Walden Bello / Nicola Bullard / Wolfgang Sachs / Vandana Shiva u.a.

Die Umwelt in der Globalisierungsfalle

McPlanet.com – Das Buch zum Kongress von Attac, BUND und Greenpeace in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Herausgegeben von Marc Engelhardt und Markus Steigenberger

208 Seiten | 2003
EUR 12.80 | sFr 23.20
ISBN 3-89965-029-8

 

Kurztext: Lassen sich ökologische und soziale Standards im globalen Wettbewerb durchsetzen?

Bei McPlanet.com – Die Umwelt in der Globalisierungsfalle trafen im Juni 2003 zum ersten Mal Globalisierungskritiker und Umweltschützer auf einem gemeinsamen Kongress zusammen. Mehr als 1.500 Teilnehmer diskutierten in Berlin darüber, wie die wirtschaftliche Globalisierung unser Trinkwasser, das Klima oder die Artenvielfalt bedroht. Drei Tage lang wurden Streitpunkte diskutiert, Gemeinsamkeiten gefunden, Pläne geschmiedet und Aktionen durchgeführt.

Die Dokumentation des Kongresses, den Attac, BUND und Greenpeace in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie veranstaltet haben, fasst die wichtigsten Beiträge und Ergebnisse zusammen. Aktivisten, Politiker und Wissenschaftler aus Nord und Süd kommen darin zu dem Ergebnis:

Eine andere Umwelt ist möglich!

Dieses Buch ist die Dokumentation des Kongresses. Aus den sechs Panel-Diskussionen, dem Late Night Talk und mehr als hundert Foren, Workshops und Seminaren konnten wir für die Dokumentation nur einige auswählen. Nach zwei einleitenden Artikeln sind die Beiträge aus Panels und Talk in Kapiteln zusammengestellt, denen eine Zusammenfassung der Diskussion vorausgeht. Der Rest des Buches gehört Beiträgen aus den Foren. Themen und Autoren haben wir dabei hoffentlich so gewählt, dass die Vielfalt von McPlanet.com erhalten geblieben ist.

Leseprobe 1

McPlanet.com
Ein Kongress schafft Bewegung


Das vorliegende Buch ist die Dokumentation des Kongresses "McPlanet.com – Die Umwelt in der Globalisierungsfalle", der vom 27. bis 29. Juni 2003 in der Technischen Universität Berlin stattgefunden hat. Es war ein Kongress von Umwelt- und globalisierungskritischer Bewegung und der erste Kongress, den Attac, BUND, Greenpeace in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gemeinsam durchgeführt haben.

Warum dieser Kongress? Am Anfang stand eine Erkenntnis: Globalisierungskritik und Umweltschutz gehören zusammen. Aber kaum jemand weiß es. Nur wenigen schien aufzufallen, dass der Diskurs über Globalisierung das Thema Ökologie seit Jahren fast völlig außen vor lässt. Weitgehend ahnungslos geben sich Politik, Verwaltung, Wirtschaft – und selbst große Teile der Zivilgesellschaft.

Natürlich arbeiten einige Teile der Umweltbewegung schon lange an globalen Themen. Von ihren Zielen und Aufgaben her sind sie eigentlich zwangsläufig Teil der globalisierungskritischen Bewegung. Doch sind diese Wurzeln manchem über der heute primär bundesdeutschen Agenda aus dem Blickfeld geraten. Umgekehrt mag so mancher Attac-Anhänger die Erkenntnisse und Errungenschaften der Ökologiebewegung der letzten 30 Jahre nicht so recht zur Kenntnis nehmen: etwa die Bedeutung ökologischer Gesetzmäßigkeiten für das Leben auf unserem Planeten und die daraus abgeleitete Wachstumskritik. Wirtschaften muss eben nicht nur sozial gerecht, sondern auch ökologisch gerecht sein. Das Einhalten von Umweltstandards ist dabei keine Luxusdebatte: Die Zerstörung der Natur und die Plünderung der Ressourcen trifft vor allem und zuerst die Armen dieser Welt, und Schäden am Ökosystem Erde vergrößern die Kluft zwischen Arm und Reich.

Der Erkenntnis folgte der Plan: Wir müssen etwas tun. Wir, das heißt: Umweltschützer und Globalisierungskritiker gemeinsam. Globalisierungskritische Themen und Umweltthemen nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten, das war das Ziel von McPlanet.com. Ein bundesweites Forum, bei dem beide Bewegungen zusammenkommen, miteinander diskutieren und von einander lernen konnten.

Voneinander lernen. Miteinander streiten: Schwerpunkt des Kongressprogramms waren die Schnittstellen zwischen Ökologie und Globalisierung. Wir wollten Kontroversen austragen: zwischen "Ökos" und "Attacies", zwischen Nord und Süd; Kontroversen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Denn die unterschiedlichen Positionen verlaufen nicht nur zwischen "Ökos" und "Attacies". Vielmehr gibt es auch innerhalb der Bewegungen unterschiedliche Antworten auf Fragen wie: Sind Umwelt- und Sozialstandards ein Hemmnis für den Marktzugang ärmerer Länder? Brauchen wir mehr globale Regeln oder müssen wir einzig die lokale Selbstbestimmung fördern?

McPlanet.com brachte Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen und aus allen Teilen der Welt zusammen, um ungeklärte und konträre Positionen zu diskutieren. Zugleich sollten Quereinsteigern die Themen der Umweltbewegung wie der globalisierungskritischen Bewegung näher gebracht werden. Politische Handlungsmöglichkeiten und Motivation zum Mitmachen standen hier im Mittelpunkt.

Mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beim spannenden Mix aus verschiedenen Veranstaltungen dabei: Bei groß angelegten Paneldiskussionen mit internationalen ReferentInnen, bei Foren mit jungen Gästen und etablierten Experten, beim Late Night Talk zwischen Bewegung und Politik und rund 60 Workshops und Seminaren zu allen Themen zwischen Umwelt und Globalisierung. Abgerundet wurde das Programm durch einen Markt der Möglichkeiten, kulturelle side events und eine große Abschlussaktion im Zentrum von Berlin.

Das Abbild von drei Tagen McPlanet.com findet sich in diesem Buch. Was wir hier nicht wiedergeben können, sind all die kleinen und großen Erfahrungen, die wir in einem Jahr Entstehungsgeschichte von McPlanet.com gemacht haben. Fünf höchst unterschiedliche Träger unter einen Hut zu bringen, war eine ständige Herausforderung. Diese gemeistert zu haben, ist mit Sicherheit eine der wichtigeren Grundlagen für die künftige Zusammenarbeit von "Ökos" und "Attacies", von Verbänden, Stiftungen und Instituten.

McPlanet.com und die Folgen: McPlanet.com war eine gute Idee zur richtigen Zeit. Die Resonanz in beiden Bewegungen hat uns gezeigt, wie groß das Interesse ist und wie viele Aktivistinnen und Aktivisten sich im Schnittfeld von Umwelt und Globalisierung engagieren wollen. Viele von denen, die in Berlin dabei waren, empfanden den Gegensatz zwischen Umwelt- und globalisierungskritischer Bewegung sogar als zu konstruiert – weil sie längst in beiden Bewegungen mitmischen.

McPlanet.com geht weiter. Uns allen ist klar: Wenn wir Umweltpolitik betreiben, dann geht das heute nur noch unter den Vorzeichen der Globalisierung. Und wenn über Globalisierung diskutiert wird, dann darf man über ökologische Fragen nicht schweigen. Mit lokalen Diskussionen wollen wir Umwelt und Globalisierung überall in Deutschland zum Thema machen. Andere Aktivitäten sind geplant.

Zunächst aber wünschen wir viel Spaß mit diesem Buch, das ohne die Arbeit von Andreas Ernst nicht zustande gekommen wäre. Dafür danken wir ihm. Diejenigen, die bei McPlanet.com waren, erinnern sich beim Lesen vielleicht an die eine oder andere erlebte Debatte. Den anderen gibt es einen Überblick über das, was in Berlin drei Tage lang für Gesprächsstoff gesorgt hat. Beim nächsten Mal McPlanet.com sind dann hoffentlich auch Sie dabei.

Marc Engelhardt (BUND) / Maja Göpel (BUND) / Jörg Haas (Heinrich-Böll-Stiftung) / Barbara Kamradt (Greenpeace) / Jürgen Knirsch (Greenpeace) / Tilman Santarius (Wuppertal Institut) / Markus Steigenberger (Attac)


Leseprobe 2

Nicola Menzel
Blick über den Tellerrand


Umwelt und Gerechtigkeit gehören zusammen! Dies machte McPlanet.com eindeutig klar. Wir wollten wissen: Mit welchen persönlichen Eindrücken fahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ländern des Südens, Europa und Deutschland nach Hause? Was war besonders motivierend an diesem Kongress? Umweltbewegte und Globalisierungskritiker treffen sich das erste Mal: Was ist dadurch anders und neu? Welche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Bewegungen? Und worin liegt die größte Chance einer zukünftigen Zusammenarbeit?

Vandana Shiva, 50, Research Foundation for Science, Technology and Ecology (RFSTE), Neu Delhi/Indien
Motivierend: Es sind die beiden wichtigsten Themen meiner Arbeit, die hier zusammenkommen: Die Bedeutung der Umwelt für den Menschen lebendig zu halten, während die Folgen der Globalisierung sie bedrohen.
Anders & Neu: Während ich die Veranstalter seit langer Zeit kenne, ist der ganze Zuschauerraum voll mit jungen Leuten! Es sind nicht mehr die alten Bekannten, sondern eine neue Generation. Das bestärkt die eigene Arbeit. Ein anderer Punkt ist, dass keine der Diskussionen oberflächlich oder mechanisch ablief. Sondern es war ein tiefgehender Austausch, der das Verständnis in der inhaltlichen Auseinandersetzung fördert. So entstehen bessere Strategien für die Bewegungen. Ich fühle intellektuell und politisch einen frischen Wind.
Zusammenarbeit: Die Umweltbewegung setzt sich für den Schutz der Natur und das Recht aller Menschen auf diese Schätze ein. Zentrales Anliegen der Globalisierungskritiker ist Gerechtigkeit. Sie müssen den Blick darauf richten, wo es am meisten weh tut – nämlich in der Armut. Gerade hier ist die Frage der natürlichen Ressourcen zentral: Was passiert mit dem Boden? Mit der Biodiversität? Mit dem Wasser? Mit dem Saatgut? Mit den Nahrungsmitteln? Umweltbewegung und globalisierungskritische Bewegung haben denselben Anfang und dasselbe Ende – und sie begegnen derselben Logik. Wir sind nur so lange getrennt, wie Theorien auf Papieren dies tun. Mein Rat an die Bewegungen ist: Lasst euch nicht von Papier einlullen, sondern wendet euch an die Erde als Ratgeber.

Verena Graichen, 24, stellv. Internationale BUND-Sprecherin, Berlin
Motivierend: Motivierend ist, dass viele Leute, die ich aus verschiedenen Zusammenhängen kenne, auf einem gleichen Treffen sind. Es werden erste Schritte getan zu mehr Zusammenarbeit zwischen Ökologie und Globalisierung: viele spannende Diskussionen laufen am Rande der Veranstaltungen, etwa an den Infoständen.
Anders & Neu: Neu ist die Teilnehmerzusammensetzung, aber sonst steht McPlanet in der Tradition der NGO-Kongresse, die ich kenne.
Unterschiede: Der wichtigste Unterschied ist der Fokus der Arbeit. Denn im Selbstverständnis unterscheiden sich Umwelt- und globalisierungskritische Bewegung mehr als in der inhaltlichen Arbeit bei Themen, die beide bearbeiten. Anders ist auch, ob man sich selbst als Experte oder als Protestierer wahrnimmt. Attac Deutschland symbolisiert immer noch sehr viel Aufbruch. Das tun die anderen Mitveranstalter BUND und Greenpeace hingegen nicht, sondern sie stehen mehr für Kontinuität und Expertise und weitergehende Arbeit. Es ist wichtig, sich kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. Jeder hat einen eigenen Blick auf den anderen.
Zusammenarbeit: Die Chance ist die Vielfalt durch verschiedene Ansätze bei der Arbeit und bei den Inhalten. Auf dem Kongress werden wichtige Sachverhalte weiter verknüpft und der Blick für die andere Seite geschärft. Das muss sich nicht unbedingt darauf auswirken, wie die Organisationen arbeiten. Denn die Arbeitsteilung von Inhalten und Aktionsformen finde ich eine sinnvolle Sache. Aber die andere Arbeitsform und der andere thematische Fokus sind auch für meine Arbeit hilfreich.

Sabine Leidig, 41, Attac-Bundesgeschäftsführerin, Frankfurt
Motivierend: Toll ist, dass Leute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen hier zusammenarbeiten. Von der globalisierungskritischen Bewegung kommen viele aus einer anderen Sozialisation als in der Umweltbewegung. Es steht viel Engagement und einiges an finanziellen Mitteln hinter der Veranstaltung, sodass das Angebot und die Gestaltung wirklich attraktiv sind.
Anders & Neu: Ich erlebe den Kongress ähnlich wie das Weltsozialforum in Porte Alegre, etwa die Möglichkeit, dass sich ganz unterschiedliche Gruppen darstellen, und die dialogorientierten Panels sowie die Diskussionsforen. Das hat wenig Ähnlichkeit mit eher traditionellen Kongressformen, die stärker an Vorträgen orientiert sind und weniger Breite und Vielfalt bieten.
Unterschiede: Die globalisierungskritische Bewegung schlägt einen großen Bogen. Ökologische Fragen sind dabei wichtig, aber nicht das einzige Thema. Das unterscheidet die globalisierungskritische Bewegung von anderen Bewegungen, wie etwa der Umweltbewegung, die an einem einzelnen Thema arbeiten und dort viel mehr in die Tiefe gehen können.
Zusammenarbeit: Eine Chance ist es, wenn Erkenntnisse der Umweltbewegung in die globalisierungskritische Bewegung einfließen. Darüber hinaus ist es wichtig, inhaltliche Verbindungsbögen zwischen den einzelnen Aspekten der Globalisierungskritik zu entwickeln. Ganz aktuell ist es eine Herausforderung, die Frage der Ökologie mit der sozialen Frage und der Frage, wieweit können Gesellschaften wachsen, zu verbinden.

Barbara Kamradt, 41, Greenpeace, Hamburg
Motivierend: Beeindruckt hat mich die Vielzahl der hochmotivierten TeilnehmerInnen, die offene Atmosphäre, das Gefühl von Aufbruch. Umweltthemen sind also weiterhin attraktiv und gehören zur globalisierungskritischen Debatte dazu. Interessant war das Konzept vieler parallel laufender Veranstaltungen.
Unterschiede: Die globalisierungskritische Bewegung hat nach langer Zeit wieder eine Kritik der "herrschenden Ökonomie" populär gemacht. Sie ist nicht so spezialisiert und hat den Charakter einer breiten Bewegung. Die Umweltbewegung hingegen hat sich thematisch stark fokussiert und den Bewegungscharakter immer mehr verloren.
Zusammenarbeit: Beide müssen für den Austausch von Erfahrungen offen sein. Auf der Umweltseite gibt es viel Expertise und viel Know-How, wenn es um Lösungsansätze, aber auch um Protestformen geht. Eine neue Bewegung bringt wieder anderen Schwung mit und stellt weitreichendere Fragen. Sie kann als Katalysator wirken, braucht aber dauerhaft auch Lösungen und konkrete Erfolge.

Jacob von Recklinghausen, 23, Attac Aktionsgruppe, Attac, Berlin
Motivierend: Hier kommen die Organisationen zusammen, die auch Aktionen machen. Es ist gut, dass am Ende des Kongress eine gemeinsame Aktion steht.
Anders & Neu: Der Mix aus den verschiedenen Bewegung ist anders. Umwelt- und globalisierungskritische Bewegung haben dasselbe Ziel, nur sie merken es im Alltagsgeschäft noch nicht. Die Mechanismen, gegen die wir kämpfen, sind dieselben, und die sind zu entlarven.
Unterschiede: Die Umweltbewegung zielt mehr auf die Welt als Umwelt und Natur, die globalisierungskritische Bewegung hingegen auf die Menschen als handelnde Akteure in der Natur. Beides gehört zusammen. Wenn die WTO stärker ist als Umweltabkommen und Regeln durchsetzt, müssen die Bewegungen zusammen kämpfen.
Zusammenarbeit: Eine Chance ist, wenn wir es schaffen, gemeinsam mit möglichst vielen Organisationen, Aktionen auf die Beine zu stellen. Es muss nicht laut offiziellem Logo eine Aktion von so und so sein. Es reicht zunächst, wenn Menschen, die aktiv sind, zusammen arbeiten. Das andere kommt danach. Es ist eine unserer Stärken, viele Leute zusammenzubringen.

Farida Akhter, 49, UBINING (Politikforschung für Entwicklungsalternativen), Dakar/Bangladesh
Motivierend: Das Interesse an den so genannten technischen, harten Themen ist enorm. Es war sehr ermutigend, zu sehen, dass die Mehrheit der Teilnehmer, die unbeirrt zuhören, jung ist.
Anders & Neu: Die Verbindung zwischen Umwelt und Handel ist neu und wichtig, denn sie ist sehr direkt. Man kann nicht über Handel aus einer nur wirtschaftlichen Sicht sprechen und ohne die Umwelt zu beachten. Wenn die Umwelt zerstört ist, wird auch der Handel schlecht.
Zusammenarbeit: Obwohl auf dem Kongress die Frauenperspektive präsent war, gab es hierzu keine eigene Sektion. Die Umweltbewegung glaubt, dass sie Gender- oder Frauenthemen nicht gesondert behandeln muss. Ich warne davor, denn eine Umweltsicht ohne feministische Perspektive führt nicht weiter!

Jutta Sundermann, 32, BUKO-Pharma-Kampagne, Verden
Motivierend: Ich hatte manchmal Angst, dass Ökothemen out sind und dass es nicht gelingt, Globalisierung und Ökologie zusammenzubringen. Aber jetzt zeigt sich, dass es geklappt hat.
Anders & Neu: Es sind etliche Leute hier, für die das Thema neu ist. In den Workshops besteht die Möglichkeit, genauer hinzuschauen, wie die Mechanismen funktionieren und was ausreichende Strategien sind.
Unterschiede: Die globalisierungskritische Bewegung ist im Moment modern und hip. Es sind viele zu Attac gekommen, die frustriert waren und wiederum andere, die noch nie politisch gearbeitet haben. Sie machen sich jetzt mit neuem Namen und neuen Themen an Fragen, die teilweise schon viel älter sind. Da die globalisierungskritische Bewegung die Wirtschaftspolitik und ihre Zusammenhänge neu im Blick hat, hat sie eine Chance, mehr als nur eine Modebewegung zu sein. Aber die Umweltbewegung ist auch aus ihrer längeren Geschichte heraus in Teilen qualifizierter. Sie konnte oft besser handeln, weil sie ein bestimmtes, ganz konkretes Ziel hatte. Die Globalisierungsbewegung muss diese Konkretisierung erst leisten.
Zusammenarbeit: Mehr Qualität für die globalisierungskritische Bewegung in Ökofragen, mehr neue Leute für die Umweltbewegung, die für manche ein bisschen als von vorgestern gegolten hat – aber genau das nicht ist. Die Analyse bleibt wichtig und notwendig, aber ich muss auch überlegen, was ich, außer allgemein darüber zu reden, damit mache. Das Handeln ist zentral.


Die Interviews führte Nicola Menzel (siehe auch politische ökologie 85 [2003]: Machtspiel Globalisierung. Pokern um Umwelt und Gerechtigkeit, München).

Leseprobe 3



Inhalt:

McPlanet.com
Ein Kongress schafft Bewegung (Leseprobe)

Marc Engelhardt/Markus Steigenberger
Umwelt in der Globalisierungsfalle

Gerechtigkeit auf einem begrenzten Planeten

Wolfgang Sachs
Ohne Ökologie keine Gerechtigkeit

Walden Bello
Die Krise des Globalisierungsprojekts und die Wirtschaftspolitik von George W. Bush

Gerd Leipold
Sushi und Globalisierung

Freier Handel – fairer Handel: Marktzugang oder Protektionismus durch Menschenrechte, Umwelt- und Sozialstandards?

Farida Akhter
Tiger fressen Ziegen

Colin Hines
Das Lokale global schützen

Zeina al-Hadsch
Protektionismus oder Schutz des Planeten?

Konzerne Regeln Globale Märkte: Bermuda-Dreieck der Unverantwortlichkeit?

Tapati Ghosh
Konzerne kontrollieren den Weltmarkt: Wer kontrolliert die Konzerne?

Marcelo Furtado / Andreas Bernstorff
Herausforderung Rechenschaft – Konzerne müssen haften

Global regulieren oder lokal bestimmen?

Nicola Bullard
Global Governance und Neoliberalismus

Ulrich Brand
Gegenmacht, Alternativen und Handlungsfähigkeit

Martin Rocholl
Multilateralismus

Wie im Westen so auf Erden: Autos für alle?

Michael Sachs
Die Räder des schwarzen Mannes

Vandana Shiva
Wege zu einer ökologisch gerechten Welt

Helena Norberg-Hodge
Den Traum von der Entwicklung platzen lassen

Where do we go from here? Eine andere (Um-)Welt ist möglich

Barbara Unmüßig
Ein Kongress zeigt den Weg in die richtige Richtung

Sven Giegold
Gemeinsamkeiten, Differenzen und Perspektiven

Soziale Bewegung und Politik

Jürgen Trittin
Umweltpolitik und globale Gerechtigkeit

Ricardo Navarro
Politik braucht Bewegung –Bewegung macht Politik!

Einmischen streng erwünscht

Alexandra Wandel / Daniel Mittler
Die WTO im Dienste der Konzerne – Beispiele und Alternativen

Angelika Zahrnt
Lebensstil light: Gut leben statt viel haben?

Martin Kaiser
Ja Logo! Internationale Öko- und Soziallabel

Herrmann E. Ott
Umweltpolitik im Zeitalter der Hegemonie

Ulrike Brendel
Auf dem falschen TRIP – Biopiraterie und Patente

Sarath Fernado
Die allgemeinen Wasserrechte schützen

Dan Hindsgaul
Gentechnik per Zwangsverordnung?

Tilman Santarius
Ohne Balance – Umweltabkommen und Handelsrecht

Karsten Smid
Global Player – die Machenschaften der Ölkonzerne

Duncan McLaren
Freunde der Erde: Feinde des Krieges

Heike Prietzel
Hände weg von unserer Nahrung!

Nicola Menzel
Blick über den Tellerrand (Leseprobe)

Die Autorinnen und Autoren

Autorenreferenz

Farida Akhter ist Expertin für Agrar- und Gentechnik und Geschäftsführerin von UBINIG, einer bengalischen NGO für Politikforschung für Entwicklungsalternativen. Aktiv ist die Ökonomin aus Bangladesch außerdem in der Bewegung Nayakrishi Andolon (Neue Landwirtschaft): 65.000 Bauernfamilien bestellen ihre Felder ohne jeglichen Einsatz von Chemie.

Zeina Al-Hadsch ist in der Nähe von Beirut aufgewachsen. Dort studierte sie auch Politik- und Verwaltungswissenschaften. Nach drei Jahren als Chemie-Campaignerin für Greenpeace Libanon ist sie heute bei Greenpeace International für die Koordination der Handelsaktivitäten zuständig.

Walden Bello ist Professor für Soziologie und Ökonomie an der Universität der Philippinen und zugleich Direktor der NGO "Focus on the Global South" mit Sitz in Bangkok. Als einer der profiliertesten Globalisierungskritiker wurde er 2003 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Zugleich ist Bello einer der maßgeblichen Organisatoren des Weltsozialforums.

Ulrich Brand hat in Frankfurt/M., Berlin und Buenos Aires Tourismus und Politikwissenschaft studiert. Heute ist er Assistent im Fachbereich Globalisierung und Politik an der Uni Kassel. Der Autor mehrerer Bücher ist seit Mitte der 1990er Jahre beim BUKO, der Bundeskoordination Internationalismus, aktiv und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von Attac.

Ulrike Brendel ist Gentechnologie-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Patentierung von Lebewesen und Naturgütern.

Nicola Bullard ist stellvertretende Direktorin von "Focus on the Global South" und arbeitet schwerpunktmäßig zur Rolle von internationalen Finanzinstitutionen. Die Australierin hat in Den Haag und Melbourne Internationale Beziehungen, Erziehungswissenschaft, Geographie und urbane Soziologie studiert. Arbeitserfahrung im Bereich Menschenrechte und Entwicklung sammelte sie danach in Kambodscha, Thailand und Australien.

Marc Engelhardt, geboren 1971, hat in Kiel Geographie, Biologie und Jura studiert. In Hamburg arbeitet er als Fernsehjournalist und Autor. Ehrenamtlich ist er internationaler Sprecher des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und einer der Mitbegründer der AG Globalisierung und Ökologie bei Attac.

Sarath Fernando kämpft in seiner Heimat Sri Lanka gegen die Privatisierung des Wassermarktes.

Marcelo Furtado arbeitet seit 13 Jahren für Greenpeace. Der ausgebildete Chemie-Ingenieur aus Brasilien leitet nach Kampagnen zu Giftexporten und Umweltverschmutzung in Lateinamerika jetzt die Aktivitäten zum Thema Kontrolle und Haftung der Konzerne bei Greenpeace International.

Tapati Ghosh ist Generaldirektorin des indischen Büros von "Centre for Social Markets" (CSM). Dort hat sie eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen über Industrieunfälle, die Effizienz von Trainingsprogrammen und Arbeitszufriedenheit durchgeführt. Derzeit arbeitet sie am Aufbau des "West Bengal Forum on Business Partnerships for Sustainable Development".

Sven Giegold ist Mitglied im Koordinierungskreis von Attac. Der Wirtschaftswissenschaftler kommt aus der Umweltbewegung und ist nach wie vor beim BUND aktiv. Bei Attac koordiniert er außerdem die AG Steuerflucht und Steuerpolitik. Giegold lebt in einem Projekt alternativen Lebens und Arbeitens in Verden/Aller.

Colin Hines arbeitete zunächst als Leiter der Handelskampagne bei Greenpeace International. Der überzeugte Öko-Protektionist hat die Bewegung "Protect the Local, globally" (Das Lokale global schützen) gegründet und ist Mitglied im Internationalen Globalisierungs-Forum (IFG).

Dan Hindsgaul ist Campaigner bei Greenpeace International in Amsterdam. Dort bearbeitet er den Gentechnik-Streit, den die USA vor dem Schiedsgericht der WTO gegen die EU angestrengt hat.

Martin Kaiser ist Campaigner im Bereich Meere/Wälder/WTO bei Greenpeace Deutschland.

Gerd Leipold leitet seit 2001 die Arbeit von Greenpeace International. Der 52jährige Münchner engagiert sich seit den 1980ern bei Greenpeace und koordinierte über 50 internationale Schiffsaktionen auf See. Davor studierte er Physik, Meteorologie und Ozeanographie und arbeitete am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie im Bereich Klimaforschung.

Duncan McLaren ist Geschäftsführer von Friends of the Earth Scotland. Nach Forschungen und Veröffentlichungen zum Thema Zukunftsfähigkeit, darunter eine Nachhaltigkeitsstudie für Großbritannien, arbeitete er in den vergangenen Jahren schwerpunktmäßig zu Umweltgerechtigkeit und Unternehmensverantwortung. Für Friends of the Earth International hat er die Anti-Golfkriegsaktivitäten koordiniert.

Daniel Mittler ist Referent für internationale Umweltpolitik beim BUND/Friends of the Earth Germany in Berlin. Er hat Politik, Stadtplanung und Afrikanistik in Edinburgh, London und Kingston, Ontario studiert. Er ist Mitglied des Sustainable Europe Research Institute und Fellow des Centre for Human Ecology, Edinburgh.

Ricardo Navarro ist Präsident von Friends of the Earth International (FoEI), einem Netzwerk von weltweit 68 Umweltverbänden. Die Deutsche Sektion von FoEI ist der BUND. In seinem Heimatland El Salvador leitet Navarro die nationale FoE-Gruppe CESTA, die sich mit Umwelt- und sozialen Fragen gleichermaßen beschäftigt. 1995 wurde Ricardo Navarro mit dem Goldman Prize ausgezeichnet.

Helena Norberg-Hodge ist Gründerin und Direktorin der International Society for Ecology & Culture (ISEC), Großbritannien. Die Mitherausgeberin der Zeitschrift "The Ecologist" ist Trägerin des alternativen Nobelpreises. Bekannt wurde sie Anfang der 1990er Jahre mit ihrem Buch "Ancient Futures: Learning from Ladakh" über die Auswirkungen der Globalisierung auf traditionelle Gemeinschaften im indischen Himalaya.

Hermann E. Ott ist Jurist und Politikwissenschaftler. Im Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie leitet er die Abteilung Klimapolitik. Von November 2000 bis Juni 2001 war er dafür zuständig, eine Umweltpolitik des Auswärtigen Amtes zu konzeptionieren.

Martin Rocholl ist Direktor von Friends of the Earth Europe in Brüssel. Seit über 20 Jahren ist der Biologe in lokalen, nationalen und internationalen Umweltorganisationen tätig und hat u.a. das globale Umwelt- und Entwicklungsnetzwerk ASEED (Action for Solidarity, Equality, Environment and Development) gegründet. Er ist Leiter einer Kampagne zur Ökologischen Steuerreform.

Michael Sachs wurde 1971 in London geboren, nachdem seine Eltern vor dem Apartheid-Regime in Südafrika geflüchtet waren. Mit 20 zog er selbst nach Südafrika und arbeitet seitdem für den African National Congress (ANC), unter anderem als Koordinator für Wahlkampagnen. Zur Zeit koordiniert Sachs die National Research Unit des ANC in Johannesburg. Außerdem arbeitete er für den Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002.

Wolfgang Sachs studierte Soziologie und Theologie in München, Tübingen und Berkeley, USA. Seit 1993 arbeitet er als Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. 1999-2001 war Sachs Mitglied des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC); seit 1998 ist er im Fachbeirat Süd der Heinrich-Böll-Stiftung. 2002 leitete er die internationale World Summit 2002 Memorandum Gruppe der Heinrich-Böll-Stiftung.

Tilman Santarius, geboren 1974, ist Diplom-Soziologe. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie arbeitet er zu Welthandel und Umwelt. Abteilungsübergreifend koordiniert er das Projekt "Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?!"

Vandana Shiva, Physikerin und Agrarwissenschaftlerin, ist eine der prominentesten Aktivistinnen gegen die wirtschaftliche Globalisierung. Die Inderin ist Gründerin und Direktorin der Research Foundation for Science, Technology and Ecology (RFSTE) in Neu Delhi. Ihre Schwerpunktthemen sind die Bekämpfung von Gentechnik und der Erhalt der Biodiversität. Vandana Shiva ist Trägerin des alternativen Nobelpreises und Mitglied des International Forum on Globalization.

Karsten Smid ist Energie-Campaigner bei Greenpeace Deutschland. Öl ist sein Spezialthema.

Markus Steigenberger, geboren 1975, hat Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Politik und Jura studiert. Derzeit volontiert er beim Ökom-Verlag in München. Er ist Mitglied im Attac-Rat und Mitbegründer der Attac-AG Globalisierung und Ökologie.

Jürgen Trittin begann seine Karriere bei den Grünen, als er 1982 Geschäftsführer der Göttinger Ratsfraktion der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste wurde. Der Diplom-Sozialwirt war sechs Jahre lang Mitglied des niedersächsischen Landtages und in der rot-grünen Länderkoalition von 1990 bis 1994 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Danach wechselte Trittin in die Bundespolitik und wurde Sprecher des Bundesvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen. Seit 1998 ist er Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Barbara Unmüßig hat Politische Wissenschaft in Berlin studiert und ist heute Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung. Mehr als zehn Jahre lang war sie Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende bei Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung e.V. (WEED). Im Jahr 2000 gründete sie das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR), dessen stellvertretende Vorsitzende sie heute ist.

Alexandra Wandel ist Leiterin der Kampagne für Handel, Umwelt und Nachhaltigkeit bei Friends of the Earth Europe.

Angelika Zahrnt ist seit 1989 Mitglied des Bundesvorstands des BUND/ Friends of the Earth Germany und seit 1998 BUND-Vorsitzende. Nach dem Studium in Heidelberg, Wien und Innsbruck war die Volkswirtin u.a. freiberuflich für das Ökoinstitut Freiburg in der Kommunalpolitik, der Frauenpolitik und der Umweltbewegung tätig. Sie ist Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

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