![]() | Wendula Dahle (Hrsg.) Die Geschäfte mit dem armen B.B. Vom geschmähten Kommunisten zum Dichter "deutscher Spitzenklasse" 176 Seiten (2007 | Nicht mehr lieferbar ) EUR 15.80 sFr 28.30 ISBN 978-3-89965-209-3 Kurztext: In diesem Buch wird die Vereinnahmung Bert Brechts durch die bundesdeutsche Elite aufgedeckt und anhand der Analyse ausgewählter Texte deren gesellschafts- und kapitalismuskritischer Kern freigelegt. | |
Bereits anlässlich des 100. Geburtstags im Jahre 1998 war die nationale Vereinnahmung des kommunistischen Dichters Bert Brecht offensichtlich. Zu seinem 50. Todestag im August 2006 wurde diese Instrumentalisierung weiter betrieben. Das war nicht immer so: In der Bundesrepublik der 1950er und 60er Jahre bestand das "Ärgernis Brecht" darin, dass ein weltweit anerkannter deutschsprachiger Dichter antikapitalistische Texte verfasst und sich im "Unstaat" DDR angesiedelt hatte. Nach dem Mauerbau 1961 wurde an westdeutschen Bühnen und Schulen gar zum "Brecht-Boykott" aufgerufen. Die nunmehr betriebene Eingemeindung Brechts in das deutsche Kulturgut, in die "gesamtdeutsche Geschichte" sowie in seine Vaterstadt Augsburg geht mit einer Negierung seiner Gesellschaftskritik einher. Das Bremer Autorenkollektiv analysiert anhand von Festreden wie auch an bekannten Interpretationen seiner Werke die heutige ideologische Teilung Brechts in einen zu ehrenden Dichter deutscher Sprachgewalt und einen, der im Privaten und deshalb auch in seinen Werken eine angeblich moralisch abzulehnende Haltung, oft sogar deklariert als Ausdruck einer gestörten Persönlichkeit, einnahm oder inhaltlich einfach von "verstaubten" Positionen ausging. In diesem Buch wird Brechts gesellschaftskritischer Anspruch hingegen ernstgenommen und die Methode seiner Vereinnahmung für den derzeitigen Kulturbetrieb und den schulischen literarischen Kanon der Bundesrepublik vorgeführt. Brechts Position als Dichter, Kommunist und Agitator wird dabei als durchaus nicht frei von Widersprüchen deutlich. In ihrer Kritik beziehen die Autoren eindeutig Position gegen nationalistisches Denken, das Brecht selbst zu Recht "lästig" nannte. Dafür berücksichtigen sie einerseits bekannte Werke wie "Leben des Galilei", "Die Maßnahme", "Die Unwürdige Greisin", "Die Kriegsfibel" als auch weniger bekannte Texte wie "Das Manifest", das Gedicht "Was ein Kind gesagt bekommt" und die "Kinderhymne", die wiederholt als Alternative zur Nationalhymne im Gespäch war. Sie illustrieren zudem anhand ihrer analytischen Lektüre, wie mittels Kunstgenuss fundiert richtige Gedanken über Kapitalismus, Nationalismus und Moral vermittelt werden können. Die Autorinnen und Autoren: |
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