Die Schanze: Galão-Strich oder Widerstandskiez?
Streifzug durch ein klammheimliches Klavierviertel
108 Seiten | 2011
EUR 10.80 | sFr 17.50
ISBN 978-3-89965-472-1
Kurztext: Geschichten | Galão | Gentrification im Hamburger Szeneviertels Sternschanze, kurz »Schanze« genannt – detaillierte Blicke hinter die Kulissen.
- Leseprobe:
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Was haben Fatih Akin, Julianne Steinway, Eddie Constantine, Wolfgang Borchert, die Füller-Frauen von Montblanc, Udo Lindenberg, Yvonne Trübger, Carl von Ossietzky, Joachim Ringelnatz, der Boxer »Rukelli« Trollmann, Carl Hagenbeck oder der Lord von Barmbeck in Hamburgs inzwischen kultigstem Viertel verloren? Sie alle spiel(t)en in der Schanze eine Rolle. Wer wissen möchte, welche, erfährt mehr in diesem Büchlein.
Die Schanze, die in Presse, Funk und Fernsehen gern und immer mal wieder als Krawall- oder Latte-Macchiato-Viertel charakterisiert wird, ist im Wandel, hier wie andernorts nicht immer zum Besten des Quartiers. Sie hat ihren Kiez-Charakter trotzdem noch nicht ganz verloren, was auch damit zu tun hat, dass ihre bewegte Geschichte überall Spuren hinterließ – wenn man sie zu lesen weiß. Einige davon hat der Autor in seinem Rundgang aufgespürt.
Er geht vorzugsweise von harten Fakten aus, hört aber auch auf das Brodeln der Gerüchteküche und gelangt zu einer eigenwilligen Charakterisierung des Viertels. So zieht er deutliche Parallelen von lange zurückliegenden Entwicklungen des Stadtteils zur aktuellen Hamburger Politik und lässt dabei kein noch so vages revolutionäres Ereignis unerwähnt. Die LeserInnen erfahren nicht nur, warum der dänische König Christian V. zusammen mit 60 »beratenden« schwedischen Offizieren für den Namen des Viertels mit verantwortlich ist und dass der ursprüngliche Bahnhof Sternschanze es mit dem Dammtorbahnhof durchaus aufnehmen konnte.
Auch über revolutionäre Umtriebe auf dem Heiligengeistfeld und den ersten »Hamburger Kessel« ebendort wird berichtet. Was es mit dem Hamburger im Unterschied zum Altonaer Wappen auf sich hat, wird ebenso thematisiert wie das mögliche Schicksal alt ansässiger Konfitürenläden und die Zukunft der Roten Flora.
Die kritische Betrachtung des Viertels ist verpackt in kurzweilige Geschichten. Dass Geschichte und Gegenwart des Kiezklubs FC St. Pauli gewürdigt werden, wird niemanden wundern. Dass dem Schicksal vieler jüdischer Menschen im Viertel nachgegangen und zugleich herausgestellt wird, dass ihre Geschichte eigentlich noch erforscht werden muss, gehört zu einem weiteren Anliegen des Autors. Er verspricht zudem einen Streifzug durch ein »klammheimliches Klavierviertel«. Das Versprechen wird eingelöst und endet mit einer überraschenden Schanzenhymne.
Der Autor:
Gerd Siebecke, Mitarbeiter des VSA: Verlags, hat dort die Reihe »Städte zu Fuß« mit konzipiert und unter anderem zahlreiche Hamburg-Buchprojekte betreut. Er lebt seit 1997 in der Schanze.
Inhalt:
- 16 Geschütze & ein Laufgraben
- Ein Wasserturm wird verhökert
- Fünf Bahnhöfe verbinden
- Straßenbahnen zum Schlachthof
- Federn, Füller & ein (noch) funkelnder Schanzenstern
- Glücksimbisse ersetzen Gewürzketchup
- Klaviere aus Liebe – untergegangen mit der Titanic
- Ossietzkys »Laterne« leuchtete nur einmal
- Völkerschauen in der Volksschule für Mädchen & Jungen
- Durch Terrassen zu einem Centro als Kontrapunkt
- Ein erstes Testbild & fehlender Wind
- Hamburg ist braun-weiß-(rot): die Europapokalsiegerbesieger
- Unser! Areal
- Tor auf, Tor zu: Altona & Hamburg
- Der St. Pauli-Express geht im Schulterblatt ab
- Hamburger Hof als Boarding-Haus des Westens?
- Die Grünspans, die Salomons & die Ehrlichs: Niemand & nichts wird vergessen
- Lichtspiele, Literatur & leckere Sachen
- Wüste Filmproduktion anstelle Pianofort-Mechanik
- Eine Rote Flora auf den Schanz-Élysées
- Arbeiterstraße zum sozialistischen Blumenladen
- Schäferstündchen in der Schanze
- »Ob die Leute das wohl sehen würden?«
- Fußballgötter üben: Solidarität im Park
- Die Schanze: ein kunterbuntes Klavierquartier
- Zum Weiterlesen / Websites | Tipps zum Ausklang
Rezensionen
Im Dezember 2011 hat der Autor drei Exemplare des Buches in den Adventskalender des Hamburger Lokalsenders Tide gestellt, die Redaktion hat ihn interviewt und das Buch vorgestellt. Wer die MP3-Datei unter Leseprobe anklickt, kann das nachhören.


