Janet Anschütz / Irmtraud Heike

"Man hörte auf, ein Mensch zu sein..."

Überlebende aus den Frauenkonzentrationslagern in Langenhagen und Limmer berichten

200 Seiten | 2003 | EUR 16.50 | sFr 29.00
ISBN 3-89965-009-3 1

Titel nicht lieferbar!

 

Ein Gruppe von Warschauerinnen berichtet nach über 50 Jahren zum ersten Mal von ihrem Schicksal als Gefangene in den Konzentrationslagern Stutthof, Langenhagen, Limmer und Bergen-Belsen, das ihr ganzes weiteres Leben bestimmen und prägen sollte.


Im Gefolge des so genannten Warschauer Aufstandes im August 1944 kam es zum Massenmord der deutschen Besatzer an der Zivilbevölkerung. Einige Überlebende wurden zunächst in das sog. Durchgangslager Pruszków getrieben. Von dort begann für viele ein Leidensweg durch die unterschiedlichsten Lager.

Eindrucksvoll schildern sie ihren Überlebenskampf und ihre Überlebensstrategien. Aus Sicht der Opfer berichten sie von ihrem "Alltag" im KZ: den Ängsten, den Strafen, den katastrophalen Lebensbedingungen, der schweren Arbeit, dem Verhältnis untereinander und zu ihren deutschen »Kollegen« im Werk. In diesen Gesprächen entsteht ein sehr konkretes Bild speziell vom KZ Langenhagen, einem Außenlager des KZ Neuengamme, das dadurch von seiner Entstehung bis zur Zerstörung dokumentiert wird. In der Darstellung werden die Stationen und die damaligen Ereignisse, von welchen die Zeitzeuginnen berichten, in Verbindung mit der NS-Geschichte verständlich und anschaulich aufbereitet.

Die Autorinnen: Janet Anschütz und Irmtraud Heike sind Historikerinnen. Sie arbeiten seit 1998 an einem Projekt zur Erforschung der Hannoverschen Lager während der NS-Zeit.

Leseprobe 1

Reinhard Schwitzer
(1. Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Hannover)
Vorwort Der Schriftsteller und Minister der ersten französischen Republik nach 1945, André Malraux, prägte den Satz: "Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern." Damit verweist Malraux auf notwendiges historisches Wissen, um zukünftige gesellschaftspolitische Entwicklungen analysieren und bewerten zu können. Das vorliegende Buch soll mithelfen, die unmenschliche Geschichte des deutschen Faschismus und ihre Folgen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Damit wird "Geschichte von unten" geschrieben, denn die Texte dokumentieren das Leid und die Angst der Opfer aus zwei Frauenkonzentrationslagern in Langenhagen und Limmer. Eindrucksvoll schildern die befragten Zeitzeuginnen ihren Überlebenskampf und ihre Überlebensstrategien. Zusammen mit der historischen Darstellung der Autorinnen entsteht ein sehr konkretes Bild speziell vom KZ Langenhagen, das von den Anfängen bis zur Zerstörung dokumentiert wird. Die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie im heutigen hannoverschen Stadtteil Brink-Hafen beschäftigten Hunderte von ZwangsarbeiterInnen. Auch die Frauen aus dem Konzentrationslager mussten bei den Brinker Eisenwerken Zwangsarbeit leisten. Nach der Zerstörung im Januar 1945 wurden sie in das Frauenkonzentrationslager in Limmer transportiert. Aus historischer Verantwortung und auch auf Anregung der beiden Historikerinnen Janet Anschütz und Irmtraud Heike hat die IG Metall Hannover die Voraussetzungen für die Errichtung eines Mahnmals geschaffen. Am 8. Mai 2003 wurde das Mahnmal enthüllt, und somit ist ein Teil hannoverscher Lokalgeschichte vor dem Vergessen bewahrt. Das Mahnmal soll eine Stätte des Gedenkens und der Hoffnung sein, damit die Menschen die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht vergessen und aus ihnen lernen.

Leseprobe 2

Faktensicherung und Opferperspektive –
Lebensgeschichtliche Interviews als Quelle

1.
Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 in Polen begann auch der Leidensweg einer Gruppe junger Frauen.[1] Sie wurden während des Warschauer Aufstandes im August/September 1944 in das Durchgangslager Pruszków und anschließend in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Von dort gelangten sie nach Langenhagen in das dortige KZ-Außenlager. Nach dessen Zerstörung durch einen Bombenangriff im Januar 1945 kamen sie in ein weiteres Außenlager in Hannover-Limmer. Der so genannte Todesmarsch führte sie im April 1945 in das KZ Bergen-Belsen, wo die Überlebenden am 15. April befreit wurden. In den wenigen erhalten gebliebenen Dokumenten heißt es hinsichtlich des Transportes vom Konzentrationslager Stutthof zum KZ-Außenlager in Langenhagen, dass den "Häftlinge[n] gute Bekleidung und gutes Schuhwerk ausgegeben", die "tadellose Einkleidung"[2] überwacht und "ausreichende Marschverpflegung" ausgehändigt[3] werden sollte, eine Absichtserklärung, die nur auf dem Papier existierte. Tatsächlich berichten die ehemaligen Häftlingsfrauen ausnahmslos von unzureichender Kleidung, lebensbedrohender Enge sowie katastrophalen hygienischen und sanitären Verhältnissen auf dem Weg nach Langenhagen: "Wir wurden [...] in einen Zug geladen – in Viehwaggons. Dorthinein wurden möglichst viele Menschen gepresst [...] Als wir Stutthof verließen, bekam jede einen halben Laib Brot. Pro Waggon wurde auch ein Eimer für die Notdurft verteilt. Wenn der Zug hielt, öffneten die Deutschen die Waggons, und eine ausgewählte Person musste den Eimer leeren. Jede bat um Wasser, weil wir sehr durstig waren. Das nächste Mal hielten wir irgendwo – ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es ein Bahnhof war. Dort waren schon zwei Kanister mit Wasser pro Waggon vorbereitet. Die Deutschen, die uns unterwegs bewachten, brachten es. Außerdem wurde uns gesagt, dass wir nur sehr sparsam trinken sollten. Es war nicht sicher, ob wir noch einmal halten würden. Nach ungefähr zehn Tagen kamen wir an unserem Zielort frühmorgens an."[4] Ähnliche Widersprüche finden sich häufig zwischen Äußerungen und Anweisungen der Täter einerseits und Berichten der Opfer andererseits. Verfälschungen und Verharmlosungen sind in den administrativen Unterlagen an der Tagesordnung und lassen sich nur durch Erinnerungen und Berichte der Überlebenden aufdecken, differenzieren und revidieren. Gerade im Zusammenhang mit der Thematik des KZ in Langenhagen erlangen die Zeitzeuginnenschilderungen besondere Bedeutung. Die Geschichte des Lagers wies bislang – aufgrund fehlender Unterlagen – zahlreiche Forschungslücken auf. Auch ehemalige Häftlingsfrauen waren kaum bekannt. Jahrelang war daher weder die Lage des KZ gesichert, noch die Lebens- und Arbeitssituation der dort inhaftierten Frauen erschöpfend untersucht.[5] Erst 1996 konnten über Kontakte zu den Gedenkstätten Bergen-Belsen und Neuengamme polnische Zeitzeuginnen ausfindig gemacht werden. In diesem Zusammenhang waren insbesondere zwei Personen aktiv: Janusz K. als Vizepräsident der "Amicale Internationale de Neuengamme" (AIN) und Weronika K. als Vertreterin des "Clubs der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen". Ihre Vermittlung ermöglichte es, insgesamt 21 Interviews mit ehemaligen Häftlingsfrauen des KZ durchzuführen. Sie sind Ausgangspunkt der Forschungen. Zwei Überlebende wurden bereits 1997 in der Gedenkstätte Neuengamme befragt,[6] weitere 19 Gesprächspartnerinnen im Rahmen zweier Interviewreisen 1999 in Warschau.[7] Die Ergebnisse lagen anschließend im Jahr 2000 in einer umfangreichen Dokumentation vor.[8] Sie enthält Auswertungen der Interviews, Transkriptionen der Gespräche, einen Anhang mit zeitgenössischen Unterlagen und ist Grundlage der vorliegenden Publikation. Aufgrund intensiver Zusammenarbeit mit den Zeitzeuginnen lud die Stadt Langenhagen 2001 erstmalig fünf Frauen ein. Im Rahmen eines Besucherprogramms kam es auch zu einer Gesprächsrunde mit SchülerInnen verschiedener Altersgruppen. Der Kontakt zu den Gästen – besonders deren Offenheit – beeindruckte Kinder und Jugendliche gleichermaßen. Die Kranzniederlegung am ehemaligen Tor des Konzentrationslagers löste bei den Zeitzeuginnen tiefe Betroffenheit aus. Bis dahin gab es an dieser Stelle weder Hinweise auf das Konzentrationslager noch auf das Schicksal der Gefangenen. Als Abschluss der bisherigen Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit wurde im Mai 2003 eine Gedenktafel am Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers im Bereich des Brinker Hafens errichtet. 2.
Mündlich erfragte Geschichte, auch "Oral History" genannt, ist eine inzwischen anerkannte wissenschaftliche Methode innerhalb der Forschung. Eine Form ist das lebensgeschichtliche Interview. Über die Faktensicherung hinaus dokumentiert es auch die Sichtweise der Opfer, die z.B. durch administrative Unterlagen nicht erfassbar ist. Der Arbeits- und "Lageralltag" von Häftlingen sowie verschiedene Formen der Selbstbehauptung bleiben deshalb oft unerforscht. Dokumente, die von den NS-Machthabern erstellt wurden, geben den Blickwinkel der Täter wieder. Sie sind als alleinige Quellen unzureichend.[9] Das lebensgeschichtliche Interview besteht nicht nur aus dem "Abfragen" bestimmter historischer Fakten, sondern umfasst die gesamte Biografie der betreffenden Person. Dadurch erschließt sich nicht nur die Phase der Verfolgung, sondern auch die Vorkriegszeit im familiären Umfeld sowie der Lebensweg nach der Befreiung bzw. die Wiedereingliederung in den Alltag. Alle drei Lebensstationen sind für die Befragung und zum Verständnis des weiteren Verlaufs wichtig. So kann recherchiert werden, wie es zu der KZ-Haft kam, wie sie erlebt und später verarbeitet wurde. Gerade die Nachkriegszeit bis zum Zeitpunkt des Interviews verdeutlicht die Auswirkungen der KZ-Haft auf die weitere Biografie des Einzelnen. Lebensgeschichtliche Interviews müssen aber auch – wie jede andere Quelle – kritisch hinterfragt werden. Verschiedene Aspekte prägen ein solches Gespräch, wie Alter, Geschlecht, Nationalität und Religionszugehörigkeit der befragten Person, um nur einige zu nennen.[10] Im vorliegenden Fall ist weiterhin der große zeitliche Abstand zu den Geschehnissen zu beachten. Erinnerungen an Einzelheiten sind zum Teil verblasst, auch wenn die Hafterfahrung noch außerordentlich präsent ist. Zudem werden Biografien im Verlauf des Lebens immer wieder variiert, weil die persönliche Einschätzung des Einzelnen sich ändern kann.[11] Durch den Vergleich der Interviews untereinander bzw. mit zeitgenössischen Dokumenten wurden so auch Unstimmigkeiten oder Widersprüche festgestellt. Diese können aber nicht unbedingt auf fehlerhafte Wahrnehmungen der Befragten zurückgeführt werden, sondern haben ihren Grund in unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass sich nicht eine Gesprächspartnerin "besser" und eine andere "schlechter" an die Ereignisse ihrer Verfolgung erinnert. Auffällig ist eher, dass den Frauen Erlebnisse verschieden intensiv im Gedächtnis blieben. Die Zeitzeuginnen gaben in den Interviews jeweils ihre eigene ganz individuelle Geschichte wieder. Alle Berichte wiesen jedoch als Gemeinsamkeit das Überleben in der KZ-Haft auf.[12] Dabei war es außerordentlich hilfreich, eine größere und relativ homogene Gruppe – hinsichtlich einzelner Stationen der Verfolgung – befragen zu können, so dass sich Einzelaspekte zu einem Bild zusammenfügen. In erster Linie wurden also Gemeinsamkeiten festgehalten. Dabei ergaben sich erstaunlich präzise Details und neue Erkenntnisse, die – mit wenigen Ausnahmen – nun ein relativ komplexes Gesamtbild der Vorgänge im KZ Langenhagen entstehen lassen. 3.
Die ausgewerteten Interviews können nicht als alleinige Quelle verwendet werden. Um ein Gesamtbild der Geschehnisse entstehen zu lassen, wurden die Ausführungen der Zeitzeuginnen mit zeitgenössischen Dokumenten, Stadtplänen, Luftbildern usw. in Beziehung gesetzt. Die Befragten erinnerten sich an viele Details sehr genau, hatten aber weniger Kenntnis von Namen und Örtlichkeiten. Dies wurde in der Darstellung berücksichtigt und entsprechend ergänzt und erläutert. So finden sich, den Zeitzeuginnenberichten vorangestellt, einführende Kapitel, in denen die historischen Zusammenhänge skizziert werden. Am Ende eines Abschnittes folgen detaillierte Beschreibungen einzelner Interviewpartnerinnen, die ihre Erlebnisse und Sichtweise zum jeweiligen Thema wiedergeben. Die gesamte Darstellung wird durch Fotos und Dokumente ergänzt, so dass ein anschauliches Bild der Arbeits- und Lebensbedingungen entsteht. Als Abschluss liegt ein Anhang mit zeitgenössischen Unterlagen vor. Dazu gehören Funksprüche, die Transportliste der Häftlingsfrauen von Stutthof nach Langenhagen und Gedichte einer Zeitzeugin, die im KZ in Langenhagen verfasst wurden. Die Gliederung der Untersuchung, auch die der edierten Zeitzeuginnenberichte, folgt der Chronologie des Interviewleitfadens. Sie entspricht den Stationen, welche die polnischen Zeitzeuginnen vor, während und nach ihrer Haftzeit durchliefen. Sie wurden überwiegend aufgrund des Warschauer Aufstandes verschleppt und bildeten die größte Gefangenengruppe innerhalb des Transportes nach Langenhagen. Unter dem Aspekt der Besatzungszeit und Deportation ist vor allem die Zeit des Warschauer Aufstandes zu sehen. Er stellt für alle Zeitzeuginnen ein einschneidendes Ereignis dar, weil er im ursächlichen Zusammenhang mit der Deportation steht. Die nächste Station – das Durchgangslager Pruszków – befand sich in der Nähe von Warschau. Hierüber ist bislang wenig bekannt. Von Pruszków aus gelangten die Frauen nach kurzem Aufenthalt in das Konzentrationslager Stutthof. Hier erfuhren sie erste tiefgreifende traumatische Erlebnisse. Sie wurden zu "Nummern" degradiert, verloren ihre Individualität, Menschenwürde und jegliche Rechte. Ungefähr einen Monat später, Anfang Oktober 1944, erfolgte der Transport von 500 Häftlingsfrauen nach Langenhagen. Dort wurden sie bei den so genannten Brinker Eisenwerken eingesetzt und lebten in einem nahe gelegenen fabrikeigenen Konzentrationslager. Nach der Zerstörung des KZ Anfang Januar 1945 erfolgte die Verlegung in das Lager in Limmer. Der Schwerpunkt der vorliegenden Darstellung bezieht sich auf die Konzentrationslager in Langenhagen und in Hannover-Limmer, über die wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Vor allem Arbeitseinsatz, Lebensbedingungen und Selbstbehauptung der Gefangenen sowie frauenspezifische Aspekte der Haft wurden untersucht. Am 6. April 1945 trieb die SS sie, zusammen mit anderen Konzentrationslagerhäftlingen, auf den "Todesmarsch" nach Bergen-Belsen. Dieses Lager assoziieren alle Überlebenden mit besonders grauenvollen Erinnerungen, weil es in den letzten Tagen vor der Befreiung außerordentlich geringe Überlebenschancen bot. Thematisiert wird ebenfalls die Nachkriegszeit sowie physische und psychische Langzeitschäden, die ihre Ursache in der KZ-Haft haben. Dabei schildern die Zeitzeuginnen auch die unterschiedlichen Wege der Rückkehr in die "Normalität" – ihren Alltag. [1] Laut Transportliste des KZ Stutthof vom 29.9.1944 handelt es sich um 27 Litauerinnen, 42 Lettinnen, 80 Russinnen und 351 Polinnen, Muzeum Stutthof (StM): I-IIC-4. Vgl. Dokumentenanhang.
[2] Kommandanturbefehl Nr. 64 des KZ Stutthof vom 28.9.1944, StM: I-IB-3. Vgl. Dokumentenanhang.
[3] Funkspruch des Lagerkommandanten Max Pauly (Neuengamme) an den Kommandanten Paul Werner Hoppe (Stutthof) vom 8.9.1944, StM: I-IIC-3.
[4] Stadtarchiv Langenhagen (StdALa): Langenhagen I Karton 126/127 Interview Wanda J. S. 6.
[5] Vgl. dazu Claus Füllberg-Stolberg: Frauen im Konzentrationslager. Langenhagen und Limmer, in: Rainer Fröbe u.a.: Konzentrationslager in Hannover. KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, Hildesheim 1985, Bd. 1, S. 277-331; Rainer Fröbe/Claus Füllberg-Stolberg: Von der Résistance zum Widerstand im Konzentrationslager. Weibliche KZ-Häftlinge in Ravensbrück und Hannover-Limmer, in: Dachauer Hefte. Studien und Dokumente zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager 7, 1991, S. 191-209; Gabriele Pfingsten/Claus Füllberg-Stolberg: Frauen in Konzentrationslagern – geschlechtsspezifische Bedingungen des Überlebens, in: Ulrich Herbert/Karin Orth/Christoph Dieckmann: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager – Entwicklung und Struktur, Bd. 2, Göttingen 1998, S. 911-938.
[6] Das Schicksal dieser beiden Frauen ist veröffentlicht. Vgl. Maria S. (geb. 1928 in Polen) und Danuta S. (geb. 1927 in Polen): "Ausmarsch, zwölf Stunden Arbeit, Rückkehr, Appell. So war unser Leben", in: Janet Anschütz/Irmtraud Heike: Feinde im eigenen Land, Bielefeld 2000, S. 198-213. Vgl. auch Suszyñska-Bartman, Maria: Nieœwiête mêczennice, Warszawa 1971 (Übersetzung ins Deutsche von Magdalena Szybkowska-Wille und Isabella Strauß). Bei diesem Überlebensbericht handelt es sich um ein in Polen veröffentlichtes Buch. Daher wird die Autorin nicht anonymisiert. Auslassungen im Text sind entsprechend gekennzeichnet. Ebenso erhalten geblieben sind Schreibfehler in den im Original enthaltenen deutschen Wörtern.
[7] Die Befragungen wurden alle auf Polnisch, der Muttersprache der Zeitzeuginnen, geführt und anschließend in die deutsche Sprache übersetzt.
[8] Die Dokumentation ist im Stadtarchiv Langenhagen, Rohdehof 20, 30853 Langenhagen einsehbar, StdALa: Langenhagen I Karton 126/127.
[9] Vgl. dazu Thomas Rahe: Die Bedeutung der Zeitzeugenberichte für die historische Forschung zur Geschichte der Konzentrations- und Vernichtungslager, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 2, 1995, S. 84-98.
[10] Vgl. dazu die Literatur zum Thema "Oral History": Karen Hagemann: "Ich glaub’ nicht, daß ich Wichtiges zu erzählen hab’...". Oral History und historische Frauenforschung, in: Herwart Vorländer (Hrsg.): Oral History, Göttingen 1990, S. 29-49; Alexander von Plato: Oral History als Erfahrungswissenschaft. Zum Stand der "mündlichen Geschichte" in Deutschland, in: BIOS 1, 1991, S. 97-121; Mark Roseman: Erinnern und Überleben. Wahrheit und Widerspruch im Zeugnis einer Holocaust-Überlebenden, in: BIOS 2, 1998, S. 263-280; Friedhelm Boll/Annette Kaminsky (Hrsg.): Gedenkstättenarbeit und Oral History, Berlin 1999.
[11] Vgl. Elisabeth Brümann-Güdter: Oral History – Geschichte aus der Sicht einzelner, in: Sigrid Jacobeit u.a. (Hrsg.): Ravensbrückerinnen, Berlin 1995, S. 22-25.
[12] Vgl. dazu Ulrike Jureit: Suchen und zweifeln – Erinnerungen von weiblichen Überlebenden der Konzentrationslager, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 2, 1995, S. 99-108.

Leseprobe 3



Inhalt:

Vorwort von Reinhard Schwitzer (Leseprobe)
Einleitung: Faktensicherung und Opferperspektive –
Lebensgeschichtliche Interviews als Quelle
(Leseprobe)

1. Vertreibung aus Warschau: Besatzungszeit und Deportation


Wanda J.: Wenn sich jemand wehrte, wurde er gnadenlos erschossen
Joanna B.: Am schrecklichsten waren die Razzien auf den Straßen
Józefa K.: Wir mussten unter Bewachung marschieren

2. Überprüfung auf "Einsatzfähigkeit": im Durchgangslager Pruszków


Irena P.: So wurde ich von meinen Eltern getrennt
Krystyna N.: Wir brauchten drei Tage bis Pruszków

3. Auslöschung der Individualität: im KZ Stutthof


Wanda J.: Von diesem Zeitpunkt an wurden wir alle "Banditen" genannt
Stanislawa P.: Es gab nur Appelle, aber keine Arbeit

4. Lageralltag als Strafe: im KZ in Langenhagen


Arbeitseinsatz in der Industrie
Krystyna N.: Manche Frauen erlitten Fehlgeburten durch die schwere Arbeit
Weronika K.: Die Arbeit in der Munitionsfabrik war sehr hart
Elzbieta K.: Ich hatte diese Arbeit so satt!
Józefa K.: Wir dachten wirklich ausschließlich ans Essen und vielleicht noch an das Kriegsende
Wanda J.: Wenn man hinfiel, bekam man noch einen Tritt
Lebensbedingungen in einem KZ-Außenlager
Krystyna N.: Wir versuchten, hygienisch zu bleiben
Maria K.: Wir schrieben nachts Gedichte
Elzbieta K.: Die Tage waren kurz, sodass ich wirklich ganz wenig mitbekam
Weronika K.: Es gab keine Fluchtmöglichkeiten
Die Zerstörung des KZ
Wanda J.: Die Erde brannte
Elzbieta K.: Der Bunker bebte, und wir warteten auf die Explosion

5. Enttrümmerung und Produktion: im KZ in Limmer


Wechselnde Arbeitseinsätze
Genowefa J.: Der Weg in die zerstörte Fabrik war unsere Hauptbeschäftigung
Maria K.: Es gab eine spezielle Gruppe, die nur enttrümmerte
Wladyslawa B.: Einmal wurden wir in dieser Zeit ordentlich mit Stöcken verprügelt
Józefa K.: An meinem Namenstag aß ich mich an Zwieback satt
Leben in überbelegten Unterkünften
Elzbieta K.: Alle Frauen aus Langenhagen mussten in eine Baracke passen...
Maria K.: Die Baracke war unser "Zuhause"
Helena W.: Wenn wir nicht arbeiteten, mussten wir mehrmals viele Stunden lang stehen
Die Evakuierung der entkräfteten Häftlinge
Krystyna N.: Wer nicht mehr aufstehen konnte, wurde einfach erschossen
Wladyslawa B.: Irgendwann besaß ich nur noch einen Holzschuh

6. Chaotische Verhältnisse: im KZ Bergen-Belsen


Wanda J.: Viele wurden von dem Essen krank
Krystyna N.: Der Kampf ums Wasser fand an einem tropfenden Wasserhahn statt

7. Letzte Gefahren und Rückkehr in die Freiheit: die ersten Nachkriegsmonate


Józefa K.: Ich spürte, dass ich ins Leben zurückkehrte
Irena P.: Plötzlich gab es Unmengen von Essen
Anmerkungen
Dokumentenanhang
Kurzbiografien der interviewten Zeitzeuginnen
Quellen und Literatur
Abkürzungen
Bildnachweis
Danksagung

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