb fragt er in seinem neuen Buch: Hat er überhaupt positive Funktionen für die Menschheit? Und er zeigt Auswege auf: Wie kann der Finanzmarktkapitalismus überwunden werden, welche Voraussetzungen müssen postkapitalistische Verhältnisse erfüllen, damit sie den kapitalistischen eindeutig überlegen sind, und welche Wege bieten sich für gewaltfreie Veränderungen an? Die Antworten sind spannend.

Die Tücken des Privateigentums

Nichts scheint so unverrückbar in dieser Gesellschaft wie das Privateigentum. Ein Nachdenken über Alternativen ist mit weitgehenden Tabus belegt. Das Ausbleiben einer Diskussion ist aber nicht nur aufgrund der wenig durchsetzungsstarken Kritiker des Privateigentums so beständig. Der Sozialpsychologe Gerhard Vinnai analysiert in Die Tücken des Privateigentums, welche psychologischen Muster es in dieser Gesellschaft gibt, die Alternativen zum privaten Eigentum erschweren. Der Autor lädt ein, diese Denkblockaden abzulegen und auszuloten, mit welchen alternativen Eigentumsformen sie überwunden werden können.

Feindbild Islam

Seit den Anschlägen vom 1. September 2001 sehen sich Muslime in Deutschland zunehmend einem Generalverdacht ausgesetzt, dessen rassistischer Unterton sich längst in den Institutionen etabliert hat. Unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes werden offen demokratische Grundrechte muslimischer Mitbürger beschnitten, während auf der Straße die Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber stetig wächst. Der Menschenrechtsanwalt Eberhard Schultz untersucht in seinem Buch Feindbild Islam und institutioneller Rassismus anhand eigener Erfahrungen die Ursachen, Kontinuitäten und Ausdrucksformen des institutionellen Rassismus hierzulande.

Quelle: http://www.vsa-verlag.de/nc/news_tipps/